Kognition Definition
Der Begriff „Kognition“ (vom lat. cognitio für „Erkenntnis“) ist ein Sammelbegriff für Prozesse und Strukturen, die sich auf die Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen beziehen. Dazu zählen u.a. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Denken und Problemlösen und Intelligenz.
Kognitive Entwicklung Definition
Kognitive Entwicklung ist die Entwicklung all jener Funktionen, die dem Erkennen und Erfassen der Umwelt und der eigenen Person gelten. Einfluss hierauf nehmen:
• Reifung
• aktive Erfahrung
• Streben nach Äquilibration
• soziale Interaktion
Strukturgenetischer Konstruktivismus Piaget
„Ich glaube [...] dass alle Strukturen entstehen, dass das grundlegende Faktum im Prozess der Konstruktion liegt und dass am Anfang nichts vorgegeben ist außer einigen beschränkten Punkten, auf die sich das übrige stützt. Aber Strukturen sind nicht von vornherein vorgegeben, weder im menschlichen Geist noch in der äußeren Welt, wie wir sie wahrnehmen und organisieren. Sie entstehen durch Interaktion zwischen dem Handeln des Subjektes und den Reaktionen des Objektes.“
Assimilation
Wahrgenommenes wird im Sinne bereits vorhandener, kognitiver Strukturen (Schemata) interpretiert.
Akkomodation
Die kognitiven Strukturen (Schemata) müssen an die neue Situation angepasst werden, da die vorhandenen Strukturen für die Lösung nicht ausreichen.
Weiterentwicklung des Denkmodells
Kognitive Konflikte führen zur Weiterentwicklung der kognitiven Strukturen (Schemata), d.h., inadäquate Vorstellungen von der „Welt“ werden durch stimmigere ersetzt ➔ Lernen
Äquilibration
Kind strebt nach einem Gleichgewicht (Entsprechung) zwischen seinem „Modell der Realität“ und den tatsächlichen Gegebenheiten / der Realität.
Piagets Stadien der kognitiven Entwicklung
Mangelnde Objektpermanenz
Weitere ,,Stadien” der Entwicklung
Animismus: Das kind glaubt, dass Dinge belebt, bewusst und voller Absichten sind
Vermächtnis: Kind als aktiver Lerner
Rolle der Pädagogin: Erfahrungsmöglichkeiten bereitstellen, die einen kognitiven Konflikt auslösen
Theorie des domänen-spezifischen Kernwissen
Säuglinge verfügen über spezifisches Wissen (Ausgangswissen) als Fundament für den Wissensaufbau in bestimmten Inhaltsbereichen:
➡ Intuitive Physik und Numerik
➡ Intuitive Biologie
➡ Intuitive Psychologie
Objektkonstanz
Zahlenbegriff
Verständnis des Schwerkraftprinzips
Erkennen kausaler Zusammenhänge
Schon 7 Monate alte Kinder können einfache kausale Zusammenhänge erkennen:
15 Monate alte Kinder können bereits mehrstufige Kausalketten erkennen (3 Objekte, die nacheinander angestoßen werden).
Soziokulturelle Theorie Lev Wygotskis
Kerngedanke
Lernen geht der Entwicklung voraus – Entwicklung ist ein sozialer, sprachvermittelter, kulturell eingebetteter Prozess. (Piaget: eher individualistisch-biologisch orientiert)
Soziale Interaktion
Lernen von kompetenteren Personen durch Anleitung, Modelllernen, Nachahmung
Wissen wird sozial vermittelt
Zone der nächsten Entwicklung (ZPD)
Bereich zwischen eigenständigem Können und möglichem Können mit Unterstützung
Optimale Förderung in dieser Zone (ZPD)
Scaffolding (schrittweise Hilfen geben und abbauen)
Sprache & kulturelle Werkzeuge
Sprache als wichtigstes Werkzeug des Denkens
Entwicklung: äußeres soziales Sprechen -> inneres Sprechen → Denken
Weitere kulturelle Werkzeuge: Schrift, Zahlen, Symbole, technische Hilfsmittel
Kognitive Entwicklung = Aneignung kultureller Werkzeuge
Kultur & Kontext
Entwicklung ist kulturell geprägt; keine universelle Entwicklung, sondern kontextabhängig
Unterschiedliche Werte, Normen, Praktiken formen Denken und Lernen
Kinder als Lehrende und Lernende
Tomasello (Vertreter der soziokulturellen Theorien):
Menschliche Wesen sind einzigartig in ihrer Neigung,
anderen Mitgliedern der eigenen Spezies etwas beizubringen und
solche Unterweisungen zu beachten und daraus zu lernen.
Dies befähigt Kinder, sich in ihre Kultur einzufügen
und diese Kultur an andere weiterzugeben.
Informationsverarbeitungsansatz
Denken wird in Verarbeitungsschritte untergliedert.
Informationsverarbeitung wird bestimmt durch:
Gedächtniskapazität,
Aufmerksamkeitssteuerung,
Wissensstrukturen,
mentale Strategien und
Metagedächtnis.
Entwicklung wird vorrangig erklärt durch quantitativen Kapazitätszuwachs, wobei aber auch qualitative Veränderungen, bspw. die Ausbildung neuer Strategien, angenommen werden.
Entwicklung durch Kapazitätszuwachs
Entwicklungsveränderungen ergeben sich durch:
1. Zunahme der Verarbeitungsgeschwindigkeit,
2. Zunahme des Inhaltswissens,
3. Zunahme automatisierter Info.verarbeitung,
4. Einsatz effizienterer Gedächtnisstrategien,
5. effizientere Nutzung der Kapazität des
Arbeitsspeichers.
Kognitive Entwicklung im Kindesalter
Vergleichsübersicht
Last changed21 days ago