Warum ist Hierarchie nach Baecker nicht einfach eine Weisungskette von oben nach unten?
Die klassische Vorstellung lautet:
Anweisungen: oben → unten Informationen: unten → oben
Baecker kritisiert dieses einseitige Verständnis, weil auch Informationen von unten Einfluss auf Entscheidungen oben haben können.
→ Dadurch wird die Möglichkeit einer „Führung der Chefs durch die Mitarbeiter“ sichtbar.
Merksatz: Hierarchie bedeutet nicht, dass Einfluss ausschließlich von oben nach unten verläuft.
Welche zentralen Funktionen erfüllt Hierarchie nach Baecker?
Hierarchie löst zwei zentrale Probleme:
1. Erreichbarkeit / Anschlussfindung: Entscheidungen müssen andere relevante Entscheidungen bzw. Stellen erreichen können.
2. Konfliktlösung / Anschlusssicherung: Bei Konflikten muss eine Stelle erreichbar sein, die verbindlich entscheiden kann, sodass weitere Entscheidungen möglich werden.
Merksatz: Hierarchie sichert Erreichbarkeit und Konfliktlösung.
Was muss nach Baecker in Organisationen primär koordiniert werden?
Nicht primär die Personen, sondern ihre Entscheidungen müssen koordiniert werden.
Management hat daher nicht einfach die Aufgabe, Personen zur Arbeit anzuhalten, sondern das Koordinationsverhalten zwischen Personen zu beeinflussen.
Merksatz: Nicht Personen koordinieren – Entscheidungen koordinieren.
Was bedeutet der Gedanke funktionaler Äquivalente zur Hierarchie?
Wenn Hierarchie bestimmte Probleme löst, kann man nach anderen Lösungen für dieselben Probleme suchen.
Wird Hierarchie reduziert, müssen insbesondere ihre Funktionen
Erreichbarkeit + Konfliktlösung
weiterhin gewährleistet werden.
Alternative Regeln oder Organisationsformen können daher funktionale Äquivalente der Hierarchie darstellen, wenn sie die dauerhafte Koordination von Entscheidungen sicherstellen.
Merksatz: Hierarchie abbauen ≠ ihre Funktionen abschaffen.
Wie lässt sich Baeckers Hierarchieverständnis mit Führung von unten verbinden?
Hierarchie bedeutet nicht ausschließlich Einfluss von oben nach unten.
Mitarbeiter können durch die Weitergabe, Auswahl und Verwendung von Informationen Einfluss auf Entscheidungen ihrer Vorgesetzten nehmen.
Baecker spricht ausdrücklich von der Möglichkeit der „Führung der Chefs durch die Mitarbeiter“.
→ Formale Hierarchie und tatsächliche Einflussrichtung sind daher nicht identisch.
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