VORLESUNG 1
Stadtplanung ist nicht einfach nur das Zeichnen oder Entwerfen von Stadt.
Stattdessen geht es darum, welche gesellschaftlichen Probleme und Bedürfnisse durch Planung bearbeitet werden sollen.
Beispielsweise Klima, Wohnen, Mobilität, soziale Fragen usw.
Stadtplanung beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Themen, die häufig nicht allein durch räumliche oder bauliche Maßnahmen gelöst werden können.
Klimaprobleme können nicht einfach durch ein einzelnes Gebäude oder eine einzelne bauliche Maßnahme gelöst werden.
Ein Klimaanpassungskonzept beschäftigt sich beispielsweise mit der Frage, wie eine Stadt auf klimatische Veränderungen reagieren kann.
Sie betrachtet Zusammenhänge auf Stadtebene bzw. räumlich übergreifend und verbindet dabei unterschiedliche Handlungsfelder
Eigenschaft von Stadtplanung:
Problem erkennen → analysieren → verschiedene Interessen und Handlungsoptionen betrachten → planen → Maßnahmen entwickeln.
Warum ist Wohnen nicht nur eine bauliche, sondern auch eine gesellschaftliche und politische Frage?
—>Weil es unter anderem um die Versorgung verschiedener Bevölkerungsgruppen, Bezahlbarkeit, Eigentum, Wohnungsmarkt und politische bzw. staatliche Maßnahmen geht.
lokale Wohnungspolitik
Instrumente einer sozialen Wohnungspolitik
Beispiele für Wohnungsprobleme
Wer kann sich Wohnraum leisten?
Wo wird Wohnraum geschaffen?
Welche Bevölkerungsgruppen werden versorgt?
Welche Rolle spielt die öffentliche Hand?
Welche wohnungspolitischen Instrumente gibt es?
Wohnungsprobleme sind nicht allein ein Gestaltungsproblem.Es geht auch um soziale Bedürfnisse, politische Entscheidungen, Eigentum, Marktmechanismen und staatliche bzw. kommunale Interventionen.
Hier geht es um die Frage, wie Städte mit Fürsorge, Versorgung und sozialen Bedürfnissen umgehen.
Eine Stadt muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen:
versorgt werden,
sich umeinander kümmern können,
soziale Beziehungen leben können,
am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
solche gesellschaftlichen Prozesse eine räumliche Voraussetzung haben.
Gezeigt werden Beispiele wie Superblocks und eine Umgestaltung des Straßenraums.Es geht darum, wie der öffentliche Raum zwischen verschiedenen Nutzungen verteilt wird.
Eine Straße kann beispielsweise primär für Autos funktionieren.
Oder sie kann stärker auf:
Fußverkehr,
Radverkehr,
Aufenthalt,
Begrünung,
öffentlichen Verkehr
ausgerichtet werden.
Der Superblock ist hierfür ein Beispiel: Der Straßenraum innerhalb eines größeren Blocks wird gegenüber dem Durchgangsverkehr anders organisiert, sodass andere Nutzungen mehr Raum bekommen
..> Hier sieht man bereits, dass Planung Interessen gegeneinander abwägen muss.
was ist stadtplanung ?
Stadtplanung umfasst weit mehr als die räumlich-bauliche Gestaltung von Städten. Sie befasst sich mit gesellschaftlichen Problemen und räumlichen Entwicklungen und arbeitet dabei unter anderem mit Programmen und Strategien, Gesetzen und Regulierungen, Analysen, Interventionen, Aushandlungs- und Entscheidungsprozessen sowie verschiedenen Maßnahmen und Instrumenten.
Viele Themen der Stadtplanung können nicht allein durch raumgestalterische oder bauliche Maßnahmen gelöst werden.
STADTPRODUKTION UND STADTPLANUNG
Welche Wechselwirkung beschreibt Lefebvre zwischen Raum und Gesellschaft?
Sozialer Raum ist ein gesellschaftliches Produkt.
-Lefebvre meint nicht, dass Menschen einfach nur Gebäude bauen.-> ist also nicht einfach eine neutrale Bühne, auf der Gesellschaft stattfindet.
-Eine Gesellschaft produziert ihren Raum durch ihre:
sozialen Beziehungen,
politischen Verhältnisse,
ökonomischen Verhältnisse,
Praktiken,
Vorstellungen usw.
—>Gesellschaft → produziert Raum aber gleichzeitig : Raum → beeinflusst gesellschaftliche Verhältnisse
-individuell angeeigneten städtischen Raum: Die Menschen nutzen und verändern ihren räumlichen Kontext.
->Raum bekommt seine konkrete Bedeutung auch dadurch, wie Menschen ihn gesellschaftlich nutzen und gestalten.
-> es ist wie ein kreislauf: Bestehende gesellschaftliche Verhältnisse können durch räumliche Strukturen aufrechterhalten und immer wieder hervorgebracht werden.
a) Das ist der Raum, wie er praktisch wahrgenommen und genutzt wird.
Also beispielsweise:
Wege,
Bewegungen,
alltägliche Routinen,
tatsächliche räumliche Praxis.
b)Das ist der Raum, wie er gedacht, geplant und dargestellt wird.
Hierzu gehören beispielsweise:
Planungen,
Karten,
Konzepte,
planerische Vorstellungen.
Das ist für Stadtplanung
c)Das ist der Raum, wie Menschen ihn erleben und mit Bedeutung versehen.
Also:
Wie fühlt sich ein Raum an? Welche Bedeutung hat er für Menschen? Welche Erinnerungen, Symbole oder Erfahrungen sind damit verbunden?
„Raum wird stetig gesellschaftlich konstruiert / produziert“
Jede Gesellschaft „produziert“ ihre eigenen Lebensbedingungen.
Dazu gehören beispielsweise:
politische Verhältnisse,
Sprache,
gesellschaftliche Strukturen.
Dabei werden auch:
Machtverhältnisse „reproduziert“.
Stadtplanung produziert nicht alleine den Raum.
Vielmehr gibt es bereits gesellschaftliche Prozesse, durch die Raum entsteht.
Stadtplanung ist ein Teil dieser Raumproduktion.:
—> Gesellschaftliche Prozesse + verschiedene Akteure + ökonomische/politische Bedingungen + Alltag + Planung → produzieren gemeinsam Raum.
libks: Plan von Milet – griechische Stadtanlage.
rechts: Plan von Srirangam in Indien.
Die räumliche Struktur einer Stadt kann etwas über die gesellschaftlichen Verhältnisse aussagen.
-> Weil Gesellschaften ihre Werte, Strukturen und Ordnungen auch räumlich organisieren.—> Stadtgrundrisse sind also nicht einfach zufällige Formen.
Sie können beispielsweise widerspiegeln:
politische Ordnung,
religiöse Vorstellungen,
soziale Hierarchien,
Machtverhältnisse,
Vorstellungen von Ordnung.
Historische Städte waren ungeplant und moderne Städte sind geplant.“
Auch eine Stadt, die nicht nach einem modernen Stadtentwicklungsplan entstanden ist, ist nicht automatisch ohne Ordnung oder ohne gesellschaftliche Struktur.
Räumliche Strukturen können sich aus gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen heraus entwickeln.
Beim Beispiel Zellerfeld wird sogar ausdrücklich gezeigt, dass gesellschaftliche Stellung bzw. Stand räumlich sichtbar werden kann.
Gesellschaftliche Ordnung kann räumliche Ordnung hervorbringen.
Und umgekehrt kann räumliche Ordnung wiederum gesellschaftliche Ordnung stabilisieren.
→ wieder Lefebvre.
„Stadtproduktion (und das Leben) ist (zum Glück) nur bedingt planbar—> Warum?
Weil Stadtgesellschaft aus Menschen besteht.
Menschen handeln nicht vollständig vorhersehbar.
Planung kann also versuchen:
bestimmte Entwicklungen zu fördern,
bestimmte Entwicklungen zu verhindern,
Rahmenbedingungen zu setzen.
Aber sie kann niemals vollständig kontrollieren, wie Menschen diese Räume tatsächlich nutzen und welche gesellschaftlichen Entwicklungen daraus entstehen.
->drei Lefebvre-Raumdimensionen.
Ein Plan kann einen Raum konzipieren.
Aber die tatsächliche Nutzung und das Erleben dieses Raumes können davon abweichen.
—> – aber gesellschaftliches Leben bleibt nur bedingt planbar.
zusammenfassung: Gesellschaftliche Produktion des Raums
Das ist der Ausgangspunkt.
Weder Gesellschaft noch Raum sind unveränderliche Größen.
Sie können sich verändern.
Dazu gehören:
politische Verhältnisse, Sprache etc.
Machtverhältnisse reproduziert.
Raum entsteht also fortlaufend durch gesellschaftliche Prozesse.
Das ist jetzt die Brücke zur Stadtplanung.
Aber:
Raumproduktion und Planung sind abhängig von gesellschaftlichen (Raum-)Bedarfen sowie von Erwartungen einer Gesellschaft über das Regiert-Werden.
Denn Planung hängt nicht nur davon ab:
„Was ist räumlich möglich?“
sondern auch davon:
Was braucht die Gesellschaft?
und:
Wie möchte die Gesellschaft regiert bzw. gesteuert werden?
„Wie wird Raum gesellschaftlich produziert?“
„Warum gibt es in liberalen Demokratien überhaupt staatliche Planung?“
Jetzt interessiert uns speziell die Entstehung von Planung im modernen Verständnis innerhalb liberaler Demokratien.
-zeitliche und politische eingrenzung: Planung gab es erst mit der Demokratie.
->Jetzt interessiert uns speziell die Entstehung von Planung im modernen Verständnis innerhalb liberaler Demokratien.
->Legitimation von Planung.
->Es geht nicht um Planung allgemein in der gesamten Geschichte, sondern speziell um die Entstehung und Legitimation moderner Planung in liberal-demokratischen Gesellschaften.
Irrationalität
Religiosität
Tradition
Glaube an Vernunft und naturwissenschaftliche Rationalität
Außerdem:
Glaube an die Gleichheit und Handlungsmacht des Menschen
—> Wenn Menschen glauben:
Die Gesellschaft ist durch Vernunft verstehbar
und Menschen können gesellschaftliche Verhältnisse aktiv verändern,
dann entsteht überhaupt die Vorstellung:
Gesellschaftliche Entwicklung kann bewusst gestaltet bzw. geplant werden
Gleichzeitig: Kritik an Feudal- und absolutistischen Herrschaften
-_>die Aufklärung kritisiert bestehende Herrschaftsformen.
->Stattdessen werden Vorstellungen wichtig wie:
Menschenrechte
Gerechtigkeit
Freiheit
Gleichheit
Brüderlichkeit
Und:
Staatshandlungen benötigen Legitimation.
Genannt werden:
Demokratie
Gewaltenteilung
Gemeinwohl
Aufklärung
→ Vernunft und Rationalität
→ Menschen können Gesellschaft verstehen und verändern
→ Gesellschaft erscheint planbar
→ bewusste gesellschaftliche Gestaltung wird denkbar
→ moderne staatliche Planung wird grundsätzlich möglich.
Aber gleichzeitig:
Wenn der Staat eingreift, muss dieses Eingreifen legitimiert werden.
Und genau daraus entwickelt sich die weitere Argumentation.
Hier wird die Frage nach der Legitimation des Staates konkretisiert.
Wenn der Staat plant und in den Raum eingreift: Wodurch ist das legitimiert?
Der Staat soll nicht einfach Macht ausüben, weil er Macht besitzt.
Das wäre die Logik absolutistischer Herrschaft.
In der liberalen Demokratie braucht staatliches Handeln eine Begründung.
Eine solche Begründung ist:
Der Staat handelt zum Wohl der Gesellschaft und entspricht dem Willen des Volkes.
Daraus entwickelt sich die Idee des Wohlfahrtsstaates.
->Gesellschaft soll entsprechend eines gemeinsamen Interesses / Gemeinwohls regiert werden.
verbindung: Staatliches Handeln → Gemeinwohl → Legitimation
Denn Planung ist eine Form staatlichen Handelns bzw. kann eng mit staatlichem Handeln verbunden sein.
Gegenmodell
König besitzt Herrschaft
↓
König entscheidet
Planung kann aus dem Herrschaftswillen heraus erfolgen
keine demokratische Legitimation notwendig
beispiel Karslruhe 1715
Plan für die Stadterweiterung von Barcelona – Cerdà, 1859
Was bedeutet das Wohlstandsversprechen?
Die moderne Planung in liberalen Demokratien braucht eine Legitimation.
—>Planung verspricht eine Verbesserung der Lebensbedingungen bzw. Wohlstand.
beispielsweise:
bessere Stadtstrukturen,
bessere Versorgung,
Modernität,
Funktionstrennung,
bessere hygienische Bedingungen,
bessere Wohnverhältnisse usw.
—> „Wir planen, weil wir Macht haben.“—> wohlstandsversprechen
Selbst wenn eine Planung objektiv betrachtet „gut“ wäre, kann man fragen:
Wer hat entschieden, dass das gut ist? und Selbst wenn eine Planung objektiv betrachtet „gut“ wäre, kann man fragen:
Wer hat entschieden, dass das gut ist?
Keine Planung? Oder absichtlich („geplant“) den Markt machen lassen?
Was passiert bei Industrialisierung und Verstädterung?
Die Städte wachsen stark.
Es entstehen:
neue Arbeitsplätze,
starke Bevölkerungszunahme,
neue Wohnbedarfe,
industrielle Produktion,
neue räumliche Strukturen.
Gleichzeitig entstehen erhebliche Probleme.
Auch Nicht-Eingreifen ist eine politische Entscheidung.
Man lässt bestimmte Entwicklungen bewusst durch Marktmechanismen entstehen.
Kritik an der damaligen Stadtentwicklung.
Der Kern:
Die Bevölkerung wächst stark, gleichzeitig gibt es große Bedürfnisse nach:
Häusern,
Straßen,
Stadtteilen.
Aber die bisherigen Erfahrungen reichen nicht aus.
Baumeister kritisiert, dass der Städtebau dadurch hauptsächlich der privaten Unternehmung überlassen bleibt und dabei der eigene Gewinn statt der Fürsorge für zukünftige Bewohner zum Ziel werden kann.
—> Ja. Und wir machen es genau so, wie du es für diese Prüfung brauchst: nicht einfach eine oberflächliche Zusammenfassung, sondern wir arbeiten die Vorlesung Folie für Folie durch und bauen daraus direkt lernbare Anki-Karten.
Wichtig dabei: Ich orientiere mich zuerst strikt an euren Folien. Ich ergänze Erklärungen nur dort, wo sie nötig sind, damit du verstehst, warum etwas auf der Folie steht. Wenn etwas auf einer Folie nur angedeutet wird, kennzeichne ich das auch so.
Bei jeder Folie bekommst du:
Was steht auf der Folie? – damit du den Inhalt einordnen kannst.
Was bedeutet das? – verständlich und trotzdem auf Uni-Niveau.
Was ist die Aussage dahinter? – das ist besonders wichtig für mündliche Prüfungsfragen.
Was musst du für die Prüfung können? – Priorisierung.
Anki-Karten – direkt aus der Folie, mit prüfungstauglichen Fragen.
Wenn sinnvoll: Verknüpfung zu anderen Folien, weil genau daraus später gute Prüfungsantworten entstehen können.
Und wir machen nicht den Fehler, aus jedem Stichpunkt eine isolierte Definition zu lernen. Bei diesem Fach ist offenbar wichtig, dass du Zusammenhänge erklären kannst.
Wir beginnen mit den Folien, die du hochgeladen hast. Die Folien 10–20 bzw. 25 sind in den Bildern nicht enthalten; die erfinde ich natürlich nicht. Die sichtbaren Folien arbeiten wir vollständig durch.
Auf der Folie stehen drei Fragen:
Was möchten Sie gerne in Ihrer Stadt verändern?
Welche Themen liegen Ihnen am Herzen?
Welche gesellschaftlichen Ansprüche haben Sie an die Stadt?
Das ist keine Wissensfolie, sondern eine Einstiegsfolie, die eine grundsätzliche Frage aufwirft:
Die Fragen zeigen deshalb drei Ebenen:
1. Veränderungswunsch → Was soll in der Stadt anders werden?
2. Thema → Welches konkrete Problem interessiert mich? Beispielsweise Klima, Wohnen, Mobilität, soziale Fragen usw.
3. Gesellschaftlicher Anspruch → Welche Vorstellungen habe ich davon, wie eine Stadt für die Gesellschaft sein sollte?
Das ist für die spätere Planungstheorie wichtig, weil Planung nie völlig neutral ist. Sobald du planst, musst du dich mit der Frage auseinandersetzen:
Welche Ziele soll die Stadtentwicklung verfolgen und für wen?
Diese Folie ist eher Grundverständnis als eine Lernfolie mit Definitionen.
Wenn du gefragt wirst:
„Womit beschäftigt sich Stadtplanung eigentlich?“
solltest du nicht nur mit „mit der räumlichen Entwicklung der Stadt“ antworten.
Ihr habt später genau die Erweiterung:
Das kommt direkt auf Folie 9.
Frage: Welche drei Fragen werden zu Beginn der Veranstaltung gestellt, um das Verhältnis zwischen Person, Stadt und Planung zu thematisieren?
Antwort:
Was möchte ich in meiner Stadt verändern?
Welche Themen liegen mir am Herzen?
Welche gesellschaftlichen Ansprüche habe ich an die Stadt?
Frage: Warum beginnt die Vorlesung mit persönlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen an die Stadt?
Antwort: Weil Stadtplanung nicht nur räumlich-bauliches Entwerfen ist, sondern sich mit gesellschaftlichen Problemen, Bedürfnissen und Vorstellungen über die Stadt auseinandersetzt.
Hier wird das Thema Klima als Beispiel eingeführt.
Gezeigt wird unter anderem ein Klimaanpassungskonzept.
Klima ist ein Thema, mit dem sich Stadtplanung beschäftigt.
Damit sind wir bereits bei einer wichtigen Eigenschaft von Stadtplanung:
Sie betrachtet Zusammenhänge auf Stadtebene bzw. räumlich übergreifend und verbindet dabei unterschiedliche Handlungsfelder.
Weil Planung nicht einfach bedeutet:
„Hier ist ein Problem → ich baue etwas.“
Sondern:
Und manche Probleme verlangen eben mehr als eine rein bauliche Antwort.
Frage: Welches Beispiel wird auf Folie 5 dafür verwendet, womit sich Stadtplanung beschäftigt?
Antwort: Das Thema Klima, insbesondere anhand eines Klimaanpassungskonzepts.
Frage: Warum eignet sich das Thema Klima als Beispiel für Stadtplanung?
Antwort: Weil Klimaprobleme auf der Ebene der Stadt häufig nicht allein durch einzelne räumliche oder bauliche Maßnahmen gelöst werden können, sondern umfassende Konzepte und verschiedene Handlungsansätze erfordern.
Jetzt wird Wohnen als weiteres Beispiel eingeführt.
Auf der Folie sehen wir unter anderem:
Wohnen ist nicht einfach nur die Frage:
„Wie sehen Wohnhäuser aus?“
Stadtplanung muss sich beispielsweise mit Fragen auseinandersetzen wie:
Damit wird bereits deutlich:
Das Problem „Wohnen“ hat eine gesellschaftliche und politische Dimension.
Man kann Wohnungsprobleme also nicht ausschließlich durch Gebäudeentwurf lösen.
Wenn du ein Beispiel nennen sollst, warum Stadtplanung mehr ist als Architektur:
Wohnungsprobleme sind nicht allein ein Gestaltungsproblem. Es geht auch um soziale Bedürfnisse, politische Entscheidungen, Eigentum, Marktmechanismen und staatliche bzw. kommunale Interventionen.
Diese Themen werden später bei Liberalismus, Kapitalismus, Eigentumsfrage und Wohlfahrtsstaat wieder auftauchen.
Frage: Welches gesellschaftliche Thema wird auf Folie 6 als Gegenstand der Stadtplanung dargestellt?
Antwort: Wohnen bzw. Wohnungspolitik.
Frage: Warum ist Wohnen nicht nur eine bauliche, sondern auch eine gesellschaftliche und politische Frage?
Antwort: Weil es unter anderem um die Versorgung verschiedener Bevölkerungsgruppen, Bezahlbarkeit, Eigentum, Wohnungsmarkt und politische bzw. staatliche Maßnahmen geht.
Das nächste Thema lautet:
CARE
Das ist wichtig, weil Stadt nicht ausschließlich aus Straßen, Gebäuden und Grundstücken besteht.
Weil solche gesellschaftlichen Prozesse eine räumliche Voraussetzung haben.
Zum Beispiel:
Wo befinden sich Einrichtungen?
Wie sind sie erreichbar?
Wie ist öffentlicher Raum gestaltet?
Wer kann ihn nutzen?
Welche Gruppen werden berücksichtigt?
Damit wird wieder die zentrale Idee vorbereitet:
Gesellschaftliche Fragen haben eine räumliche Dimension – und räumliche Strukturen beeinflussen gleichzeitig gesellschaftliches Leben.
Und genau das wird später mit Henri Lefebvre theoretisch gefasst.
Frage: Welches Thema wird auf Folie 7 als Gegenstand der Stadtplanung genannt?
Antwort: CARE, also Fürsorge bzw. Care-Arbeit und die damit verbundenen gesellschaftlichen und räumlichen Bedingungen.
Frage: Warum kann „Care“ ein Thema der Stadtplanung sein?
Antwort: Weil Fürsorge und soziale Versorgung räumliche Voraussetzungen haben und Stadtstrukturen beeinflussen, wie Menschen versorgt werden, sich bewegen, begegnen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Jetzt kommt:
MOBILITÄTSWENDE
Gezeigt werden Beispiele wie Superblocks und eine Umgestaltung des Straßenraums.
Mobilität ist wiederum nicht nur eine Frage des Verkehrsingenieurwesens.
Es geht darum, wie der öffentliche Raum zwischen verschiedenen Nutzungen verteilt wird.
Der Superblock ist hierfür ein Beispiel: Der Straßenraum innerhalb eines größeren Blocks wird gegenüber dem Durchgangsverkehr anders organisiert, sodass andere Nutzungen mehr Raum bekommen.
Hier sieht man bereits, dass Planung Interessen gegeneinander abwägen muss.
Wenn eine Straße weniger Raum für Autos bekommt, bedeutet das nicht einfach:
„Alle finden das gut.“
Es können unterschiedliche Interessen betroffen sein.
Autofahrende: → möchten weiterhin gut durchkommen.
Radfahrende: → möchten sichere Radwege.
Anwohnende: → möchten Ruhe und Aufenthaltsqualität.
Gewerbe: → kann bestimmte Anforderungen an Erreichbarkeit haben.
Stadtgesellschaft: → hat möglicherweise Ansprüche an Klimaschutz und öffentlichen Raum.
Damit wird ein zentraler Bestandteil von Planung sichtbar:
Planung ist auch ein gesellschaftlicher Entscheidungs- und Aushandlungsprozess.
Frage: Welches aktuelle stadtplanerische Thema wird auf Folie 8 behandelt?
Antwort: Die Mobilitätswende.
Frage: Was zeigt das Beispiel der Superblocks hinsichtlich Stadtplanung?
Antwort: Dass Stadtplanung die Verteilung und Nutzung des öffentlichen Raums verändert und dabei unterschiedliche Mobilitätsformen und gesellschaftliche Interessen berücksichtigen bzw. gegeneinander abwägen muss.
Frage: Warum ist die Mobilitätswende nicht nur eine technische Verkehrsfrage?
Antwort: Weil Veränderungen der Mobilität gleichzeitig Fragen der Nutzung des öffentlichen Raums, der Lebensqualität, des Klimaschutzes und unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessen betreffen.
Diese Folie ist für mich eine der wichtigsten der bisherigen Einführung.
Hier steht:
„Die Themen, mit denen sich Stadtplanung befasst, können häufig nicht allein mit raumgestalterischen / baulichen Maßnahmen gelöst werden …“
Und anschließend:
Programmen, Strategien
Gesetzen und Regulierungen
Interventionen, Trial & Error
Auseinandersetzungen
Analysen, Texten
Normen, Wirkungsmechanismen
Maßnahmen, Versuchen
Entscheidungsprozessen, Diskussionen
etc.
Die Folie definiert Stadtplanung bewusst sehr viel breiter als „Stadt entwerfen“.
Stadtplanung besteht aus unterschiedlichen Formen des Handelns.
Eine Stadt kann beispielsweise ein bestimmtes Ziel verfolgen.
→ Was soll langfristig erreicht werden?
Das wird in Programmen oder Strategien formuliert.
Planung funktioniert auch über Regeln.
Es wird also nicht immer selbst etwas gebaut.
Stattdessen kann der Staat bzw. die Kommune festlegen:
Was darf wo und unter welchen Bedingungen passieren?
Das wird später für deine Prüfung bei den Planungssystemen und Instrumenten extrem wichtig.
Planung ist nicht immer ein einmaliger, perfekter Entwurf.
Es kann auch heißen:
Maßnahme ausprobieren → beobachten → Wirkung feststellen → verändern.
Also ein lernender Prozess.
Planung beinhaltet Konflikte und unterschiedliche Interessen.
Es gibt nicht automatisch eine einzige richtige Lösung.
Planung besteht auch aus:
Informationen,
Untersuchungen,
Analysen,
Konzepten,
Begründungen,
schriftlichen Festlegungen.
Planung arbeitet mit Vorstellungen darüber, was wünschenswert oder zulässig ist, und mit Instrumenten, die bestimmte Wirkungen erzeugen sollen.
Und ganz wichtig:
Planung ist ein Entscheidungsprozess.
Es muss entschieden werden:
Was soll passieren?
Was soll nicht passieren?
Wer entscheidet?
Wer wird beteiligt?
Welche Interessen zählen?
Wie wird die Entscheidung legitimiert?
Wenn du in der Prüfung gefragt wirst:
„Was ist Stadtplanung?“
dann wäre eine sehr gute Antwort:
Und dann kannst du noch den entscheidenden Satz aus der Folie anschließen:
Das ist eine Aussage, die ich für sehr lernenswert halte.
Frage: Was ist die zentrale Aussage der Folie „Was ist Stadtplanung?“
Antwort: Stadtplanung umfasst mehr als raumgestalterische bzw. bauliche Maßnahmen. Sie bearbeitet gesellschaftliche und räumliche Probleme durch unterschiedliche Strategien, Instrumente, Regulierungen, Analysen, Interventionen sowie Aushandlungs- und Entscheidungsprozesse.
Frage: Welche Bestandteile der Stadtplanung nennt die Folie?
Antwort: Programme und Strategien; Gesetze und Regulierungen; Interventionen/Trial & Error; Auseinandersetzungen; Analysen und Texte; Normen und Wirkungsmechanismen; Maßnahmen und Versuche; Entscheidungsprozesse und Diskussionen.
Frage: Warum reicht ein rein baulicher bzw. raumgestalterischer Ansatz in der Stadtplanung häufig nicht aus?
Antwort: Weil viele städtische Probleme gesellschaftliche, politische, rechtliche und ökonomische Dimensionen besitzen und deshalb nicht allein durch räumliche Gestaltung gelöst werden können.
Jetzt kommt ein sehr wichtiger theoretischer Sprung.
Die Vorlesung geht von:
zu:
„Wie entsteht Stadt überhaupt?“
Und hier kommt Henri Lefebvre.
Zentrale Aussage:
„(Social) space is a (social) product“ (Lefebvre 1971:26)
Also sinngemäß:
Das ist eine der zentralen Aussagen der Vorlesung.
Ganz wichtig:
Lefebvre meint nicht, dass Menschen einfach nur Gebäude bauen.
Seine Aussage ist viel grundsätzlicher:
Eine Gesellschaft produziert ihren Raum durch ihre:
Der Raum ist also nicht einfach eine neutrale Bühne, auf der Gesellschaft stattfindet.
Stattdessen besteht eine Wechselwirkung:
Gesellschaft → produziert Raum
aber gleichzeitig:
Raum → beeinflusst gesellschaftliche Verhältnisse
Das ist genau die Idee, die auf der nächsten Folie noch deutlicher wird.
Das Foto zeigt einen sehr individuell angeeigneten städtischen Raum.
Die Menschen nutzen und verändern ihren räumlichen Kontext.
Das zeigt:
Raum bekommt seine konkrete Bedeutung auch dadurch, wie Menschen ihn gesellschaftlich nutzen und gestalten.
Frage: Wie lautet die zentrale Aussage Lefebvres auf dieser Folie?
Antwort: „(Social) space is a (social) product“ – sozialer Raum ist ein gesellschaftliches Produkt.
Frage: Was bedeutet bei Lefebvre die Aussage, dass Raum gesellschaftlich produziert wird?
Antwort: Raum entsteht nicht unabhängig von Gesellschaft, sondern wird durch gesellschaftliche Beziehungen, Praktiken und Verhältnisse hervorgebracht.
Frage: Ist Raum nach Lefebvre lediglich ein neutraler physischer Container?
Antwort: Nein. Raum ist gesellschaftlich produziert und steht in Wechselwirkung mit gesellschaftlichen Verhältnissen.
Hier wird Lefebvres Aussage entscheidend erweitert.
Auf der Folie steht sinngemäß:
Raum wird gesellschaftlich produziert, gleichzeitig ist er aber das Medium, das gesellschaftliche Verhältnisse strukturiert, konkret werden lässt und dadurch letztlich reproduziert.
Das ist ein sehr wichtiger Satz.
Es gibt einen Kreislauf:
Gesellschaft produziert Raum
der produzierte Raum strukturiert gesellschaftliche Verhältnisse
diese gesellschaftlichen Verhältnisse werden dadurch wiederum reproduziert
„Reproduktion“ bedeutet hier nicht einfach „noch einmal herstellen“.
Gemeint ist:
Bestehende gesellschaftliche Verhältnisse können durch räumliche Strukturen aufrechterhalten und immer wieder hervorgebracht werden.
Beispielsweise kann eine bestimmte räumliche Organisation dazu beitragen, dass bestimmte soziale Unterschiede bestehen bleiben.
Deshalb ist Raum nicht neutral.
Die Folie nennt:
Das musst du dir merken.
Das ist der Raum, wie er praktisch wahrgenommen und genutzt wird.
Das ist der Raum, wie er gedacht, geplant und dargestellt wird.
Das ist für Stadtplanung natürlich besonders interessant.
Das ist der Raum, wie Menschen ihn erleben und mit Bedeutung versehen.
Frage: Welche drei Raumdimensionen unterscheidet Lefebvre?
wahrgenommener Raum
konzipierter Raum
gelebter Raum
Frage: Was bedeutet „wahrgenommener Raum“ bei Lefebvre?
Antwort: Der Raum der praktischen räumlichen Wahrnehmung und Nutzung, also beispielsweise alltägliche Wege, Bewegungen und räumliche Praktiken.
Frage: Was bedeutet „konzipierter Raum“ bei Lefebvre?
Antwort: Der Raum, wie er von Planenden und anderen Akteuren gedacht, konzipiert, geplant und dargestellt wird.
Frage: Was bedeutet „gelebter Raum“ bei Lefebvre?
Antwort: Der Raum, wie Menschen ihn erleben und mit subjektiven Bedeutungen, Erfahrungen und Vorstellungen verbinden.
Frage: Welche Wechselwirkung beschreibt Lefebvre zwischen Raum und Gesellschaft?
Antwort: Gesellschaft produziert Raum; gleichzeitig strukturiert der produzierte Raum gesellschaftliche Verhältnisse und kann dadurch deren Reproduktion beeinflussen.
Hier wird das Ganze noch einmal zugespitzt.
Die Folie sagt:
Dann kommt der entscheidende Satz:
Jede Gesellschaft produziert ihren eigenen Raum (mit ihrer eigenen Raumpraxis).
Ein Teil dieser „Raumpraxis“ ist die Steuerung von manchen Formen der Raumproduktion durch die Stadtplanung.
Das bedeutet:
Stadtplanung ist ein Teil dieser Raumproduktion.
Das ist ein ganz wichtiger Unterschied.
Stadtplanung → macht die Stadt
Sondern eher:
Gesellschaftliche Prozesse + verschiedene Akteure + ökonomische/politische Bedingungen + Alltag + Planung → produzieren gemeinsam Raum.
Und Planung kann bestimmte Teile dieser Raumproduktion steuern.
Frage: Was bedeutet die Aussage „Jede Gesellschaft produziert ihren eigenen Raum“?
Antwort: Gesellschaftliche Verhältnisse und Praktiken beeinflussen, wie Raum entsteht und genutzt wird. Unterschiedliche Gesellschaften bringen deshalb unterschiedliche räumliche Strukturen hervor.
Frage: Welche Rolle spielt Stadtplanung bei der gesellschaftlichen Raumproduktion?
Antwort: Stadtplanung ist ein Teil der gesellschaftlichen Raumproduktion und kann bestimmte Formen der Raumproduktion durch Planung und Steuerung beeinflussen.
Frage: Warum produziert Stadtplanung den Raum nicht allein?
Antwort: Weil Raum auch durch gesellschaftliche Praktiken, politische und ökonomische Verhältnisse, Machtverhältnisse und andere Akteure produziert wird.
Jetzt zeigt die Vorlesung historische Beispiele.
Links:
Plan von Milet – griechische Stadtanlage.
Rechts:
Plan von Srirangam in Indien.
Die wichtige Überschrift lautet:
Raumproduktion als Spiegel der Gesellschaft
Weil Gesellschaften ihre Werte, Strukturen und Ordnungen auch räumlich organisieren.
Stadtgrundrisse sind also nicht einfach zufällige Formen.
Wenn du die Bilder erklären musst, wäre die wichtigste Aussage:
Die gebaute bzw. räumliche Struktur einer Stadt kann als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse verstanden werden.
Und genau deshalb interessiert sich Planungstheorie für gesellschaftliche Raumproduktion.
Frage: Was bedeutet „Raumproduktion als Spiegel der Gesellschaft“?
Antwort: Räumliche Strukturen einer Stadt können gesellschaftliche Verhältnisse, Ordnungen, Werte und Machtstrukturen widerspiegeln.
Frage: Warum sind historische Stadtgrundrisse für die Stadtplanungstheorie interessant?
Antwort: Weil sie zeigen können, wie gesellschaftliche und politische Vorstellungen räumlich umgesetzt bzw. sichtbar werden.
Hier wird das historische Beispiel Osnabrück gezeigt.
Die Folie fragt:
„Mittelalterliche Stadt Osnabrück, ungeplant?“
Daneben:
Reproduktion gesellschaftlicher (und Herrschafts-)Verhältnisse
Außerdem wird Zellerfeld gezeigt mit einer:
Standesaufteilung nach Straßen
Das ist wichtig.
Die Folie fordert dich dazu auf, die Vorstellung zu hinterfragen:
„Historische Städte waren ungeplant und moderne Städte sind geplant.“
So einfach ist es nicht.
Frage: Was wird mit der Frage „Mittelalterliche Stadt Osnabrück, ungeplant?“ problematisiert?
Antwort: Die vereinfachte Vorstellung, historische Städte seien einfach „ungeplant“ gewesen. Auch ohne moderne Stadtplanung können Städte durch gesellschaftliche, politische und herrschaftliche Verhältnisse strukturiert und geordnet sein.
Frage: Was zeigt das Beispiel Zellerfeld?
Antwort: Es zeigt eine räumliche Standesaufteilung nach Straßen und damit die Verbindung zwischen gesellschaftlicher Ordnung und räumlicher Organisation.
Frage: Welche Verbindung besteht zwischen diesem Beispiel und Lefebvres Theorie?
Antwort: Die räumliche Organisation kann gesellschaftliche bzw. herrschaftliche Verhältnisse widerspiegeln und zu deren Reproduktion beitragen.
Das ist eine sehr wichtige Einschränkung der bisherigen Überlegung.
Denn bisher haben wir:
Gesellschaft produziert Raum.
Planung kann Raumproduktion steuern.
Aber jetzt:
Stadtproduktion und Leben sind nur bedingt planbar.
Das passt wieder sehr gut zu den drei Lefebvre-Raumdimensionen.
Planung ist nicht gleich Kontrolle über die Stadt.
Planung kann steuern, beeinflussen und Rahmenbedingungen setzen – aber gesellschaftliches Leben bleibt nur bedingt planbar.
Das ist eine sehr gute mündliche Prüfungsformulierung.
Frage: Warum ist Stadtproduktion und gesellschaftliches Leben nur bedingt planbar?
Antwort: Weil gesellschaftliche Prozesse und menschliches Handeln nicht vollständig vorhersehbar oder kontrollierbar sind. Planung kann Entwicklungen beeinflussen und Rahmenbedingungen setzen, aber nicht das gesamte städtische Leben bestimmen.
Frage: Was bedeutet „nur bedingt planbar“ für das Verständnis von Stadtplanung?
Antwort: Stadtplanung kann Raumproduktion steuern und beeinflussen, besitzt aber keine vollständige Kontrolle über gesellschaftliche Entwicklungen und die tatsächliche Nutzung und Aneignung von Räumen.
🔥 Diese Folie würde ich sehr hoch priorisieren.
Sie fasst den bisherigen Theorieblock zusammen.
Das ist sehr interessant für die spätere Prüfung.
Das würde ich unbedingt verstehen und nicht nur auswendig lernen:
Gesellschaft
↓ produziert
Lebensverhältnisse + Raum
↓ Raum strukturiert wiederum
gesellschaftliche Verhältnisse
↓ dadurch können diese
reproduziert
werden.
Stadtplanung ist ein Teil dieses Prozesses und kann bestimmte Formen der Raumproduktion steuern.
ABER:
Stadt und gesellschaftliches Leben sind nur bedingt planbar.
Frage: Welche vier Kernaussagen fasst die Zusammenfassung zur gesellschaftlichen Produktion des Raums zusammen?
Gesellschaft und Raum sind veränderbar.
Jede Gesellschaft produziert ihre eigenen Lebensbedingungen und reproduziert dabei auch Machtverhältnisse.
Raum wird stetig gesellschaftlich konstruiert bzw. produziert.
Lebensverhältnisse und Raum können geplant werden; Raumproduktion und Planung hängen dabei von gesellschaftlichen (Raum-)Bedarfen und Erwartungen an das Regiert-Werden ab.
Frage: Wovon sind Raumproduktion und Planung laut Zusammenfassung abhängig?
Antwort: Von gesellschaftlichen (Raum-)Bedarfen sowie von den Erwartungen einer Gesellschaft darüber, wie sie regiert bzw. gesteuert werden möchte.
Hier wechselt die Vorlesung von der Frage
zu einer historischen Frage:
Und das ist für die Planungstheorie sehr wichtig.
Titel:
Wurzeln der Planung und des Wohlfahrtsstaates
Danach:
Planung in liberalen Demokratien – Eingrenzung
und das Bild der „Idealen Stadt“.
Darunter steht sinngemäß:
Menschen planen immer, auch ihre Stadträume.
Mit „Wurzeln der Planung“ geht es um Planung nach heutigem Verständnis, d.h. in liberalen Demokratien.
Die Professorin macht hier eine zeitliche und politische Eingrenzung.
Sie sagt nicht:
Planung gab es erst mit der Demokratie.
Natürlich haben schon frühere Gesellschaften Städte geplant.
Und dabei stellt sich eine entscheidende Frage:
Das ist die Frage nach der:
Legitimation von Planung.
Und genau darauf laufen die folgenden Folien hinaus.
Frage: Was untersucht der Block „Wurzeln der Planung und des Wohlfahrtsstaates“?
Antwort: Er untersucht die historischen Wurzeln von Planung im heutigen Verständnis, insbesondere im Zusammenhang mit liberalen Demokratien und dem Wohlfahrtsstaat.
Frage: Was bedeutet die Eingrenzung „Planung in liberalen Demokratien“?
Antwort: Es geht nicht um Planung allgemein in der gesamten Geschichte, sondern speziell um die Entstehung und Legitimation moderner Planung in liberal-demokratischen Gesellschaften.
⭐ Sehr wichtig.
Hier wird die Aufklärung als Ausgangspunkt dargestellt.
Die Folie nennt mehrere Entwicklungen:
hin zu:
Vorstellung der Planbarkeit der Geschichte, der Gesellschaft
Das ist der Schlüssel.
Wenn Menschen glauben:
und
Menschen können gesellschaftliche Verhältnisse aktiv verändern,
Gesellschaftliche Entwicklung kann bewusst gestaltet bzw. geplant werden.
Die Aufklärung kritisiert bestehende Herrschaftsformen.
Stattdessen werden Vorstellungen wichtig wie:
Die Logik lautet:
Frage: Warum ist die Aufklärung laut Vorlesung ein wichtiger Ausgangspunkt der Planung?
Antwort: Weil mit der Aufklärung der Glaube an Vernunft, Rationalität und die Handlungsmacht des Menschen gestärkt wird. Dadurch entsteht die Vorstellung, dass Geschichte und Gesellschaft plan- bzw. gestaltbar sind.
Frage: Welche Vorstellung der Aufklärung ist für die Entstehung moderner Planung besonders wichtig?
Antwort: Die Vorstellung der Planbarkeit von Geschichte und Gesellschaft.
Frage: Welche politischen Herrschaftsformen wurden im Zuge der Aufklärung kritisiert?
Antwort: Vor allem feudale und absolutistische Herrschaftsformen.
Frage: Welche politischen Grundsätze werden auf der Folie im Zusammenhang mit legitimen Staatshandlungen genannt?
Antwort: Menschenrechte, Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sowie Demokratie, Gewaltenteilung und Gemeinwohl.
Für die Aufklärung ist der Staat legitim, wenn er
für den Wohlstand der Gesellschaft sorgt
dem Willen des Volkes bzw. dem Gesellschaftsvertrag entspricht.
daraus:
Idee vom WOHLFAHRTSSTAAT
Rechts steht ein Zitat von Jean-Jacques Rousseau zum Gesellschaftsvertrag.
Der entscheidende Gedanke:
Gesellschaft soll entsprechend eines gemeinsamen Interesses / Gemeinwohls regiert werden.
Damit verbindet sich die Vorstellung:
Staatliches Handeln → Gemeinwohl → Legitimation
Und das ist später für Planung entscheidend.
Also stellt sich die Frage:
Frage: Wann ist der Staat für die Aufklärung legitim?
Antwort: Wenn er für den Wohlstand der Gesellschaft sorgt und dem Willen des Volkes bzw. dem Gesellschaftsvertragentspricht.
Frage: Welche Staatsidee entwickelt sich daraus?
Antwort: Die Idee des Wohlfahrtsstaates.
Frage: Welche Bedeutung hat Rousseaus Gesellschaftsvertrag in diesem Zusammenhang?
Antwort: Staatliche Herrschaft soll dem gemeinsamen Interesse bzw. dem Gemeinwohl entsprechen und dadurch legitimiert werden.
Frage: Welche Verbindung besteht zwischen Wohlfahrtsstaat und Planung?
Antwort: Wenn staatliches Handeln durch die Förderung des gesellschaftlichen Wohls legitimiert wird, kann auch staatliche Planung als Mittel zur Verbesserung gesellschaftlicher Lebensbedingungen legitimiert werden.
Hier wird jetzt ein Gegenmodell gezeigt.
Beispiel:
Karlsruhe, 1715
Absolutistische Planung entspringt dem Königswillen und bedarf keiner Legitimation.
Das ist der entscheidende Gegensatz zur liberalen Demokratie.
Die Logik ist:
Jetzt kann staatliches Handeln nicht mehr einfach damit begründet werden:
„Der Herrscher will es.“
Stattdessen braucht es:
Legitimation.
Und genau deshalb ist die Geschichte der Planung gleichzeitig auch eine Geschichte der Legitimation von Planung.
Absolutistische Planung
Planung in liberaler Demokratie
Königs-/Herrscherwille
demokratische Legitimation
Herrschaft von oben
Orientierung am Willen des Volkes/Gemeinwohl
keine entsprechende demokratische Legitimation erforderlich
staatliches Handeln muss legitimiert werden
Beispiel Karlsruhe 1715
moderne Stadtplanung
Frage: Worauf basiert absolutistische Planung laut Folie?
Antwort: Sie entspringt dem Königswillen und benötigt keine entsprechende demokratische Legitimation.
Frage: Was ist der grundlegende Unterschied zwischen absolutistischer und liberal-demokratischer Planung?
Antwort: Absolutistische Planung wird durch den Herrscherwillen legitimiert bzw. benötigt keine demokratische Legitimation. In liberalen Demokratien muss staatliches Handeln dagegen legitimiert werden.
Frage: Welches Beispiel wird für absolutistische Planung genannt?
Antwort: Karlsruhe, 1715.
Jetzt kommt ein zentraler Begriff:
WOHLSTANDSVERSPRECHEN
Eine Möglichkeit ist:
Planung verspricht eine Verbesserung der Lebensbedingungen bzw. Wohlstand.
Auf der Folie wird deshalb Barcelona und der Plan von Cerdà als Beispiel gezeigt.
Nicht:
„Wir planen, weil wir Macht haben.“
„Wir planen, weil Planung einen gesellschaftlichen Nutzen erzeugt.“
Das ist das Wohlstandsversprechen.
Die Folie stellt damit gleichzeitig eine kritische Frage:
Reicht ein guter Entwurf als Legitimation aus?
Das ist später auf Folie 27 wichtig.
Denn:
Wer darf darüber bestimmen?
Frage: Was bedeutet „Wohlstandsversprechen“ als Legitimation von Planung?
Antwort: Planung wird dadurch legitimiert, dass sie verspricht, die Lebensbedingungen bzw. den Wohlstand der Gesellschaft zu verbessern.
Frage: Welches Beispiel wird auf der Folie für das Wohlstandsversprechen genannt?
Antwort: Der Plan für die Stadterweiterung von Barcelona von Ildefons Cerdà, 1859.
Frage: Warum kann das Wohlstandsversprechen staatliche Planung legitimieren?
Antwort: Weil Planung als Mittel dargestellt wird, durch das gesellschaftliche Lebensbedingungen verbessert und Probleme der Stadtentwicklung gelöst werden können.
Hier wird der historische Hintergrund erklärt.
Frühindustrialisierung / Manchester
Die Folie stellt die Frage:
🔥 Das ist eine sehr interessante und wichtige Frage.
Und jetzt kommt der scheinbare Widerspruch:
Wenn man sagt:
„Der Staat greift nicht ein. Der Markt soll das regeln.“
dann ist das nicht automatisch:
„Es gibt keine Planung.“
Man kann das vielmehr als eine bestimmte politische Entscheidung verstehen:
Genau deshalb steht auf der Folie:
„Oder absichtlich … den Markt machen lassen?“
Frage: In welchem historischen Kontext steht das Wohlstandsversprechen der Planung?
Antwort: Im Kontext von Industrialisierung und Verstädterung, insbesondere der Frühindustrialisierung.
Frage: Welche Frage stellt die Folie zur Frühindustrialisierung und zum Laissez-faire?
Antwort: Ob tatsächlich „keine Planung“ stattfand oder ob es eine bewusste Entscheidung war, den Markt die Entwicklung weitgehend bestimmen zu lassen.
Frage: Warum kann „Nicht-Planen“ ebenfalls eine politische Entscheidung sein?
Antwort: Weil der Staat bewusst darauf verzichten kann, bestimmte Entwicklungen zu regulieren und stattdessen Marktmechanismen wirken lässt.
Jetzt kommt R. Baumeister (1833–1917).
Die Folie zitiert seine Kritik an der damaligen Stadtentwicklung.
Gleichzeitig herrscht weiterhin die Vorstellung vor:
Mit dem freien Spiel der Kräfte werde das Beste erreicht.
—>Hier wird das Problem des Marktversagens bzw. der Grenzen des freien Spiels der Kräfte thematisiert.
—>Wenn jeder private Akteur primär seinen eigenen Vorteil verfolgt, entsteht nicht automatisch eine Stadt, die den Interessen der gesamten Gesellschaft entspricht.
Und genau hier entsteht Raum für:
Planung als gesellschaftliche bzw. öffentliche Intervention.
Kritik / fehlende Legitimation
und als Beispiel:
der geplante Abriss des Zentrums von Paris.
Inwiefern genügen (ersehnte) Planungsziele zur Legitimation?
dem Willen des Volkes entspricht
Wohlfahrtsstaat
etabliert sich im 19. und 20. Jahrhundert duch
politische Umwälzungen
Arbeiterkämpfe
Weil ein Staat, der zunehmend Verantwortung für gesellschaftliche Lebensbedingungen übernimmt, auch stärker in die räumliche Entwicklung eingreifen kann.
Damit wird Planung zu einem Instrument, mit dem gesellschaftliche Ziele verfolgt werden können.
Wir hatten zunächst:
„Die Planung ist legitim, weil sie gute Lebensbedingungen schafft.“
Aber dann kommt die Kritik:
Das allein reicht nicht.
Denn auch ein guter Entwurf kann von oben beschlossen werden.
Deshalb wird zusätzlich wichtig:
Mitbestimmung
→ Planung durch Herrscherwillen
→ Legitimation durch gesellschaftlichen Nutzen / Wohlstandsversprechen
→ demokratische Maßstäbe und Mitbestimmung
Das ist eine Entwicklung der Legitimation von Planung.
Und genau diese Entwicklung musst du später wahrscheinlich erklären können.
kritische Gegenperspektive.
Kann Planung auch Macht ausüben und Menschen unterdrücken?
Es gibt neben der positiven Geschichte der Planung als Quelle von Wohlstand auch eine:
kritische Planungsgeschichte
Diese untersucht die:
unterdrückenden Dimensionen von Planung
Planung findet nicht in einem gesellschaftlich neutralen Raum statt.
Sie findet innerhalb bestimmter:
ökonomischer,
politischer,
gesellschaftlicher
Verhältnisse statt.
Wenn diese Verhältnisse von Macht und Ungleichheit geprägt sind, kann auch Planung diese Verhältnisse reproduzieren oder verstärken.
Das knüpft direkt an Lefebvre an:
Raum kann gesellschaftliche und Machtverhältnisse reproduzieren.
Die Folie stellt die Verbindung her zwischen:
Freiheit der Menschen UND DES MARKTES
Vorstellung von:
Freihandel
Unsichtbare Hand (Markt)
als Quelle des:
„Wohlstand der Nationen“
Adam Smith und Wealth of Nations.
—> Freihandel, freie Märkte und die Vorstellung der „unsichtbaren Hand“ als Mechanismus, durch den der Markt zum Wohlstand der Nationen beitragen kann.
Die dahinterstehende Vorstellung:
Menschen handeln in einem freien Markt aus Eigeninteresse.
Durch Marktmechanismen können sich daraus gesellschaftlich koordinierte Ergebnisse ergeben.
Das wird mit der berühmten Idee der:
„unsichtbaren Hand“
Wir haben hier einen möglichen Gegensatz:
Freie Individuen + freier Markt → Marktmechanismus → Wohlstand
versus
Staatliche Intervention / Regulierung → gezielte Steuerung gesellschaftlicher und räumlicher Entwicklung
Deshalb ist die Geschichte der Planung auch mit der Frage verbunden:
Wie viel soll der Staat steuern und wie viel soll dem Markt überlassen werden?
Freiheit der Menschen und des Marktes
Freihandel, Kapitalismus, unsichtbare Hand
Wohlstand der Nationen
Eigentum
Der Liberalismus verbindet individuelle Freiheit stark mit der Idee des Eigentums.
Auf der Folie wird die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 gezeigt.
Dort wird Eigentum als:
unverletzliches und heiliges Recht
bezeichnet.
—>hohen rechtlichen und politischen Stellenwert.
eigentum für stadtplanung so wichtig: Weil Stadtplanung ständig mit Grund und Boden zu tun hat.
Wenn eine Kommune oder der Staat einen Raum planen oder regulieren möchte, kann das mit privaten Eigentumsrechten kollidieren.
Dann entsteht ein Spannungsverhältnis:
privates Eigentumsrecht
↔
öffentliches Planungsinteresse
To-morrow: A Peaceful Path to Real Reform
Garden-City-Idee.
Welches zentrale Problem wird mit der „Eigentumsfrage“ in der Planung bezeichnet?
Das Spannungsverhältnis zwischen privatem Eigentum an Grund und Boden und dem öffentlichen Interesse an der Steuerung der räumlichen Entwicklung.
-Das Spannungsverhältnis zwischen privatem Eigentum an Grund und Boden und dem öffentlichen Interesse an der Steuerung der räumlichen Entwicklung.
-Weil liberale Demokratien individuelle Freiheit und Eigentum schützen, während öffentliche Planung gleichzeitig räumliche Entwicklungen regulieren und gesellschaftliche Ziele verfolgen möchte.
Eigentum ist eine zentrale Frage liberaler Planung.
→ Freiheit des Individuums → freier Markt → Eigentum
und gleichzeitig:
→ öffentliche Ziele → Steuerung der räumlichen Entwicklung → Eingriffe bzw. Regulierungen können notwendig sein.
Wie kann die Gesellschaft ihre räumliche Entwicklung steuern, wenn Boden sich in privatem Eigentum befindet?
Bodeneigentum
Dazu werden verschiedene räumliche Konflikte genannt:
alt / neu
Mittelalter / Kapitalismus
Arbeiter:innen / Bourgeoisie
Nutzung / Ware
Dazu sieht man einen Plan von Paris von Haussmann, 1853.
Hier wird ein ganz grundlegendes Problem der modernen Stadtplanung eingeführt:
Boden ist Privateigentum, aber gleichzeitig ist Boden die Grundlage für die Entwicklung der gesamten Stadt.
Ein Grundstück gehört also einer einzelnen Person bzw. einem privaten Eigentümer. Was dort passiert, betrifft aber häufig nicht nur diesen Eigentümer, sondern auch:
Nachbarn
Verkehr
Infrastruktur
Wohnraum
öffentliche Räume
die gesamte Stadtentwicklung
Damit entsteht ein Konflikt:
Privates Eigentumsrecht ↔ öffentliche Interessen
Genau daraus entwickelt sich ein wesentlicher Teil moderner Stadtplanung.
Konflikte:
Alt / Neu:Die bestehende mittelalterliche Stadt passt teilweise nicht mehr zu den Anforderungen der industrialisierten Stadt.
Mittelalter / Kapitalismus: Die alte Stadtstruktur ist nicht auf die neuen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen ausgelegt.
Arbeiter:innen / Bourgeoisie: Die Industrialisierung führt zu starken sozialen Gegensätzen. Unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen haben unterschiedliche Interessen an der Stadt.
Nutzung / Ware: Boden ist einerseits etwas, das genutzt wird – zum Wohnen, Arbeiten usw. Andererseits ist er eine Ware, die gekauft, verkauft und zur Gewinnerzielung eingesetzt werden kann.
—> Die moderne Stadtplanung entsteht auch als Reaktion auf Konflikte, die aus der privaten Verfügung über Boden entstehen.
Was passiert hier?
Der Staat bzw. die öffentliche Hand verfolgt ein bestimmtes städtebauliches Ziel.
Dafür muss aber teilweise in bestehende Eigentums- und Nutzungsstrukturen eingegriffen werden.
Gleichzeitig wird die Entwicklung mit privaten wirtschaftlichen Interessen verbunden.
Haussmann verändert Paris massiv.
Dafür werden unter anderem:
Gebäude abgerissen,
Straßen verbreitert,
neue Boulevards angelegt,
ganze Stadtbereiche umstrukturiert.
Aber solche Veränderungen kosten natürlich enorm viel Geld.—>Die Stadtentwicklung wird deshalb mit privatem Kapital verbunden
warum für die planung wichtig?
Hobrechtplan für Berlin von 1862.
Fluchtlinienplan
—Er legt fest, wo Straßen bzw. Baufluchten verlaufen sollen und damit, wie sich die Bebauung räumlich entwickeln kann.
—>Die privaten Bauherren können den Boden grundsätzlich zur Gewinnerzielung entwickeln.
->Wenn der Eigentümer grundsätzlich frei über seinen Boden verfügen darf, stellt sich die Frage:
Wie kann die öffentliche Hand trotzdem die Stadtentwicklung steuern?
Die Antwort ist zunächst:
➡️ Sie legt bestimmte Rahmenbedingungen fest.Der private Eigentümer baut innerhalb dieser Rahmenbedingungen.
—> Der Staat setzt planerische Rahmenbedingungen, während das Grundeigentum grundsätzlich privat bleibt.
Warum wird öffentliche Stadtplanung notwendig?
Reinhard Baumeister (1833–1917).
Durch Bevölkerungswachstum und Industrialisierung entstehen neue Anforderungen an die Stadt, denen eine ausschließlich private Stadtentwicklung nicht ausreichend gerecht wird. Dadurch entsteht die Vorstellung, dass die öffentliche Hand private Interessen zugunsten des Gemeinwohls begrenzen muss
Die Bevölkerung nimmt stark zu → dadurch steigt der Bedarf an:
Wohnungen
Straßen
neuen Stadtteilen
Gleichzeitig herrscht die Vorstellung:
Durch das „freie Spiel der Kräfte“ werde das Beste erreicht.
Die Stadtentwicklung wird zunächst weitgehend der privaten Unternehmung überlassen.
Das Problem:
Private Unternehmen haben nicht automatisch das Gemeinwohl als oberstes Ziel.
Baumeister formuliert deshalb sinngemäß:
Es sei Recht und Pflicht der öffentlichen Gewalt, private Interessen zugunsten des Gemeinwohls einzuschränken.
—>Die öffentliche Hand darf also nicht einfach sagen:
„Das ist Privateigentum, deshalb geht uns das nichts an.“
Private Eigentumsinteressen können dort eingeschränkt werden, wo dies zum Schutz des Gemeinwohls notwendig ist.
Es geht um die:
Notwendigkeit der Legitimation von öffentlichem Handeln
Und zwar gerade wegen des Privateigentums an Grund und Boden.
Wenn jemand Eigentümer eines Grundstücks ist, besitzt er grundsätzlich Rechte daran.
Wenn der Staat sagt:
„Du darfst dein Grundstück nicht so nutzen, wie du möchtest.“
ist das ein Eingriff in Eigentum.
Deshalb braucht dieser Eingriff eine rechtliche bzw. politische Legitimation.
Die Folie führt dafür bis zur Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 zurück.
Dort wird Eigentum als besonders geschütztes Recht verstanden.
-> daraus folgt nciht automarisfch dass der eiegntümer alles machen darf.
Jetzt wird der historische Gedanke auf die heutige Bundesrepublik übertragen.
Eigentum und Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
—>Das bedeutet: Eigentum wird geschützt.
Aber: Der Staat darf durch Gesetze bestimmen, welchen Inhalt Eigentum hat und welche Grenzen gelten.
Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
—>Eigentum ist also nicht nur:
„Ich darf mit meinem Grundstück machen, was ich will.“
Sondern Eigentum hat auch eine gesellschaftliche Funktion.
->Was bedeutet das für Stadtplanung?
Boden ist ein wesentlicher Bestandteil räumlicher Planung.
Aber dieser Boden befindet sich häufig im Privateigentum.
Damit entsteht das Spannungsfeld:
individuelles Eigentumsrecht
↕️
Wohl der Allgemeinheit
Die Planung muss also ständig zwischen diesen beiden Polen vermitteln.
Art. 14 GG schützt das Eigentum, stellt es aber gleichzeitig unter den Vorbehalt gesetzlicher Inhalts- und Schrankenbestimmungen und verpflichtet seinen Gebrauch auf das Wohl der Allgemeinheit.
beispiel 1: Eingriff über das Eigentum, um von der Zivilgesellschaft geforderte Nutzung umzusetzen.
Hier bedeutet Planung:
Die Gesellschaft möchte eine bestimmte Nutzung.
Damit diese Nutzung tatsächlich realisiert werden kann, kann die öffentliche Hand in Eigentumsverhältnisse eingreifen.
Beispielsweise könnte es um die Sicherung einer bestimmten öffentlichen oder gemeinschaftlich gewünschten Nutzung gehen.
Rechts sieht man Abrissarbeiten für eine Schnellstraße.
Text:
Eingriff über das Eigentum, um eine Schnellstraße zu bauen, über der Proteste der Bewohner:innen hinweg.
Hier wird die andere Seite sichtbar.
Die öffentliche Planung kann auch eine Entscheidung treffen, die gegen konkrete Interessen von Bewohner:innendurchgesetzt wird.
Das ist wichtig:
Was dem Gemeinwohl dienen soll, kann für bestimmte Personen Nachteile verursachen.
—>eine Schnellstraße kann für die Gesamtstadt als sinnvoll betrachtet werden, aber für die Menschen, deren Häuser dafür abgerissen werden, ist sie ein massiver Eingriff.
Planung bedeutet Interessenabwägung und kann Gewinner:innen und Verlierer:innen erzeugen.
Polanyi (1944).
Der Staat sorgt in liberalen Demokratien für: Ent- und Einbettung des Marktes
Der Staat garantiert Bedingungen, unter denen der Markt funktionieren kann.
Beispiele auf der Folie:
Vertragssicherheit
Handel
Der Staat sichert die Funktionsfähigkeit des Marktes.
Er sorgt beispielsweise dafür, dass Eigentum rechtlich geschützt ist und Verträge grundsätzlich verbindlich sind.
Gleichzeitig produziert der Kapitalismus Probleme bzw. Missstände.
Der Staat muss deshalb diese Folgen teilweise abfedern.
Auf der Folie:
Daseinsvorsorge
soziale Rechte
individuelle Rechte
Beispielsweise soll der Staat dafür sorgen, dass Menschen nicht einfach vollständig den negativen Folgen des Marktes überlassen werden.
Die
Gemeinwohlorientierung
des Wohlfahrtsstaates legitimiert staatliches Handeln.
Der Staat schützt den Markt
UND
der Staat begrenzt bzw. korrigiert bestimmte negative Folgen des Marktes.
Das ist die Doppelrolle.
auf den Raum übertragen.
Der Staat muss also nicht nur allgemein zwischen Markt und Gesellschaft vermitteln.
Er muss auch räumlich entscheiden:
Was soll mit Boden passieren?
Im orangefarbenen Kasten steht sinngemäß:
hat die Aufgabe, Optionen zur Nutzung des umkämpften Gutes „Boden“ zu eröffnen bzw. einzuschränken,
ist legitimiert, zwischen unterschiedlichen Interessen zu vermitteln und abzuwägen,
macht das durch die „Planung“ der Bodennutzungen.
Boden ist knapp und umkämpft.
Verschiedene Akteure wollen unterschiedliche Dinge:
Eigentümer möchte wirtschaftlich nutzen
Anwohner möchten Ruhe
Unternehmen möchten bauen
Stadt möchte Infrastruktur
Gesellschaft möchte Wohnraum
Staat möchte Gemeinwohlziele erreichen
Die Planung entscheidet bzw. steuert, welche Nutzungsmöglichkeiten bestehen.
Räumliche Planung steuert Bodennutzungen, indem sie Nutzungsmöglichkeiten eröffnet, begrenzt und zwischen unterschiedlichen Interessen vermittelt.
Planung soll
zwischen unterschiedlichen Interessen vermitteln und abwägen.
-Missstände abbauen und gleichwertige Lebensverhältnisse herstellen.
-Entwicklung ermöglichen und „ordnen“.
-Dabei darf sie: Eigentum einschränken, wenn dies legitimiert ist.
-Aber: Sie stellt das Eigentum grundsätzlich nicht infrage.
->Privateigentum bleibt bestehen, aber seine Nutzung kann im öffentlichen Interesse reguliert werden.
Planung hat nicht nur eine einzige Definition.
-Meyerson / Banfield 1955: Planung bedeutet, einen Handlungsweg zu entwerfen, um bestimmte Ziele zu erreichen.
-Wildavsky 1973:Planung versucht, durch heutiges Handeln Einfluss auf die Zukunft zu nehmen.
-Scharpf 1973:vorwegnehmende Koordination einzelner Handlungsbeiträge und deren Steuerung über längere Zeit.->Planung koordiniert verschiedene Handlungen, die nicht alle gleichzeitig und nicht unbedingt von derselben Persondurchgeführt werden.
-Faludi 1969:gesellschaftliches Ziel → rationale Bearbeitung → konkretes Programm
-Fürst 1995:systematische Vorgehen zur Entwicklung von Handlungszielen und -abfolgen über einen längeren Zeitraum.
bei allen deifinitionen tauchen ähnliche gedanken auf: Ziele + Zukunft + systematisches Handeln + Koordination
—> Planung ist ein systematischer, zielorientierter und auf die Zukunft gerichteter Prozess, bei dem Handlungen bzw. Handlungsfolgen koordiniert werden.
Definition und vormoderne planung
Was unterscheidet diese Planung von öffentlicher Planung in liberalen Demokratien?
Weil man auch schon in der Antike oder in anderen historischen Gesellschaften geplant hat.—>„Wir wollen eine Stadt nach einem bestimmten Ziel gestalten.“
—>beispielsweise historische Stadtanlagen und eine Festungsstadt.
—> militärische ziele, INfrastrukutr, Machtdemonstratin, Glaubensideal
—> Planung ist nicht erst mit der modernen Stadtplanung entstanden.
Eine Festungsstadt wird so angelegt, dass sie militärisch gut funktioniert.
Das ist eindeutig zielgerichtete räumliche Gestaltung.
hier wird Planung nicht einfach allgemein definiert.
Es geht ausdrücklich um:
Planung in liberalen Demokratien.
Planung ist Teil des staatlichen Handelns im Wohlfahrtsstaat.
Die verschiedenen Ansprüche an Raum widersprechen sich.
Es gibt nicht eine einzige gemeinsame Interessenlage.
Es können sowohl
einzelne Personen/Eigentümer
als auch
Gruppen bzw. die Gesellschaft
bestimmte Ansprüche haben.
Es geht konkret um:
Wer kann welchen Raum wie nutzen?
Planung folgt bestimmten Prinzipien des Wohlfahrtsstaates und setzt diese räumlich um.
Es geht nicht um Planung allgemein.
Es geht um:
öffentliche Planung in liberalen Demokratien.
Damit du die Definition verstehst, musst du wissen, welche Prinzipien der Wohlfahrtsstaat verfolgt.
Planung betrifft nicht nur zukünftige Entwicklung.
Sie kann auch gegenwärtige räumliche Verhältnisse regeln.
Das ist sehr wichtig.
Wenn Planung eine Nutzung ermöglicht und eine andere verhindert, werden Chancen und Möglichkeiten unterschiedlich verteilt.
Deshalb ist Planung:
konflikthaft.
Nicht nur einzelne Personen können Interessen haben.
Auch Gruppen oder die Gesellschaft insgesamt.
Das Wort „regelt“ ist nicht neutral.
Es bedeutet:
Die öffentliche Hand greift steuernd ein.
Je nachdem, welches Planungsverständnis man hat, verändern sich:
Ziele
Methoden
Instrumente
Formen der Intervention
Wenn der Prüfer fragt:
„Was verstehen Sie unter Planung?“
ist diese Definition wahrscheinlich wesentlich näher an der erwarteten Antwort als eine allgemeine Definition aus einem Lehrbuch.
warum ist das politisch
Planning can be understood as conscious intervention of collective actors in the production of urban space, so that outcomes may be turned to one or the other's favour.—>
wichtigster begriff: bewusste Intervention in den Stadtraum
Wer interviert? —> der staat, Kapital, organisierte Zivilgesellschaft—> also verschiedene gersellschaftliche Akteure
Weil diese Akteure unterschiedliche Interessen haben.
Wenn eine Entscheidung getroffen wird, kann sie:
einer Gruppe nutzen,
einer anderen Gruppe schaden.
Deshalb:
Planung steht immer im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen.
Und noch stärker:
Planungsgegenstand, Planungsprozess UND Planungsziele können umkämpft sein.
Planung in Deutschland wird vornehmlich als:
öffentliche Planung
verstanden.
Sie ist Bestandteil des Wohlfahrtsstaates.
Und dieser hat gleichzeitig zwei Funktionen:
Er soll:
dem Gemeinwohl dienen und gleichwertige Lebensverhältnisse herstellen.
Gleichzeitig:
folgt er kapitalistischen Verwertungslogiken und stützt deren Institutionen.
Das ist genau die Doppelrolle, die vorher eingeführt wurde.
Planung ist außerdem:
eine vermittelnde Instanz
zwischen unterschiedlichen Interessen und Ansprüchen.
Und wieder:
Sie ist legitimiert, Eigentumsrechte einzuschränken, aber ohne das Eigentum infrage zu stellen.
VORLESUNG 2
was ist planung?-boden und demokratie
1 Warum darf der staat überhaupt handel?
2Freiheit des Marktes
Wie darf der Staat in private Eigentumsrechte eingreifen, um öffentliche bzw. gesellschaftliche Ziele zu verfolgen?
Wurzeln des Wohlfahrtsstaats: Aufklärung + Liberalismus
1—>in einer liberalen Demokratie ist staatliches Handeln nicht automatisch legitim.
Der Staat greift schließlich in das Leben der Menschen ein. Deshalb braucht er eine Legitimation.
Die Folie nennt dafür zwei Begründungen:
Wohlstand der Gesellschaft
Wille des Volkes
Das bedeutet vereinfacht:
Staatliches Handeln ist gerechtfertigt, wenn es dem Wohl der Gesellschaft dient und dem Willen der Bürger entspricht.
2—>Die Aufklärung und der Liberalismus betonen außerdem:
Menschen sollen möglichst frei handeln können.
Dazu gehört insbesondere die Verfügung über Eigentum.
Beim Boden bedeutet das:
Ein Grundstück gehört jemandem und diese Person hat grundsätzlich das Recht, darüber zu verfügen.
Das ist für die Planung extrem wichtig, weil Planung später genau mit diesem Punkt kollidieren kann:
Privateigentum ↔ öffentliche Interessen
Ein Eigentümer möchte auf seinem Grundstück bauen.
Die Stadt möchte dort aber vielleicht eine Grünfläche, eine Straße oder Wohnbebauung vorsehen.
➡️ Genau hier entsteht ein planerischer Konflik
—> Liberalismus → Freiheit + Eigentum
Wohlfahrtsstaat → Staat darf handeln, wenn dieses Handeln dem Gemeinwohl dient.
Der Markt soll möglichst reibungslos funktionieren.
Dafür braucht es beispielsweise:
Der Staat schafft bzw. garantiert also Bedingungen, unter denen der Markt funktionieren kann.
Wenn ich ein Grundstück besitze, muss ich mich darauf verlassen können, dass mein Eigentum rechtlich geschützt ist.
Das ermöglicht überhaupt erst einen Grundstücksmarkt.
Der Markt allein produziert nicht automatisch Ergebnisse, die gesellschaftlich erwünscht sind.
Deshalb muss der Staat den Markt in gesellschaftliche Regeln und Ziele einbetten.
Auf der Folie stehen:
Der Staat lässt den Markt funktionieren, begrenzt ihn aber dort, wo seine Ergebnisse mit gesellschaftlichen Interessen kollidieren.
Planung als öffentliche aufgabe :
Planung:
vermittelt und wägt zwischen unterschiedlichen Interessen ab,
baut Missstände ab,
soll gleichwertige Lebensverhältnisse herstellen,
dient dem Gemeinwohl,
ermöglicht und „ordnet“ Entwicklung,
schränkt dadurch teilweise Eigentum ein.
Planung stellt nicht einfach eine bestimmte Stadtform her.
Sie muss vielmehr unterschiedliche Interessen miteinander vermitteln.
Beispielsweise:
Eigentümer → möchten ihr Grundstück wirtschaftlich nutzen.
Anwohner → möchten vielleicht Ruhe und Freiraum.
Stadt → möchte vielleicht Wohnraum schaffen.
Gesellschaft → braucht beispielsweise Infrastruktur und Daseinsvorsorge.
➡️ Planung muss zwischen diesen Interessen vermitteln.
„unsichtbare Hand“ des Marktes
Daraus ergibt sich:
Die Idee ist:
Wenn Menschen frei handeln und Eigentum besitzen können, kann der Markt Wohlstand erzeugen.
Der Staat darf also nicht einfach willkürlich eingreifen.
Er ist legitim, wenn er:
Liberalismus
→ Freiheit → Markt → Eigentum
Demokratie / Wohlfahrtsstaat
→ Staatliches Handeln → Gemeinwohl → soziale Einbettung
-_>Planung muss Eigentum respektieren, kann es aber zugunsten des Gemeinwohls regulieren.
Planung bedeutet grundsätzlich:
Heute systematisch handeln bzw. Entscheidungen vorbereiten, um zukünftige Zustände entsprechend bestimmter Ziele zu beeinflussen.
Definition (L. Calbet):
Planung in liberalen Demokratien ist eine Institution des Wohlfahrtsstaates, welche die
konflikthaften gesellschaftlichen und individuellen Ansprüche an den Raum nach dessen
Prinzipien und Grundsätzen regelt.
John Friedmann
Planung ist eine bewusste Intervention kollektiver Akteure in die Produktion von Stadtraum, sodass Ergebnisse zugunsten der einen oder anderen Seite verändert werden können.
Planung ist politisch.Weil Planung nicht neutral ist.
Wenn eine Entscheidung getroffen wird, profitiert davon möglicherweise:
Person A
und Person B hat einen Nachteil.
Oder:
eine soziale Gruppe profitiert,
eine andere verliert Möglichkeiten.
Nicht nur das Ergebnis ist umkämpft.
Auch:
→ Planungsgegenstand
→ Planungsprozess
→ Planungsziele
Alles drei kann politisch umstritten sein.
Planung ist ein politisches Handlungsfeld, weil durch Planung unterschiedliche Interessen und Machtpositionen räumlich wirksam werden.
stadt und konflikt
Beispiele für ein Konflikt zum Thema Stadtentwicklung?
Wenn unterschiedliche Menschen und Gruppen unterschiedliche Ansprüche an den Raum haben, entstehen Nutzungskonflikte.
> als beispiel stuttgart 21:thematisiert soziale Bewegungen und Proteste im Zusammenhang mit Stuttgart 21.
> oder beipspiel asi berlin Bürger protestieren gegen Wohnungsbau auf einer Friedhofsfläche.
Stadtentwicklung bedeutet häufig:
Eine Fläche kann auf unterschiedliche Arten genutzt werden.
Und verschiedene Gruppen haben unterschiedliche Vorstellungen davon, welche Nutzung richtig ist.
→ zusätzlicher Wohnraum
gegen
→ Erhalt eines bestehenden Ortes und seiner Funktionen.
Beide Seiten können nachvollziehbare Interessen haben.
➡️ Planung muss diesen Konflikt bearbeiten.
Konflikte um Raum-Nutzungen
Interessen widersprechen sich, aber möglicherweise gibt es Kompromissmöglichkeiten.
Mehr Parkplätze vs. mehr Fahrradflächen.
Man könnte versuchen, beides teilweise zu ermöglichen.
Hier ist der Konflikt schwieriger.
Bestimmte Ziele lassen sich möglicherweise nicht gleichzeitig vollständig erreichen.
Eine Fläche vollständig bebauen
und gleichzeitig
dieselbe Fläche vollständig als Freiraum erhalten.
Das geht räumlich nicht gleichzeitig.
—> Wie diese Konflikte ausgehen, hängt oft von gesellschaftlichen Machtverhältnissen ab.
—>Es entscheidet also nicht ausschließlich die Frage:
„Welche Lösung wäre objektiv am besten?“
Sondern auch:
Wer hat die Möglichkeit, seine Interessen durchzusetzen?
Die Bilder zeigen einen Berliner Stadtteil und Proteste gegen Veränderungen und steigende Verdrängung bzw. Veränderungsprozesse.
Ein Stadtteil wird attraktiver.
Dadurch können beispielsweise:
Investitionen steigen,
Immobilienwerte steigen,
Mieten steigen,
neue Bewohnergruppen hinzukommen.
Gleichzeitig können Menschen, die bereits dort wohnen oder dort wirtschaften, unter diesem Veränderungsprozess leiden.
Aufwertung / Investition
Verbleib / Bezahlbarkeit / bestehende Nutzungen
—> Raum ist umkämpft.
Wer verfügt eigentlich über die Möglichkeiten, Raum zu nutzen und zu produzieren?
Immobilienvermögen konzentriert sich bei Reichen.
—> Nicht alle Menschen verfügen über die gleichen ökonomischen Möglichkeiten, Raum zu besitzen oder zu nutzen.
Weil Eigentum und finanzielle Ressourcen beeinflussen können,
wer Grundstücke besitzt,
wer investieren kann,
wer Räume verändern kann,
wer von Entwicklungen profitiert.
Damit ist die Nutzung und Produktion von Stadt nicht machtneutral.
—> Wer über mehr Eigentum und Kapital verfügt, hat häufig auch größere Möglichkeiten, auf räumliche Entwicklung einzuwirken.
-> Wie diese Konflikte ausgehen, hängt oft von gesellschaftlichen Machtverhältnissen ab.
—> Teilhabe-Bedingungen
Die Möglichkeiten der Raumnutzung und Raumproduktion beeinflussen die Teilhabe.
Wer Zugang zu Raum hat, hat auch bessere Möglichkeiten, am städtischen Leben teilzunehmen und die Stadt mitzugestalten.
—> (Stadt)Raum ist umkämpft.
Und genau daraus ergibt sich die Forderung:
Die Frage lautet:
Wem gehört bzw. wem dient die Stadt?
Die Abbildung bringt das mit dem Satz:
„Whose city? Our city?“
zum Ausdruck.
—> Damit ist Planung unmittelbar mit Macht und Teilhabe verbunden.
Stadtplanung und Bodennutzung
Warum ist Boden für Planung so besonders wichtig?
Ein Mensch grenzt ein Stück Land ab und sagt:
„Diese ist mein.“
Rousseau kritisiert darin die Entstehung von Eigentum am Boden.
—> damit wird ein grundlegenees problem eingeführt
—> Boden ist nicht einfach irgendeine Ware.
Menschen können Land besitzen, obwohl niemand den Boden selbst hergestellt hat.
Daraus entstehen gesellschaftliche Fragen:
Wer darf Boden besitzen?
Wer darf ihn nutzen?
Wer entscheidet darüber, was darauf passiert?
Wie weit darf die Gesellschaft die Nutzung privaten Bodens regulieren?
1. Boden ist eines der UmweltmedienLuft
Wasser
Boden
Boden ist also Bestandteil der natürlichen Umwelt.
2. Grundlage für alle Funktionen des Lebens
Boden ist Bestandteil von Ökosystemen und damit eine Grundlage für viele Lebensprozesse.
Boden hat einen ökologischen Wert.
Stattdessen:
Boden wird als Ware gehandelt.
ökologische / soziale Bedeutung
ökonomische Verwertung
Das ist eine sehr wichtige Unterscheidung.
= use value
Der Wert, den etwas durch seine tatsächliche Nutzung hat.
Beim Boden können das beispielsweise sein:
ökologische Funktionen
soziale Mehrwerte
Lebensraum
Erholungsfunktion
= exchange value
Der ökonomische Wert, der sich aus dem Handel ergibt.
Beim Boden beispielsweise:
Was ist ein Grundstück auf dem Markt wert?
—>Ein Grundstück kann einen hohen Gebrauchswert für die Gesellschaft haben, aber gleichzeitig einen hohen Tauschwert für den Eigentümer.
—> beispiel:
Ein Grundstück könnte als Grünfläche ökologisch und sozial sehr wertvoll sein.
Der Eigentümer könnte es aber lieber verkaufen oder bebauen wollen.
—> PLanunge msus genau mot solchen spannungen umgehen
Hier wird erklärt, warum Boden nicht einfach wie ein normales Produkt behandelt werden kann.
Boden ist begrenzt.
Es gibt nicht unbegrenzt Fläche.
Man kann einen bestimmten Ort nicht einfach vollständig durch einen anderen ersetzen.
Ein Grundstück an einer bestimmten Stelle ist nicht identisch mit einem Grundstück irgendwo anders.
Man kann nicht einfach neuen Boden herstellen, um die vorhandene Fläche zu verdoppeln.
Anders als beispielsweise ein Auto verliert Boden nicht allein dadurch seinen Gebrauchswert, dass Zeit vergeht.
Das ist besonders wichtig:
Boden kann nicht transportiert werden.
Ein Grundstück bleibt an seinem Ort.
Der Eigentümer kann andere von der Nutzung ausschließen.
Und daraus kann ein:
entstehen.
—>Nutzungskonkurrenz und Nutzungskonflikte
Weil Boden knapp und ortsgebunden ist, konkurrieren unterschiedliche Nutzungen um dieselben Flächen.
—> Merksatz:
Boden ist knapp, nicht vermehrbar, nicht beweglich und aufgrund von Eigentum ausschließbar. Deshalb entsteht Nutzungskonkurrenz.
1.➡️ Hier steht die natürliche / ökologische Bedeutung im Vordergrund.
2. Boden als Lebensraum des Menschen
Boden ist die Basis für viele menschliche Lebensgrundlagen:
Wohnen
Bewegung
Ernährung usw.
Außerdem ist Boden eine:
Ressource als Produktionsgrundlage
zum Beispiel für:
Nahrungsmittel
Rohstoffe.
3. Boden in rechtlicher Hinsicht
Hier wird Boden als Bezugspunkt staatlicher bzw. territorialer Ordnung betrachtet.
Wichtig:
Eigentum wird als Recht verstanden, mit einem Grundstück grundsätzlich entsprechend den rechtlichen Möglichkeiten umzugehen.
4. Boden als Bestandteil des Wirtschaftssystems
Boden wird als Ware behandelt.
Er ist:
knapp,
nicht gut substituierbar,
Eigentum bzw. Sachwertanlage,
Marktgut.
Außerdem kann Grundstückseigentum als dingliche Sicherheit für Kredite dienen.
(Gebrauchswert)
daraus entstehen
↑
gleichzeitig ist Boden
(Tauschwert)
Boden hat mehrere gleichzeitig wirksame Dimensionen:
ökologisch → Boden als Umweltmedium
sozial → Boden als Lebensraum
rechtlich → Boden als Eigentum
ökonomisch → Boden als Ware
Diese Dimensionen können miteinander kollidieren.
—-> Boden ist endlich, nicht vermehrbar und nicht produzierbar! Boden ist nicht beweglich!
→ Gebrauchswert → gesellschaftliche Ansprüche → Nutzungs-/Interessenkonflikte → Tauschwert
führen schließlich zu:
Das ist der Kern:
Planung steuert Bodennutzung, indem sie in die Möglichkeiten der Nutzung eingreift.
Weil der Markt allein nicht zwangsläufig dafür sorgt, dass unterschiedliche gesellschaftliche, soziale und ökologische Interessen miteinander vereinbar sind.
Deshalb kann Planung beispielsweise festlegen:
wo gebaut werden darf,
was gebaut werden darf,
wo Freiräume erhalten werden,
welche Nutzungen nebeneinander zulässig sind.
Damit wird die Verfügung über Boden reguliert.
Zusammenhang jetzt rechtlich und politisch konkretisiert.
unterscheidet mehrere Perspektiven auf Boden:
Boden als Materie und Ökosystem
Boden als Lebensraum
Boden in rechtlicher Hinsicht
Boden als Bestandteil des Wirtschaftssystems
Dazu werden Leitvorstellungen und Grundsätze genannt.
Nach ROG § 1 Abs. 2:
Die Aufgabe der Raumordnung ist eine
nachhaltige Raumentwicklung, bei der soziale und wirtschaftliche Ansprüche an den Raum mit seinen ökologischen Funktionen in Einklang gebracht werden sollen.
Das ist genau der Konflikt aus den vorherigen Folien!
Nach BauGB § 1 Abs. 5:
Bauleitpläne sollen eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung ermöglichen.
Dabei sollen insbesondere
soziale,
wirtschaftliche,
umweltschützende
Anforderungen miteinander in Einklang gebracht werden.
Außerdem geht es um:
Verantwortung gegenüber künftigen Generationen
sozialgerechte Bodennutzung
unter Berücksichtigung der Wohnbedürfnisse der Bevölkerung.
VERBINDUNG:
Die rechtlichen Regelungen übersetzen das grundsätzliche Problem der Vorlesung in konkrete Planungsgrundsätze:
Boden hat unterschiedliche Interessen und Funktionen
diese können kollidieren
Planung muss abwägen und steuern
Recht legt dafür Leitvorstellungen und Grundsätze fest.
Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
Das ist für die Planung zentral.
—> Eigentum wird geschützt.
Aber der Eigentümer hat nicht grenzenlose Freiheit.
Der Gesetzgeber darf festlegen:
Wie weit reichen die Rechte des Eigentümers?
Und genau hier kommt Planung ins Spiel.
Die vier Verfügungsrechte
Die Tabelle unterscheidet zwischen:
sowie:
Dadurch entstehen vier Rechte.
Usus / ius utendi
= Recht, ein Gut zu benutzen.
Beispiel auf der Folie:
Grundstück zum Wohnen benutzen.
Usus fructus / ius fruendi
= Recht, die Erträge aus der Nutzung zu erhalten.
Mieteinnahmen aus einer Wohnung erzielen.
Abusus
= Recht, das Gut zu verändern, zu vernichten oder zu entfernen.
Ein Grundstück bebauen oder eine bestehende Nutzung verändern.
ius abutendi
= Recht, das Gut bzw. Teile davon zu veräußern und den erzielten Gewinn zu behalten.
Grundstück verkaufen und Verkaufswert erzielen.
Weil Planung diese verschiedenen Verfügungsrechte einschränken kann.
Das wird auf der nächsten Folie gezeigt.
->eigentum und erbrecht werden gewährleistet
—>Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
—>Wenn Pläne verbindliche Kraft für Grundstückseigentümer haben, bestimmen sie beispielsweise:
ob ein Grundstück genutzt werden darf,
ob überhaupt gebaut werden darf,
wie gebaut werden darf.
gewerblicher Bau
Wohnhaus
Landhausbauweise
Baublock usw.
„Die städtebauliche Planung bestimmt also insoweit die rechtliche Qualität des Bodens.“
Ein Grundstück hat also nicht einfach nur einen „natürlichen“ Wert.
Seine Nutzungsmöglichkeiten werden auch durch Planungsrecht bestimmt.
-_> Vor der Planung:
Grundstück → grundsätzlich verschiedene Nutzungsmöglichkeiten
Nach einem verbindlichen Plan:
Grundstück → bestimmte Nutzung zulässig / bestimmte Nutzung nicht zulässig.
Dadurch verändert Planung die Verfügungs- bzw. Nutzungsmöglichkeiten des Eigentümers.
-_>Planung ist eine Institution des Wohlfahrtsstaats, die legitimiert ist, Eigentumsrechte auf dem Boden zu regulieren.
Die Folie markiert dabei insbesondere die Verwendungsrechte:
„Hier darf nicht gebaut werden.“ / „Hier darf nur eine bestimmte Nutzung entstehen.“ das beschränkt das Nutzungsrecht
Veränderungsrecht
als Bereiche, in denen Planung Grenzen setzen kann.Planung bedeutet also nicht automatisch:
„Der Staat nimmt dir dein Grundstück weg.“
Viel häufiger geht es um:
„Du besitzt das Grundstück weiterhin, aber die zulässige Nutzung wird rechtlich begrenzt.“
Das ist ein ganz zentraler Unterschied.
Was ist eigentlich das Objekt der Planung?
und allgemein der Lebensraum von Lebewesen.
Siedlungsräume
nicht bebaute Räume / Naturräume
räumliche Disparitäten
Damit sind räumliche Unterschiede gemeint.
Also beispielsweise Unterschiede zwischen verschiedenen Räumen hinsichtlich ihrer:
Entwicklung,
Ausstattung,
Möglichkeiten.
was macht planung mit diesem Raum? —> Sie:
ordnet und steuert zukünftige Entwicklung
und zwar insbesondere:
durch die Bodennutzung.
Raum
unterschiedliche Interessen
Konflikte
Planung
Steuerung der Bodennutzung
—> Planung ist die Institution des Wohlfahrtsstaats, die legitimiert ist, Eigentumsrechte am Boden zu regulieren – auszuweiten und/oder einzuschränken.
Wie steuert Planung die Bodennutzung?
links: Bebauungsplan
Rechts: konkrete städtische Maßnahme bzw. Gestaltung eines Raumes.
Wir hatten:
→ Gemeinwohl → soziale Einbettung → staatliches Handeln
→ knapp → nicht vermehrbar → unbeweglich → Eigentum → Ware
→ unterschiedliche Ansprüche an denselben Raum → Nutzungskonkurrenz → Interessenkonflikte
→ vermittelt zwischen Interessen → greift steuernd ein → reguliert Bodennutzung → kann dadurch Eigentumsrechte beschränken
→ Pläne → Maßnahmen → konkrete Steuerung der Bodennutzung
argumentationskette
Liberale Demokratie schützt Freiheit und Eigentum.
⬇️
Gleichzeitig verfolgt der Wohlfahrtsstaat gesellschaftliche Ziele und das Gemeinwohl.
Dadurch ist staatliches Handeln legitimiert, wenn es entsprechend diesen Prinzipien erfolgt.
Planung ist eine Institution dieses Wohlfahrtsstaates.
Planung muss unterschiedliche gesellschaftliche und individuelle Ansprüche an den Raum regeln.
Diese Ansprüche sind häufig konfliktbehaftet.
Besonders problematisch ist das bei Boden, weil Boden knapp, nicht vermehrbar und unbeweglich ist.
Gleichzeitig ist Boden Privateigentum und wird als Ware gehandelt.
Dadurch treffen Gebrauchswert und Tauschwert sowie unterschiedliche Interessen aufeinander.
Deshalb entsteht Nutzungskonkurrenz und Planung wird notwendig.
Planung steuert die Bodennutzung durch Pläne und Maßnahmen.
Dadurch kann sie die Verfügungsrechte von Eigentümern beschränken.
Das ist in einer liberalen Demokratie legitim, weil Eigentum zwar geschützt, sein Inhalt und seine Schranken aber gesetzlich bestimmt werden.
1.Eigentum
→ grundsätzlich geschütztes Recht
2. Boden
→ besondere, knappe und unbewegliche Ressource + Ware + Lebensraum + Umweltmedium
3. Nutzungskonflikt
→ verschiedene Akteure wollen denselben Raum unterschiedlich nutzen
4. Planung
→ öffentliche Institution zur Regelung konflikthafter gesellschaftlicher und individueller Ansprüche an den Raum
5. Steuerung
→ konkrete planerische Eingriffe, durch die zulässige Bodennutzungen festgelegt oder begrenzt werden
Hier geht es um die Erträge bzw. Früchte, die aus einem Gut entstehen.
Ein Grundstück ermöglicht durch seine Lage und Nutzung einen hohen wirtschaftlichen Ertrag.
Dann geht es nicht nur darum:
„Darf ich das Grundstück benutzen?“
sondern auch:
„Darf ich die wirtschaftlichen Erträge daraus behalten?“
Die Folie bezeichnet das als Recht am Ertrag.
—> Planung kann Eigentumsrechte am Boden einschränken und dadurch beeinflussen, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten mit einem Grundstück verbunden sind.
Grundstück A: → Landwirtschaft → keine Bebauung
Grundstück B: → Wohnbebauung zulässig → mehrere Geschosse möglich
Obwohl beide Grundstücke physisch existieren, können sie einen völlig unterschiedlichen wirtschaftlichen Wert haben
Merken:
Nutzungsrecht = Was darf ich mit dem Grundstück machen?
Recht am Ertrag = Was darf ich aus der Nutzung wirtschaftlich erhalten?
Veränderungsrecht = Darf ich das Grundstück bzw. das darauf befindliche Gut verändern?
Veräußerungsrecht = Darf ich es verkaufen und den Gewinn behalten?
Wie entstehen unterschiedliche Nutzungen und Bodenwerte innerhalb einer Stadt?
Warum ist das für Bodenrente wichtig?
von der individuellen Ebene des Grundstückseigentums zur Stadtstruktur.Modell des städtischen Wachstums nach Ernest Burgess (1926)
Das Modell zeigt die Stadt als konzentrische Ringe.
Von innen nach außen:
Geschäftszentrum
Transport und Industrie
Preiswerte Wohnquartiere
Quartiere der Mittelschichten
Teure Wohnvororte
Die Stadt wird nicht überall gleich genutzt.
Im Zentrum befinden sich besonders zentrale und wirtschaftlich attraktive Nutzungen.
Weiter außen verändern sich:
Nutzung,
Wohnqualität,
Dichte,
Grundstückspreise bzw. wirtschaftliche Attraktivität.
Das Modell stellt Stadtentwicklung also als eine räumliche Staffelung dar.
Hier ist die Stadt nicht mehr einfach in konzentrische Kreise aufgeteilt.
Stattdessen entstehen Sektoren bzw. keilförmige Bereiche.
Die Nutzungen ziehen sich vom Zentrum nach außen.
Burgess:
konzentrische Ringe
Hoyt:
sektorartige/keilförmige Entwicklung
Das ist für eine Prüfung eine typische Vergleichsfrage.
Weil die Lage innerhalb der Stadt beeinflusst, welche Nutzung dort besonders attraktiv ist.
Damit kommen wir direkt zur nächsten Folie:
Unterschiedliche Standorte erzeugen unterschiedliche wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten → unterschiedliche Bodenwerte.
Die Bodenrente beschreibt den wirtschaftlichen Vorteil bzw. Ertrag, der sich aus der Nutzung eines Grundstücks aufgrund seiner Lage und Eigenschaften ergibt.
Dabei spielt insbesondere die Lage eine Rolle.
Ein Grundstück mitten in einer Stadt kann attraktiver sein als ein gleich großes Grundstück weit außerhalb.
Warum?
Weil es beispielsweise:
zentraler liegt,
besser erreichbar ist,
mehr Menschen erreicht,
näher an Arbeitsplätzen liegt,
besser an Verkehrsmittel angebunden ist,
mehr Nutzungen ermöglicht.
Dadurch kann dort möglicherweise ein höherer Gewinn erzielt werden.
Die verschiedenen Linien zeigen unterschiedliche Nutzungen, Weil unterschiedliche Nutzungen unterschiedliche Anforderungen an den Standort haben.:
Retailer
Manufacturing
Housing
Die Linien fallen mit zunehmender Entfernung ab.
Je weiter man sich vom besonders attraktiven Zentrum entfernt, desto geringer kann grundsätzlich die Bodenrente für eine bestimmte Nutzung werden.
Es entsteht ein Wettbewerb um besonders attraktive Grundstücke.—> Je besser die Lagebedingungen → desto stärker der Nutzungskonflikt um den Boden.
—> Die Bodenrente steigt mit der wirtschaftlichen Attraktivität eines Standorts, weil bessere Lagebedingungen höhere erzielbare Gewinne ermöglichen und dadurch die Zahlungsbereitschaft für den Boden steigt.
erklärt zunächst, warum Bodenpreise bzw. Bodenrenten steigen.
Bei einem Grundstück ist der Preis also nicht einfach deshalb hoch, weil es teuer war, dieses Grundstück „herzustellen“. Boden ist keine normale Ware, bei der man beispielsweise Materialkosten + Herstellungskosten betrachtet.
Entscheidend ist vielmehr:
Was kann ich mit diesem Grundstück in Zukunft verdienen?
—> 2. Gewinnerwartungen → höherer Bodenpreis
Stell dir zwei Grundstücke vor:
liegt außerhalb der Stadt
landwirtschaftliche Nutzung
keine Aussicht auf Bebauung
→ geringe Gewinnerwartung → niedriger Bodenwert
liegt zentral
Baurecht wird geschaffen
dort können Wohnungen oder Büros gebaut werden
gute Infrastruktur
hohe Nachfrage
→ hohe Gewinnerwartung → hoher Bodenpreis
Merksatz:
Je höher die erwarteten zukünftigen Gewinne aus einem Grundstück, desto höher kann der Bodenpreis steigen.
Zusammenhang mit planung:
Planung verändert die Gewinnerwartungen – und damit die Bodenrente bzw. den Bodenpreis.
—> In der Planung: Entwicklung abhängig vom Zeitlauf und Planungsvorgang
Das bedeutet: Der Boden durchläuft im Zuge des Planungsprozesses verschiedene Entwicklungsstufen.
In der Grafik wird dieser Prozess ungefähr so dargestellt:
Land-/forstwirtschaftliche Fläche ↓ Änderung im Flächennutzungsplan ↓ Bauerwartungsland ↓ Beschluss eines Bebauungsplans ↓ Rohbauland ↓ Erschließung und Parzellierung ↓ Baureifes Land ↓ Bebauung ↓ bebauter Boden
Weil mit jedem Planungsschritt die Möglichkeit einer profitablen Nutzung konkreter und sicherer wird.
Ein Stück Ackerland ist zunächst vielleicht nur für Landwirtschaft nutzbar.
Dann wird planerisch eine andere Entwicklung möglich.
➡️ Jetzt besteht die Erwartung, dass das Grundstück irgendwann Bauland werden könnte.
Das Grundstück wird dadurch wertvoller.
Später gibt es einen Bebauungsplan.
➡️ Die bauliche Nutzung ist jetzt wesentlich konkreter.
Der Wert steigt weiter.
Dann wird das Grundstück erschlossen.
➡️ Straße, Leitungen usw. sind vorhanden.
Jetzt ist es baureifes Land.
➡️ Der Wert steigt nochmals.
Schließlich wird gebaut.
➡️ Das Grundstück kann tatsächlich entsprechend der vorgesehenen Nutzung wirtschaftlich genutzt werden.
Planung erzeugt Wert
Die Wertsteigerung des Bodens entsteht teilweise durch Entscheidungen und Maßnahmen der öffentlichen Hand.
Also beispielsweise durch:
Änderung der Planung
Schaffung von Baurecht
Festlegung einer bestimmten Nutzung
Festlegung einer bestimmten Dichte
Erschließung
Infrastrukturmaßnahmen
Dadurch wird aus einem Grundstück mit einer bestimmten Ausgangsnutzung ein Grundstück mit wesentlich höheren Nutzungs- und Gewinnerwartungen.
Stadt- und Raumplanung kann Bodenwertsteigerungen auslösen, indem sie die zulässige bzw. erwartete Nutzung eines Grundstücks verändert und dadurch dessen Gewinnerwartungen erhöht.
„Mit neuem Bauland entstehen Gewinne – ohne Risiko und Gegenleistung“
kritische Aussage der Folie.
Wenn die öffentliche Planung beispielsweise neues Bauland schafft, kann ein Grundstückseigentümer davon profitieren.
Ein Grundstück hat vorher einen relativ geringen Wert, weil es landwirtschaftlich genutzt wird.
Durch eine planerische Entscheidung wird dort Wohnbebauung möglich.
➡️ Das Grundstück kann plötzlich erheblich mehr wert sein.
Der Eigentümer hat diese Wertsteigerung aber nicht unbedingt selbst verursacht.
Die Planung bzw. öffentliche Maßnahmen haben einen erheblichen Teil dazu beigetragen.
Genau daraus entsteht die Frage nach der Bodenrente und der Verteilung des Planungsgewinns.
3. Drei verschiedene Ursachen für die Wertsteigerung
Was ist daran politisch relevant?—> Wem gehört eigentlich der Wertzuwachs, der durch Planung entsteht?
Bodenpreissteigerungen: Entwicklung abhängig vom Zeitlauf und Planungsvorgang
Die blaue Fläche zeigt dabei die Entwicklung des Bodenwerts über die Zeit.
Oben siehst du:
Entwicklungsstufe
Bedeutung
Landwirtschaftlich genutzter Boden
zunächst keine bauliche Nutzung
Bauerwartungsland
zukünftige bauliche Nutzung wird erwartet
Rohbauland
grundsätzlich für Bebauung vorgesehen, aber noch nicht vollständig baureif
Pflichtiges Bauland
planerisch/baurechtlich festgelegt
Fertiges Bauland
erschlossen und baureif
Bebauter Boden
tatsächlich bebaut
Wichtig ist dabei nicht nur die Reihenfolge.
Du solltest verstehen:
Mit zunehmender Planungssicherheit und Nutzbarkeit steigt der Bodenwert.
Wertsteigerung durch allgemeines Steigen der Bodenpreise, u.a. spekulativ beeinflussbar
Der Boden kann auch ohne konkrete Planung wertvoller werden.
steigende Nachfrage
Bevölkerungswachstum
wirtschaftliche Entwicklung
allgemein steigende Immobilienpreise
Spekulation
Das ist also nicht automatisch ein Verdienst der konkreten Planung.
Das ist der für die Vorlesung besonders interessante Teil.
Änderung der zulässigen Nutzung
Bebauungsplan
Bodenordnung
planerische Entscheidungen
➡️ Dadurch wird der Boden wertvoller.
Wenn beispielsweise Straßen und technische Infrastruktur hergestellt werden:
➡️ Das Grundstück wird besser nutzbar.
➡️ Der Bodenwert steigt.
Wem gehört eigentlich der Wertzuwachs, der durch Planung entsteht?
Öffentliche Planung → höherer Bodenwert → privater Eigentümer kann profitieren.
Damit entsteht ein Konflikt zwischen:
Der Eigentümer besitzt das Grundstück und kann grundsätzlich von dessen Wert profitieren.
Die Wertsteigerung kann durch eine öffentliche planerische Entscheidung ermöglicht worden sein.
Bei der Nutzung für die Energieversorgung hatte das EnBW-Areal einen niedrigen Bodenrichtwert. Durch eine mögliche planerische Nutzungsänderung kann sich die wirtschaftlich mögliche Nutzung verändern und damit der Bodenwert steigen#
Die Folie weist außerdem darauf hin, dass es Flächen gibt, die nicht einfach einer klassischen Kategorie entsprechen und trotzdem einen Bodenrichtwert haben können.
Beispielsweise aufgrund vorhandener:
technischer Infrastruktur,
sozialer Infrastruktur,
Parks usw.
Nicht nur die konkrete Gebäudenutzung beeinflusst den Wert.
Auch Infrastruktur und Standortbedingungen können die Attraktivität eines Grundstücks beeinflussen.
entwicklung weitergeführt:
—>Durch die Bebauung steigt der Bodenrichtwert auf das Niveau von neugebauten, innerstädtischen Grundstücken.
Als Beispiel wird genannt:
2022: 2.400 €/m²
Hier sieht man praktisch, was die vorherigen Folien theoretisch erklärt haben.
Vorher:
andere / weniger intensive Nutzung
Planung und Entwicklung
neue bauliche Nutzung
höhere wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten
höherer Bodenwert
Der entscheidende Punkt ist:
Die möglichen bzw. erwarteten Nutzungen haben sich verändert.
Das Grundstück kann nach der planerischen Entwicklung wesentlich höhere Gewinne ermöglichen.
Warum „Motor der Planungsumsetzung“?
Auf der anderen Seite sind Eigentums- und Verfügungsrechte auch entscheidend dafür, ob Planung überhaupt umgesetzt werden kann.
Planung muss also mit den bestehenden Eigentumsverhältnissen umgehen.
Planung muss Gemeinwohlinteressen verfolgen, kann dabei aber in private Eigentumsrechte eingreifen.
Gleichzeitig braucht die Umsetzung von Planung die tatsächlichen Verfügungsrechte über Grundstücke.
Diese Folie zeigt ein historisches Beispiel.
Auf dem Schild steht sinngemäß:
Ein Grundstück wurde für 3.600 $ gekauft und später für 6.000 $ gehalten/verkauft. Der Eigentümer begründet den Gewinn damit, dass dieser durch die Gemeinschaft und die wirtschaftliche Aktivität der Menschen ermöglicht wurde.
Ein Teil der Wertsteigerung eines Grundstücks kann durch Entwicklungen entstehen, die der Eigentümer selbst nicht geschaffen hat.
Beispielsweise durch:
Bevölkerungsentwicklung,
wirtschaftliche Entwicklung,
Infrastruktur,
öffentliche Planung,
bessere Lagebedingungen.
Der Eigentümer kann trotzdem von dieser Wertsteigerung profitieren.
Das führt zur Frage:
Wer soll von durch gesellschaftliche bzw. öffentliche Entwicklung entstandenen Bodenwertsteigerungen profitieren?
Und damit sind wir bei der politischen Dimension der Planung.
Planung ist eine öffentliche Aufgabe.
Der Staat bzw. die öffentliche Hand übernimmt Verantwortung dafür, wie sich der Raum entwickelt.
Hier steckt ein sehr wichtiger Gedanke drin:
Es gibt nicht nur einen Wunsch an den Raum.
Verschiedene Akteure wollen unterschiedliche Dinge.
Eigentümer:
Ich möchte hier ein Hochhaus bauen.
Anwohner:
Ich möchte weniger Verkehr und Verschattung.
Stadtgesellschaft:
Wir möchten einen öffentlichen Park.
Stadt:
Wir brauchen Wohnraum und Arbeitsplätze.
Diese Interessen können sich widersprechen.
Planung soll diese unterschiedlichen Ansprüche ordnen und miteinander in Beziehung setzen.
Deshalb ist Planung niemals nur:
„Wir zeichnen einen schönen Stadtplan.“
Planung entscheidet darüber, welche Interessen räumlich verwirklicht werden können.
Das ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Aussagen dieser Folie.
Weil Planung festlegt:
was möglich ist,
was nicht möglich ist,
wer etwas nutzen darf,
welche Nutzungen Vorrang haben,
welche Interessen geschützt werden.
Damit verteilt Planung Möglichkeiten und Nachteile im Raum.
Planung ist Macht, weil sie räumliche Entwicklung steuert und dadurch bestimmt, welche Nutzungen und Interessen im Raum verwirklicht werden können.
Grundlagen demokratischer Planung
Die Folie zitiert:
„Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet.“
„Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.“
Und Absatz 2:
„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“
Auf der einen Seite:
Privateigentum wird geschützt.
Das Eigentum ist Ausdruck individueller Freiheit.
Auf der anderen Seite:
Der Raum ist nicht nur für einzelne Eigentümer da.
Lebensraum,
Umweltmedium,
Grundlage für gesellschaftliche Funktionen.
Daher darf bzw. muss der Staat den Raum teilweise steuern.
Sehr vereinfacht:
Der Staat sagt nicht:
„Privateigentum existiert nicht.“
„Privateigentum wird geschützt, aber seine Nutzung ist nicht völlig grenzenlos.“
Planung kann daher Eigentumsrechte regulieren.
Das ist die Grundlage für die Aussage von Calbet:
Planung ist eine Institution des Wohlfahrtsstaates, die legitimiert ist, Eigentumsrechte am Boden zu regulieren.
—> Eigentum ist grundrechtlich geschützt, aber seine Nutzung unterliegt gesetzlichen Inhalts- und Schrankenbestimmungen und muss mit dem Gemeinwohl in Einklang gebracht werden.
gesellschaftliche Dimension deutlich.
Wem gehört die Stadt?—> Es geht um:
Zugang zum Raum,
Mitbestimmung,
Verteilung,
Eigentum,
Interessen.
die garfik: Immobilienvermögen konzentriert sich bei Reichen
Die dargestellte Verteilung des Immobilienvermögens macht deutlich, dass Immobilienbesitz gesellschaftlich ungleich verteilt ist.
—> Warum ist das für Planung relevant?
Wenn Boden und Immobilien ungleich verteilt sind, dann haben Menschen auch unterschiedliche Möglichkeiten, auf räumliche Entwicklung einzuwirken.
—>Wer viel Immobilienvermögen besitzt, kann beispielsweise:
mehr Eigentum kontrollieren,
stärker von Wertsteigerungen profitieren,
wirtschaftlich stärker von planerischen Entscheidungen betroffen oder begünstigt sein.
Damit wird die Frage nach Machtverhältnissen wichtig.
—> Räumliche Planung findet nicht in einem machtfreien Raum statt.
Unterschiedliche Gruppen verfügen über unterschiedliche Ressourcen und Interessen.
Deshalb ist Planung auch eine Frage von:
Macht + Teilhabe + Verteilung
Was bedeutet „Umverteilung von Raum“?
Was bedeutet „Umverteilung von Raum“?—> Eine planerische Entscheidung verändert,
wer welche räumlichen Möglichkeiten erhält und wer welche Nachteile tragen muss.
Eine Fläche wird als:
Park
ausgewiesen.
Davon profitieren:
Anwohner,
Öffentlichkeit,
Freizeitnutzung,
Umwelt.
Der Eigentümer kann möglicherweise nicht mehr so bauen, wie er ursprünglich wollte.
vs.
Eigeninteresse
muss abgewogen werden.
1.SCHUTZ DES PARKS
Steuerung des Raumes für alle
→ Schutz des Parks
Privateigentum als „Inbegriff des subjektiven Individualrechts“
—> Was passiert?
Stell dir vor:
Ein Eigentümer besitzt ein Grundstück.
Er möchte darauf bauen.
Die Gesellschaft bzw. öffentliche Planung sagt:
Diese Fläche soll als Park erhalten bleiben.
Dann wird das Grundstück nicht einfach wertlos und das Eigentum verschwindet auch nicht.
Die zulässige Verwendung wird eingeschränkt.
2.gleiche Spannungsverhältnis in die andere Richtung dargestellt.
—> Gemeinwohl
Privates Eigentum / Investition
Aber diesmal steht auf der Seite der Eigentumsfreiheit:
Genehmigung der Bürotürme (Investition)
—> Hier unterstützt die Planung bzw. öffentliche Entscheidung eine private Investition.
Planung muss nicht immer bedeuten:
„Wir schränken Eigentümer ein.“
Planung kann auch bedeuten:
Eine bestimmte private Nutzung wird ermöglicht oder gefördert.
-> Das Entscheidende:
Die öffentliche Planung muss zwischen verschiedenen Interessen vermitteln.
Sie kann beispielsweise gleichzeitig berücksichtigen:
Arbeitsplätze,
Investitionen,
öffentliche Räume,
Verkehr,
Umwelt,
Interessen der Bewohner.#
—> Waage
Die Waage steht für das Abwägen unterschiedlicher Interessen.
Es gibt nicht automatisch eine Lösung, bei der alle gewinnen.
Planung muss entscheiden:
Welche Interessen sollen wie stark berücksichtigt werden?
Planung ist Handeln im Konflikt.
Planung bedeutet Umverteilung von Raum, wodurch manche profitieren und andere im Nachteil sind.
Hier treffen zwei Interessen aufeinander.
möchte Bürotürme bauen.
Argument:
Das bestehende Baurecht ermöglicht die Bebauung.
→ wirtschaftliches Interesse / Investition.
möchte die Auswirkungen auf den öffentlichen Park verhindern.
→ Gemeinwohl-/Freirauminteresse.
Sie fordert deshalb einen neuen Plan.
#
Weil beide Seiten nachvollziehbare Interessen haben.
Es gibt nicht einfach:
„eine richtige Lösung“.
Die öffentliche Planung muss einen Prozess schaffen, in dem entschieden wird:
Welche Nutzung?
Wie viel Bebauung?
Wie viel Freiraum?
Wer trägt die Folgen?
Wer profitiert?
Wer wird belastet?
—> Planung ist Umverteilung, weil planerische Entscheidungen räumliche Chancen, Nutzungsrechte, Vorteile und Nachteile zwischen verschiedenen Akteuren und gesellschaftlichen Gruppen verteilen.
Die Entscheidung kommt von oben.
Die Stadt von Morgen (1930)
Das steht für eine stark geplante, von oben entwickelte Vorstellung davon, wie die Stadt aussehen soll.
Typisch:
öffentliche Planung / Verwaltung / politische Entscheidung
legt räumliche Entwicklung fest
Gesellschaft setzt sie um bzw. ist davon betroffen.
Hier kommt der Impuls von unten.
Platzbesetzung durch Bewegung 15-M
Also Menschen bzw. gesellschaftliche Gruppen eignen sich Raum an oder bringen ihre Forderungen in den öffentlichen Raum ein.
Bürger / Initiativen / soziale Bewegungen
formulieren Bedürfnisse/Forderungen
bringen diese in den politischen Planungsprozess ein.
==> Wichtig in beiden Fällen ist die Legitimation durch gesellschaftlich geteilte Ansprüche.
Es reicht nicht einfach zu sagen:
„Wir sind die Stadtverwaltung, deshalb dürfen wir das.“
Aber genauso wenig reicht:
„Wir sind viele Bürger, deshalb ist unsere Forderung automatisch richtig.“
Beide Formen müssen gesellschaftlich legitimiert sein.
Hier wird erklärt, wie Planung in einer Demokratie legitimiert werden kann.
Ein gutes Ergebnis bzw. ein „Wohlstandsversprechen“ reicht nicht.
Ein guter Entwurf allein macht Planung noch nicht legitim.
Es kommt auch darauf an:
Wie wurde die Entscheidung getroffen?
Die drei Ebenen der Legitimation
Planungsentscheidungen im gewählten Gemeinderat
Die Bürger wählen Vertreter.
Diese Vertreter treffen politische Entscheidungen.
Bürger
wählen
Gemeinderat
trifft Planungsentscheidung
Das ist repräsentative Demokratie.
Die Planung muss rechtsstaatlichen Anforderungen entsprechen.
Gleichbehandlung
Erforderlichkeit
Verhältnismäßigkeit
Transparenz
Eine planerische Entscheidung darf nicht einfach willkürlich getroffen werden.
Die Planung soll offen sein für:
Partizipation
Kommunikation
Die betroffene Gesellschaft soll nicht völlig aus dem Prozess ausgeschlossen werden.
ine demokratisch legitime Planung braucht unterschiedliche Formen der Legitimation:
demokratische Entscheidung
Rechtsstaatlichkeit
gesellschaftliche Beteiligung/Kommunikation
Die Legitimation öffentlicher Planung entsteht nicht allein durch ein gutes Planungsergebnis, sondern auch durch die demokratische Entscheidung, die rechtsstaatliche Bindung und die gesellschaftliche Öffnung des Planungsprozesses.
Was bedeutet das?
Ist die Planung erforderlich?
Ist sie geeignet?
Ist sie verhältnismäßig?
Greift sie nicht unnötig stark in Rechte Dritter ein?
-In einer Gesellschaft sind sich nicht automatisch alle über ein Ziel einig
Eine Fläche soll entwickelt werden.
Person A: Wohnraum!
Person B: Park!
Person C: Gewerbe!
Person D: Keine Bebauung!
Es gibt also keinen vorausgesetzten Konsens.
Trotzdem muss die Gesellschaft gemeinsam handeln.
➡️ Genau dafür braucht man politische und planerische Verfahren.
Die öffentliche Planung soll sich an einheitlichen und fairen Maßstäben orientieren.
Die Folie bezieht sich dabei auf:
Art. 3 Abs. 1 GG: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“
—> Planung soll
auf einem politisch legitimierten Zielsystem beruhen,
nach einheitlichen Maßstäben erfolgen,
bei Vergleichbarkeit Gleichbehandlung gewährleisten.
.:> Abweichung im konkreten Einzelfall möglich, ABER: Willkürverbot!
—> Vergleichbare Sachverhalte müssen grundsätzlich gleich behandelt werden; Unterschiede müssen sachlich gerechtfertigt sein.
Die Planung soll insgesamt erforderlich sein.
Also: Es muss einen nachvollziehbaren Grund geben, warum die planerische Maßnahme notwendig ist.
Die vorgeschlagene Lösung muss geeignet sein, die festgestellten Probleme tatsächlich zu lösen und damit dem
öffentlichen Wohl / Allgemeinwohl zu dienen.
Die Lösung muss verhältnismäßig sein.
Die Folie formuliert: Wenn kein weniger intensiv in die Belange Dritter eingreifendes Mittel ebenso geeignet ist.
Das bedeutet: Wenn zwei Maßnahmen das Problem gleich gut lösen können, sollte nicht diejenige gewählt werden, die stärker in die Rechte anderer eingreift.
Planung soll nicht einfach behaupten:
„Das ist die Lösung.“
Sondern sie muss mit einer Gesellschaft umgehen, in der unterschiedliche Interessen existieren.
Deshalb gehört Konfliktaustragung zur Planung.
Die Folie nennt eine Art Spektrum:
Überreden / Überzeugen
Verhandlungen
Macht / Mehrheitsentscheidung
diktatorischer Zwang
—>Diktatorischer Zwang ist in demokratischen Gesellschaften nicht legitimiert.
-> Das heißt aber nicht, dass demokratische Planung konfliktfrei wäre. Im Gegenteil Konflikt gehört zur Planung dazu.
Demokratie bedeutet nicht, dass alle einer Meinung sind.Demokratische Planung bedeutet vielmehr:Mit unterschiedlichen Interessen und Konflikten wird ein legitimer Entscheidungsprozess organisiert.
praxis—> Raumplanung steuert und verteilt Funktionen und Ansprüche im Raum.
Planung entscheidet beispielsweise:
Wo wird gewohnt?
Wo wird gearbeitet?
Wo gibt es Verkehr?
Wo bleiben Freiräume?
Wo kann gebaut werden?
Damit werden Funktionen und Ansprüche räumlich verteilt.
Das ist wichtig!
Planung ist nicht völlig neutral.
Sie basiert auf Vorstellungen darüber,
wie Gesellschaft funktioniert und was sie benötigt.
politische Theorie,
ökonomische Theorie,
soziologische Theorie.
Wenn eine bestimmte räumliche Verteilung festgelegt wird, profitieren manche und andere möglicherweise nicht.
Verteilung → Interessenkonflikt
Planung ist nicht nur technische Problemlösung.
Es geht auch um:
Wer kann seine Interessen durchsetzen?
Bau- und Planungsrecht,
Verwaltungsaufbau,
sektorales Wissen,
technisches Wissen.
Politische Entscheidungen brauchen fachliche Grundlagen.
Entscheidungen müssen begründet und legitimiert werden.
Die Legitimation kann beispielsweise über
Expertenwissen,
Ausgleich,
politische Entscheidungen
erfolgen.
Das ist ein Kern der Planung:
Planung vermittelt zwischen unterschiedlichen Interessen.
„Eine Seite bekommt alles.“
unterschiedliche Ansprüche werden gegeneinander gestellt und ausgeglichen.
Sehr wichtig!
Eine Planung ist nicht für alle Zeiten unveränderbar.
Gesellschaft verändert sich.
Damit verändern sich:
Bedürfnisse,
Nutzungen,
Konflikte,
politische Ziele.
Deshalb können neue Planungen entstehen.
Das ist die letzte, etwas kompliziertere Aussage:
Die Verteilung ruft Wirkungen auf den Aufbau und die Funktionsweise der Gesellschaft hervor.
→ beeinflusst
→ verändert
→ beeinflusst wiederum
Es gibt also eine Rückkopplung.
Planung ist ein machtbasierter und politischer Verteilungsprozess, der räumliche Funktionen und gesellschaftliche Ansprüche ordnet, zwischen Interessen vermittelt und dabei selbst wiederum gesellschaftliche Entwicklungen beeinflusst.
Was zeigen beide Beispiele?
Planung ist problematisch und entspricht nicht immer gesellschaftlichen Ansprüchen!
Planung ist nicht automatisch gut, nur weil sie öffentlich ist.
Es geht um einen Eingriff über Eigentum, um eine von der Zivilgesellschaft geforderte Nutzung umzusetzen.
Hier wird beispielsweise das Vorkaufsrecht thematisiert.
Die Stadt kann über entsprechende Eigentums-/Verfügungsinstrumente versuchen, eine bestimmte städtebauliche Entwicklung zu ermöglichen.
Hier geht es um einen Eingriff über Eigentum, um eine Schnellstraße zu bauen.
Die Bewohner:innen protestieren dagegen.
Planung kann
unterschiedliche gesellschaftliche Ziele durchsetzen.
Aber dabei entstehen Konflikte.
Eine Planung kann also:
einer Gruppe Vorteile bringen,
einer anderen Gruppe Nachteile bringen,
Eigentumsinteressen beschränken,
bestimmte Nutzungen ermöglichen,
andere verhindern.
Die öffentliche Planung besitzt Macht, weil sie Entwicklungsmöglichkeiten des Raums beeinflussen und verbindliche Entscheidungen treffen kann.
‼️‼️
Planung = Steuerung der räumlichen Entwicklung im Einklang mit gesellschaftlichem (Selbst)Verständnis
Planung soll nicht völlig losgelöst von der Gesellschaft erfolgen.
Sie muss sich daran orientieren, wie eine Gesellschaft ihren Raum gestalten möchte.
Die Folie nennt fünf Punkte:
Planung ist nicht nur Privatangelegenheit.
Die öffentliche Hand übernimmt Verantwortung für die räumliche Entwicklung.
Planung dient dazu, gesellschaftliche Interessen und Ansprüche an den Raum zu ordnen.
Planung braucht demokratische Legitimation.
Das ist einer der wichtigsten Punkte:
Individuelle Freiheit
Planung kann die Nutzungsmöglichkeiten privaten Eigentums regulieren.
Der Boden ist ein zentrales Planungsobjekt, weil er gleichzeitig verschiedene Eigenschaften besitzt.
Die Folie nennt insbesondere:
Boden ist Grundlage für:
Wohnen,
Arbeiten,
Freiraum,
Natur,
Infrastruktur usw.
Boden kann gleichzeitig:
Privateigentum sein,
gehandelt werden,
einen Marktwert besitzen,
wirtschaftliche Erträge ermöglichen.
➡️ Genau diese Doppelrolle macht Boden für Planung so wichtig und konfliktträchtig.
Hier verbindet sich das Thema Boden mit:
Stadtentwicklung,
Bodenrente,
Planung.
Das ist der letzte große Merksatz.
Planung ist nicht nur:
technisches Zeichnen oder räumliches Entwerfen.
Planung verteilt räumliche Chancen und Belastungen und muss deshalb unterschiedliche Interessen politisch und demokratisch vermitteln.
Ausgangspunkt: klassische/moderne Planung
Gesellschaft hat ein Problem → Experten analysieren es → Experten entwickeln die beste Lösung → Politik setzt sie um.
Das passt zu einer rational-technischen Vorstellung von Planung.
„Es gibt Verkehrsprobleme. Wir untersuchen Verkehrsdaten, berechnen Varianten und finden die effizienteste Straße.“
Aber dann entstehen Schwierigkeiten:
Menschen haben unterschiedliche Interessen.
Es gibt unterschiedliche Vorstellungen vom „guten Leben“.
Nicht jeder akzeptiert dieselbe Problembeschreibung.
Die Zukunft ist unsicher.
Planung greift in Eigentumsrechte ein.
Planung verteilt Vorteile und Nachteile.
Manche Akteure haben wesentlich mehr Macht als andere.
Und damit beginnt die Planungstheorie interessant zu werden.
Wer entscheidet, was überhaupt ein Problem ist?
Genau hier beginnt Planungstheorie.
Warum kann man ein Wicked Problem nicht einfach „lösen“?
„Was ist ein wicked problem?“
Was verstehen Rittel & Webber unter einem „bösartigen Problem“?
Rittel und Webber betonen, dass gesellschaftliche Probleme nicht einfach wie naturwissenschaftliche Probleme behandelt werden können.
Warum kann man ein Wicked Problem nicht einfach „lösen“?—>
Weil es keine eindeutig richtige Lösung gibt.
Eine Planung erzeugt neue Situationen, auf die wiederum reagiert werden muss.
Neue Straße
→ besserer Verkehrsfluss → aber mehr Verkehr → Lärm → Anwohner protestieren → Grundstückswerte verändern sich → andere Verkehrsströme entstehen → neues Problem.
Die Lösung eines Problems kann also neue Probleme erzeugen.
Rittel/Webber zeigen außerdem, dass ein Problem häufig selbst nur das Symptom eines anderen Problems ist.
Eine ganz wichtige Aussage des Textes:
Problem → Analyse → Lösung
Problemdefinition und Lösungsentwicklung beeinflussen sich gegenseitig.
Man kann ein Planungsproblem nicht vollständig verstehen, bevor man über mögliche Lösungen nachdenkt.
Die Vorlesung sagt:
Planung ist politisch.
Rittel/Webber erklären warum.
Wenn unterschiedliche Menschen unterschiedliche Vorstellungen davon haben,
was das Problem ist,
was gerecht ist,
was sinnvoll ist,
welches Ziel erreicht werden soll,
dann kann der Planer diese Fragen nicht allein wissenschaftlich entscheiden.
Deshalb sagen Rittel/Webber sinngemäß:
Der Experte ist selbst Teilnehmer eines politischen Spiels.
Planung ist also nicht außerhalb der Politik
Ein wicked problem ist ein gesellschaftliches Planungsproblem, das nicht eindeutig definiert und nicht endgültig gelöst werden kann. Problemdefinition und Problemlösung hängen voneinander ab, unterschiedliche Akteure haben unterschiedliche Werte und Interessen und jede Intervention kann neue Probleme erzeugen. Deshalb kann Planung nicht ausschließlich nach dem Modell einer technisch-rationalen Problemlösung funktionieren.
Ein gesellschaftliches Problem, das nicht eindeutig definiert werden kann und für das es keine objektiv richtige bzw. endgültige Lösung gibt. Planung führt deshalb eher zu vorläufigen Lösungsbeschlüssen.
3. PAUL DAVIDOFF – „Anwaltsplanungsprinzip und Pluralismus in der Planung“
Wenn Rittel/Webber sagen:
Es gibt nicht die eine objektiv richtige Lösung.
stellt Davidoff die Frage:
Was soll der Planer dann tun?
→ Anwaltsplanung
Der Planer soll nicht so tun, als wäre er ein neutraler Techniker.
Stattdessen kann er die Interessen bestimmter Gruppen aktiv vertreten.
Das Prinzip kommt aus der Idee des Rechtsanwalts:
Ein Rechtsanwalt vertritt die Interessen seines Mandanten.
Genauso kann ein Anwaltsplaner die Interessen einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe planerisch artikulieren und vertreten
Davidoff kritisiert die sogenannte:
Also ungefähr:
Eine zentrale Planungsbehörde entwickelt einen umfassenden Plan und legt fest, wie die Stadt aussehen soll.
Die Behörde behauptet dadurch indirekt:
„Wir wissen, was für die Stadt gut ist.“
Aber welche Interessen stecken dahinter?
Davidoff sagt: Warum soll nicht auch eine Bürgerinitiative einen Plan entwickeln?
Warum nicht:
Bewohner:innen,
Unternehmen,
soziale Gruppen,
Minderheiten,
Umweltgruppen?
mehrere planerische Vorstellungen entwickeln?
Genau dadurch entsteht Pluralismus.
Partizipation bedeutet nicht einfach:
„Wir hören euch an.“
Davidoff geht weiter.
Die Bürger sollen tatsächlich in die Lage versetzt werden, planerische Vorschläge zu verstehen, zu kritisieren und eigene Vorstellungen zu formulieren.
Deshalb braucht es auch:
fachliche Unterstützung,
Zugang zu Wissen,
verständliche Sprache,
Möglichkeiten, Alternativen zu entwickeln.
—>„Planung als Umverteilung“—>Die unterschiedlichen Positionen müssen sichtbar und politisch artikulierbar werden.
2. Philip Allmendinger – „Towards a Post-Positivist Typology of Planning Theory“#
—> beschriebtwie sich Planungstheorie verändert hat.
Was ist die zentrale Aussage Allmendingers?
Früher war die Vorstellung stärker:
Planung = rational, wissenschaftlich, objektiv.
Später kam der sogenannte Post-Positivismus.
Der Planer ist der Experte, der durch wissenschaftliche Methoden herausfinden kann, was richtig ist.
Das funktioniert nicht vollständig.
Weil Planung von
Interpretation
Werten
Sprache
gesellschaftlichem Kontext
unterschiedlichen Perspektiven
Macht
abhängt.
Der Planer ist deshalb nicht derjenige, der einfach die eine objektiv richtige Antwort kennt.
Post-Positivismus = Zweifel daran, dass gesellschaftliche Realität und Planung vollständig objektiv, neutral und wissenschaftlich eindeutig erfassbar sind.
Seine Typologie soll also eher eine Landkarte / ein Orientierungsrahmen sein.
Planungstheorie ist vielfältig und nicht auf eine objektive, lineare Theorie reduzierbar. Der Post-Positivismus betont Kontext, Interpretation, Werte, Subjektivität und unterschiedliche theoretische Perspektiven.
—> Der Planer wird nicht mehr als allwissender technischer Experte verstanden, sondern als fehlbarer Akteur in einer komplexen, gesellschaftlich geprägten Situation.
Low beschäftigt sich mit der Frage:
Welche Rolle hat der Planer eigentlich in der Gesellschaft – und wie ist er mit Macht, Politik und Konflikten verbunden?
Frage: Warum ist Macht für Low zentral für Planung?
Er kritisiert die Vorstellung, dass Planung einfach neutral-technisch funktioniert.
Low betrachtet Macht.
Macht existiert nicht nur dort, wo jemand offen eine Entscheidung trifft.
Sie kann auch in
Institutionen
Regeln
Routinen
Netzwerken
Wissen
gesellschaftlichen Vorstellungen
stecken
Antwort: Weil Planung nicht neutral stattfindet. Macht wirkt sowohl offen über Entscheidungen als auch indirekt über Institutionen, Regeln, Netzwerke, Wissen und gesellschaftliche
Normen.Welche vier Rollen des Planers nennt Low?Antwort: Advocate, Negotiator, Activist und Mediator.
Sandercock kritisiert das modernistische Planungsverständnis.
Modernistische Planung geht stark von der Vorstellung aus:
Wir können die Stadt wissenschaftlich analysieren und anschließend rational gestalten.
Sandercock hält dieses Verständnis für problematisch, weil Städte heterogen und konfliktreich sind.
—>ihr Ausgangspunkt ist u. a. die gesellschaftliche Realität von Los Angeles und Konflikte zwischen verschiedenen ethnischen und sozialen Gruppen.
Die Stadt besteht nicht aus einer einheitlichen Gesellschaft mit einheitlichen Interessen.
Es gibt:
unterschiedliche Kulturen
unterschiedliche Identitäten
unterschiedliche Erfahrungen
Machtungleichheiten
Deshalb reicht ein einheitliches, rationales Planungsmodell nicht aus.
Ein anderes Planungsverständnis:
mehr Vielfalt + Beteiligung + Anerkennung unterschiedlicher Perspektiven
und eine Planung, die gesellschaftliche Konflikte nicht einfach unterdrückt, sondern ernst nimmt.
👉 Sandercock: Die Stadt ist vielfältig – deshalb muss auch Planung vielfältig sein.
Frage: Was kritisiert Sandercock am modernistischen Planungsverständnis? Antwort: Die Vorstellung, dass Städte durch rationale, objektive und universell gültige Planung gesteuert werden können. Sie betont stattdessen gesellschaftliche Vielfalt, unterschiedliche Identitäten, Erfahrungen und Konflikte.
Frage: Was ist Sandercocks Alternative? Antwort: Eine stärker pluralistische und partizipative Planung, die unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven und Konflikte berücksichtigt.
Was passiert mit Planung unter neoliberalen Bedingungen?
Neoliberale Planung bedeutet vereinfacht:
Markt + Wachstum + private Investitionen gewinnen an Bedeutung.
Baeten beschreibt neoliberale Planung als eine Veränderung des Verhältnisses zwischen Staat und privatem Kapital, bei der eine „growth-first“-Orientierung entsteht.
—> Der Staat verändert seine Rolle und unterstützt zunehmend Markt- und Wachstumslogiken. also verschwindet nciht einfach
Planung soll eigentlich verschiedene Interessen ausgleichen:
ökonomisch + sozial + ökologisch
Unter neoliberalen Bedingungen besteht aber die Gefahr:
Wirtschaftliches Wachstum wird zum übergeordneten Ziel.
—> dann weden soziale und ökologische interessen diesem ziel untergeordet
—> Planung wird zunehmend zur Unterstützung von Markt und Wachstum – und dadurch geraten Gemeinwohl, soziale Gerechtigkeit und Umwelt unter Druck.
Was ist Planungstheorie überhaupt?
Warum gibt es nicht DIE eine Planungstheorie?
unterschiedliche planungstheorien :
Was soll Planung erreichen?Wie soll geplant werden?Wer soll entscheiden?Was ist gerecht?Wie viel Staat vs. Markt?Wie geht man mit Konflikten und Vielfalt um?
Weil Planung verschiedene gesellschaftliche, politische, ökonomische und räumliche Fragen verbindet und deshalb auf unterschiedliche Theorien und Disziplinen zurückgreift.
Literatur
Du kannst dir diese Entwicklung vorstellen:
Klassische/rationale Planung
„Der Experte kann das Problem wissenschaftlich analysieren und eine gute Lösung finden.“
⬇️ Rittel & Webber
Wicked Problems
→ gesellschaftliche Probleme sind nicht eindeutig lösbar.
⬇️ Allmendinger
Post-Positivismus
→ Planung ist nicht vollständig objektiv; Werte, Interpretation, Kontext und unterschiedliche Perspektiven spielen eine Rolle.
⬇️ Davidoff
Pluralismus / Advocacy
→ unterschiedliche Interessen müssen sichtbar werden und können vertreten werden.
⬇️ Sandercock
Vielfalt / postmodernes Planungsverständnis
→ Gesellschaft und Stadt sind heterogen; Planung muss unterschiedliche Identitäten und Erfahrungen berücksichtigen.
⬇️ Low
Macht + Rolle des Planers
→ Planer sind selbst Akteure innerhalb gesellschaftlicher Machtverhältnisse.
⬇️ Baeten
Neoliberale Planung
→ Planung findet außerdem innerhalb von Markt-, Kapital- und Wachstumslogiken statt; dadurch entstehen neue Macht- und Verteilungskonflikte.
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