Was zeichnet die Generalisierte Angststörung (6B00) nach den diagnostischen Kriterien des ICD-11 aus?
-> Kennzeichnend sind ausgeprägte Angstsymptome über mindestens
mehrere Monate an der Mehrzahl der Tage
Die ausgeprägten Angstsymptome äußern sich..
entweder in allgemeiner Besorgnis (d. h. "frei schwebende Angst")
oder in übermäßiger Besorgnis, die sich auf mehrere alltägliche Ereignisse konzentriert (zumeist im Kontext Familie, Gesundheit, Finanzen, Schule oder Beruf)
Hinzukommen zusätzliche Symptome, u.a. Muskelverspannungen oder motorischer Unruhe, sympathische autonome Überaktivität, subjektives Erleben von Nervosität, Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Konzentration, Reizbarkeit, Schlafstörung
Symptome führen zu erheblichem Leidensdruck oder erheblicher
Beeinträchtigung in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen,
beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.
Symptome sind nicht Ausdruck eines anderen Gesundheitszustands und sind nicht auf die Wirkung einer Substanz oder einer Medikation auf das zentrale Nervensystem zurückzuführen.
Was ist der phobische Stimulus?
Phobischer Stimulus bei der generalisierten Angststörung: Keiner. Die Angst ist nicht an einen spezifischen Reiz gebunden, sondern besteht als anhaltende und übermäßige Sorge bezüglich verschiedener alltäglicher Lebensbereiche.
Beschreibe die Entwicklung und den Verlauf der GAS.
Entwicklung:
Mittleres Alter des Störungsbeginns: 30 Jahre
ABER: Viele Personen mit GAS berichten, dass sie sich in ihrem
ganzen Leben ängstlich und nervös gefühlt haben
Verlauf:
Symptome neigen zur Chronizität, der Anteil von Vollremissionen ist
sehr gering
Klinisches Erscheinungsbild ist über die Lebensspanne hinweg
relativ konstant.
Hauptunterschied zwischen den Altersgruppen sind die
Sorgeninhalte.
Beschreibe das Modell der generalisierten Angststörung:
Stimilius: Angst, tiefere negative Emotionen zu spüren#
Fokus auf Bedrohung
Erleben
Sorgen
z.B. “Welt ist gefährlich” -> Grundannahmen über sich und die Welt
Diese Schemata sorgen dafür, dass das Angstsystem leicht aktiviert wird.
als Folge dysfunktionaler Schemata
Wachsamkeit gegenüber potentieller Gefahr / Bedrohungsszenarien
Man „scannt“ ständig die Umwelt
Angstsignale werden überempfindlich wahrgenommen
Das erhöht direkt die Angst (Zentrum des Modells).
Dysfunk. z.B. mangelnde Konzentration
Übererregung z.B. chronische Anspannung, Stress -> Ich spüre da ist was
Wird wiederum als Beweis für die Sorgen interpretiert
Alle Menschen haben Sorgen Typ-I: Klein und Groß (z.B. schaffe ich es morgen rechtzeitig aufzustehen?) -> sind was gutes, da Problemlösung
“Was wenn ich krank werde?”
Durch Sorgen:
fühlt man Angst weniger intensiv
vermeidet man starke Emotionen
➡️ Angst wird nicht durchlebt ➡️ kann sich nicht abbauen
🔁 Das hält die Angst langfristig aufrecht.
Sorgen über das Sorgenmachen selbst
Typische Gedanken:
„Ich kann meine Sorgen nicht kontrollieren.“
„Das macht mich krank.“
„Ich verliere den Verstand.“
Diese Meta-Sorgen sind besonders angstauslösend
sie erhöhen die Grundangst massiv
Vermeidungsverhalten
Situationen meiden
Rückversicherung einholen
Ablenkung
Gedankenunterdrückung
„Ich darf das nicht denken“
❗ Paradoxer Effekt: -> Gedanken kommen häufiger und stärker zurück
Dysfunktionale Schemata → Angst → Sorgen Typ I →Meta-Sorgen → Vermeidung & Gedankenunterdrückung →keine emotionale Verarbeitung → mehr Angst
Was was bedeutet eine generalisierte Angststörung für den Alltag von Betroffenen?
Eine Generalisierte Angststörung beeinträchtigt den Alltag vor allem durch anhaltende und übermäßige Sorgen, die viele Lebensbereiche betreffen. Die Betroffenen erleben die Sorgen häufig als schwer kontrollierbar, obwohl oft keine unmittelbare Bedrohung besteht.
Mögliche Auswirkungen im Alltag sind:
Ständiges Grübeln und Sorgen über Gesundheit, Familie, Arbeit, Finanzen oder alltägliche Ereignisse.
Konzentrationsprobleme, da die Gedanken ständig um mögliche Probleme kreisen.
Schlafstörungen, z. B. Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen.
Körperliche Anspannung mit Symptomen wie Muskelverspannungen, Unruhe, Zittern oder schneller Ermüdbarkeit.
Reizbarkeit und das Gefühl, ständig „unter Strom“ zu stehen.
Eingeschränkte Leistungsfähigkeit in Beruf, Schule oder Studium.
Vermeidungsverhalten oder übermäßiges Kontrollieren, um mögliche Risiken zu vermeiden oder sich zu beruhigen.
Beeinträchtigte soziale Beziehungen, weil Sorgen viel Zeit und Energie beanspruchen.
Kurz für die Prüfung:
Eine generalisierte Angststörung führt zu anhaltenden, schwer kontrollierbaren Sorgen über verschiedene Lebensbereiche, die Konzentration, Schlaf, Leistungsfähigkeit und soziale Beziehungen beeinträchtigen und dadurch den Alltag deutlich einschränken.
Im Gegensatz zur Agoraphobie oder einer Spezifischen Phobie steht dabei nicht die Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation im Vordergrund, sondern eine andauernde, diffuse Besorgnis über viele Bereiche des Lebens.
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