Natürlicher Wasserrückhalt - vorbeugender Hochwasserschutz
3 Punkte
• Ein wesentlicher Aspekt des vorbeugenden Hochwasserschutzes besteht darin,
Hochwasser dort zurückzuhalten, wo sie entstehen (WHG § 31)
• Rückhalt kann primär in der Fläche – im Boden und Bewuchs – stattfinden
und damit den Oberflächenabfluss maßgeblich reduzieren.
• Hier lässt sich hauptsächlich durch standortgerechte Land- und
Forstwirtschaft die Speicherkapazität für Wasser erhöhen:
• Aufforstung mit stabilen Mischwäldern
• Maschineneinsatz mit geringer Bodenverdichtung
• extensive Grünlandnutzung
• Flächenstilllegung
Natürlicher Wasserrückhalt
• Auch Flächenentsiegelung oder Regenwasserversickerung
• Auch Flächenentsiegelung oder Regenwasserversickerung können bei
kleinen Einzugsgebieten mit einem hohen Versiegelungsgrad den
Hochwasserscheitel zu einem kleinen Teil kappen
• Darüber hinaus kann durch natürlichen Rückhalt im Gewässerquerschnitt
oder in den angrenzenden Auwäldern und Überschwemmungsgebieten ein
Teil des Wassers zurückgehalten und der Ablauf einer Hochwasserwelle
verzögert werden
• Dies führt in aller Regel zu einer Dämpfung des Hochwasserscheitels und zu
einer verlängerten Reaktionszeit für die Unterlieger
Deichrückverlegung
Früher:
• In Deutschland wurde in den vergangenen zwei Jahrhunderten ein großer Teil
der Fließgewässer begradigt und eingedeicht:
• zur Gewinnung von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen
• für Schifffahrt und
• zum Hochwasserschutz
• Dabei wurde oftmals nur ein Schutz vor Ort erreicht, die Unterlieger hatten in
Folge noch höhere Abflüsse hinzunehmen
• So haben sich zum Beispiel die Laufzeiten einer Hochwasserwelle an der
Donau zwischen Ingolstadt und Regensburg von 24 Stunden im 19. Jhd. auf
heute 12 Stunden verkürzt
Heute:
Hochwasserschutz – Wo befinden wir uns?
Kapitel 6: Technische Maßnahmen
• Staustufen
• Hochwasserrückhaltebecken
• Flutpolder
• Steigerung der Abflussleistung
• Wildbachverbau
• Gerinneentlastung
• Hochwasserschutzdeiche
• Feststehende Hochwasserschutzwände
• Mobile Hochwasserschutzkonstruktionen
• Notmaßnahmen und Deichverteidigung
Hochwasserschutzlinie
• Bestimmung von
Ausbauwasserstand/-ständen
bis zu dem Hochwasserschutz
gewährleistet sein soll
(Bemessungsfall)
Festlegung des Verlaufs der
• Oft sind mehrere Schutzlinien
mit unterschiedlichen
Ausbauwasserständen
hintereinander gestaffelt
angeordnet
Staustufen
• Hochwasserschutz in der Regel nicht das primäre Ziel
• Funktionsprinzip: Aufstauung von Fließgewässern, z.B. durch Wehre oder
Schleusen, um den Wasserstand zu regulieren
• Ziel im Hochwasserschutz: Rückhaltung oder kontrollierte Abgabe von
Wasserabflüssen
• Abwägung: Nutzung oft multifunktional (Energiegewinnung, Schifffahrt), aber
auch Eingriffe in die Gewässerökologie
Hochwasserrückhaltebecken
• Hochwasserschutz als primäres Ziel
• Funktionsprinzip: Speziell angelegte oder natürliche Becken, die bei
Hochwasser geflutet werden können Absenkung der Hochwasserscheitel,
Entlastung nachgelagerter Gebiete
• Typische Umsetzung: Dauerstaubecken (mit konstantem Wasserspiegel) oder
Trockenbecken (nur bei Hochwasserereignissen gefüllt)
Flutpolder
• Prinzip: Gezielte Flutung ausgewiesener Flächen (landwirtschaftliche Gebiete
oder naturnahe Bereiche)
• Vorteil: Entlastung von Flusstälern und urbanen Gebieten durch kontrolliertes
Verteilen des Wassers
• Herausforderung: Landnutzungskonflikte, Akzeptanz bei Bevölkerung und
Landnutzern
Steigerung der Abflussleistung
• Maßnahmen: Flussverbau, Begradigungen, Vertiefung oder Verbreiterung von
Flussbetten, Beseitigung von Hindernissen
• Ziel: Beschleunigen oder Erhöhen der Wasserdurchflusskapazität, um
Hochwasser schneller abzuleiten.
• Kritik: Eingriffe in Umwelt und Gewässerökosysteme, mögliche Verlagerung von
Hochwasserscheiteln flussabwärts.
Wildbachverbau
• Besonderheit: Maßnahmen in Gebirgs- und Mittelgebirgsregionen mit stark
schwankenden Abflüssen und Geschiebefrachten
• Beispiele: Geschiebesammler, Verbauungen und Stützbauwerke in Bachläufen
• Relevanz: Schutz vor Murenabgängen, Verblockungen und plötzlichen
Flutwellen in steilem Gelände.
Gerinneentlastung
• Typische Maßnahmen: Umflutgerinne, Entlastungsgerinne, Seitengerinne,
Hochwasserentlastungsanlagen
• Zweck: Umgehung kritischer Engstellen, Redundanz im Abflusssystem schaffen
• Effekt: Verteilung des Wassers auf mehrere Fließwege, Vermeidung von
Engpass-Szenarien (z.B. Brücken, Engtäler)
Hochwasserschutzdeiche
• Funktion: Schutz von tiefergelegenen Siedlungs- und Nutzflächen durch
Abgrenzung des Flusses
• Bauweise: Erdbauwerke mit definierten Schichtaufbauten (z. B. Kernzone aus
bindigem Material, Schutzschicht aus einem weniger durchlässigen Material; –
Außenflächen werden oft begrünt, sowohl zur Stabilisierung als auch zum
Schutz vor Oberflächenabfluss und Erosion
• Wartung/Überwachung: Regelmäßige Inspektionen wichtig, um Schäden
(Erosion, Setzungen, Tierbauten, Wurzelschäden) frühzeitig zu erkennen;
Dichtheit und Stabilität (Sickerlinien, Böschungsrutsche) müssen regelmäßig
überprüft werden.
Feststehende Hochwasserschutzwände
• Permanent installierte Mauern entlang von Gewässern
• Vorteile: Guter Schutz bei beengten räumlichen Verhältnissen (z.B. in Städten)
• Nachteile: Hohe Baukosten, starre Strukturen, ästhetische und
landschaftsplanerische Auswirkungen
Mobile Hochwasserschutzkonstruktionen
• Beispiele: Dammbalkensysteme, mobile Stahlwände, Schlauchsysteme
• Nutzen: Flexibler Einsatz je nach Bedarf, rückbaubar im Normalfall (Freihalten
der Flusslandschaft)
• Herausforderungen: Reaktionszeit, Lagerung und Logistik, Personal und
Technik für kurzfristigen Aufbau
Technische Maßnahmen – Einführung
Notmaßnahmen und Deichverteidigung
Temporäre (z.B. Sandsäcke) Lösungen bei drohendem oder akutem
Hochwasser
• Strategie: Verstärkung oder Erhöhung bestehender Schutzlinien, Abdichtung
von Durchsickerungen, Notfallpläne
• Bedeutung: Letzte Barriere im Katastrophenfall, erfordert gute Einsatzplanung und Koordination.
• Technischer Hochwasserschutz setzt auf verschiedene Maßnahmen, die je nach
Region, Gewässertyp und Schutzbedarf ausgewählt und kombiniert werden
• Die Maßnahmen müssen in ein integriertes Hochwasserschutzkonzept
eingebettet sein, das ebenfalls vor- und nachgelagerte Gebiete sowie
ökologische Aspekte berücksichtigt
• Neben technischer Infrastruktur ist das Risikobewusstsein der Bevölkerung, die
Raumordnung sowie eine enge Zusammenarbeit (Behörden, Bevölkerung,
Landwirtschaft etc.) ein entscheidender Faktor für einen erfolgreichen
Hochwasserschutz
Notwendigkeit von Staustufen
• Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes muss die Sicherheit
und Leichtigkeit der Schifffahrt gewährleisten.
• Als Wasserstraßen genutzte Flüsse müssen eine Mindestwassertiefe haben, die
sie natürlicherweise oftmals und über weite Strecken nicht aufweisen,
insbesondere dort, wo der natürliche Fluss begradigt (rektifiziert) wurde.
• Die Mindestwassertiefe wird natürlich vor allem bei niedrigen Abflüssen
unterschritten, womit die Schifffahrt besonders in trockenen Jahreszeiten zum
Erliegen kommt
Funktionsweise der Stauregelung
• Bei der Stauregelung wird die erforderliche Mindestwassertiefe hM durch den
Einbau von Staustufen in den Fluss gewährleistet
• Deren Kernbaustein ist ein geregeltes oder ungeregeltes überströmtes Wehr,
welches durch seine Kronenhöhe eine Mindestwassertiefe stromauf des
Bauwerks garantiert
• Der Wasserspiegel nach einer Stauregelung liegt fast überall oder zumindest in
den weitesten Teilen über der Geländeoberkante
• Daher wird ein Stauhaltungsdamm erforderlich, der das umliegende Land vor
der Überschwemmung durch den nun aufgestauten Fluss schützt
Bewertung
• Durch Staustufen geregelte Fluss: Entwicklung vom natürlichen Gewässer zu
vollständig technisierten Transportweg
• Durchgängigkeit ist für viele Fischarten eingeschränkt bzw. nicht gegeben. Auch
wenn Fischtreppen den Aufstieg ermöglichen sollen, ist deren Wirksamkeit
begrenzt, hier gibt es nur wenig verlässliche Untersuchungen.
• Die Durchlässigkeit für Geschiebe ist ebenfalls beeinträchtigt Es sammelt sich
in den Stauhaltungen an und muss dort mittel- oder langfristig auch wieder
entnommen werden.
• Wird es dann an Land verbracht, dann fehlt es im Unterlauf, wo es zu
Eintiefungen kommt.
Verfolgt man diese Kette bis zur Küste, dann fehlen diese Sedimente letztendlich
auch dort. Das weltweit beobachtbare Zurückgehen der Strände wird daher auf
den Ausbau der Flüsse mit Reservoiren und Staustufen in den Ober- und
Mittelläufen der Flüsse verbunden.
• In den Bereichen der Stauhaltung, in denen der Wasserspiegel über der
Geländeoberkante liegt, muss der aufgestaute Fluss gegenüber dem Umland
abgedichtet werden, da er sonst dieses überschwemmen würde.
• Hierdurch wird aber nicht nur das Umland vor dem viel zu hoch liegenden Fluss
geschützt, sondern auch der natürliche Weg der Niederschläge über das
Grundwasser in den Fluss abgetrennt.
• Eine staugeregelte Landschaft ist also nicht mehr in der Lage, sich selbständig
zu entwässern künstliches Binnenentwässerungssystem notwendig
Hauptzweck: Stauanlagen zur Rückhaltung von Hochwasser oder Dämpfung
von Abflussspitzen
• Weitere Anwendungen: Trinkwassertalsperren oder Stauwerke zur
Energiegewinnung können als Rückhaltebecken eingesetzt werden, wenn ein
genügender Rückhalteraum für den Hochwasserschutz freigehalten wird oder
durch eine rechtzeitige Vorabsenkung ein solcher entsteht.
• Steuerung der Abflüsse: Je nach Ausbildung des Absperrbauwerks lassen sich
die Abflüsse mehr oder weniger genau steuern, bis hin zum
computergesteuerten beweglichen Wehr oder Grundablass.
Hochwasserrückhaltebecken - Teil 2
Hochwasserrückhaltebecken - Teil 3
• Hauptzweck ist die Rückhaltung von Hochwasser oder das Dämpfen von
Abflussspitzen.
• Je größer das verfügbare Speichervolumen, desto stärker lassen sich
Hochwasserspitzen abmildern.
• Steuerbarkeit: Von simplen Ablässen bis hin zu computergesteuerten Wehren
oder Grundablässen ist eine zielgerichtete Abflussfreigabe möglich.
• Mehrfachnutzung: Trinkwassergewinnung oder Energieerzeugung sind möglich,
sofern genügend Stauraum für den Hochwasserschutz freigehalten werden kann
oder durch Vorabsenkung geschaffen wird.
Auswirkungen auf das Flusssystem: Es findet eine Veränderung der
Fließdynamik statt, die auch die Durchgängigkeit für Fische und den
Geschiebetransport beeinflussen kann.
• Notwendige Infrastruktur: Zur Sicherung des umliegenden Landes können
Deiche, Dämme oder Abdichtungen erforderlich sein; ein künstliches
Entwässerungssystem kann nötig werden, falls der natürliche Abfluss
beeinträchtigt ist.
• Einbindung in Gesamtkonzept: Die Wirksamkeit hängt stark von einem
übergreifenden Hochwasserschutzmanagement und verlässlichen
Hochwasserprognosen ab.
Hochwasserrückhaltebecken werden meistens im Oberlauf von Gewässern
gebaut
• Im Mittellauf ist es sinnvoll, Flutpolder als Hochwasserrückhalteräume zu
konzipieren
• Diese sind im Prinzip Stauanlagen im Nebenschluss, das heißt es werden
Stauräume geschaffen oder reaktiviert, die neben dem Gewässer liegen und im
Hochwasserfall geflutet werden
• Nach Ablauf des Hochwassers werden sie wieder entleert
• Das Funktionsprinzip der Flutpolder ist somit ein Rückhalt des Wassers in der
Fläche Da sie erst durch technische Maßnahmen zu realisieren sind, werden
sie zu den technischen Hochwasserschutzmaßnahmen gezählt.
Aufbau und Wirkungsweise eines Flutpolders
Wesentlichen Bestandteile eines Polders:
• Rückhalteraum,
• Ein- und Auslassbauwerke
• Deich
• Im Vergleich zu Hochwasserrückhaltebecken, die als Talsperren im
Hauptschluss angeordnet sind, beeinflussen Flutpolder kaum das
ökologische Gleichgewicht eines Gewässers.
• Das natürliche Gerinnebett und Wasserstandsschwankungen bleiben erhalten,
der Feststoff- und Sedimenttransport wird nicht unterbrochen, die
Durchgängigkeit für Fische und Kleinstlebewesen wird nicht durch
Absperrbauwerke behindert.
• Der Polderraum selbst kann ökologisch wertvoll gestaltet werden.
• So sollte der Flutpolder stets durchströmt werden. Eine Vernetzung von
Gewässer und Aue einschließlich der sonstigen Gewässer im Polderbereich
sollte vorhanden sein.
Flutpolder Teil 2
• Darüber hinaus können ökologische Überflutungen eine Artenvielfalt erhalten
oder neu entwickeln lassen.
• Eine erosionshemmende Bepflanzung verhindert den Feststoffaustrag und
bietet zusätzlichen Lebensraum für Tiere und Kleinstlebewesen.
• Werden beim Bau eines Flutpolders neben den hochwassertechnisch
notwendigen Aspekten zusätzlich die Belange der Ökologie mit berücksichtigt,
entsprechen diese nahezu einer Wiederherstellung von natürlichen
Überflutungsflächen.
• Eine Steigerung der Abflussleistung eines Gewässers kann sowohl durch eine
Aufweitung oder eine Glättung der Gewässersohle, als auch durch die Beseitigung
lokaler Hindernisse erreicht werden.
• Ausbaggerungen wirken zwar nur lokal, sind aber relativ einfach durchzuführen.
• Eine Aufweitung ist aus Platzgründen meistens schwer realisierbar, es sei denn, es wird
städtebaulich oder landschaftsplanerisch ein Gesamtkonzept gefunden, das
Verkehrsflächen und Bebauung mit einbezieht.
• Eine Glättung durch Pflasterung und Betonierung von Sohle, Böschungen und
Seitenwänden sollte aus ökologischen Gründen vermieden werden.
• Oftmals sind lokale Abflusshindernisse im Gewässer und der damit verbundene
Aufstau nach Oberstrom oder Anlandungen und Auskolkungen die Ursache für Überschwemmungen.
• In vielen Fällen kann schon alleine die Beseitigung solcher Hindernisse wesentlich zur
Reduzierung der Hochwassergefahren beitragen.
• In den Alpen und in Mittelgebirgen verursachen Hochwasser in Wildbächen
oftmals enorme Schäden durch Geschiebe, Schwemmholz, Erosion und
Überschwemmungen.
• Ein typischer Wildbach ist gekennzeichnet durch:
• teilweise sehr starkes Gefälle,
• stark schwankende und kurzzeitig extrem hohe Abflüsse bei einem kleinen
Einzugsgebiet,
• zeitweise hohe Geschiebe- und Schwemmholzführung.
Wiederherstellung eines gesunden Bergmischwaldes
• Als langfristige Aufgaben gelten hier die Sanierung von Abbruchgebieten zu
Vermeidung von Abrutschungen und Murgängen und der Erhalt bzw. die
Wiederherstellung eines gesunden Bergmischwaldes.
• Bauliche Maßnahmen:
• Treibholzrechen und Seilsperren,
• Sohlrampen,
• Sohlriegel,
• Wildbachsperren
• Abstürze
• Die Abflussaufteilung kann entweder durch feste, mobile oder bewegliche
Wehre gesteuert werden.
• Bei einem festen Wehr bestimmen ausschließlich die Höhe der Wehrschwelle,
die Länge und Form der Wehrkrone sowie der Wasserstand die Menge des
abgeleiteten Wassers.
• Der Abfluss kann hier nicht gesteuert werden.
• Mobile Systeme, meistens in Form von Dammbalken aus Holz oder Aluminium,
die in vorbereitete Führungsschienen und Halterungen eingesetzt werden,
ermöglichen dagegen eine Steuerung des Abflusses, benötigen jedoch eine
Vorwarnzeit zum Einbau, genügend Personal und Lagerplatz.
Hochwasserschutzdeiche – Einführung
Deiche dienen zum Schutz vor Hochwassern und – an der Küste – vor
Sturmfluten
• Im Gegensatz zu Dämmen, die ein Gewässer dauerhaft aufstauen
(Stauhaltungsdämme bei Flusssperren), sind Deiche nur während eines
Hochwassers zeitweise eingestaut.
• Seedeiche sind darüber hinaus zusätzlichen Wellenbelastungen und dem
Wechsel der Tide ausgesetzt
• Deiche können als homogene Schüttkörper aus Erdbaustoffen erstellt werden
Hochwasserschutzdeiche – Bemessung
Nachträgliche Deicherhöhung
• Aufgrund der Forderung nach einem höheren Bemessungshochwasser müssen viele
Deiche erhöht werden.
• Dabei ist zu beachten, dass ältere Deiche oftmals nicht ausreichend verdichtet sind,
und sie deshalb vor einer Erhöhung dementsprechend saniert werden müssen.
• Ist ausreichend Platz vorhanden wird in der Regel die wasserseitige Böschung
erhalten und verlängert.
• Auf der Landseite wird der Stützkörper vergrößert und mit einem Fußfilter versehen
• Ist im alten Deichkörper ein Fußfilter vorhanden muss dieser rückgebaut werden oder
ohne Verbindung zum neuen Filter bleiben.
• Um das neu aufgebrachte Deichmaterial scherfest mit der alten Böschung zu
verbinden ist eine Abtreppung der Böschungslinie sinnvoll
Hochwasserschutzdeiche – Deicherhöhung
Deicherhöhung landseitig mit Abtreppung nach
Deichunterhaltung
• Die Instandhaltung und Pflege von Deichen sind wesentlich, um die
Funktionstüchtigkeit eines Deiches als Hochwasserschutzmaßnahme zu
erhalten.
• Die Unterhaltspflichtigen führen daher ein sogenanntes Deichbuch, in dem alle
wichtigen Deichdaten enthalten sind.
• Darüber hinaus sind sie zu einer jährlichen Kontrolle am Ende einer
Hochwasserperiode verpflichtet und zu einer sofortigen Behebung festgestellter
Schäden am Deich.
• Da eine intakte Grasnarbe wesentlich dazu beiträgt, Erosionen zu vermeiden, ist
auf deren Pflege und Erhalt ein besonderes Augenmerk zu richten.
Deichverteidigung
Ein wesentlicher Faktor der Deichbruchgefahr ist die Durchnässung des Bodens,
da die Festigkeit und damit Tragfähigkeit mit zunehmender Durchfeuchtungsdauer
abnimmt.
• Eine zusätzliche Belastung der meist aufgeweichten und abrutschenden
Böschungsbereiche muss unbedingt vermieden werden.
• Der Böschungsfuß kann in einem solchen Fall eventuell durch Vorschüttungen
gesichert werden.
• Ein Überströmen in ungesicherten Bereichen muss vermieden werden, da die
Durchfeuchtung der landseitigen Deichböschung innerhalb kürzester Zeit ein
Abrutschen derselben mit einem nachfolgenden Einsturz der Deichkrone zu Folge
haben kann.
• Deshalb ist hier eine Aufhöhung des Deiches z. B. durch Sandsäcke im Falle von
steigenden Wasserständen die wohl wichtigste Aufgabe der Deichverteidigung.
Vereinfachtes Schema zur Auswahl einer Hochwasserschutzkonstruktion
aus Platzgründen der Bau von Überflutungsflächen, Flutmulden oder Dämmen i.
d. R. nicht realisierbar.
• Lassen zudem kurze Vorwarnzeiten oder ein Mangel an genügend Hilfskräften
den Einsatz von mobilen Schutzsystemen nicht zu, ist der Bau von festen
Schutzwänden oftmals die einzige Möglichkeit einer Hochwasserschutz-
maßnahme.
• Auch zur Erhöhung von Dämmen können feste Wände eingesetzt werden.
• Bei der Planung solcher Hochwasserschutzwände müssen sowohl das Ortsbild,
als auch die Anliegen und Bedürfnisse der Anwohner berücksichtigt werden.
• Neben den gestalterischen Gesichtspunkten ist ein wesentliches Augenmerk
darauf zu richten, dass die Wasserdrucklasten einwandfrei in den Untergrund
eingeleitet werden
Oftmals lassen sich im Bereich von historischen Altstadtkernen feste Hochwasserschutzeinrichtungen platztechnisch und ästhetisch schlecht realisieren.
• Meistens besteht hier der Anspruch auf eine Erhaltung des Stadtbildes, eine
freie Sicht und Zugang zum Gewässer oder der eines ungestörten
Funktionsablaufs der Stadt (Wege, Straßen, Brücken).
• In einem solchen Fall kann die Realisierung von mobilen
Hochwasserschutzkonstruktionen eine Lösungsmöglichkeit darstellen, d. h. das
Schutzsystem wird im Hochwasseralarmfall von einem Lager an transportiert
und aufgestellt und nach dem Hochwasserereignis wieder abgebaut.
Einführung
• Darüber hinaus können mobile Schutzsysteme auch zum Verschließen von
Durchlässen und Durchgängen bei festen Mauern und Dämmen eingesetzt
werden sowie zur Erhöhung von ortsfesten Schutzsystemen.
• Mobile Hochwasserschutzsysteme können aber nur dort zum Einsatz kommen,
wo eine ausreichend lange Vorwarnzeit sichergestellt ist (meist nur am Mittel-
oder Unterlauf von Flüssen), geschulte und zuverlässige Aufbaukräfte zur
Verfügung stehen, zudem ausreichend Lagerplatz in der Nähe da ist und ein
ausreichender Grundschutz (z. B. HQ20) vorhanden ist.
Hinweise für den Einsatz mobiler Schutzsysteme
• Beim Einsatz von mobilen Hochwasserschutzsystemen ist ein reibungsloser und
schneller Aufbau Grundvoraussetzung für die Funktionstüchtigkeit des Systems.
• Deshalb sind bei der Auswahl neben Kosten und örtlichen Gegebenheiten auch
noch folgende Gesichtspunkte zu beachten:
• einfache, schnelle und sichere Handhabung auch bei Dunkelheit und
schlechter Witterung,
• wenige unterschiedliche Einzelteile, um Verwechslungen zu vermeiden,
• Reduzierung des Gewichts der einzelnen Teile damit sie von 1 bis 2
Personen handelbar sind,
• ortsnahe Lagerung und reibungsloser Transport,
• jährliches Einsatztraining und Kontrolle auf Vollständigkeit und
Funktionsfähigkeit einplanen.
Sandsackdeiche
• Vom Katastrophenschutz häufig eingesetzt und vielfach bewährt haben sich
temporäre Sandsackdeiche.
• Sie lassen sich bei den unterschiedlichsten, örtlichen Gegebenheiten einsetzen,
sind flexibel und lassen sich bei unerwartet weiter steigendem Wasserstand
nachträglich erhöhen.
• Zudem sind keine örtlichen Befestigungsmöglichkeiten notwendig.
• Als Nachteile eines Sandsackdeiches sind der hohe Zeit-, Material- und
Personalaufwand beim Aufbau zu nennen.
Fußsicherung von Deichen aus Sandsäcken
• Bei einem flächenhaften Wasseraustritt und Erosion an der
Binnendeichböschung wird zur Sicherung der Böschung eine
Deichfußsicherung hergestellt.
• Die Wasserdurchlässigkeit ist z. B. mit Hilfe eines Geotextils sicherzustellen.
• Als Auflast sind 3 Sandsacklagen bei Einstauhöhen von bis zu 3 m auf der
gesamten Sickerfläche ausreichend.
• Deichfußsicherungen werden von unten nach oben gebaut.
• Die erste Lage wird mit einer von unten nach oben verlaufenden, ca. 2 cm
breiten Fuge auf Geotextil verlegt.
• Die Fuge gewährleistet, dass angestautes Wasser abfließen kann.
• Die zweite und dritte Lage wird versetzt gepackt.
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