In der Spätantike war die Unterscheidung von Theologie und Philosophie noch nicht so etabliert, die Scholastik hat sich später ausgebildet
W o. F?
Wahr
Der Neuplatonismus liefert das maßgebliche Modell für die Patristik um christliche Glaubensinhalte begrifflich herauszuarbeiten.
Wahr oder Falsch
Augustinus versteht die Einheit von Theorie und Praxis wie Platon und hellenistische Schulen.
Augustinus hält an der antiken Auffasung fest, dass alle Menschen nach einem guten Leben streben. W o F?
Augustinus orientiert sich an der neuplatonischen Ansicht, dass alle Mneschen nach einer Rückkehr zum göttlichen Ursprung streben. Wahr oder Falsch?
In welcher Epoche wirkten Augustinus und Boethius?
In der Spätantike (Augustinus 354–430; Boethius ca. 480–524)
Welches philosophische Modell prägte beide Denker maßgeblich?
Der Neuplatonismus
Warum sollte man sie nicht einfach nur als „Theologe“ oder „Philosoph“ abstempeln?
Weil diese strikte Trennung in der Spätantike noch nicht etabliert war
Welches übergeordnete Ziel verfolgt die Patristik?
Die christlichen Glaubensinhalte begrifflich herauszuarbeiten und gegen Einwände zu verteidigen.
Was ist für Augustinus der einzige Grund, Philosophie zu betreiben?
Die Anleitung unseres Glücksstrebens (beata vita)
Wonach streben laut der neuplatonischen Sicht alle Menschen?
Nach einer Rückkehr zum göttlichen Ursprung
Was ist das „höchste Gut“ bei Augustinus?
Gott; nur er kann das Glück dauerhaft machen.
Erkläre den Begriff „frui“
Ein Genießen Gottes als Selbstzweck, das jede Bezugnahme auf Höheres ausschließt
Erkläre den Begriff „uti“
Das Gebrauchen von Dingen der Welt als Mittel, um Gott zu erreichen.
Welches Werk gilt als die erste philosophische Autobiografie
Die Confessiones (Bekenntnisse)
Welche radikale Neuerung führt Augustinus bezüglich des Willens ein?
Der Wille ist ein eigenständiges Vermögen zwischen Begierden und Erkenntnissen; man kann das Schlechte auch als Schlechtes wollen
Was bedeutet „privatio boni“ im Zusammenhang mit dem Bösen?
Das Böse ist keine eigene Substanz, sondern ein Mangel an Gutem
Wie unterschied sich der „frühe“ vom „späten“ Augustinus in der Gnadenlehre?
Früher: Gnade für alle, die sich frei entscheiden. Gnade liegt (gratia) in einer Erlösung , die allen Menschen zuteil wird, wenn sie sich frei zum Glauben entscheiden.
Später: Gnade als Privileg weniger Auserwählter, Bevor sie uns geschenkt wird und wir zu glauben beginnen, sind wir nicht wirklich frei, sondern können streng genommen nur das Böse zu tun. Als Grundlage dient die Erbsündenlehre (Adam und Eva).
Was ist die Grundlage für die Notwendigkeit der Gnade?
Die Erbsündenlehre (Adam und Eva).
Welches Begriffspaar stellt Augustinus gegen den „Hochmut des Weisen“ (superbia)?
Die Demut des Gläubigen (humilitas)
Was bedeutet „creatio ex nihilo“?
Schöpfung aus dem Nichts; Gott benötigt keine Materie zur Weltschöpfung, Allguter Gott kann nur gutes schaffen
Wie wird Geschichte bei Augustinus erstmals verstanden?
Als ein linearer Prozess in sechs Weltaltern.
Wie erklärt Augustinus dass Menschen willentlich Böses tun können, wenn der Gott nur Gutes schafft?
Für Augustinus hat das Böse keine eigene, substantielle Realität. Er definiert es, in Abkehr vom Dualismus der Manichäer, als einen Mangel an Gutem. Das Böse ist also kein „Ding“, das Gott erschaffen hat, sondern ein Defekt oder ein Wegsehen vom Guten.
Wo liegt der Ursprung des moralischen Bösem laut Augustinus?
Der eigentliche Ursprung des (moralisch) Bösen liegt laut Augustinus allein in unserem freien Willen. Gott hat uns den Willen als ein Vermögen gegeben, das zwischen Begierde und Vernunft steht
Kann man laut Augustinus Böses aus Irrtum tun, so wie es Sokrates vertritt?
Nein, im Gegensatz zur antiken Auffassung (Sokrates), dass man das Böse nur aus Irrtum tut, betont Augustinus, dass wir das Schlechte auch als Schlechtes wollen können. Der Wille ist bei ihm so unabhängig, dass wir uns ganz bewusst gegen die göttliche Güterhierarchie entscheiden können
Welche Rolle spielt die Erbsündenlehre bzw die Gnade bei Augustinus?
In seinem Spätwerk verschärft Augustinus diese Sicht durch die Erbsündenlehre: Seit dem Sündenfall von Adam und Eva ist der Mensch aus eigener Kraft sogar „streng genommen“ nur noch dazu fähig, das Böse zu tun. Er benötigt die göttliche Gnade (gratia), um überhaupt wieder zum Guten befreit zu werden
Wo findet laut Augustinus die Ausdehnung der Zeit statt?
In der menschlichen Seele.
Augustinus Zeittheorie:
Wie nennt Augustinus die Vergangenheit in der Seele?
Wie nennt er die Gegenwart in der Seele?
Wie nennt er die Zukunft in der Seele?
Erinnerung, Anschauen, Erwartung
Welches ehrgeizige Übersetzungsprojekt verfolgte Boethius?
Die Übersetzung des Gesamtwerks von Platon und Aristoteles ins Lateinische
Was wollte Boethius durch die Übersetzungen Platon & Aristoteles beweisen?
Dass Platon und Aristoteles im Wesentlichen übereinstimmen.
Welches Werk verfasste er in der Haft? Wer tritt in diesem Werk als heilende Figur auf?
Die Consolatio philosophiae (Trost der Philosophie). Die personifizierte Philosophie, die „platonisch-stoische Medizin“ verabreicht
Welches Problem ergibt sich aus Gottes Allwissenheit für die menschliche Freiheit? (4. Buch Boethius)
Wenn Gott alles voraussieht, scheint menschliches Handeln vorherbestimmt und unfrei zu sein
Wie definiert Boethius die Ewigkeit Gottes?
Als „der zugleich ganze Besitz des unbegrenzbaren Lebens“ (interminabilis vitae tota simul atque perfecta possessio).
Was ist der Unterschied zwischen „praevidentia“ und „providentia“? Boethius
Praevidentia wäre zeitliches Vorauswissen (das Gott nicht hat); Providentia ist die ewige, überzeitliche Vorsehung (die Gott hat)
Wie definiert Augustinus das Wesen des Bösen?
Das Böse ist keine eigene Substanz, sondern ein Mangel an Gutem (privatio boni)
Warum radikalisiert Augustinus den Willensbegriff?
Weil er betont, dass wir das Schlechte willentlich um seiner selbst willen wählen können, nicht nur aus Irrtum
Was besagt seine späte Gnadenlehre?
Aufgrund der Erbsünde ist der Mensch ohne göttliche Gnade (gratia) unfähig zum Guten; Gnade ist ein Privileg Auserwählter
Was ist die „Medizin“, die die Philosophie dem Boethius verabreicht?
Eine platonisch-stoische Argumentation, die ihn lehrt, dass das Schicksal (fatum) der göttlichen Vorsehung folgt und wahre Stärke in der Tugend liegt
Auf welchen antiken Dialog stützt sich Boethius bei der Behauptung, die Guten seien stark und die Schlechten schwach?
Auf Platons Gorgias
Warum gelten die Schlechten trotz ihrer weltlichen Macht als „schwach“? Boethius
Weil sie das Ziel, nach dem alle streben – das wahre Glück und das vollkommene Gute –, nicht erreichen können
Inwiefern ist Strafe für den Schlechten etwas „Gutes“? Boethius
Sie wirkt als „Medizin“, die seine Irrtümer korrigiert und ihn zur Einsicht oder in die gerechte Ordnung zurückführt
Was ist der grundlegende Unterschied zwischen providentia (Vorsehung) und fatum (Schicksal) ? Boethius
Welches Bild hilft, das Verhältnis von Vorsehung und Schicksal zu verstehen?
Providentia ist Gottes vollkommener Plan in der Ewigkeit; fatum ist die Ausführung dieses Plans in der veränderlichen Zeit
Das Bild eines Rades: Die unbewegte Achse ist die Vorsehung, die sich drehenden Speichen sind das Schicksal
Warum erscheint uns das Schicksal oft ungerecht? Boethius
Weil wir nur die zeitliche Abfolge der Ereignisse (fatum) sehen, aber nicht den übergeordneten, ewigen Plan (providentia) Gottes
Warum bleibt der Mensch trotz Gottes Vorsehung frei? Boethius
Weil Gottes Wissen unseren Handlungen nicht zeitlich (temporal) vorausgeht, sondern sie überzeitlich (ontologisch) sieht, ohne sie zu erzwingen
Welches Ziel verfolgt die „Philosophie“ von Boethius mit dieser komplexen Argumentation?
Das praktische Ziel der Tröstung Boethius’, indem sie zeigt, dass die Welt trotz seines Leidens vernünftig geordnet bleibt
Wie lautet die berühmte Definition der Person von Boethius?
„Unteilbare Substanz von vernünftiger Natur“ (naturae rationalis individua substantia)
Auf welche drei seelischen Vermögen bezog Augustinus die göttlichen Personen?
Erkennen, Wollen und präreflexives Selbstbewusstsein.
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