Was ist die Prostata?
Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist eine unpaarige akzessorische Geschlechtsdrüse des Mannes.
Wo liegt die Prostata?
Unterhalb der Harnblase und um die Pars prostatica der Harnröhre.
Welche Aufgabe hat die Prostata?
Sie produziert Prostatasekret, das bei der Ejakulation in die Harnröhre abgegeben und dem Ejakulat beigemischt wird.
Welchen Anteil hat das Prostatasekret am Ejakulat?
Etwa 30 % der Samenflüssigkeit.
Wie sieht das Prostatasekret aus? Welcher pH?
Dünnflüssig
Milchig-trüb
Schwach sauer (pH ≈ 6,4)
Welche wichtigen Bestandteile enthält das Prostatasekret?
PSA (prostataspezifisches Antigen)
Saure Phosphatasen
Spermin
Citrat
Zink
Welchen Bezug hat die Prostata zum Peritoneum?
Sie liegt extra- bzw. subperitoneal und besitzt keinen direkten Peritonealbezug.
Von welcher Struktur wird die Prostata umhüllt?
Von der Capsula prostatica.
Woraus besteht das Prostatastroma?
Ca. 40 verzweigte tubuloalveoläre Drüsen
Bindegewebe
Glatte Muskulatur (fibromuskuläres Stroma)
Wohin münden die Ausführungsgänge der Prostata?
In die Pars prostatica der Harnröhre.
Welche Größe besitzt die gesunde Prostata ungefähr?
Etwa die Größe einer Kastanie.
Was bezeichnet man als Basis prostatae?
Die kraniale Seite der Prostata, die mit der Harnblase verwachsen ist.
Mit welcher Struktur ist die Basis prostatae verbunden?
Mit der Harnblase bzw. dem M. sphincter urethrae internus.
Was bezeichnet man als Apex prostatae?
Die kaudale Spitze der Prostata.
Mit welchen Strukturen steht der Apex prostatae in Verbindung?
Diaphragma urogenitale
M. transversus perinei profundus
M. sphincter urethrae externus
Welche Nachbarstruktur liegt ventral der Prostata?
Die Symphyse.
Welche Nachbarstruktur liegt dorsal der Prostata?
Das Rektum (Ampulla recti).
Welche Muskelstruktur grenzt lateral an die Prostata?
Der M. levator ani.
In welche fünf Zonen wird die Prostata nach McNeal eingeteilt?
Periphere Zone
Zentrale Zone
Transitionszone
Periurethralzone
Anteriore Zone
Welche Zone ist die größte?
Die periphere Zone (ca. 70 % der Organmasse).
Wo liegt die periphere Zone?
Dorsolateral und kaudal.
Warum ist die periphere Zone klinisch besonders wichtig?
Sie ist digital-rektal tastbar und häufigster Entstehungsort des Prostatakarzinoms.
Warum kann die Prostata digital-rektal untersucht werden?
Weil sie unmittelbar an das Rektum grenzt.
Was wird bei der digital-rektalen Untersuchung beurteilt?
Größe
Konsistenz
Abgrenzbarkeit
Verschieblichkeit der Rektumschleimhaut
Wie fühlt sich eine gesunde Prostata bei der Tastuntersuchung an?
Prallelastisch.
Welche zwei Erkrankungen der Prostata sind besonders häufig?
Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
Prostatakarzinom
Was passiert bei einer benignen Prostatahyperplasie (BPH)?
Eine gutartige Hyperplasie der Prostata führt zur Organvergrößerung.
Warum verursacht eine BPH häufig Miktionsbeschwerden?
Die vergrößerte Prostata komprimiert die Harnröhre und behindert den Harnabfluss.
Welche Beschwerden sind typisch für eine BPH?
Abgeschwächter Harnstrahl
Stotternder Harnstrahl
Nachtröpfeln
Warum ist das Prostatakarzinom klinisch besonders bedeutsam?
Es ist der häufigste bösartige Tumor des Mannes.
Ab welchem Alter wird die Prostatakrebsvorsorge empfohlen?
Ab dem 45. Lebensjahr.
Welche Arterien versorgen die Prostata?
A. vesicalis inferior
A. rectalis media
Teilweise Äste der A. pudenda interna
Wie heißt das venöse Gefäßgeflecht der Prostata?
Plexus venosus prostaticus (Santorini-Plexus).
Wohin fließt das venöse Blut der Prostata ab?
Über den Plexus venosus vesicalis in die V. iliaca interna.
Wie erfolgt die sympathische Innervation der Prostata?
Über den Plexus hypogastricus inferior.
Woher stammen die parasympathischen Fasern der Prostata?
Aus den Nn. splanchnici pelvici, die über den Plexus hypogastricus inferior ziehen.
Wie heißt das Nervengeflecht direkt an der Prostata?
Plexus prostaticus.
Welche drei Fakten zur Prostata werden besonders häufig geprüft?
Die Prostata liegt unterhalb der Harnblase und umgibt die Harnröhre.
Sie ist über das Rektum digital tastbar.
Die periphere Zone ist der häufigste Entstehungsort des Prostatakarzinoms, während die Transitionszone typischerweise bei der benignen Prostatahyperplasie betroffen ist.
Nenne die Nachbarstrukturen der Prostata
dorsal: Rektum (relevant für DRU)
kranial: Harnblase
kaudal: Beckenboden
lateral: neurovaskuläre Bündel (erektile Funktion)
Aus welchen Zellen entsteht das Prostatakarzinom typischerweise?
Meist Adenokarzinom aus glandulärem Prostataepithel
Warum entsteht das Prostatakarzinom bevorzugt in der peripheren Zone?
Langsames, oft indolentes Wachstum
Wachstum und Progression sind androgenabhängig
Wichtigste Risikofaktoren
Lebensalter und familiäre Disposition
Weitere (mögliche) Risikofaktoren
Ernährung und sozioökonomischer Status
Chronische Entzündungsreaktionen der Prostata
Adipositas
Hoher Testosteronspiegel
Symptomatik des Prostata-Ca. im Frühstadium
meist asymptomatisch
Welche Symptome können im fortgeschrittenen Stadium auftreten?
Pollakisurie bzw. Nykturie
Verzögerter Miktionsbeginn
Harnverhalt
Makrohämaturie bzw. Hämatospermie
Verminderte oder schmerzhafte Ejakulation
Erektile Dysfunktion
Kreuzschmerz, Ischialgie
Knochenschmerzen
Welche Symptome können auf Metastasen hinweisen?
bevorzugt ossär → Knochenschmerzen, pathologische Frakturen
Welche Differenzialdiagnosen kommen bei diesen Beschwerden infrage?
benigne Prostatahyperplasie
Prostatitis
Harnblasenkarzinom
Welche diagnostischen Schritte sind bei diesem Patienten indiziert?
gezieltes Fragen nach Symptomen
Inspektion und Palpation des äußeren Genitales und der umgebenden Hautareale
digital-rektale Untersuchung mit Abtasten der Prostata (derbe, knotige Konsistenz? Abgrenzbarkeit der Prostata? Asymmetrie der Lappen? Knoten?)
Palpation regionärer Lymphknoten
PSA-Screening: häufig starker Anstieg
Welchen Stellenwert hat der PSA? Was ist der Grenzwert?
Organ-, aber nicht tumorspezifischer Wert
Durchführung bei auffälligem Tastbefund oder karzinomverdächtiger Symptomatik sinnvoll
< 70-jährige der Grenzwert < 4,5 ng/ml
Welchen Stellenwert hat die digital-rektale Untersuchung (DRU)?
Bei PSA ≥3 ng/mL
Geringe Sensitivität (59%), aber relativ hohe Spezifität (94%)
Sehr hoher negativer prädiktiver Wert (99%)
Physiologischer Befund: Prall-elastische , kastaniengroße, schmerzlose Prostata mit gut tastbarem Sulkus
Karzinomverdächtige Befunde
Frühstadium: Lokalisierte, derbe Areale bei sonst prall-elastischer, schmerzloser Prostata
Spätstadium: Derbe, asymmetrische, schmerzlose Prostata
Welche weiteren diagnostischen Schritte sind grundsätzlich möglich?
Transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS)
Prostatabiopsie
Was sind weitere Ursachen eines PSA-Anstiegs?
Entzündungen (z.B. Prostatitis)
benignes Prostatasyndrom oder benigne Prostatahyperplasie
akuter Harnverhalt
hohes Patientenalter
Manipulationen an der Prostata, z.B. digital-rektale Untersuchung, Urethrozystoskopie, Prostatabiopsie, exzessives Fahrradfahren.
Wie sieht der TRUS-Befund bei Vorliegen eines Prostata-Ca. aus?
echoarm
meist in der Peripherie
Wann ist eine Prostatabiopsie indiziert?
bei PSA-Wert ≥4 ng/mL bei erstmaligem Screening,
auffälligem PSA-Anstieg oder
karzinomverdächtigem Befund in der DRU
Wieviele Proben entnimmt man bei einer systemischen Prostatabiopsie?
10-12 Gewebeproben
Wie wird die Prostatabiopsie durchgeführt?
Durchführung transrektal (TRUS-PE) oder transperineal unter sonografischer Kontrolle
Infiltrationsanästhsie zur Schmerzreduktion
prophylaktische Gabe eines Antibiotikums empfohlen
Welche bildgebenden Verfahren werden zur Stadieneinteilung eingesetzt?
CT bzw. MRT der Beckenorgane
Knochenszintigrafie
PSMA-PET (Positronenemissionstomographie) /CT
Erklären Sie das TNM-System beim Prostatakarzinom (so Allgemein)
T1-T4: stellen die Ausdehnung dar,
ab T3 wird die Prostatakapsel durchbrochen
T1 und T2: lokal begrenztes Prostata-Ca.
T3 und T4: lokal fortgeschrittenes Prostata-Ca.
N1: regionärer Lymphknotenbefall (mehr gibts nicht, also entweder das gibts oder es gibt es nicht)
M1: hinsichtlich des Vorliegens von Fernmetastasen
von M1a (nicht-regionäre Lympknotenmetastasen), M1b(Knochenmetastasen) und M1c (andere Fernmetastasen)
Welche Therapieoptionen gibt es beim lokal begrenzten Prostatakarzinom?
Zeitnahe lokale Therapie
Radikale Prostatektomie (ggf. plus Lymphadenektomie) oder
Perkutane Strahlentherapie und/oder
LDR-Brachytherapie
Wann ist ein abwartendes Vorgehen (Active Surveillance) sinnvoll?
Erst wenn die Krebserkrankung voranschreitet, wird mit einer Therapie begonnen. So können Schäden durch eine unnötige Therapie vermieden werden.
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