Was zeichnet die Soziale Angststörung (6B04) nach den diagnostischen Kriterien des ICD-11 aus?
-> Ausgeprägte und übermäßige Furcht oder Angst, die immer wieder in
einer oder mehreren sozialen Situationen auftritt, z.B.
bei sozialen Interaktionen (z.B. Unterhaltung)
bei Handlungen, bei denen man sich beobachtet fühlt (z.B. beim Essen oder Trinken in Gegenwart anderer)
bei Auftritten vor anderen (z.B. beim Halten einer Rede)
-> Dahinter steckt negative Bewertung / soziale Ablehung
-> Betroffene sind besorgt, dass sie sich in einer Weise verhalten oder
Angstsymptome zeigen, dass sie von anderen negativ bewertet werden.
-> Entsprechende soziale Situationen werden konsequent vermieden oder
unter intensiver Furcht oder Angst ertragen
-> Die Symptome sind so schwerwiegend, dass sie zu erheblichem Stress
oder erheblichen Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären,
sozialen, schulischen beruflichen oder anderen wichtigen
Funktionsbereichen führen.
-> Symptomdauer: mindestens mehrere Monate lang
Beschreibe die Entwicklung und den Verlauf der sozialen Angststörung.
Entwicklung:
nach Vorgeschichte sozialer Hemmung oder Schüchternheit in der Kindheit
in folge eines belastenden (z.B. Mobbing) oder peinlichen Ereignisses (z.B. Erbrechen währedn öffenticher Rede)
ABER: auch schleichender Beginn möglich
In 75% der Fälle Ersterkrankung zw. 8 und 15 Jahren -> im Schnitt 13 Jahre
Im Erwachsenenalter eher selten, wenn dann infolge belastenden / peinlichen Ereignisses oder Lebensveränderung mit neuer sozialer Rolle
Verlauf:
Typisch ist ein chronischer Verlauf:
ca. 30% der Betroffenen erleben eine Remission innerhalb von
einem Jahr
bei 60% der Betroffenen ohne spezifische Behandlung dauert
die Soziale Angststörung über mehrere Jahre an
Günstige Prognose
Ungünstige Prognose
Späterer Störungsbeginn
Geringere Funktionsbeeinträchtigungen
Fehlen komorbider Störungsbilder
ausgeprägte Symptomschwere
Komorbiditäten, v.a.
Alkoholmissbrauch,
Persönlichkeitsstörungen,
generalisierte Angststörung,
Panikstörung, Agoraphobie
Erkläre die Bedeutung für Betroffene.
ACHTUNG: Es geht hier NICHT um „ausgeprägte Schüchternheit“
und infolgedessen Rückzug aus größeren Gruppen
SONDERN: Umfassendes Leiden und Beeinträchtigungen
Verminderte subjektive Lebensqualität
Einschränkungen in sozialen Funktionsbereichen
Typisch sind frühzeitiger Schulabbruch, höheres Risiko für Arbeitslosigkeit, Arbeit in Positionen unterhalb der eigentlichen Qualifikation
Häufige Komorbiditäten (v.a. andere Angststörungen, depressive
Störungen UND v.a. erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Störungen durch Substanzgebrauch zur Kompensation von Angstsymptomen)
Was bedeutet eine soziale Angststörung für den Alltag der Betroffenen?
Eine Soziale Angststörung kann den Alltag stark beeinträchtigen, weil Betroffene soziale Situationen aus Angst vor negativer Bewertung vermeiden.
Mögliche Auswirkungen im Alltag sind:
Vermeidung sozialer Situationen, z. B. Gespräche, Partys, Vorträge oder Treffen mit fremden Menschen.
Einschränkungen in Schule, Studium oder Beruf, etwa durch Angst vor Präsentationen, Gruppenarbeiten oder Meetings.
Schwierigkeiten, neue Kontakte zu knüpfen und Freundschaften oder Beziehungen aufzubauen.
Soziale Isolation, weil Einladungen oder gemeinsame Aktivitäten häufig abgesagt werden.
Starke körperliche Angstsymptome in sozialen Situationen, z. B. Erröten, Zittern, Schwitzen, Herzklopfen oder Übelkeit.
Geringes Selbstwertgefühl und ständige Sorge, sich peinlich zu verhalten oder negativ beurteilt zu werden.
Verminderte Lebensqualität, da viele alltägliche Aktivitäten mit großer Angst verbunden sind.
Kurz für die Prüfung:
Eine soziale Angststörung führt dazu, dass Betroffene soziale Situationen aus Angst vor negativer Bewertung vermeiden. Dadurch werden Schule, Beruf, Beziehungen und Freizeit häufig erheblich eingeschränkt.
Beschreibe das Modell zur Aufrechterhaltung sozialer Ängste nach Clark und Wells (1995)
phobische Stimulus: Angst peinlich zu sein
Betroffene Person gerät in angstauslösende soziale Situation
Es kommt zur Aktivierung dysfunktionaler kognitiver Schemata (Biographisch gewachsen; “Ich mache immer alles falsch”) zugleich aktuelle Gedanken die Situation bewertet als potientiell peinlich, gefährlich, etc.
Zugleich physiologische Reaktionen, wie Errötten, Schwitzen, Zitteren, die Gedanken verschärfen oder zu neuen Gedanken führen (“Jetzt zittere ich auch noch, die anderen merken, dass ich aufgeregt bin…”)
-> Biologische Vulenerabilität kann Rekationen verstärken, z.B. dünne Haut
Umlenkung der Aufmerksamkeit von außen nach innen -> Andere sehen mich genauso / bemerken mein Zitteren -> schlechtes Selbstbild
Entwicklung von Sicherheitsverhalten: z.B. Blickkontakt meiden, Alkohol trinken, statt zu hinterfragen, ob Angst tatsächlich berechtigt
Im weiteren Verlauf: Enntwicklung negativer Erwartungsangst und nachträgliche Situationsbewertung (Grübeln)
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