Abgrenzung Raub § 249 StGB und Räuberische Erpressung § 255 StGB
Literatur:
Exklusivitätsverhältnis beider Delikte
Raub ist Fremdschädigungsdelikt und räuberische Erpressung ist Selbstschädigungsdelikt
Raub setzt Gewahrsamsbruch voraus und Räuberische Erpressung setzt Vermögensverfügung des Opfers voraus
=> Abgrenzung nach innerer Willensrichtung
Rechtsprechung:
Raub ist lex specialis zur räuberischen Erpressung
=> Abgrenzung nach äußerem Erscheinungsbild: Geben = Räuberische Erpressung; Nehmen = Raub
! Bei der Preisgabe von Informationen liegt keine bewegliche Sache vor, hier ist der Streit unerheblich es kommt nur eine räuberische Erpressung in Betracht
Problematik erpresserischer Menschenraub § 239a StGB im Zwei-Personen-Verhältnis
Es würde fast jeder Raub auch ein erpresserischer Menschenraub sein, der allerdings ein viel höheres Strafmaß hat. Der BGH fordert daher eine restriktive Auslegung. Diese erfolgt indem für das Vorliegen des erpresserischen Meschenraubs eine stabilisierte Bemächtigungslage gefordert wird.
Liegt bereits Vermögensschaden bei einem Betrug gemäß § 263 StGB vor, wenn durch Täuschung die Bankkarte inklusive PIN an den Täter übergeben wurde?
Man kann hier einen konkreten Gefährdungsschaden annehmen der vorliegt, wenn das Vermögen des Opfers konkret gefährdet ist und der Täter hat eine ungesicherte Zugriffsmöglichkeit erlangt. Der Täter kann mit der Karte inklusive PIN jederzeit auf das Konto zugreifen. Es liegt somit bereits ein vollendeter Betrug vor.
Wo ist der Befangenheitsantrag geregelt?
Der Befangenheitsantrag ist in § 24 StPO geregelt, dieser kann gestellt werden, wenn ein Grund vorliegt, der geeignet ist, Misstrauen gegen die Unparteilichkeit eines Richters zu rechtfertigen.
Ist ein Befangenheitsantrag nach § 24 StPO zulässig, wenn der Angeklagte den Richter in der Verhandlung so lange massiv beleidigt, bis dieser schließlich kurzzeitig selbst ausfallend wird?
Nein, wenn der Angeklagter das Verhalten des Richters, auf das er den Befangenheitsantrag stützen will, durch gezielte und ungebührliche Provokation selbst künstlich herbeiführt, spricht man von einem Missbrauch des Ablehnungsrechts und der Befangenheitsantrag scheitert daher.
Ist eine Einwilligung in die eigene Tötung durch einen anderen möglich?
Eine rechtfertigende Einwilligung in die Tötung ist nicht möglich, da das Leben kein disponibles Rechtsgut ist. Das ergibt sich im Umkehrschluss aus § 216 StGB. Wenn das Gesetz sogar die Tötung auf ausdrückliches Verlangen unter Strafe stellt, zeigt dies, dass der Einzelne über sein Leben nicht mit rechtfertigender Wirkung disponieren kann.
Wann beginnt das menschliche Leben im Sinne des Strafrechts?
Würde man den Beginn bereits bei der Nidation (Einnistung) ansetzen, bedürfte es des § 218 StGB (Schwangerschaftsabbruch) nicht. Die herrschende Meinung nimmt den Statuswechsel zu einem Menschen mit dem Beginn der Eröffnungswehen an bzw. beim Kaiserschnitt mit Beginn der Operationshandlung. Dieser Schutz ab den Eröffnungswehen zielt insbesondere darauf ab, das medizinische Personal während des sensiblen Geburtsvorgangs bereits der Strafandrohung zu unterwerfen. Diese Abgrenzung ist wichtig, da keine Schutzlücke entstehen darf, da Verletzungen während des Geburtsvorgang straflos wären, wenn man erst auf die Vollendung der Geburt abstellt, da § 218 StGB ab den Eröffnungswehen tatbestandlich ausscheidet.
Wird durch den ärztlichen Heileingriff der objektive Tatbestand des §§ 223, 224 StGB verwirklicht?
Ja, nach herrschender Meinung erfüllt der ärztliche Heileingriff den objektiven Tatbestand der Körperverletzung, da dies den Schutz der körperlichen Integrität und das Selbstbestimmungsrecht des Patienten sichert.
Beim Skalpell könnte man über eine teleologische Reduktion nachdenken, da es allein zu Heilzwecken genutzt wird, die Rechtsprechung nimmt allerdings ein gefährliches Werkzeug an.
Bezeichnungen für eine Person, gegen die strafrechtlich ermittelt wird, im zeitlichen Ablauf des Verfahrens.
Das ist in § 157 StPO normiert.
Ermittlungsverfahren: Beschuldigter
Zwischenverfahren: Angeschuldigter
Hauptverfahren: Angeklagter
Vollstreckungsverfahren: Verurteilter
! Ausnahme: Wenn Täter schuldunfähig ist, bleibt er Beschuldigter, da eine schuldunfähige Person nicht bestraft werden kann. Es kommt aber eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nach § 63 StGB in Betracht. Prozessual wird dann kein reguläres Strafverfahren, sondern ein Sicherungsverfahren nach §§ 413 ff. StPO durchgeführt. In diesem Verfahren wird der Betroffene nach § 415 I StPO im gesamten Verfahren weiterhin als 'Beschuldigter' und nicht als 'Angeklagter' bezeichnet.
Wenn ein Urteil ergangen ist, was kann man dagegen unternehmen?
Rechtsbehelf
Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach § 44 StPO (wenn unverschuldet Frist versäumt wurde)
Rechtsmittel
Berufung §§ 312 ff. StPO
Revision §§ 333 ff. StPO
Ist es möglich, dass die Staatsanwaltschaft zwar einen hinreichenden Tatverdacht bejaht, aber dennoch kein Hauptverfahren durchführt?
Grundsatz: Legalitätsprinzip § 152 II StPO
= Staatsanwaltschaft muss bei Vorliegen eines Anfangsverdachts ermitteln und bei hinreichendem Tatverdacht anklagen.
Ausnahme: Opportunitätsprinzip §§ 153 ff. StPO
= Verfahren kann unter bestimmten Voraussetzungen, etwa bei Geringfügigkeit oder gegen Auflagen, eingestellt werden.
Ansätze zur restriktiven Auslegung des Mordmerkmals Heimtücke § 211 StGB
besonders verwerfliche Vertrauensbruch
=> zusätzliches Merkmal im Tatbestand
die Typenkorrektur
die feindliche Willensrichtung
die Rechtsfolgenlösung
= lebenslange Freiheitsstrafe kann über § 49 I Nr. 1 StGB analog gemildert werden
Zeitliche Grenze des Maßregelvollzugs gemäß § 63 StGB
In § 67d StGB geregelt.
Anhaltspunkte für Verwerflichkeit (Zweck-Mittel-Relation) i.S.d. § 240 II StGB einer Sitzblockade im Rahmen einer Nötigung
Dauer der Blockade
= eher kurz (dann eher nicht verwerflich) oder längere Zeit (dann eher verwerflich)
Örtlichkeit der Blockade
= Möglichkeit für Verkehrsteilnehmer auszuweichen und andere Wege zu wählen oder gerade keine Möglichkeit auszuweichen
Bekanntgabe der Blockade
= konnten Gefahrabwehrbehörden sich vorher darauf einstellen oder wurde die Blockadeaktion geheim gehalten
Sachbezug der Blockade
= Besteht ein Sachbezug zu der Straße, die blockiert wird oder nicht
Werden an einem OLG auch Strafsachen verhandelt?
Ja.
erstinstanzliche Zuständigkeit: § 120 I, II GVG
Rechtsmittelinstanz: § 121 I Nr. 1 GVG
Wo ist das vorläufige Festnahmerecht der Polizei geregelt und welche Voraussetzungen hat dieses?
vorläufiges Festnahmerecht der Polizei ist geregelt im § 127 II StPO
Voraussetzungen:
Gefahr im Verzug
= wenn das Einholen einer richterlichen Anordnung
den Zweck der Maßnahme gefährden würde
Voraussetzungen eines Haftbefehls §§ 112 ff. StPO
dringender Tatverdacht
= wenn nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass der Beschuldigte Täter oder Teilnehmer einer Straftat ist.
Haftgrund
Welche Verdachtsstufen gibt es in der StPO?
Anfangsverdacht § 152 II StPO
= wenn zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen
=> Voraussetzung für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens
hinreichender Tatverdacht § 170 I StPO
= wenn bei vorläufiger Tatbewertung eine Verurteilung wahrscheinlicher ist als ein Freispruch
=> Voraussetzung für die Erhebung einer öffentlichen Klage
= wenn nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür spricht, dass der Beschuldigte Täter oder Teilnehmer einer Straftat ist
=> dann kann Untersuchungshaft nach §§ 112 f. StPO angeordnet werden
Wo liegt die Grenze zwischen bewusster Fahrlässigkeit und Eventualvorsatz?
Bei der bewussten Fahrlässigkeit vertraut der Täter ernsthaft darauf, dass der Erfolg ausbleibt.
Welche Mordmerkmale kommen in Betracht, wenn der Täter Babynahrung in Gläsern im Supermarkt vergiftet um Geld vom Supermarkt zu erpressen?
Heimtücke
= Kunden sind arg- und wehrlos, wenn sie optisch unauffällige Babynahrung kaufen
gemeingefährliches Mittel
= Ausbreitung des Giftes durch den unkontrollierten Verkauf nicht mehr beherrschbar
Habgier
= wenn Tötung als direktes Mittel zur Erlangung der Erpressungssumme
Welche Straftaten kommen in Betracht, wenn eine andere Person als der eigentliche Täter die Tag fälschlicherweise gesteht, um im Gefängnis kostenlose Unterkunft und Verpflegung zu erhalten?
Strafbarkeit wegen Vortäuschen einer Straftat § 145d II Nr. 1 StGB
Betrug § 263 StGB gegenüber dem Staat auf Erschleichung von Haftleistungen
Strafvereitelung § 258 I StGB
Wann ist man infolge des Genusses alkoholischer Getränke fahruntüchtig i.S.d. § 315c I Nr. 1a StGB
relative Fahruntüchtigkeit: 0,3 Promille + alkoholbedingte Ausfallerscheinungen
absolute Fahruntüchtigkeit: 1,0 Promille
=> unwiderlegliche Vermutung der Fahuntüchtigkeit
Wie wird BAK vom Tatzeitpunkt berechnet, wenn Blutabnahme erst einige Zeit später erfolgt?
Geht es um den objektiven Tatbestand, also die Belastung des Täters, rechnet man mit einem geringeren Abbauwert, um ihn nicht künstlich zu belasten (in dubio pro reo).
=> Resorptionsphase (kein Abbau in den ersten zwei Stunden + danach pro Stunde Abbau von 0,1 Promille
Geht es um die Schuldfähigkeit nach §§ 20, 21 StGB, rechnet man mit dem maximalen Abbauwert, da eine höhere BAK den Täter hier entlasten würde.
=> Abbauwert von 0,2 Promille pro Stunde + 0,2 Promille Sicherheitszuschlag
Wo liegt die Wertgrenze für eine Sache von bedeutendem Wert i.S.d. § 315c StGB?
Ab einem Wert von 750€ liegt Sache von bedeutendem Wert vor.
Was regelt § 142 III StGB?
Dieser regelt die Nachholpflicht, wenn man sich berechtigt oder
entschuldigt vom Unfallort entfernt hat.
Was regelt § 142 IV StGB?
Dieser regelt die tätige Reue.
Täter muss sich innerhalb von 24 Stunden melden
es muss sich um Unfall außerhalb des fließenden Verkehrs gehandelt haben
es ist nur ein nicht bedeutender Sachschaden entstanden
Was ist eine prozessuale Besonderheit der fahrlässigen Körperverletzung § 229 StGB?
Es ist gemäß § 230 StGB ein relatives Antragsdelikt. Es bedarf daher grundsätzlich eines Strafantrags, es sei denn, die Strafverfolgungsbehörde hält ein Einschreiten von Amts wegen wegen eines besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung für geboten.
Wann liegt ein besonderes öffentliches Interesse bei relativen Antragsdelikten vor?
Das ist in Nr. 86 RiStBV (Richtlinien für das Strafverfahren und das Bußgeldverfahren) geregelt.
Was ist der Schutzzweck des § 142 StGB?
Der Schutzzweck der Norm ist die Sicherung zivilrechtlicher Erstattungsansprüche.
Welche Strafbarkeit liegt bei unvorsätzlichem Überfahren einer Leiche vor?
Störung der Totenruhe § 168 StGB
=> (-), da kein Vorsatz
unerlaubtes Entfernen vom Unfallort § 142 StGB
=> (-), kein Personenschaden (schon tot) und Schutzzweck der Norm ist Sicherung zivilrechtlicher Ansprüche, die im vorliegenden Fall nicht entstehen können (Rechtsfähigkeit endet mit dem Tod § 1 BGB)
Sachbeschädigung § 303 StGB
(-), da “frische” Leiche noch keine Sache, es besteht postmortales Persönlichkeitsrecht
Welche Irrtümer gibt es und wo sind diese im Gesetz geregelt?
Tatumstandsirrtum § 16 StGB
Verbotsirrtum § 17 StGB
Erlaubnistatumstandsirrtum
Error in persona vel objecto
abaratio ictus
Wo ist die sachliche Zuständigkeit der Strafgerichte geregelt?
Amtsgericht § 24 GVG
Schöffengericht (Amtsgericht) § 28 GVG
Landgericht § 74 GVG
Oberlandesgericht § 120 GVG
Wie nennt man die Altersgruppe zwischen 18 und 21 Jahren?
Heranwachsende
Wie ist das Verhältnis von Mord § 211 StGB und Totschlag § 212 StGB?
Welche Auswirkung hat das auf Täterschaft und Teilnahme?
Das ist umstritten:
Literatur: Mord ist die Qualifikation zum Todschlag
Rechtsprechung: Mord und Totschlag sind selbstständige Tatbestände
Dies hat Auswirkungen auf Täterschaft und Teilnahme bei den subjektiven Mordmerkmalen (1. und 3. Gruppe), da diese nach der Rechtsprechung strafbegründend sind und § 28 I StGB anwendbar ist (Lockerung der Akzessorietät => Strafmilderung wenn Mordmerkmal bei Terilnehmer nicht vorliegt), nach der Literatur sind diese strafschärfend und es ist § 28 II StGB anwendbar (Durchbrechung der Akzessorietät => strafbar nach Mordmerkmal was beim Teilnehmer vorliegt).
Wie wirkt sich error in persona vel obiecto auf Anstiftervorsatz aus?
e.A.: immer unbeachtlich
a.A.: immer aberratio ictus für Anstifter
=> versuchte Anstiftung bzgl. nicht getroffenem Objekt und fahrlässige Tat bzgl. getroffenem Objekt
BGH: Wesentlichkeitstheorie
=> war die Verwechslung nach allgemeiner Lebenserfahrung vorhersehbar (dann unbeachtlich) oder nicht (dann beachtlich)
herrschende Lehre: Individualisierungstheorie
=> ist die konkrete Individualisierung dem Haupttäter überlassen worden, dann unbeachtlich für den Anstifter
Woraus ergibt sich eine Garantenstellung?
Formelle Entstehungsgründe
Gesetz (§§ 1353, 1626, 1618 BGB)
Ingerenz (pflichtwidrigem Vorverhalten)
tatsächliche Übernahme
enge Lebensbeziehung
Vertrag
materielle Entstehungsgründe
Beschützergarant
Überwachergarant
Wann ist eine Straftat nach § 113 StGB nicht verwirklicht?
Wenn die Diensthandlung nicht rechtmäßig ist § 113 III StGB.
Wann ist nur eine Einschränkung des generellen Einverständnisses möglich?
z.B. generelles Einverständnis Zutritt zu einem Laden (§ 123 StGB); generelles Einverständnis an der Tanksäule Sprit in den Tank zu füllen (Wegnahme § 242 StGB)
Nur möglich, wenn nach außen erkennbar ist, ob Person zum Kreise der Berechtigten gehört oder nicht.
Welches Mordmerkmal ist zusätzlich verwirklicht bei Tötung zur Befriedigung des Geschlechtstriebs bei Nekrophelie?
Die Ermöglichungsabsicht: Ermöglichung der Verwirklichung des § 168 StGB
Welcher Prüfungspunkt beim Betrug § 263 I StGB ist problematisch, wenn man sein Auto in der Werkstatt reparieren lässt, ohne das nötige Geld dafür zu haben?
Der Vermögensschaden ist problematisch, da Werkunternehmerpfandrecht § 647 BGB an repariertem Wagen.
e.A.: daher kein Vermögensschaden
a.A.: trotzdem Vermögensschaden
Zulassungsbescheinigung Teil II des Fahrzeugs verbleibt aber regelmäßig beim Eigentümer, ohne diese ist eine Versteigerung, also die Befriedigung des Gläubigers durch das entstandene Pfandrecht durch den Verkauf des Pfandes in einer Versteigerung § 1257, 1228 I BGB, nicht möglich. Diese ist ggf. sogar erst durch eine Klage zu erlangen, das Sicherungsrecht kann nur mit erheblichem Aufwand realisiert werden und es können weitere Kosten für den Pfandgläubiger entstehen (u.a. Klage, Zwangsvollstreckung). Sie bieten daher in der Realität keine echte Kompensation.
Was ist der Unterschied zwischen intensivem und extensivem Notwehrexzess § 33 StGB?
intensiver Notwehrexzess
= wenn der Täter bei bestehender Notwehrlage das Maß der erforderlichen oder gebotenen Notwehr überschreitet
extensiver Notwehrexzess
= der Täter vollzieht die Notwehrhandlung zu einem Zeitpunkt, zu dem die Gegenwärtigkeit des Angriffs nicht (mehr) besteht
=> der extensive Exzess wird nach ganz herrschender Meinung nicht von § 33 StGB erfasst, da der Wortlaut ("die Grenzen der Notwehr überschreitet") eine bestehende Notwehrlage voraussetzt.
Wo liegen die relevanten BAK-Grenzen für Schuldunfähigkeit und Fahrunfähigkeit?
Fahrunfähigkeit § 316 StGB
ab 0,3 ‰ + Ausfallerscheinungen: relative Fahruntüchtigkeit
ab 1,0 ‰ + 0,1 ‰ Sicherheitszuschlag: absolute Fahruntüchtigkeit bei Kraftfahrern
ab 1,6 ‰: absolute Fahruntüchtigkeit bei Fahrradfahrern
Schuldfähigkeit
ab 2,0 ‰: verminderte Schuldunfähigkeit § 21 StGB
ab 3,0 ‰: absolute Schuldunfähigkeit § 20 StGB
Wie lang ist eine lebenslange Freiheitsstrafe und in welchem Rahmen bewegt sich eine zeitige Freiheitsstrafe?
Lebenslange Freiheitsstrafe
= ist eine Freiheitsstrafe auf unbestimmte Zeit, die allerdings unter den Voraussetzungen des § 57a StGB auf Bewährung ausgesetzt werden kann
Zeitige Freiheitsstrafe § 38 StGB
= wenn keine lebenslange Freiheitsstrafe angedroht ist und hat ein Mindestmaß von einem Monat und ein Höchstmaß von 15 Jahren
Haftgrund für die Untersuchungshaft bei Schwerstdelikten
Bei Schwerstdelikten, wie etwa Mord oder Totschlag greift der absolute Haftgrund des § 112 III StPO. Hier bedarf es theoretisch keines der klassischen Haftgründe wie Flucht-, Verdunkelungs- oder Wiederholungsgefahr.
Wann liegt unmittelbares Ansetzen § 22 StGB bei Mittäterschaft § 25 II StGB vor?
Einzellösung (jeder wird einzeln betrachtet)
= es wird darauf abgestellt, wann jeder einzelne Mittäter unmittelbar zu seinem Tatbeitrag angesetzt hat
Gesamtlösung (Personen werden als Einheit betrachtet)
= unmittelbares Ansetzen, wenn bereits einer der Täter zu seinem Tatbeitrag ansetzt
=> Pro-Argument: § 25 II StGB ist eine Zurechnungsnorm, die sich folglich auch auf das unmittelbare Ansetzten beziehen muss
Wie grenzent man § 315b StGB von § 315c StGB ab?
§ 315c StGB erfasst Verkehrsstraftaten von innen, also Fehler beim Führen des Fahrzeugs
§ 315b StGB erfasst verkehrsfremde Eingriffe von außen
! Ausnahme auch Anwendbar, wenn Täter Verkehrsteilnehmer ist bei Pervertierung eines Verkehrsvorgangs
= Das Fahrzeug muss bewusst zweckentfremdet als Waffe eingesetzt werden. Es ist laut BGH zudem ein bedingter Schädigungsvorsatz erforderlich.
Kann ein vorsätzlich herbeigeführter Zustand ein „Unglücksfall“ § 315 III Nr. 1 lit. a StGB sein?
Es ist an sich zwar kein unvorhergesehenes Ereignis, die herrschende Meinung stellt hierbei allerdings auf die Sicht des Opfers ab. Wenn für das Opfer der Angriff ein plötzliches, unvorhersehbares Ereignis ist, liegt ein Unglücksfall vor.
Was sind die Deliktsstadien?
Tatentschluss
Vorbereitungsstadium
unmittelbares Ansetzen
Vollendung
Beendigung
Rechtliche Relevanz des Zeitpunkts der Beendigung?
Die Beendigung ist maßgeblich für den Beginn der Verjährung nach § 78a S. 1 StGB.
Ist strafbefreiender Rücktritt noch möglich, wenn der Täter sein eigentliches, äußertatbestandliches Ziel bereits erreicht hat und den tatbestandlichen Erfolg noch verhindern konnte?
Nach der Rechtsprechung ist der Rücktritt weiterhin möglich, da es für § 24 StGB allein auf die Verhinderung des tatbestandlichen Erfolgs ankommt, nicht auf das außertatbestandliche Motiv.
Was passiert mit Tatbestand des § 226 StGB wenn das Opfer eine medizinische Behandlung ablehnt, die zur Heilung führen könnte?
Es handelt sich um eine Frage der objektiven Zurechnung. Grundsätzlich hat der Täter die Ursache für die schwere Folge gesetzt. Lehnt das Opfer aber eine zumutbare und rettende Operation ab, stellt sich die Frage der eigenverantwortlichen Selbstgefährdung.
Die herrschende Meinung bejaht die Zurechnung weiterhin, da der Täter das primäre Risiko geschaffen hat und das Opfer nicht verpflichtet ist, sich operieren zu lassen. Allenfalls in Ausnahmefällen wenn das Opfer völlig unvernünftig handelt und eine völlig risikolose, banale Behandlung ausschlägt, könnte über ein Fehlen der objektiven Zurechnung diskutiert werden.
allenfalls dann diskutiert werden,
Sind herrenlose Sachen fremd?
Nein, also sind sie kein tauglicher Tatgegenstand für z.B. Diebstahl § 242 StGB
Abgrenzung Dolus eventualis und bewusste Fahrlässigkeit
bewusste Fahrlässigkeit
= Täter erkennt die Gefahr der Tatbestandsverwirklichung, vertraut aber ernsthaft darauf, dass der Erfolg ausbleibt
dolus eventualis
= Täter hält den Erfolgseintritt für möglich und nimmt ihn billigend in Kauf (h.M.)
=> a.A.: Möglichkeitstheorie, Wahrscheinlichkeitstheorie, Gleichgültigkeitstheorie
Wie ermittelt ein Richter in der Hauptverhandlung eigentlich den Vorsatz, wenn der Angeklagte schweigt?
Gesamtwürdigung der Tat
Ein starkes Indiz ist die objektive Gefährlichkeit der Handlung. Je gefährlicher und riskanter das Vorgehen des Täters, desto eher wird ein Gericht auf einen zumindest bedingten Vorsatz schließen.
Was ist der Unterschied zwischen normativen und deskriptiven Tatbestandsmerkmalen?
Deskriptive Merkmale
= beschreibend und durch sinnliche Wahrnehmung oder einfache Tatsachenfeststellung erfassbar wie z.B. Sache oder Mensch
Normative Merkmale
= sind wertungsbedürftig und setzen ein rechtliches oder soziales Vorverständnis voraus wie z.B. fremd oder Urkunde
=> bei Tätern dann Parallelwertung in der Laiensphäre
Schutzzweck § 244 V StGB
Schutz der Privatsphäre und die häusliche Sicherheit
Warum ist die Unterscheidung zwischen Vergehen und Verbrechen wichtig und wo steht das?
Steht in § 12 StGB
Verbrechen sind Taten, die im Mindestmaß mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr bedroht sind
Vergehen sind Taten, die im Mindestmaß mit einer geringeren Freiheitsstrafe oder mit Geldstrafe bedroht sind.
Relevanz für:
materielles Recht beim Versuch
= Versuch eines Verbrechens ist stets strafbar, der Versuch eines Vergehens nur, wenn es das Gesetz ausdrücklich anordnet § 23 Abs. 1 StGB
Prozessrecht
= Einstellungsmöglichkeiten durch die Staatsanwaltschaft (§§ 153, 153a StPO), die bei
Vergehen weiter gefasst sind
= Sachliche Zuständigkeit der Gerichte bestimmt sich oft danach
Wo ist der in dubio pro reo Grundsatz normiert?
Der in dubio pro reo Grundsatz ist nicht ausdrücklich im StGB normiert, er ergibt sich aus Art. 6 Abs. 2 EMRK, dem Rechtsstaatsprinzip (Art. 20 Abs. 3 GG) und wird prozessual über § 261 StPO (freie Beweiswürdigung) verortet.
Was unterscheidet Berufung, Revision und Sprungrevision?
Berufung § 312 StPO
= zweite Tatsacheninstanz, bei der der Fall rechtlich und tatsächlich neu aufgerollt wird
Revision § 333 StPO
= eine reine Rechtsinstanz, hier wird das Urteil nur auf Rechtsfehler überprüft
Sprungrevision § 335 StPO
= ermöglicht es, unter Überspringung der Berufungsinstanz direkt von einem Urteil des Amtsgerichts in die Revision zum Oberlandesgericht zu gehen.
Kann an ein rein pflichtgemäßes Vorverhalten – Person war ohnehin nach § 323c StGB zur Hilfeleistung verpflichtet – eine Garantenstellung geknüpft werden?
h.M. lehnt Garantenstellung bei pflichtgemäßem Vorverhalten ab.
Argument Wertungswiderspruch: Jemand, der als Ersthelfer eingreift und seiner Pflicht aus § 323c StGB nachkommt, würde plötzlich zum Garanten und liefe Gefahr, wegen eines Tötungsdelikts durch Unterlassen bestraft zu werden, wenn er die Hilfe abbricht. Ein zufällig anwesender Dritter, der gar nichts tut, wäre nur nach § 323c StGB strafbar. Das würde den Opferschutz konterkarieren, da es Menschen davon abhalten könnte, überhaupt Erste Hilfe zu leisten.
Was ist mit “andere Tat” i.S.d. § 211 StGB gemeint?
Und wie verhält es sich, wenn die zu verdeckende Tat ein Dauerdelikt ist?
Es muss sich um eine Straftat handeln, eine Ordnungswidrigkeit genügt nicht.
Meist wird gefordert, dass sich die Vortat gegen ein anderes Rechtsgut richten muss oder durch eine andere Tathandlung begangen wurde.
Bei Dauerdelikten (wie unerlaubtem Waffen- oder Betäubungsmittelbesitz) ist umstritten, ob der Täter in Verdeckungsabsicht handeln kann, wenn er tötet, um den fortdauernden Besitz zu verdecken. Nach Ansicht der Rechtsprechung ist dies möglich, wenn die Tötungshandlung nicht gleichzeitig die Beendigung des Dauerdelikts darstellt.
Wie ist das Amtsgericht besetzt?
Strafrichter (Einzelrichter)
= für Vergehen, bei denen eine höhere Strafe als zwei Jahre nicht zu erwarten ist (§ 25 GVG)
Schöffengericht
= wenn eine höhere Strafe zu erwarten ist (§ 28 GVG)
Ist das Deutsche Strafrecht bei Sachverhalten mit Internet-Bezug anwendbar?
Ja nach §§ 3, 9 StGB. Maßgeblich ist der Handlungsort des Täters, wenn er von seinem Computer in Deutschland aus handelt, gilt deutsches Strafrecht.
Welche Altersstufen unterscheidet das Strafrecht?
0 - 14 Jahre: Kind (Schuldunfähig § 19 StGB)
14 - einschließlich 17 Jahre: Jugendlicher
18. bis einschließlich des 20. Jahre: Heranwachsender
ab 21 Jahren: Erwachsener
Was besagt die Hemmschwellentheorie des BGH und wann ist sie relevant?
Die sogenannte Hemmschwellentheorie greift bei den Tötungsdelikten. Danach hat jeder Mensch eine natürliche Hemmschwelle, einen anderen zu töten. Der Tötungsvorsatz darf also nicht vorschnell bejaht werden.
Muss der Täter Aussagen zur Tat oder seinen Motiven machen?
Nein, es gilt der Grundsatz nemo tenetur se ipsum accusare = niemand ist verpflichtet, sich selbst zu belasten.
Bleiben Zweifel, gilt der Grundsatz in dubio pro reo.
Was ist die dogmatische Besonderheit bei der Nötigung § 240 StGB?
Die Rechtswidrigkeit wird nicht schon durch die Tatbestandsmäßigkeit indiziert, sondern muss im Rahmen der Zweck-Mittel-Relation (Verwerflichkeitsklausel) des § 240 II StGB positiv festgestellt werden.
Wo ist die Möglichkeit geregelt, das JGG für Heranwachsende (18-21 Jahre) anzuwenden?
In § 105 JGG
Welches Verfahren ermöglicht es dem Opfer einer Straftat bereits im Strafprozess gegen den Täter zivilrechtliche Ansprüche durchzusetzen ohne ein zusätzliches Zivilverfahren?
Adhäsionsverfahren §403 StPO
Wo ist das Zeugnisverwigerungsrecht geregelt?
§§ 52 ff. StPO
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