Was ist eine Lungenembolie (LAE)?
Verschluss von Lungenarterien oder deren Ästen durch embolisches Material, meist einen Thrombus aus den tiefen Bein- oder Beckenvenen.
Woher stammen ca. 90 % aller Lungenembolien?
Aus einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT), meist aus proximalen Oberschenkel- oder Beckenvenen.
Welche seltenen Ursachen einer Lungenembolie gibt es?
Fettembolie,
Luftembolie,
Fruchtwasserembolie und
Fremdkörperembolie.
Wie hoch ist die Inzidenz der Lungenembolie?
Etwa 50–100 pro 100.000 Einwohner pro Jahr.
Welche Bedeutung hat die Lungenembolie im kardiovaskulären Bereich?
Sie ist die dritthäufigste akute kardiovaskuläre Erkrankung nach Myokardinfarkt und Schlaganfall.
Was ist eine wichtige Prüfungsfalle bezüglich TVT und LAE?
Nur etwa 25 % der Patient:innen mit LAE zeigen zuvor eindeutige Symptome einer TVT.
Welche drei Faktoren bilden die Virchow-Trias?
Endothelschaden,
Blutstromverlangsamung/Stase und
erhöhte Gerinnungsneigung.
Welche Risikofaktoren erhöhen das Risiko für eine LAE besonders?
Immobilisation,
Operationen,
Trauma,
Schwangerschaft,
hormonelle Kontrazeption,
Malignome,
Thrombophilien,
frühere LAE/TVT.
Welche Gerinnungsstörungen begünstigen eine LAE?
AT-III-Mangel,
Protein-C-Mangel,
Protein-S-Mangel,
APC-Resistenz,
Antiphospholipid-Syndrom und
erhöhte Faktor-VIII-Aktivität.
Warum erhöhen Östrogene das Risiko für eine LAE?
Sie fördern die Gerinnungsneigung des Blutes.
Welche Rolle spielt Nikotinkonsum?
Rauchen erhöht das Thromboserisiko und potenziert das Risiko bei gleichzeitiger Östrogenexposition.
Welchen Weg nimmt ein Thrombus bis zur Lunge?
Bein-/Beckenvene → V. cava inferior → rechtes Herz → Pulmonalarterien.
Was passiert hämodynamisch bei einer größeren LAE?
Der pulmonale Gefäßwiderstand steigt akut an → Rechtsherzbelastung → akutes Cor pulmonale → Herzzeitvolumen sinkt → Hypotonie/Schock.
Warum entsteht bei einer LAE eine Hypoxämie?
Durch ventilierte, aber nicht perfundierte Lungenabschnitte (alveoläre Totraumventilation).
Welche Blutgasveränderung ist typisch?
Hypoxämie und Hypokapnie durch kompensatorische Hyperventilation.
Warum entstehen Lungeninfarkte nur selten?
Die Lunge besitzt eine doppelte Blutversorgung (Vasa publica und privata).
Was ist eine gekreuzte (paradoxe) Embolie?
Übertritt eines venösen Embolus durch ein offenes Foramen ovale in den arteriellen Kreislauf.
Welche Spätkomplikation kann nach rezidivierenden Embolien entstehen?
Chronische thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH).
Welche Situationen können eine Embolisation eines bestehenden Thrombus auslösen?
Morgendliches Aufstehen,
Defäkation,
Husten und
plötzliche körperliche Belastung.
Welches sind die häufigsten Symptome einer LAE?
Plötzlich einsetzende Dyspnoe/Tachypnoe und Tachykardie.
Wie häufig treten atemabhängige Thoraxschmerzen auf?
Bei etwa 70 % der Patient:innen.
Welche weiteren typischen Symptome können auftreten?
Angstgefühl,
Husten,
Schweißausbruch,
Synkope,
Hämoptysen und
Schockzeichen.
Wann treten Hämoptysen besonders auf?
Bei Vorliegen eines Lungeninfarkts.
Welche Zeichen sprechen für eine Rechtsherzbelastung?
Jugularvenenstauung,
Tachykardie,
Hypotonie und
Zeichen des Cor pulmonale.
Welche klinische Konstellation sollte immer an eine LAE denken lassen?
Akute Dyspnoe und Thoraxschmerzen nach längerer Immobilisation, Operation oder Flugreise.
Welche akute Komplikation der LAE ist besonders gefürchtet?
Obstruktiver Schock bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand.
Welche pulmonale Komplikation kann auftreten?
Hämorrhagischer Lungeninfarkt mit sekundärer Infektion.
Welche neurologische Komplikation kann durch eine paradoxe Embolie entstehen?
Ischämischer Schlaganfall.
Was ist der erste Schritt bei Verdacht auf LAE?
Einschätzung der hämodynamischen Stabilität.
Wann gilt ein Patient als hämodynamisch instabil?
Bei systolischem RR < 90 mmHg, Schock oder Herz-Kreislauf-Stillstand.
Welche Bedeutung hat die hämodynamische Instabilität?
Sie kennzeichnet eine Hochrisiko-LAE mit einer 30-Tage-Mortalität >20 %.
Welche Faktoren enthält der sPESI-Score?
Alter >80 Jahre,
Malignom,
chronische Herz-/Lungenerkrankung,
HF ≥110/min,
systolischer RR <100 mmHg,
O₂-Sättigung <90 %.
Wie wird der sPESI interpretiert?
0 Punkte = niedriges Risiko (~1 % Mortalität),
≥1 Punkt = erhöhtes Risiko (~11 % Mortalität).
Wozu dient der Wells-Score bei LAE?
Abschätzung der klinischen Wahrscheinlichkeit bei hämodynamisch stabilen Patient:innen.
Wie wird der vereinfachte Wells-Score interpretiert?
0–1 Punkt = geringe Wahrscheinlichkeit;
≥2 Punkte = hohe Wahrscheinlichkeit.
Was folgt bei Wells 0–1 Punkt?
D-Dimere bestimmen.
Was folgt bei Wells ≥2 Punkten?
Direkt CT-Pulmonalisangiografie.
Welche Eigenschaft haben D-Dimere bei LAE?
Hohe Sensitivität, aber geringe Spezifität.
Wofür eignen sich D-Dimere besonders?
Zum Ausschluss einer LAE.
Welcher D-Dimer-Wert macht eine LAE unwahrscheinlich?
<500 ng/ml.
Nenne Ursachen für falsch-positive D-Dimere.
Infektionen,
Tumoren,
DIC,
Sepsis.
Welcher BGA-Befund ist typisch?
Hypoxämie und Hypokapnie.
Was ist der häufigste EKG-Befund bei LAE?
Sinustachykardie.
Welcher klassische Lagetyp wird häufig geprüft?
SI-QIII-Typ.
Was bedeutet SI-QIII-Typ?
S-Zacke in Ableitung I und Q-Zacke in Ableitung III.
Welche weiteren EKG-Zeichen einer Rechtsherzbelastung können auftreten?
Rechtsschenkelblock,
P-pulmonale,
ST-Veränderungen in V1–V3,
Vorhofflimmern.
Was ist die Methode der Wahl zum Nachweis einer LAE?
CT-Pulmonalisangiografie (CTPA).
Was zeigt die CTPA?
Kontrastmittelaussparungen/Füllungsdefekte in den Pulmonalarterien.
Wann wird eine Ventilations-Perfusions-Szintigrafie bevorzugt?
Bei Kontraindikationen gegen jodhaltiges Kontrastmittel oder in der Schwangerschaft.
Welche Rolle spielt die Echokardiografie?
Nachweis einer Rechtsherzbelastung und Risikostratifizierung.
Welche Echo-Befunde sprechen für eine schwere LAE?
RV-Dilatation,
eingeschränkte RV-Funktion,
paradoxe Septumbewegung,
Trikuspidalinsuffizienz.
Welche zwei klassischen Röntgenzeichen können bei LAE auftreten?
Westermark-Zeichen und Hampton-Hump.
Wozu dient die Duplexsonografie der Beinvenen?
Nachweis der TVT als Emboliequelle.
Was ist die Basistherapie jeder LAE?
Therapeutische Antikoagulation.
Welche Medikamente werden initial verwendet?
Niedermolekulares Heparin,
Fondaparinux oder
unfraktioniertes Heparin.
Wann wird bevorzugt UFH eingesetzt?
Bei hämodynamischer Instabilität und geplanter Lysetherapie.
Welche DOAK können primär eingesetzt werden?
Apixaban und Rivaroxaban.
Wann besteht eine Indikation zur systemischen Thrombolyse?
Bei hämodynamisch instabiler Hochrisiko-LAE.
Welche Lysemedikamente kommen infrage?
Alteplase (rtPA),
Streptokinase und
Urokinase.
Wird die Antikoagulation während der Lyse gestoppt?
Nein, sie läuft parallel weiter.
Nenne absolute Kontraindikationen der Lysetherapie.
Hämorrhagischer Insult,
frischer ischämischer Insult (<6 Monate),
aktive Blutung,
kürzliche große OP/Trauma,
ZNS-Tumoren.
Nenne wichtige relative Kontraindikationen der Lysetherapie.
orale Antikoagulation,
Endokarditis,
aktives Ulkus,
schwere Hypertonie.
Wann kommen Katheterverfahren infrage?
Bei hämodynamischer Instabilität oder wenn eine Lyse nicht möglich ist.
Wann wird eine operative Embolektomie durchgeführt?
Nur bei Versagen aller anderen Therapien.
Wie lange sollte mindestens antikoaguliert werden?
Mindestens 3 Monate.
Wann genügt meist eine Antikoagulation von 3–6 Monaten?
Bei erstmaliger LAE mit transientem Risikofaktor (z.B. Operation).
Wann ist häufig eine lebenslange Antikoagulation notwendig?
Bei aktiven Malignomen,
idiopathischer proximaler TVT oder
Rezidiv-LAE.
Was sind typische Ursachen einer Fettembolie?
Frakturen langer Röhrenknochen,
Osteosynthesen oder
Endoprothesenimplantationen.
Wie wird eine Fettembolie behandelt?
Symptomatisch (Oxygenierung, Intensivtherapie, Behandlung des ARDS).
Welche Trias ist typisch für die Fettembolie?
Dyspnoe,
petechiale Blutungen und
neurologische Symptome (Verwirrtheit bis Koma).
Was ist die Ursache einer Fruchtwasserembolie?
Übertritt von Fruchtwasser in den mütterlichen Kreislauf.
Wann tritt eine Luftembolie typischerweise auf?
Nach Gefäßverletzungen, ZVK-Anlage oder bei Taucherunfällen.
Welche Gerinnungsstörung tritt häufig bei Fruchtwasserembolie auf?
Verbrauchskoagulopathie (DIC).
Wie hoch ist die Gesamtletalität der akuten Lungenembolie?
Etwa 10 %
Wie hoch ist die Rezidivrate?
Etwa 30 %.
Welche Maßnahme reduziert das Rezidivrisiko am effektivsten?
Konsequente Antikoagulation und Beseitigung von Risikofaktoren.
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