Selbstkonzept- und Persönlichkeitsentwicklung
Wie bin ich geworden, der ich heute bin?
Welche Eigenschaften habe ich?
Welche Vorstellung habe ich von mir?
Wie beurteile ich mich?
Wie wirksam erlebe ich mich?
Biopsychosoziales Modell der Persönlichkeitsentwicklung
Einflussfaktoren auf die Persönlichkeitsentwicklung
Individuelle Eigenheiten: Genetische Dispositionen, hirnorganische Auffälligkeiten, Temperament
Psychosoziale Einflüsse der Familie
Lebensumstände: Sozio-demographische Faktoren (Ausbildung der Eltern, Anzahl der Kinder, …)
Persönlichkeit der Eltern: Passung zw. Erziehungsstil u. kindlichen Bedürfnissen; Psychopathologie; elterliche Einstellungen
Gesellschaft und Lebenswelt: kulturelle und soziale Anforderungen, historische Ereignisse
Intentionale Selbstgestaltung: aktive, zielgerichtete Gestaltung der eigenen Entwicklung
Temperament
Unterschiede in den emotionalen und aufmerksamkeitsbezogenen Reaktionen u. der Selbstregulation
Temperamentsdimensionen von Thomas und Chess
Aktivitätsniveau
Regelmäßigkeit biologischer Rhythmen
Annäherung / Vermeidung neuer Reize
Anpassungsvermögen
sensorische Reizschwelle
Stimmungslage
Intensität der Reaktionen
Ablenkbarkeit
Aufmerksamkeit/Ausdauer
Was ist Persönlichkeit?
Mit dem Begriff der Persönlichkeit bezeichnet man die Gesamtheit der Eigenschaften und Verhaltensdispositionen eines Menschen, die ihn zeitlich relativ stabil und über verschiedene Situationen hinweg charakterisieren und von anderen unterscheiden.
Big-Five-Modell Übersicht
Big-Five-Modell Genauigkeit
Eine emotional belastbare Person hat die Ruhe weg, ist schnell zu beruhigen, oft gut gelaunt und freudig gestimmt.
Eine extravertierte Person ist nach außen gerichtet, gesellig und oft auf der Suche nach neuen Reizen.
Eine offene Person sucht gerne neue Erfahrungen. Es besteht ein hohes Bedürfnis nach Abwechslung und Exploration. Reizmonotonie wird schlecht ertragen.
Eine verträgliche Person wird versuchen, soziale Konflikte positiv zu lösen. Es besteht eine hohe Schwelle in Bezug auf aggressive Verhaltensweisen. Anpassungsgefahr.
Eine gewissenhafte Person orientiert sich an Regeln und Normen. Gefahr der Gehorsamsneigung.
Selbst als duales Phänomen - William James
Selbstkonzept als Begriff
Selbstkonzept enthält das selbstbezogene Wissen einer Person (kognitive Komponente des Selbst)
Aufbau des Selbstkonzepts
nach Rosenberg (1979)
Desired Self
Wie das Individuum gerne sein möchte.
Extant Self
Wie sich das Individuum selbst sieht.
Presenting Self
Wie sich das Individuum gegenüber anderen zeigt.
Meilensteine der Selbstentwicklung
ab etwa 1,5 Jahren:
visuelles Selbsterkennen
Benutzen des eigenen Namens und Personalpronomens
2-Jährige zeigen:
Rouge-Test• Verlegenheit und Scham (Sorge um Beurteilung)
Tendenz zur Selbstbehauptung (Autonomieoder Trotzphase)
ab etwa 4 Jahren:
Existenz eines autobiografischen Gedächtnisses
Erleben des Selbst als zeitlich invariante Entität
Entwicklungsmodell des Selbstkonzeptes
nach Damon und Harts
Einussfaktoren auf die Selbstkonzeptentwicklung
Identitätsbildung
zentrale Entwicklungsaufgabe des Jugendalters, aber prinzipiell lebenslanger Prozess!
Identität
nach Eschenbeck und Knauf (2018)
… „umfasst das Erleben eines kohärenten, integrierten Selbst, das sichere Gefühl einer stabilen, inneren Kontinuität und Gleichheit mit sich selbst über verschiedene Situationen.“
Identitätsentwicklung als zentrale Entwicklungsaufgabe
Die Aufgabe besteht darin, ein stimmiges Selbstbild zu entwickeln: Wer bin ich, wo gehöre ich hin, wie soll mein Leben aussehen?
Relevanz:
Grundlage für Selbstachtung und psychische Stabilität
Vorbereitung auf Autonomie und Erwachsenenrollen
Schutzfaktor gegen Risikoverhalten (z. B. Drogen, problematische Peergruppen)
Vier Identitätsstadien nach Marcia (1980)
Vier Identitätszustände nach Marcia
Identitätsdiffusion
Keine klare Orientierung, keine Exploration
Häufig bei unsicherer Bindung oder fehlender Unterstützung
Gefahr von Orientierungslosigkeit, Schulabbruch, Substanzkonsum – aber noch entwicklungsoffen.
Moratorium
Aktive Exploration, aber noch keine endgültigen Entscheidungen bzw. keine Verpflichtung
Typisch für Jugendliche und junge Erwachsene
Kernstück der Identitätsbildung -> fördert kritisches Denken, Autonomie und Selbstreflexion.
Übernommene Identität (foreclosure)
Verpflichtungen ohne Exploration
Identität wird unkritisch übernommen
Kurzfristig stabil, langfristig riskant -> geringere Flexibilität, Anpassungsdruck, spätere Identitätskrisen möglich.
Erarbeitete Identität (achievement)
Krise durchlebt, reflektierte Entscheidungen getroffen
Verbunden mit hohem Wohlbefinden, psychischer Stabilität, Zielstrebigkeit, sozialer Kompetenz
Selbstwert als Begriff
resultiert aus der Bewertung der selbstbezogenen Wissensinhalte (affektive Komponente des Selbst).
Entwicklung des Selbstwertgefühls
Selbstwert Säulen
Möglichkeiten zur Förderung eines positiven Selbstwertgefühls
Vorwürfe, Vorverurteilungen, Erwartungen vermeiden.
Kritik situationsbezogen und sachlich äußern.
Akzeptierende und wertschätzende Grundhaltung
Kindlichen Eigensinn anerkennen und fördern.
Kindern ihr Recht auf Gefühle lassen, diese ernst nehmen und akzeptieren.
Kinder angemessen positiv verbal begleiten.
Selbstwirksamkeit als Begriff
Selbstwirksamkeit kennzeichnet die subjektive Gewissheit, neue oder schwierige Anforderungssituationen auf Grund eigener Kompetenz bewältigen zu können.
Selbstwirksamkeit im Modell
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