Was ist Allgemeine Pharmakologie?
Die Lehre von der Wechselwirkung zwischen Stoffen und Lebewesen.
Wie unterscheiden sich Pharmazie und Pharmakologie?
Pharmazie: Herstellung von Arzneimitteln (geeignete Form, Hilfsstoffe, Haltbarkeit, Freisetzung wie Retard oder Brausetablette).Pharmakologie: Interaktion des Arzneistoffs mit dem Körper (Pharmakodynamik und Pharmakokinetik).
Wie lautet das Paracelsus-Prinzip?
„alle ding sind gift und nichts on gift; alein die dosis macht das ein ding kein gift ist“Die Dosis entscheidet, ob ein Stoff wirkt oder schadet. Paracelsus lebte von 1493 bis 1541.
Was besagt die Homöopathie, und was bedeutet „Potenzierung“?
Prinzip nach Samuel Hahnemann (1755 bis 1843): „Gleiches mit Gleichem bekämpfen“. Potenzierung ist das stufenweise Verdünnen und Verschütteln der Ausgangssubstanz.
Was muss bei „anderen Therapierichtungen“ (Homöopathie, Anthroposophie, Phytotherapie) für die Zulassung nachgewiesen werden?
Nur Qualität und Unbedenklichkeit, nicht die Wirksamkeit. Die „medizinischen Erfahrungen“ und „Besonderheiten“ werden berücksichtigt.
Was ist Pharmakodynamik?
Das, was der Arzneistoff mit dem Körper macht (Wirkung, vermittelt durch Rezeptoren).
Was ist ein Rezeptor?
Physiologischerweise der Reaktionspartner körpereigener Signalmoleküle (Neurotransmitter, Hormone, Wachstumsfaktoren, Zytokine). Arzneistoffe wirken meist über Rezeptoren.
Welche Bindungsarten an Rezeptoren gibt es?
Als Agonist, Antagonist, partieller Agonist oder inverser Agonist. Die Bindung kann kompetitiv oder nicht-kompetitiv (allosterisch) sein.
Was ist ein Agonist?
Ein Stoff, der die intrinsische Aktivität des Rezeptors vollständig aktiviert (100 % Effekt).
Was ist ein partieller Agonist?
Er bindet am selben Rezeptor, hat aber geringere intrinsische Aktivität. Selbst bei voller Rezeptorbesetzung erreicht er nicht den Maximaleffekt (Ceiling-Effekt).Ohne vollen Agonisten wirkt er schwach agonistisch, neben einem vollen Agonisten wie ein partieller Antagonist.
Was ist ein Antagonist?
Er bindet, aktiviert aber die intrinsische Aktivität des Rezeptors nicht. Er blockiert den Rezeptor für den Agonisten.
Was ist ein inverser Agonist?
Er hemmt die intrinsische (Grund-)Aktivität des Rezeptors. Der Effekt liegt unter dem Ausgangswert (unter 0 %).
Was bedeutet „Potency“?
Affinität am Rezeptor, angegeben als ED50 oder EC50: wie viel Stoff für eine bestimmte Wirkung (z. B. 50 %) nötig ist. Kurve weiter links = potenter.
Was bedeutet „Efficacy“?
Wirksamkeit (intrinsische Aktivität): das Ausmaß des maximal möglichen Effekts, unabhängig von der dafür nötigen Dosis.
Zwei Kurven A und B erreichen beide 1,0, A liegt weiter links. Was folgt?
Beide haben dieselbe Efficacy. Stoff A ist potenter als B, denn er braucht eine kleinere Dosis für 50 % Wirkung.
Was ist die therapeutische Breite?
Der Abstand zwischen effektiver Dosis (ED50) und letaler Dosis (LD50) in der Dosis-Wirkungs-Kurve. Je größer, desto sicherer der Arzneistoff.
Woran erkennt man Rezeptorselektivität (Beispiel β-Sympathomimetika)?
Am Dosisabstand zwischen gewünschter Wirkung (β2: Bronchospasmolyse) und Nebenwirkung (β1: Herzfrequenz). Je größer, desto selektiver und sicherer.Salbutamol β2 ≫ β1, Orciprenalin β2 ≥ β1, Isoprenalin β2 ≈ β1.
Was ist Pharmakokinetik?
Das, was der Körper mit dem Arzneistoff macht.
Was bedeutet ADME?
Absorption: Aufnahme vom Applikationsort ins Blut.
Distribution: Verteilung über das Blut in Gewebe und Wirkort.
Metabolismus: chemische Umwandlung durch den Organismus.
Exkretion: über die Nieren mit dem Urin oder über Galle und Stuhl.
Welche drei Folgen kann die Biotransformation haben?
Inaktivierung: aktiver Stoff → weniger aktiver oder inaktiver Metabolit.
Aktivierung: inaktive Vorstufe → Wirkform.
Bildung aktiver Metabolite, die selbst wirksam sind.
Was ist ein Prodrug? Beispiel?
Ein Arzneistoff, der erst nach Umwandlung im Körper seine eigentliche Wirkung entfaltet. Beispiel: Enalapril wird zum aktiven Enalaprilat.
Wie läuft die Arzneimittelentwicklung ab?
Präklinik (Biochemie, Zellkultur, Tierversuch: Wirkung und Toxizität) → Phase I → Phase II → Phase III → Zulassung → Markteinführung → Phase IV.
Was wird in Phase I geprüft?
Sicherheit, Verträglichkeit, Wirkungen und Kinetik (Dosisfindung). Kleines Kollektiv (ca. 20 bis 80), meist gesunde Probanden. Ausnahme: z. B. Zytostatika bei Krebspatienten.
Was wird in Phase II geprüft?
Ersterprobung an 30 bis 300 ausgewählten Patienten: Verträglichkeit, Wirkungen, Kinetik.
Was wird in Phase III geprüft?
Wirksamkeit und Nebenwirkungen an 1.000 bis 5.000 Patienten, im Vergleich mit bereits zugelassenen Arzneimitteln gleicher Indikation.
Was geschieht in Phase IV?
Nach der Zulassung (Post-Marketing Surveillance): Erfassung seltener Nebenwirkungen, kontrollierte und unkontrollierte Studien, Spontanmeldesystem.
Was ist ein Orphan Drug?
Arzneimittel für seltene Leiden (EU: höchstens 5 von 10.000 Einwohnern), wenn keine adäquate andere Therapie existiert (z. B. Osteosarkom, pulmonale Hypertonie).Vorteile: 10 Jahre alleiniges Vertriebsrecht, erleichterte Zulassung (weniger Patienten, Phase III nicht erforderlich).
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