FRAGE 1:
Welche Kriterien müssen erfüllt sein, um die Diagnose einer Anorexia nervosa (F50.0) nach dem BMI-Wert zu stellen?
Ein zentrales Diagnosekriterium für eine Anorexia nervosa ist ein Body-Mass-Index (BMI) von unter 17,5. Zusätzlich muss der Gewichtsverlust absichtlich herbeigeführt werden und die Betroffenen sehen sich als zu fett an (Körperschemastörung).
FRAGE 2:
Was versteht man unter einer Körperschemastörung im Kontext der Magersucht?
Betroffene nehmen sich selbst viel dicker wahr, als sie tatsächlich sind. Trotz bestehenden starken Untergewichts besteht die Überzeugung, zu dick zu sein oder die Angst, dick zu werden.
FRAGE 3:
Welche psychischen Erkrankungen kommen differentialdiagnostisch neben einer Essstörung in Betracht, wenn das Essverhalten eingeschränkt ist?
In Betracht zu ziehen sind die körperdysmorphe Störung sowie Zwangserkrankungen, die mit spezifischen ernährungsbedingten Zwängen einhergehen.
FRAGE 4:
Welche Verhaltensweisen dienen bei der Anorexia nervosa neben der Nahrungsverweigerung der aktiven Gewichtsreduktion?
Gewichtsverlust wird zusätzlich durch exzessiven Sport oder Bewegung (z. B. Lesen im Stehen), den Missbrauch von Abführmitteln (Laxanzien), Appetitzüglern, Diätpillen, Entwässerungsmitteln (Diuretika), die Überdosierung von Schilddrüsenhormonen oder durch selbstinduziertes Erbrechen herbeigeführt.
FRAGE 5:
Welche endokrinen Störungen treten typischerweise als Folge einer Anorexia nervosa bei Frauen auf?
Es kommt häufig zu hormonellen Veränderungen, die zum Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö) führen. Bei Beginn der Erkrankung vor der Pubertät kann eine primäre Amenorrhö auftreten.
FRAGE 6:
Definiere das Krankheitsbild der Bulimia nervosa (F50.2).
Charakteristisch sind wiederholte Anfälle von Heißhunger, bei denen große Mengen hochkalorischer Nahrung konsumiert werden. Um eine Gewichtszunahme zu verhindern, nutzen Betroffene Gegenmaßnahmen wie selbstinduziertes Erbrechen, Abführmittel oder Hungerperioden.
FRAGE 7:
Inwiefern unterscheidet sich das typische Körpergewicht bei Bulimia nervosa von dem bei einer Anorexia nervosa?
Während bei der Anorexia nervosa per Definition ein starkes Untergewicht (BMI < 17,5) vorliegt, sind Betroffene einer Bulimia nervosa häufig normalgewichtig.
FRAGE 8:
Welche spezifischen körperlichen Warnsignale im Kopf- und Halsbereich können auf eine Bulimia nervosa hindeuten?
Es können Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen („Hamsterbacken“), Tränensäcke, Karies oder Zahnschmelzschäden durch die Magensäure sowie Verletzungen im Rachenraum durch die Nutzung von Gegenständen zur Brechreizauslösung auftreten.
FRAGE 9:
Was kennzeichnet die Binge-Eating-Störung im Vergleich zur Bulimia nervosa?
Bei der Binge-Eating-Störung treten ebenfalls Heißhungerattacken mit Kontrollverlust auf, jedoch fehlen die regelmäßigen kompensatorischen Maßnahmen wie Erbrechen oder Abführmittelmissbrauch. In der Folge leiden die Betroffenen häufig unter Übergewicht.
FRAGE 10:
Erläutere das „Refeeding-Syndrom“ und seine Gefahren.
Das Refeeding-Syndrom ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der durch metabolische und elektrolytische Entgleisungen bei der Wiederaufnahme der Ernährung nach starker Mangelernährung entsteht. Folgen können Herzrhythmusstörungen, Wasseransammlungen (Ödeme) und Herzstillstand sein.
FRAGE 11:
Welche psychologischen Grundthemen stehen oft hinter der Symptomatik einer Essstörung und werden in der Therapie bearbeitet?
Das Essverhalten dient oft der Regulation von Gefühlen wie Angst, Scham, Einsamkeit oder Kontrollverlust. Therapiethemen sind daher häufig der Selbstwert, die Emotionsregulation, die Beziehungsgestaltung und die Identitätsfindung.
FRAGE 12:
Was sind die klinischen Kriterien, die eine stationäre Behandlung bei Anorexia nervosa unumgänglich machen?
Eine stationäre Aufnahme ist notwendig bei einem BMI unter ca. 15, bei Herzrhythmusstörungen, Elektrolytstörungen, massiven Kreislaufproblemen oder akuter Suizidalität.
FRAGE 13:
Beschreibe das Phänomen der Orthorexia nervosa.
Hierbei handelt es sich um eine (bisher nicht klassifizierte) zwanghafte Fixierung auf die Qualität und „Gesundheit“ der Lebensmittel. Im Vordergrund steht nicht die Menge oder das Gewicht, sondern die vermeintliche Reinheit der Nahrung, was zu starkem sozialen Leidensdruck führt.
FRAGE 14:
Wann ist eine Behandlung von Essstörungen in einer psychotherapeutischen Heilpraktikerpraxis kontraindiziert?
Eine Behandlung ist untersagt bzw. muss abgegeben werden, wenn Lebensgefahr besteht, etwa bei einem BMI unter 17, vorhandener Suizidalität oder klinisch relevanten körperlichen Störungen wie Elektrolytstörungen oder Herzproblemen.
FRAGE 15:
Welche medikamentöse Unterstützung wird bei der Bulimia nervosa in Betracht gezogen?
In der Behandlung der Bulimia nervosa wird häufig das Medikament Fluoxetin in hoher Dosierung eingesetzt.
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