Warum musst du Autor und lyrisches Ich unterscheiden?
Der Autor ist die reale Person, die das Gedicht geschrieben hat. Das lyrische Ich ist dagegen die Stimme, die im Gedicht spricht und vom Autor geschaffen wurde. Seine Gefühle, Gedanken und Erfahrungen dürfen deshalb nicht automatisch als persönliche Erlebnisse oder Meinungen des Autors verstanden werden. In der Interpretation untersuche ich, was das lyrische Ich wahrnimmt, empfindet und ausdrückt.
Was ist die Sprechsituation eines Gedichts?
Wer spricht?
Gibt es ein lyrisches Ich?
Wird jemand angesprochen?
In welcher Situation befindet sich die Stimme?
Was nimmt sie wahr?
Welche Gefühle oder Gedanken äußert sie?
Warum spricht sie?
Verändert sich ihre Haltung?
Was untersuchst du beim Aufbau eines Gedichts?
Anzahl der Strophen und Verse
gleichmäßiger oder unregelmäßiger Aufbau
Satzgrenzen und Versgrenzen
Enjambements und Zäsuren
Wiederholungen oder Refrains
Wechsel von Situation, Stimmung oder Perspektive
Steigerung, Gegensatz oder Wendepunkt
Entwicklung vom Anfang bis zum Ende
Was ist ein Reimschema?
Wichtige Reimschemata
Paarreim:
aabb
Jeweils zwei aufeinanderfolgende Verse reimen sich.
Kreuzreim:
abab
Der erste Vers reimt sich mit dem dritten, der zweite mit dem vierten.
Umarmender Reim:
abba
Die äußeren Verse umschließen die inneren.
Schweifreim:
aabccb
Ein Reimpaar wird durch weitere Verse ergänzt.
Kein regelmäßiger Reim:
Das Gedicht kann reimlos oder unregelmäßig gestaltet sein.
In der Interpretation erkläre ich nicht nur das Schema, sondern prüfe, ob der Reim Ordnung, Geschlossenheit, Verbindung, Gegensatz oder einen Bruch erzeugt.
Was ist ein Enjambement?
Definition:
Ein Enjambement ist ein Zeilensprung: Ein Satz oder Satzteil endet nicht mit dem Vers, sondern wird im nächsten Vers fortgeführt.
Ich gehe durch die leeren Straßen dieser Stadt.
Anwendung:
Es kann:
den Lesefluss beschleunigen
Unruhe erzeugen
bestimmte Wörter hervorheben
feste Versgrenzen aufbrechen
Was ist eine Metapher?
Eine Metapher überträgt Bedeutung und macht Unsichtbares bildlich vorstellbar, ohne „wie“ zu verwenden..
Beispiel
„Ein Meer aus Tränen“
Was ist ein Vergleich?
Ein Vergleich verbindet zwei Bereiche meist mit „wie“, „als“ oder „als ob“.
Beispiel:
„kalt wie Eis“
Was ist eine Personifikation?
Unbelebte Dinge, Naturerscheinungen oder abstrakte Begriffe erhalten menschliche Eigenschaften.
„Die Nacht schweigt.“
Was ist eine Alliteration?
Mehrere Wörter beginnen mit demselben Laut.
„Milch macht müde Männer munter.“
Was ist Klimax?
Stufenweise Steigerung.
„gut, besser, am besten“
Was ist eine Epipher?
Wiederholung am Ende mehrerer Sätze oder Verse.
„Ich brauche dich. Sie braucht dich. Alle brauchen dich.“
Was sind Klangmittel?
Klangmittel sind sprachliche Mittel, die durch die Wiederholung oder Gestaltung von Lauten eine bestimmte Wirkung erzeugen.
Ellipse
Unvollständiger Satz, dessen Sinn trotzdem verständlich ist.
„Je früher, desto besser.“
Rhetorische Frage
Frage, auf die keine wirkliche Antwort erwartet wird.
„Wer will schon allein sein?“
Ironie
Das Gesagte meint erkennbar etwas anderes, oft das Gegenteil.
Bei starkem Regen: „Tolles Wetter!“
Hyperbel
Starke Übertreibung.
„Ich habe dir das tausendmal gesagt.“
Anapher
Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Anfang mehrerer Sätze oder Verse.
„Ich hoffe … Ich glaube … Ich warte …“
Antithese
Gegensätzliche Begriffe oder Gedanken werden gegenübergestellt.
„Himmel und Hölle.“
Wie formulierst du eine Deutungshypothese zu einem Gedicht?
Die Deutungshypothese ist eine vorläufige Aussage darüber, was das Gedicht insgesamt ausdrückt oder verdeutlicht.
Im Hauptteil diese Deutung mit Aufbau, Sprache und Form belegen.
Welche Reihenfolge eignet sich für eine Gedichtinterpretation?
Einleitung
Autor - Titel - Textsorte - Erscheinungsjahr, falls bekannt - Thema - Deutungshypothese
Hauptteil
1. Sprechsituation
Wer spricht? - Zu wem? - In welcher Lage?
Welche Haltung zeigt das lyrische Ich?
2. Inhalt und Entwicklung
Was geschieht gedanklich?
Wie entwickeln sich Gefühle oder Gedanken?
Gibt es einen Wendepunkt?
3. Aufbau
Strophen - Verse - inhaltliche Abschnitte
4. Form
Reimschema - Metrum - Rhythmus - Kadenz Enjambements - Zäsuren
5. Sprache
Wortwahl - Metaphern - Vergleiche - Personifikationen - Anaphern - Antithesen -Klangmittel
6. Wirkung und Deutung
Bei jedem wichtigen Merkmal:
Merkmal – Beleg – Bedeutung – Wirkung – Bezug zur Deutung
Schluss
wichtigste Ergebnisse bündeln
Deutungshypothese überprüfen
Gesamtaussage des Gedichts formulieren
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