Befund:
A - Assessment: Es liegt ein Röntgen Thorax in einer Ebene (p.a. stehend) vor. Alle Strukturen sind abgebildet. Es liegt eine ausreichende Inspirationstiefe und eine korrekt zentrierte Einstellung vor.
A - Atemwege: Die Trachea ist nach links verlagert. Die Hauptbronchien sind nicht erkennbar.
B - Knochen und Weichteile: Rippen, Claviculae, Wirbelkörper und Schultergürtel sind regelrecht. Im Weichteilmantel sieht man ein Emphysem betont oberhalb der rechten Clavicula.
C - Kardiovaskuläre Strukturen: Das Herz bzw. das Mediastinum sind nach links verlagert. Der rechte und linke Herzrand sind nicht vollständig abgrenzbar. Die Hili sind vaskulär konfiguriert.
D - Zwerchfell: Die rechte Zwerchfellkuppe ist abgeflacht und steht tiefer als die linke Zwerchfellkuppe. Kein Pneumoperitoneum.
E - Pleura und Randwinkel: Die rechtsseitige Pleura ist abgehoben (Pneumothoraxlinie). Der links laterale Randwinkel ist verlegt.
F - Lunge / Lungenfelder: Lateral der pleuralen Linie auf der rechten Seite ist keine Lungengefäßzeichnung erkennbar. Die übrige rechte Lunge erscheint transparenzgemindert und ist kollabiert. Die linke Lunge ist regelrecht.
Fremdmaterial: Es ist kein Fremdmaterial vorhanden.
Die Diagnose lautet:
Es zeigt sich ein Spannungspneumothorax rechts mit Mediastinalverlagerung nach kontralateral. Konsekutive Kompressionsatelektase der rechten Lunge. Begleitendes Weichteilemphysem rechts supraclaviculär. Pleuraerguss links basal.
Was ist ein Pneumothorax? Wie kann er entstehen?
= Ansammlung von Luft im Pleuraspalt
immer pathologisch
Luft gelangt durch zwei Mechanismen in den Pleuraspalt:
durch einen Riss der Pleura parietalis (z.B. durch eine Rippenfraktur)
durch einen Riss der Pleura visceralis (z.B. durch eine Bulla-Ruptur)
Ursachen:
pulmonale Vorerkrankungen (Asthma bronchiale, Lungenemphysem,
Pneumonien
interstitielleLungenerkrankungen
Trauma
iatrogene Einflüsse (z.B. mechanische Beatmung,Punktionen, Anlage von zentralvenösen Kathetern o.ä.) oder aber auch
spontan ohne zugrundeliegende Lungenerkrankung (hier oft bei jungen Rauchern).
Nenne die röntgenologischen Zeichen eines Pneumothorax.
Zeichen eines Pneumothorax im Röntgen:
- Abgrenzbare "Pneumothoraxlinie": Die Pleura visceralis ist als feine Linie erkennbar.
- Abbruch der Lungengefäßzeichnung: die Lungengefäße sind nur bis zur Pneumothoraxlinie erkennbar.
- Transparenzerhöhung (Aufhellung): die Luftansammlung im Pleuraspalt führt zu einer vermehrten Strahlentransparenz, sodass der Bereich dunkler erscheint. Das Lungengewebe ist kollabiert (Atelektase) und erscheint somit transparenzgemindert (heller). - Deep sulcus sign: tief stehender lateraler Recessus costodiaphragmaticus in der Liegendaufnahme (a.p. Projektion) - Subkutanes Emphysem und / oder Pneumomediastinum als indirektes Zeichen
Was ist die Besonderheit beim Spannungspneumothorax? Welche Bildgebung erfolgt in diesem Fall nach der Röntgen-Aufnahme des Thorax?
Der Spannungspneumothorax ist ein akuter lebensbedrohlicher Notfall. Durch den Ventilmechanismus erhöht sich der Druck im Pleuraspalt und die Thoraxorgane (Herz, V. cava superior und inferior) werden zur Gegenseite verschoben. Es kommt zu Tachykardie, Tachypnoe, Hypotonie und letztlich zu Hypoxie und Schock.
Es erfolgt erstmal keine Bildgebung. Zunächst muss die Patientin mit dem Spannungspneumothorax mit einer Thoraxdrainage notfallmäßig versorgt werden. Erst danach erfolgt ggf. eine weitere Bildgebung.
Nenne die röntgenologischen Zeichen eines Spannungspneumothorax.
Die Zeichen des Spannungspneumothorax (die mal mehr, mal weniger ausgeprägt vorliegen) sind:
- Vergrößerung des Volumens des ipsilateralen Hemithorax
- Mediastinalshift zur Gegenseite
- Tiefertreten und Abflachen der ipsilateralen Zwerchfellkuppe
- Kompressionsatelektase des ipsilateralen Lungenflügels
- Abflachung der ipsilateralen Herzkontur
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