Risikofaktoren / Ursachen
genetische Faktoren -> Angehörige von Erkrankten, erkranken häufiger
neurobiologische Faktoren -> Überschuss an Dopamin oder Dopaminüberempfindlichkeit, Fehlfunktion des Glutamatsystem
strukturelle Veränderung des Gehirns -> häufig Vergrößerung der Liquorräume
erworbene Schädigung des Gehirn -> Frühkindliche Schädigung des Gehirns (z.B. Erkrankung während der Schwangerschaft oder Sauerstoffmangel bei der Geburt)
psychosoziale Faktoren -> stark belastende Lebensereignisse & andauernde Anspannung; Wohnort (Überstimulation)
Verlauf Schiziphrenie mit Grafik
Beginn (Prodromalphase)
wird oft erst im nachhinein bemerkt
unspezifische Symptome; negativ Symptome
Psychotische Vorphase
erste Positivsymptome treten auf
Akute Phase
Erkrankung wird deutlich sichtbar
Positivsymptome überwiegen
Phasenhafter Verlauf -> bei 20 % erfolgt nur eine Episode, bei 80% kommt es zu einem Rezidiv
Prognose inkl. Einflussfaktoren
> 50 % haben einen günstigen Verlauf mit geringer Restsymptomatik -> vollständige soziale Wiedereingliederung
25% haben einen ungünstigen Verlauf mit chronischer Symptomatik -> Betreuung, Heimunterbringung o.ä. meist notwendig
hohes Suizidrisiko (10% versterben an Suizid)
Einflussfaktoren für einen günstigen Verlauf
akute Erstmanifestation + deutlicher Positivsymptomatik
gute Remission nach der ersten psychotischen Episode
stabiles soziales Netz
konsequente Therapie
weibliches Geschlecht
Einflussfaktoren für einen ungünstigen Verlauf
schleichende, langgestreckte Symptomentwicklung bei Erstmanifestation
bei Beginn deutliche Negativsymptome
instabile soziale Verhältnisse
männliches Geschlecht
Symptome
Positivsymptome ->
Wahneinfälle & Wahnvorstellungen -> meistens Verfolgungs-, Vergiftungs- oder Größenwahn
Halluzinationen -> Geräusche, Lärm oder einzelne Wörter; typisch ist das Stimmenhören
Störung des Ich-Erlebens -> Betroffene erleben das eigene Ich / bestimmte Körperteile als verändert oder fremd; sie haben das Gefühl, dass andere ihre Gedanken lesen oder steuern; manche glauben sie werden als ganzes von außen gesteuert
Affektstörung -> Äußerungen der Gefühle passen nicht zur Situation; es kommt zu plötzlicher Panik, Angst, Wutausbrüchen, agressivem Verhalten oder spontaner Freude & Heiterkeit
Negativsymptome ->
Antriebsstörung -> Motivations- & Antriebsarmut
Gefühlsarmut, Niederschlagenheit bis Depression, oft in Verbindung mit sozialem Rückzug
Sprachverarmung
kognitive Symptome -> Konzentrations-, Gedächtnisstörung und Störung bei der Planung von Handlungen
paranoid-halluzinatorische Schizophrenie
häufigste Form
erstes Auftreten meist zwischen 30 und 40
schubförmiger Verlauf
geprägt durch Wahnideen & Halluzinationen
das Hören von Stimmen (imperativ, dialogisierend oder kommentierend)
Zerfall des “Ichs” & Verlust der Grenzen zur Außenwelt
Betroffene fühlen sich fremd/ von Außen gesteuert
Merkmale des Verhaltens: Reinzbarkeit, Misstrauen & Angst
i. d. R. kein Zerfall der Persönlichkeit und keine Veränderung der Intelligenz
pflegerische Versorgung:
Wahnideen & Halluzinationen ernst nehmen, aber bei der eigenen Sichtweise der Realität bleiben; nicht über die Wahrnehmung der Pat. streiten
Sicherheit vermitteln
für Ablenkung sorgen
Gesprächsbereitschaft zeigen
auf Gefühlslage des Pat. eingehen
Überforderung vermeiden
Therapiepfeiler
drei Säulen:
medikamentöse Theraphie
va. Antipsychotika
Ziel: Behandlung der Symptome, so dass eine Psycho- & Soziotherapie möglich ist
Psychotherapie
Ziel: Hilfe bei der Krankheitsbewältigung; Verbesserung der Lebensqualität
großer Teil ist Psychoedukation
Ziel: Vorbeugen von Rückfällen (Pat. wird geholfen Frühwarnzeichen besser zu erkennen); Entwicklung von Strategien zur Altagsbewältigung
Soziotherapie
z.B. durch Ergotherapie
Ziel: Förderung der sozialen Fähigkeiten mithilfe eines strukturierten Tagesablaufs
weitere Angebote:
Kunst-, Musik-, Tanz-, Drama- und Bewegungstherapie -> Stärkung der Ich-Funktion durch eine Wiedergewinnung des Selbst- und Realitätsbezugs
med. Therapie
Antipsychotika - Dopaminantagonisten
Hochpotente Antipsychotika - kleine Dosis reicht
verbessern die Positivsymptome
z.B. Haloperidol, Benperidol
Nebenwirkungen: Zungen und Schlundkrämpfe, Schiefhals, Rigor, Tremor, Sitzunruhe, Herzrhythmusstörungen
Niederpotente Antipsychotika - höhere Dosis notwendig
sowohl die Wirkung als auch die Nebenwirkungen sind geringer ausgeprägt
nur gering spezifische Wirkung
Nebenwirkungen: Sedierung, Gewichtszunahme, Gefäßdilatation, erhöhter Augeninnendruck, Mundtrockenheit, Obstipation, Tachykardie, Herzrhythmusstörungen
z.B. Chlorpromazin (genau zwischen nieder- und hochpotent), Melperon
Atypische Antipsychotika
breites Wirkspektrum
weniger Nebenwirkungen im Vergleich zu typischen APs
bessere Wirksamkeit auf primär Negativsymptome
Nebenwirkungen: Herzrhythmusstörungen, stark abhängig vom spezifischen Arzneimittel - z.B. vermehrter Speichelfluss, Metabolisches Syndrom, Sedierung
z.B. Clozapin -> cave! beim Einsatz von Benzos; Olanzapin
-> malignes neuroleptisches Syndrom (wichtigste Nebenwirkung aller Antipsychotika -> hohes Fieber, Tachykardie, Tachypnoe, Vigilanzminderung, Stupor, Verwirrtheit, Mutismus, Rigor, Tremor, Akinese
Tranquilizer (Benzodiazepine)
kurzzeitig eingesetzt, um angstzustände zu behandeln
Wirkung -> Angstlösend, sedierend, schlaffördernd
hohes Suchtpotential bei Langzeiteinnahme
z.B. Diazepam, Lorazepam
pflegerische Schwerpunkte in Bezug auf Symptome
Ich-Erlebnisstörung
Vertrauen aufbauen, durch Bezugspflege
Orientierung fördern
ruhig sprechen
ausreichend Zeit geben
Gefühle ernst nehmen, beobachten und dokumentieren
Realität behutsam anbieten
Angst reduzieren
Strukturierte Tagesabläufe schaffen, planen, organisieren
Wahnvorstellungen & Halluzinationen
Beziehungsaufbau -> Bezugspflege
Wahnideen & Halluzinationen ernstnehmen! und trotzdem bei der eignenen Sichtweise der Realität bleiben
nicht mit dem Pat. über seine Wahnideen streiten
Reizüberflutung vermeiden
Gefühle ernstnehmen
bei einnahme der Medikamente unterstützen
Orientierung geben
Selbst & Fremdgefärdung
Wahrnehmen & Beobachten -> das Suizidrisiko ist stark erhöht, um Frühanzeichen zu erkennen und intervenieren zu können
Sicherheit vermitteln & Gesprächsbereitschaft signalisieren
Suizidalität direkt ansprechen
deeskalierend kommunizieren
Gefühlslage ernst nehmen
wenn alle anderen Maßnahmen erschöpft sind -> Fixierungsmaßnahmen, Isolation
Störung des Antriebs- und Sozialverhaltens
Aktivierende Rolle einnehmen
Selbständigkeit erhalten, soziale Teilhabe Fördern
Tagesstruktur
schnelle Ermüdbarkeit berücksichtigen, Überforderung vermeiden -> kleine erreichbare Ziele setzen
Wissen über die Erkrankung als notwendige Vorraussetzung für die Compliance
Erkrankung, Medikamente u nd Nebenwirkungen erklären
Fragen beantworten
Frühanzeichen besprechen
Angehörige einbeziehen
gemeinsame Entscheidungsfindung
wertschätzende Kommunikation
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