Welche Problematik ergibt sich bei der motorischen Entwicklung, wenn man sich auf das kalendarische Alter bezieht?
kalendarische Alter unterschiedlich zum biologischen Alter
Körper unterliegt gewissen Wachstums- und Reifungsprozessen, die bei einigen eher eintreten, bei anderen später oder gar nicht
Kalenarische Alter bietet Vergleichsmaßstab für einzelnen Entwicklungsprozess, darf aber in Bezug auf Entwicklung nicht falsch verstanden werden und ist keine Ursache für verspätete motorische Entwicklung
Spezielle Konzepte des Lernens und Entwicklung hängen mit dem Größenwachstum zusammen
Was versteht man unter sensiblen Phasen im Rahmen der motorischen Entwicklung?
Zeitabschnitte der Entwicklung, in denen Zellsysteme besonders empfindlich auf Umweltreize reagieren
Individuum sehr empfänglich für äußere Reize
Wichtig, dass in dieser Zeit genügend von außen einwirkende Reize vorhanden sind
Phasen mit hohen Zuwachsraten / bei denen Training gut anschlägt
Vermutlich keine sensiblen Phasen motorischer Entwicklung
Was versteht man unter muskulären Synergien?
Koordination verschiedener, voneinander unabhängiger Muskeln / Muskelgruppen
Intermuskuläre Koordinationen, die immer wieder nach festem Muster, in festgelegter Reihenfolge auftreten
Zeitlich gebunden und dienen bestimmtem Zweck
Erlern- und Trainierbar
Erleichtern und Vereinfachen den Kontrollaufwand des ZNS und werden im Hirnstamm integriert
In welchem Altersabschnitt entwickelt sich die posturale Kontrolle im Sitzen?
Sitzen ist wichtige Voraussetzung für Hochziehen in den aufrechten Stand und Gleichgewicht während Stand / Gang
Im Alter von ca 4 Monaten beginnen Kinder mit Entwicklung posturaler Synergien
Im Alter von 7-8 Monaten sind diese zu 50 % vollständig ausgebildet
Im Alter von 9-10 Monaten sind nur noch 25 % der Synergien nicht systematisch ausgeprägt
Bei 8-9 Monaten bei Rückwärtsauslenkungen
Bei 9-10 Monaten bei Vorwärtsauslenkungen
Wie kann man die antizipative Kontrolle der Haltung experimentell untersuchen?
Kind hält waagerecht Gegenstand (ohne visuelle Wahrnehmung), der entweder selbstinitiiert fallen gelassen wird oder extern weggenommen
Bei externer Entlastung Reaktion + 100ms
Bei selbstinitiierter Entlastung Reaktion - 100ms
Sorgt für Antizipation
Beschreibe das Moving Room Paradigma
Wird umgebende Raum nach vorne bewegt, erzeugt das die visuelle Illusion einer Rückwärtsbewegung
Propriozeption meldet Standstabilität
Kleine Kinder und Ältere erzeugen automatisch starke Ausgleichbewegungen um vermeintliche KSP-Verlagerung zu kompensieren
Zeigt starke Abhängigkeit von visuellen Informationen
Beschreibe welche Bedeutung die Kopfkontrolle in den ersten Lebensjahren besitzt und wie sie sich von der Kopfkontrolle Erwachsener unterscheidet
Koordinierte Aktivitäten der Halsmuskulatur zur Stabilisierung des Kopfes treten erst im 2. LM auf
Unzureichende Kopfkontrolle Neugeborener beruht nicht nur auf Mangel der Muskelkraft, sondern vor allem auf Mangel an angemessen organisierter Muskelaktivität
Motorische Voraussetzungen für die Lokomotion
Posturale Stabilität
Adaptivität für Ziele und Umweltbedingungen
Abstützen aus der Bauchlage
Reflexhafte Schreitbewegungen
Gehen mit Unterstützung
Wie verändern sich die kognitiven Anforderungen bei der Gangkontrolle im Alter und welche Effekte sind bei kognitiven Zusatzaufgaben im Alter festzustellen?
Anforderungen an kognitive Kontrolle bei Gangkontrolle nehmen zu
Fehler bei Doppelaufgaben, langsamer
Welche Gangstrategien werden von McCollum für die frühe Gangentwicklung beschrieben?
Twister
Stepper
Faller
Entwicklungsbedeutung von Strampelbewegungen (Kicking Behavior)
Spontanes Verhalten im Alter von 2-26 Wochen
Erste koordinierte, synchrone und alternierende Bewegungsmuster der Extremitäten zeigen sich schon vor Geburt
Bewegungsmuster zeichnet sich durch Koordination von Fuß-, Knie- und Hüftgelenk aus
Innerhalb ersten sechs Lebensmonate zeigt sich zunächst verstärkte Synchronisierung der Gelenke auf einer Seite, dann für beide
Welche Bedeutung schreibt man dem Schreitreflex zu?
Ab Geburt zeigen Kinder ein koordiniertes Schreitverhalten, wenn man sie in leichter Vorlage hält und die Fußsohlen die Unterlage berühren
Schreitreflex verliert sich im Alter von 2-3 Monaten und tritt im Alter von etwa 10 Monaten wieder auf
Hängt mit starker Gewichtszunhme der Kinder in den ersten Monaten zusammen
Grundlage des Gangmusters
Veränderung der Armhaltung bei der Gangentwicklung
Anfangs zu Beginn der Gangentwicklung werden beide Arme nach vorne gestreckt und sind leicht abgewinkelt
In der nächsten Phase sind die Arme etwas näher am Körper Richtung Hüfte, Hände liegen (fast) auf dem Bauch
Hände runtergenommen
Daraufhin folgen beide Arme wieder in eine gebeugte Form vor dem Körper und schließlich werden beide Arme unterschiedlich kontralateral zu der Beinbewegung bewegt
Hohe Schutzhaltung beider Arme
Arme werden nach unten und näher zum Körper geführt
Alternierende Bewegung der arme
Entwicklung von reaktiven Schrittanpassungen
Auf Laufband Antwortreaktion von 4 jährigen ist denen von Erwachsenen ähnlich
Bei 1-2,5 jährigen treten noch Streckreflexe auf, die nicht in das Bewegungsmuster integriert werden können
Schrittstrategie als Kompensationsmechanismus tritt allerdings schon nach ca 3 Monaten Geherfahrung auf
Im Alter nimmt Schrittanpassung wieder ab und es findet ein verstärkter Rückgriff auf antizipatorische Schrittanpassungen wieder statt
Welche Bedeutung kommt dem Kraftverlust bei der motorischen Entwicklung im Alter zu?
isometrische Kraft verändert sich bis zum 60. Lj unwesentlich
Ab 60. Lj 1-1,5% Verlust pro Jahr
Ab 70. Lj 3% Verlust pro Jahr
Ursache
Gentische Faktoren, Krankheiten, Ernährung, mangelnde Betätigung
Folgen
Häufigere Stürze
Zu geringe Schnellkraftentwicklung bei Stolperreaktion
Warum erhält die visuelle Kontrolle im Alter eine erhöhte Bedeutung und welche Probleme ergeben sich beim Gehen?
Aufgrund von somatosensorischen Beeinträchtigungen verlassen sich ältere Menschen wieder verstärkt auf die visuelle Wahrnehmung
Diese Verlagerung kann analog zur frühkindlichen Entwicklung mit dem Moving-Room-Paradigma untersucht werden
Verlassen sich auf visuelle Wahrnehmung, weil die Reizleitung, Reizverarbeitung sich im Abbauprozess befindet
Wie untersucht man mit Doppelaufgabenparadigma motorische Leistungen im Alter?
Parallel zur Ausführung der eigentlich interessierenden Handlung wird eine zweite Aufgabe abverlangt, die kognitive Anforderungen stellt, die in der Regel Aufmerksamkeit bindet
Gemessen wird meist das Fehlermaß der Doppelaufgabe minus das Fehlermaß der Einzelaufgabe
Alleine durch die Gehbewegung sind einige ältere Menschen so überfordert, dass sie keine Kapazitäten für die kognitive Aufgabe frei haben
Vier Merkmale eines veränderten Gangbildes im Alter
Verringerte Gehgeschwindigkeit
Verringerte Schrittlänge
Verlängerte Doppelstützphase
Verminderter Armschwung
Wie bilden sich Greifsynergien aus?
Anfangs bewegen die Kinder Ober- und Unterarm relativ unabhängig voneinander
Ab 24 Monaten bildet sich konsisten Muster heraus, bei dem die Schulterbeugung die Zielbewegung einleitet und Ellenbogenstreckung danach erfolgt
Beim Erwachsenen findet man eingipflige Geschwindigkeitsprofile
Beschleunigungsphase gefolgt von Abbremsphase
Erkläre die Entwicklung von Greifbewegungen vom 4. Lebensjahr bis zum Erwachsenenalter
Erwachsen: Nach Zielerfassung erfolgt vorprogrammierte Transportbewegung und online-kontrollierte Objektannäherung
Abgleich von Online-Kontrolle und Programmierung beginnt im 5. Lj
Im 11. Lj noch nicht abgeschlossen
Bei visueller Kontrolle der Bewegungsrichtung verbessert sich die Genauigkeit vom 6-8. Lj und bleibt bis 10. Lj mit einer Abweichung von 1 Grad stabil
Beschreibe die qualitativen Veränderungen beim Werfen im Zuge der Entwicklung (Wild)
Armbewegung ohne Rumpfbewegung
Arm nicht hinter Kopf geführt
Aushohlbewegung und Rumpfbewegung
Keine Schrittstellung
Ipsilaterale Schrittstellung
Verwringung des Oberkörpers
Kontralaterale Schrittstellung
Entwicklung des Werfens im Alter
Überwiegend kontralateraler Schritt
Oberarmbewegung
Blockrotation des Oberkörpers
Geschlechtsunterschiede bleiben erhalten
Generelle Abhängigkeit der Wurferfahrung
Wurfweite sinkt wieder
Beschreibe funktionale Gemeinsamkeiten des Greifens nach bewegten Objekten und des Fangens
Antizipation
Visuelles Feedback ist grundlegend
Hand schließt sich automatisch beim Annähern an ein Objekt
Verschiedene Griffhaltung und Haltung der Hand
Orientierung im Raum, Körperlage und Objekteigenschaften
Können Kinder die Fangbarkeit von Objekten einschätzen? Welche Evidenzen dafür gibt es?
Ja
Kinder im Alter von 6 bis 7 Monaten reagieren unterschiedlich auf Objekte, die sie erreichen bzw die sie nicht erreichen können
Nähert sich ein Objekt mit zu großer Geschwindigkeit von vorne, wird kein Fangversuch unternommen
Kommt Ball von vorne, so entscheiden sich 10 Monate alte Kleinkinder für die richtige Hand
Definiere DCD
Hauptmerkmal der Störung ist schwerwiegende Beeinträchtigung der Entwicklung der motorischen Koordination, die nicht allein durch Intelligenzverminderung oder umschriebene angeborene oder erworbene neurologische Störung erklärbar ist
Üblicherweise verbunden mit gewissem Grad von Leistungsbeeinträchtigungen bei visuell-räumlichen Aufgaben
Beruht DCD auf einer verlangsamten Entwicklung?
Auch Erwachsene weisen diese Störung noch auf
Verspätetes Erreichen der Meilensteine oder gar nicht erst erreichen der Endstufe
Laut Definition Entwicklungsstörung
Welche sozialen Beeinträchtigungen können mit DCD verbunden sein?
Meiden von Dingen, die sie nicht so gut kennen aus Angst
Sinken der Lebenszufriedenheit, Vereinsamung
Werden leicht gestresst, deprimiert und ängstlich
Schlafschwierigkeiten
Geringes Selbstwertgefühl
Neigen zu emotionalen Ausbrüchen
Welche Probleme im Alltag können sich bei feinmotorischen Defiziten ergeben?
Geringe Feinmotorische Handkoordination, Probleme bei der Koordination beider Hände
Gering ausgeprägte manipulative Fertigkeiten
Dyspraxia - Probleme mit Greifen eines Stiftes
Ineffektives Greifen
Probleme beim Anziehen und Körperpflege
Grobmotorische Einschränkungen
Schlechte Gleichgewichtsfähigkeit
Schlechte Integration beider Körperhälften
Schlechte Haltung, schnelle Ermüdung
Schlechte Auge-Hand-Koordination
Welche Funktionsbereiche werden bei der Diagnostik mit dem Movement ABC überprüft?
Auge-Hand-Koordination
Posturale Kontrolle
Ballkontrolle
Visuelle und akustischen Reaktionszeiten bei DCD?
Schwächere Aktivierung im linken posterior parietalen Kortex bei Auge-Hand-Koordination
Tracking Probleme
Probleme beim Wiederfinden
Schwierigkeiten beim Unterscheiden von auditiven und visuellen Informationen bei Hintergrundgeräuschen
Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen
Langsamer bei visuellen, aber schneller bei akustischen Reizen
Prävalenz von DCD?
5 bis 15 % aller Grundschulkinder weisen motorische Koordinationsdefizite auf
Jungen häufiger als Mädchen (3:1)
Definiere motorische Entwicklung
umfasst lebensaltersbezogene Veränderungen motorischer Funktionsprozesse, die sich in der Regel in größeren Zeitabschnitten manifestieren
Baut auf motorischen Lernprozessen auf
Von Wachstums- und Reifungsprozessen und Entwicklung physiologisch-konditioneller Funktionsbereiche abhängig
Definiere Reifung
Veränderungen, die universell in einem Altersabschnitt vorkommen und nicht auf Lernen beruhen
In Biologie auch gengesteuerte Entfaltung von Strukturen und Funktionen
Wie wirken sich Frühgeburten auf die Motorik aus
4 Merkmale
Erhöhte Steifigkeit
Geringere Gelenkbeweglichkeit von Gliedmaßen, Rumpf und Hüfte
Erhöhte Synchronizität von Bewegungen
Niedriger Muskeltonus (Muskelhypotonie)
Verzögerte motorische Entwicklung
Meilensteine werden später erreicht
Welche Bedeutung besitzen pränatale Bewegungen für die (motorische) Entwicklung?
Wichtige Voraussetzung für postnatale Bewegungen
Wichtig für Überleben/Entwicklung im Uterus
Ausbildung Skelettmuskulatur und ZNS
Welche Strategien entwickeln Ältere hinsichtlich der posturalen Kontrolle?
Verstärkte Nutzung visueller Informationen zur Gleichgewichtskontrolle
Verbreiterung der Standfläche
Langsamere Ausgleichsbewegungen
Vermehrte Hüftstrategie (statt Sprunggelenksstrategie) bei Gleichgewichtsstörungen
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