Fragen aus Prüfungssimulation:
1) Wozu braucht man die Analysephase und was wird dabei gemacht?
2) Was für Nachhaltigkeitskonzepte gibt es bei der Fabrikplanung?
3) Unterschiedliche Art von Dächtern
4) Fabrikplanung als Lebenszyklus: Welche Phasen des Lebenszyklus gibt es da?
5) Kranschiene nutzen, wozu
6) TGA: Was muss man alles beachten bei Erschließung der Fabrik?
7) HOAI: Was ist das systemintrinsische Problem von HOAI?
8) 2 Punkte von Bodengutachtung
9) 3 scopes der CO2-Bilanzierung erläutern, wo wirken die?
10) Was ist der Unterschied zwischen digitalen Schatten und digitalen zwilling?
11) New Work, modern 8 bis 12 Frage dazu
1) Wachstumpotenzial & Engpässe bestimmen
2) Ökonomische und soziale Nachhaltigkeit definieren
4) Planung/Neubau/ Betrieb/ Umbau/ Rückbau … Bestanderweiterung
5) Last versetzung
6) Beim Bau der Fabrik Lastverkehr, Mitarbeiter, Umwege beachten, dass diese sich nicht kreuzen und Produktion nicht stören (Person & Lastverkehr sollen sich nicht kreuzen
7) wegen Gehaltkürzung
8) Wasser, Boden, Tragfähigkeit vom Boden, Kontamination
9) emmision = in Produktion, in
10)
Verantwortung
1) Kannst du die Aussage Fabriken sind eingefrorene Entscheidungen kurz erläutern?
Fabrik = langfristiges Projekt mit Lebensdauer von ca. 30- 60 Jahren und mehr d.h. Entscheidungen von heute bestehen über Generationen
Eine Fabrik ist das Ergebnis vieler Planungsentscheidungen, z. B.:
Standort/ Gebäude/ Maschinen/ Materialfluss/ Lager/ Arbeitsplätze
Sind diese Entscheidungen einmal umgesetzt, lassen sie sich nur mit hohem Aufwand ändern. Deshalb nennt man Fabriken „eingefrorene Entscheidungen".
2) In welchen groben Schritten hat sich die Industrie ausgehend von 18. Jahrhundert entwickelt?
Vorindustrielle Produktion -> Industrielle Revolution (Dampfmaschine) -> Fabriksystem -> Fließband- und Massenproduktion -> Automatisierung (= aindustrie 3.0Maschinen übernehmen Abläufe automatisch, Mensch kontrolliert nur)
-> Digitalisierung / Industrie 4.0 (= ca. 2011 - Vernetzung von Maschinen/ IT/ Produkten/ Menschen)
-> Industrie 5.0 (= ca. 2020 - Mensch& Nachhaltikeit & Resilienz stehen im Mittelpunkt)
3) Was war das Besondere an der Produktion vor 1800?
3.1) Wie kam es dazu & wie verlief die Entwicklung von Industriegebieten?
4) Wie kam es dazu & wie verlief die Entwicklung von Industriegebieten?
Industriegebiete entstanden als Folge der Industrialisierung und der Massenproduktion. Zunächst entstanden Fabriken innerhalb der Städte, weil Arbeiter, Rohstoffe und Absatzmärkte dort konzentriert waren.
Mit zunehmender Produktionsgröße, neuen Verkehrsmitteln und steigendem Flächenbedarf wurden die Fabriken an den Stadtrand verlagert.
Dort bildeten sich Industriegebiete, weil günstige Standortfaktoren wie Verkehrsanbindung, große Flächen, Energieversorgung und Zulieferer räumlich zusammentrafen und sich gegenseitig verstärkten (Agglomerationseffekte).
Chronologischer Ablauf
1. Industrialisierung -> Maschinen ersetzen Handarbeit. -> Massenproduktion entsteht. -> größere Fabriken werden benötigt.
2. Erste Fabriken entstehen in Städten: Warum? Arbeiter wohnen dort / kurze Wege/ Händler/ Infrastruktur -> Die Fabrik war damals Teil der Stadt.
-> Früher war die Fabrik Bestandteil des Stadtlebens.
3. Produktionsmengen wachsen -> größerer Platzbedarf -> mehr Verkehr -> Lärm / Emissionen -> Städte werden zu eng.
4. Fabriken ziehen an den Stadtrand: Auslöser: Massenproduktion/ Eisenbahn/ Straßenverkehr/ günstige Flächen
5. Industriegebiete entstehen: Weil viele Unternehmen dieselben Standortvorteile nutzen möchten.
Dadurch entstehen räumliche Konzentrationen.
Industriegebiet = räumliche Konzentration industrieller Unternehmen, die aufgrund gemeinsamer Standortvorteile (Verkehr, Energie, Zulieferer, Arbeitskräfte) entsteht.
Entstehungsfaktoren: 1. Nähe zu Rohstoffen Energie
2. Gute Verkehrsanbindung: Hafen/ Bahn/ Autobahn
3. Agglomerationseffekte = Unternehmen profitieren voneinander. z.B. Zulieferer /Fachkräfte
Agglomerationseffekt = Vorteil, der entsteht, wenn sich viele Unternehmen räumlich konzentrieren und gemeinsame Infrastruktur, Arbeitskräfte und Zulieferer nutzen.
Folgen der Verlagerung: 1) Räumlich: Versiegelung/ Zersiedelung/ Flächenverbrauch 2) Sozial: Wohnen und Arbeiten werden getrennt./ längere Pendelwege/ weniger Identifikation
3) Kulturell: Die Fabrik verliert ihre Einbettung. Sie wird Funktionsobjekt anstatt Teil des Stadtlebens.
Merkmale heutiger Industriegebiete: Funktionstrennung/ Monostrukturen/ hoher Versiegelungsgrad/ Emissionen/ hohe Infrastrukturabhängigkeit
Monostruktur = Gebiet, das fast ausschließlich einer Nutzung dient (hier: Industrie) und kaum Nutzungsmischung besitzt.
4) Was passiert nach der Erfindung der Dampfmaschine?
5) Kannst du den Zusammenhang zwischen Fließbandproduktion und der Demokratisierung der Mobilität erklären?
4) Was passiert nach der Erfindung der Dampfmaschine? Was heißt es genau?
Dampfmaschine ermöglicht erstmals eine leistungsstarke mechanische Energieversorgung. Dadurch wurden große Maschinen möglich, die an einem Ort betrieben wurden. Viele Arbeitskräfte mussten nun an diesem Ort zusammenarbeiten, um die Maschinen zu bedienen.
Merken: Dampfmaschine führte zur Zentralisierung von Energie, Maschinen und Arbeitskräften – kleine Handwerksbetriebe entwickelten sich zu Fabriken.
Dampfmaschine: ermöglichte Mechanisierung d.h. Körperliche Handarbeit wird durch Maschinen ersetzt.
Außerdem erzeugt große Dampfmaschine Energie. Über Wellen und Riemen werden alle Maschinen in der Fabrik angetrieben.
➡️ Deshalb spricht man von Zentralisierung der Energie.
Dadurch: können große Maschinen betrieben werden -> Produktion wird zentralisiert & führt zur Bildung von Fabriken -> Arbeitsteilung nimmt zu -> Massenproduktion wird möglich
Die Fließbandproduktion (ab 1913/1914, Henry Ford) machte die Herstellung von Produkten deutlich schneller und günstiger. Durch standardisierte Arbeitsschritte konnten Autos in großer Stückzahl produziert werden (Massenproduktion).
Dadurch sank der Verkaufspreis erheblich, sodass sich nicht mehr nur wohlhabende Menschen, sondern auch breite Bevölkerungsschichten ein Auto leisten konnten. Deshalb spricht man von der Demokratisierung der Mobilität.
Die steigende Zahl an Fahrzeugen führte außerdem zum Ausbau der Verkehrs- und Logistikinfrastruktur. Produkte mussten nicht mehr dort hergestellt werden, wo sie verkauft wurden, sondern konnten dort produziert werden, wo die Herstellung am effizientesten war. Dadurch vergrößerte sich der Absatzmarkt (Marktradius) erheblich und die Globalisierung wurde gefördert.
Demokratisierung der Mobilität = Mobilität wird nicht mehr nur einer kleinen, wohlhabenden Bevölkerungsschicht ermöglicht, sondern für großen Teil der Bevölkerung zugänglich.
6) Der Radius des Marktes explodierte nach dem Henry Ford die Fließbandproduktion konsequent einsetzte, wie kam es dazu?
Durch günstige Autos konnten viel mehr Menschen ein Auto kaufen.
Dadurch: größerer Absatzmarkt / überregionale Märkte entstehen / bessere Transportmöglichkeiten / schnellere Lieferungen / internationale Lieferketten entwickeln sich
Kurz: Billigere Produkte + bessere Mobilität = stark wachsender Markt.
➡️ Fokus: Auswirkungen auf Unternehmen und Märkte
Antwort: Die Fließbandproduktion machte die Herstellung großer Stückzahlen sehr günstig. Gleichzeitig konnten durch die zunehmende Motorisierung und den Ausbau der Transport- und Logistiksysteme Produkte über große Entfernungen transportiert werden.
Dadurch:
Produktion muss nicht mehr am Verkaufsort stattfinden.
Es wird dort produziert, wo es am effizientesten und günstigsten ist.
Produkte werden weltweit transportiert.
⇒ Der Absatzmarkt bzw. Marktradius wächst enorm (Globalisierung).
Merksatz:
Fließband → Massenproduktion → günstiger Transport → Produktion und Absatz werden räumlich entkoppelt → Marktradius wächst.
7) Kannst du zwei Folgen der Entstehung von Industriegebieten nennen? (räumlich, sozial und oder kulturell)
Räumlich: hoher Flächenverbrauch/ Versiegelung von Böden/ Städte wachsen
Sozial: Verstädterung / Konzentration vieler Arbeitskräfte / Entstehung neuer Berufe
Kulturell: Wandel vom Handwerker zum Industriearbeiter / Veränderung des Alltagslebens
8) Was bedeutet Flächenverbrauch?
11) Kannst du den Flächenverbrauch anhand eines Beispiels mit einer Skizze verdeutlichen?
9) Wie hoch liegt der aktuelle Flächenverbrauch pro Tag in Deutschland aktuell (Hektar/Tag oder Fußballfelder/Tag)?
Flächenverbrauch = Umwandlung von Freiflächen (Wiesen, Wälder, landwirtschaftliche Nutzflächen) in Siedlungs- & Verkehrs-/ Industrieflächen.
Flächenverbrauch bedeutet, dass natürliche oder landwirtschaftliche Flächen dauerhaft für Siedlungen, Straßen oder Industrie genutzt werden. Dadurch gehen natürliche Bodenfunktionen verloren.
Der aktuelle Flächenverbrauch beträgt etwa 50 Hektar pro Tag. Das entspricht ungefähr 70 Fußballfeldern pro Tag. Entwicklung der politischen Ziele: Heute: ca. 50 ha/Tag; Ziel 2030: 30 ha/Tag
Ziel 2050: Netto-Null-Flächenverbrauch
Merksatz - Aktuell: 50 ha/Tag → Ziel 2030: 30 ha/Tag → Ziel 2050: Netto-Null.
10) Wie ist der Netto-Null-Flächenverbrauch der bis 2050 erreicht werden soll zu verstehen, was bedeutet das?
12) Fabriken versiegeln großflächig Boden, kannst du mir zwei oder drei Folgen nennen?
12.1) Was ist bei Fabrikplanung und Bodenversiegelung zu beachten?
Netto-Null-Flächenverbrauch: Jede neu versiegelte Fläche muss durch Entsiegelung einer gleich großen Fläche ausgeglichen werden. Es darf also weiterhin gebaut werden, aber ohne zusätzlichen dauerhaften Flächenverbrauch.
Beispiel: Neue Fabrik versiegelt 5 ha. Gleichzeitig werden 5 ha einer alten Industriefläche entsiegelt oder renaturiert. ➡️ Netto = 0 ha zusätzlicher Flächenverbrauch
Warum ist das wichtig? Ziele: Schutz von Böden / Erhalt landwirtschaftlicher Flächen / Schutz der Biodiversität / bessere Regenwasserversickerung / nachhaltige Flächennutzung
Netto-Null = Langziel bis 2050 = Jede neue Versiegelung muss durch eine gleich große Entsiegelung ausgeglichen werden.
Resilienz = Wiederstandsfähigkeit
Bei der Fabrikplanung sollte Bodenversiegelung möglichst vermieden oder reduziert werden. Dafür nutzt man bevorzugt bereits bebaute Flächen (Brownfields) statt unbebaute Greenfields. Außerdem sollte die Fläche effizient genutzt werden, z. B. durch kompakte Layouts oder mehrgeschossige Gebäude. Regenwasser sollte möglichst versickern können, etwa durch wasserdurchlässige Beläge oder Dachbegrünungen. Zusätzlich muss die Fabrik klimaresilient geplant werden, zum Beispiel gegen Starkregen oder Hitze. Ziel ist es, den Flächenverbrauch und die Umweltbelastung möglichst gering zu halten.
13) Was kann ich tun, um die Bodenversiegelung selbst oder ihre Folgen bereits in der Planung meiner Fabrik abzumildern?
14) Fabrikplanung ist Flächenkunst / Fabrikplanung ist Eingriff in ein knappes Gut: Boden – wie ist das zu verstehen?
Bodenversiegelung lässt sich durch vier Maßnahmen reduzieren: Erstens Brownfields statt Greenfields nutzen. Zweitens die Flächeneffizienz durch kompakte oder mehrgeschossige Gebäude erhöhen. Drittens Regenwasser durch versickerungsfähige Beläge, Gründächer oder Retentionsdächer vor Ort zurückhalten. Viertens die Fabrik klimaresilient planen, z. B. mit Hochwasserschutz und Rückhaltesystemen.
Zum Beispiel: Flächen effizient nutzen / mehrstöckige Gebäude / Brachflächen statt Neubau nutzen / wasserdurchlässige Parkplätze / Dachbegrünung / Fassadenbegrünung / Ausgleichsflächen schaffen
-> Pauschal ist Greenfield in den Anfangsinvestitionen teurer, da die gesamte Infrastruktur von Grund auf neu errichtet werden muss. Brownfield-Projekte sind anfangs günstiger, da bereits vorhandene Strukturen genutzt werden. Die Gesamtkosten hängen jedoch stark vom Einzelfall ab.
Fabrikplanung ist ein Eingriff in das knappe Gut Boden, weil für den Bau einer Fabrik dauerhaft Fläche benötigt wird. Boden ist jedoch nur begrenzt verfügbar und erfüllt wichtige Funktionen für Natur, Landwirtschaft, Wasserhaushalt und Klima. Wird Boden bebaut und versiegelt, gehen diese Funktionen teilweise oder vollständig verloren. Deshalb muss in der Fabrikplanung sparsam und nachhaltig mit Fläche umgegangen werden.
Nachhaltigkeit
15) Nenne mir die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, und je ein Beispiel dafür?
16) Was bedeutet das Vorrang-Prinzip der Ökologie?
Nachhaltigkeit besteht aus drei Dimensionen: der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit. Ökologisch bedeutet beispielsweise Ressourcenschonung oder Emissionsreduktion.
Ökonomisch bedeutet langfristige Wirtschaftlichkeit, etwa durch energieeffiziente Maschinen.
Sozial bedeutet gute Arbeitsbedingungen, Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden.
Nachhaltigkeit bedeutet, ökologische, ökonomische und soziale Ziele in Einklang zu bringen, sodass heutige Bedürfnisse erfüllt werden, ohne zukünftige Generationen zu gefährden.
Vorrang-Prinzip der Ökologie bedeutet, dass der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen Vorrang hat. Nur wenn Umwelt & Ressourcen erhalten bleiben, können Wirtschaft & Gesellschaft langfristig funktionieren.
Vorrang-Prinzip der Ökologie besagt: Die ökologische Nachhaltigkeit bildet die Grundlage für wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit.
Denn: Ohne gesunde Umwelt gibt es keine Rohstoffe/ keine Landwirtschaft / kein stabiles Klima & damit langfristig keine funktionierende Wirtschaft & Gesellschaft.
17) Nenne die drei Strategien der Nachhaltigkeit, und je ein Beispiel dazu?
17) Nenne die 3 Strategien der Nachhaltigkeit, und je ein Beispiel dazu?
1. Effizienz: Mit weniger Ressourcen mehr erreichen. -> Ziel: weniger Energie, Material & Zeit für gleichen Output. -> Beispiel: energieeffiziente Maschine/ LED-Beleuchtung / optimierter Produktionsprozess
2. Konsistenz: Im Einklang mit der Natur produzieren. Materialien sollen: recycelbar sein, in Kreisläufen geführt werden, umweltverträglich sein. -> Beispiel: Recycling/ Biokunststoffe
3. Suffizienz: Weniger und bewusster produzieren und konsumieren. Es geht nicht um bessere Technik, sondern um verändertes Verhalten. -> Beispiel: langlebige Produkte/ Reparieren statt Wegwerfen / Sharing statt Besitzen
18) Im Zusammenhang mit Effizienz ist der Rebound-Effekt zu nennen, was steck dahinter?
Rebound-Effekt beschreibt, dass Effizienzgewinne durch Mehrkonsum wieder teilweise oder vollständig verloren gehen. Ein sparsames Auto senkt Benzinverbrauch & damit Kosten pro Kilometer. Dadurch fahren viele Menschen häufiger, sodass der Gesamtverbrauch kaum sinkt oder sogar steigt. Deshalb reicht Effizienz allein nicht aus; auch Konsistenz und Suffizienz sind notwendig.
Beispiel: Ein Auto verbraucht weniger Benzin -> Fahren wird günstiger -> Man fährt häufiger -> Gesamter Kraftstoffverbrauch sinkt kaum oder steigt sogar wieder.
Weitere Beispiele:
LED-Lampen → Licht ist günstiger → Licht bleibt länger an.
Stromsparende Geräte → mehr Geräte werden gekauft.
Energieeffiziente Fabrik → Produktion wird ausgeweitet.
Warum reicht Effizienz alleine nicht? = Effizienz verbessert nur die Technik. Das Verhalten der Menschen bleibt häufig gleich oder verändert sich sogar in Richtung Mehrkonsum. Deshalb braucht Nachhaltigkeit zusätzlich: Konsistenz & Suffizienz
Konsistenz & Suffizienz & Effizienz = 3 zentrale Leitstrategien für ökologische Nachhaltigkeit.
Konsistenz = Wirtschaftsprozesse und Technologien sollen so gestaltet werden, dass sie mit natürlichen Kreisläufen harmonieren.
Suffizienz = Reduktion des Ressourcen- & Energieverbrauchs durch Verhaltensänderungen & bewussten Konsum.
Effizienz = weniger Ressourcen pro Einheit
19) Welche Phasen hat das Lebenszyklusdenken bei einer Fabrik? Kannst du alle fünf nenne?
19) Welche Phasen hat das Lebenszyklusdenken bei einer Fabrik? Kannst du alle fünf nennen?
Lebenszyklusdenken bedeutet, dass eine Fabrik über ihren gesamten Lebenszyklus betrachtet und bereits bei der Planung alle späteren Lebensphasen berücksichtigt werden.
Eine Fabrik besteht oft 30–60 Jahre oder länger, deshalb müssen Entscheidungen langfristig getroffen werden.
Eselsbrücke: Peter Baut Bunte Uhren Richtig.
Warum ist das wichtig? Entscheidungen in der Planungsphase beeinflussen alle späteren Phasen.
Bspw. entscheidet die Planung über: Energieverbrauch im Betrieb / spätere Erweiterbarkeit / Wartungsaufwand / Umbaufähigkeit/ Rückbau und Recycling.
Deshalb gilt: Nachhaltige Fabrikplanung betrachtet nicht nur den Bau, sondern den gesamten Lebenszyklus der Fabrik.
Was bedeutet nachhaltige Fabrikplanung?
Die Folie sagt: Nachhaltige Fabrikplanung ist ein Denkstil, der die Planung prägt.
Das bedeutet: Man plant eine Fabrik so, dass sie möglichst wenige Ressourcen verbraucht, möglichst wenig Umwelt belastet, langfristig nutzbar bleibt, flexibel umgebaut werden kann und am Ende möglichst viele Materialien wiederverwendet oder recycelt werden können.
⚠️ Wichtig: Nachhaltig bedeutet nicht, dass die Fabrik möglichst billig ist, sondern dass sie über ihren gesamten Lebenszyklus ökologisch, ökonomisch und sozial sinnvoll ist.
Wachstumsmodelle
20) Warum ist es wichtig sich im Rahmen der Fabrikplanung mit Wachstumsparadigmen, nachhaltigen Wirtschaftsmodellen bzw. der ethischen Dimension von Wachstum zu beschäftigen?
21) Welche Probleme löst endloses Wachstum aus?
20) Warum ist es wichtig sich im Rahmen der Fabrikplanung mit Wachstumsparadigmen, nachhaltigen Wirtschaftsmodellen bzw. der ethischen Dimension von Wachstum zu beschäftigen.
Weil Fabriken langfristige Investitionen sind, die Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft über lange Zeit beeinflussen. Bereits in der Planungsphase werden Entscheidungen getroffen, die den Ressourcenverbrauch, den Energiebedarf, die CO₂-Emissionen und den Flächenverbrauch einer Fabrik langfristig festlegen.
Deshalb muss Fabrikplanung heute nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch und sozial verantwortungsvoll erfolgen. Nachhaltige Wirtschaftsmodelle helfen dabei, Ressourcen effizient zu nutzen, Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen und Fabriken langfristig zukunftsfähig zu gestalten.
ethische Dimension = bedeutet, dass wirtschaftliches Wachstum nicht nur nach Gewinn beurteilt wird, sondern auch nach seinen Auswirkungen auf Umwelt, Klima und zukünftige Generationen.
Unterschiedliche Sichtweisen auf Wachstum führen zu unterschiedlichen Entscheidungen.
Fabrikplanung bestimmt die Auswirkungen einer Fabrik über viele Jahrzehnte. Deshalb müssen neben den wirtschaftlichen Zielen auch ökologische und soziale Aspekte berücksichtigt werden. Nachhaltige Wirtschaftsmodelle helfen, Ressourcen zu schonen, Emissionen zu reduzieren und Fabriken langfristig zukunftsfähig zu gestalten.
Das klassische Wachstumsparadigma geht davon aus:
Mehr Wirtschaftswachstum = mehr Wohlstand. Dieses Modell stößt jedoch an Grenzen.
1. Planetare Belastungsgrenzen: Ressourcen sind begrenzt. Klima, Biodiversität und Ökosysteme werden überlastet.
2. Konsumzwang: immer mehr produzieren, immer mehr konsumieren, Beschleunigung der Gesellschaft → mehr Konsum bedeutet nicht automatisch mehr Lebensqualität.
3. Soziale Ungerechtigkeit: Wirtschaftswachstum allein sorgt nicht automatisch für gerechte Verteilung. Trotz steigendem BIP können soziale Ungleichheiten bestehen bleiben oder sogar wachsen.
-> Wachstum stößt an Grenzen: Ressourcen endlich/ Umweltbelastung steigt / Wachstum allein löst ökologische und soziale Probleme nicht
Endloses Wachstum führt zur Übernutzung natürlicher Ressourcen und überschreitet Belastungsgrenzen. Außerdem entsteht Konsumzwang und eine Beschleunigung der Gesellschaft, ohne dass dadurch automatisch die Lebensqualität steigt. Wirtschaftswachstum führt nicht automatisch zu sozialer Gerechtigkeit. Deshalb stößt dauerhaftes Wachstum auf ökologische und gesellschaftliche Grenzen.
22) Wir haben in der Vorlesung Niko Paech als Vertreter der Postwachstumsökonomie und Katja Gentinetta als Vertreterin für technisch, innovativ getrieben Wachstum angeschaut, warum ist das für die Fabrikplanung von Bedeutung?
22) Wir haben in der Vorlesung Niko Paech als Vertreter der Postwachstumsökonomie und Katja Gentinetta als Vertreterin für technisch, innovativ getriebenes Wachstum angeschaut. Warum ist das für die Fabrikplanung von Bedeutung?
Es gibt unterschiedliche Wege zu einer Fabrikgestaltung.
Man muss beide Perspektiven kennen, diese Abwägen und je nach Situation in der Fabrikplanung berücksichtigen.
Dadurch wird das stategische Vorgehen der Fabrikplanung (Kapazitäten/ Layout/ Prozesse) bestimmt und ob die Fabrik eher ressoucenschonender, kreislauffähiger oder innovativ-technischer gestaltet werden soll.
Niko Paech - Grundidee: Das Problem ist zu viel Wachstum. -> Lösung: Suffizienz / weniger Konsum / Regionalität / Reparieren / Selbstbegrenzung / Technik allein reicht seiner Meinung nach nicht aus.
Katja Gentinetta - Grundidee: Wachstum ist nicht das Problem – sondern die Art des Wachstums.
-> Lösung: Innovation / Digitalisierung / Effizienz / nachhaltige Technologien / struktureller Wandel
Warum ist das wichtig? Ein Fabrikplaner muss beide Perspektiven kennen.
Er muss überlegen, wann technische Innovation sinnvoll ist, wann Ressourcen eingespart werden sollten, wann weniger Produktion oder andere Produkte sinnvoll sein könnten. Deshalb sagt eure letzte Folie: „Wir müssen beides denken.“
Paech und Gentinetta vertreten zwei unterschiedliche Wachstumsmodelle. Paech fordert weniger Konsum und Produktion sowie einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. Gentinetta sieht Wachstum weiterhin als notwendig an, möchte dieses aber durch Innovation, Digitalisierung und Effizienz nachhaltig gestalten.
Für die Fabrikplanung ist das wichtig, weil Fabriken über 50-60 Jahre bestehen. Deshalb müssen sie sowohl ressourcenschonend als auch flexibel und technologisch anpassbar geplant werden. Die Fabrikplanung muss also Nachhaltigkeit und Innovation miteinander verbinden
23) Was meine ich mit der ethischen Verantwortung eines Fabrikplaners? Welche Fragen stellen sich mir, als ethisch verantwortungsvoller Fabrikplaner:in?
Die ethische Verantwortung bedeutet, dass Fabrikplaner nicht nur wirtschaftliche Ziele verfolgen, sondern auch Verantwortung für Umwelt, Gesellschaft und zukünftige Generationen übernehmen.
Die ethische Verantwortung eines Fabrikplaners besteht darin, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch und sozial verantwortlich zu handeln. Er muss die Auswirkungen seiner Entscheidungen auf Umwelt, Ressourcen und zukünftige Generationen berücksichtigen.
Deshalb sollte er sich fragen, wie viel Produktion wirklich notwendig ist, welche Produkte sinnvoll sind, wie viel Fläche beansprucht werden darf und wie eine Fabrik nachhaltig gestaltet werden kann.
Ethische Verantwortung: Ein Fabrikplaner trägt Verantwortung für Umwelt, Gesellschaft und zukünftige Generationen – nicht nur für Kosten und Produktivität.
Welche Fragen stellt sich ein verantwortungsvoller Fabrikplaner?
Die Folie nennt genau diese Fragen:
Wie viel Produktion brauchen wir wirklich?
Welche Produkte sind sinnvoll?
Wie viel Mobilität ist notwendig?
Wie viel Fläche darf die Industrie beanspruchen?
Welche Arbeit bleibt in einer nachhaltigen Wirtschaft?
Wie sieht eine Fabrik aus, die nicht auf unbegrenztes Wachstum ausgerichtet ist?
Was bedeutet das konkret? ?
Ein Fabrikplaner sollte sich fragen:
Ist eine neue Fabrik überhaupt notwendig?
Kann eine bestehende Fabrik erweitert werden?
Kann Fläche oder Energie eingespart werden?
Welche Folgen haben meine Entscheidungen für kommende Generationen?
Phasen der Fabrikplanung
24) Kannst du mir die Definition der Fabrikplanung nach VDI 5200 in eigenen Worten wiedergeben? (WICHTIG, solltet ihr einen Blackout haben – sagt es mir, dann stelle ich euch diese Frage! Wenn ihr die Antwort auswendig gelernt habt, verschwindet der Blackout dann)
24) Kannst du mir die Definition der Fabrikplanung nach VDI 5200 in eigenen Worten wiedergeben?
Die Fabrikplanung ist ein systematischer und zielorientierter Planungsprozess, bei dem eine Fabrik mithilfe geeigneter Methoden und Werkzeuge von der ersten Idee über die Zieldefinition bis zur Inbetriebnahme geplant und umgesetzt wird.
Systematisch bedeutet, dass die Fabrikplanung nicht zufällig erfolgt, sondern in aufeinander aufbauenden Phasen nach einer klaren Vorgehensweise durchgeführt wird.
25) In welche Phasen teilt sich die Fabrikplanung ein? (es ist mir egal, ob ihr meine allgemeine Industriedefinition oder eine aus der Literatur nennt)
Nach VDI 5200 (7 Phasen): 1) Zielfestlegung 2) Grundlagenermittlung 3) Konzeptplanung 4) Detailplanung
5) Realisierungsvorbereitung 6) Realisierungsüberwachung 7) Hochlaufbetreuung
Die Fabrikplanung wird nach VDI 5200 in sieben Phasen eingeteilt: Zielfestlegung, Grundlagenermittlung, Konzeptplanung, Detailplanung, Realisierungsvorbereitung, Realisierungsüberwachung und Hochlaufbetreuung. Diese lassen sich auch zu fünf Hauptphasen zusammenfassen: Analyse, Konzept, Feinplanung, Realisierungsplanung und Realisierungsbegleitung.
26) Welche Planungsebene hat die Fabrikplanung?
Planungsebene = beschreibt die Hierarchie/ Aufbau / Struktur der Fabrik von groß nach klein.
Fabrikplanung umfasst 5 Planungsebenen, die vom Groben zum Detail aufeinander aufbauen:
1) Standort: Auswahl und Anordnung des Werksgeländes in der Region.
2) Generalbebauung: Anordnung der Gebäude auf dem Fabrikgelände.
3) Fabrikgebäude: Planung des Gebäudes einschließlich Bereichs- und Betriebsstruktur.
4) Produktions- und Logistikbereich: Anordnung der Nutzungsbereiche innerhalb des Gebäudes.
5) Arbeitsplätze: Gestaltung der Produktionsstationen und Arbeitsplätze.
Merken: Vom Groben zum Detail: Standort → Generalbebauung → Fabrikgebäude → Produktions-/Logistikbereich → Arbeitsplatz
=> In der Praxis erfolgt die Fabrikplanung jedoch iterativ: Entscheidungen auf einer Ebene können Änderungen auf anderen Ebenen erforderlich machen. Es wird also nicht nur vom Groben zum Detail, sondern in beide Richtungen geplant.
Hier ist wichtig: ➡️Iterative Planung: Die Realität verbindet beide Richtungen (Bottom-up & Top-down).
5 Planungsebenen: 1) Standort -> Wo soll die Fabrik gebaut werden? 2) Generalbebauung -> Wo liegen die Gebäude auf dem Werksgelände? 3) Fabrikgebäude -> Aufbau und Bereichsstruktur des Gebäudes.
4) Produktions-/Logistikbereich -> Anordnung der Produktions- und Logistikbereiche.
5) Arbeitsplätze -> Gestaltung einzelner Arbeitsplätze bzw. Produktionsstationen.
27) Welche verschiedenen Planungsrichtungen kennst du?
Planungsrichtung = beschreibt WIE man bei der Planung vorgeht -> man beginnt von den Maschinen/ Produktion (innen), weil der Produktionsprozess die Fabrik bestimmt. Kern der Fabrik ist die Produktion (innen) und das Gebäude wird (außen) um den Produktionspeozwss herum geplant. Daher von innen nach außen planen
Es gibt 3 wichtige Planungsrichtungen:
1. Top-Down: Vom Groben zum Detail. Beispiel: Standort -> Gebäude -> Layout -> Arbeitsplätze
2. Bottom-Up: Vom Detail zum Gesamtsystem. Beispiel: Maschinen -> Arbeitsplätze -> Bereiche -> Gebäude
3. Iterative Planung (Praxis): Die Realität verbindet beide Richtungen. Man plant zunächst grob (Top-Down), überprüft anschließend die Details (Bottom-Up), passt das Grobkonzept wieder an. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrfach.
Top-Down → planen Bottom-Up → überprüfen Iteration → verbessern
Es gibt den Top-Down-Ansatz, den Bottom-Up-Ansatz und die iterative Planung. Beim Top-Down wird vom Groben zum Detail geplant. Beim Bottom-Up werden Detailinformationen genutzt, um das Gesamtsystem zu entwickeln oder zu überprüfen. In der Praxis werden beide Ansätze kombiniert und durch mehrere Iterationen (= Wiederholungen) kontinuierlich angepasst.
28) Welche Planungsanlässe gibt es?
Planungsanlässe entstehen durch Veränderungen innerhalb der Fabrik oder durch äußere Anforderungen. Daraus ergeben sich vier Planungsfälle:
Planung einer neuen Fabrik auf der „grünen Wiese“ (Greenfield).
Es müssen Standort, Gebäude und Produktionskonzept vollständig neu geplant werden.
Hier unterscheidet man zwei Fälle:
a) Bestandsumgestaltung = vorhandene Flächen werden anders genutzt / umgestaltet.
Anpassung der bestehenden Fabrik, z. B. durch:
neue Produkte,
neue Fertigungstechnologien,
Rationalisierung oder Produktionsoptimierung.
Die Produktion läuft dabei meist weiter.
b) Bestandserweiterung = neue / mehr Flächen werden geschaffen
Erweiterung der vorhandenen Fabrik, z. B.:
zusätzliche Hallen,
Kapazitätserhöhung,
Erweiterung des Materialflusses oder der Generalbebauung.
Stilllegung und Demontage einer Fabrik oder einzelner Bereiche.
Ziel ist die Vorbereitung einer neuen Nutzung.
Wiedernutzung eines stillgelegten Industriestandortes (Brownfield).
Bestehende Gebäude oder Infrastruktur werden modernisiert und erneut genutzt.
29) Kannst du mir den Ablauf einer Fabrikplanung beschreiben? Gerne an einem Beispiel, wie etwa einer Fabrik für Verpackungsfolien.
Zunächst wird das Projekt initialisiert und die Ausgangssituation analysiert. Dazu gehören Standortsuche, Zielbild und Strategie, Ist-Prozesse & Flächen, sowie Potenzialanalyse.
Beispiel Verpackungsfolienfabrik:
gewünschte Jahreskapazität festlegen (z. B. 10.000 t/Jahr)
Produkt definieren (z. B. BOPP- oder BOPLA-Folie)
bestehende Extrusionsprozesse analysieren
Kapazitäten berechnen
Engpässe identifizieren (z. B. Druck oder Coating -> limitierende Faktoren)
➡️ Leitfrage: Was soll produziert werden und wo liegt aktuell der Engpass?
Es werden die SOLL-Prozesse entwickelt. Flächenmodule, Gebäudeanforderungen und Medienbedarfe festgelegt. Danach entsteht zunächst ein Ideallayout (Blocklayout), das anschließend als Reallayout an die tatsächlichen Grundstücksgrenzen angepasst wird. Zum Schluss erfolgt die Bewertung der Varianten und die Auswahl des Ziellayouts.
verschiedene Produktionsvarianten vergleichen
Potato-Peel-Barriere integrieren
Materialfluss entwickeln (z. B. U-förmig)
geeignete Extrusions- und Beschichtungsanlagen auswählen
bestes Layout auswählen
➡️ Leitfrage: Welche Lösung erfüllt die Ziele am besten?
Nun wird das ausgewählte Konzept detailliert ausgearbeitet. Die Planung erfolgt bis auf Arbeitsplatzebene. Außerdem werden Gebäudeanforderungen, Medienbedarfe sowie die Zusammenarbeit mit Architekten und Fachplanern konkretisiert.
Detailierte Ausplanung von Produktion, Logistik, Administration, Sozial- & Büroflächen + Sonstige Themen
Genaue Anordnung der Extruder und Wickelmaschinen auf Arbeitsplatzebene
Verkehrskonzept planen (Lastverkehr, Parkplätze, Langläufer definieren)
Medienbedarfe festlegen: Strom-, Druckluft- und Kühlwasserbedarf (TGA)
Gebäudeanforderungen/ Brandschutz/ IT-Infrastruktur
➡️ Leitfrage: Funktioniert die geplante Fabrik technisch und wirtschaftlich?
Langläufer (oder Langläuferteil) = Bauteil, Rohstoff mit einer besonders langen Liefer- oder Wiederbeschaffungszeit. Diese Teile bestimmen maßgeblich, wie lange die Herstellung des gesamten Endprodukts dauert.
Jetzt wird die Umsetzung vorbereitet. Dazu gehören die Gebäudeplanung sowie Maschinen- und Anlageninvestitionsprojekte.
Bauantrag und Genehmigungen vorbereiten, Bauantrag erstellen
Bau- & Prozessplanung ; Bebauungsplan z.B. bei Erweiterung zusätzlicher Maschinen
Architekten, Fachplaner (für TGA) auswählen
Maschinen bestellen, Montage und Termine planen -> Umzugsplanung
➡️ Leitfrage: Wie wird die Planung praktisch umgesetzt?
In der letzten Phase wird die Umsetzung begleitet. Dazu gehören Bauprojektsteuerung, Bauherrenvertretung, Umzugsplanung sowie das Hochlaufmanagement bis zum Produktionsstart (SOP – Start of Production).
Maschinen installieren, Umzug umsetzen
Produktionsstart begleiten - Ramp-up (Hochfahren der Produktion) überwachen
Prozesse optimieren, bis eine stabile Serienproduktion erreicht wird
➡️ Leitfrage: Läuft die Fabrik stabil und erreicht sie die geplante Leistung?
Analyse (Status Quo & Ziele): Festlegung der Kapazitätsziele (z. B. 10.000 t Folie/Jahr) und Aufnahme der Ist-Daten bestehender Extrusionsprozesse.
Konzeptplanung (Ideal- & Realplanung): Entwurf eines Ideallayouts (z. B. U-förmiger Materialfluss vom Granulatlager über die Extrusion zum Versand) und Anpassung an reale Grundstücksgrenzen.
Feinplanung (Detaillierung): Genaue Anordnung der Extruder und Wickelmaschinen auf Arbeitsplatzebene sowie Definition der Medienbedarfe (z. B. Strom für Heizregister, Kühlwasser für Folienwalzen).
Realisierungsplanung (Vergabe): Erstellung der Genehmigungsunterlagen (Bauantrag) und Auswahl der Fachplaner für die technische Gebäudeausstattung (TGA).
Realisierungsbegleitung (Bau & Hochlauf): Überwachung des Baufortschritts, Installation der Maschinen und Begleitung des Ramp-up bis zum Produktionsstart (SOP).
Was war die eigentliche Botschaft des Planspiels?
Die Dozentin wollte zeigen:
Engpass finden
Engpass wird identifiziert und anschließend beseitigt bzw. verbessert
Layoutvarianten vergleichen
Kosten und technische Machbarkeit bewerten
Berechnungen sind Werkzeuge der Fabrikplanung, nicht das eigentliche Lernziel.
Musterantwort für die mündliche Prüfung (ca. 1 Minute)
30) Die Analysephase umfasst das Aufsetzten des Projektmanagement und dann die Beschäftigung mit dem Wachstum, Ist-Prozessen und den vorhandenen Flächen, wozu werden diese Daten benötigt?
Diese Daten werden benötigt, um eine Potenzialanalyse durchzuführen und die Entwicklung der Soll-Prozesse und des zukünftigen Fabriklayouts abzuleiten. Sie bilden die Datengrundlage für die gesamte Fabrikplanung und helfen dabei, das geplante Wachstumsszenario zu bestimmen.
Dazu werden drei Datenquellen zusammengeführt:
Vergangenheitsdaten aus ERP-, BDE- oder MES-Systemen (z. B. Stückzahlen, Auslastung, Bestände),
Gegenwartsdaten aus der IST-Analyse (z. B. Materialfluss, Produktionsabläufe, Flächennutzung, Mitarbeiterauslastung),
Prognosedaten zum zukünftigen Wachstum (z. B. Umsatz, Produktionsprogramm, neue Produkte oder Zielmärkte).
Erst durch die Kombination dieser Daten können Kapazitäts-, Flächen- und Investitionsbedarfe zuverlässig bestimmt und die nächsten Planungsschritte vorbereitet werden.
Quiz-Frage: Was ist der Kern einer Potenzialanalyse in der Fabrikplanung?
Eine Potenzialanalyse ermittelt die Differenz zwischen dem IST-Zustand und dem bestmöglichen Zustand einer Produktion. Sie dient dazu, Ineffizienzen und Engpässe quantifizierbar zu machen und daraus priorisierte Maßnahmen zur Verbesserung von Kosten, Zeit und CO₂-Ausstoß abzuleiten.
Wofür werden die einzelnen Daten benötigt?
1. Wachstum→ Wie entwickelt sich das Unternehmen künftig?
Dazu gehören z. B.: Absatzentwicklung / Produktionsmengen / neue Produkte / zukünftige Kapazitäten
➡️ Daraus wird das Wachstumsszenario und die benötigte Kapazität abgeleitet.
2. IST-Prozesse → Wie arbeitet die Fabrik heute?
Man untersucht: Materialfluss / Produktionsabläufe / Maschinen / Engpässe / Schwachstellen
➡️ Ziel: Verbesserungspotenziale erkennen und Soll-Prozesse entwickeln.
3. IST-Flächen → Welche Flächen stehen zur Verfügung?
Man erfasst: Hallen / Lager / Verkehrsflächen / Reserven
➡️ Ziel: Prüfen, ob zukünftige Layouts auf der vorhandenen Fläche realisierbar sind.
„Potenzial = Differenz zwischen dem IST-Zustand und dem bestmöglichen Zustand"
Warum ist die Analyse insgesamt wichtig?
Nur wenn der aktuelle Zustand bekannt ist, kann eine passende zukünftige Fabrik geplant werden.
Phase der Fabrikplanung
31) Im Konzept werden Soll-Prozesse entwickelt, Flächenbedarfe berechnet und dann Ideal- und anschließend Reallayout erstellt. Warum ist es wichtig sich erste Gedanken zu TGA, Stufenplan und Investitionskosten zu machen?
In der Konzeptphase wird nicht nur das zukünftige Soll-Konzept entwickelt, sondern auch geprüft, ob dieses technisch, räumlich und wirtschaftlich umsetzbar ist.
Deshalb müssen bereits erste Überlegungen zur Technischen Gebäudeausrüstung (TGA), zum Stufenplan und zu den Investitionskosten erfolgen.
TGA (Technische Gebäudeausrüstung): Bereits im Konzept muss geprüft werden, ob die geplanten Produktionsanlagen mit den erforderlichen Medien wie Strom, Kühlwasser, Druckluft, Lüftung oder Gasen versorgt werden können.
Lüftungs- und Klimaanlagen (HVAC) /Luftfiltersysteme (z. B. HEPA-Filter) /Reinraumlüftung mit Druckstufenkonzept & Klimatechnik gehört zu TGA => sind teuer
TGA Anforderungen beeinflussen Gebäudegröße, Layout und spätere Kosten.
Stufenplan: Erweiterbarkeit planen => beschreibt, wie sich die Fabrik in Zukunft schrittweise entwickeln oder erweitert werden kann. Warum früh? Damit spätere Erweiterungen möglich bleiben. -> Beispiel: Heute zwei Produktionslinien, in fünf Jahren vier. Das muss bereits im Layout berücksichtigt werden
Investitionskosten: Bereits grobe Kostenschätzungen sind notwendig, um verschiedene Layoutvarianten wirtschaftlich miteinander zu vergleichen und frühzeitig nicht finanzierbare Konzepte auszuschließen.
Ziel der Konzeptphase ist also, nicht nur das beste Layout zu finden, sondern eine Lösung, die technisch realisierbar, wirtschaftlich sinnvoll und langfristig erweiterbar ist.
Zusammengefasst: Die 3 Faktoren bestimmen die Umsetzbarkeit des Kozepts. Ein Reallayout nützt nichts, wenn es später räumlich, technisch oder wirtschaftlich nicht realisierbar ist.
TGA (Technische Gebäudeausrüstung)
Beispiele: Stromversorgung / Druckluft / Kühlung / Lüftung / Wasser / Medienleitungen
Warum früh? = Weil das Gebäude später genau diese Infrastruktur bereitstellen muss.
Ein gutes Layout nützt nichts, wenn Maschinen später nicht versorgt werden können.
Investitionskosten = Schon in der Konzeptphase muss geprüft werden, ob die geplante Lösung überhaupt finanzierbar ist. Sonst plant man möglicherweise eine Fabrik, die wirtschaftlich nicht realisierbar ist
32) Wie unterscheidet sich die Feinplanungsphase von der Realisierungsplanung?
Die Feinplanung detailliert das Fabrikkonzept technisch und baulich, während die Realisierungsplanung die organisatorische Vorbereitung der Umsetzung umfasst.
In der Feinplanung wird das bereits in der Konzeptphase festgelegte Reallayout bis auf Gebäude- und Arbeitsplatzebene ausgearbeitet. Dabei werden unter anderem Grundrisse, Gebäudeanforderungen (Dach, Tragewerk), die verkehrstechnische Erschließung, das Brandschutzkonzept, die IT-Infrastruktur sowie die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) usw. detailliert geplant. Außerdem werden die Anforderungen für Architekten und Fachplaner vorbereitet.
Die Realisierungsplanung beginnt anschließend und organisiert die eigentliche Umsetzung. Dazu gehören die Auswahl und Beauftragung von Architekten und Fachplanern, die Erstellung des Baulastenhefts, die Begleitung bis zum Bauantrag. Durch viele Beteiligte ist hier gutes Projektmanagement erforderlich.
Feinplanung -> Hier wird geplant. Es werden alle Details ausgearbeitet.
Beispiele: genaue Maschinenpositionen / Arbeitsplätze / Medienanschlüsse / Gebäudeanforderungen / Prozessgestaltung ➡️ Ziel: Die Planung vollständig abschließen.
Realisierungsplanung -> Jetzt wird nicht mehr geplant, sondern die Umsetzung vorbereitet.
Beispiele: Architekten koordinieren / Bauunterlagen / Ausschreibungen / Terminplanung / Bau vorbereiten
➡️ Ziel: Die fertige Planung tatsächlich umsetzen.
Merken: Feinplanung = Was wird gebaut? Realisierungsplanung = Wie wird es umgesetzt?
33) Was bedeutet Realisierungsbegleitung?
= umfasst die Begleitung der Umsetzung der geplanten Fabrik bis zum erfolgreichen Produktionsstart
Aufgaben: Bauprojekt überwachen / Abstimmung mit Bauunternehmen / Terminüberwachung / Bauherrenvertretung / Umzugsplanung / Hochlaufmanagement / Inbetriebnahme begleiten
Ziel: Die Fabrik soll wie geplant gebaut werden, termingerecht fertig werden und stabil produzieren.
Prüfungsantwort: Realisierungsbegleitung umfasst die Unterstützung während der Umsetzung der Fabrikplanung. Dazu gehören die Bauprojektsteuerung, die Abstimmung mit den beteiligten Unternehmen, die Überwachung von Terminen sowie das Hochlaufmanagement. Ziel ist es, die Fabrik erfolgreich in Betrieb zu nehmen und einen stabilen Produktionsstart sicherzustellen.
Analyse➡️ Ist-Zustand verstehen, Kapazitäten, Engpass, Wachstum
Konzept ➡️ Lösung entwickeln, SOLL, Ideal-/ Reallayout
Feinplanung ➡️ Lösung detaillieren.
Realisierungsplanung➡️ Umsetzung vorbereiten.
Realisierungsbegleitung➡️ Umsetzung begleiten und Produktionsstart absichern.
Projektinitialisierung
34) Welche Punkte sollten in einer Projektinitialisierung, Programming oder Kick-off – egal wie ihr es nennt, geklärt werden?
35) Was ist das übergeordnete Ziel der Projektinitialisierung?
34) Welche Punkte sollten in einer Projektinitialisierung geklärt werden?
In der Projektinitialisierung werden die Grundlagen des Projekts festgelegt. Dazu gehören die Projektziele und Nicht-Ziele, die Rahmenbedingungen, die Projektorganisation mit Verantwortlichkeiten, die beteiligten Stakeholder, mögliche Projektrisiken sowie der Termin- und Projektplan. Dadurch wird sichergestellt, dass alle Beteiligten die gleichen Ziele und Rahmenbedingungen kennen.
1. Projektziele und Nicht-Ziele: Was soll erreicht werden? Was gehört nicht zum Projekt? ➡️ Dadurch wird der Projektumfang eindeutig abgegrenzt.
2. Bestandteile (Rahmenbedingungen): Termine / Standort/ gesetzliche Vorgaben / verfügbare Flächen ➡️ Diese Rahmenbedingungen begrenzen die Planung.
3. Projektorganisation: Projektleiter / Projektteam / Verantwortlichkeiten / Kommunikationswege
➡️ Wer macht was?
4. Projektbeteiligte (Stakeholder): Geschäftsführung / Produktion / Logistik / Instandhaltung / externe Planer / Behörden ➡️ Wer ist vom Projekt betroffen oder daran beteiligt?
5. Projektrisiken: Terminrisiken / Kostenrisiken / technische Risiken ➡️ Risiken früh erkennen und Maßnahmen planen.
6. Terminplan erstellen: Meilensteine / Zeitplan / Projektphasen ➡️ Wann soll was abgeschlossen sein?
7) Budget: Kostenrahmen/ Projektcontrolling
⭐ Merkhilfe: Projektinitialisierung = Projektstart vorbereiten
Man beantwortet im Grunde sechs Fragen:
Was? → Ziele / Nicht-Ziele
Warum? → Projektauftrag
Wer? → Projektorganisation und Stakeholder
Unter welchen Bedingungen? → Prämissen / Budget / Randbedingungen
Welche Risiken? → Projektrisiken
Wann? → Termin- und Meilensteinplan
-> Das übergeordnete Ziel der Projektinitialisierung ist es, das Fabrikplanungsprojekt klar zu definieren und organisatorisch vorzubereiten. Sie schafft eine gemeinsame Grundlage hinsichtlich Ziele, Organisation, Verantwortlichkeiten und Rahmenbedingungen.
Dabei werden Ziele, Rahmenbedingungen, Verantwortlichkeiten erfasst, Risiken früh erkannt, der Terminplan festgelegt und das Projekt strukturiert gestartet, sodass alle Beteiligten auf einer gemeinsamen und eindeutigen Grundlage arbeiten können.
Analysephase
36) Weshalb brauche ich ein Wachstumsszenario / Zielbild?
Ein Wachstumsszenario bzw. Zielbild beschreibt, wie sich das Unternehmen zukünftig entwickeln soll. Es dient als Grundlage der Fabrikplanung, damit Kapazitäten, Prozesse, Flächen und Investitionen auf den zukünftigen Bedarf ausgelegt werden und nicht nur auf den heutigen Zustand.
Ein Wachstumsszenario bzw. Zielbild beschreibt die zukünftige Entwicklung des Unternehmens. Es ist notwendig, damit die Fabrik auf zukünftige Anforderungen ausgelegt werden kann. Nur so können Flächen, Kapazitäten, Materialflüsse und technische Anlagen richtig dimensioniert und spätere kostspielige Umbauten vermieden werden.
Warum ist Wachstumsszenario notwendig?
Eine Fabrik wird für 30–60 Jahre geplant. Deshalb reicht es nicht, nur den heutigen Zustand zu betrachten.
Man muss überlegen: Wie viel werden wir künftig produzieren? / Welche Produkte kommen hinzu? / Welche Märkte wollen wir bedienen? / Wie entwickelt sich unser Unternehmen?
Erst daraus ergeben sich: nötige Kapazitäten / Flächenbedarf/ Maschinen / Layout / Personal / Investitionen
Wachstumsszenario berücksichtigt beispielsweise: Vertriebszahlen / Umsatzziele / Zielkapazitäten / Best-, Real- und Worst-Case-Szenarien / zukünftige Wertschöpfung
➡️ Daraus entsteht das Zielbild der zukünftigen Fabrik.
37) Welche Tools kann ich nutzen, um eine Strategie / ein Zielbild für mein Unternehmen zu entwickeln?
Zielbild = Langfristiges konkretes Ziel welches Unternehmen erreichen möchte, langfristige Vision in Zukunft
Strategie = Vorgehensweise wie das Unternehmen das Zielbild erreichen kann, beschreibt den Weg zum Zielbild
Zur Entwicklung einer Strategie bzw. Zielbilds (in Analysephase) können verschiedene Werkzeuge eingesetzt werden.
Dazu gehören das Business Model Canvas zur Analyse des vorhandenen Geschäftsmodells, das 3-Horizonte-Modell von McKinsey zur langfristigen Strategieplanung, das Playing-to-Win-Modell zur Entwicklung einer Wettbewerbsstrategie und die 5 Forces nach Porter zur Analyse der Wettbewerbsintensität und Attraktivität einer Branche auf dem Markt.
I). Business Model Canvas (Osterwalder) = strategisches Analyse & Planungswerkzeug, zur systematischen Darstellung & Bewertung des vorhandenen Geschäftsmodells → analysiert das heutige Geschäftsmodell.
Beispiele: Kundensegmente / Wertversprechen / Schlüsselressourcen / Kostenstruktur
➡️ Ziel: Den Ist-Zustand verstehen, Schwächen erkennen und als Grundlage für strategische Entscheidungen nutzen.
II). 3-Horizonte-Modell (McKinsey) = strategisches Planungsmodell, das Unternehmensentwicklung in 3 Zeithorizonte unterteilt und so die gleichzeitige Planung von gegenwärtigen, mittelfristigen und langfristigen Strategien ermöglicht → strukturiert die Strategie in drei Zeithorizonte.
Horizont 1 = Heute optimieren -> Kerngeschäft verbessern / Kosten senken / Prozesse optimieren
Horizont 2 = Neue Produkte und Märkte entwickeln
Horizont 3 = Neue Geschäftsmodelle entwickeln
➡️ Ziel: Gegenwart und Zukunft gleichzeitig planen.
III). Playing to Win = Strategie-Framework, das Unternehmen dabei unterstützt, eine klare Wettbewerbsstrategie zu entwickeln, indem zentrale strategische Fragen systematisch beantwortet werden.
5 Kernfragen: Was wollen wir erreichen? (Winning Aspiration) / Wo spielen wir? (Märkte/Kunden) / Wie gewinnen wir? / Welche Fähigkeiten brauchen wir? / Welche Systeme benötigen wir?
➡️ Ziel: Eine klare und erfolgreiche Wettbewerbsstrategie entwickeln.
IV) 5 Forces nach Porter = strategisches Analysemodell zur Bewertung der Wettbewerbsintensität und Attraktivität einer Branche auf dem Markt.
5 Wettbewerbskräfte: 1) Konkurrenz zwischen bestehenden Wettbewerbern / 2) Verhandlungsmacht der Kunden 3) Verhandlungsmacht der Lieferanten 4) Bedrohung durch Ersatzprodukte (Substitute) 5) Bedrohung durch neue Wettbewerber
→ Ziel: Chancen & Risiken des Marktumfelds erkennen und daraus die Unternehmensstrategie ableiten.
Schritt 1: Analyse des IST-Zustandes mit Business Model Canvas
2) Strategieanalyse für Zukunftsszenarien: mit 3-Horizonten-Modell
3) Wie soll die Strategie erreicht/umgesetzt werden? = Playing to Win Model
KPI (Key Performance Indicators) = machen Umsetzung der Strategie messbar (kein Tool, sondern Erfolgsmessung).
= Kennzahlen wie Transportwege, Flächennutzungsgrad oder Output, die zur Bewertung der Layoutqualität herangezogen werden.
5) Porter’s 5 Forces = Analysemodell zur Bewertung der Wettbewerbsintensität & Attraktivität einer Branche anhand von 5 Einflusskräften
-> Ziel: Verstehen, wie stark der Wettbewerb ist & wie profitabel ein Markt sein kann
38) Was bringt es sich als etabliertes Unternehmen die Frage zu stellen: Wenn wir heute neu gründen würden – wie sähe unser Geschäftsmodell aus?
Idee: Man löst sich bewusst vom heutigen Unternehmen.
➡️ Die Frage dient dazu, das Unternehmen aus der Perspektive einer Neugründung zu betrachten, um bestehende Denkmuster zu verlassen, Innovationen zu fördern und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Man fragt: „Wie würden wir das Unternehmen heute komplett neu aufbauen?“
Ziel: Das bestehende Geschäftsmodell kritisch hinterfragen und unabhängig von bestehenden Strukturen neu denken. Hinterfragung bestehender Gewohnheiten.
Warum ist das sinnvoll? = Weil dadurch alte Strukturen hinterfragt werden, neue Geschäftsmodelle entstehen,
Innovation gefördert wird, neue Technologien berücksichtigt werden, ineffiziente Prozesse erkannt werden.
Beispiel: Statt zu fragen: „Wie erweitern wir unsere alte Produktionslinie?“
fragt man: „Würden wir heute überhaupt noch dieselbe Produktionslinie bauen oder würden wir einen ganz anderen Prozess wählen?“
Nutzen:
-> Veraltete Strukturen und Prozesse erkennen.
-> Neue Kundenbedürfnisse, Technologien und Markttrends berücksichtigen.
-> Innovative Geschäftsmodelle und Wettbewerbsvorteile entwickeln.
-> Veränderungsbedarf frühzeitig erkennen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern.
Bezug zur Fabrikplanung
Dadurch entsteht häufig ein neues Fabrikkonzept, ein anderes Layout, andere Technologien, andere Produkte, eine zukunftsfähigere Fabrik.
39) Was sind die 5 Kräfte nach Porter? Wie lauten zwei der Fragen der digitalen Erweiterung?
40) Kannst du mir anhand eines Beispiels ein disruptives Geschäftsmodell erläutern?
Porter's Five Forces ist ein Analysemodell zur Bewertung der Wettbewerbsintensität und Attraktivität einer Branche. Es untersucht fünf Kräfte, die den Wettbewerb und damit die Gewinnmöglichkeiten eines Unternehmens beeinflussen.
5 Kräfte nach Porter
Wettbewerb zwischen bestehenden Unternehmen → wie intensiv der Wettbewerb zwischen den bereits am Markt tätigen Unternehmen ist.
Verhandlungsmacht der Kunden → Einfluss der Kunden auf Preise, Qualität und Konditionen gegenüber den Unternehmen.
Verhandlungsmacht der Lieferanten → Einfluss der Lieferanten auf Preise, Lieferbedingungen und die Verfügbarkeit von Rohstoffen oder Leistungen.
Gefahr durch Ersatzprodukte (Substitute) → Gefahr, dass Kunden auf andere Produkte oder Technologien ausweichen, die den gleichen Nutzen erfüllen
Gefahr durch neue Wettbewerber (Neueinsteiger) → wie leicht neue Unternehmen in den Markt eintreten und den Wettbewerb erhöhen können.
Die fünf Kräfte nach Porter analysieren die Wettbewerbssituation eines Unternehmens. Sie zeigen, welche Einflüsse den Wettbewerbsdruck in einem Markt bestimmen und damit die Attraktivität eines Marktes beeinflussen.
Merksatz: Je stärker diese fünf Kräfte wirken, desto höher ist der Wettbewerbsdruck und desto geringer sind meist die Gewinne.
Digitale Erweiterung des Porter Models: Durch die Digitalisierung wirken zusätzliche Kräfte auf den Wettbewerrb, deshalb reicht die Analyse mit den klassischen 5 Kräften heute nicht mehr aus.
Durch die Digitalisierung stellt man zusätzlich Fragen wie:
Welche Chancen oder Bedrohungen entstehen durch digitale Newcomer?
Wie verändert die Digitalisierung das Kundenverhalten und somit den Wettbewerb?
Welche neuen digitalen Ersatzprodukte entstehen?
Disruptiv = bedeutet, dass ein neues Geschäftsmodell eine bestehende Branche komplett verändert oder sogar verdrängt, indem sie neue Technologien oder neue Arten der Wertschöpfung nutzen.
Es wird nicht nur verbessert, sondern komplett anders gemacht.
Beispiel aus der Vorlesung: Marriott vs. Airbnb
Marriott: besitzt Hotels / investiert in Gebäude / klassisches Hotelgeschäft
Airbnb: besitzt keine Hotels / vermittelt private Unterkünfte über eine digitale Plattform / bringt Anbieter und Kunden direkt zusammen ➡️ Dadurch konnte Airbnb mit deutlich geringerem Kapital sehr schnell wachsen und den Hotelmarkt verändern.
Warum sind sie für Porter wichtig? = Digitale Plattformen schaffen neue Wettbewerber, verändern das Kundenverhalten, erhöhen die Macht der Kunden, erzeugen neue Ersatzprodukte. Dadurch verändern sich die Five Forces einer Branche.
Bsp.: Amazon & Einzelhandel
Früher (klassischer Einzelhandel) Kunden gehen ins Geschäft.Geschäft braucht Verkaufsflächen. Verkäufer beraten die Kunden.Öffnungszeiten begrenzen den Verkauf.Begrenztes Sortiment.
Amazon (disruptives Geschäftsmodell)
Kunden bestellen online. Keine klassische Verkaufsfläche nötig. Riesiges Sortiment. Rund um die Uhr verfügbar. Lieferung direkt nach Hause. Einsatz von Digitalisierung, Logistik und Automatisierung.
➡️ Amazon hat nicht einfach bessere Geschäfte gebaut, sondern den gesamten Einkaufsprozess verändert.
Warum ist das disruptiv?
Amazon hat den Wettbewerb & starke Konkurrenz für Markstellung nicht über günstigere Läden, sondern über ein völlig neues Geschäftsmodell verändert.
Dadurch mussten viele Einzelhändler:
Online-Shops einführen, ihre Logistik verbessern, Geschäftsmodelle anpassen oder sie verschwanden vom Markt.
41) Wie kam es zu der Evolution von Produktionssystemen? Erläutere anhand eines Beispiels - wie sich etwas von Fordismus zu Toyota Lean Production entwickelte?
41) Wie kam es zu der Evolution von Produktionssystemen? Erläutere anhand eines Beispiels - wie etwas von Fordismus sich zu Toyota Lean Production entwickelte?
Produktionssysteme haben sich schrittweise weiterentwickelt. Jedes neue System baut auf den Stärken des Vorgängers auf und löst dessen Schwächen.
Produktionssysteme entwickeln sich weiter, weil jedes System die Probleme seines Vorgängers löst. Taylor führte Standardisierung und Arbeitsteilung ein, um die Produktivität zu steigern. Ford ergänzte das Fließband und ermöglichte kostengünstige Massenproduktion. Da der Fordismus jedoch unflexibel war und viel Verschwendung verursachte, entwickelte Toyota das Lean Production System mit Just-in-Time, Kaizen und konsequenter Vermeidung von Verschwendung. Dadurch wurde die Produktion flexibler, kundenorientierter und effizienter.
1. Taylorismus (19 Jrd.)
Problem damals: unstrukturierte Arbeitsabläufe / geringe Produktivität / keine Standardisierung
Lösung: Scientific Management (Taylor) -> Arbeit in kleine Einzelschritte zerlegen / Zeitstudien / Standardisierung / Trennung von Planung und Ausführung
Ziel: maximale Effizienz durch Spezialisierung. Nachteil: monotone, unflexible Arbeit.
2. Fordismus (ca. 1910–1920)
= Produktionssystem basierend auf Fließbandarbeit, Standardisierung & Massenfertigung
Problem des Taylorismus: Taylor machte einzelne Arbeitsplätze effizienter, aber nicht die gesamte Massenproduktion.
Lösung: Henry Ford: Fließbandproduktion
Merkmale: Fließband / Standardisierung/ Massenproduktion / niedrige Stückkosten
Ziel: kostengünstige Serienproduktion.
Nachteil: kaum Flexibilität / hohe Lagerbestände/ reagiert schlecht auf individuelle Kundenwünsche
3. Toyota Lean Production (ab 1950)
Problem des Fordismus: Die starre Massenproduktion führte zu: Überproduktion / hohen Lagerbeständen / Wartezeiten / Verschwendung / geringer Flexibilität
Lösung: Toyota Production System (Lean Production)
Prinzip: Verschwendung vermeiden / flexibel & kundenorientiert produzieren
Merkmale: Just-in-Time (JIT) / Kaizen (kontinuierliche Verbesserung) / Jidoka (automatische Fehlererkennung und Maschinenstopp) / Poka Yoke (Fehlervermeidungsprinzip) / Fokus auf Wertschöpfung
Ziel: effizient + flexibel + hohe Qualität.
Beispiel: Autohersteller
Im Fordismus werden 10.000 identische schwarze Autos produziert, obwohl noch gar nicht alle verkauft sind. Autos stehen auf großen Lagerplätzen und warten auf Käufer. Das funktioniert gut, solange alle genau dieses Auto kaufen möchten. Problem: Produktion auf Basis von Prognosen oder Planungen nicht auf Kundennachfrage. (Push-Prinzip).
Mit der Zeit ändern sich jedoch die Kundenwünsche. Manche möchten kein schwarzes sondern rotes Auto, mit anderer Ausstattung. Gleichzeitig kommen neue Hersteller auf den Markt. Die Folge: Viele der produzierten schwarzen Autos lassen sich nur schwer verkaufen. Es entstehen hohe Lagerkosten, Kapital ist gebunden (unflexibel) und es wird mehr produziert als nötig ist Überproduktion.
Toyota erkannte diese Probleme und entwickelte die Lean Production. Jetzt werden Autos erst dann produziert, wenn sie direkt Kunden nachgefragt werden (Pull-Prinzip = Produktion auf Nachfrage). Die benötigten Teile werden Just-in-Time geliefert, sodass kaum Lagerbestände notwendig sind. Außerdem werden Fehler sofort erkannt und behoben, sodass keine fehlerhaften Fahrzeuge weiter durch die Produktion laufen. Verschwendung – urch Überproduktion, Lagerhaltung, Wartezeiten oder Nacharbeit – wird konsequent vermieden.
Fazit: Übergang vom Fordismus zur Lean Production entstand, weil sich der Markt und Kundennachfrage (Kraft der Kunden) verändert hat. Statt möglichst viele gleiche Autos auf Vorrat zu produzieren, sollten Fahrzeuge flexibel, bedarfsgerecht und mit möglichst wenig Verschwendung hergestellt werden. Nur so wurde es möglich für Autohersteller Wettbewerbsfähigkeit und Profitabel auf dem Markt zu bleiben.
Toyota Production System (TPS) ist das von Toyota entwickelte Produktionssystem zur Vermeidung von Verschwendung und zur Steigerung von Qualität und Effizienz. Lean Production basiert auf den Prinzipien des TPS und überträgt diese auf Unternehmen und Organisationen unterschiedlichster Branchen.
🚗 TPS = Toyota (ein konkretes Produktionssystem)
🌍 Lean = für alle (die allgemeine Managementphilosophie)
Merken: TPS ist das Original – Lean ist die weltweite Anwendung der TPS-Prinzipien.
42) Nenne mir bitte zwei Tools aus dem Toyota Production System?
42) Nenne mir bitte 2 Tools aus dem Toyota Production System (TPS)?
2 zentrale Tools bzw. Säulen des Toyota Production Systems sind Just-in-Time (JIT) und Jidoka (= beide sind tragende Säulen von TPS ("Stützen")). Zusätzlich gibt es viele weitere Methoden im TPS.
1. Just-in-Time (JIT) = Produktion nur der tatsächlich benötigten Menge, zum benötigten Zeitpunkt und am benötigten Ort.
Ziel: Lagerbestände reduzieren / Kapitalbindung senken / Verschwendung vermeiden / Materialfluss verbessern
-> Das Pull-Prinzip ersetzt das Push-Prinzip.
-> Kanban ist das Steuerungssystem, mit dem JIT praktisch umgesetzt wird.
2. Jidoka = Bedeutet Qualität im Prozess.
-> Fehler dürfen nicht an den nächsten Prozessschritt weitergegeben werden.
-> Wird eine Abweichung erkannt, stoppt die Maschine oder der Mitarbeiter den Prozess sofort, die Ursache wird analysiert & der Standard verbessert.
-> Ziel: Fehler sofort erkennen und dauerhaft vermeiden.
Muda (Verschwendung) = japanischer Begriff und bedeutet Verschwendung. Darunter versteht man alle Tätigkeiten, die Ressourcen verbrauchen, aber keinen Wert für den Kunden schaffen.
-> Ziel des Toyota Production Systems ist: Muda konsequent zu erkennen und zu beseitigen.
-> klassischen 7 Arten der Verschwendung
1. Überproduktion: Es wird mehr oder früher produziert als benötigt. Bsp. Mehr Teile herstellen, als Kunde bestellt.
2. Wartezeiten: Menschen oder Maschinen warten. Bsp. Maschine steht, weil Material fehlt.
3. Transport: Unnötige Transporte von Material. Bsp. Paletten mehrfach zwischen Hallen transportiert.
4. Überbearbeitung: Mehr Arbeit als notwendig. Bsp. Bauteile werden genauer bearbeitet als technisch erforderlich.
5. Lagerbestände: Zu viele Rohstoffe oder Fertigteile liegen im Lager.
Nachteil: Kapital gebunden / Platzverbrauch / Fehler werden verdeckt
6. Bewegung: Unnötige Bewegungen von Mitarbeitern. Bsp. Werkzeug liegt ständig fünf Meter entfernt.
7. Fehler / Nacharbeit : Ausschuss oder Nacharbeit. Bsp. Fehlerhaftes Bauteil muss neu produziert werden.
+1 (oft als achte Verschwendung): Ungenutztes Mitarbeiterwissen -> Ideen und Fähigkeiten der Mitarbeitenden werden nicht genutzt. Bsp. Mitarbeiter erkennt Verbesserungsmöglichkeit, darf diese aber nicht einbringen.
Warum ist Muda so wichtig? Toyota sagt: Alles, was keinen Mehrwert für den Kunden schafft, sollte möglichst vermieden werden. Dadurch entstehen geringere Kosten / kürzere Durchlaufzeiten / höhere Qualität / mehr Flexibilität
43) Was ist der Unterschied zwischen einer PUSH und PULL gesteuerten Produktion? (Siehe Kanban)?
44) Tachi Ohno stellte fest, dass ein Montageteam geringere Stückzahlen, aber höhere Qualität als die anderen Teams produzierte. Wie das? Sie behoben den Fehler immer direkt an der Ursache und gaben sie nicht in den nächsten Prozessschritt weiter.
Weshalb führt diese Haltung auf Dauer zu einer fast doppelt so hohen Ausbringungsmenge wie VW?
Beim Push-System wird aufgrund eines Produktionsplans produziert.
Beim Pull-System wird die Produktion erst durch den tatsächlichen Bedarf des nachgelagerten Prozesses ausgelöst.
Push-Produktion: Produktion nach Plan bzw. Prognose. -> Folge: hohe Lagerbestände / Überproduktion möglich / hohe Kapitalbindung
Pull-Produktion (Kanban): Produktion erst bei tatsächlichem Bedarf. Der nachgelagerte Prozess fordert Material an. Kanban (Steuersystem) signalisiert den Nachschubbedarf. -> Vorteile: geringe Lagerbestände / weniger Überproduktion / gleichmäßiger Materialfluss/ Probleme werden schneller sichtbar
Push = Produktion nach Plan.Pull = Produktion nach tatsächlichem Verbrauch (Bedarf), meist mit Kanban (= Steuersystem für Materialfluss) gesteuert.
44) Tachi Ohno stellte fest, dass ein Montageteam geringere Stückzahlen, aber höhere Qualität als die anderen Teams produzierte. Wie das? Sie behoben den Fehler immer direkt an der Ursache und gaben sie nicht in den nächsten Prozessschritt weiter. Weshalb führt diese Haltung von Toyota auf Dauer zu einer fast doppelt so hohen Ausbringungsmenge (Produktivität) wie bei VW (Volkswagen)?
1. Warum produzierte das Team zunächst weniger Stückzahlen, aber höhere Qualität?
Das Team arbeitete nach dem Jidoka-Prinzip. Trat ein Fehler auf, wurde die Produktion sofort gestoppt (z. B. über die Andon-Leine). Der Fehler wurde direkt an der Ursache analysiert und behoben, bevor weiterproduziert wurde. Dadurch wurden Fehler nicht an den nächsten Prozessschritt weitergegeben, sondern dauerhaft beseitigt.
2. Warum führt diese Haltung langfristig zu einer höheren Ausbringungsmenge?
Obwohl durch das Anhalten der Produktion kurzfristig weniger Stück produziert werden, entstehen langfristig deutlich effizientere Prozesse. Fehler wiederholen sich nicht, es gibt weniger Ausschuss, weniger Nacharbeit und weniger Produktionsunterbrechungen. Dadurch läuft die Produktion stabiler und schneller, sodass insgesamt langristig mehr fehlerfreie Produkte & höhere Produktivität resultieren.
Jidoka -> Weniger Fehler -> weniger Produktionsstopps -> mehr fehlerfreie Produkte -> keine Nacharbeit/ Ausschuss -> höhere Produktivität & keine Gelder für Fehlerhafte Entsorgungen nötig.
Jidoka = Qualität wird im Prozess erzeugt, nicht am Ende kontrolliert.
Kurzfristig: weniger Output durch Produktionsstopp.
Langfristig: höhere Produktivität durch dauerhafte Fehlerbeseitigung.
45) Weshalb fängt man einen Wertstrom immer von hinten beim Kunden, an aufzuzeichnen und nicht vorne beim Wareneingang?
45) Weshalb fängt man einen Wertstrom immer von hinten, beim Kunden, an aufzuzeichnen und nicht vorn beim Wareneingang?
Man beginnt die Methode von Wertstrom umgekehrt beim Kunden, weil der Kunde den tatsächlichen Bedarf vorgibt (Pull-Prinzip). Wareneingang sagt allein nichts aus über den Bedarf.n
Erst vom Kunden aus lässt sich nachvollziehen, welche Prozesse tatsächlich wertschöpfend sind,
welche Material- und Informationsflüsse notwendig sind, wo Wartezeiten, Engpässe und Verschwendung entstehen.
Dadurch wird der gesamte Wertstrom aus Kundensicht analysiert und Verbesserungen können gezielt priorisiert werden.
Methodisch: Analysiert mit Wertstrom wird IMMER vom Kunden aus zum Rohstoff.
In Realität: Material fließt IMMER vom Rohstoff zum Kunden während der Produktion => IST Wertstrom
Ist- Wertstrom: Gesamter Material & Informationsfluss vom IST-Zustand
Wichtig: • Ein Wertstrom-Analyse beginnt man immer am Versand (Warenausgang/Kunden) und geht dann den Wertschöpfungsprozess rückwärts durch die Wertschöpfungsstufen zum Wareneingang (Lager) zurück. Dadurch erhält man einen Eindruck wie stark die Prozesse auf den Kunden fokussiert
sind und welchen Stellenwert die Kundenorientierung hat.
-> Wertstromanalyse (Value Stream Mapping, VSM) = Methode zur Visualisierung aller Prozesse entlang des Material- & Informationsflusses, der vom Rohstoff vom Kunden verläuft. Sie dient dazu, Engpässe, Wartezeiten, Verschwendung (Muda) sowie den IST- und SOLL-Zustand sichtbar zu machen und Verbesserungen abzuleiten.
Gezeichnet wird Wertstrom = vom Rohstoff zum Kunden
Aufgenommen wird Wertstromanalyse = beim Kunden zum Rohstoff
-> Warum nicht beim Wareneingang? Weil der Wareneingang nicht bestimmt, was produziert wird.
➡️ Kunde bestimmt die Nachfrage. Deshalb wird der Wertstrom rückwärts vom Kunden bis zum Lieferanten verfolgt.
Kunde zieht den Materialfluss (Pull-Prinzip) – deshalb beginnt die Wertstromanalyse beim Kunden.
Wertstromanalyse (VSM) = Methode zur Visualisierung aller Material- und Informationsflüsse vom Rohstoff bis zum Kunden zur Identifikation von Verschwendung.
46) Welche Grenze oder Risiko steckt in einer konsequenten maximalen Ausprägung von Lean und wie kann man dem begegnen?
Das größte Risiko einer maximalen Lean-Ausprägung ist die Überoptimierung.
Sehr schlanke Systeme besitzen kaum Puffer und reagieren deshalb empfindlich auf externe Störungen.
Bsp: Lieferantenausfälle / Nachfrageschwankungen / Qualitätsprobleme bei Zulieferern / geopolitische Krisen
Dadurch können Produktionsstillstände entstehen.
Lösung: Heute kombiniert man -> Lean + Resilienz (Supply Chain Resilience).
Maßnahmen sind bspw.: strategische Sicherheitsbestände kritischer Teile / Dual Sourcing (mehrere Lieferanten) / Regionalisierung der Lieferketten / digitale Überwachung und Frühwarnsysteme
Weitere Grenzen des TPS:
1) Abhängigkeit von stabilen Lieferketten = JIT funktioniert nur bei zuverlässigen Lieferanten.
2) Hohe organisatorische Disziplin erforderlich = Standards müssen konsequent eingehalten werden.
3) Kulturproblem = Werkzeuge allein (z. B. Kanban, 5S) reichen nicht aus; Kaizen und Mitarbeiterbeteiligung sind entscheidend.
4) Grenzen bei kreativer Arbeit = TPS eignet sich besonders für standardisierte Serienprozesse, weniger für Forschung und hochkreative Tätigkeiten.
Fragen aus dem Quiz - Analysephase
Studienleitfaden: Strategische Fabrikplanung und Lean Management
Bitte beantworten Sie die folgenden Fragen in jeweils zwei bis drei Sätzen.
1. Was ist das zentrale strukturelle Problem der Müller Wurstwaren GmbH im Ausgangsjahr 2025?
2. Erklären Sie das 3-Horizonte-Modell nach McKinsey im Kontext der Unternehmensentwicklung.
3. Welche drei Zukunftsszenarien werden für die Transformation der Fleischindustrie bis 2045 skizziert?
4. Was beschreibt das „Playing to Win“-Framework von Roger L. Martin und A.G. Lafley?
5. Nennen Sie die vier Grundprinzipien des Taylorismus.
1. Das Unternehmen leidet unter einer hohen Handelsabhängigkeit, da 70 % der Produktion auf Eigenmarken für Discounter entfallen. Dies führt zu niedrigen EBIT-Margen von ca. 4 %, geringer Markenhoheit und fehlendem Direktkontakt zum Endkonsumenten.
Das Modell strukturiert Innovation in drei gleichzeitig zu bearbeitende Horizonte: Horizont 1 optimiert das heutige Kerngeschäft, Horizont 2 erschließt neue Märkte und Produkte, und Horizont 3 erfindet neue Geschäftsmodelle für die ferne Zukunft. Es verhindert, dass Unternehmen ausschließlich im operativen Tagesgeschäft verharren.
Die Szenarien umfassen die Entwicklung zur „Premium Fleisch“-Manufaktur (hohe Qualität, regionale Herkunft), zum „Proteinunternehmen“ (diversifiziertes Portfolio inkl. veganer Produkte) oder zum „Food-Tech Hersteller“ (Fokus auf kultiviertes Fleisch und Hochtechnologie).
Dieses Framework unterstützt die Strategiefindung durch die Beantwortung von fünf Kernfragen: Winning Aspiration (Wohin wollen wir?), Wo spielen wir?, Wie gewinnen wir?, Welche Fähigkeiten benötigen wir? und Welche Systeme sind erforderlich?
Die Prinzipien umfassen die Trennung von Planung und Ausführung (Hand- und Kopfarbeit), das „One-Best-Way“-Prinzip durch präzise Anleitungen, eine hohe Arbeitsteilung sowie die Nutzung von Geld als primärem Motivationsfaktor (Akkordlohn).
6. Was unterscheidet das „Pull-Prinzip“ grundlegend vom „Push-Prinzip“?
7. Definieren Sie den Begriff „Muda“ und nennen Sie die „7+1“ Arten der Verschwendung.
8. Was ist das Ziel des „Jidoka“-Prinzips innerhalb des Toyota Produktionssystems?
9. Wie ist das „TPS-Haus“ strukturell aufgebaut?
10. Was ist der Kern einer Potenzialanalyse in der Fabrikplanung?
Im Push-System bestimmt eine zentrale Planung die Produktion ohne direkten Kundenbedarf (Bringpflicht), während im Pull-System der tatsächliche Verbrauch des nachgelagerten Prozesses die Produktion auslöst (Holpflicht). Dies führt im Pull-System zu minimalen Beständen und maximaler Transparenz.
Muda bezeichnet jede Aktivität, die Ressourcen verbraucht, aber keinen Wert für den Kunden schafft. Die Arten sind Überproduktion, Wartezeiten, Transport, Überbearbeitung, Bestände, Bewegung, Fehler/Nacharbeit sowie das ungenutzte Wissen der Mitarbeiter.
Jidoka zielt darauf ab, Qualität direkt im Prozess zu verankern, indem Fehler niemals an den nächsten Schritt weitergegeben werden. Bei Abweichungen stoppen Maschinen automatisch oder Mitarbeiter ziehen die Andon-Leine, um sofort eine Ursachenanalyse durchzuführen.
Das TPS-Haus nutzt das Dach für Ziele wie standardisierte Arbeit und Heijunka, die Säulen für Just-in-Time und Jidoka sowie das Fundament für Stabilität in Qualität, Kosten und Lieferfähigkeit. Ein stabiles Fundament ist zwingend erforderlich, damit das Gesamtsystem nicht kollabiert.
Einordnung der Themen & Übersichten von TPS/ LEAN/ Potenzialanalyse & Analysephase 1
Dozentin vermischt hier zwei Ebenen, die man sauber trennen sollte:
Fabrikplanungsprozess (Was mache ich wann?)
Methoden bzw. Denkmodelle (Wie analysiere und verbessere ich?)
Wenn du das trennst, wird alles logisch.
Analysephase:
1. Projektinitialisierung
2. Strategie: Wo wollen wir hin? Tools: Business Model Canvas / 3 Horizonte / Playing to Win / Porter
Ergebnis: ➡ Wachstumsszenario/ Zielbild
3. IST-Prozesse - Analyse der Produktionssysteme: Wie produziert eine moderne Fabrik möglichst effizient?
Antwort: Taylor/ Ford/ Lean / TPS/ JIT / Jidoka / Kanban usw.
Ergebnis: ➡ Wissen, wie ein guter Produktionsprozess aussehen sollte.
Potenzialanalyse Frage: Wie weit ist unsere Fabrik davon entfernt?
Hier wird gemessen: Kapazitäten/ Materialfluss / Lager / Produktivität / OEE / Qualität / Verschwendung
und daraus entstehen ➡ Verbesserungspotenziale.
Potenzialanalyse:
47) Was ist eine Potenzialanalyse und welche Ziele verfolgt sie?
Potenzialanalyse ist die systematische Untersuchung einer Fabrik, um Unterschiede zwischen dem IST-Zustand und dem bestmöglichen SOLL-Zustand aufzudecken.
Potenzial = Differenz zwischen IST-Zustand und bestmöglichem Zustand.
Ziele: Die Potenzialanalyse verfolgt 3 Hauptziele:
1) Ineffizienzen erkennen: unnötige Zeiten / Ressourcenverbrauch / unproduktive Abläufe
2) Engpässe lokalisieren: Stationen erkennen, die die Gesamtleistung begrenzen
3) Verschwendung beseitigen: nicht wertschöpfende Tätigkeiten identifizieren / Lean-Potenziale aufdecken
Übergeordnetes Ziel: Aus jeder Schwachstelle werden quantifizierbare Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet, z. B. Einsparungen bei Kosten / Zeit / CO₂
Eine Potenzialanalyse untersucht systematisch den Unterschied zwischen dem IST-Zustand und dem bestmöglichen Zustand einer Fabrik. Ziel ist es, Ineffizienzen, Engpässe und Verschwendung zu erkennen und daraus messbare Verbesserungsmaßnahmen hinsichtlich Kosten, Durchlaufzeit und CO₂ abzuleiten.
Quiz: Was ist der Kern einer Potenzialanalyse in der Fabrikplanung?
Eine Potenzialanalyse ermittelt die Differenz zwischen dem IST-Zustand und dem bestmöglichen Zustand einer Produktion. Sie dient dazu, Ineffizienzen und Engpässe quantifizierbar zu machen und daraus priorisierte Maßnahmen zur Verbesserung von Kosten, Zeit und CO₂-Ausstoß abzuleiten. Ergibt Potenziale für zukünftige Ressourcen- & Flächenplanung.
48) Weshalb reicht die perfekte Methode für ein Entscheidung oft nicht aus – welche Faktoren spielen in Realität oft ebenfalls eine Rolle?
Methoden liefern Informationen, Fakten und eine Entscheidungsgrundlage. Methoden zeigt was Ideal/ möglich wäre.
Aber Entscheidungen müssen die Menschen selbst treffen. Entscheidungen entstehen dann aus Abwägung der Fakten, Erfahrung und Kontext.
In der Praxis spielen weitere Faktoren/ Rahmendebingungen zum Treffen von Entscheidungen eine Rolle:
politische Faktoren: Interessen/ Stakeholder/Machtverhältnisse
Datensicherheit: unvollständige Daten/widersprüchliche Informationen
Komplexität: Zeitdruck/mehrere Ziele gleichzeitig
Methoden wie die ABC-Analyse liefern wertvolle Informationen, treffen aber keine Entscheidungen. In der Praxis beeinflussen zusätzlich politische Faktoren, Stakeholder, Datenqualität, Zeitdruck und die Komplexität der Situation die Entscheidung.
49) In welchen Bereichen kann man nach Potenzialen suchen, nenne zwei davon und je zwei Tools / Methoden dazu?
6 Bereiche der Potenzialanalyse:
Kapazitäten/Fertigungszeiten
Materialfluss
Produktivität/Lean
Materialwirtschaft
Flächen
Sonstiges
Bereich 1 - Kapazitäten/Fertigungszeiten
Ziel: Engpässe finden / Kapazitätsbedarf bestimmen / Wachstum planen
-> 2 Methoden: ✅ Fertigungszeitanalyse → Ermittlung der Fertigungszeiten aller Produkte
✅ OEE = Overall Equipment Effectiveness → bewertet die tatsächliche Maschinenleistung
Bereich 2 - Materialfluss / Logistikfluss
Ziel: Material möglichst effizient durch die Fabrik bewegen.
-> 2 Methoden: ✅ Wertstromanalyse (VSM) → Material- & Informationsfluss analysieren, Engpässe & Wartezeiten, Verschwendungen, Ist-Soll-Zustand identifizieren
✅ Volumen-/Massenstromanalyse = welche Mengen (Volumen/ MAsse) zwischen einzlenen Bereichen der Fabrik transportiert werden um Haupt- & Nebenströme zu erkennen & Potenziale für Materialfluss-Optimierung zu finden.
Sankey-Diagramm = Darstellung/ Viuslieirung der Ergebnisse aus Volumen-/Massenstromanalyse
ABC-Analyse = Materialien werden nach ihrem wirtschaftlichen Wert eingeteilt (Materialwirtschaft/ -stammdaten/ Stückliste)
A = hoher Wert / B = mittlerer Wert / C = geringer Wert
Ziel: Auf wichtige Materialien konzentrieren.
ABC-XYZ-Analyse = Erweitert die ABC-Analyse um die Verbrauchsregelmäßigkeit.
-> beantwortet zwei Fragen: Wie wertvoll ist das Material? → ABC = Wichtigkeit der Materialien
Wie gut ist sein Verbrauch planbar? → XYZ = Regelmäßigkeit der Nutzung
Dadurch lassen sich passende Beschaffungs- und Lagerstrategien ableiten.
50) Wie ist das Flächenmodul für eine Brückner BOPP-Linie oder eine Bobst NovaLam Kaschieranlage aufgebaut? Erläutere gerne anhand einer Skizze.
Kascheranlage = vereint Materialien (Papier/ Folien etc) mit Klebstoff, Hitze, Druck dauerhaft miteinander.
=> Es ist eine Durchlaufmaschine: Materialien gehen auf der einen Seite rein und kommen auf Rolle auf der anderen Seite raus. Daher getrennte Materialwege
Im Gegensatz zum allgemeinen Flächenmodul wird das Flächenmodul einer Kaschieranlage an den linearen Materialfluss angepasst. Rohrollen werden an der Einlaufseite bereitgestellt, durchlaufen die Maschine und verlassen sie als Fertigrollen am Auslauf. Deshalb liegen die Logistikflächen an Ein- und Auslauf. Die Hauptbedienfläche befindet sich am Materialeinlauf, da dort das Material eingelegt, eingefädelt und die Maschine gesteuert wird. Eine kleinere Bedienfläche kann zusätzlich am Auslauf für Rollenwechsel und Qualitätskontrolle vorgesehen werden. Die Instandhaltungsfläche verläuft seitlich entlang der Maschine, damit Wartungs- und Reparaturarbeiten an den technischen Aggregaten möglich sind.
-> Flächenmodul muss immer an die Maschine angepasst werden !
Flächenmodul beschreibt die gesamte Fläche, die eine Maschine für den Betrieb benötigt.
Es besteht nicht nur aus der Maschinenfläche selbst, sondern umfasst auch alle notwendigen Nebenflächen für Bedienung, Logistik und Instandhaltung.
Ein vollständiges Flächenmodul besteht aus:
Maschinenfläche: Stellfläche der Maschine
Bedienfläche: Arbeitsbereich für den Bediener
Logistikfläche (Bereitstellung): Materialbereitstellung / Zu- und Abtransport / Fahrwege
Instandhaltungsfläche: Platz für Wartung, Reparatur und Service
Was ist der Sinn des Flächenmoduls?
= Flächenmodul stellt sicher, dass nicht nur die Maschine, sondern der gesamte benötigte Platz berücksichtigt wird.
Also bspw. Material anliefern / Material abtransportieren / Bediener arbeiten können / Wartung durchführen können -> Erst damit kann später das Layout realistisch geplant werden.
51) DIN277, Was bedeutet BGF?
52) DIN277, Was ist VF und welchen Daumenwert gibt es für eine Allererste sehr grobe Abschätzung?
53) DIN277, Was ist KGF, nenne ein Beispiel?
BGF (Brutto-Grundfläche) ist die gesamte Grundfläche eines Gebäudes. Sie setzt sich aus der Netto-Raumfläche (NRF) und der Konstruktionsgrundfläche (KGF) zusammen:
-> Die BGF umfasst also alle nutzbaren Räume, Verkehrsflächen, Technikflächen, plus die Fläche der Wände und tragenden Bauteile.
-> Merksatz: BGF = alles innerhalb des Gebäudegrundrisses.
VF (Verkehrsfläche) ist der Teil der Netto-Raumfläche, der dem Zugang und der Erschließung dient.
Dazu gehören bspw.: Flure / Treppenhäuser / Gänge / Zugänge / Rettungswege
Nicht dazu gehören: Bewegungsflächen direkt an einer Maschine oder innerhalb eines Arbeitsplatzes.
Daumenwert -> laut Folie: VF ≈ 20–25 % für eine allererste grobe Abschätzung.
Für Verkehrsfläche rechnet man grob zur Abschätzung ca. 20-25% Fläche dazu.
KGF (Konstruktionsgrundfläche) ist die Summe der Flächen aller konstruktiven Bauteile eines Gebäudes.
Dazu gehören bspw.: Wände / Stützen / Pfeiler / Schornsteine / Schächte / Nischen
Beispiel: Ein tragender Betonpfeiler. oder Eine Außenwand.
Daumenwert -> laut Folie: KGF ≈ 5–10 %
KGF ist die Konstruktionsgrundfläche. Sie umfasst alle konstruktiven Bauteile eines Gebäudes, z. B. Wände oder Stützen. Für eine grobe Abschätzung werden etwa 5–10 % angesetzt.
Zusammenhänge:
54) Was bringt es für einen Vorteil, Potenziale in den bestehenden Prozessen zu finden und auszuweisen – vor allem mit Blick auf einen Erweiterungs- oder Neubau?
Erkennen von Potenzialen in bestehenden Prozessen ist wichtig, weil durch die Identifikation und Beseitigung von Schwachstellen Prozesse effizienter gestaltet werden können. Dadurch lassen sich Kosten, Zeit, Flächenbedarf sowie Ressourcen und CO₂ einsparen.
=> Diese Einsparungen müssen wirtschaftlich bewertet werden. Die jährlichen Einsparungen tragen dann zur Finanzierung eines Erweiterungs- oder Neubaus bei, machen die Investition wirtschaftlich nachvollziehbar und führen dazu, dass sich der Erweiterungs- oder Neubau schneller amortisiert (Schuldentilgung). Außerdem wird vermieden, dass ineffiziente Prozesse einfach in die neue Fabrik übernommen werden.
Durch die Potenzialanalyse werden Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten im bestehenden Werk identifiziert und quantifiziert. Dadurch lässt sich zeigen, wie viel Kosten, Zeit, Fläche oder Material bereits durch Prozessoptimierungen eingespart werden können.
Diese Potenziale bilden eine objektive Entscheidungsgrundlage für Investitionen.
Vor einem Erweiterungs- oder Neubau wird zunächst geprüft, welche Verbesserungen im bestehenden Werk möglich sind. Der verbleibende Bedarf kann anschließend realistisch geplant werden. Gleichzeitig können die nachgewiesenen monetären Einsparpotenziale einen Neubau wirtschaftlich begründen und seine Amortisation erleichtern.
Was meint die Dozentin mit „Neubau leichter amortisieren“?
Das ist der wichtigste Gedanke.
Beispiel: Ohne Potenzialanalyse: „Wir brauchen eine neue Fabrik." → reine Behauptung.
Mit Potenzialanalyse:
300.000 €/Jahr Einsparung durch kürzere Transportwege
150.000 €/Jahr weniger Lagerkosten
250.000 €/Jahr höhere Produktivität
↓
Gesamtpotenzial: 700.000 € Einsparung pro Jahr
Dann kann man sagen: Diese jährlichen Einsparungen tragen zur Finanzierung des Neubaus bei.
Dadurch wird die Investition wirtschaftlich nachvollziehbar und der Neubau amortisiert sich schneller.
-> Potenzialanalyse sucht Verbesserungen in Bereichen wie: Materialfluss / Produktivität / Materialwirtschaft / Kapazitäten / Lager / Qualität
Diese werden anschließend: ➡️ quantifiziert (in € / Zeit / CO₂ / Fläche)
und bilden die Grundlage für Layoutplanung / Ressourcenplanung/ Investitionsentscheidungen / Erweiterungs- oder Neubauplanung
Zielkonflikte
55) Welche Zielsysteme – welche vier Hauptkriterien - gibt es in der Fabrikplanung?
56) Was bedeutet es gibt kein optimales Layout für alle Ziele gleichzeitig?
57) Welche Methode kann helfen, Zielkonflikte systematisch zu bewerten und zu priorisieren?
55) Welche Zielsysteme – vier Hauptkriterien - gibt es in der Fabrikplanung?
Planungsziele der Fabrikplanung werden in 4 Hauptkategorien eingeteilt:
1) Ökonomische Ziele
2) Logistische Ziele
3) Technische Ziele
4) Soziale und ökologische Ziele
Diese Ziele beeinflussen sich gegenseitig und müssen immer gemeinsam betrachtet werden.
Die verschiedenen Planungsziele stehen häufig im Widerspruch zueinander. Deshalb kann ein Layout niemals alle Ziele gleichzeitig optimal erfüllen. Fabrikplanung bedeutet immer, einen sinnvollen Kompromiss zwischen den verschiedenen Zielen zu finden.
Es gibt kein optimales Layout für alle Ziele gleichzeitig, sondern nur einen Kompromiss zwischen konkurrierenden Zielen.
Zielkonflikte können mit der
Nutzwertanalyse = Entscheidungsmethode mit der mehrere Alternativen anhand verschiedener Kriterien systematisch bewertet und miteinander verglichen werden. -> um beste Lösung trotz Zielkonflikte auszuwählen
Kosten-Nutzen-Analyse
computergestützten Simulation bewertet werden.
Die wichtigste Methode laut Folie ist die Nutzwertanalyse.
58) Kannst du mir einen typischen Zielkonflikt in der Fabrikplanung anhand eines Beispiels beschreiben?
59) Der Zielkonflikt zwischen Effizienz und Resilienz hat durch Corona besondere Aufmerksamkeit erfahren – kannst du erklären, weshalb das so ist? Und was die Lesson Learned für viele Unternehmen daraus ist?
Es gibt viele mögliche Beispiele. Flächeneffizienz vs. Flexibilität ist am einfachsten.
Zielkonflikt = entsteht, wenn 2 Planungsziele nicht gl3icjzeitig optimal erreicht werden können.
-> Ein typischer Zielkonflikt besteht zwischen Flächeneffizienz und Flexibilität.
Ein sehr kompaktes Layout spart Fläche, reduziert Transportwege und senkt Baukosten.
Gleichzeitig fehlen jedoch Reserveflächen für spätere Erweiterungen oder neue Produkte.
Daher muss zwischen geringer Fläche und hoher Flexibilität abgewogen werden.
Vor Corona optimierten viele Unternehmen ihre Produktion vor allem auf maximale Effizienz.
Typische Maßnahmen waren: Just-in-Time / minimale Lagerbestände / globale Lieferketten / maximale Maschinenauslastung.
Während der Corona-Pandemie wurden jedoch Lieferketten unterbrochen und viele Unternehmen konnten nicht mehr produzieren. Dadurch zeigte sich, dass ein ausschließlich auf Effizienz optimiertes System sehr störanfällig ist.
Die wichtigste Erkenntnis war deshalb: Unternehmen müssen heute eine Balance zwischen Effizienz und Resilienz finden.
Warum? Effizienz bedeutet: geringe Kosten / keine Reserven
Resilienz bedeutet: Puffer / Sicherheitslager / alternative Lieferanten / flexible Produktion -> etwas teurer
-> aber wesentlich robuster.
Lesson Learned: Moderne Fabrikplanung maximiert nicht nur die Effizienz, sondern kombiniert Effizienz und Resilienz.
oder noch schöner (genau wie auf der Folie):
Robuste Effizienz bedeutet, dort effizient zu optimieren, wo stabile Bedingungen herrschen, und dort gezielt Redundanzen aufzubauen, wo hohe Störungsrisiken bestehen.
Konzeption
60) Weshalb macht eine Wertstromdesign oder eine sonstige Methode zur Entwicklung eines idealen Prozesses zu Beginn der Konzeptphase Sinn?
SOLL-Prozess = zukünftig idealer Produktionsprozess = wird auf Basis der Potenzialanalyse, Benchmark-Erfahrungen & Unternehmensziele entwickelt -> definiert, wie künftig produziert werden soll.
Benchmark = Vergleich mit Branchenbesten
SOLL-Wertstrom = beschreibt zukünftigen idealen Material- & Informationsfluss mit möglichst geringer Verschwendung
Zu Beginn der Konzeptphase wird zunächst der ideale Produktionsprozess (SOLL-Prozess) entwickelt.
Erst wenn klar ist: wie künftig produziert wird / wie Material und Informationen fließen / welche Prozessschritte notwendig sind
können anschließend: Flächen, Maschinen/ Gebäude und das Layout sinnvoll geplant werden.
Warum? Weil: Der Prozess bestimmt den Materialfluss. -> Der Materialfluss bestimmt -> den Flächenbedarf.
-> Der Flächenbedarf bestimmt -> das Fabriklayout.
Deshalb wird zuerst: “WIE produziert wird” und erst danach “WO produziert wird” festgelegt.
Was ist Wertstromdesign? = systematische Entwicklung eines zukünftigen (SOLL-)Wertstroms mit dem Ziel, den Material- & Informationsfluss möglichst verschwendungsfrei zu gestalten.
Merksatz: Erst Prozess → dann Fläche → dann Layout.
61) Welche nächsten Schritte kommen nun, wenn der Soll-Prozess klar ist?
Ablauf der Konzeptphase
1. SOLL-Prozess -> Idealen zukünftigen Produktionsprozess festlegen.
⬇️
2. SOLL-Flächen -> Flächenbedarf berechnen / Flächenmodule erstellen / Gebäude- und Medienanforderungen aufnehmen ➡️ Ergebnis: SOLL-Flächen
3. Ideal-Layout (Greenfield) -> Funktionsschema erstellen / Blocklayout entwickeln / Ideallayout ohne Standortrestriktionen entwerfen ➡️ Ergebnis: Ideal-Layout
4. Layoutvarianten -> Mehrere Layoutvarianten entwickeln / Varianten bewerten (z. B. Nutzwertanalyse) / Beste Variante auswählen ➡️ Ergebnis: Ziellayout
Prüfungsantwort
Nachdem der SOLL-Prozess festgelegt wurde, werden die SOLL-Flächen bestimmt. Anschließend wird daraus ein Ideal-Layout entwickelt. Danach werden mehrere Layoutvarianten erstellt und bewertet (z. B. mit der Nutzwertanalyse). Abschließend wird das Ziellayout ausgewählt.
4 schwarzen Kästen (unbedingt kennen!)
Idealprozess (SOLL-Prozess) ➡️ SOLL-Flächen ➡️ Ideal-Layout (Greenfield) ➡️ Ziellayout (Brownfield)
Erst den Prozess festlegen → dann Flächen bestimmen → anschließend das Ideallayout entwickeln → schließlich die beste Layoutvariante als Ziellayout auswählen.
62) Soll-Flächen variieren sehr schnell, was ist deshalb besonders wichtig zu dokumentieren? (Spritzguss-Flächen-Spiel)
Soll-Flächen verändern sich während der Planung sehr häufig, weil sich Annahmen und Anforderungen ständig ändern, z. B. durch neue Maschinen, Automatisierung, Handling-Systeme, zukünftiges Wachstum oder geänderte Produktionsmengen. Siewerden als Annahme aus Wachstums- und Kapazitätannhmen berechnet, ändern diese sich, dann kippt das Ergebnis sofort. Deshalb ist es besonders wichtig, alle Flächenannahmen nachvollziehbar zu dokumentieren. Nur so kann man Änderungen schnell anpassen und versteht später, warum eine bestimmte Flächengröße gewählt wurde.
Im Spritzguss-Spiel wurde genau das deutlich:
Zunächst wurde die Netto-Maschinenfläche bestimmt.
Anschließend wurden strategische Annahmen berücksichtigt, z. B.:
alle Maschinenstellplätze sollen künftig für Spritzgussmaschinen mit Handling ausgelegt werden,
zusätzlich soll Platz für zwei zukünftige Großkomponentenmaschinen vorgesehen werden.
Dadurch änderte sich der Flächenbedarf bereits deutlich gegenüber der heutigen Situation.
Nicht die reine Berechnung ist das Entscheidende, sondern die vollständige Dokumentation der zugrunde liegenden Annahmen. Nur dadurch bleiben spätere Änderungen nachvollziehbar.
Was muss deshalb unbedingt dokumentiert werden?
Ich würde das in der Prüfung in vier Punkten beantworten:
Maschinenflächen Welche Maschine? Welche Abmessungen? Mit oder ohne Handling? Sicherheits- und Bedienflächen
Alle Zuschläge Verkehrswege / Lagerflächen / Pufferflächen / Rüst- und Instandhaltungsflächen/ Sozialflächen
Annahmen Welche Zukunftsannahmen wurden getroffen/ Welche Reserveflächen wurden eingeplant?/ Warum wurden sie eingeplant?
Berechnungsgrundlagen verwendete Daten / Kapazitätsannahmen / Wachstumsannahmen/ verwendete Flächenmodule
Folien zeigen: Im Spritzguss-Spiel verändert man -> Maschinenzahl / Handling / Sicherheitsabstände / Reserveflächen
plötzlich ändert sich der Flächenbedarf um hunderte Quadratmeter.
Deshalb reicht eine einzige Flächenzahl nicht.
Was muss dokumentiert werden? = Annahmen (Planungsprämissen) also bspw. Anzahl Maschinen / Maschinentyp/ Handling ja-nein / Sicherheitsabstände / Reserveflächen / zukünftiges Wachstum / strategische Entscheidungen
-> Dozentin schreibt: „Für zukünftige Entwicklungen Fläche für zwei Großkomponentenmaschinen vorsehen."
-> Spritzguss-Spiel zeigt im Prinzip: Aus 594 m² werden 720 m² oder 933 m²
nur weil andere Maschinen/ andere Strategien andere Reserven angenommen werden.
Deshalb: Nicht nur die Fläche dokumentieren, sondern die Annahmen hinter der Fläche.
63) Welche Form kann der Materialfluss in einem Ideallayout haben? (auf oberster Ebene)
64) Weshalb sollte man immer ein Ideallayout machen, auch wenn man nicht auf einer grünen Wiese, sondern im Bestand baut?
Ideallayout = theoretisch optimales Fabriklayout ohne Restriktionen (Gebäude, Wände, Stützen usw.)., das den idealen & logischen Material- und Prozessfluss abbildet.
-> Auf oberster Ebene sollte der Materialfluss möglichst I-förmig oder U-förmig sein.
-> Beiden Formen ermöglichen einen einfachen, geradlinigen Materialfluss ohne unnötige Kreuzungen und Rücktransporte.
Warum? Ziel ist kurze Transportwege / wenig Kreuzverkehr / hoher Materialfluss / geringer Aufwand / hohe Übersichtlichkeit
Merksatz: Ideallayout = I- oder U-förmiger Materialfluss.
Oberste Ebene = Anordnung der Hauptbereiche der Fabrik (ohne Details, keine Puffer etc. nur grober Fluss)
Auf oberster Ebene sollte der Materialfluss möglichst I-förmig oder U-förmig verlaufen, damit Transportwege kurz bleiben und Kreuzungen sowie Rücktransporte vermieden werden.
Ein Ideallayout wird erstellt, weil es zunächst die optimale Lösung ohne Einschränkungen zeigt.
Erst wenn die ideale Lösung bekannt ist, können die vorhandenen Restriktionen (Gebäude, Stützen, Bestand usw.) sinnvoll berücksichtigt werden. Ideallayout zeigt das Optimum und dann kann man Restriktionen sinnvoll einbauen, gute Kompromisse und Optionen sehen und so eine bestmögliche Lösung für das reale Layout erstellen.
Ohne Ideallayout übernimmt man bestehende Zwänge sofort und entwickelt möglicherweise keine wirklich gute Lösung.
Warum? Das Ideallayout: zeigt den optimalen Materialfluss / dient als Vergleichsmaßstab / bildet die Grundlage für reale Layoutvarianten.
Merksatz: Erst das Optimum entwickeln – danach an die Realität anpassen.
Layoutvariante = realisierbare Anordnung der Flächen und Bereiche, die aus dem Ideallayout abgeleitet und hinsichtlich verschiedener Ziele (z. B. Materialfluss, Kosten, Erweiterbarkeit, Flexibilität) bewertet wird.
65) Weshalb ist es gut nicht die erste Variante (die erste Lösung) zu nehmen, sondern erst weitere Varianten auszuprobieren? Kannst du den Mechanismus erklären?
Die erste Lösung ist selten die beste Lösung.
Deshalb werden mehrere Layoutvarianten entwickelt und miteinander verglichen.
Jede Variante besitzt unterschiedliche Vor- und Nachteile hinsichtlich
Materialfluss / Transportwege/ Erweiterbarkeit / Skalierbarkeit / Flexibilität / Investitionskosten / Kommunikation
Erst durch den Vergleich erkennt man die beste Gesamtlösung.
Mechanismus
1. Ideallayout entwickeln -> 2. mehrere reale Varianten ableiten -> 3. Vor- und Nachteile jeder Variante bewerten -> 4. Varianten vergleichen (z.B. Nutzwertanalyse) -> 5. beste Variante = Ziellayout
Warum funktioniert das? = Weil jede neue Variante andere Stärken besitzt.
Erst durch mehrere Alternativen entstehen bessere Ideen / bessere Kompromisse / bessere Entscheidungen.
Merksatz: Nicht die erste Lösung optimieren, sondern mehrere Lösungen vergleichen.
66) Was ist der Vorteil von einem Layout-Workshop mit Papierschnipseln im Gegensatz zu einer digitalisierten Version?
Ein Layout-Workshop mit Papierschnipseln ermöglicht,
Varianten sehr schnell auszuprobieren,
Bereiche einfach zu verschieben,
gemeinsam im Team zu diskutieren,
Kreativität zu fördern,
ohne großen Aufwand viele Ideen zu entwickeln.
Vorteile Schnipsel-Workshop: sehr schnell / flexibel / einfach Varianten bilden / alle Beteiligten arbeiten gemeinsam / hohe Kreativität / keine Softwarekenntnisse notwendig
Digitale Modelle sind dagegen aufwendiger zu ändern und führen häufig dazu, dass man sich zu früh auf eine Variante festlegt
Nachteile digital: Änderungen dauern länger / höhere Hemmschwelle zum Ausprobieren / Gefahr, sich früh auf eine Variante festzulegen
67) Generatives Design zur Layouterstellung ist für Algorithmen und KI keine Herausforderung mehr – was ist die Herausforderung in diesem Kontext?
68) Welche Gebäudeanforderungen und Medienbedarfe sollte ich in der Konzeption übergeordnet mitaufnehmen und weshalb?
Generatives Design = Einsatz von Algorithmen bzw. KI zur automatischen Erzeugung und Bewertung vieler Layoutvarianten anhand vorgegebener Ziele bzw. KPIs.
➡️ Die KI entscheidet nicht selbst, sondern unterstützt den Planer.
KPI (Key Performance Indicator) = Kennzahl zur Bewertung eines Layouts, z. B. Transportwege / Materialfluss
Flächennutzung / Output / Kosten
Die eigentliche Herausforderung ist heute nicht mehr das Erzeugen vieler Layoutvarianten, sondern die richtige Definition der Ziele und Bewertungskriterien (KPIs) sowie die Auswahl der besten Variante.
Die KI kann tausende Layouts erzeugen. Der Mensch muss festlegen welche Ziele wichtig sind,
welche KPIs bewertet werden, welche Randbedingungen gelten, welche Variante letztlich umgesetzt wird.
Merksatz: KI erzeugt Varianten – der Mensch definiert die Ziele und trifft die Entscheidung.
Gebäudeanforderungen = Anforderungen an das Gebäude, damit Maschinen und Prozesse technisch betrieben werden können.
Medienbedarfe = benötigte Versorgungsmedien für den Betrieb einer Fabrik.
z. B. Strom / Wasser / Druckluft / Gase / Datenleitungen / Kühlwasser
Bereits in der Konzeptphase müssen die wichtigsten Gebäudeanforderungen und Medienbedarfe aufgenommen werden.
Gebäudeanforderungen: notwendige Freiflächen / Bodenbelastbarkeit / Gebäudehöhe / Hallenkräne
Klima (Temperatur, Luftfeuchte, Reinraum) / Beleuchtung
Medienbedarfe: Strom / Druckluft/ Wasser usw.
Warum? Nur wenn diese Anforderungen früh bekannt sind, kann das Gebäude passend geplant, Medien richtig ausgelegt werden & später teure Umbauten vermieden werden.
Merksatz: Gebäude & Medien müssen früh berücksichtigt werden, damit die geplanten Prozesse überhaupt technisch realisierbar sind.
69) Was ist ein Stufenplan? Was ein Kostenplan? (oder gar Mittelabflussplan?)
70) Warum sollte man mit der ersten Zahl, die man für einen Neubau nennt vorsichtig sein und was hilft diese Zahl valide herzuleiten?
Mittelabflussplan = zeigt wann und in welcher Höhe das Geld tatsächlich abfließt, also zahlungswirksam wird. Meist monats- oder quartalsweise aufgestellt. Er hilft die Liquidität (Zahlungsfähigkeit) zu sichern.
Warum vorsichtig? = Die erste genannte Budgetzahl wird später fast immer als Referenzwert für das gesamte Projekt verwendet.
-> Wenn sie zu niedrig ist, entstehen falsche Erwartungen, spätere Kostensteigerungen wirken wie Planungsfehler, das Projekt gerät unter Rechtfertigungsdruck.
Deshalb muss bereits die erste Grobkostenschätzung möglichst sorgfältig erfolgen.
-> Wie leitet man die Zahl möglichst valide her?
➡️ mit BKI (Baukostenindex) = Referenzsystem zur Abschätzung von Baukosten auf Basis vergleichbarer Gebäude und Qualitätsstandards.
= liefert Richtwerte €/m² nach Gebäudeart und Qualitätsklasse.
=> Wichtig: Die richtige Qualitätsklasse wählen!Denn davon hängen die Kosten entscheidend ab.
=> Baukosten schwanken heute stark. Deshalb immer aktuelle BKI-Werte verwenden Zusammenarbeit mit erfahrenen Fabrikplanern/Bauabteilungen keine alten Richtwerte übernehmen
Mit der ersten Budgetzahl muss man vorsichtig sein, weil sie später als Referenz für das gesamte Projekt dient. Deshalb sollte sie möglichst sorgfältig geschätzt werden. Zur validen Herleitung nutzt man aktuelle Referenzwerte, insbesondere den BKI (Baukostenindex), sowie die Erfahrung von Fabrikplanern und Bauabteilungen.
Merksatz: Die erste Zahl wird selten vergessen. Deshalb muss sie möglichst belastbar sein.
Konzeption7
71) Wofür nutzt man die Nutzwertanalyse und wie läuft sie ab?
Die Nutzwertanalyse dient dazu, mehrere Layout- oder Planungsvarianten systematisch miteinander zu vergleichen und trotz Zielkonflikten eine nachvollziehbare Entscheidung zu treffen. Zunächst werden geeignete Bewertungskriterien festgelegt und gewichtet, häufig mithilfe eines paarweisen Vergleichs. Anschließend werden alle Varianten für jedes Kriterium bewertet, die Punkte mit der Gewichtung multipliziert und zum Gesamtnutzwert addiert. Die Variante mit dem höchsten Nutzwert wird bevorzugt. Wichtig sind objektive Kriterien, eine sinnvolle Gewichtung und möglichst keine Doppelbewertungen.
Nutzwertanalyse = Punktbewertungsverfahren zur systematischen Bewertung & zum Vergleich mehrerer Planungs- oder Layoutvarianten anhand gewichteter Kriterien.
-> unterstützt strukturierte, nachvollziehbare Entscheidungsfindung, insbesondere bei konkurrierenden Zielen (Zielkonflikten).
=> Wofür nutzt man die Nutzwertanalyse? = wird genutzt, um mehrere Layoutvarianten objektiv zu vergleichen, trotz Zielkonflikten (z. B. Kosten vs. Flexibilität) eine fundierte Entscheidung zu treffen, das Ziellayout auszuwählen.
➡️ Sie ersetzt nicht die Entscheidung, sondern macht sie nachvollziehbar.
Ablauf der Nutzwertanalyse
1. Bewertungskriterien festlegen
Es werden die wichtigsten Kriterien ausgewählt (maximal etwa 6–8).
Bsp.: Materialfluss / Produktionsfluss / Erweiterbarkeit / Flexibilität / Baukosten
Umzugsaufwand
2. Kriterien gewichten: Nicht jedes Kriterium ist gleich wichtig.
Gewichtung erfolgt häufig durch einen paarweisen Vergleich der Kriterien.
➡️ Ergebnis: z.B. Materialfluss 25 % / Flexibilität 20 % / Kosten 15 %
...
3. Varianten bewerten: Alle Layoutvarianten werden für jedes Kriterium bewertet.
Bspw.: Punkteskala: 1 = schlecht / 5 = sehr gut
4. Nutzwert berechnen: Für jedes Kriterium: Punkte × Gewichtung -> Alle gewichteten Punkte addieren -> Gesamtnutzwert
5. Varianten vergleichen: Variante mit dem höchsten Gesamtnutzwert wird bevorzugt.
Worauf sollte man achten? wichtige Regeln:
- möglichst objektive Kriterien verwenden
- keine Doppelbewertungen bzw. Überschneidungen
- möglichst wenige Kriterien (ca. 6–8)
- Kriterien müssen für alle Beteiligten eindeutig verständlich sein
- möglichst qualitative, dauerhaft relevante Kriterien wählen und keine einmaligen Effekte bewerten
Warum braucht man überhaupt eine Nutzwertanalyse?
Weil es keine perfekte Layoutlösung gibt.
Jede Variante besitzt Stärken & Schwächen & Zielkonflikte.
Die Nutzwertanalyse macht diese Trade-offs transparent.
Merkkasten für die Prüfung: Nutzwertanalyse
Definition: Punktbewertungsverfahren zum Vergleich mehrerer Varianten anhand gewichteter Kriterien.
Wofür? Layoutvarianten vergleichen/ Zielkonflikte bewerten / Ziellayout auswählen
Ablauf: 1. Kriterien festlegen / 2. Kriterien gewichten (oft paarweiser Vergleich)
3. Varianten bewerten (z. B. 1–5 Punkte) / 4. Punkte × Gewichtung berechnen
5. Gesamtnutzwert vergleichen / 6. Beste Variante auswählen
Worauf achten? objektive Kriterien / max. ca. 6–8 Kriterien / keine Doppelbewertungen / verständliche Kriterien / Gewichtung beeinflusst das Ergebnis
Fragen aus dem Quiz - Realisierungsplanung 4
In welchem Maßstab erfolgt die Ausführungsplanung (LPH 5) üblicherweise und wie unterscheidet sie sich von der Entwurfszeichnung?
Wie verändert sich die Genauigkeit der Kostenermittlung im Verlauf der HOAI-Leistungsphasen gemäß DIN 276?
Warum sinkt die Beeinflussbarkeit der Kosten im Projektverlauf drastisch ab?
Was definiert Building Information Modeling (BIM) über ein reines 3D-Zeichenmodell hinaus?
Wie wird das Honorar für Planungsleistungen nach der HOAI grundsätzlich berechnet und welche Kritikpunkte ergeben sich daraus für preisgünstiges Bauen?
6) In welchem Maßstab erfolgt die Ausführungsplanung (LPH 5) üblicherweise und wie unterscheidet sie sich von der Entwurfszeichnung?
Die Ausführungsplanung findet im Maßstab 1:50 statt und beinhaltet detaillierte Werkplanungen. Im Gegensatz dazu nutzen Entwurfszeichnungen (LPH 3) den Maßstab 1:100 und dienen eher der grafischen Darstellung des Konzepts als der unmittelbaren Bauanleitung.
7) Wie verändert sich die Genauigkeit der Kostenermittlung im Verlauf der HOAI-Leistungsphasen gemäß DIN 276?
Die Genauigkeit steigt stetig an: In der Grundlagenermittlung (LPH 1) liegt die Abweichung beim Kostenrahmen noch bei ± 40 %, verringert sich über die Kostenschätzung (± 30 %) und Kostenberechnung (± 20 %) bis hin zum Kostenanschlag auf ± 10 % in der dritten Ebene der DIN 276.
8) Warum sinkt die Beeinflussbarkeit der Kosten im Projektverlauf drastisch ab?
Zu Beginn eines Projekts (LPH 1-3) sind grundlegende Entscheidungen noch nicht fixiert, weshalb die Kostenbeeinflussbarkeit bei nahezu 100 % liegt. Mit fortschreitender Planung und Vergabe (LPH 6-7) werden Fakten geschaffen und Verträge geschlossen, wodurch der Spielraum für Änderungen ohne massive Mehrkosten gegen Null sinkt.
9) Was definiert Building Information Modeling (BIM) über ein reines 3D-Zeichenmodell hinaus?
BIM ist ein digitales Datenmodell, in dem nicht nur die Geometrie, sondern alle planungs-, ausführungs- und nutzungsrelevanten Informationen hinterlegt sind. Es ermöglicht eine integrierte Projektabwicklung, bei der alle Beteiligten auf Basis eines zentralen, intelligenten Gebäudemodells zusammenarbeiten.
10) Wie wird das Honorar für Planungsleistungen nach der HOAI grundsätzlich berechnet und welche Kritikpunkte ergeben sich daraus für preisgünstiges Bauen?
Das Honorar wird anteilig auf Basis der anrechenbaren Baukosten berechnet, was zu einem geringen finanziellen Anreiz für Planer führt, besonders preisgünstig zu bauen. Seit 2021 dient die HOAI zudem nicht mehr als verbindliches Preisrecht, sondern lediglich als Orientierungshilfe für die Honorargestaltung.
Fragen aus dem Quiz - Feinplanung
6. Welche typischen Optimierungspotenziale (Hebel) ergeben sich beim Übergang vom IST- zum SOLL-Zustand im Bereich Materialfluss?
7. Was unterscheidet ein Ideal-Layout von einem Real-Layout auf Blockbasis?
8. Welche Rolle spielt das Stützenraster für die Flexibilität und Wirtschaftlichkeit einer Produktionshalle?
9. Welche Medienbedarfe müssen bei der Planung der technischen Gebäudeausstattung (TGA) mindestens berücksichtigt werden?
10. Was umfasst die Feinplanungsphase im Gegensatz zur Konzeptphase?
Antwort: Durch eine Optimierung des Materialflusses lassen sich laut Literatur und Praxisprojekten Wegereduzierungen von etwa 10 % bis 30 % realisieren. Dies führt in der Regel zu einer geringeren Durchlaufzeit und einer effizienteren Flächennutzung.
Antwort: Das Ideal-Layout stellt die optimale Anordnung der Funktionsbereiche ohne bauliche oder grundstücksbezogene Restriktionen dar. Das Real-Layout (bzw. Ziellayout) hingegen ist die Anpassung dieses Ideals an reale Bedingungen wie Grundstücksgrenzen, bestehende Gebäude und Medienanschlüsse.
Antwort: Das Stützenraster sollte ein Vielfaches des Baurichtmaßes (1,25 m) sein, um die Kompatibilität mit Fassaden- und Fenstersystemen zu gewährleisten. Während wenige Stützen die Flexibilität der Nutzung erhöhen, muss gleichzeitig ein wirtschaftlicher Kompromiss bezüglich der statischen Spannweiten gefunden werden.
Antwort: Zu den grundlegenden Medienbedarfen zählen der Strombedarf für Anlagen und Logistik, Druckluft, Kühlwasser sowie die Versorgung mit verschiedenen Gasen wie Stickstoff oder Schweißgasen.
Antwort: Während die Konzeptphase grobe Strukturen und Variantenbewertungen (Blocklayouts) umfasst, geht die Feinplanung ins Detail bis auf Arbeitsplatzebene. Sie beinhaltet die exakte Prozessgestaltung, die Erstellung von Raumbüchern und die Identifikation von „Langläufern“ mit langen Beschaffungszeiten.
Fragen aus dem Quiz - Konzeptphase
1. Was ist das Kernziel des generativen Designs in der Layoutplanung?
2. Welche Bedeutung hat die „Magie der ersten Zahl“ bei der Budgetierung von Projekten?
3. Nennen Sie vier zentrale Gebäudeanforderungen, die im Rahmen der Fabrikplanung erfasst werden müssen.
4. Wie unterstützt die Nutzwertanalyse den Planer bei Zielkonflikten?
5. Warum wird für Fabrikdächer häufig ein Shed-Dach mit Nordausrichtung gewählt?
Antwort: Generatives Design nutzt Algorithmen, um auf Basis definierter Randbedingungen automatisch eine Vielzahl von Layoutvarianten zu erzeugen. Diese werden anhand von KPIs wie Wegen, Flächen und Fluss bewertet, um den Lösungsraum für den Planer zu erweitern und die Exploration zu beschleunigen.
Antwort: Die erste im Projekt genannte Budgetzahl wird erfahrungsgemäß als zukünftige Referenz für alle weiteren Kalkulationen herangezogen. Daher ist es zwingend erforderlich, dieses erste Konzeptbudget in Zusammenarbeit mit erfahrenen Experten zu erstellen, um gravierende Fehlkalkulationen zu vermeiden.
Antwort: Zu den zentralen Anforderungen gehören die notwendige Freifläche (Stützenstellung), die Bodentragfähigkeit für Anlagen und Flurförderzeuge, die lichte Höhe für Maschinen sowie die Spezifikationen für eine Hallenbekranung.
Antwort: Die Nutzwertanalyse ermöglicht eine strukturierte und nachvollziehbare Entscheidungsfindung, indem sie verschiedene Kriterien (z. B. Transportkosten, Flexibilität, CO2-Emissionen) gewichtet. So können konkurrierende Zielgrößen objektiv verglichen werden, um die beste Gesamtlösung zu identifizieren.
Antwort: Ein Shed-Dach mit Nordausrichtung ermöglicht den Eintrag von diffusem Tageslicht in die Halle, ohne gleichzeitig unerwünschte Wärme durch direktes Sonnenlicht einzubringen. Dies verbessert die Arbeitsbedingungen und reduziert die Kühllast des Gebäudes.
1. In welche vier Hauptkategorien lässt sich das typische Zielsystem der Fabrikplanung gliedern?
2. Beschreiben Sie den Kern des Zielkonflikts zwischen Flächeneffizienz und Flexibilität.
3. Was verbirgt sich hinter dem Akronym SIPOC und welchen Zweck erfüllt diese Methode?
4. Warum wird Fabrikplanung in den vorliegenden Unterlagen explizit als Change Management definiert?
5. Erklären Sie den strukturellen Widerspruch zwischen Maschinenauslastung und Durchlaufzeit.
Zielkategorien: Das Zielsystem gliedert sich in ökonomische Ziele (z. B. Kostenminimierung), logistische Ziele (z. B. kurze Durchlaufzeiten), technische Ziele (z. B. hohe Anlagenverfügbarkeit) sowie soziale und ökologische Ziele (z. B. Ergonomie und Nachhaltigkeit).
Flächeneffizienz vs. Flexibilität: Während kompakte Layouts Transportwege und Baukosten minimieren, benötigen flexible Strukturen zusätzliche Pufferflächen und modulare Einheiten. Ein zu dicht geplantes Layout spart zwar kurzfristig Kosten, erschwert jedoch spätere Erweiterungen oder Anpassungen an Produktänderungen erheblich.
SIPOC-Methode: SIPOC steht für Supplier, Input, Process, Output und Customer. Die Methode dient dazu, den kompletten Wertschöpfungsprozess ganzheitlich zu erfassen und die Abhängigkeiten zwischen Lieferanten, Eingangsgrößen, den eigentlichen Prozessschritten und den Empfängern der Ergebnisse (Kunden) zu visualisieren.
Change Management: Fabrikplanung bedeutet immer auch die Veränderung von Arbeitsumgebungen und Prozessen, weshalb Menschen „abgeholt und mitgenommen“ werden müssen. Die Anwendung von Modellen wie den 8 Schritten der Transformation nach Kotter stellt sicher, dass Visionen kommuniziert und Hindernisse für die Veränderung beseitigt werden.
Auslastung vs. Durchlaufzeit: Gemäß der Warteschlangentheorie führen sehr hohe Auslastungsgrade (z. B. 95 %) zu exponentiell steigenden Warteschlangen vor den Anlagen. Dies hat zur Folge, dass die Durchlaufzeiten im Materialfluss massiv ansteigen, was einen direkten Gegensatz zur wirtschaftlich erstrebenswerten Maschinenauslastung darstellt.
6. Welche Bedeutung hat der Begriff „Muda“ im Kontext des Toyota-Produktionssystems (TPS)?
7. Was unterscheidet eine Effizienzlösung von einer Resilienzlösung in der Bestandsstrategie?
8. Welche Schritte umfasst die methodische Vorgehensweise zur Entwicklung von Layoutvarianten?
9. Was ist das Ziel der Konzeptionsphase im Vergleich zur Analysephase?
10. Welche Rolle spielt die Nutzwertanalyse im Prozess der Variantenbewertung?
Muda: Der Begriff stammt aus dem Toyota-Produktionssystem und bezeichnet Verschwendung. In der Planung wird zwischen 7+1 Verschwendungsarten unterschieden, die es im Rahmen der Prozessoptimierung zu identifizieren und zu eliminieren gilt.
Effizienz vs. Resilienz: Eine Effizienzlösung setzt auf Just-in-Time-Produktion und minimale Bestände zur Kapitaloptimierung. Im Gegensatz dazu nutzt eine Resilienzlösung Sicherheitslager und Puffer, um die Produktion auch bei Lieferkettenstörungen oder Maschinenversagen aufrechtzuerhalten.
Layoutentwicklung: Die Entwicklung folgt vier iterativen Schritten: Bestimmung der Maschinenflächen (inkl. Bedienraum), Addition von Zuschlägen (Verkehr, Lager), Clusterung von Funktionsbereichen nach Materialfluss sowie die abschließende Skizzierung und Gegenüberstellung verschiedener Layoutvarianten.
Konzeptionsphase: Während die Analysephase den Status quo (Ist-Zustand) von Prozessen und Flächen untersucht, dient die Konzeptionsphase der Entwicklung von Soll-Zuständen. Ziel ist die Erstellung eines Ideal-Layouts und darauf basierender Layout-Varianten bis hin zum finalen Ziel-Layout.
Nutzwertanalyse: Da es kein Layout gibt, das alle Ziele gleichzeitig optimal erfüllt, wird die Nutzwertanalyse zur systematischen Bewertung und Priorisierung von Zielkonflikten eingesetzt. Sie ermöglicht eine methodisch begründete Auswahl der besten Varianten anhand definierter Bewertungskriterien.
Feinplanung
72) Welche Phasen kommen nach der Konzeption?
73) Welche baulichen Elemente besitzt jede Fabrik?
74) Was ist der Zwecke der Gründung und was bestimmt die Art des Fundaments?
Nach der Konzeptphase folgen die Feinplanungsphase, die Realisierungsplanung und anschließend die Realisierungsbegleitung. Zunächst wird das Layout bis auf Arbeitsplatzebene detailliert. Danach erfolgt die Planung der baulichen Umsetzung mit Architekten und Fachplanern. Abschließend wird die Realisierung des Projekts begleitet und überwacht.
Jede Fabrik besitzt fünf grundlegende bauliche Elemente: Dach, Dachbinder, Stützen bzw. Wände, Bodenplatte sowie Fundament bzw. Gründung. Gemeinsam tragen sie das Gebäude und leiten die Lasten sicher in den Baugrund ab.
Die Gründung verbindet das Bauwerk mit dem Baugrund und überträgt alle Lasten sicher in den Boden.
Sie dient dazu, die Lasten des Gebäudes und der Maschinen sicher in den Baugrund abzuleiten und die Standsicherheit zu gewährleisten. Welche Fundamentart gewählt wird, hängt vor allem von der Tragfähigkeit des Baugrunds sowie von der Höhe und Art der auftretenden Lasten ab. Je schlechter der Baugrund, desto aufwendiger und teurer wird die Gründung.
Ziele: sichere Lastabtragung / Vermeidung von Setzungen / Gewährleistung der Standsicherheit
Teil 2: Was bestimmt die Art des Fundaments?
= Fundamentart hängt hauptsächlich von zwei Faktoren ab:
1. Baugrund: Tragfähigkeit / Bodenbeschaffenheit / Grundwasser ➡️ Je schlechter der Baugrund, desto aufwendiger und teurer die Gründung.
2. Belastung: Gebäudegewicht / Maschinenlasten / Punktlasten ➡️ Schwere Maschinen benötigen häufig besondere Fundamente.
Beispiele aus der Vorlesung:
Fundamentplatte (Flachgründung): bei gut tragfähigem Boden / Last wird großflächig verteilt
Punktfundament: einzelne schwere Maschinen / einzelne Stützen
Streifenfundament: unter tragenden Wänden
=> Je schlechter der Baugrund, desto teurer die Gründung.
75) Wenn Stützen so aussehen, was wird dann später in der Halle installiert werden bzw. für eine spätere Installation vorgehalten?
76) Was ist der Unterschied zwischen einem Hallenkran und einem Sekundär-Kransystem? Wann kommt was zu Einsatz?
Was sieht man? Die Betonstützen besitzen seitliche Auskragungen (Konsolen).
➡️ Diese dienen zur Aufnahme einer Kranbahn.
Solche Betonstützen besitzen Konsolen zur Aufnahme einer Kranbahn. Dadurch wird bereits beim Hallenbau die Möglichkeit geschaffen, später einen Hallenkran einzubauen oder nachzurüsten.
Merksatz: Auskragung/Konsole = Vorbereitung für Hallenkran.
Hallenkran = ist Teil der Hallenkonstruktion.
Die Lasten werden ➡️ über die Kranbahn → auf die Stützen → in das Fundament abgeleitet. Er nutzt also das Tragwerk der Halle.
Einsatz: Neubauten / große Hallen / hohe Traglasten / regelmäßiger Kranbetrieb
Sekundär-Kransystem = besitzt ein eigenes Tragwerk.
Die Lasten werden nicht über das Hallengebäude abgetragen.
Die Last geht direkt ➡️ ins eigene Fundament. Deshalb ist es vom Gebäude weitgehend entkoppelt.
Einsatz: Nachrüstung / bestehende Hallen / wenn Hallenstützen die Last nicht aufnehmen können / Umbauten
Ein Hallenkran ist Bestandteil der Hallenkonstruktion und leitet seine Lasten über die Stützen in das Fundament ab. Ein Sekundär-Kransystem besitzt dagegen ein eigenes Tragwerk und ein eigenes Fundament und ist deshalb vom Gebäude weitgehend entkoppelt. Es wird häufig bei Nachrüstungen oder in Bestandsgebäuden eingesetzt.
Merksatz: Hallenkran → nutzt Hallenstützen
Sekundärkran → eigenes Tragwerk + eigenes Fundament
77) Fabriken haben meist Flachdächer oder Sheddächer. Was ist der große Vorteil von Sheddächern – erläutere mithilfe einer Skizze?
Sheddach = ist eine sägezahnförmige Dachform.
Die verglasten Dachflächen zeigen meist nach Norden.
Warum nach Norden? Von Norden kommt diffuses Tageslicht & kaum direkte Sonneneinstrahlung
Dadurch: gleichmäßige Beleuchtung / kaum Blendung / geringer Wärmeeintrag
Vorteile: ✔ viel Tageslicht ✔ kaum Blendung ✔ geringe Erwärmung der Halle
✔ weniger künstliche Beleuchtung notwendig
Beim Sheddach zeigen die verglasten Dachflächen meist nach Norden. Dadurch gelangt gleichmäßiges diffuses Tageslicht in die Halle, während direkte Sonneneinstrahlung und Wärmeeintrag weitgehend vermieden werden. Das verbessert die Arbeitsbedingungen und reduziert den Energiebedarf für Beleuchtung.
78) Rechteckige Grundrisse sind am günstigsten zu bauen (Ausnahme 3D-Betondruck) – Weshalb gibt es dann „Löcher“ (Atrium) in vielen Gebäuden, was wird hier genutzt. Erläutere an einer Fabrik oder einen Bürotrakt.
Fabrikgebäude sind meistens sehr groß & breit -> Licht fällt nur ca 7m vom Fenster aus rein & innen liegende Bereiche bleiben Dunkeln. Daher nutzt man Atrien (Lichthöfe) damit Licht besser überall himkommt -> weniger Strom & bessere Belüftung
Rechteckige Gebäude sind zwar wirtschaftlicher zu bauen, dennoch werden Atrien eingesetzt, um Tageslicht tief ins Gebäude zu bringen.
Atrium = ist ein offener Innenhof oder Lichthof innerhalb eines Gebäudes.
Warum baut man ein Atrium? = Weil Tageslicht nur begrenzt tief in Gebäude eindringt. ➡️ ca. 7 m -> Natürliches Licht reicht ungefähr 7 m vom Fenster in den Raum hinein.
Bei großen Gebäuden wäre der Gebäudekern ohne Atrium dunkel.
Deshalb: Ein Atrium bringt Tageslicht ins Gebäudeinnere / verbessert Arbeitsbedingungen / reduziert künstliche Beleuchtung / verbessert Belüftung
Beispiel Fabrik: Bei Verwaltungsgebäuden oder Sozialtrakten einer Fabrik wird häufig ein Atrium genutzt, damit auch innenliegende Arbeitsplätze Tageslicht erhalten.
79) Was ist die Aufgabe der Feinplanung, was soll am Ende der Feinplanung vorhanden sein?
80) Welche Gebäudeanforderungen sind zu beachten, nenne mir zwei drei.
Feinplanung = Detaillierung des Ziellayouts bis auf Arbeitsplatzebene einschließlich aller Gebäude-, Medien- und Logistikanforderungen.
-> bildet Grundlage für anschließende Gebäude- & Ausführungsplanung.
Die Feinplanung detailliert das Ziellayout bis auf Arbeitsplatzebene. Maschinen, Logistikflächen, Verkehrswege sowie Gebäude- und Medienanforderungen werden festgelegt. Am Ende liegt ein vollständiges Arbeitsplatzlayout als Grundlage für die Gebäude- und Realisierungsplanung vor.
Aufgaben der Feinplanung:
Aus dem bisherigen Blocklayout wird nun ein detailliertes Layout entwickelt.
Dabei werden:
- Maschinen und Arbeitsplätze exakt angeordnet
- Material- und Informationsfluss optimiert
- Logistikflächen (Puffer, Supermärkte, Kanban, WIP usw.) eingeplant
- Verkehrswege geplant
- Gebäudeanforderungen definiert (Raumbuch, BIM, BeMiLi)
- Medienbedarfe festgelegt
- Langläufer identifiziert -> wichtig!
- Kostenplanung weitergeführt
Langläufer = Bauteile/ Prozesse mit besonders langer Beschaffungs-, Liefer- oder Genehmigungszeit.
Bsp: Lackieranlagen/ Sondermaschinen / Hochregallager / Prozessvalidierungen (Pharma/Medizintechnik)
Diese müssen früh gestartet werden, damit sie den Projekttermin in Fabrikplanung nicht verzögern.
Am Ende der Feinplanung liegt vor:
- vollständiges Arbeitsplatzlayout
- detaillierte Maschinenanordnung
- Gebäudeanforderungen
- Medienplanung
- Verkehrs- und Logistikplanung
- Grundlage für Architekten und Ausführungsplanung
Technische Gebäudeausrüstung (TGA) = alle technischen Versorgungssysteme eines Gebäudes.
81) Was ist die Aufgabe des Tragwerks, was beeinflusst das Tagwerk?
Tragwerk = tragende Konstruktion eines Gebäudes.
Es nimmt alle Lasten auf und leitet sie sicher in das Fundament ab.
Aufgabe: Lasten aufnehmen / Lasten verteilen / Lasten ins Fundament ableiten / Gebäudestabilität gewährleisten
Was beeinflusst das Tragwerk?
wie flexibel Fabriklayout ist, also Stützenraster, Spannweite, lichte Höhen, und ob man Hallenkrane oder schwere Maschinen einsetzten kann.
1. Statische Lasten: Maschinen / Regale / Arbeitsplätze → Boden muss tragfähig sein
2. Dynamische Lasten: Schwingungen / Stapler / Maschinenbewegungen
3. Bekranung → zusätzliche Lasten auf Stützen
4. Lichte/ Hallen Höhe = effektive Raumhöhe → wichtig für Maschinen/ Regallager / Krane
5. Dachform -> Je nach Dachbinder werden Lasten unterschiedlich in die Stützen eingeleitet.
Das Tragwerk trägt alle statischen und dynamischen Lasten und leitet sie sicher in das Fundament ab. Es wird insbesondere durch Maschinenlasten, Schwingungen, Hallenkrane, erforderliche Hallenhöhen sowie die Dachkonstruktion beeinflusst.
82) Wie gestalte ich eine verkehrstechnische Erschließung optimalerweise?
83) Was ist bei der Auslegung von Parkplätzen zu beachten?
Erschließung = Anbindung an Fabrik
Notfallzufahrten, Feuerwehranfahrt, Fußgängerweg
Eine gute verkehrstechnische Erschließung trennt Personen- und Lastverkehr möglichst voneinander. Außerdem werden ausreichend Anlieferpunkte, Warteflächen und kurze Verkehrswege vorgesehen, um Sicherheit und einen störungsfreien Materialfluss zu gewährleisten.
Verkehrstechnische Erschließung = Planung aller Verkehrswege & Anlieferungen auf dem Werksgelände (Personen-, LKW-, Stapler- , Lieferverkehr).
-> Ziel ist ein sicherer, störungsfreier & effizienter Verkehrsfluss.
Wichtige Grundsätze:
- Trennung von Personen- und Lastverkehr
- ausreichend An- und Ablieferpunkte
- Warteflächen für LKW vorsehen
- Verkehrswege möglichst kurz und übersichtlich
- Kreuzungen vermeiden
- spätere Erweiterungen berücksichtigen
Warum? Dadurch werden: Sicherheit erhöht / Staus vermieden / Materialfluss verbessert / Wartezeiten reduziert
Bei der Auslegung von Parkplätzen müssen Mitarbeiterzahl, Schichtbetrieb und mobiler Arbeitsanteil berücksichtigt werden. Außerdem kann die erforderliche Anzahl an Stellplätzen durch den Bebauungsplan vorgegeben sein.
Anzahl der Stellplätze richtet sich nach Mitarbeiterzahl / Schichtbetrieb / mobilem Arbeiten
-> Anzahl der Parkplätze kann bereits im Bebauungsplan vorgeschrieben sein.
-> Parkplätze möglichst sinnvoll anordnen (kurze Wege, Trennung vom Lastverkehr)
Warum? Damit genügend Stellplätze vorhanden sind, Schichtwechsel funktionieren, Genehmigung möglich ist.
Bebauungsplan = rechtsverbindlicher Plan der Gemeinde, der u. a. die zulässige Bebauung und teilweise auch die erforderliche Anzahl an Stellplätzen festlegt.
84) Ist es gut nur einen Stromzuleitung zu haben? Welches Problem könnte auftreten?
84) Ist es gut nur einen Stromzuleitung zu haben? Welches Problem könnte auftraten?
Nein. Eine einzelne Stromzuleitung ist kritisch, weil ihr Ausfall die gesamte Produktion lahmlegen kann. Deshalb sollte die Versorgung möglichst redundant ausgelegt werden. Die Stromversorgung erfolgt vom Versorger über die Trafostation zur Niederspannungshauptverteilung (NSHV) und anschließend zu den Unterverteilungen.
Redundenzen & Notstromstromversorgung sind wichtig.
Versorgungssicherheit = zuverlässige Versorgung einer Fabrik mit Strom, Wasser, Gas, Daten usw. auch bei Störungen/ Ausfällen.
-> Nur eine Stromzuleitung stellt einen Single Point of Failure dar.
Fällt diese Leitung aus, steht möglicherweise die gesamte Produktion still/ Maschinen fallen aus.
=> Deshalb, bereits in der Konzeptphase prüfen:
- Wo kommen Strom, Wasser, Gas und Datenleitungen auf das Gelände?
- Gibt es Redundanzen? -> redundante Einspeisungen,
- Gibt es Ringversorgungen?
Redundanz = mehrfach vorhandene Versorgung, sodass beim Ausfall einer Leitung eine zweite Versorgung übernimmt.
Eine Ringversorgung versorgt das Gebäude von mehreren Seiten.
Fällt eine Leitung aus, kann die Versorgung über die andere Seite erfolgen.
Stromversorgung einer Fabrik
Netz des Energieversorgers
Trafostation = Transformator: Das Herzstück, das die hohe Spannung in die nutzbare Niederspannung umwandelt.
NSHV (Niederspannungshauptverteilung)
Unterverteilungen -> Maschinen / Verbraucher
85) Brandschutz – Was bedeutet es, wenn eine Tür F90 ist?
86) Wann brauche ich eine Feuerwehrumfahrt?
F = Feuerwiederstandswert:
F90 bedeutet: Die Tür bleibt 90 Minuten feuerbeständig bzw. funktionsfähig.
F90 bedeutet, dass das Bauteil im Brandfall mindestens 90 Minuten seine Funktion und Feuerwiderstandsfähigkeit behält.
Brandabschnitt = ist ein durch feuerbeständige Bauteile (z.B. Brandwände und Decken) abgetrennter Gebäudeteil, der die Ausbreitung von Feuer verhindert.
Ab einer Brandabschnittsgröße größer als 5.000 m² ist eine Feuerwehrumfahrt erforderlich. Sie muss das Gebäude so erschließen, dass Löschfahrzeuge von allen Seiten anfahren können.
Warum? Damit Feuerwehr schnell eingreifen kann / Löschwasser bereitgestellt werden kann & alle Gebäudeseiten erreichbar sind.
Eine Feuerwehrumfahrt wird bei Brandabschnitten größer als 5.000 m² benötigt. Sie ermöglicht die Erreichbarkeit des Gebäudes von allen Seiten für Löschfahrzeuge.
87) Wie lang darf ein Rettungsweg max. sein (mit Brandmeldeanlage, BMA)?
88) Welche drei Stufen hat der Brandschutz?
89) Kannst du mir eine organisatorische Maßnahme zur Brandvermeidung nennen?
Rettungsweglänge
ohne BMA → 35 m Luftlinie
mit Brandmeldeanlage (BMA) → 50 m
Zusatz: Räume größer als 200 m² benötigen zwei Ausgänge.
Brandmeldeanlage (BMA) = automatische Anlage zur frühzeitigen Erkennung und Meldung eines Brandes.
-> Mit einer Brandmeldeanlage darf der Rettungsweg maximal 50 m betragen, ohne Brandmeldeanlage 35 m.
Die drei Stufen des Brandschutzes sind Brandvermeidung, Branderkennung und Brandbekämpfung.
Sauberkeit & Ordnung
sichere Lagerung von Gefahrstoffen
Arbeitsfreigabesysteme für Schweißarbeiten
Eine organisatorische Maßnahme zur Brandvermeidung ist bspw. Sauberkeit und Ordnung, damit sich keine brennbaren Staub- oder Fettablagerungen bilden.
90) Kannst du mir eine technische Maßnahme zur Branderkennung nennen?
91) Kannst du eine anlagentechnische und eine bauliche Maßnahme zur Brandbekämpfung nennen?
Bsp:
- Brandmeldeanlage (BMA)
- Rauchmelder
- Wärmemelder
- Flammenmelder
- Ansaugrauchmelder
- Gasdetektoren
Eine technische Maßnahme zur Branderkennung ist eine Brandmeldeanlage (BMA) mit Rauch-, Wärme- oder Flammenmeldern.
Anlagentechnisch z.B. Sprinkleranlage / Feuerlöscher / Löschwasserleitungen
Baulich z.B. Rauch- und Wärmeabzugsanlage (RWA) / Feuerwehrumfahrt/ Löschwasserrückhaltung
Eine anlagentechnische Maßnahme ist bspw. eine Sprinkleranlage. Eine bauliche Maßnahme ist eine Feuerwehrzufahrt & Aufstellflächen.
92) Was ist bei der Planung von IT-Infrastruktur wichtig zu beachten?
Bei der Planung der IT-Infrastruktur stehen Ausfallsicherheit und Redundanz im Vordergrund. Server sollten in mindestens zwei Brandabschnitten gespiegelt werden und über redundante Strom- und Glasfaserzuleitungen verfügen. Außerdem benötigen sie eine USV, häufig einen Notstromgenerator, eine eigene Löschanlage sowie eine Klimatisierung. Zusätzlich müssen EDV-Verteiler und eine ausreichende WLAN-Versorgung für die Produktion eingeplant werden.
IT-Infrastruktur = umfasst alle Einrichtungen zur sicheren Daten-, Netzwerk- und Stromversorgung der IT-Systeme einer Fabrik (z. B. Server, Netzwerk, Glasfaser, WLAN und Verteilungen).
Wichtige Punkte
1. Redundanz (Spiegelung) = Server mindestens in zwei getrennten Räumen bzw. Brandabschnitten spiegeln. Auch Strom- und Glasfaserzuleitungen redundant ausführen. -> Ziel: Ausfallsicherheit bei Brand oder Störung.
2. Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) = Server benötigen eine USV (Batteriepuffer). Zusätzlich häufig ein Notstromgenerator (z. B. Diesel, Brennstoffzelle oder Batteriespeicher mit PV). -> Ziel: IT bleibt auch bei Stromausfall in Betrieb.
3. Eigene Löschanlage = Serverräume besitzen meist eine eigene Löschanlage (z. B. Gaslöschanlage), um Brände zu bekämpfen, ohne die IT durch Wasser zu beschädigen.
4. Klimatisierung = Serverräume müssen temperaturgeregelt bzw. klimatisiert werden, da Server viel Wärme erzeugen und Überhitzung vermieden werden muss.
5. Netzwerkversorgung = Planung von EDV-Hauptverteilern, Bereichsverteilern und einer ausreichenden WLAN-Ausleuchtung. Wichtig für mobile Anwendungen, FTS/AGV und Betriebsdatenerfassung.
Warum ist das wichtig?
Ziel ist eine hochverfügbare und ausfallsichere IT-Infrastruktur, damit die Produktion auch bei Stromausfall, Brand oder Hardwareausfällen möglichst ohne Unterbrechung weiterlaufen kann.
93) Was ist eine Betonkernaktivierung (Bauteilaktivierung) und wann ist sie besonders sinnvoll?
94) Es gibt verschiedene Anforderungen an die Beleuchtungsstärke – kannst du erläutern, weshalb?
Bei der Betonkernaktivierung werden Heiz- oder Kühlleitungen in den Beton integriert. Dadurch dient der Beton als Wärmespeicher und ermöglicht eine energieeffiziente Hallenheizung bzw. -kühlung. Besonders sinnvoll ist sie in großen Industriehallen mit dauerhaftem Betrieb. Nachteilig ist, dass die mögliche Bohrtiefe für spätere Maschinenfundamente eingeschränkt wird.
Betonkernaktivierung (Bauteilaktivierung)
= Heiz- oder Kühlrohre werden in die Betonbodenplatte bzw. Betondecke eingebaut. Dadurch dient der Beton selbst als großer Wärme- bzw. Kältespeicher.
-> Vorteile: gleichmäßiges Raumklima / energieeffizient / geringe Betriebskosten / große Speichermasse
-> Besonders sinnvoll für: große Industriehallen / Hallen mit dauerhaftem Betrieb / Fußbodenheizung/-kühlung / Kombination mit Wärmepumpe / Kombination mit mechanischer Lüftung
-> Nachteil - Ganz wichtig: Bauteilaktivierung → begrenzt später die Bohrtiefe.
Dadurch können Maschinen später nicht beliebig tief verankert werden.
Unterschiedliche Arbeitsbereiche haben unterschiedliche Sehaufgaben. Deshalb benötigen z. B. Verkehrswege nur etwa 150 Lux, Lagerflächen etwa 500 Lux und Feinmontage bis zu 1500 Lux. Ziel sind Arbeitssicherheit, Produktqualität und ergonomisches Arbeiten.
Nicht jeder Arbeitsplatz stellt die gleichen Sehaufgaben.
Je anspruchsvoller die Tätigkeit, → desto höher muss die Beleuchtungsstärke sein.
Beispiele: Verkehrswege ≈ 150 Lux
Lager ≈ 500 Lux
Feinmontage ≈ 1500 Lux
Warum? Feinmontage → kleine Bauteile → hohe Genauigkeit → Fehler vermeiden
→ Arbeitssicherheit
Verkehrswege → Orientierung genügt → geringere Beleuchtung ausreichend.
Weitere Punkte: Tageslichtsteuerung / Präsenzsteuerung / Human Centric Lighting (HCL) / Sicherheitsbeleuchtung für Fluchtwege
Lux (lx) = Einheit der Beleuchtungsstärke. Beschreibt, wie viel Licht auf eine Fläche fällt.
95) Klimawandel sollte in der Fabrikplanung beachtet werden, da Gebäude lange genutzt werden. Was für Möglichkeiten gibt es? Nenne bitte drei.
1) Sicherung gegen Sturm -> sturmfest Bauweise
2) Notstrom nicht im Keller -> Überflutungsgefahr
3) Flächeneffiziente & nachhaltige Fabrikplanung um Hitzeinseln auf Gelände zu vermeiden
Fabrikgebäude werden über viele Jahrzehnte genutzt. Deshalb sollten bereits heute Maßnahmen gegen zukünftige Klimafolgen vorgesehen werden. Beispiele sind größere Dachüberstände zur Verschattung, größere Dachrinnen für Starkregen und die Vorbereitung einer später nachrüstbaren Klimaanlage.
Beispiele
1. größere Dachüberstände → mehr Verschattung
2. größere Dachrinnen → Starkregen aufnehmen
3. Vorbereitung für spätere Klimaanlagen → Nachrüstbarkeit
Weitere Beispiele: hagelbeständige PV-Anlagen / stärkere Schneelasten berücksichtigen / Sturmklammern / keine bodentiefen Fenster / Schwarzstartfähigkeit / Notstrom nicht im Keller / mehr Lager für Lieferunterbrechungen
Warum? Industriegebäude werden oft 30–50 Jahre oder länger genutzt.
Deshalb müssen zukünftige Klimabedingungen bereits heute berücksichtigt werden.
HOAI - Realisierungsplanung 4
96) Welche Vergabearten gibt es für die Planung und welche für die Realisierung – erläutere kurz was, was ist?
Realisierungsplanung 4
Bei der Bauplanung gibt es Generalübernehmer (plant und baut), Generalplaner (plant alles) und Einzelplaner (jedes Fach plant separat).
Bei der Baurealisierung gibt es Generalunternehmer (führt den gesamten Bau aus), Gewerkegruppen (mehrere Gewerke werden gemeinsam vergeben) und Einzelgewerke (jedes Gewerk wird einzeln vergeben).
Vergabeart = wie wird beauftragt und welche Vertragspartner es gibt. Art und Weise, wie Planungs- oder Bauleistungen an Unternehmen vergeben werden.
Bauplanung = WER plant den Bau? GÜ- Generalunternehmer (Firma plant und baut)/ GP -Generalplaner (Büro plant alles) und EP - Einzelplaner (jedes Fach plant separat).
Realisierung = Wer baut später? GÜ - Generalunternehmer (Firma plant und baut)/ GU - Generalunternehmer (führt nur Bau aus), GG - Gewerkegruppen (mehrere Gewerke werden gemeinsam vergeben) und GE - Einzelgewerke (jedes Gewerk wird einzeln vergeben).
A) Vergabearten der Planung
1. Generalübernehmer (GÜ) = Firma übernimmt Planung und Bau. ➡️ Eine Firma plant & baut alles.
Merkmal: nur ein Vertragspartner / hohe Termin- und Kostensicherheit
2. Generalplaner (GP) = Planungsbüro übernimmt die gesamte Planung (Architekt + Fachplaner). ➡️ Eine Firma plant alles, gebaut wird später von anderen.
Merkmal: ein Ansprechpartner für die Planung / Bauleistungen werden separat vergeben
3. Einzelplaner (EP) = Jedes Fach plant separat.
Bsp.: Architekt / Tragwerksplaner / TGA-Planer ➡️ Alle Planer einzeln.
B) Vergabearten der Realisierung
1. Generalunternehmer (GU) = Firma führt die gesamte Bauausführung aus. ➡️ Eine Firma baut alles. Die Planung liegt bereits vor.
2. Gewerkegruppen (GG) = Mehrere zusammengehörige Gewerke werden gemeinsam vergeben. Bsp.: Rohbau / Ausbau / Haustechnik als Pakete.
3. Einzelgewerke (GE) = Jedes Gewerk wird einzeln vergeben.
Besp:: Elektriker / Maler / Sanitär / Dachdecker j eweils eigener Vertrag.
Merksatz für die Prüfung
Planung
GÜ → plant + baut
GP → plant alles
EP → jeder plant einzeln
Realisierung
GU → baut alles
GG → baut in Gewerkegruppen
GE → jedes Gewerk einzeln
97) Was bedeutet HOAI? Was regelt sie?
98) Leistungsphase 2 Vorentwurf – wie werden die hier aufgestellten Kosten genannt und welche Genauigkeit haben sie?
HOAI = Honorarordnung für Architekten und Ingenieure.
Was regelt sie? = regelt die Vergütung (Honorare) von Architekten und Ingenieuren & den Ablauf der Planung in 9 Leistungsphasen (LPH).
= legt Orientierungswerte für die Honorare fest, basierend auf anrechenbaren Kosten und Leistungsumfang.
Leistungsphase (LPH) = klar definierter Abschnitt im Planungs- und Bauprozess.
LPH 1 → Grundlagenermittlung
LPH 2 → Vorplanung
LPH 3 → Entwurfsplanung
... LPH 9 → Objektbetreuung
Die HOAI ist die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Sie regelt die Vergütung von Planungsleistungen und gliedert den Planungsprozess in neun Leistungsphasen.
In der Leistungsphase 2 (Vorplanung/Vorentwurf) wird eine Kostenschätzung erstellt. Ihre Genauigkeit liegt bei etwa ±30 %.
Warum? In der Vorplanung existiert erst ein Vorentwurf. Deshalb können die Baukosten noch nicht exakt berechnet werden. Es wird zunächst eine Kostenschätzung erstellt. Mit zunehmendem Planungsfortschritt werden die Kosten immer genauer. z. B. in der Entwurfsplanung durch die Kostenberechnung (±20 %)
Leistungsphase 2 = Vorplanung (Vorentwurf)
Hier wird eine ➡️ Kostenschätzung erstellt.
Genauigkeit der Kostenschätzung ≈ ±30 %
Kostenrahmen = grobe erste Abschätzung der Projektkosten.
Kostenschätzung = Erste belastbare Schätzung der Baukosten auf Basis des Vorentwurfs.
Kostenberechnung = Genauere Berechnung auf Basis des Entwurfs.
HOAI
99) Was ist die Kostenberechnung, in welcher Leistungsphase findet sie statt und welche Genauigkeit hat sie?
100) In welcher Leistungsphase ist der Bauantrag?
101) Welchen Leistungsphasen werden in dem alltäglichen Sprachgebrauch als Entwurf bezeichnet?
Die Kostenberechnung erfolgt in Leistungsphase 3 (Entwurfsplanung). Sie dient der genaueren Ermittlung der Baukosten auf Basis des Entwurfs und besitzt eine Genauigkeit von etwa ±20 %.
Kostenberechnung = eine genauere Ermittlung der voraussichtlichen Baukosten auf Grundlage der Entwurfsplanung. -> basiert auf einem detaillierten Gebäudeentwurf und dient als Grundlage für die weitere Planung & Genehmigung.
Leistungsphase ➡ LPH 3 – Entwurfsplanung
Genauigkeit ➡ ca. ±20 %
Warum genauer als die Kostenschätzung? = Weil jetzt wesentlich mehr Informationen vorliegen: Entwurfszeichnungen / Abmessungen / Konstruktionen / technische Anlagen / genauere Mengenermittlung
Dadurch kann bereits auf einer tieferen Ebene der DIN 276 gerechnet werden.
Der Bauantrag wird in der Leistungsphase 4 (Genehmigungsplanung) erstellt und eingereicht.
➡ Leistungsphase 4 – Genehmigungsplanung
Hier werden: Bauantrag / Bauanzeige/ Genehmigungsunterlagen
erstellt und bei der Behörde eingereicht.
Umgangssprachlich bezeichnet man meist die Leistungsphasen 1 bis 3 als den Entwurf, obwohl die eigentliche Entwurfsplanung erst die LPH 3 ist.
Im Alltag fasst man häufig zusammen:
LPH 1 Grundlagenermittlung
LPH 2 Vorplanung
LPH 3 Entwurfsplanung unter dem Begriff ➡ Entwurf zusammen.
102) Weshalb haben Leistungsphase 1 und 2 bei den Kostengruppen nach DIN276 nur die oberste Ebene?
In den Leistungsphasen 1 und 2 liegen noch zu wenige Planungsdetails vor. Daher können die Kosten nur auf der 1. Ebene der DIN 276 (Hauptkostengruppen 100–700) abgeschätzt werden. Erst ab der Entwurfsplanung ist eine detailliertere Zuordnung möglich.
Die Kosten werden in mehreren Detaillierungsebenen gegliedert.
-> In LPH 1 (Grundlagenermittlung) und LPH 2 (Vorplanung) existieren noch keine detaillierten Gebäudeplanungen.
-> Es sind lediglich bekannt: Gebäudegröße / Nutzung / erste Skizzen / grobes Gebäudekonzept
Deshalb können die Kosten nur den Hauptkostengruppen (1. Ebene) der DIN 276 zugeordnet werden.
Erst mit der Entwurfsplanung kennt man Bauteile wie: Außenwände / Innenwände / Dächer / Decken / Gründung und kann deshalb weiter heruntergliedern.
103) Welchen Leistungsphasen werden in dem alltäglichen Sprachgebrauch als Werkplanung und welche als Ausschreibung bezeichnet?
104) Welchen Leistungsphasen werden in dem alltäglichen Sprachgebrauch als Bauleitung bezeichnet?
Werkplanung entspricht der Leistungsphase 5.
Ausschreibung umfasst die Leistungsphasen 6 und 7 mit Leistungsverzeichnis, Angebotseinholung und Vergabe.
Werkplanung ➡ LPH 5 -> Hier entstehen die detaillierten Ausführungszeichnungen.
Werkplanung = detaillierte Planung mit allen technischen Details für die spätere Bauausführung.
Ausschreibung ➡ LPH 6 und LPH 7
LPH 6 = Leistungsverzeichnisse / Mengen ermitteln
LPH 7 = Angebote einholen / Vergabe der Aufträge
Umgangssprachlich bezeichnet man die Leistungsphase 8 (Objektüberwachung) als Bauleitung
➡ LPH 8 = Objektüberwachung
Aufgaben: Bauüberwachung / Qualitätskontrolle / Terminüberwachung
Kostenkontrolle / Koordination der Gewerke
HOAI - Planspiel Kostenberechnung
107) Was ist in Kostengruppe 300 enthalten? Wie haben wir das für den Kostenrahmen im Planspiel berechnet?
Kostengruppe 300 umfasst die Baukonstruktion des Gebäudes (z. B. Gründung, Wände, Decken und Dach). Im Planspiel wurde sie aus den Flächen des Ideallayouts ermittelt, indem die jeweiligen Flächen mit Kostenkennwerten in €/m² multipliziert wurden.
Kostengruppe 300 = Bauwerk – Baukonstruktionen
Sie umfasst alle baulichen Bestandteile des Gebäudes -> Baugrube / Gründung / Außenwände / Innenwände / Decken / Dach / Stützen / Treppen
➡ Alles, was die eigentliche Gebäudehülle und Tragkonstruktion bildet.
Berechnung: im Planspiel wurde KG 300 aus dem Ideallayout berechnet.
Flächen aus dem Ideallayout übernehmen: Produktionshalle / Büro-/Sozialflächen & Lagerflächen
Jede Fläche mit einem Kostenkennwert €/m² multiplizieren.
Bsp.H2: Produktionshalle 700 m² × 2.200 €/m² ≈ 1,54 Mio. €
Büro 250 m² × 1.350 €/m² ≈ 0,34 Mio. €
Lager 340 m² × 825 €/m² ≈ 0,28 Mio. €
KG300 Gesamt ≈ 2,32 Mio. €
108) Was ist Kostengruppe 400 und wie haben wir die im Planspiel für den Kostenrahmen berechnet?
Kostengruppe 400 umfasst die technische Gebäudeausrüstung (TGA), z. B. Elektro, Heizung, Lüftung und Sanitär. Im Planspiel wurde sie vereinfacht mit 30 % der Kostengruppe 300 (für TGA) abgeschätzt.
Warum TGA auf KGR 300 beziehen? = weil in frühen Planungsphase Details über Produktionsanlagen nicht 100% bekannt sind.
TGA umfasst aber auch die Versorgung mit Heizung/ Lüftung/ Beleuchtung fürs gesamte Gebäude. Deshalb verwendet man Kosten der Baukonstruktion (KGR 300) als Basis für erste Schätzung der TGA bzw KGR 400.
KG 400 = Bauwerk-technische Anlagen (TGA)
Sie umfasst die gesamte technische Gebäudeausrüstung -> Elektro / Stromversorgung / Trafostation / Heizung / Lüftung / Klima / Sanitär / Druckluft
Berechnung im Planspiel Hier wurde nicht jede Anlage einzeln berechnet, sondern pauschal 30% für TGA eingesetzt.
KG 400 = 30 % von KG 300 berechnet
105) Wie viele Ebenen haben die Kostengruppen nach DIN276?
105) Wie viele Ebenen haben die Kostengruppen nach DIN 276?
DIN 276 = Norm zur Kostenerfassung des Bauwesens
Die DIN 276 besitzt 3 Ebenen: Hauptkostengruppen, Unterkostengruppen und Detailkostengruppen.
1. Ebene = grobe Hauptkostengruppen
100 Grundstück / 200 Herrichten / 300 Bauwerk / 400 Technische Anlagen / 500 Außenanlagen / 600 Ausstattung / 700 Baunebenkosten
2. Ebene = Untergliederung
Bsp.: 300 Bauwerk -> 310 Baugrube / 320 Gründung / 330 Außenwände / 340 Innenwände / 350 Decken / 360 Dächer
3. Ebene = noch detailliertere Untergliederung
Bsp.: 330 Außenwände -> 331 Tragende Außenwände / 332 Nichttragende Außenwände / 333 Außenstützen / 334 Außentüren …
106) Warum lassen sich die Kosten für einen Neubau zu Anfang des Projektes leichter beeinflussen als später, wenn es bereits im Bau ist?
Zu Beginn des Projekts können wesentliche Planungsentscheidungen noch geändert werden und beeinflussen einen Großteil der späteren Kosten. Während der Bauphase sind viele Leistungen bereits vergeben oder gebaut, sodass Änderungen nur noch mit hohem Aufwand und Mehrkosten möglich sind.
Zu Projektbeginn können grundlegende Entscheidungen noch verändert werden, z. B.: Gebäudegröße / Bauweise / Tragwerk / Technik / Material / Hallenhöhe
-> Diese Entscheidungen beeinflussen einen großen Teil der späteren Kosten.
-> Mit fortschreitender Planung & insbesondere während der Bauphase sind viele Entscheidungen bereits umgesetzt.
Änderungen führen dann häufig zu: Umbauten / Nachträgen / Terminverzögerungen / Mehrkosten.
-> Kernaussage der Grafik: Beeinflussbarkeit der Kosten nimmt kontinuierlich ab. Tatsächlich festgelegte Kosten steigen kontinuierlich an.
Die Kostengruppe 300 umfasst nach DIN 276 die Bauwerk-Baukonstruktion.
Dazu gehören: Baugrube/ Fundamente/ Bodenplatte/ Außen- und Innenwände / Stützen und Tragwerk / Dach/ Decken / Türen und Fenster
➡️ Also alles, was die bauliche Gebäudehülle und Konstruktion bildet.
Berechnung im Planspiel
Die KGR 300 wurde aus den geplanten Gebäudeflächen berechnet.
Dabei wurden die Flächen mit den jeweiligen Kostenkennwerten multipliziert:
Produktionshalle
Büro- und Sozialflächen
Lagerfläche
Die Kostengruppe 300 umfasst nach DIN 276 die Bauwerk-Baukonstruktion, also alle baulichen Bestandteile des Gebäudes wie Fundamente, Wände, Dach, Tragwerk, Decken und den Innenausbau. Im Planspiel wurde sie berechnet, indem die Flächen der Produktionshalle, der Büro- und Sozialbereiche sowie des Lagers mit den jeweiligen Kostenkennwerten pro Quadratmeter multipliziert und anschließend addiert wurden. Dadurch ergab sich eine KGR 300 von ca. 2,3 Mio. €.
108. Was ist Kostengruppe 400 und wie haben wir die im Planspiel für den Kostenrahmen berechnet?
Die Kostengruppe 400 umfasst die Technischen Anlagen bzw. die Technische Gebäudeausrüstung (TGA).
Dazu gehören bspw.: Heizung/ Lüftung/ Klima/ Sanitär
➡️ Also alle technischen Versorgungsanlagen des Gebäudes.
Im Planspiel wurde die KGR 400 nicht einzeln berechnet, sondern als Erfahrungswert angesetzt.
Die Kostengruppe 400 umfasst nach DIN 276 die Technische Gebäudeausrüstung, beispielsweise Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektroversorgung, Druckluft, Vakuum oder Sprinkleranlagen. Im Planspiel wurde sie überschlägig als 30 % der KGR 300 berechnet. Ausgehend von einer KGR 300 von 2,32 Mio. € ergab sich dadurch eine KGR 400 von etwa 0,70 Mio. €.
109) Was ist Kostengruppe 600? Wer liefert hierfür die Kosten?
Kostengruppe 600 umfasst Maschinen, Produktionsanlagen und Betriebsausstattung. Im Planspiel waren diese Werte vorgegeben. Die Kosten stammen in der Praxis von Maschinen- und Anlagenherstellern bzw. deren Angeboten.
Kostengruppe (KGR) 600 = Ausstattung und Kunstwerke.
dazu gehören: Maschinen / Produktionsanlagen / Fördertechnik / Lagertechnik / Betriebsmittel / IT-MES-Systeme
Im Planspiel waren die Werte vorgegeben mit Extrusionslinie / Flexodruck / Metallisierung / Kaschierung / Fördertechnik -> Gesamt ≈ 20,6 Mio €
Wer liefert diese Kosten? = Nicht der Architekt !
= Maschinenhersteller / Anlagenlieferanten / Fördertechniklieferanten
Diese erstellen Angebote bzw. Preislisten für ihre Anlagen.
110) Was ist Kostengruppe 700 und was beeinflusst die Größenordnung dieser mit?
KGR 700 umfasst die Baunebenkosten, z. B. Architekten-, Fachplaner- und Gutachterhonorare sowie Genehmigungen. Die Größenordnung wird vor allem durch die Vergabeart, die Höhe der anrechenbaren Kosten (KGR 300 und 400) sowie die Komplexität des Projekts beeinflusst.
Kostengruppe (KGR) 700 = Baunebenkosten = alle Kosten, die nicht direkt für das Bauwerk, sondern für Planung und Projektabwicklung entstehen.
-> Architekten / Fachplaner / Statiker / Gutachter / Genehmigungen / Vermessung
Was beeinflusst die Größenordnung? = mehrere Einflussgrößen:
1. Vergabeart ⭐ (wichtig) = Je nach Vergabestrategie unterscheiden sich die Honorare erheblich. Bspw. Generalunternehmer (GU) / Generalplaner (GP) oder Einzelvergabe ➡️ Unterschiedlicher Koordinations- und Planungsaufwand führt zu unterschiedlichen Nebenkosten.
2. Höhe der anrechenbaren Kosten ⭐ = Honorare werden nach HOAI auf Basis der anrechenbaren Kosten berechnet. -> Diese bestehen hauptsächlich aus:
KGR 300 (Baukonstruktion) + KGR 400 (Technische Gebäudeausrüstung)
Steigen diese Kosten, → steigen auch die Honorare (Vorteil für Planer, Nachteil für Fabrik), → dadurch steigt KGR 700.
=> daher wirtschaftlichesplanen & bauen mit effizienten Flächen & optimierter TGA wichtig!
3. Projektkomplexität: Je komplexer das Gebäude, desto mehr Fachplaner,
desto mehr Gutachten, desto mehr Abstimmungen, → desto höher die Nebenkosten.
111) Was ist das systemintrinsische Problem von HOAI -worauf sollte ich als Fabrikplaner achten?
Das systemintrinsische Problem der HOAI ist, dass sich die Honorare der Architekten und Ingenieure an den Baukosten orientieren. Höhere Baukosten führen somit zu höheren Honoraren, sodass kein natürlicher Anreiz besteht, möglichst kostengünstig zu planen.
Als Fabrikplaner muss man deshalb die Flächen- und Technikplanung aktiv optimieren und durch gutes Projektmanagement sowie eine starke Bauherrenvertretung die Kosten steuern.
Systemintrinsisches Problem
Bei HOAI werden die Honorare der Architekten und Ingenieure anteilig aus den Baukosten berechnet.
Das bedeutet: Je teurer gebaut wird, desto höher ist das Honorar.
Dadurch besteht kein natürlicher wirtschaftlicher Anreiz, möglichst kostengünstig zu planen.
Worauf sollte der Fabrikplaner achten?
Als Fabrikplaner bzw. Bauherr sollte man deshalb:
1) Flächen optimieren (keine unnötigen Hallen- oder Büroflächen)
2) die TGA wirtschaftlich auslegen (keine Überdimensionierung)
3) ein gutes Projektmanagement durchführen
4) die Planung kritisch begleiten
5) mit Bauherr bzw. Bauherrenvertretung die Kosten aktiv steuern
Denn nur so lassen sich unnötige Baukosten vermeiden.
HOAI - BIM
112) BIM Ist die Weiterentwicklung vom 2D-Flächenmodell über das 3D-Volumenmodell – zum BIM Datenmodell. Was ist der größte Vorteil in der Fabrikplanung mit BIM?
113) Wie verschiebt sich der Planungsaufwand über den kompletten Planungszyklus, wenn BIM eingesetzt wird?
Größter Vorteil von BIM ist das gemeinsame digitale Datenmodell. Alle Informationen werden im Modell zusammengeführt und stehen allen Projektbeteiligten über den gesamten Lebenszyklus der Fabrik zur Verfügung.
-> Frage 116: Vorteile von BIM -> Layout, Gebäude, Medien und Betriebsmittel integriert geplant werden können. Dadurch werden Fehler früh erkannt und die Zusammenarbeit verbessert.
BIM (Building Information Modeling) = digitales Datenmodell eines Bauwerks, das alle relevanten Informationen für Planung, Bau und Betrieb enthält.
➡️ BIM ist kein reines 3D-Modell, sondern ein Informationsmodell.
Alle Projektbeteiligten arbeiten auf demselben zentralen Gebäudemodell ("Single Source of Truth").
Größter Vorteil in der Fabrikplanung = die Integration aller Fachplanungen in einem gemeinsamen digitalen Modell.
Dadurch werden: Fabriklayout / Gebäude / Medienversorgung (Strom, Wasser, Druckluft usw.) / Maschinen / Logistik im gemeinsamen Modell zusammengeführt.
-> Dadurch entstehen: bessere Zusammenarbeit, / automatische Kollisionsprüfung / weniger Planungsfehler / höhere Planungsqualität.
Mit BIM verschiebt sich der Planungsaufwand nach vorne mit dem Höhepunkt bei den Skizzen und Entwurfszeichnungen . In den frühen Leistungsphasen wird mehr geplant und modelliert. Dadurch gibt es während der Ausführung deutlich weniger Änderungen, Kollisionen und kaum Aufwand für Korrekturen.
-> Mit BIM wird mehr Aufwand in die frühen Leistungsphasen verlagert.
Dafür entstehen später deutlich weniger: / Planungsänderungen / Kollisionen / Nacharbeiten / Korrekturen auf der Baustelle
Warum? = Weil bereits früh alle Informationen modelliert / Kollisionen erkannt / Mengen automatisch ermittelt, / Abstimmungen durchgeführt werden.
-> Dadurch sinkt der Aufwand in den späten Leistungsphasen (vor allem LP8).
114) Was bedeutet LOD?
115) Was kann dazu führen, dass BIM in einem Projekt nicht gut funktioniert?
LOD (Level of Detail oder auch Level of Development) beschreibt den Detaillierungsgrad eines BIM-Modells. Mit zunehmendem Planungsfortschritt werden Geometrie (LOG) und Informationen (LOI) immer genauer.
LOD = Level of Detail = beschreibt den Detaillierungsgrad eines BIM-Modells.
Je weiter die Planung fortschreitet, → desto detaillierter werden Geometrie (LOG) & Informationen (LOI).
Bsp.: LOD 100 = grobe Gebäudestruktur
LOD 200 = Vorentwurf
LOD 300 = Genehmigungsmodell
LOD 400 = Ausführungsmodell
LOD 500 = As-Built-Modell (tatsächlich gebaut)
BIM funktioniert schlecht, wenn:
1) Projektbeteiligte unterschiedlich erfahren sind
2) Architekten / Fachplaner ihre Modelle nicht freigeben
3) Hersteller keine BIM-Daten liefern oder
4) vorhandene Daten nur mit großem Aufwand beim Bauherr integriert werden können
4 Ursachen:
1) unterschiedliche BIM-Kompetenzen der Fachplaner
2) Fachplaner stellen ihre Modelle nicht zur Verfügung
3) Hersteller liefern keine BIM-Bauteile/Bauteilfamilien
4) hoher Aufwand zur Integration vorhandener Daten
118) Mit der Realisierungsplanung wächst das Team sprunghaft – Architekt, Fachplaner usw. warum ist gutes Projektmanagement hier Fundament des Erfolgs?
Mit der Realisierungsplanung wächst die Zahl der Projektbeteiligten stark an. Gutes Projektmanagement koordiniert Termine, Verantwortlichkeiten, Ressourcen und Änderungen. Dadurch werden Verzögerungen vermieden und parallele Abläufe optimal organisiert.
Projektmanagement = bedeutet Planung, Koordination, Steuerung & Überwachung aller Projektbeteiligten, Termine, Ressourcen, Aufgaben, damit das Projekt innerhalb von Zeit, Kosten und Qualität erfolgreich umgesetzt wird.
Warum wird Projektmanagement jetzt besonders wichtig?
= In der Realisierungsplanung kommen viele neue Beteiligte hinzu: Architekt / Statiker / TGA-Planer / Fabrikplaner / Fachplaner / Bauunternehmen / Lieferanten
-> Dadurch steigen: Abstimmungsaufwand / Schnittstellen / Abhängigkeiten
& Kommunikationsbedarf.
-> Ohne gutes Projektmanagement entstehen Verzögerungen & Fehler.
-> Wichtige Aufgaben des Projektmanagements: Terminplanung / Verantwortlichkeiten festlegen / Ressourcen planen / Aufgaben nachverfolgen (Offene-Punkte-Liste / To-do-Liste) / Änderungsmanagement / Prozesse möglichst parallelisieren / regelmäßige Entscheidungen organisieren
120) Was sagt ein Bebauungsplan aus?
Bebauungsplan legt rechtsverbindlich fest, WAS auf einem Grundstück gebaut und WIE es genutzt werden darf. Er enthält Vorgaben zur zulässigen Bebauung sowie zu Umwelt-, Lärm- und Erschließungsanforderungen (Verkehrskonzept) und bildet die Grundlage für die Baugenehmigung.
Bebauungsplan (B-Plan) = legt rechtsverbindlich fest, wie ein Grundstück bebaut und genutzt werden darf. -> Er ist Grundlage für die Baugenehmigung.
Er regelt bspw. Art der Nutzung/ Größe und Lage der Gebäude / Umweltauflagen
Lärmschutz / Ausgleichsmaßnahmen / Erschließung
-> Auch bei bestehendem B-Plan häufig notwendig: Bodengutachten / Kampfmitteluntersuchung / Umweltgutachten / Artenschutzprüfung / ggf. Störfallbetrachtung
119) Weshalb ist es wichtig in der Fabrikplanung nicht nur auf die Realisierungsplanung des Baus zu achten, sondern auch auf die interne Prozessplanung (Anlagen und Maschinen)?
Bauplanung und Prozessplanung müssen parallel laufen. Nur wenn Gebäude, Maschinen, Medienversorgung und Logistik gleichzeitig geplant werden, kann die Produktion termingerecht anlaufen und Verzögerungen werden vermieden.
-> Eine Fabrik besteht aus zwei parallelen Projekten:
I) Bauprojekt & II) Prozess-/Produktionsprojekt
Beides muss gleichzeitig geplant werden.
Warum? Viele Maschinen besitzen lange Lieferzeiten/ lange Montagezeiten / lange Inbetriebnahmezeiten.
-> Wird nur der Bau betrachtet, kann das Gebäude fertig sein, aber die Produktion kann trotzdem nicht starten. -> langläufer in Feinplanung bereits Identifizieren & spätestens hier einleiten !
=> Deshalb müssen parallel laufen: Gebäudeplanung & Maschinenbeschaffung & Layoutplanung & Medienplanung & Logistikplanung & Inbetriebnahmeplanung
121) Warum muss vor dem Bau zwingend eine Bodengutachten erstellt werden?
122) Welche zwei Punkte werden mit einem Bodengutachten untersucht?
Vor dem Bau muss ein Bodengutachten erstellt werden, damit Tragfähigkeit, Setzungsverhalten und Wasserverhältnisse des Baugrunds bekannt sind. Auf dieser Grundlage werden Fundament und gegebenenfalls notwendige Bodenverbesserungen ausgelegt.
Bodengutachten = untersucht den Baugrund und seine Eigenschaften. Es liefert die Grundlage für die sichere Planung des Fundaments.
Warum ist es notwendig? = Nur dadurch kann beurteilt werden, ob der Boden ausreichend tragfähig ist, welche Fundamentart erforderlich ist, ob Bodenverbesserungen nötig sind & ob Grundwasser berücksichtigt werden muss.
-> Ohne Bodengutachten besteht die Gefahr von Setzungen / Fundamentschäden/ Wassereintritt / hohen Nachkosten.
Ein Bodengutachten untersucht vor allem
I) die Tragfähigkeit und das Setzungsverhalten des Baugrunds und
II) die Wasserverhältnisse, insbesondere Grundwasser sowie die Versickerung von Oberflächenwasser.
1. Tragfähigkeit & Setzungsverhalten
→ Kann der Boden die Last des Gebäudes aufnehmen?
→ Wie stark setzt sich der Boden unter Belastung?
2. Wasserverhältnisse: Untersuchung von Grundwasser / Oberflächenwasser / Versickerung
-> Diese Informationen sind wichtig für Fundament , Abdichtung. weiße Wanne, Entwässerung
116) Nenne die drei Vorteile die BIM in der Fabrikplanung ermöglicht.
117) Was kann man mit BIM nach dem Bau machen?
116) Nenne die drei Vorteile, die BIM in der Fabrikplanung ermöglicht.
BIM ermöglicht: 1) Integration aller Fachplanungen in einem gemeinsamen Modell, 2) automatische Kollisionsprüfung 3) Flächenoptimierung durch Simulation verschiedener Layoutvarianten.
1. Integration = Alle Bereiche werden im gemeinsamen Modell verbunden.
-> Layout/ Gebäude / Medienplanung / Betriebsmittel
2. Kollisionsprüfung = Automatische Erkennung von Überschneidungen
zwischen Maschinen / Leitungen / Tragwerk / Gebäude noch vor Baubeginn.
3. Flächenoptimierung = Simulation verschiedener Layoutvarianten
→ bessere Flächennutzung.
Nach dem Bau können die BIM-Daten für das Facility Management (Bewirtschaftung von Fabrik) genutzt werden, z. B. für Wartung, Instandhaltung, Raum- und Energiemanagement. Dadurch sinken Betriebskosten & Fabrik kann über ihren gesamten Lebenszyklus effizient verwaltet werden.
-> BIM endet nicht nach dem Bau.
-> Nach dem Bau werden BIM-Daten werden ins Facility Management (BIM2FM) - zur Bewirtschaftung übernommen.
Dafür werden häufig -> CAFM-Systeme (Computer Aided Facility Management) eingesetzt.
Anwendungen: Wartung planen / Instandhaltung / Raumverwaltung / Energiemanagement / Gebäudebetrieb / Lebenszyklusmanagement
Vorteile: geringere Betriebskosten / effizientere Wartung / längere Lebensdauer
Nachhaltigkeit / bessere Entscheidungen
Warum besonders wichtig? Etwa 70 % der Lebenszykluskosten entstehen erst nach dem Bau. Deshalb liegt der größte Nutzen von BIM häufig im Betrieb.
Realisierungsbegleitung 5
123) Was ist in der Realisierungsbegleitung zu tun? Neue drei Punkte.
124) Beschreibe kurz die Rolle eines Projektsteuerers in der Realisierung?
In der Realisierungsbegleitung werden insbesondere das Change Management, das Nachtragsmanagement und die Planverifizierung durchgeführt. Zusätzlich werden Bau und Produktion koordiniert, Schnittstellen überwacht und der Produktionsanlauf vorbereitet.
Change Management = technische / organisatorische Änderung steuern.
Nachtrags-Management = kaufmännische und vertragliche Folgen dieser Änderungen regeln.
Realisierungsbegleitung = Begleitung & Steuerung des Projekts während der Bau- und Umsetzungsphase, damit Kosten, Termine, Qualität und Funktion eingehalten werden.
Wichtige Aufgaben:
1. Change Management = Steuerung & Bewertung von Änderungen während des Projekts → Änderungen dokumentieren, bewerten & entscheiden.
2. Nachtragsmanagement = Verwaltung zusätzlicher Leistungen oder Kosten (Nachträge).
Ziel: Nachvollziehbarkeit / Kostenkontrolle / Entscheidungsgrundlage schaffen
3. Planverifizierung = Prüfung und Freigabe der Ausführungspläne.
Ziel: Fehler vermeiden / sicherstellen, dass alle Pläne vollständig und korrekt sind.
-> Weitere Aufgaben: Baustellenhandbuch / SiGeKo (Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator) / Projektsteuerung / Koordination zwischen Bau und Produktion / Schnittstellenmanagement / Umzugsplanung / SOP, Produktionsanlauf
Projektsteuerer unterstützt den Bauherrn bei der Organisation und Steuerung des Projekts. Er koordiniert alle Projektbeteiligten, bereitet Entscheidungen vor und unterstützt die Einhaltung von Kosten, Terminen und Qualität.
Projektsteuerer = Unterstützt den Bauherrn organisatorisch durch Koordination, Kommunikation, Termin-, Kosten- und Qualitätskontrolle.
Aufgaben von Projektsteuerer:
- vertritt die Interessen des Bauherrn
- bereitet Entscheidungen vor
- koordiniert Kommunikation zwischen allen Beteiligten
- überwacht Termine, Kosten und Qualität
- unterstützt das Projektcontrolling & bewertet Risiken
- dokumentiert den Projektverlauf
Wichtigster Merksatz: Projektsteuerer ist die organisatorische Schnittstelle zwischen Bauherr und allen Projektbeteiligten.
125) Warum gehört die Umzugsplanung mit zur Fabrikplanung?
Die Umzugsplanung gehört zur Fabrikplanung, weil Produktionsausfälle minimiert werden müssen. Dazu werden Vorproduktion und Puffer aufgebaut, der Maschinenumzug organisiert sowie Wiederinbetriebnahme und Validierung der Anlagen geplant.
Umzugsplanung = Planung des sicheren & möglichst unterbrechungsfreien Umzugs von Maschinen und Produktionsanlagen an einen neuen Standort.
Warum ist sie Teil der Fabrikplanung?
1. Produktionsausfälle vermeiden: Während des Umzugs produziert die Anlage nicht. Deshalb muss vorher → Puffer bzw. Vorproduktion aufgebaut werden.
2. Produktionsversorgung sichern: Vorproduktion benötigt Zeit. Da Produktionsanlagen meist kaum Reserven besitzen, muss dies früh geplant werden.
3. Wiederinbetriebnahme organisieren: Nach dem Umzug müssen Maschinen
aufgebaut, geprüft, ggf. validiert (Pharma), wieder angefahren werden.
Oft begleitet der Hersteller diesen Prozess, um die Gewährleistung zu erhalten.
4. Organisation des Umzugs: Es muss entschieden werden - eigener Umzug
oder Spezialunternehmen beauftragen
Warum gehört die Umzugsplanung mit zur Fabrikplanung?
Umzug gehört mit zur Fabrikplanung, weil es mit einem großen Planungsaufwand verbunden ist. Und zwar in der Hinsicht, dass die Produktionsausfälle möglichst minimiert werden.
D.h., man müsste zunächst die Vorproduktion, Puffer, Sicherstellung der Produktion planen.
Dann muss man den eigentlichen Umzug planen und die Maschinen auch umziehen lassen, diese dann ebenfalls neu installieren und mit Fachexperten die Inbetriebnahme starten. Und je nach Bereich kann das sehr lange dauern. In Pharma-Branche bräuchte man sogar erneute Validierungen für die Maschinen.
Außerdem gilt es zu überlegen, wie der Umzug durchgeführt wird, unternehmensintern oder wird externe Unternehmen beauftragt. Deswegen ist das mit ganz viel Planungsaufwand verbunden, um eben Produktivitätsausfälle zu minimieren. Und somit ist es auch ein Teil der Fabrikplanung.
Welche drei wesentlichen Verfahren zur Auswahl von Planungspartnern werden unterschieden und wie variiert dabei die Lösungsvielfalt?
Was sind die spezifischen Merkmale eines Architektenwettbewerbs im Vergleich zu einer Mehrfachbeauftragung hinsichtlich Zeitaufwand und Entscheidungssicherheit?
Welche Gewerke werden unter dem Begriff der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) zusammengefasst?
Erläutern Sie den wesentlichen Unterschied zwischen einem Generalübernehmer (GÜ) und einem Generalplaner (GP) im Bereich der Realisierungsplanung.
Welche Vorteile bietet die Einzelgewerkvergabe (GE) für den Bauherrn trotz des hohen Koordinationsaufwands?
1) Welche drei wesentlichen Verfahren zur Auswahl von Planungspartnern werden unterschieden und wie variiert dabei die Lösungsvielfalt?
Es wird zwischen der Direktbeauftragung eines bekannten Architekten (geringe Lösungsvielfalt), der Mehrfachbeauftragung (mittlere Lösungsvielfalt) und dem Architektenwettbewerb (sehr große Lösungsvielfalt) unterschieden. Je höher die Anzahl der teilnehmenden Büros, desto größer ist die Vielfalt der Ansätze und die damit verbundene Entscheidungssicherheit für den Bauherrn.
2) Was sind die spezifischen Merkmale eines Architektenwettbewerbs im Vergleich zu einer Mehrfachbeauftragung hinsichtlich Zeitaufwand und Entscheidungssicherheit?
Ein Architektenwettbewerb ist mit mindestens 23 Wochen sehr zeitintensiv und teuer (Preisgelder), bietet aber durch eine fundierte Beurteilung durch ein Preisgericht eine hohe Entscheidungssicherheit. Die Mehrfachbeauftragung ist kurz- bis mittelfristig angelegt und bietet eine geringere formale Hürde bei mittlerer Lösungsvielfalt.
3) Welche Gewerke werden unter dem Begriff der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) zusammengefasst?
Die TGA umfasst insbesondere die Elektrotechnik (inklusive IT) und Gebäudeautomation sowie die Raumluft-, Sanitär-, Wärme/Heizungs- und Kälte/Kühltechnik. Diese Fachplanungen sind essenziell für die Infrastruktur eines Produktionsgebäudes.
4) Erläutern Sie den wesentlichen Unterschied zwischen einem Generalübernehmer (GÜ) und einem Generalplaner (GP) im Bereich der Realisierungsplanung.
Ein Generalübernehmer (GÜ) übernimmt sowohl die gesamte Planung als auch die Bauausführung aus einer Hand, was oft zu einer Kosten- und Termingarantie führt. Im Gegensatz dazu plant ein Generalplaner (GP) lediglich alle Gewerke gesammelt, während die bauliche Umsetzung separat (z. B. durch einen Generalunternehmer) erfolgt.
5) Welche Vorteile bietet die Einzelgewerkvergabe (GE) für den Bauherrn trotz des hohen Koordinationsaufwands?
Die Einzelgewerkvergabe ermöglicht dem Bauherrn die umfangreichste Einflussnahme auf die Ausführungsqualitäten und bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in Bezug auf Baukosten und Standard. Zudem gewährleistet sie eine hohe Sicherheit in der Budgetverfolgung, da jedes Gewerk individuell verhandelt und kontrolliert wird.
Übersicht aller Phasen der Fabrikplanung
Green Factory
126) Beschreibe kurz die fünf Positionen der Industrialisierung bis zur heutigen Industrie 5.0?
Die Entwicklung verläuft von der Mechanisierung (Dampfmaschine), über die Massenproduktion und Lean Production zur digital vernetzten Industrie 4.0 und schließlich zur Industrie 5.0 bzw. Green Factory mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz.
5 Entwicklungsstufen
1. Industrialisierung (18./19. Jahrhundert): Entwicklung der Dampfmaschine (James Watt) / Mechanisierung der Produktion / Unabhängigkeit von Wind- und Wasserkraft ➡️ Mechanisierung
2. Massenproduktion (Anfang 20. Jahrhundert): Fließbandproduktion (Henry Ford) / Standardisierte Produkte / Große Stückzahlen / Niedrige Kosten ➡️ Fließband
3. Lean Production (ab 1970): Toyota-Produktionssystem / Vermeidung von Verschwendung / Kontinuierliche Verbesserung (KVP) ➡️ Effizienz
4. Industrie 4.0 (ab ca. 2010): Digitalisierung / IoT (Internet of Things) / Sensorik/ Datenanalyse / Digitaler Zwilling / Vernetzte Produktion ➡️ Vernetzung
5. Industrie 5.0 / Nachhaltige Produktion (heute): Green Factory / Nachhaltigkeit / Ressourcenschonung / Energieeffizienz / CO₂-Reduktion / Mensch & Umwelt stärker im Mittelpunkt ➡️ Nachhaltigkeit
Industrie 5.0 = Weiterentwicklung der Industrie 4.0 mit dem Ziel, Digitalisierung & Nachhaltigkeit zu verbinden sowie Mensch, Umwelt & Ressourceneffizienz stärker in den Mittelpunkt zu stellen.
127) Was bedeutet Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit einer Fabrik / Fabrikplanung?
128) Nenne zwei Eigenschaften, die eine Green Factory ausmacht.
Nachhaltigkeit bedeutet, die gesamte Fabrik über ihren Lebenszyklus ressourcenschonend, energieeffizient und wirtschaftlich zu gestalten. Dabei werden Gebäude, Prozesse, Energie und Logistik gemeinsam betrachtet.
Nachhaltigkeit in der Fabrikplanung = bedeutet, die gesamte Fabrik so zu gestalten, dass sie über ihren gesamten Lebenszyklus möglichst wenig Ressourcen verbraucht und gleichzeitig wirtschaftlich bleibt.
Wichtig: Nicht nur das Gebäude ist nachhaltig.
Sondern das gesamte Fabriksystem: Produktion / Logistik / Energie / Gebäude / Medienversorgung werden gemeinsam optimiert.
-> Nachhaltigkeit ist keine Eigenschaft des Gebäudes, sondern des gesamten Fabriksystems.
Nachhaltigkeit = Wirtschaftlicher Betrieb bei gleichzeitig möglichst geringem Ressourcenverbrauch & geringer Umweltbelastung über den gesamten Lebenszyklus.
Eine Green Factory ist beispielsweise energieeffizient und ressourcenschonend. Weitere Eigenschaften sind Emissionsarmut und die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus.
Green Factory = Produktionsstätte mit minimalem Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus. Sie ist ein strategisches Leitbild für nachhaltige Fabriken.
Typische Eigenschaften
1. Energieeffizient: geringer Energieverbrauch / Optimierung auf Prozess- und Systemebene
2. Ressourcenschonend: sparsamer Einsatz von Materialien, Wasser, Rohstoffen
3. Emissionsarm: Nutzung erneuerbarer Energien, geringe CO₂-Emissionen
Green Factory = Fabrik mit minimalem Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus bei gleichzeitig hoher wirtschaftlicher Effizienz.
129) Auf welchen Systemebenen kann am mit Nachhaltigkeitsbestrebungen in einem Fabriksystem ansetzen?
Nachhaltigkeit kann auf fünf Systemebenen ansetzen: Produktionsprozesse, Fabrikgebäude, Energiesystem, Materialflüsse und Wertschöpfungsnetzwerke. Alle Ebenen beeinflussen sich gegenseitig und müssen gemeinsam betrachtet werden.
Green Factory wird als Gesamtsystem betrachtet. Nachhaltigkeit entsteht durch Verbesserungen auf mehreren Systemebenen, die sich gegenseitig beeinflussen.
5 Systemebenen:
1. Produktionsprozesse: effizientere Maschinen / optimierte Prozessparameter / Reduzierung des Energieverbrauchs ➡️ häufig größter Hebel
2. Fabrikgebäude: Wärmedämmung / Tageslichtnutzung / energieeffiziente Gebäudetechnik ➡️ reduziert Gebäudeenergiebedarf
3. Energiesystem: erneuerbare Energien / Energiespeicher / klimaneutrale Energieversorgung
4. Materialflüsse: Ausschuss reduzieren / Recycling / ressourcenschonender Materialeinsatz
5. Wertschöpfungsnetzwerke: Lieferkette / Transporte / Logistik
-> Verbesserungen auf einer Ebene beeinflussen andere Ebenen.
Bsp.: Effizientere Maschine -> weniger Abwärme -> weniger Kühlung -> kleinerer Gebäudeenergiebedarf
Systemdenken = Nachhaltigkeit wird nicht isoliert betrachtet, sondern durch das Zusammenspiel aller Teilsysteme erreicht.
130) Was bedeutet die Aussage „eine CO² neutrale Fabrik ist, wertlos, wenn die Produktion ineffizient ist“?
131) Wo liegen die größten Emissionshebel einer Fabrik?
Ja, die Aussage stimmt. Denn einer der größten Energieverbräuche und Emissionen entstehen in der Produktion. Ist diese nicht effizient, reicht eine CO₂-neutrale oder nachhaltig optimierte Fabrikhalle allein nicht aus. Nachhaltigkeit muss das gesamte Fabriksystem umfassen – insbesondere die Produktion. Nur dann ist die Fabrik insgesamt nachhaltig.
Die Aussage bedeutet, dass eine energieeffiziente oder CO₂-neutrale Fabrikhalle allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, dass auch die Produktion selbst ressourcen- und energieeffizient arbeitet, da dort die größten Emissionspotenziale liegen.
Nachhaltigkeit muss immer das gesamte Fabriksystem umfassen, nicht nur das Gebäude.
Eine nachhaltige Gebäudehülle allein reicht nicht aus.
-> Wenn Maschinen ineffizient arbeiten, viel Ausschuss entsteht, unnötig Energie verbraucht wird, bleibt die Fabrik insgesamt nicht nachhaltig.
-> Die größten Hebel liegen im Produktionssystem & Logistik, nicht im Gebäude.
-> Nachhaltigkeit betrifft die gesamte Fabrik, nicht nur das Gebäude.
Green Factory = Nachhaltigkeit des gesamten Fabriksystems, nicht nur Gebäude.
Die größten Emissionshebel liegen meist in der Produktion und Logistik, da dort der höchste Energieverbrauch und die meisten CO₂-Emissionen entstehen.
Die größten Emissionshebel liegen meistens in der Produktion & in der Logistik,
nicht im Gebäude.
Warum? = Produktion verursacht hohen Energiebedarf / Maschinenlaufzeiten / Ausschuss / Logistik verursacht / Transporte / Materialbewegungen
-> Gebäude (Heizung, Kühlung usw.) sind zwar relevant, aber meistens nicht der größte Hebel.
132) Was dominiert meist den CO²-Footprint einer Fabrik und woher kommt das?
133) Wenn Nachhaltigkeit als Ziel in eine Planung eingebracht wird, entstehen neue Zielkonflikte – nenne mir bitte einen und erläutere ihn kurz?
Der CO₂-Footprint einer Fabrik wird meist von der Produktion dominiert. Ursache sind energieintensive Fertigungsprozesse, lange Maschinenlaufzeiten und Ausschuss.
Den größten Anteil am CO₂-Fußabdruck verursacht die Produktion. -> Vor allem durch energieintensive Fertigungsprozesse / lange Maschinenlaufzeiten/ Ausschuss / ineffiziente Prozesse.
Danach folgen interne Logistik & externe Transporte Gebäude und Beleuchtung tragen deutlich weniger bei.
CO₂-Footprint = Gesamte CO₂-Emissionen eines Produkts, Prozesses oder einer Fabrik
Ein neuer Zielkonflikt entsteht zwischen Just-in-Time-Lieferungen und der Reduktion von Transportemissionen. Just-in-Time benötigt häufig viele kleine Anlieferungen. Dadurch steigen die Transportfahrten und damit auch die CO₂-Emissionen.
Es ist ein Kompromiss erforderlich zwischen Materialversorgung (für JIT) und einer nachhaltigen Logistik z.B. durch Lieferplanung oder Pufferlager.
Just-in-Time (JIT) = Materialien werden genau zum Zeitpunkt ihres Bedarfs geliefert und verarbeitet – nicht früher und nicht später
Beispiel
Planungsziel: Effizienz maximieren
Nachhaltigkeitsziel: Energieverbrauch minimieren
Konflikt: Hochleistungsanlagen produzieren schneller, verbrauchen aber mehr Energie.
Zielkonflikt (Trade-off) = Zwei Planungsziele widersprechen sich, sodass die Verbesserung des einen Ziels das andere verschlechtert
134) Was sind die vier größten Hebel in der Planung zu einer nachhaltigen Fabrik?
135) Welche Herausforderungen hat die Industrie in Bezug auf Nachhaltigkeit?
Die vier größten Hebel sind Prozessdesign, Layoutplanung, Gebäude und Energieversorgung. Die wichtigsten Hebel sind Prozessdesign und Layoutplanung, da dort Energiebedarf, Materialflüsse und Ausschuss bereits früh beeinflusst werden.
Die 4 größten Hebel:
1. Prozessdesign ⭐ (wichtigster Hebel): Energiebedarf von Anfang an minimieren/ Ausschuss reduzieren / Prozesse optimieren ➡️ Nachhaltigkeit beginnt beim Prozess.
2. Layoutplanung ⭐: Transportwege verkürzen/ Materialfluss optimieren/ ähnliche Prozesse clustern ➡️ weniger Transporte = weniger Energiebedarf
3. Gebäude: energieeffiziente Gebäudehülle / effiziente TGA/ Tageslicht
natürliche Belüftung / flexible Raumnutzung
4. Energieversorgung: erneuerbare Energien/ Lastmanagement / Energiespeicher/ Abwärmenutzung
-> Die wichtigsten Hebel sind Prozessdesign und Layoutplanung.
Diese werden vor der eigentlichen Fabrikplanung festgelegt.
Außerdem: Nachhaltigkeit beginnt bei der Prozessgestaltung – nicht beim Gebäude.
Die größten Herausforderungen sind hoher Energieverbrauch, Treibhausgasemissionen, hoher Rohstoffverbrauch sowie Abfall und Umweltverschmutzung.
Die 4 Herausforderungem haben gemeinsam, dass sie den Ressourcenverbrauch & Umweltbelastung erhöhen -> müssen durchnachhaltige Fabrik reduziert werden.
Es gibt 4 große Herausforderungen:
1. Hoher Energieverbrauch = Produktionsmaschinen und Prozesswärme verursachen den größten Energiebedarf.
2. Treibhausgasemissionen = Industrie verursacht hohe direkte und indirekte CO₂-Emissionen.
3. Hoher Rohstoffverbrauch = große Materialmengen/ häufig nicht erneuerbare Rohstoffe / geringe Wiederverwertung
4. Abfall und Umweltverschmutzung = Produktionsabfälle / Emissionen / Belastung der Umwelt
Prozesswärme = Wärmeenergie, die für industrielle Fertigungsprozesse benötigt wird.
136) In der CO²-Bilanzierung gibt es das Scope-Modell – kannst du mir die 3 Scops erläutern?
Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen Quellen (z. B. Produktionsanlagen oder Fuhrpark). Scope 2 umfasst indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie wie Strom oder Fernwärme. Scope 3 umfasst alle übrigen indirekten Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Lieferkette. Der größte Emissionshebel (bis zu 70 % ) liegt meist in Scope 3.
Scope-Modell des Greenhouse Gas Protocol (GHG-Protokoll) = teilt alle Treibhausgasemissionen eines Unternehmens in 3 Kategorien ein.
Scope 1 = eigene Quellen: Direkte Emissionen, die im Unternehmen entstehen.
Bsp: eigene Heizungsanlage/ Produktionsprozesse/ Fuhrpark
Scope 2 = eingekaufte Energie: Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie.
Bsp: Strom / Fernwärme/ Dampf
-> Emissionen entstehen zwar beim Energieerzeuger, werden aber durch den eigenen Energieverbrauch verursacht.
Scope 3 = Lieferkette: Alle übrigen indirekten Emissionen. Entstehen vor oder nach dem eigenen Unternehmen.
Bsp: Lieferanten/ Transporte/ Rohstoffe/ Dienstleister/ Nutzung des Produkts/ Entsorgung
=> Der größte Hebel liegt in Scope 3. Warum? Weil Lieferketten/ Transporte/ Materialbereitstellung meist über 70 % der Emissionen verursachen.
=> Wichtig: Wer nur Scope 1 und Scope 2 optimiert, verbessert nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Klimawirkung. Deshalb muss nachhaltige Fabrikplanung die gesamte Lieferkette betrachten.
137) Wechseln zum Gebäude – nenne mir drei Maßnahmen, die ein Fabrikgebäude nachhaltiger machen?
Ein Fabrikgebäude wird nachhaltiger durch z. B. Wasser- & Regenwassermanagement/ nachhaltige Baustoffe & Konstruktion / Tageslichtnutzung. Dadurch sinken Energiebedarf, CO₂-Emissionen und Betriebskosten.
3 mögliche Maßnahmen sind:
Wärmedämmung → reduziert Heiz- & Kühlenergiebedarf.
Photovoltaikanlagen → erzeugen erneuerbaren Strom direkt am Gebäude.
Wärmerückgewinnung → nutzt Abwärme aus Produktionsprozessen zum Heizen oder zur Warmwasserbereitung.
Weitere mögliche Maßnahmen: Tageslichtnutzung/ Regenwassermanagement/ Dach- und Fassadenbegrünung/ nachhaltige Baustoffe/ nachhaltige Mobilitätskonzepte
Wärmerückgewinnung = Nutzung der im Produktionsprozess entstehenden Abwärme zur Beheizung oder Warmwasserbereitung, anstatt sie ungenutzt abzuführen
138) Was haben nachhaltige Leuchtturmprojekte gemeinsam?
139) Was ist ein Green Greenfield und ein Green Brownfield?
Erfolgreiche nachhaltige Leuchtturmprojekte haben 3 Gemeinsamkeiten.
Sie werden als integriertes Gesamtsystem geplant, bei dem Prozesse, Gebäude, Energie und Materialflüsse gemeinsam betrachtet werden.
Sie verfolgen eine systemische Nachhaltigkeit über den gesamten Lebenszyklus der Fabrik.
Die Digitalisierung wird als Enabler genutzt, bspw. durch IoT, digitale Zwillinge oder Datenanalysen, um Prozesse kontinuierlich zu optimieren.
Leuchtturmprojekt = besonders innovatives und beispielhaftes Projekt mit Vorbildcharakter.
3 gemeinsame Merkmale:
1. Integriertes System: Nicht nur Gebäude, sondern Produktion/ Energie/ Mensch/ Gebäude werden gemeinsam betrachtet.
2. Systemische Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeit über gesamten Lebenszyklus/ Materialien/ Energie/ Biodiversität statt einzelner Maßnahmen.
3. Digitalisierung als Enabler: Digitale Modelle/ Simulation/ Daten/ BIM/ digitale Workflows/ unterstützen die nachhaltige Planung.
=> Wer nur das Gebäude oder nur die IT optimiert, nutzt das Potenzial nicht aus.
Green Greenfield bezeichnet den nachhaltigen Neubau einer Fabrik auf einer neuen Fläche. Green Brownfield bezeichnet die nachhaltige Modernisierung eines bestehenden Standorts. Brownfield-Projekte haben häufig den größeren Nachhaltigkeitseffekt, da vorhandene Gebäude und Infrastruktur weitergenutzt werden.
Green Greenfield = nachhaltiger Neubau = auf neuen Fläche wird nachhaltige Fabrik geplant.
Green Brownfield = nachhaltige = nachhaltige Umgestaltung / Revitalisierung eines bestehenden Standorts
-> Bestehende Gebäude und Prozesse werden durch Retrofit nachhaltig modernisiert.
-> Greenfield bietet mehr Gestaltungsfreiheit.
-> Brownfield besitzt jedoch oft den größeren Nachhaltigkeitshebel, weil bestehende Standorte modernisiert statt neu gebaut werden.
Retrofit = technische Modernisierung bestehender Anlagen oder Gebäude.
140) Energieeffizienz in der Produktion, warum sollte immer der Prozess und die Maschine gemeinsam optimiert werden?
Beides muss zusammen erfolgen, weil sich die Energieeinsparungen ergänzen. Eine effiziente Maschine allein bringt wenig, wenn der Prozess schlecht eingestellt ist. Umgekehrt bringt ein optimaler Prozess wenig, wenn die Maschine unnötig viel Energie verbraucht.
Prozessoptimierungen reduzieren den eigentlichen Energiebedarf, Maschinenoptimierungen verbessern die Energieeffizienz der Technik. Nur die Kombination erzielt das größte Einsparpotenzial.
Der Energieverbrauch entsteht durch Maschine UND Prozess gemeinsam.
Nur eine Maschine zu optimieren, ohne den Prozess, bringt nicht das maximale Einsparpotenzial.
Prozessoptimierung: z. B. Schnittkräfte reduzieren/ Bearbeitungszeit verkürzen/ Vorschub optimieren/ Drehzahl anpassen => weniger Energiebedarf
Maschinenoptimierung: z. B. effiziente Motoren/ Rekuperation/ Stand-by-Management => Maschine verbraucht weniger Energie.
-> Die größten Energieverbraucher sind Produktionsmaschinen & Prozesswärme
nicht das Gebäude.
-> Energy Value Stream Mapping (EVSM) = Methode zur Erweiterung des klassischen Wertstromdesigns um Energiekennzahlen. Es erfasst Energieverbrauch/ CO₂/ Materialverluste für jeden Prozessschritt, um Energieverschwendung sichtbar zu machen.
141) Warum ist eine "good enough“-Lösung so wichtig?
142) Woran erkennt man Greenwashing?
Eine "good enough"-Lösung ist wichtig, weil Fabrikplanungen unter Unsicherheit, Budget- und Zeitdruck stattfinden. Ziel ist deshalb nicht die theoretisch optimale, sondern die beste umsetzbare Lösung unter realen Rahmenbedingungen.
-> In der Praxis existiert fast nie die perfekte Lösung. Deshalb wird eine good enough-Lösung gewählt.
Warum? = Weil Planungen immer Einschränkungen haben:
1. Unvollständige Daten: z. B. Produktionsmengen unbekannt / Energiepreise ändern sich
2. Zielkonflikte: z. B. CO₂-optimales Layout ist nicht immer wirtschaftlich optimal.
3. Budget: Nicht jede optimale Lösung ist finanzierbar.
4. Zeitdruck: Projekte müssen trotz Unsicherheiten entschieden werden.
Good enough-Lösung = Nicht die theoretisch optimale Lösung, sondern die beste realisierbare Lösung unter den gegebenen Randbedingungen.
Meine Antwort: Eine Good-enough-Lösung in der Fabrikplanung ist nicht nur wichtig, sondern es ist die Realität. Fabrikplanung erfolgt unter limitierenden Faktoren in der Realität, bspw. Budget, Zeitdruck, Unsicherheiten. Außerdem gibt es externe Faktoren wie politische Entscheidungen, Marktdruck. Und ess gibt interne Schwierigkeiten wie die Zielkonflikte. Deswegen basiert Fabrikplanung häufig auf vielen Kompromissen, die in der Realität umsetzbar sind. Daher ist es faktisch nicht möglich die aller allerbeste Lösung umzusetzten, sondern es wird die Good-enough-Lösung verwirklicht, die unter gegebenen Rahmenbedingungen die bestmögliche Lösung darstellt.
Greenwashing erkennt man daran, dass Unternehmen nur einzelne symbolische Umweltmaßnahmen umsetzen und diese stark vermarkten, ohne ihre Prozesse oder ihr Gesamtsystem nachhaltig zu verändern.
Greenwashing = Unternehmen stellen sich als nachhaltig dar, ohne dass wesentliche oder systemische Verbesserungen umgesetzt werden.
Es handelt sich häufig um Marketing oder Image statt echter Nachhaltigkeit.
Woran erkennt man Greenwashing?
Typische Merkmale:
- einzelne symbolische Umweltmaßnahmen
- Fokus auf die Optik statt auf Prozesse
- Werbung mit einzelnen positiven Kennzahlen
- keine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie
- keine systemischen Veränderungen
Beispiel:
Eine Fabrik wirbt mit nachhaltigen Holzgebäude, verbessert aber die Produktionsprozesse überhaupt nicht.
→ Gebäude wirkt nachhaltig, die Produktion aber nicht.
143) Kannst du mir an einem Beispiel erklären, was der Rebound-Effekt ist?
Beim Rebound-Effekt führen Effizienzsteigerungen nicht automatisch zu weniger Ressourcenverbrauch. Beispiel: Eine energieeffizientere Maschine macht die Produktion günstiger. Dadurch steigt die Nachfrage und es wird mehr produziert, sodass der Gesamtenergieverbrauch wieder zunimmt.
Rebound-Effekt = Eine Effizienzsteigerung führt nicht automatisch zu geringerem Ressourcenverbrauch, weil die Einsparung durch höheren Konsum oder höhere Produktion wieder aufgehoben wird.
Beispiel: Neue Produktionsmaschine -> verbraucht pro Verpackung 20 % weniger Energie. Dadurch werden die Verpackungen günstiger. -> Nachfrage steigt. -> Es werden deutlich mehr Verpackungen produziert. -> Der Gesamtenergieverbrauch steigt trotz effizienterer Maschine.
Kernaussage: Effizienz -> niedrigere Kosten -> mehr Nachfrage -> mehr Produktion -> mehr Ressourcenverbrauch
144) Das Leitbild Industry 5.0 soll digital, humanzentriert und nachhaltig sein – wie kann das erreicht werden – erläutere am besten anhand unsere Kartoffelchips-Verpackungsfolienfabrik?
Industry 5.0 soll digital, humanzentriert und nachhaltig sein. In unserem Planspiel wurde das dadurch umgesetzt, dass wir digitale Berechnungen, Layoutbewertungen sowie digitale Tabellen auf Tablets und PCs genutzt haben, um datenbasierte Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig arbeiteten verschiedene Expertenteams mit klar zugewiesenen Rollen zusammen, diskutierten gemeinsam die Fabrikplanung und entwickelten Lösungen, sodass der Mensch im Mittelpunkt des Planungsprozesses stand. Die Nachhaltigkeit wurde durch den Einsatz biobasierter Materialien umgesetzt: BOPP wurde durch BOPLA und die Aluminiumbarriere durch eine Kartoffelschalen-Barriere ersetzt. Dabei wurde ein biobasierter Reststoff aus der Lebensmittelindustrie genutzt, wodurch das Prinzip der Kreislaufwirtschaft unterstützt und die CO₂-Emissionen um etwa 50–60 % reduziert werden konnten.
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145) Es gibt drei globale Zertifizierungsstandards, benenne sie bitte?
146) Welche Zertifizierung ist die umfassende in allen Dimensionen?
Die drei internationalen Nachhaltigkeitszertifikate sind DGNB, LEED und BREEAM.
3 Standards
DGNB = Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen - Deutschland
LEED = Leadership in Energy and Environmental Design - USA
BREEAM = Building Research Establishment Environmental Assessment Method
Großbritannien
Die umfassendste Zertifizierung ist DGNB, da sie ökologische, ökonomische, soziale, technische und prozessbezogene Aspekte ganzheitlich über den gesamten Lebenszyklus bewertet. -> umfasst alle 3 Dimensionen der Nachhaltigkeit
Warum DGNB? = ganzeinheitliche Nachhaltigkeit, bewertet gleichzeitig Ökologie/ Ökonomie/ Soziales/ Technik/ Prozesse über den gesamten Lebenszyklus.
LEED = fokussiert stärker Energie & Ressourcen.
BREEAM = legt den Schwerpunkt auf Umweltmanagement.
147) Wann ist DGNB die bessere Wahl und unter welchen Umständen ein anderes Zertifikat?
Ein Nachhaltigkeitszertifikat bewertet die Nachhaltigkeit eines Gebäudes anhand definierter Kriterien.
3 wichtigsten Systeme sind: DGNB , LEED , BREEAM
DGNB → beste Wahl für Projekte in Deutschland bzw. Europa, wenn:
- der gesamte Lebenszyklus bewertet werden soll
- ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleich wichtig sind
- Lebenszykluskosten (LCC) und Lebenszyklusanalyse (LCA) berücksichtigt werden sollen.
-> Besonders geeignet für: Produktionsgebäude/ Industrieparks/ Logistikzentren/ Projekte mit langfristigem Betrieb.
LEED → bessere Wahl, wenn: -> LEED international weit verbreitetes US Nachhaltigkeitszertifikat
- internationale Investoren beteiligt sind,
- weltweite Vergleichbarkeit wichtig ist,
- Energieeffizienz im Vordergrund steht.
BREEAM → sinnvoll, wenn: -> britisches Bewertungssystem für nachhaltige Gebäude
- Projekt in Großbritannien oder stark europäisch geprägt ist,
- Umweltmanagement besonders wichtig ist & Einsatz bei Immobilien !
Merken:
Deutschland → DGNB
internationaler Kapitalmarkt → LEED
Großbritannien → BREEAM
DGNB ist nicht immer das Beste. -> Sondern: Die Wahl hängt vom Projektziel, Standort und den Investoren ab.
148) Was ist die beste Auszeichnung im DGNB-System? Und wie viel Prozent der Kriterien müssen dafür erreicht sein?
Die höchste Auszeichnung im DGNB-System ist Platin. Dafür muss ein Gesamterfüllungsgrad von mindestens 80 % erreicht werden. Die Bewertung erfolgt über den gewichteten Gesamterfüllungsgrad aller Kriterien. Zusätzlich müssen die drei Nachhaltigkeitsdimensionen (Ökologie, Ökonomie und Soziales) jeweils Mindestanforderungen erfüllen – ein sehr gutes Ergebnis in einer Dimension kann Defizite in einer anderen nicht vollständig ausgleichen.
DGNB-Bewertungslogik
Bronze: ≥ 35 %
Silber: ≥ 50 %
Gold: ≥ 65 %
Platin: ≥ 80 % (höchste Auszeichnung)
Wichtig: Bewertung über den gewichteten Gesamterfüllungsgrad; ökologische, ökonomische und soziale Mindestanforderungen müssen erfüllt sein.
149) Wie wirkt sich eine DGNB-Zertifizierung auf die Kosten eines Fabrikbaus aus und welche positiven Effekte erreiche ich über den Lebenszyklus laut DGNB?
Eine DGNB-Zertifizierung erhöht zunächst den Planungs- und Dokumentationsaufwand und damit die Planungskosten, weil mehr Analysen, Planung mit Lebenszykluskosten- (LCC) und Lebenszyklusanalysen (LCA) durchgeführt werden. Auch die Baukosten können je nach angestrebtem Zertifizierungsniveau leicht steigen.
Je höher das DGNB-Zertifizierungsniveau, desto mehr Nachhaltigkeitsmaßnahmen (bessere Materialien, höhere Anforderungen) müssen umgesetzt werden, wodurch die Baukosten leicht steigen.
Durch die nachhaltigen Maßnahmen erhöhen sich zunächst die Investitionskosten, senken dann aber über den Lebenszyklus die Energie- und Wartungskosten und steigern den Immobilienwert (Gebäudewert steigt). Mehrkosten lassen sich auszahlen.
Im Betrieb ergeben sich somit Vorteile: geringere Energie- & Wartungskosten, niedrigere Lebenszykluskosten & höherer Immobilienwert. Insgesamt verschiebt DGNB den Fokus von reinen Investitionskosten auf die Kosten und den Nutzen über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes.
DGNB betrachtet nicht nur die Baukosten, sondern den gesamten Lebenszyklus.
Auswirkungen auf die Kosten:
1) Planung: Der Planungsaufwand steigt. -> Warum? mehr Analysen/ mehr Abstimmung/ LCA/ LCC/ integrale Planung
2) Bau: Die Baukosten steigen meist leicht. Grund: bessere Materialien/ höhere Anforderungen/ Zertifizierungsprozess
3) Betrieb: Hier entstehen die Vorteile. Durch: geringeren Energieverbrauch,/ geringere Wartungskosten/ geringere Betriebskosten,/ höheren Gebäudewert werden die Mehrkosten langfristig ausgeglichen oder sogar übertroffen.
-> Lebenszyklus-Vorteile - DGNB führt zu: geringeren Betriebskosten/ geringerem Energieverbrauch & Wartungsaufwand/ höherem Immobilienwert/ nachhaltigerem Gebäudebetrieb.
150) Ist ein DGNB-Gold zertifizierte Fabrik automatisch eine nachhaltige Fabrik?
Nein. Eine DGNB-Gold-zertifizierte Fabrik ist nicht automatisch nachhaltig. Die DGNB-Zertifizierung bewertet den Erfüllungsgrad vieler Nachhaltigkeitskriterien und betrachtet dabei den gesamten Lebenszyklus sowie ökologische, ökonomische und soziale Aspekte
Gold bedeutet nur, dass ein hoher Gesamterfüllungsgrad (mindestens 65 %) erreicht wurde und spricht für eine hohe Nachhaltigkeitsqualität.
Es garantiert jedoch nicht, dass die Fabrik in allen Bereichen optimal nachhaltig ist. Nachhaltigkeit hängt immer vom Gesamtsystem der Fabrik und ihrem tatsächlichen Betrieb ab.
Außerdem müssen bei DGNB die 3 Nachhaltigkeitsdimensionen: Ökologie/ Ökonomie/ Soziales Mindestanforderungen erfüllen.
-> Ein sehr gutes Ergebnis in einer Dimension kann Defizite in anderen Bereichen nicht vollständig ausgleichen.
DGNB-Zertifizierung = bewertet den Erfüllungsgrad gewichteter Nachhaltigkeitskriterien eines Gebäudes über mehrere Nachhaltigkeitsdimensionen.
151) Was ist der Fokus einer Lebenszyklusbewertung (LCA) und was einer Lebenszykluskostenberechnung (LCC)?
LCA (Life Cycle Assessment) = Bewertung der ökologischen Auswirkungen eines Gebäudes oder Produkts über den gesamten Lebenszyklus. Von: Rohstoffgewinnung/ Herstellung/ Nutzung/ Rückbau/Recycling
Bewertet bspw.: CO₂-Emissionen/ Primärenergiebedarf/ Ressourcenverbrauch/ Abfallmengen ➡️ Fokus: Umweltwirkungen
LCC (Life Cycle Costing) = Bewertung aller wirtschaftlichen Kosten über den gesamten Lebenszyklus. Dazu gehören: Investitionskosten/ Betriebskosten/ Wartungskosten/ Rückbau- und Entsorgungskosten ➡️ Fokus: Gesamtkosten
Unterschied (perfekt für Prüfung): LCA = Umwelt & LCC = Kosten
Beide betrachten den gesamten Lebenszyklus und nicht nur die Bauphase.
=> Im Gebäudesektor entstehen bis zu 80 % der Gesamtkosten während der Nutzungsphase, nicht beim Bau.
152) Welche Nachhaltigkeitshebel gibt es im Industriebau? -> gleich wie Frage 160
153) Nenne drei Nachhaltigkeitswirkungen des Baustoffes Holz.
152) Welche Nachhaltigkeitshebel gibt es im Industriebau?
Nachhaltigkeit entsteht nicht durch eine Einzelmaßnahme, sondern durch die Kombination aus Materialwahl, Materialeinsparung, Low-Carbon-Materialien und Kreislaufwirtschaft.
4 wichtigsten Nachhaltigkeitshebel im Industriebau sind:
1) Materialsubstitution = CO₂-intensive Baustoffe durch klimafreundlichere ersetzen (z. B. Holz statt Stahlbeton).
2) Materialreduktion = Nur so viel Material einsetzen wie statisch notwendig (z. B. Topologieoptimierung).
3) Low-Carbon-Materialien = Baustoffe mit geringerem CO₂-Fußabdruck verwenden (z. B. LC3-Zement, Recyclingbeton).
4) Kreislaufwirtschaft = Materialien wiederverwenden, recyceln und Gebäude demontierbar planen.
Materialsubstitution = Ersatz emissionsintensiver Baustoffe durch klimafreundlichere Alternativen.
153) Nenne 3 Nachhaltigkeitswirkungen des Baustoffes Holz.
Durch den Bau mit Massivholz (Mass Timber) entstehen bei Herstellung und Bau etwa 30–60 % weniger Embodied Carbon (graue CO₂-Emissionen) als bei vergleichbaren Gebäuden aus Beton oder Stahl.
Holz besitzt mehrere Nachhaltigkeitswirkungen:
1. CO₂-Speicher = Holz bindet Kohlenstoff während seiner gesamten Nutzungsdauer.
2. Nachwachsender Rohstoff = Holz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und wächst nach.
3. Geringer Herstellungsenergiebedarf = Für die Herstellung wird deutlich weniger Energie benötigt als bei Stahl oder Beton.
Man könnte alternativ auch nennen:
- hohe Vorfertigung → kürzere Bauzeit
- geringerer Embodied Carbon (30–60 % weniger)
Mass Timber = industriell hergestellte tragende Massivholzbaustoffe (z. B. Brettschichtholz oder CLT).
154) Wie verhalten sich Querschnitte bei gleicher Tragfähigkeit zwischen Brettschichtfichte – Stahlmaterialien und Baubuche?
155) Wie verhält sich die Bauzeit von einem Holzbau zu einem vergleichbaren Stahlbetonbau, und woher kommt dieser Unterschied?
Je höher die Festigkeit des Werkstoffs, desto kleiner kann der Querschnitt sein. Deshalb hat Brettschichtfichte den größten Querschnitt, Stahl einen deutlich kleineren und Baubuche ebenfalls einen kompakteren Querschnitt als Brettschichtfichte.
Bei gleicher Tragfähigkeit gilt: Brettschichtfichte benötigt den größten Querschnitt.
-> Stahl benötigt einen deutlich kleineren Querschnitt.
-> Baubuche benötigt den kleinsten Querschnitt, da sie die höchste Festigkeit besitzt.
-> Fichte am größten --> Baubuche mittig -> > Stahl am Kleinsten
Merken: Je höher die Festigkeit des Werkstoffes, desto desto mehr Last kann er aufnehmen und desto kleiner kann der nötige Querschnitt sein.
Holzbau ist etwa 30 % schneller, weil durch die hohe Vorfertigung weniger Arbeiten auf der Baustelle stattfinden und keine langen Trocknungszeiten wie beim Stahlbeton erforderlich sind.
Ein Holzbau ist deutlich schneller als ein vergleichbarer Stahlbetonbau. -> ca. 30 % kürzere Bauzeit
Bsp.: Holzbau - 14 Monate / Stahlbetonbau - ca. 20 Monate
Warum? Vor allem wegen der hohen Vorfertigung. Die Bauteile werden bereits im Werk hergestellt und müssen auf der Baustelle hauptsächlich montiert werden. Außerdem entfallen die langen Trocknungs- & Aushärtezeiten, die beim Stahlbetonbau notwendig sind.
Vorfertigung = Bauteile werden im Werk produziert und auf der Baustelle nur noch montiert.
156) Was ist der Baustoff Zement in Bezug auf CO²-Emissionen weltweit?
157) Wie lässt sich mit Beton nachhaltiger bauen? Nenne zwei Optionen.
158) Welche Vorteile bietet der Beton 3D Druck?
156) Was ist der Baustoff Zement ist in Bezug auf CO²-Emissionen weltweit?
Zement gehört weltweit zu den emissionsintensivsten Baustoffen -> Ist Bestandteil von Beton
Die Zementproduktion verursacht etwa 7–8 % der weltweiten CO₂-Emissionen.
Hauptursachen sind:
- der hohe Energiebedarf bei der Herstellung -> Energieintensiver Herstellungsprozess
- sowie die chemische Freisetzung von CO₂ bei Herstellung (der Klinkerherstellung)
➡️ Deshalb ist Zement einer der wichtigsten Hebel zur CO₂-Reduktion im Bauwesen.
Klinker = Hauptbestandteil von Zement, dessen Herstellung besonders viel CO₂ verursacht.
157) Wie lässt sich mit Beton nachhaltiger bauen? Nenne zwei Optionen
= indem man den Beton nachhaltiger Zusammensetzt. z. B. durch folgende Maßnahmen:
LC3-Zement → ersetzt einen Teil des Klinkers durch Kalkstein -> erzeugt weniger CO2
Recyclingbeton → aufbereiteter Betonbruch (alter Beton wird zerkleinert) wird als Zusatzstoff/Kies im neuen Beton verwendet. -> Reduktion von Rohstoffverbrauch
Alternativ:
Geopolymerbeton → ersetzt den klassischen Zement durch alternative Bindemittel (z. B. Flugasche oder Hüttensand).
Recyclingbeton = Beton, der teilweise aus recycelten mineralischen Baustoffen hergestellt wird.
158) Welche Vorteile bietet der Beton-3D-Druck?
Beton-3D-Druck = schichtweiser automatisierter Auftrag von Beton ohne klassische Schalung.
Beim 3D-Betondruck wird der Beton automatisch Schicht für Schicht gedruckt und nicht mehr in eine Schalung gegossen. Dadurch spart man Material, Kosten und Personal und kann komplexe Formen herstellen.
Der Beton-3D-Druck bietet mehrere Vorteile:
1) Keine Schalung erforderlich → geringere Kosten und weniger Abfall.
2) Geringerer Materialverbrauch → nur dort Beton wo nötig, optimierte Geometrien.
3) Automatisierte Bauprozesse → Drucker arbeitet automatisch -> geringerer Personalbedarf.
4) Druckerkann fast jede Form drucken → komplexe Formen möglich
159) Wenn man die CO²-Emissionen je m² Tragwerk vergleicht, ist Holz ca. 50% geringer als Stahl oder Stahlbetonkonstruktionen – weshalb ist ein Holz-Tragwerk nicht CO²-frei?
160) Womit lässt sich im Industriebau Nachhaltigkeit erreichen? -> gleich wie Frage 152
Holz reduziert den CO₂-Fußabdruck erheblich, verursacht aber über Herstellung, Transport und Verarbeitung weiterhin Emissionen und ist deshalb nicht CO₂-neutral.
Ein Holztragwerk besitzt zwar deutlich geringere CO₂-Emissionen als Stahl oder Stahlbeton, ist aber nicht CO₂-frei.
Denn auch bei Holz entstehen Emissionen durch: Holzeinschlag / Transport / Verarbeitung,/ Herstellung der Holzprodukte/ Verbindungsmittel (z. B. Stahl) / Montage und Bauprozess.
Embodied Carbon = alle CO₂-Emissionen, die bis zur Fertigstellung eines Bauwerks entstehen (Materialherstellung, Transport und Bau).
160) Womit lässt sich im Industriebau Nachhaltigkeit erreichen?
Nachhaltigkeit entsteht nicht durch eine einzelne Technologie, sondern durch die Kombination aus Materialwahl, Materialeinsparung, Kreislaufwirtschaft, digitaler Fertigung und integraler Planung.
Nachhaltigkeit im Industriebau wird durch die Kombination mehrerer Maßnahmen erreicht:
1) Materialsubstitution → z. B. Holz statt Stahlbeton.
2) Materialreduktion → nur so viel Material wie nötig einsetzen.
3) Low-Carbon-Materialien → z. B. LC3-Zement oder Recyclingbeton.
4) Kreislaufwirtschaft → Materialien wiederverwenden und recyceln.
5) Digitale Fertigung → z. B. CNC, 3D-Druck oder parametrische Planung zur Material- und Ressourceneinsparung.
6) Integrale Planung → alle Fachdisziplinen arbeiten von Beginn an zusammen.
LC3-Zement = CO₂-armer Zement, bei dem ein Teil des Klinkers durch Kalkstein und kalzinierten Ton ersetzt wird.
Geopolymerbeton = Beton mit alternativen Bindemitteln anstelle von Portlandzement, wodurch deutlich weniger CO₂ entsteht.
Embodied Carbon = CO₂-Emissionen, die bereits vor der Nutzung eines Bauwerks durch Materialherstellung, Transport und Bau entstehen.
Integrale Planung = Alle Fachplaner arbeiten von Beginn an gemeinsam zusammen, um technische, wirtschaftliche und nachhaltige Ziele gleichzeitig zu optimieren.
Green Factory - Quiz
Beantworten Sie die folgenden Kurzfragen präzise in jeweils zwei bis drei Sätzen.
1. Wie wird die „Green Factory“ in der vorliegenden Arbeitsdefinition beschrieben?
2. Warum greift eine Konzentration auf DGNB-Zertifizierungen bei der Fabrikplanung zu kurz?
3. Welche fünf Stufen kennzeichnen die historische Entwicklung hin zur nachhaltigen Produktion?
4. Erläutern Sie das Prinzip des Systemdenkens anhand des Beispiels energieeffizienter Maschinen.
5. Was versteht man unter Scope-3-Emissionen im Kontext einer Fabrik?
Eine Green Factory ist eine Fabrik mit minimalem Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus. Diese Definition umfasst Prozesse, Logistik, Energie und Gebäude als gleichberechtigte Teile eines Gesamtsystems.
Nachhaltigkeit ist eine Eigenschaft des Gesamtsystems Fabrik und nicht nur der Gebäudehülle. Eine CO₂-neutrale Halle ist wertlos, wenn die darin ablaufenden Produktionsprozesse ineffizient sind, da dort oft die größeren Hebel zur Emissionsreduktion liegen.
Die Entwicklung verlief von der Industrialisierung (Mechanisierung) über die Massenproduktion (Fließband) und Lean Production (Verschwendungsreduktion) bis hin zu Industrie 4.0 (Digitalisierung) und der heutigen nachhaltigen Produktion.
Energieeffizientere Maschinen senken nicht nur direkt den Strombedarf, sondern verringern auch den Wärmeeintrag in die Halle. Dadurch ist weniger Kühlleistung erforderlich, was wiederum den Energiebedarf der Gebäudetechnik senkt.
Scope-3-Emissionen umfassen alle indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, wie etwa bei Zulieferern, durch Transporte oder bei der Entsorgung der Produkte. In vielen Industrien machen diese über 70 % der Gesamtemissionen aus.
6. Welcher Zielkonflikt besteht zwischen Just-in-Time-Lieferungen und Nachhaltigkeitszielen?
7. Nennen Sie die drei Kernstrategien der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy).
8. Welcher Bereich innerhalb eines produzierenden Betriebs dominiert in der Regel den CO₂-Fußabdruck?
9. Was unterscheidet eine „Flexible Fabrik“ von einer „Starren Fabrik“ hinsichtlich der Nachhaltigkeit?
10. Welche baulichen Maßnahmen können den Kunstlichtbedarf in einer Fabrikhalle minimieren?
Just-in-Time-Konzepte zielen auf maximale logistische Effizienz ab, führen aber oft zu häufigen Kleinlieferungen. Dies steht im direkten Konflikt mit dem Ziel, Transportemissionen durch gebündelte Logistik zu minimieren.
Die zentralen Strategien sind das Reparieren (Langlebigkeit sicherstellen), die Wiederverwendung (Einsatz von Komponenten nach der Nutzung) und das Recycling (Rückgewinnung von Rohstoffen).
Die Fertigungsprozesse und Maschinenlaufzeiten dominieren deutlich und machen zusammen oft über 60 % der Emissionen aus. Gebäudebezogene Aspekte wie Heizung, Kühlung und Lüftung sind relevant, werden aber häufig überschätzt.
Eine starre Fabrik ist hochoptimiert auf ein Produkt und wird bei Technologiewandel schnell obsolet, was hohen Abrissbedarf verursacht. Eine flexible Fabrik nutzt modulare Strukturen und ist länger vielseitig verwendbar, was Ressourcen über den Lebenszyklus schont.
Der Einsatz von großflächigen Verglasungen und Oberlichtbändern ist hierbei entscheidend. Die technischen Regeln fordern dabei ein Verhältnis von lichtdurchlässiger Fläche zur Raumgrundfläche von mindestens 1:10.
Digital Factory
161) Was ist der entscheidende Wettbewerbsvorteil im Umfeld von Digital Factory?
162) Weshalb ist die Digitale Farbik keine einzelne Softwarelösung?
Der entscheidende Wettbewerbsvorteil liegt nicht allein in modernen Maschinen, sondern in der Fähigkeit, Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu integrieren, sie intelligent auszuwerten, daraus Entscheidungen abzuleiten und Prozesse in Echtzeit zu optimieren.
Moderne Maschinen sind heute Standard. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil entsteht durch die intelligente Nutzung von Informationen.
Digitale Fabrik = Netwerk von digitalen Modellen & Methoden wie Simulation, 3D Visualisierung, das Daten über gesamten Lebezyklus einer Fabrik nutzt
= datenbasiertes Netzwerk aus vielen miteinander vernetzen Systemen zur Planung, Steuerung, Optimierung einer Fabrik über gesamten Lebenszyklus
-> Nicht Maschinen schaffen Wettbewerbsvorteile, sondern der intelligente Umgang mit Daten.
-> Digital Factory vernetzt & integriert alle wichtigen Daten und Informationen aller Fabrikprozesse -> daher liegt Vorteil in intelligenten Integration & Nutzung dieser Daten für optimale Prozesse in der gesamten Fabrik
= Weil, Digitale Fabrik ein integriertes und datenbasiertes Netwerk/ System (keine Software) ist mit vielen vernetzten Komponenten, die Maschinen/ Gebäude/ Daten/ IT-Systeme und Entscheidungsprozesse miteinander verbinden. ->
Sie begleitet den gesamten Lebenszyklus von der Planung über die Inbetriebnahme bis zum Betrieb. Einzelne Software kann diese vielen Aufgaben und Systeme nicht integrieren oder vollständig abdecken.
-> Ziel ist eine durchgängige Informationsversorgung aller Ebenen. Eine Software allein kann niemals alle Aufgaben übernehmen.
Erst das Zusammenspiel von ERP / MES/ Simulation/ Digitalem Zwilling macht die Digitale Fabrik aus.
Garbage in – Garbage out (GIGO) bedeutet:
Sind die Eingangsdaten oder Prozesse fehlerhaft, dann sind auch alle daraus entstehenden Informationen, Analysen und Entscheidungen fehlerhaft.
Die Digitalisierung macht schlechte Prozesse nicht besser.
Bsp.: Eine Maschine misst falsche Temperaturen. -> SCADA, MES und ERP übernehmen diese falschen Werte. -> Die Produktionsplanung trifft falsche Entscheidungen -> Ausschuss oder Maschinenstillstand.
➡️ Nicht die Software ist schuld, sondern die fehlerhaften Eingangsdaten.
-> Eine Digitale Fabrik ist nur so gut wie die Qualität ihrer Daten und Prozesse.
163) Was ist der Unterscheid zwischen IT und OT, nenne bitte ein Beispiel.
OT (Operational Technology) = steuert und überwacht physische Prozesse & Maschinen in Echtzeit
Typische Systeme: SPS / Sensoren/ Aktoren/ Maschinen
Ziel: → sicherer und stabiler Maschinenbetrieb in Echtzeit.
IT (Information Technology) = verarbeitet, speichert & analysiert Daten, um Entscheidungen zu unterstützen
Typische Systeme: ERP/ MES/ Datenbanken/ Server
Ziel: → Planung, Analyse und Unternehmenssteuerung.
Beispiel: Licht in einer Fabrikhalle
🔵 OT (Operational Technology)
Bewegungssensor erkennt, dass ein Gabelstapler in die Halle fährt.
➡️ Das Licht geht automatisch an.
OT = Sensor erkennt etwas und steuert direkt das Licht.
🟢 IT (Information Technology)
Die IT sammelt die Daten:
Wie lange war das Licht an? / Wie viel Strom verbraucht? / Wann wird die Halle am häufigsten genutzt?
Mit diesen Daten kann man später Energie sparen. IT = sammelt und analysiert Informationen.
OT steuert Maschinen und Anlagen direkt mithilfe von Sensoren. IT verarbeitet und analysiert die dabei entstehenden Daten. Ein Beispiel: Ein Sensor erkennt eine Bewegung und schaltet automatisch das Hallenlicht ein – das ist OT. Die IT wertet später aus, wie lange das Licht eingeschaltet und wie hoch der Energieverbrauch war.
164) Weshalb wird ein MES auch als operatives Herzstück einer Fabrik bezeichnet, welche Prozesse rechtfertigen diese Bezeichnung?
MES (Manufacturing Execution System) = Software zur Planung, Steuerung und Überwachung der Produktion in Echtzeit.
Es bildet die Verbindung zwischen ERP und Maschinen.
Warum "operatives Herzstück"? = Weil das MES Aufträge vom ERP übernimmt, sie in Fertigungsaufträge übersetzt / Maschinen steuert / Produktionsdaten sammelt / Qualität überwacht und alle Prozesse in Echtzeit koordiniert.
Hier wird aus der strategischen Planung die tatsächliche Produktion.
Die wichtigsten Prozesse:
1. Feinplanung = Aufträge nach Priorität und Kapazität planen.
2. Produktionssteuerung = Maschinen und Ressourcen koordinieren.
3. Rückmeldung = Ist-Daten erfassen (Stückzahlen, Zeiten, Ausschuss).
4. Traceability = Lückenlose Rückverfolgbarkeit jedes Bauteils.
Zusätzlich: Qualitätsmanagement, BDE/MDE ; Betriebsdatenerfassung
=> Das MES verbindet ERP und Produktion und steuert den gesamten laufenden Fertigungsprozess in Echtzeit. Deshalb wird es als operatives Herzstück bezeichnet.
Meine Antwort:
MES ist das Manufacturing Execution System. Es ist das Herzstück, weil es den Kern der Fabrik, also die Produktion, in Echtzeit steuert.
Dies wird ermöglicht, indem es zuerst Informationen aus dem ERP erhält, also Resource Planning liefert, also Aufträge über vorhandene Ressourcen.
Dann wird mit MES geplant, wie/was/ wann hergestellt werden soll, in welchen Mengen. Die Planung wird dann die Maschinen & Mitarbeiter zugestellt.
Dann kommt die Ausführung. Danach ermöglicht MES Kontrollen (Mengen/ Zeiten/ Ausschuss), ob auch alles soweit passt.
Und anschließend erfolgt die Dokumentation der Produktion, also die Traceability.
Damit bildet MES das zentrale Steuerungssystem für die Fabrik und kann deswegen als das operative Herzstück bezeichnet werden. Es verbindet also auch die OT- und IT-Technologien.
165) Was ist IT-OT-Konvergenz?
Konvergenz = Zusammenführen/ Zusammenwachsen/ verschmelzen
IT-OT-Konvergenz = Integration von Information Technology (IT) und Operational Technology (OT), damit Unternehmensplanung & Produktion nahtlos zusammenarbeiten.
IT-OT-Konvergenz bedeutet das Zusammenwachsen von Information Technology und Operational Technology. Beide Systeme sind in Echtzeit miteinander vernetzt und tauschen Daten aus, sodass Prozesse besser überwacht, gesteuert und optimiert werden können. Beide werden bspw. in MES und ERP zusammengeführt zur Steuerung, Überwachung und Optimierung der Produktion.
Warum ist sie notwendig? -> Früher arbeiteten IT und OT getrennt.
Heute müssen beide Daten austauschen, damit Planung/ Steuerung/ Energie/ Qualität und Produktion gemeinsam optimiert werden können.
IT & OT arbeiten miteinander vernetzt & tauschen Daten in Echtzeit aus => IT kann Daten aus OT direkt auswerten & OT kann auf Basis ausgewerteter Informationen Prozesse verbessern
Bsp. OT: Maschine meldet -> Temperatur/ OEE/ Stillstand -> MES -> ERP -> Produktionsplanung wird automatisch angepasst.
Rolle des BMS: Das BMS liefert zusätzlich Energiedaten / Klimadaten/ Gebäudedaten an MES und ERP. -> Dadurch werden Produktion und Gebäude gemeinsam optimiert.
Merken: IT/OT-Konvergenz bedeutet die Vernetzung von OP & IT . Dadurch arbeiten Maschinen, Sensoren und IT-Systeme nahtlos zusammen, sodass Daten in Echtzeit ausgetauscht und für Planung, Steuerung und Optimierung genutzt werden können.
166) Kannst du die Elemente des Schichtmodells benennen? Bei dem der Datenfluss OT Bottom-up und Steuerungsfluss IT Top-down stattfindet?
166) Kannst du die Elemente des Schichtmodells benennen - Bei dem der Datenfluss OT Bottom-up und Steuerungsfluss IT Top-down stattfindet?
Das Schichtenmodell beginnt unten mit der physischen Welt. Dort entstehen die Daten durch Maschinen, Material und Mitarbeiter. Anschließend werden die Daten durch OT und BMS erfasst und an das MES weitergeleitet. Das MES steuert den laufenden Produktionsbetrieb und übergibt die Informationen an das ERP zur Unternehmensplanung. Danach werden die Daten im Digitalen Zwilling bzw. in der Simulation genutzt, um Prozesse zu testen und zu optimieren. Die oberste Ebene bildet das Industrial Metaverse bzw. die KI, die weitere Optimierungen ermöglicht.
Schichtenmodell = beschreibt den Aufbau der Digitalen Fabrik vom realen Produktionsprozess bis zur intelligenten Optimierung.
Dabei laufen 2 Informationsrichtungen gleichzeitig:
-> OT-Seite (Bottom-up): Daten werden aus der Produktion nach oben weitergegeben.
-> IT-Seite (Top-down): Entscheidungen und Steuerungsbefehle werden von oben nach unten an die Produktion übergeben.
Erst das Zusammenspiel beider Richtungen ermöglicht eine Digitale Fabrik.
-> Die Schichten (von unten nach oben):
1. Physische Welt: Maschinen / Anlagen / Sensoren/ Gebäude / Materialfluss ➡️ Hier entsteht die reale Produktion.
2. Datenerfassung (OT + BMS): ➡️ Erfasst Maschinen-, Prozess- & Gebäudedaten.
3. MES: Manufacturing Execution System ➡️ steuert den laufenden Produktionsbetrieb in Echtzeit.
4. ERP: Enterprise Resource Planning ➡️ plant Ressourcen, Material, Personal & Aufträge.
5. Digitaler Zwilling / Simulation ➡️ virtuelle Modelle zur Analyse & Optimierung.
6. KI / Industrial Metaverse ➡️ autonome Optimierung & Entscheidungsunterstützung.
Was ist Bottom-up? -> Bottom-up = OT-Datenfluss
Maschine -> Sensor -> SPS -> MES -> ERP -> Digital Twin -> KI
Was ist Top-down? -> Top-down = IT-Steuerungsfluss
ERP -> MES -> SPS -> Maschine
Schichtmodell = beschreibt die Ebenen der Digitalen Fabrik sowie den Datenfluss (OT) & den Steuerungsfluss (IT).
Merken: OT liefert Daten nach oben. IT sendet Entscheidungen nach unten.
167) Unterschied digitaler Schatten vs. Digitaler Zwilling / Digital Twin?
Digitaler Schatten = passives digitales Abbild einer realen Anlage. Er sammelt und visualisiert Daten, greift aber nicht aktiv ein.
-> Eigenschaften: passiv/ beschreibt den Ist-Zustand/ dokumentiert/ Datenfluss nur einseitig/ keine Steuerung
Bsp.: Maschine misst Temperatur. -> Dashboard zeigt Temperatur. -> Maschine reagiert aber nicht.
Digitaler Zwilling = aktives, synchrones digitales Modell, das permanent mit der realen Anlage verbunden ist. Er analysiert/ prognostiziert / simuliert & kann Prozesse aktiv beeinflussen.
-> Eigenschaften: aktiv/ Echtzeit/ bidirektionaler Datenfluss/ Prognosen/ Optimierung/ Steuerung
Bsp.: Gebäude erkennt -> steigende Außentemperatur -> Digital Twin berechnet optimale Regelung -> Heizung/Klimaanlage wird automatisch angepasst.
168) Benenne bitte zwei-drei Beispiele für Use Cases aus dem Smart Factory Bereich?
169) Wie verändert sich die Planung durch digitale Factory Ansätze?
Beispiele für Smart-Factory-Anwendungen sind:
1. Predictive Maintenance: Sensoren messen Temperatur und Vibrationen an einer Maschine. Wenn Werte auffällig werden, erscheint eine Meldung zur Einleitung von Maßnahmen bevor die Maschine zum Stopp kommt.
2. Fahrerlose Transportsysteme (FTS/AGV): Materialtransport erfolgt autonom
zwischen Lager und Produktion.
3. KI-Qualitätsprüfung: Kameras und KI erkennen Fehler automatisch während der Produktion.
Weitere mögliche Beispiele: Track & Trace/ Echtzeit-Dashboards / Shopfloor-Boards / Digitale Assistenzsysteme / Geofencing / Digitale Zwillinge / Simulation / Auftragsplanung
Use Case = konkreter Anwendungsfall einer Technologie.
Merken: Smart Factory nutzt Echtzeitdaten, um Prozesse automatisch zu überwachen, zu optimieren und zu steuern.
Die Planung verändert sich durch die Digital Factory grundlegend. Früher basierte die Planung hauptsächlich auf Annahmen und Erfahrungswerten. Heute basiert sie auf gemessenen Ist-Daten, die nachvollziehbar und auswertbar sind. Dadurch wird die Planung zu einem kontinuierlichen Prozess, der laufend angepasst und optimiert werden kann. Außerdem ermöglicht die Digital Factory die Vernetzung aller Bereiche der Fabrik, sodass nicht nur einzelne Prozesse, sondern das gesamte Fabriksystem gemeinsam geplant und optimiert werden kann.
Digitale Factory verändert die Planung grundlegend.
Früher beruhte Planung vor allem auf Erfahrung und Annahmen.
Heute basiert sie auf Echtzeitdaten, Simulationen, kontinuierlicher Aktualisierung und vernetzten Systemen.
Dadurch wird Planung wesentlich flexibler und genauer.
Die 4 wichtigsten Veränderungen:
1. Daten statt Annahmen: Entscheidungen basieren auf Messdaten, nicht auf Schätzungen.
2. Integration aller Systeme: Maschinen, Gebäude, Logistik, IT arbeiten gemeinsam. Keine Insellösungen.
3. Planung wird kontinuierlich: Nicht einmal planen, sondern ständig anpassen
(z. B. bei Störungen oder neuen Aufträgen).
Zusätzlich wichtig: Die Digitale Fabrik ist ein sozio-technisches System.
Das bedeutet: Nicht nur Technik, sondern auch Mensch, Organisation, Prozesse müssen zusammenarbeiten.
Digitalisierung unterstützt Entscheidungen, ersetzt den Menschen aber nicht.
Sozio-technisches System = System, in dem Menschen, Organisation und Technik gemeinsam wirken.
Merken: Digitale Fabrik bedeutet: kontinuierliche, datenbasierte Planung statt einmaliger Planung auf Basis von Annahmen.
New Work
170) Um welche Dimensionen ging es Frithjof Bergmann mit New Work ursprünglich?
„Arbeit soll Menschen ermöglichen, das zu tun, was sie wirklich, wirklich wollen."
Frithjof Bergmann verstand New Work ursprünglich nicht als Homeoffice oder moderne Büros, sondern als humanistisches Arbeitskonzept, das Menschen ermöglicht, eine sinnvolle und selbstbestimmte Arbeit auszuüben.
Ursprüngliche 4 Dimensionen: Selbstbestimmung / Sinnstiftung/ Partizipation (Mitbestimmung) / Gemeinschaft
-> Selbstsbestimmung/ Sinnhaftigkeit der Arbeit
-> Ziel war, Arbeit stärker an den Bedürfnissen des Menschen auszurichten.
New Work = humanzentrierter Ansatz nach Frithjof Bergmann zur Förderung von Selbstbestimmung, Sinn und Beteiligung an der Arbeit.
= modernes Arbeitskonzept, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Ziel sind mehr Selbstbestimmung, Flexibilität, Zusammenarbeit und der Einsatz digitaler Technologien zur Verbesserung der Arbeitswelt.
Merken: New Work bedeutet ursprünglich: sinnvolle, selbstbestimmte und gemeinschaftliche Arbeit.
171) Auf welchen drei Ebenen wirkt New Work?
172) Nenne zwei der fünf Motivationsfaktoren (Psychologische Grundlagen der Arbeitsgestaltung) die direkt durch die Raumgestaltung beeinflussbar sind?
New Work wirkt auf 3 Ebenen: müssen zusammen gestaltet werden, nur dann funktioniert new work
1. Kultur: Werte/ Vertrauen/ psychologische Sicherheit/ Fehlerkultur
2. Organisation: Führung/ Entscheidungsstrukturen/ Zusammenarbeit/ Kollaboration
3. Raum: Gebäude/ Arbeitsplätze/ Infrastruktur/ physische Arbeitsumgebung
=> Alle 3 Ebenen müssen gemeinsam gestaltet werden. Nur Räume umzubauen reicht nicht.
3-Ebenen-Modell = beschreibt 3 zentrale Gestaltungsebenen moderner Arbeitswelt: Kultur – Organisation – Raum.
Merken: New Work verändert nicht nur Räume, sondern auch Kultur & Organisation.
Job Characteristics Model = beschreibt 5 Motivationsfaktoren, die Motivation und Arbeitszufriedenheit beeinflussen.
Davon können durch Raumgestaltung beeinflusst werden: Autonomie/ Bedeutsamkeit/ Feedback/ Ganzheitlichkeit/ Kompetenznutzung
Autonomie = Mitarbeiter besitzen Handlungsspielräume und Selbstbestimmung. Autonomie 🗝️ = "Ich darf selbst entscheiden." Bsp.: Mitarbeiter hat eigenen Arbeitsplatz und kann selbst entscheiden, wann und wie er seine Aufgaben erledigt. ➡️ Raumgestaltung: Einzelbüro, flexible Arbeitsplätze oder Teamflächen mit eigenem Handlungsspielraum fördern Autonomie.
Feedback = Ergebnisse der Arbeit im Raum werden sichtbar.
Feedback 📊 = "Ich sehe sofort, wie gut ich arbeite." Bsp.: Ein Bildschirm zeigt in Echtzeit Produktionszahlen oder Qualitätskennzahlen.
➡️ Raumgestaltung: Shopfloor-Boards, Andon-Anzeigen oder Visualisierung der Ergebnisse.
Bedeutsamkeit = Mitarbeiter erkennen Sinn und Nutzen ihrer Arbeit.
Bedeutsamkeit ❤️ = "Meine Arbeit hat einen Sinn." Bsp.: Ein Mitarbeiter in einer Pharmaproduktion weiß, dass seine Medikamente Patienten helfen.
➡️ Raumgestaltung: Transparente Produktion oder Sichtfenster zeigen den Zusammenhang der eigenen Arbeit mit dem Endprodukt.
Ganzheitlichkeit = Aufgaben können vollständig bearbeitet werden.
Kompetenznutzung = Eigene Fähigkeiten können eingesetzt werden.
173) Weshalb bringen Maßnahmen für Gebäude und Energieeffizienz in Administrativen Bereichen nicht die gleichen Effekte wie in Produktiven Bereichen?
Personalkosten = machen größten Teil der laufenden Gesamt-Betriebskosten, also Betriebskosten aus! (NICHT Investitionskosten!)
In administrativen Bereichen entstehen die größten Kosten nicht durch Gebäude oder Energie, sondern durch Personal.
Deshalb haben Investitionen in bessere Arbeitsumgebungen oft einen größeren wirtschaftlichen Nutzen als reine Energieeinsparungen.
Typische Kostenverteilung:
- ca. 80–90 % Personalkosten
- ca. 10 % Gebäudekosten
- ca. 1–2 % Energiekosten
Schon kleine Produktivitätssteigerungen der Mitarbeitenden haben deshalb einen deutlich größeren wirtschaftlichen Effekt als reine Energieeinsparungen.
→ Deshalb bringt eine höhere Mitarbeiterproduktivität wirtschaftlich mehr als reine Energieeinsparung.
Im Büro sind die Menschen der größte Kostenfaktor, nicht die Energie. Deshalb lohnt es sich dort oft mehr, die Arbeitsbedingungen zu verbessern als nur Energie zu sparen. Schon 1–2 % mehr Produktivität können wirtschaftlich mehr bringen als eine Gebäudeoptimierung.
Personalkosten dominieren => In Büro- & Verwaltungsbereichen bestimmen vor allem Personalkosten die Wirtschaftlichkeit.
Merken: Im Büro spart man mehr durch produktive Mitarbeitende als durch geringeren Energieverbrauch.
174) Welche drei Aspekte sollten bei der Zukunft von Arbeitswelten beachtet werden?
175) Was kann New Work als Planungsanforderung verbessern?
3 Entwicklungen prägen die zukünftige Arbeitswelt:
1. KI-Integration: Routinearbeiten werden automatisiert. Menschen konzentrieren sich auf Kreativität und Problemlösung.
2. Hybridisierung: Arbeit verteilt sich auf Büro/ Homeoffice/ Produktion/ Third Places/ Räume müssen flexible Zusammenarbeit ermöglichen.
3. Sinnorientierte Organisationen: Unternehmen konkurrieren zunehmend über
Unternehmenskultur/ Arbeitsqualität/ Purpose (Sinn)
Hybridisierung = Kombination verschiedener Arbeitsorte und Arbeitsformen.
Merken: Zukunft der Arbeit besteht aus KI, hybrider Zusammenarbeit und sinnorientierten Organisationen.
New Work verändert die Anforderungen an Fabrikgebäude.
Gebäude sollen künftig: flexibler/ modular/ leicht umnutzbar sein.
Dadurch können sie sich an neue Arbeitsformen anpassen.
Wichtige Verbesserungen: Flexible Raumstrukturen/ Modulare Arbeitsplätze/ Umnutzbarkeit/ längere Nutzungsdauer/ weniger Umbauten/ bessere Anpassungsfähigkeit
Warum wichtig? Ohne Flexibilität entstehen/ Leerstände/ teure Umbauten/ schlechte Raumnutzung
Umnutzbarkeit = Räume können mit geringem Aufwand für andere Nutzungen angepasst werden.
Merken: New Work macht Gebäude flexibler und langlebiger.
176) Wieviel Quadratmeter hat ein Büroarbeitsplatz im Durchschnitt? (Benenne die Büroform dazu oder nenne die gesamte Range)
Büroform
Fläche
Klassisches Büro
>15 m²/AP
Modernes Büro
10–12 m²/AP
Activity Based Working
8–10 m²/AP
Gesamtrange: ca. 8 bis über 15 m² pro Arbeitsplatz
=> Mit zunehmendem Desk-Sharing sinkt der Flächenbedarf.
Activity Based Working (ABW) = Mitarbeiter wählen ihren Arbeitsplatz je nach aktueller Tätigkeit (z. B. konzentriertes Arbeiten, Teamarbeit oder Besprechungen).
Merken: Je flexibler das Bürokonzept, desto geringer die benötigte Fläche pro Arbeitsplatz.
177) Für die Produktion und Administration gelten vielfach unterschiedliche Regeln – können Sofas und Besprechungsboxen in der Produktion ein erster Schritt zum Auflösen dieser Grenze sein?
Ja. Moderne Fabrikplanung versucht die klassische Trennung zwischen Produktion und Administration schrittweise aufzulösen.
Ein erster Schritt sind Räume wie Besprechungsboxen/ Kollaborationsflächen / Rückzugsräume/ Sofaecken auch in Produktionsnähe.
Dadurch entstehen: mehr Kommunikation / besserer Wissensaustausch/ höhere Zusammenarbeit/ stärkere Eigenverantwortung
Die Produktion übernimmt damit teilweise Prinzipien aus dem New Office.
Wichtig: Es geht nicht darum, die Produktion in ein Büro zu verwandeln.
Sondern geeignete Arbeitsformen aus der Administration sinnvoll in produktionsnahe Bereiche zu integrieren.
Grenzen auflösen = Produktion und Administration räumlich und organisatorisch näher zusammenbringen, um Zusammenarbeit und Wissensaustausch zu verbessern.
Merken: Moderne Fabriken integrieren Produktion und Wissensarbeit statt sie räumlich strikt zu trennen.
178) Ergonomische Verbesserungen können 10-25 % Produktivitätssteigerung auslösen, welche Formen der Ergonomie kennst du?
179) Was versteht man unter Neuroarchitektur?
Es gibt 3 Ebenen der Ergonomie.
Ergonomie = wissenschaftliche Gestaltung von Arbeitssystemen entsprechend den Fähigkeiten und Grenzen des Menschen.
1. Physische Ergonomie: Anpassung an Körperhaltung und Bewegungsabläufe.
Bsp.: höhenverstellbare Arbeitsplätze/ ergonomische Werkzeuge/ optimale Greifräume
2. Kognitive Ergonomie: Anpassung der Informationsverarbeitung.
Bsp.: verständliche Benutzeroberflächen/ klare Informationsdarstellung/ Vermeidung von Informationsüberlastung
3. Organisationale Ergonomie: Gestaltung von Arbeitsorganisation.
Bsp.: Job Rotation/ Teamarbeit/ Arbeitszeitmodelle/ Lernzeiten
Merken: Ergonomie umfasst körperliche, geistige und organisatorische Gestaltung der Arbeit.
Neuroarchitektur = interdisziplinäres Forschungsgebiet zur Wirkung gebauter Räume auf Gehirn und Verhalten.
Neuroarchitektur untersucht, wie Gebäude und Räume - Gehirn, Emotionen, Verhalten und Leistungsfähigkeit des Menschen beeinflussen.
-> Sie verbindet: Architektur, Neurowissenschaft, Umweltpsychologie.
-> Wichtige Einflussfaktoren: Tageslicht, Raumhöhe, Biophilie, Akustik
Diese beeinflussen Konzentration, Kreativität und Wohlbefinden.
Merken: Gute Architektur verbessert Konzentration, Wohlbefinden und Produktivität.
180) Ist New Work, Schicke Büromöbel und ein Obstkorb?
181) Was kann eine Menschenzentrierte Fabrik befeuern?
Nein, ist es nicht.
New Work ist ein modernes, menschenzentriertes Arbeitskonzept. Ziel ist die Gestaltung von Arbeitssystemen, die Autonomie, Sinn, Zusammenarbeit und Partizipation ermöglichen. Schöne Büromöbel und Obstkorb können Wohlbefinden von Mitarbeitern unterstützen, sind aber nicht der eigentliche Inhalt von New Work.
New Work = bedeutet die systematische Gestaltung von Arbeit, damit Menschen autonom, sinnvoll und gut zusammenarbeiten können.
= menschenzentrierte Gestaltung von Arbeitssystemen zur Förderung von Selbstbestimmung, Sinn und Zusammenarbeit.
Merken: New Work ist Kultur und Arbeitsorganisation – nicht Büroeinrichtung.
181) Was kann eine menschenzentrierte Fabrik befeuern?
Eine menschenzentrierte Fabrik fördert:
1. Höhere Innovationsfähigkeit durch psychologische Sicherheit und Zusammenarbeit.
2. Höhere Mitarbeitermotivation durch Autonomie/ Sinn/ soziale Zugehörigkeit.
3. Höhere Produktivität durch ergonomische und neuroarchitektonische Arbeitsumgebungen.
4. Zukunftsfähigkeit durch das Zusammenspiel von Mensch/ Raum/ Organisation/ Technologie.
Menschenzentrierte Fabrik = Fabrik, in der Technik, Organisation und Arbeitsumgebung konsequent an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet werden.
Merken: Menschenzentrierte Fabriken steigern Innovation, Motivation, Produktivität und Zukunftsfähigkeit.
Digitale Frabrik & New Work - Fragen & Antworten aus Quiz
Warum ist der Digitale Zwilling für die Layoutoptimierung besonders wertvoll?
Warum betrachten moderne Fabrikplaner Arbeitsräume als strategisches Produktionsmittel und nicht nur als Kostenfaktor?
Was besagt das ökonomische Argument bezüglich der Personalkosten (80–90 %) für die Investition in New-Work-Konzepte?
Definieren Sie das Konzept der „Psychologischen Sicherheit“ nach Amy Edmondson und deren räumliche Unterstützung.
Welche drei funktionalen Bereiche müssen in einer vollständigen Fabrikplanung gleichwertig berücksichtigt werden?
Er ermöglicht die virtuelle Neugestaltung von Hallenstrukturen und Materialflüssen, ohne den laufenden Betrieb unterbrechen zu müssen. Durch Simulationen können verschiedene Szenarien bewertet werden, sodass Entscheidungen auf geprüften Prognosen statt auf bloßen Annahmen basieren.
Die Gestaltung der Arbeitsumgebung beeinflusst unmittelbar die Produktivität, Innovationsfähigkeit und Mitarbeiterbindung der Organisation. In einer Wissensgesellschaft wird Raum – neben der Technologie – zum wichtigsten Werkzeug, um menschliche Leistungsfähigkeit zu ermöglichen.
Da Personalkosten den größten Teil (80–90 %) der Gesamtkosten ausmachen, ist eine Produktivitätssteigerung von nur 1–2 % durch bessere Arbeitsbedingungen wirtschaftlich rentabler als jede reine Gebäude- oder Energieoptimierung. Investitionen in New Work wirken somit als Hebel für die Gesamtrendite.
Psychologische Sicherheit beschreibt eine Teamkultur, in der Fehler offen kommuniziert, Ideen frei geäußert und Kritik ohne Angst möglich ist. Räumlich wird dies durch transparente Architekturen, sichtbare Projektflächen und hierarchiefreie Meeting-Räume gefördert.
Eine ganzheitliche Planung muss die Produktion (Fertigungsprozesse), die Logistik (Materialflüsse) und die Administration (Steuerung, Entwicklung, Qualität) als integriertes System begreifen. Nur durch die Gleichwertigkeit dieser Bereiche bleibt ein Standort langfristig anpassungs- und nutzungsfähig.
Was unterscheidet eine digitale Fabrik von einer rein softwarebasierten Einzellösung?
Erläutern Sie das Prinzip „Garbage in → Garbage out“ im Kontext der physischen Ebene der Fabrik.
Welche primären Ziele verfolgt die Operational Technology (OT) im Gegensatz zur Information Technology (IT)?
Wie ergänzen sich ERP- und MES-Systeme in der Produktionssteuerung?
Worin liegt der entscheidende funktionale Unterschied zwischen einem Digitalen Schatten und einem Digitalen Zwilling?
Die Digitale Fabrik ist kein isoliertes Programm, sondern ein integriertes System vernetzter Komponenten, das den gesamten Lebenszyklus von der Planung bis zum Betrieb abbildet. Sie verbindet physische Prozesse, Datenströme und Entscheidungslogik, um eine durchgängige Informationsversorgung über alle Ebenen sicherzustellen.
Erläutern Sie das Prinzip „Garbage in → Garbage out“ im Kontext der physischen Ebene der Fabrik?
Fehlerhafte oder unvollständige Prozesse auf der physischen Ebene (Maschinen, Logistik) führen zwangsläufig zu unbrauchbaren Daten in den übergeordneten Systemen. Da die physische Welt das Fundament bildet, hängen die Verlässlichkeit und der Wert aller digitalen Analysen direkt von der Qualität der Basisdaten ab.
Die Priorität der OT liegt auf Echtzeitfähigkeit, Stabilität und Prozesssicherheit direkt an den Maschinen, oft in Zyklen von Millisekunden. Die IT hingegen konzentriert sich auf die Datenverarbeitung, Analyse und strategische Entscheidungsfindung in deutlich längeren Zeitintervallen.
Das ERP übernimmt die langfristige strategische Planung (Wochen/Monate) von Ressourcen und Finanzen, kennt aber oft nicht die detaillierte Realität des Betriebs. Das MES fungiert als operatives Herz, das diese Pläne in Echtzeit-Fertigungsaufträge übersetzt und Ist-Daten zur kontinuierlichen Plananpassung an das ERP zurückmeldet.
Ein Digitaler Schatten ist ein passives Abbild, das lediglich beschreibt, was in der Vergangenheit passiert ist. Im Gegensatz dazu ist der Digitale Zwilling ein aktives, bidirektional gekoppeltes Modell, das in der Lage ist, zukünftige Szenarien zu prognostizieren und aktiv zu steuern.
Life Science
182) Was ist das Besondere an der Life Science Industrie in Bezug auf Gebäude?
183) Was ist die Logik hinter GMP?
184) Wie ist der grobe Ablauf von ANNEX 15, erläutere ein Qualification Gate etwas?
In der Life-Science-Industrie ist das Gebäude selbst Teil des Qualitätssystems. Produktqualität entsteht nicht nur im Produktionsprozess, sondern im Zusammenspiel von Gebäude, Reinraum, Anlagen, Personal und Prozessen. Fehler am Gebäude (z. B. falsche Luftführung) können unmittelbar zur Kontamination des Produkts führen.
Gebäude = Teil des GMP-Qualitätssystems.
GMP verfolgt ein Ziel: Das Produkt darf niemals kontaminiert, verwechselt oder qualitativ beeinträchtigt werden.
Daraus ergeben sich 3 Grundprinzipien:
1) Kontamination verhindern
2) Rückverfolgbarkeit (Traceability)
3) Validierung aller Prozesse
Reihenfolge: URS -> DQ -> IQ -> OQ -> PQ -> 5 Stufen: URS + D-I-O-P - Qualifications
Qualification Gate = Ein Qualification Gate ist jeweils der Nachweis, dass die Anforderungen der vorherigen Stufe erfüllt wurden, bevor zur nächsten Qualifizierungsstufe übergegangen wird.
185) Ein Reinraum hat viele Anforderungen, nenne eine Schlüsselkomponente?
186) Welche Reinraumklassen kennst du, - einmal mit Buchstaben und einmal mit Zahlen? (GMP vs. ISO)
187) Wie unterscheidet sich die Luftwechselrate von einem Büro zu einem Reinraum ISO 7?
HEPA-Filter = entfernen feinste Partikel aus der Luft und ermöglichen sterile Bedingungen.
GMP: Grade A/B/C/D
ISO: ISO 5/ SO 7/ ISO 8
Zusammenhang
Grade A ≈ ISO 5
Grade B ≈ ISO 5 (Hintergrund)
Grade C ≈ ISO 7
Grade D ≈ ISO 8
Büro: ca. 2–4 Luftwechsel/h
ISO 7: ca. 30–60 Luftwechsel/h
→ deutlich höher, um Partikel kontinuierlich zu entfernen
188) Warum ist die TGA von Reinräumen so teuer? Und wie wirkt sich das auf die Gesamtkosten einer Life Science Fabrik aus? Welche Verschiebungen gibt es hier in der Kostenstruktur bspw. zu unsere Planspielfabrik für Verpackungsfolien?
Die TGA von Reinräumen ist so teuer, weil Reinräume sehr hohe technische Anforderungen haben. Es werden große Luftmengen mit hohen Luftwechselraten benötigt. Die Luft muss mehrfach gefiltert, temperiert sowie be- oder entfeuchtet werden. Außerdem müssen die Systeme qualifiziert und validiert werden. Dadurch sind sowohl die Investitionskosten als auch der Energieverbrauch sehr hoch.
In einer Life-Science-Fabrik entfallen deshalb etwa 40–60 % der Investitionskosten auf HVAC und Utilities.
Im Vergleich zu unserer Verpackungsfolienfabrik verschiebt sich der größte Investitionsblock von den Produktionsanlagen (KGR 600) zur technischen Gebäudeausrüstung (KGR 400).
HVAC/TGA ist teuer, weil
- sehr hohe Luftwechselraten erforderlich sind
- Luft mehrfach gefiltert, temperiert und befeuchtet wird
- Redundanz vorgeschrieben ist
- umfangreiche Qualifizierung und Validierung erforderlich sind.
Noch wichtiger: HVAC benötigt - 50–70 % des Energieverbrauchs und verursacht den größten Kostenblock.
"...wie wirkt sich das auf die Gesamtkosten einer Life-Science-Fabrik aus?"
Die Kosten verschieben sich deutlich. In Industrie größter Energievebrwuch in Produktion & Logistik & meiste Kosten beim Personal. In Life Sciience liegen die größten Energieverbauche (50-70%) und Kosten (40-60%) bei den HVAC & Utilities. -> HVAC = RTLA = Raumlufttechnische Abnlage
Zahlen: Gebäude 15–25 % / Produktionsanlagen 20–30 % / HVAC + Utilities 40–60 %.
Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) ist bei Reinräumen besonders teuer, weil dort die Umgebungsbedingungen permanent exakt eingehalten werden müssen.
Dazu gehören:
hochleistungsfähige Lüftungs- und Klimaanlagen
HEPA-/ULPA-Filtersysteme
definierte Luftwechselraten
Druckstufenkonzepte
Temperatur- und Feuchteregelung
Reinmedien (Reinstwasser, Reindampf, Druckluft)
kontinuierliche Überwachung und Validierung
aufwendige Mess-, Regel- und Sicherheitstechnik
Diese Systeme laufen häufig 24 Stunden am Tag und verursachen hohe Investitions- und Betriebskosten.
Bei unserer Verpackungsfolienfabrik lagen die größten Investitionen in der KGR 600 (Ausstattung & Kunstwerke = Anlagen), also bei den Produktionsmaschinen (Extrusion, Druck, Kaschierung usw.). Die TGA spielte zwar eine wichtige Rolle, machte aber einen deutlich kleineren Anteil aus.
Bei einer Life-Science-Fabrik verschiebt sich die Kostenstruktur:
KGR 400 (TGA) steigt deutlich an.
Reinräume und technische Versorgung werden zu einem der größten Kostenblöcke.
Auch die Kosten für Baukostruktion (KGR 300) steigen häufig, weil Reinraumwände, Schleusen und spezielle Oberflächen erforderlich sind.
Der Anteil der Maschinen (KGR 600) ist zwar weiterhin hoch, relativ gesehen aber oft kleiner als in einer klassischen Verpackungsfolienfabrik.
TGA (Technische Gebäudeausrüstung) = alle technischen Versorgungssysteme eines Gebäudes, z. B. Lüftung, Klima, Reinluft, Wasser, Dampf, Gase und Gebäudeautomation.
189) Nenne bitte zwei typische Layouts in der Life Science Industry?
Beispielsweise:
Lineares Layout: Materialfluss folgt Prozessfolge/ einfach/ GMP-konform/ wenig flexibel
Ballroom: großer Reinraum / mehrere Linien/ hohe Flexibilität/ höheres Kontaminationsrisiko
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