Was ist die Colitis ulcerosa?
Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit kontinuierlicher Ausbreitung von distal nach proximal, die vom Rektum ausgeht und primär Kolon und Rektum betrifft.
Welche Darmabschnitte sind bei Colitis ulcerosa betroffen?
Rektum und Kolon.
Wie breitet sich die Entzündung bei Colitis ulcerosa aus?
Kontinuierlich vom Rektum nach proximal.
Welcher Darmabschnitt ist bei Colitis ulcerosa fast immer betroffen?
Das Rektum.
Welche Wandschichten sind bei Colitis ulcerosa entzündet?
Mukosa und teilweise Submukosa.
Wie unterscheidet sich die Entzündungstiefe von Morbus Crohn?
Colitis ulcerosa betrifft nur Mukosa/Submukosa,
Morbus Crohn ist transmural.
In welchem Alter tritt Colitis ulcerosa am häufigsten auf?
Zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.
Welches Geschlecht ist etwas häufiger betroffen?
Frauen.
Wie verändert Rauchen das Risiko für Colitis ulcerosa?
Rauchen senkt das Erkrankungsrisiko.
Wie stark ist das Risiko bei erstgradig Verwandten erhöht?
Etwa 15-fach erhöht.
Ist die Ursache der Colitis ulcerosa bekannt?
Nein, sie ist weitgehend ungeklärt.
Welche Faktoren spielen wahrscheinlich eine Rolle bei der Entstehung?
törung der Immunregulation und genetische Disposition.
Welche Struktur des Kolons ist besonders von der Entzündung betroffen?
Die Kolonkrypten.
Wie häufig bleibt die Erkrankung auf Rektum und Sigma beschränkt?
In etwa 50 % der Fälle.
Wie häufig reicht die Entzündung bis zur linken Kolonflexur?
In etwa 25 % der Fälle.
Wie häufig ist das gesamte Kolon betroffen?
Was versteht man unter einer Backwash-Ileitis?
Einen seltenen Befall des terminalen Ileums bei ausgedehnter Colitis ulcerosa.
Wie wird eine auf das Rektum beschränkte Colitis ulcerosa genannt?
Proktitis.
Wie wird eine Colitis ulcerosa bis zur linken Flexur genannt?
Linksseitenkolitis.
Wie wird ein Befall über die linke Flexur hinaus bezeichnet?
Ausgedehnte Colitis.
Was ist das Leitsymptom der Colitis ulcerosa?
Blutig-schleimige Diarrhö.
Wie häufig können Stuhlgänge auftreten?
Bis zu 20-mal täglich.
Zu welchem Zeitpunkt treten die Durchfälle meistens aus?
nachts
Welche Schmerzen sind typisch?
Krampfartige Bauchschmerzen und Tenesmen.
Welche Allgemeinsymptome treten häufig auf?
Müdigkeit,
Appetitlosigkeit und
Gewichtsverlust.
Wo beginnt die Erkrankung typischerweise?
Im distalen Rektum.
Welche Gelenkerkrankungen treten bei Colitis ulcerosa auf?
Arthritis und ankylosierende Spondylitis.
Welche Leber- und Gallenerkrankung ist klassisch assoziiert?
Primär sklerosierende Cholangitis (PSC).
Welche Hautmanifestationen können auftreten?
Erythema nodosum und Pyoderma gangraenosum.
Welche Augenmanifestationen sind möglich?
Iritis,
Uveitis und
Episkleritis.
Welche extraintestinale Manifestation ist bei Colitis ulcerosa häufiger als bei Morbus Crohn?
Primär sklerosierende Cholangitis.
Was ist die wichtigste akute Komplikation der Colitis ulcerosa?
Das toxische Megakolon.
Was versteht man unter einem toxischen Megakolon?
Eine massive Kolondilatation mit sekundär paralytischem Ileus.
Warum ist das toxische Megakolon lebensbedrohlich?
Wegen der Gefahr einer Darmperforation und septischen Peritonitis.
Welche weiteren intestinalen Komplikationen können auftreten?
Darmblutungen,
Darmstenosen und
Ileus.
Welche infektiösen Kolitiden treten bei Colitis ulcerosa gehäuft auf?
Infektionen mit Clostridioides difficile und Cytomegalievirus.
Wovon hängt das Karzinomrisiko bei Colitis ulcerosa ab?
Von Lokalisation, Dauer und Schweregrad der Erkrankung.
Wie hoch ist das Karzinomrisiko nach 10 Jahren ausgedehnter Colitis?
Etwa 2 %.
Wie hoch ist das Karzinomrisiko nach 20 Jahren?
Etwa 9 %.
Wie hoch ist das Karzinomrisiko nach 30 Jahren?
Etwa 30 %.
Welche Begleiterkrankung erhöht das Kolonkarzinomrisiko zusätzlich?
Welche Untersuchung ist die diagnostische Methode der Wahl?
Ileokoloskopie mit Stufenbiopsien.
Warum muss immer auch das terminale Ileum untersucht werden?
Zum Nachweis oder Ausschluss einer Backwash-Ileitis.
Welche körperlichen Untersuchungen sollten nicht vergessen werden?
Orale und perianale Inspektion.
Welche Entzündungsparameter sind häufig erhöht?
CRP,
BSG und
Leukozyten.
Welche Blutbildveränderung findet sich häufig?
Anämie.
Welche Stuhluntersuchung sollte immer durchgeführt werden?
Bakteriologische Stuhldiagnostik zum Ausschluss infektiöser Ursachen.
Welche Stuhlmarker eignen sich zur Aktivitätsbeurteilung?
Calprotectin und Lactoferrin.
Wofür eignet sich Calprotectin besonders?
Zur Abgrenzung von Reizdarmsyndrom und zur Verlaufskontrolle.
Wie sieht die Schleimhaut bei Colitis ulcerosa typischerweise aus?
Hyperämisch,
ödematös und
leicht blutend.
Wie ist die Gefäßzeichnung endoskopisch verändert?
Sie ist aufgehoben.
Welche Art von Ulzera findet man?
Unscharf begrenzte Ulzera.
Was sind Pseudopolypen?
Inseln erhaltener Schleimhaut zwischen atrophischen Bereichen.
Gibt es Skip-Läsionen bei Colitis ulcerosa?
Nein.
Welche sonografischen Befunde sprechen für Colitis ulcerosa?
Homogene Darmwandverdickung,
Lumeneinengung,
echoarme Darmwand und
vermehrte Gefäßzeichnung.
Wie nennt man das typische Spätstadium im Kolonkontrasteinlauf?
Fahrradschlauch-Kolon.
Wodurch entsteht das Fahrradschlauch-Kolon?
Durch Verlust der Haustrierung.
Was sind die histologischen Leitbefunde der Colitis ulcerosa?
Kryptitis und Kryptenabszesse.
Was ist ein Kryptenabszess?
Eine Ansammlung von Granulozyten und Zelldetritus im Kryptenlumen.
Welche Zellart nimmt im Verlauf ab?
Becherzellen.
Welche Veränderungen nehmen im Langzeitverlauf zu?
Schleimhautatrophie und Epitheldysplasien.
Warum sind Kolonstenosen bei Colitis ulcerosa besonders verdächtig?
Weil sie als malignitätsverdächtig gelten.
Welche chronisch-entzündliche Darmerkrankung muss vor allem abgegrenzt werden?
Morbus Crohn.
Welche Befunde sprechen eher für Morbus Crohn?
Skip-Läsionen,
Pflastersteinrelief,
Fisteln und
Granulome.
Welche Befunde sprechen eher für Colitis ulcerosa?
Kontinuierlicher Befall,
Rektumbeteiligung,
Pseudopolypen und
Kryptenabszesse.
Welche infektiösen Ursachen müssen ausgeschlossen werden?
Clostridien,
Shigellen,
Campylobacter und
Salmonellen.
Was sind die beiden Hauptziele der Therapie?
Remissionsinduktion und langfristige steroidfreie Remissionserhaltung.
Wie sollte die Ernährung im akuten Schub erfolgen?
Ballaststoffarme Flüssig- oder Sondennahrung, ggf. vorübergehend parenterale Ernährung.
Welche Mangelzustände sollten ausgeglichen werden?
Vitamin-, Mineralstoff- und Eisenmangel.
Welche Maßnahmen helfen bei Gelenkbeschwerden?
Physikalische Therapie.
Welche psychologische Maßnahme wird empfohlen?
Stressreduktion.
Welche Medikamentengruppen werden bei Colitis ulcerosa eingesetzt?
Glukokortikoide,
5-ASA, Immunsuppressiva,
Biologika,
JAK-Inhibitoren sowie
IL-12/23-Inhibitoren.
Welcher Wirkstoff ist die Standardtherapie zur Remissionserhaltung?
Mesalazin (5-ASA).
Welche Applikationsform wird bei Proktitis bevorzugt?
Lokale Anwendung als Klysma oder Suppositorium.
Welche Alternative besteht bei Mesalazin-Unverträglichkeit?
E.-coli-Stamm Nissle.
Dürfen Kortikosteroide zur Remissionserhaltung eingesetzt werden?
Welche Infektionen müssen vor immunsuppressiver Therapie ausgeschlossen werden?
Hepatitis B,
Tuberkulose und
EBV.
Welche elektiven Operationsindikationen bestehen?
Jahrelang frustrane konservative Therapie, Kinder/Jugendliche und Karzinomprävention.
Welche Notfallindikationen zur OP bestehen?
Toxisches Megakolon,
Perforation und
massive Blutungen.
Welches Operationsverfahren ist Standard?
Proktokolektomie mit ileoanaler Pouchanastomose.
Welchen Zweck hat der ileoanale Pouch?
Kontinenzerhaltung.
Ist Colitis ulcerosa durch eine Proktokolektomie heilbar?
Ja.
Wie verläuft die Erkrankung meist?
Schubförmig.
Welche seltene Verlaufsform gibt es?
Akut-fulminanter Verlauf.
Wie präsentiert sich ein akut-fulminanter Verlauf?
Choleraähnliche Durchfälle, hohes Fieber und Schock.
Wie ist die Mortalität der Colitis ulcerosa?
Relativ gering.
Wie ist die psychosoziale Belastung der Patienten?
Oft sehr hoch.
Welchen Einfluss hat eine Langzeittherapie mit Mesalazin auf das Kolonkarzinomrisiko?
Sie senkt das Risiko um bis zu 75 %.
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