Nenne die drei Hauptfunktionen des Nervengewebes.
▪ Aufnahme umweltbedingter oder im Körper entstehender Reize
▪ Umwandlung in nervöse Erregungen und deren Weiterleitung sowie Verarbeitung
▪ Koordination & Steuerung der Körperfunktionen durch Impulse die vom Zentrum zur Peripherie abgegeben werden
Wie wird das Nervensystem anatomisch und physiologisch eingeteilt?
▪ Anatomisch: zentrales- und peripheres Nervensystem (ZNS und PNS)
▪ Physiologisch: autonome und somatische Nervensysteme
Welche Strukturen gehören zum zentralen bzw. peripheren Nervensystem?
Zentrales Nervensystem (ZNS)
•Gehirn (Cerebrum)
•Rückenmark (Medulla spinalis)
Peripheres Nervensystem (PNS)
•Hirnnerven
•Spinalnerven
•Ganglien
Wie viele Synapsen besitzt eine Nervenzelle ungefähr?
~ 7.000 Synapsen pro Nervenzelle
Beschreibe den Aufbau einer Nervenzelle (mind. 4 Bestandteile + Funktion)
Zellkörper (enthält Nucleus, Mitochondrien, etc.)
Dendriten (nehmen Signale und Reize von Sinneszellen oder Neuronen auf und leiten sie Richtung Zellkörper)
Axon (langer Fortsatz, leitet Aktionspotentiale weg vom Zellkörper)
Synaptische Endköpfchen (wandelt elektrisches Signal in chemisches Signal um über Neurotransmitter)
Was versteht man unter dem Ruhepotenzial und wie hoch ist es ungefähr?
Das Ruhemembranpotential wird durch Transporter wird das hergestellt und erst dann kann die Zelle neu erregt werden. ~-65mV
Welche Ionen sind entscheidend für das Ruhepotenzial?
Natrium und Kalium
Beschreibe die Rolle der Na⁺/K⁺-ATPase.
stellt unter Verbrauch von ATP das Ruhemembranpotential wieder her, indem sie Natrium-Ionen und Kalium-Ionen entgegen des Konzentrationgradienten pumpt
Erläutere die Phasen des Aktionspotenzials
1. Das Ruhemembranpotential wird durch die vorher genannten Transporter eingestellt ~-65mV
2. Input über synaptische Übertragung erhöht die Spannung bis spannungsabhängige Natriumkanäle öffnen (Depolarisation)
3. Natriumkanäle inaktivieren und Kaliumkanäle öffnen (Repolarisation) Kaliumkanäle bleiben länger geöffnet -> Nachhyperpolarisation (Richtung -80mV (Kalium „reversal potential“)
4. durch Transporter wird das Membranpotential wieder hergestellt und erst dann kann die Zelle neu erregt werden
Was ist eine Nachhyperpolarisation?
Kalium-Kanäle bleiben länger geöffnet und das Potenzial sinkt unter das Ruhemembranpotential ~80mV
Wie erfolgt die Signalübertragung an einer chemischen Synapse?
An einer chemische Synapse wird das elektrische Signal in ein chemisches Signal umgewandelt und an die nächste Zelle weitergeleitet. Dies erfolgt über spezielle Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, die den synaptischen Spalt überbrücken und an der Zielzelle eine neue elektrische Erregung auslösen.
Definiere Agonist und Antagonist.
Agonisten: ahmen Wirkung der Neurotransmitter nach (aktivieren Rezeptor)
Antagonisten: blockieren Wirkung der Neurotransmitter (verhindern Aktivierung des Rezeptors)
Welche Rolle spielen Calciumkanäle bei der Neurotransmitterfreisetzung?
Sie fungieren als direkte Verbindung zwischen einem elektrischen Signal (Aktionspotenzial) und der chemischen Freisetzung von Neurotransmittern. Durch diese Spannungsänderung öffnen sich die dort lokalisierten, spannungsabhängigen Calciumkanäle. Calciumionen (Ca²⁺) strömen schlagartig in die Zelle ein, da die Konzentration außerhalb der Zelle viel höher ist. Die Calciumionen docken an spezielle Proteine der Synaptische Vesikel an. Die im Inneren der Vesikel gelagerten Neurotransmitter werden in den synaptischen Spalt ausgeschüttet.
Welche Mechanismen beenden die Wirkung von Neurotransmittern?
Wiederaufnahme
Enzymatischer Abbau
Diffusion
Nenne die Unterschiede zwischen Sympathikus und Parasympathikus.
Sympatikus:
Herzfunktion erhöht
Blutgefäße: Koronarien erweiter, Haut und Lunge verengt
Bronchialmuskulatur erschlafft
Peristaltik abgeschwächt
Harnblasesphinkter kontrahiert
Dilatator pupillae kontrahiert
Parasympatikus:
Herzfunktion erniedrigt
Blutgefäße erweitert
Bronchialmuskulatur kontrahiert
Peristaltik verstärkt
Harnblasensphinkter erschlafft
Sphincter pupillae kontrahiert
Welche Neurotransmitter wirken im vegetativen Nervensystem?
Acetylcholin
Noradrenalin
Welche Rezeptoren finden sich prä- und postsynaptisch?
postsynaptisch:
Nicotinische Rezeptoren
Muscarinische Rezeptoren
Adrenerge Rezeptoren
In welche Hauptgruppen werden Adrenorezeptoren eingeteilt?
Unterteilung in α-Adrenorezeptoren und β-Adrenorezeptoren
Welche Wirkung haben α1-Rezeptoren?
α1-Adrenorezeptoren
• Erregung der glatten Muskulatur
• Vasokonstriktion von Haut, Schleimhaut, Venen und Prostata
-> Blutdruckanstieg
-> Abschwellung der Schleimhäute
• Therapeutische Anwendung:
-> Selektive Agonisten: Hypotonie, lokal bei Schnupfen und Bindehautentzündung
-> Antagonisten: Hypertonie, benigne Prostatahyperplasie
Welche Funktion haben α2-Rezeptoren?
α2-Adrenorezeptoren
• Hemmen nach Aktivierung präsynaptisch die Norepinephrin Freisetzung
• Präsynaptisch immer α2-Adrenorezeptoren
• Postsynaptisch sowohl α1-als auch α2-Adrenorezeptoren
-> Selektive Agonisten: Antihypertonika, Glaukommitte
Welche Effekte vermittelt der β1-Rezeptor?
β1-Adrenorezeptoren
• Am Herzen:
-> positiv inotrope, positiv chronotrope, positiv dromotrope und positiv bathmotrope Effekte
-> Selektive Agonisten: Kreislaufstillstand, kardiogener Schock
-> Selektive Antagonisten: Hypertonie, Arrhythmien, Glaukom
Welche Effekte vermittelt der β2-Rezeptor?
β2-Adrenorezeptoren
• Erschlaffen der Bronchial- und Uterusmuskulatur
-> Selektive Agonisten: Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Tokolyse
Beschreibe die Biosynthese von Catecholaminen.
Welche Enzyme sind am Abbau beteiligt?
• Postsynaptisch: COMT und MAO-B
• Präsynaptisch: MAO-A
Welche Rolle spielt COMT?
COMT: Veretherung der phenolischen 3-OH Gruppe -> Wirkung! (sh.Interaktionen)
Welche Rolle spielt MAO?
MAO und Aldehyd Dehydrogenase (ADH): Biotransformation zur Mandelsäure, Anschließend Konjugat-Bildung (Glucuronsäure oder Schwefelsäure)
Was sind direkte vs. indirekte Sympathomimetika?
Direkte α1-Sympathomimetika -> Agonisten am α1-Adrenorezeptor
Indirekte α1-Sympathomimetika-> Freisetzung von Norepinephrin
Nenne zwei chemische Klassen von α1-Sympathomimetika
Phenylethylamine
Imidazoline (lokale Anwendung)
Welche Vorteile haben Phenylethylamine gegenüber Catecholaminen?
Vergleich Catecholamine -> eine OH-Gruppe entfernt:
• relativ licht- und oxidationsstabil
• weniger polar, daher bessere Resorption aus dem
Gastrointestinaltrakt
• metabolisch gegenüber COMT stabiler -> Catechol-Einheit fehlt
Welche Eigenschaften besitzen Imidazoline?
Vergleich Catecholamine
-> OH-Gruppen fehlen oder sterisch abgeschirmt
-> Amino-Gruppe Teil des Imidazolinrings
• Keine Biotransformation durch MAO oder COMT
• Halbwertszeit erhöht
Was ist ein α-Sympatholytikum?
• Wirken als Antagonisten an α-Adrenorezeptoren
• Binden mit hoher Affinität an Rezeptor
Welche Untergruppen gibt es?
Unterscheidung in:
➢ alkylierende α-Sympatholytika
➢ selektive α1-Sympatholytika
➢ selektive α2-Sympatholytika
Nenne typische chemische Klassen der α1-Antagonisten.
Chemische Klassen:
• Chinazolin-α1-Antagonisten
• Catechol-aminanaloge
• Phenylpiperazin-α1-Antagonisten
Was sind β-Sympathomimetika?
Wirken als Agonisten an β-Adrenorezeptoren
• β1-Rezeptoren: Herz —> Unerwünschte Wirkungen, daher β2-selektive Agonisten
• β2-Rezeptoren: Bronchien, Uterus
Was unterscheidet SABA, LABA und ULABA?
Wirkdauer (für Bronchospasmolytika)
➢ Kurz und rasch wirkende (short acting beta-2-
agonists (SABA); rapid acting beta-2-agonists
(RABA); Reliever)
➢ Lang wirkende (long acting beta-2-agonists (LABA))
➢ Ultralang wirkende (ultra long acting beta-2-
agonists (ULABA)
Was ist ein β-Sympatholytikum?
β–Sympatholytika = β–Adrenorezeptor-Antagonisten
Blockieren β-Rezeptoren (-> Betablocker)
Warum sind β1-selektive Betablocker klinisch wichtig?
kardiovaskuläre Erkrankungen
Unerwünschte Nebenwirkungen an den Bronchien (Bronchospasmus) -> β1-selektive Antagonisten
Nenne typische Anwendungsgebiete von Betablockern.
Glaukomtherapie
tachykarde Herzrhythmuusstörung
Nenne Beispiele für β1-selektive Betablocker
Metoprolol
Bisoprolol
Was versteht man unter indirekten Sympathomimetika?
Binden nicht direkt an Adrenorezeptoren
Erhöhen indirekt das Angebot von Epinephrin an den Adrenorezeptoren
Nenne therapeutische Anwendungen für indirekten Sympathomimetika.
Therapeutische Anwendung:
->Psychostimulanzien zur Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bzw. der Narkolepsie
-> Früher Appetitzügler (Anorektika)
->bei Erkältungskrankheiten zur Vasokonstriktion
Wie wirken Psychostimulanzien auf synaptischer Ebene?
Wirkmechanismus:
• Durch strukturelle Ähnlichkeit zu Norepinephrin verdängen sie dieses aus den Vesikeln und hemmen die Wiederaufnahme aus dem synaptischen Spalt
• Auch Serotonin und Dopamin betroffen
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