Kapitel 2 Ökonomische Grundbegriffe
2.1 Beschreiben Sie den Nutzen und dessen Messung in der volkswirtschaftlichen Theorie.
Der subjektive empfundene Nutzen, den Gebrauch oder Verbrauch eines Gutes im Rahmen der Befriedigung eines Bedürfnisses stiften können, drückt sich aus in Ausmaß, Intensität und Qualität der Bedürfnisbefriedigung. Er ist nicht objektiv messbar, weder kardinal noch ordinal, noch ist er interpersonell vergleichbar. Man kann ihn lediglich in eine persönliche Rangfolge bringen. Beispielsweise wird der Nutzen einer Portion Pommes Frites von einem Kind höher eingeschätzt werden als der eines Sauerbratens.
In der volkswirtschaftlichen Theorie verbindet man mit der Nutzenmessung häufig die Gossenschen Gesetze, denkt an pareto-optimale gesellschaftliche Zustände oder an Indifferenzkurven, mit denen Nutzenfunktionen mathematisch erfasst bzw. grafisch dargestellt werden können.
2.2) Nennen Sie Eigenschaften und Funktionen des Geldes.
Geben Sie an, welche Institutionen sich um die Aufrechterhaltung des Geldwerts bzw. um die Sicherung der Preisniveaustabilität kümmern.
Damit Geld seine Geldfunktionen wahrnehmen kann, muss es bestimmte Anforderungen erfüllen, um als Universaltauschmittel eingesetzt werden zu können: Es muss knapp und selten, aber dennoch allgemein anerkannt, in kleinere Einheiten teilbar, leicht transportierbar, wertbeständig, gut haltbar und schwer zu fälschen sein.
Um die Aufrechterhaltung der Stabilität des Geldwerts bzw. die Sicherung der Preisniveaustabilität kümmert sich die jeweils nationale Notenbank bzw. die Europäische Zentralbank für die EU-Mitgliedsländer, flankiert von deren ehemals selbstständigen Notenbanken.
2.3) Erläutern Sie die Bedeutung von Gold für die Geldwertstabilität.
Zur Sicherung bzw. zur Deckung des Geldwerts und der Akzeptanz einer Währung wurde schon vor drei Jahrtausenden ein realer Wert in Form von Edelmetallen verwendet. Großbritannien führte vor rund drei Jahrhunderten den Goldstandard ein, bei dem eine Feinunze reinen Goldes in einer fest bestimmten Anzahl von Pound Sterling deklariert wurde. 1865 wurde die Lateinische Münzunion gegründet.
1944 einigten sich in Bretton Woods Notenbankgouverneure der 44 wichtigsten Zentralbanken der Erde auf eine Fixierung ihrer Wechselkurse auf den mit Gold hinterlegten US-Dollar als Weltleitwährung. Dem Bretton-Woods-System schloss sich die Bundesrepublik Deutschland an.
Es endete mit der Aufgabe der Golddeckung des US-Dollars im Jahr 1971.
Kapitel 3 Wertschöpfung
3.1) Erläutern Sie die Motivation für Arbeitsteilung sowie die Vor- und Nachteile der Arbeitsteilung.
Die weitgehende nationale wie internationale Arbeitsteilung ist ein wichtiges Merkmal entwickelter offener Volkswirtschaften, also solcher Volkswirtschaften, die Handel mit dem Ausland zulassen. Die dadurch mögliche Steigerung der Produktivität und damit letztlich gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtssteigerung wurde zum Teil bereits in der Antike beschrieben.
Wichtigste Vorteile:
entfallende Rüst- und Umstellungszeiten
Arbeitsteilung nach Maßgabe der spezifischen Fähigkeiten eines jeden Mitarbeitenden steigert die Produktivität
Ausbildungs- bzw. Anlernzeiten werden verkürzt
Die einzelne Arbeitnehmerin bzw. der einzelne Arbeitnehmer erreicht besondere Geschicklichkeit und Arbeitsgeschwindigkeit
effektiverer Motivations- und Kontrollsysteme können eingeführt werden
menschliche und maschinelle Arbeit können koordiniert und gleichzeitig immer mehr Maschinen eingesetzt werden
Potenzielle Nachteile:
Die bzw. der Einzelne wird mehr und mehr von anderen abhängig und sein Beschäftigungsrisiko steigt wegen einseitiger Orientierung; die Volkswirtschaft wird zunehmend von einzelnen oder wenigen Angehörigen eines Berufs abhängig.
Wegen der Monotonie der Arbeit kann es zu Motivationsverlusten kommen und in deren Folge zu einer zunehmenden Entfremdung des Beschäftigten von seiner Produktion.
Arbeitsteilig wirtschaftende Gesellschaften werden immer komplexer und für den Einzelnen immer weniger durchschaubar. Hierdurch wird es möglich, dass einige wenige vermögende Menschen ihre Einzelinteressen auf Dauer zulasten der Interessen der großen Mehrheit durchsetzen können.
3.2) Beschreiben Sie, wer von den Vorteilen profitiert, die sich aus der volkswirtschaftlichen Arbeitsteilung ergeben.
Von den Vorteilen der volkswirtschaftlichen Arbeitsteilung dürften vor allem die Unternehmerinnen und Unternehmer (Arbeitgeber), die Beschäftigten und die Konsumentinnen und Konsumenten profitieren. Wie sich die Vorteile wertmäßig auf diese drei Gruppen verteilen, hängt vor allem von deren jeweiliger Marktmacht ab.
3.3) Unterscheiden Sie zwischen harten und weichen Standortfaktoren aus der Perspektive der Wirtschaftsförderung einer mittleren Stadt mit 35.000 Einwohnern, die sich um die Ansiedlung investitionsbereiter Unternehmen bemüht.
Standortfaktoren bestimmen die Attraktivität einer Kommune oder Region aus der Sicht potenzieller Investoren und sorgen auch dafür, dass letztere am Standort bleiben.
In der volkswirtschaftlichen Theorie und in der wirtschaftspolitischen Praxis wird zwischen sogenannten harten und weichen Standortfaktoren unterschieden.
Harte Standortfaktoren (rechenbar und gestaltbar) sind z. B.
Abgaben
Ressourcen
Arbeitskräftepotenzial
Verfügbarkeit/Preise erschlossener Grundstücke
Verfügbarkeit/Preise/Mieten für Immobilien
Verkehrsinfrastruktur
Qualität ausgewählter privater Infrastruktur (Zulieferer, gewerbliche Kunden, Dienstleister im Umfeld)
Höhe der Löhne und Gehälter
Energiekosten
Wasserkosten
Entsorgungskosten
weitere kommunale Gebühren
Hebesätze von Grund- und Gewerbesteuer
Kapitalbeschaffungskosten
regionale Kaufkraft
Weiche Standortfaktoren (unternehmensbezogen, schwerlich exakt bestimmbar) sind z. B.
Kultur-, Sport- und Freizeitangebot
Wohnumfeld
Schul- und Weiterbildungsangebot
Wirtschaftsklima
Einkaufsmöglichkeiten
Mietniveau
geografische Lage und Freizeitmöglichkeiten
Kapitel 4 Wirtschaftsordnungen und Wirtschaftssysteme
4.1) Für das Zustandekommen und Fortbestehen einer freien Marktwirtschaft sind einige wesentliche Voraussetzungen und Ordnungsmerkmale erforderlich. Rahmenbedingungen für die Soziale Marktwirtschaft lassen sich in konstituierende und regulierende Prinzipien einteilen.
Erläutern Sie die Bedeutung beider für die Soziale Marktwirtschaft.
Die konstituierenden Prinzipien ermöglichen die Soziale Marktwirtschaft, indem sie für eine wettbewerbssichernde Rahmenordnung durch den Staat sorgen. Um Monopol- oder Oligopolbildung zu vermeiden, müssen regulierende Prinzipien hinzutreten. Der Markt und der dort bestimmte Marktpreis bleiben dennoch das Lenkungsinstrument der Wirtschaftsordnung.
4.2) Legen Sie dar, warum die deutsche Variante der Marktwirtschaft zu Recht den Beinamen sozial trägt.
Sozial ist die deutsche Variante der Marktwirtschaft zu nennen, weil sie den „Wohlstand für alle“ (Erhard) zum Ziel hat. Im Ergebnis ist sie sozial wegen ihrer besonderen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und wegen der gezielten Gewährung ökonomischer Freiheitsrechte für alle Marktteilnehmenden.
4.3) Beschreiben Sie, woran die sozialistischen Zentralverwaltungswirtschaften zumeist bislang in der Realität scheitern (einige Stichworte und Beispiele genügen).
Allgemein:
Hang zur Überzentralisierung
Dadurch entstehende Unterdrückung bzw. entstehender Unrechtsstaat
Mengenbilanzen für die bedeutendsten Gütergruppen zur Lenkung der Wirtschaft führen zu schlechten Ergebnissen
Preise spiegelten weder die Produktionskosten noch die Intensität der Nachfrage wider und konnten daher ihre Funktion als Knappheitsindikator nicht erfüllen
Produktionsvorgaben in Naturalkennziffern führten zu Fehlplanungen und -lenkungen in der Produktion (Tonnenideologie)
Horten/Verstecken von Produktionsfaktoren und Konsumgütern für den Naturaltausch mit begehrten Gütern sorgte für Engpässe und Minderversorgung
technischer Fortschritt wurde be- oder verhindert
geringe Produktivität und Lieferzuverlässigkeit führten zu unvorhersehbaren Unterbrechungen der Produktion
Egalisierung der Einkommen führte nicht zu einer klassenlosen, sondern zu einer gespaltenen Gesellschaft mit verschiedenen Gruppen, die jeweils Sonderprivilegien besaßen.
Sozialneid führte zu sozialen Spannungen.
Praxisbeispiele:
relativ schlechte soziale Absicherung
beispiellose Umweltverschmutzung
Subventionierung von Gütern des täglichen Bedarfs (mögliche Konsequenz: Verschwendungshaltung, soziale Nivellierung, sinkende Leistungsbereitschaft, „erschöpfte“ Wirtschaft)
wegen der anhaltenden Mangelsituation Trend zu Günstlings- und Vetternwirtschaft und zu Korruption
wegen des fehlenden Wettbewerbs schlechte Wirtschaftlichkeit sowie fehlende Nachfrage- und Kundenorientierung, niedrigere Qualität und weniger Innovationen
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