Was ist das Funktionale Sehvermögen?
Umgang mit dem vorhandenen
Sehvermögen in alltäglichen Situationen
unter den dort vorhandenen
Sehbedingungen
(im Haus, beim Spielen, im Unterricht, in
bekannten und fremden Umgebungen, bei
Freizeitaktivitäten etc.)
Was war der Braille-Skandal?
Braille-Skandal ~1910
• England (Harman)
• USA (Irwin)
• Österreich (Bürklen)
• Sehschwache Schüler/innen lesen die Punktschrift mit den Augen anstatt zu tasten, täuschen ihre Lehrer
Braille-Skandal
• Dieser „selbstmörderische Gebrauch“ des defekten Auges
veranlasst Karl Bürklen dazu in Purkersdorf bei Wien
1910 den ersten Schreib-Lesekurs für Sehschwache in Schwarzschrift anzubieten (vgl. Mersi 1985)
Was ist die Klein (1819): „usus-abusus-Hypothese“?
Klein (1819): „usus-abusus-Hypothese“:
Bei Gebrauch des schlechten Sehens, wird dieses noch
schlechter → Abnutzung → Sehschonungstheorie
Was bedeutet die Subsumierung der Sehbheinderten?
Subsumierung (Unterordnen) der Sehbehinderten unter die Blinden
(J.W. Klein)
• Die Erziehungsbedürfnisse Sehbehinderter wurden
gleichgesetzt mit denen blinder Menschen
• „Halbblindheit“ – nicht richtig blind – nicht richtig sehend
Was ist die Ophtalmologie
Die Lehre vom Auge/ Sehen
• Levinsohn
• Bartels
• Herzog
• Redslob
Dies waren alles Augenärzte, die u.a. die
Gründung von eigenständigen „Unterrichts-
angeboten“ (Spezialklassen an v.a. Hilfs-
schulen oder eigenständigen Sehbehinderten-
schulen unterstützt haben (z.B. Martin Bartels
in Dortmund).
Diskussion auf Blindenlehrerkongress
1907 in HH
• Vortrag des Augenarztes Dr. Levinsohn
„Gehören Schwachsichtige in die
Blindenanstalt?
Sehbehindertenpädagogik = Heilpädagogik??
• Hilfschulwesen war heilpäd. orientiert
• Blinden- und Gehörlosenschulen galten
als Schulen eigener Tradition
• Dies schlug sich z.B. im Gehalt nieder
(Blindenoberlehrer)
• Gründung erster Sehbehindertenschulen
geschah auf Anregung von Augenärzten
durch Hilfsschullehrer (Niepel, Herzog)
Das Schwarzschriftlesen wurde erlaubt – die Sehschonung
war immer noch Prinzip
• Brailleförderung mit „Lesetüten“
Wann begang der Wendepunkt von Sehschonung zur Seherziehung?
Wendepunkt: Von der Sehschonung zur
Seherziehung
• 1966 Beermann, HH
• 1964 Barraga, USA
• Beide wiesen in 2 Studien unabhängig von
einander nach, dass sich das Sehvermögen
durch gezielte Sehförderung verbessern lässt
• Studien: als blind geltende Kinder durch
gezieltes Programm zum Lesen der
Schwarzschrift gebracht → Forderung nach
Seherziehung als Unterrichtsprinzip
(Beermann 1966)
Wer förderte die Low Vision Bewegung?
Natalie Barraga
Beermann & Barraga rüttelten die
Blindenschulen langsam „wach“
• Low Vision-Bewegung (Anne L. Corn,
USA; W. Rath, BRD) → bis heute
• 1970er Jahre Entwicklung des
„Fernsehlesegerätes“: Hohe Vergrößerung
möglich → mehr hochgradig
Sehbehinderte erhielten Zugang zur
Schwarzschrift
1971: Bernd Reinecker baute sein erstes
Bildschirmlesegerät
Was sidn die Wurzelen der Sehbehindertenpädagogik?
– Blindenpädagogik
– Ophthalmologie
– Heilpädagogik
Wie ist das Sytem der Blinden udn Sehbehinderten Pädagogik aufgebaut?
Wer hat alles Einfluss auf das System?
Einflüsse auf das System:
Selbsthilfeverbände
Internationale Entwicklungen
Hochschulen/Forschung
Berufsverbände
gesetzliche Vorgaben
Was sidn Beispiel für Slebsthilfeverbände?
• DBSV
• Bund zur Förderung Sehbehinderter
• DVBS
• Pro Retina
Was sidn Berufsverbände?
• Verband für Blinden- und
Sehbehindertenpädagogik (VBS)
• International Council for Education of People
with Visual Impairment (ICEVI)
• Berufsverband der Reha-Lehrer/innen
Was sind die vier grundprinzipien der Frühförderung? (Heute)
• Ganzheitlichkeit
• Familienorientierung
• Interaktions- und Beziehungsorientierung
• Interdisziplinäre Kooperation und Teamorientierung
Was passierte in der Frühsten Phase der FF?
Altersgruppe (6-12 Jahre)
Bildungs und Arbeitsfähigkeit Blinder Menschen nachweisen
Keine direkte Förderung des Kindes durch Blindenpädagogen
Herausgabe von Elternschriften
• Frühe Anfänge in der Blindenpädagogik (z.B. Klein (1819),
Pablasek (1867), Georgi (1857), Knie (1839):
– Maßnahmen gegen Verwahrlosung (Armut & Blindheit
– Maßnahmen gegen Überbehütung (bürgerliche & adelige Familien)
• „Sichtbare Auffälligkeiten“:
– Unselbständigkeit im Alltag
– Ungepflegtes Aussehen
– Körperliche Probleme
– Ungewöhnliche Verhaltensweisen
Erste Ansätze einer institutionalisierten
Frühförderung 50er Jahre?
• Im Bereich Hörschädigung :
Armin Löwe, Heidelberg
• Im Bereich Sehschädigung:
(50er Jahre des letzten Jhdts)
Theodor Düren, Hugo Schauerte, Wolfgang
Strehle, Düren / Soest
(Anfangs standen Familien mit einem blinden Kind im Fokus)
Beginn der „heutigen FF“ in den
1950er Jahren
• Anfängliches Ziel:
Schulfähigkeit des blinden Kindes „herzustellen“
• Fokus lag v.a. auf lebenspraktischen
Fertigkeiten (z.B. Jacke an- und
ausziehen etc.)
• Aber auch auf Spielanregungen etc.
Was hat die Etablierung der FF sehgeschädigert Kinder begünstigt?
• Anfänge an der Blindenschule
Düren und Verbreitung dieser
Idee auf Kongressen und
Tagungen
• 1965 Gründung der AG
Früherziehung im VBS
Empfehlungen des Deutschen
Bildungsrates „Zur
pädagogischen Förderung
behinderter und von
Behinderung bedrohter Kinder
und Jugendlicher (1973)
Was waren die Folgen der Bildungsratsempfehlung?
Folgen der Bildungsratsempfehlung:
• Auf- und Ausbaus des Systems Frühförderung
• Allgemeine FF:
• Interdisziplinäre FF-Stellen
• Sozialpädiatrische Zentren (meist an Kliniken)
Sinnesspezifische FF:
• Blinden- und sehbehindertenspez. FF-Stellen – meist an den Schulen
FF Hören
Spezifische Frühförderung im Förderscherpunkt
Schwerpunkt Sehen?
• Organisation
• Inhalte
• Personen
Welche Orgnisationsformen gibt es bei FF Sehen?
• Angebot von Schulen mit dem FSP Sehen
• In vielen Bundesländern kostenloses Angebot (Ausnahmen:
Bayern, Thüringen, Brandenburg, Hessen …)
• i.d.R. 1-2 wöchentliche Besuche (zu Hause / Kindergarten)
• Eltern-Kind-Kurse
• Oft als Ergänzung zur allgemeinen FF (Ausnahmen Hessen)
In einigen Bundesländern ist die spezifische FF ein kostenloses Angebot des Schulministeriums
• In anderen Bundeländern Finanzierung über KK und SGB
(→ teilweise Rahmenvereinbarungen) → unterschiedliche
Anbieter: Schulen (private Träger), andere Anbiete
Was sidn Folgen der FF orgnaisation?
• Wenn FF ein zusätzliches kostenfreies Angebot über die Schulen (Schulministerien) ist, kann auch noch die allgemeine FF tätig werden
• Wenn Finanzierungsmodelle wie bei allgemeiner FF sind, dann ist häufig Konkurrenz die Folge
→ Nicht hilfreich für die Familien
Was sind inhaltliche Aufgaben der FF Sehen/Blindheit?
• Beratung der Familien (z.B. Interaktion, Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten)
• Entwicklungsdiagnostik bei Blindheit/ Sehbehinderung
• Diagnostik des funktionalen Sehvermögens
• Förderung / Unterstützung des Kindes:
– alle Entwicklungsbereiche;
– ein Schwerpunkt ist die Unterstützung und Förderung des
Sehvermögens
– Raumerfahrung (Lilli Nielsen – Little Room)
– Spez. Angebote bei komplexen Beeinträchtigungen
– u.v.m.
Welcher Personen sind bei FF tätig?
• Sonderpädagog*innen
• Psycholog*innen
• O&M/LPF-Fachleute
• Orthoptistin
• Frühförder*innen (BA – allg. FF)
• Erzieher*inne
• Heilpädagog*innen etc.
• Sozialpädagog*innen
Allgemeine vs. spezifische Frühförderung?
Was sidn Eckpunkte der neuorientierung im Sonderpädagogischen Förderungsbereich?
International /national
Internationale Ebene:
➢ UNESCO: Salamanca-Erklärung (1994)
➢ WHO: ICF (2001)
➢ UN Behindertenrechtskonvention (seit März 2009
in Kraft)
Nationale Ebene:
➢ KMK-Empfehlungen zur sonderpädagogischen
Förderung in der BRD (1994)
➢ Empfehlungen zum Förderschwerpunkt Sehen
(1998)
➢ Umsetzung der UN-BRK in den Bundesländern
Welche Prozesse umfasst die Inklsuion?
• Verbesserung der Teilhabe von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen an Lehrplänen, Inhalten und der Gemeinschaft der örtlichen Schulen
• Umstrukturierung von Schulkultur, Methodik und Praxis, so dass die Heterogenität der Bedürfnisse aller Schülerinnen und Schüler Beachtung findet
• Akzeptanz von Verschiedenheit als etwas normales und als reichhaltigen Schatz für alle Schülerinnen und Schüler.
• Akzeptanz der Tatsache, dass Inklusion in der Erziehung ein Aspekt von Inklusion in der Gesellschaft ist.
Welche besondern Sturkturen sind für die Inklusion von Blidnheit/SB nötig?
Durch das „seltenere“ Auftreten von
Blindheit/Sehbehinderung im Schulalter sind besondere Strukturen für die Inklusion notwendig
• Überregionales spezifisches Unterstützungs- und Beratungsangebot
– Mobiler Dienst / sonderpäd. Dienst
– Lehrkräfte „fahren“ zu den Schüler*innen an die örtlichen Schulen
• Unterstützung & Beratung der Lehrkräfte
• Unterstützung des Umfeldes
• Arbeit mit dem/der Schüler*in
• Kooperation mit Partner*innen vor Ort
-> Veränderte Lehrperson Rolle
Was fordert die UN-BRk und die FSP-Sehen?
• Erwerb von Fähigkeiten im Bereich O&M und LPF → Teilhabe an der Gesellschaft
• Erlernen von Brailleschrift & Bereitstellung von Lehrkräften, die diese vermitteln können
• Förderung der sozialen Kompetenzen
• Bereitstellung von Mitteln / Materialien etc.
• Vermittlung von alternativen Sprach- bzw. Kommunikationsformen → Taubblindheit wird explizit benannt
• Allgemein: Barrierefreier Zugang zu Bildung / Bildungssystemen
Was ist bezogen auf unseren Bereich nun
gefordert?
• Beratungskompetenz bei den Lehrer/innen im FSP Sehen
• Entwicklung didaktischer Lernarrangements, die das
gemeinsame Lernen von sehenden, anders sehenden und nicht sehenden Schüler/innen unterstützen
• Weiterentwicklung der Schulen für Blinde und Sehbehinderte zu Beratungs-, Förder- und Kompetenzzentren
• Adapatierte Lernmedien (Schulbücher, Arbeitsblätter), die dann vorliegen, wenn die sehenden Mitschüler/innne diese auch benötigen
• Abbau von Barrieren für Lernen und Teilhabe (Umgebungsgestaltung)
• Im besten Fall Umsetzung des Ansatzes „Universal Design for Learning“
Wa sist das ISaR-Projekt?
• Eine virtuelle Plattform, die der Weiterentwicklung inklusiver
Bildung von Kindern und Jugendlichen im FSP Sehen anbietet
• U.a. finden Sie dort einen Didaktikpool mit Ideen, die von Kolleg/innen entwickelt wurden
Beratung & Unterstützung von Schüler/innen mit einer Sehschädigung an allgemeinen Schulen?
• mobile Beratung und Unterstützung durch Blinden- /Sehbehindertenpädagog/innen
• Begleitende Dienste
• Kurse / Wochenenden für Schüler/innen
• Medienzentren (Punktschriftumsetzung, taktile Grafiken)
• ISaR
Mobile Beratung & Unterstützung durch Blinden- /
Sehebhindertenpädagog/innen?
Stundenzahl ist abhängig vom sonderp. Förderbedarf
• Bei Sehbehinderung i.d.R.: 2 – 4 Std. / Woche
• Bei Blindheit: 4 – 11 Std. / Woche
• Bundesweit große Unterschiede
Schwerpunkte:
– Didaktisch-Methodische Hinweise zur Unterrichtsgestaltung
– Spezifische Förderangebote für das Kind
– Beratung aller beteiligten Personen bzgl. der Sehschädigung
– Einarbeitung d. Integrationshelfers
– „Anwalt“ des Kindes
Für was sind Medienzentren gut?
• Umsetzung von Schulbüchern
• Bereitstellung von PDF-Dateien für Schüler/innen mit
Sehbehinderung
• Taktile Grafiken / Modellen
→Bundesweiter Austausch
Voraussetzungen / Gelingensbedingungen für
Inklusion im FSP Sehen?
• Allgemeine Schule übernimmt die
Verantwortung (es ist IHR/E Schüler/in)
• Klare Rollenverteilung (Lehrkräfte, B&U,
Schulhelfer…)
• Verlässliche Beratung & Unterstützung
(Ziel → es muss auch laufen, wenn die
Beratungslehrkraft nicht da ist)
• Fortbildung der Lehrkräfte
• Angemessene Hilfsmittel- und Medienversorgung
• Schülerkurse (Austausch, Aufgreifen von Themen, die vertieft werden müssen)
Landesförderzentrum Sehen, Schleswig
Integration / Inklusion seit 1983
Entwicklung
• 1983 Gründung als Schule ohne Schüler, 40 SuS, 7
Lehrer/innen → Zielgruppe Schüler/innen mit Sehbehinderung
(inkl. Frühförderung)
• 1986 Start des Modellversuchs zur Gestaltung des Übergangs
von der Schule ins Arbeitsleben
• 1987 Erweiterung der Zielgruppe auf blinde Kinder &
Jugendliche
Heute
• Über 1.000 SuS (inkl. Frühförderung)
• 80 Kolleg*innen – multiprofessionelles Team
• 20 Plätze (Internat) an der Schule für Bl/Sb in HH
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