Formale Soziologie
Simmels Programm: Untersuchung der reinen Formen des Sozialen (Konkurenz, Mode, Geheimnis), unabhängig von ihren konkreten Inhalten.
Vergesellschaftung
Prozess, durch den Individuen durch Wechselwirkungen soziologische Einheiten (Gruppen, Gesellschaften) bilden - Gesellschaft existiert nur als ständig stattfindende Wechselwirkung.
Wechselwirkung (Simmel)
Grundoperation allen Sozialen: Gesellschaft entsteht ausschließlich aus Wechselwirkungen zwichen Individuen.
Form und Inhalt
Analytische Trennung: Die gleichen Formen (z.B. Konkurenz, Hierarchie) können ganz unterschiedliche Inhalte (Wirtschaft, Religion, Erotik) tragen.
Großstadt und Geistesleben
Simmels Essay: Die Reizüberflutung der Stadt erzeugt den blasé-Charakter und steigert die intellektualisierte, gelgesteuerte Lebensführung.
Blasé (Einstellung)
Abstumpung gegen Reizdifferenz: Der Großstädter reagiert nicht mehr aug Einzelreize, sondern nur noch auf quantifizierende, geldförmige Unterschiede.
Geld als absolute Mittelbarkeit
Geld ist das vollkommenste Mittel: Es macht alle qualitativen Werte vergleichbar und versachlicht die sozialen Beziehungen.
Sekundäre Beziehungen
Anonyme, rollenförmige Kontakte der Moderne (Kunden, Passanten) statt personaler Primärbeziehungen; Bedingung individueller Freiheit.
Soziale Differenzierung
Prozess der Ausdifferenzierung sozialer Kreise; Individualisierung durch Zugehörigkeit zu immer mehreren, sich kreuzenden Kreisen.
Kreuzung sozialer Kreise
Je mehr Gruppen sich in einer Person durchdringen, desto schwerer ist sie ersetzbar und desto individueller ist sie.
Konkurrenz (Form)
Soziale Form: Akteure bekämpfen sich indirekt über einen Markt um dieselben Chancen, ohne sich direkt zu berühren.
Mode
Form der Differenzierung: Nachahmung innerhalb einer Schicht bei gleichzeitiger Abgrenzung nach unten/außen.
Geheimnis
Soziale Form der bewussten Verbergung von Informationen; stiftet Distanz, Anziehung und Machtgefälle.
Distanz und Nähe
Mikrosoziologische Grundkategorie: Identität und Individualität entstehen in der Spannung von Nähe, Distanz und Übereinstimmung.
Objektiver und subjektiver Geist
Objektivierter Geist: verfestigte Kulturgüter (Recht, Kunst, Technik), die dem subjektiven Geist der Individuen als Schicksal gegenüberstehen.
Tragödie der Kultur
Der objektive Geist expandiert rascher, als der subketive ihn aneignen kann: Die vom Menschen geschaffene Kultur tritt ihm als fremde, übermächtige Macht gegenüber. Anwendungen: Geld als purste Objektivierung; Großstadt-Diagnose (Blasiertheit, Intellectualismus als Abwehr). Wurzel bei Hegel aber Simmel dreht das versöhnliche Fortschrittsschema ins Tragische.
Objektiver Geist (Detail)
Geammstheit der objektivierten Kulturgebilde mit Eigengesetzlichkeiten (Sprache, Recht, Technik, Wissenschaft, Kunst, Geld); sie folgen eigenen Imperativen der Perfektionierung. Nicht gleichzusetzen mit dem Strukturbegriff bei Archer/Giddens - kulturphilosophisch, umfasst auch Kunstwerke und Maschinen.
Subjektiver Geist (Detail)
Last changed14 hours ago