Klassische Zytostatika: Wirkweise
Klassische Zytostatika sind Wirkstoffe, die allgemein die Zellteilung hemmen in sich schnell teilenden Zellen, ob die gesund oder pathologisch sind. Sie sind Gefahrstoffe und wirken cancerogen, mutagen und/oder reproduktionstoxisch.
NW: Alle klassischen Zytostatika wirken myelosuppressiv (außer: Bleomycin, Vincristin)
Alkylanzien: Wirkweise
Hemmen die Zellteilung durch Alkylierung von Nukleinsäuren der DNA wodurch es zu multiplen DNA-Veränderungen ,z.B. Cross-Link-Bindungen zwischen den DNA-Strängen und Strangbrüchen, kommt. Zellzyklusphasenunspezifisch!
Platinderivate: Wirkweise
Vernetzung von DNA-Strängen (bevorzugt Einzelsträngen) mittels Aquo-Komplex
Antibiotika: Wirkweise
typische Antibiotika mit toxischen Eigenschaften, sodass diese nicht für die antibakterielle Behandlung in Frage kommen.
NW: Verfärbung des Urins, hohe Kardiotoxizität
Anthrazykline: Wirkweise
Zytotoxisch v.a. in der S-Phase durch u.a.
Interkalation in die DNA, was zur Hemmung der Nukleinsäuresynthese führt
Hemmung der Topoisomerase-2 → Strangbrüche
Biotransformation zu freien Radiaklen → Doppelstrangbrüche
Bindung an die Zellmembran, sodass diese durchlässiger wird
Topoisomerasehemmstoffe: Wirkweise
Greifen an den Topoisomerasen an.
Die Topoisomerase-1-Hemmer entspannen die DNA an einem Strang, in dessen Folge es zu einem Strangbruch kommt
Die Topoisomerase-2-Hemmer lockern beide Doppelstränge und ändern durch Verknüpfung die räumliche Struktur.
→Da TIM in den Tumorzellen erhöht sind, haben TIH eine selektiver Wirkung auf Tumorzellen als andere klassische Zytostatika.
Mitosehemmstoffe: Wirkweise
Hemmen die Zellteilung durch Hemmung des Auf- (Vincaalkaloide etc.) oder Abbaus (Taxane) der Kernspindel während der Mitose.
Antimetabolite: Wirkweise
Verdrängen natürliche Stoffwechselbausteine und bilden funktionsunfähige Makromoleküle oder blockieren Enzyme durch Komplexbildung → Störung des Zellstoffwechsels → Hemmung der Zellteilung
Proteasom-Inhibitor: Wirkweise
Hemmt die Proteasome in einer Zelle, wodurch die Zelle vermüllt und schließlich abstirbt
Monoklonale Antikörper: Wirkweise + NW
Monoklonale Antikörper werden erstmals seit 1975 hergestellt. Es sind immunologisch aktive Proteine, die von einer Zelllinie hergestellt werden. Sie werden auch in nicht-onkologischen Indikationen wie Migräne, MS, CED etc. verwendet.
NW i.v.: grippeartige Symptome, Kopfschmerzen, Blutdruckschwankungen, Anaphylaxie/akute allergische Reaktion (infusionsbedingt)
NW s.c. (zusätzlich lokal): Rötung, Schwellung, Verhärtung, Schmerzen, Juckreiz
VEGF/VEGF-R: Wirkweise
Blockade vom vaskulären Endothelwachstumsfaktor/VEGF oder dessen Rezeptor/VEGF-R hemmt die Angiogenese, wodurch die Tumorzellen weniger bis keine Nährstoffe mehr erhalten und schließlich absterben. Wirkt eher bei Tumorzellen, da diese die Bildung von Blutgefäßen/Angiogenese anregen.
Checkpointinhibitoren: Wirkweise
T-Zellen exprimieren PD-1 (=Immun-Checkpoints). Dendritische Zellen exprimieren PD-L1. Wenn PD-1 an PD-L1 bindet wird eine “überschießende” Immunreaktion unterdrückt und die Körperzelle bleibt bestehen. Tumorzellen exprimieren auch vermehrt PD-L1, sodass sie vom Immunsystem umgangen werden. Checkpointinhibitoren hemmen die Bindung an Oberflächenrezeptoren der T-Zelle (PD-1, CTLA-4) oder an den vermehrt exprimierten Liganden des Tumor (PD-L1), sodass eine die T-Zellen weiterhin aktiv bleiben und Krebszellen angreifen können.
Allgemeine NW:
Kolitis/Dickdarmentzündung
Pneumonie/Lungenentzündung
Hepatitis/Leberentzündung
Nephritis/Nierenentzündung
Hautausschläge
Endokrinopathien (= Entzündung der Hirnanhangsdrüse, Störungen der Schilddrüsenfunktion und/oder Blutzuckerregulation)
→ Auftreten von Nebenwirkungen korreliert mit Therapieansprechen!
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: Wirkweise
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate/ADC bestehen aus einem zielgerichteten Antikörper verknüpft mit einem zytotoxischen Wirkstoff. Der Antikörper bindet an ein Oberflächenantigen der Tumorzelle und setzt das Zytostatikum im Zellinneren der Tumorzelle frei, sodass dieser direkt in der Zelle wirken kann.
Tyrosinkinaseinhibitoren: Wirkweise
Tyrosinkinaseoinhibitoren/TKI hemmen Tyrosinkinasen, die am inneren Teil eines membranständigen Rezeptors sitzen und deren Aufgabe der Start einer Signalkaskade innerhalb der Zelle ist mit dem Ziel der Zellproliferation. So wird das Zellwachstum und die Zellteilung gehemmt. Die Wirkstoffe sind größtenteils in oraler Form im Handel.
→ Nebenwirkungen sehr verschieden je Wirkstoff (z.B. EGFR-TKIs Hautreaktionen)
Immunmodulatoren: Wirkweise
Hemmen proinflammatorische Zytokine
Hemmen die Angiogenese und die Bildung verschiedener hämatopoetischer Vorläuferzellen
Stimulieren T- und NK-Zellen.
Steigern die Blutbildung
→ Sie werden hauptsächlich zur Therapie des multiplen Myeloms eingesetzt. Es gibt die Wirkstoffe Lena-, Thali- und Pomalidomid. Wird auf T-Rezept verordnet (teratogen)!
Onkolytische Viren: Wirkweise
Das onkolytische Virus ist ein abgeschwächtes Herpes-Simplex-Virus Typ 1, das so verändert wurde, dass es sich innerhalb von Tumoren vermehrt und das immunstimulierende Protein humanes GM-CSF produziert. Dadurch stirbt der Tumor ab.
CAR-T-Zelltherapie: Wirkweise
Wirkweise: patienteneigene T-Zellen werden gentechnisch verändert, sodass sie Krebszellen erkennen und diese bekämpfen können
IND: B-Zell-Lymphom, ALL, follikuläres Lymphom, Mantelzell-Lymphom, Multiples Myelom
NW: sehr stark
→ teuer, danach verändertes Immunsystem, wenn austherapiert + sinnvoll
Hormone: Wirkweise
Hormone werden bei Tumoren mit hormonabhängigem Wachstum (Mamma-, Prostata-, Endometriumkarzinom) eingesetzt. Der Hormonentzug kann die Proliferation der Tumorzelle unterdrücken und so die Chemotherapie synergistisch unterstützen. Außerdem ist eine Hormontherapie für den Patienten weniger belastend als eine Chemotherapie.
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