Definition Divertikulose:
= das Vorhandensein eines oder mehrerer Divertikel, also sackförmiger Ausstülpungen der Dickdarmwand, bezeichnet.
Nenne die Darmwandschichten von innen nach außen
Tunica mucosa (Schleimhaut)
Lamina epithelialis mucosae (Epithel)
Lamina propria mucosae (Propria)
Lamina muscularis mucosae (Muscularis mucosae)
Tela submucosa (Submukosa)
Tunica muscularis (Muscularis)
Stratum circulare bzw. Stratum anulare (Ringmuskelschicht)
Stratum longitudinale (Längsmuskelschicht)
Tunica adventitia (Adventitia)
Definition Divertikulitis:
= bakterielle Entzündung eines (oder mehrerer) Divertikel.
Epidemiologie von Divertikulose:
tritt in Industrienationen deutlich häufiger auf als in Entwicklungsländern
Ursache wahrscheinlich unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten
Männer und Frauen gleich häufig betroffen
Häufigkeit nimmt im Alter zu.
Häufigste Lokalisation der Divertikel:
In ca. 90% d.F.:
Colon sigmoideum
Colon descendes
Seltener im Zökum
Aber auch in den verschiedenen Abschnitten des Dünndarms können Divertikel auftreten.
Duodenale Divertikel sind dabei häufiger als jejunale Divertikel.
Im Jejunum ist die Divertikeldichte nach distal hin abnehmend.
Im Ileum gibt es nur selten Divertikel.
Jedoch findet sich das Meckel-Divertikel ca. 60-90cm oral der Bauhinschen Klappe im Ileum.
Etwa 10-20% der (asymptomatischen) Divertikulose-Patienten entwickeln im Verlauf eine symptomatische Divertikulitis.
Prädisponierende Faktoren für die Entwicklung einer Divertikulose sind:
ein erhöhter intraluminaler Druck (z.B. durch chronische Obstipation oder durch Adipositas)
die Abnahme der Darmwandelastizität durch altersbedingte (oder angeborene) Bindegewebsschwäche
Risikofaktoren für das Auftreten von Divertikeln sind z.B.:
Lebensstil-Faktoren:
ballaststoffarme Ernährung (Obstipation durch Verhärtung der Stuhlkonsistenz)
hoher Konsum von rotem Fleisch
starker Alkoholkosum
geringe körperliche Aktivität
Hypothyreose
Medis:
Opioide (Obstipation!)
Glucocorticoide
regelmäßige Einnahme von NSAR, ASS und/oder Paracetamol
genetische Syndrome, die mit einer Bindegewebsschwäche einhergehen (z.B. Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom, Williams-Beuren-Syndrom)
Pathogenese der Divertikulose:
Bei den meisten Kolon- und Dünndarmdivertikeln handelt es sich um sog. Pseudodivertikel (=falsche Divertikel)
entstehen durch einen Prolaps von Mukosa und Submukosa durch Lücken in der Tunica muscularis (Gefäßdurchtritte).
Nenne mögliche Mukosa, die durch einen Prolaps Pseudodivertikel verursachen!
Lamina epithelialis
Lamina propria mucosae
Lamina muscularis mucosae
Was passiert in der Darmwand bei Vorhandensein kompletter und inkomplette Pseudodivertikel?
komplette: bilden eine deutliche Ausbuchtung der Darmwand
inkomplette: bleiben innerhalb der Darmwand (sind von außen nicht sichtbar)
Pathogenese echter Divertikel:
sind mit einer Ausstülpung aller Wandschichten kongenital angelegt
deutlich seltener
meist im Bereich des Zäkums und des Colon ascendes
Im Ileum kann ein Mackel-Divertikel als ein echtes Divertikel persistieren
Pathogenese von Divertikulitis:
Durch Stuhlaufstau im Bereich des Divertikelhalses oder Verletzungen können sich im Divertikel Bakterien vermehren und zu einer Entzündung führen (Divertikulitis).
Errergerspektrum bei Divertikulitis:
polymikrobiell
umfasst v.a. Anaerobier und gramnegative Bakterien der physiologischen Darmflora (z.B. Bacteroides fragilis).
Seltenere Auslöser sind Pilze und grampositive Erreger.
Wann wird von Peridivertikulitis gesprochen?
Bei Übergriff der Entzündung (Divertikulitis) auf das umgebende Gewebe.
Symptomatik von Divertikulose:
meist asymptomatisch
Stuhlunregelmäßigkeiten wie Diarrhö oder chronische Obstipation
Welche Symptome verursachen die meistens im Sigma vorkommenden Divertikulitis typischerweise?
linksseitige Unterbauchschmerzen
Druckschmerz und ggf. tastbare Resistenz (druckschmerzhafte Walze) im li. Unterbauch
erhöhte Temp. oder Fieber, allg. Schwäche
Übelkeit und Erbrechen
Tenesmen (=Stuhlzwang)
Symptomatik einer Zäkumdivertikulitis:
geht mit Appendizitis-ähnlichen Schmerzen im re. Unter- und Mittelbauch einher (“Appendizitis trotz Appendektomie”)
Welche Patienten haben ein erhöhtes Risiko dazu bei bestehenden Divertikeln Komplikationen zu entwickeln?
Pat. mit
Immunsuppression (!)
allergischer Disposition
arterieller Hypertonie
Bewegungsmangel, Adipositas
chronischen Nierenerkrankungen
regelmäßige Einnahme von NSAR und/oder Paracetamol
Bei wieviel Prozent der Patienten mit Divertikulose tritt eine Divertikelblutung auf? Wie sieht der Schweregrad dabei aus?
bei ca. 5%
Schweregrad von blutigem Stuhl bis hämorrhagischem Schock (ggf. mit Transfusionsbedarf)
bei älteren Patienten ist dies eine häufige Ursache einer schweren unteren Gastrointestinalblutung!
Welche Arten der Perforation in Folge einer Divertikulitis unterscheidet man?
gedeckte Perforation mit Abszessbildung um parakolischen Raum und im Douglas-Raum (z.B. Psoas-Abszess)
freie Perforation (es gelangt freie Luft in das Abd.)
Zu was führen Darmstenosierungen (die als Komplikation einer Divertikulitis auftreten können)?
Können zu Passagestörungen mit rezidivierenden Bauchschmerzen, Obstipation und/oder paradoxen Diarrhö sowie zur Entwicklung eines Dickdarmileus führen.
Nenne fünf mögliche Komplikationen einer Divertikulitis!
Perforation / Peritonitis: meist handelt es sich um eine gedeckte Perforation. Freie Luft im Abdomen oder eine diffuse Peritonitis weisen auf eine offene Perforation hin
Stenose: Je nach Ausprägung der Stenose finden sich Subileus- bis Ileuszeichen
Blutung: Eine Blutung bei Divertikulitis ist sehr selten und häufig selbstlimitierend (ca.90%)
Abszess: druckschmerzhafte Resistenz im linken Unterbauch mit ausgeprägter Leukozytose und septischen Temperaturen, evtl. Vorliegen weiterer Sepsiszeichen
Fistelbildung: z.B. in Blase (Pneumaturie, therapieresistente HWI, Dysurie), Vagina und Dünndarm
Was können Spätfolgen von (insb. rezidivierender) Divetikulitiden sein?
Fistelbildungen
v.a. kolovesikale Fisteln, die sich durch Luft oder Stuhl im Urin sowie rezidivierenden HWI äußern.
Seltener sind kolokutane oder koloenterale Fisteln
Anamnese und körperliche Untersuchung bei Verdacht auf vorliegende Divertikulose:
Anamnese:
Berichte über Stuhlunregelmäßigkeiten (z.B. chronische Obstipation)
Hämatochezie (frisches Blut im Stuhl) oder eine Anämie können Zeichen einer Divertikelblutung sein
Appendektomie erfragen und ausschließen!
körperliche Untersuchung:
druckschmerzhafte Walze (Resistenz) im li. Unterbauch
rektale Paplation des Douglas-/Proust-Raums häfug schmerzhaft
lokalisierte Abwehrspannung → weist auf schwere Verläufe mit Peridivertikulitis hin
lokaler Peritonismus oder lokale Dermatonie sind Zeichen für eine gedeckte Darmwandperforation
eine freie Darmperforation mit diffuser Peritonitis führt zum Bild eines akuten Absomens (“Linksappendizitis”)
Labordiagnostik einer Divertikulitis:
Leukozytose mit Linksverschiebung
Erhöhung von CRP (!)und BSG
Diagnose muss bildgebend gesichert werden!
Bei Nachweis von größeren Abszessen, die sonografisch- oder CT-gesteuert punktiert werden müssen, erfolgt ein mikrobiologischer Errergernachweis im Abszesspunktat (z.B. E. coli)
Apparative Diagnostik einer Divertikulose des Kolons:
koloskopisch oft als Zufallsbefund
Apparative Diagnostik einer Divertikulose des Dünndarms:
oft Zufallsbefund
im Bereich des Duodenums im Rahmen einer Ösophagogastroduodenoskopie
im Jejunum und Ileum evtl. im Rahmen einer Kapselendeskopie
Apparative Diagnostik von Divertikeln im Dick- und Dünndarm:
asymptomatische Divertikel nachweisbar:
sonografisch
CT-morphologisch
bei oraler und ggf. rektaler Kontrastmittelgabe sind die Divertikel radiologisch als Kontrastmittelgefüllte Aussackungen erkennbar.
Definition echte Divertikel
Ausstülpungen aller Wandschichten des Darmes mit bevorzugter Lokalisation im Zäkum und Colon ascendens; meist solitär
Definition Pseudodivertikel
Ausstülpungen
nur der Schleimhaut (Mukosa und Submukosa)
durch die Muscularis propria
mit bevorzugter Lokalisation im Sigma und Colon descendens;
Meist multipel
Synonyme: Graser-Divertikel, falsche Divertikel, Pulsionsdivertikel
Diagnostik einer akuten unkomplizierten, akut komplizierten und chronischen Divertikelkrankheit:
Sono oder CT
Kolo NUR im weiteren Verlauf, NACHDEM die Entzündung abgeklungen ist, weil dabei das Verletzungsrisiko viel zu groß ist
Danach aber dann auch wirklich durchführen, um ein Karzinom auszuschließen (wenn Divertikel vorhanden sind, ist auch das Risiko eines Colon-Ca erhöht)
Therapie einer akuten unkomplizierten Sigmadivertikulitis:
konservativ:
Ernährungsberatung
Medis: Antibiotika (kein Muss) und Schmerzmittel (Muss)
Therapie einer akuten komplizierten Divertikulitis:
Stationäre antiinfektive Behandlung
Geeignete Antibiotika:
Gyrasehemmer,
Cephalosporine
Ampicillin
Metronidazol
Wann liegt eine absolute Indikation (dreiseitige OP) bei Divertikulitis vor?
Peritonitis
Perforation
Wann liegt eine dringliche Indikation (2-zeitige OP) bei Divertikulitis vor?
Fisteln
Divertikulitistumor
Wann liegt eine relative Indikation (1-zeitige OP) bei Divertikulitis vor?
Rezidivierende Divertikulitis
Wie sehen die Prognosen einer unkomplizierten und komplizierten Divertikulitis aus?
unkomplizierte mit guter Prognose
Komplizierte hat eine Letalität von 2%
Bei 25% aller Divertikelblutungen muss mit Blutungsrezidiven gerechnet werden
Welche zwei Klassifikationssysteme sind bezüglich der Divertikulose bekannt?
Hansen und Stock
CDD (Neuer und relevanter, evtl sagt das KH aber, dass man die Klassifikation nach H&S kennen soll)
Wie kann eine Divertikelblutung koloskopisch behandelt werden?
z.B. durch Clipping und/oder Unterspritzen mit Adrenalin
Nenne alle Indikationen für die Durchführung einer OP bei Divertikulitis / Divertikelblutung in der Reihenfolge von elektiv-dringlich-Notfall!
Elektiv
Rezidivierende Divertikulitiden (CDD Typ 3b und c)
Erfolgreich konservativ behandelte komplizierte Divertikulitis (CDD Typ 2b)
Dringlich
Konservativ oder via Drainage nicht zu behandelnde komplizierte Divertikulitis (CDD Typ 2a oder b)
Stenosen
Notfall
Freie Perforation (CDD Typ 2c),
Ileus
Starke, konservativ oder koloskopisch nich zu beherrschende Darmblutungen
Wann und wie verläuft eine elektive OP bei vorliegen einer Divertikulitis?
erfolgt nach vollständiger Ausheilung (d.h. nach ca. 4-6 Wochen)
Laparoskopisch einzeitige Sigmaresektion mit primärer Darm-Anastomosierung
Dient der Vermeidung divertikulitisbedingter Komplikationen und Beschwerden
Wie erfolgt der Eingriff bei einer komplizierten Divertikulitis mit Abszess, die konservativ oder via Punktion nicht behandelt werden kann?
laparoskopische oder offene Resektion des betroffenen Darmstückes
Der Verschluss nach Segmentresektion erfolgt mittels primärer Anastomisierung
Die Anlage eines protektiven Ileostomas kann erfolgen
Wie erfolgt der Eingriff bei einer freien Perforation mit dann zumeist vorliegender Peritonitis?
Diskontinutätsresektion nach Hartmann
Ausleitung des Darmes über ein endständiges protektives Descendostoma (Anus praeternaturalis) oral der Resektionsstelle mit Blindverschluss des Rektums
Peritoneral-Lavage (mit aufgewärmtem NaCl) bei Peritonitis
Nach Abheilung (bei günstigem Verlauf nach 12-16) Wochen Rückverlagerung des protektiven Stromas mit End-zu-End-Anastomose
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