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Corporate Finance & Household Finance

HK
von Hannah K.

Erklären Sie die theoretischen Modelle, die das Phänomen des Underpricing erklären. Wann ist Underpricing hoch und wann ist es niedrig?

  1. Allgemein: Verschiedene asymmetrische Informationsverhältnisse zwischen Emittenten, Underwritern und Investoren führen zu Underpricing.

  2. Winner’s Curse Hypothese:

    • Informierte Investoren beteiligen sich bevorzugt an attraktiven IPOs (unterbewertete Aktien) und meiden unattraktive IPOs (überbewertete Aktien).

    • Uninformierte Investoren hingegen erhalten bei unattraktiven IPOs eine größere Zuteilung, weil die Nachfrage der informierten Investoren in solchen Fällen gering ist.

    • Ergebnis: Uninformierte Investoren erhalten einen höheren Anteil an unattraktiven Angeboten und erzielen im Durchschnitt schlechtere Renditen. Dies wird als „Fluch des Gewinners“ bezeichnet, weil sie zwar die Aktien „gewinnen“, jedoch häufig eine niedrige oder negative Rendite erzielen.

    • Underpricing wirkt als Mechanismus, um uninformierte Investoren trotz des Fluchs des Gewinners zu ermutigen, sich an IPOs zu beteiligen und sie für das Risiko eines schlechten Börsengang zu kompensieren.

  3. Market Feedback Hypothese:

    • Für die Preisgestaltung von Börsengängen werden Informationen über das Unternehmen und auch über den Markt, d.h. potentielle Investoren benötigt.

    • Die unverbindlichen Gebote oder Interessenbekundungen institutioneller Investoren bilden die Grundlage für die Festlegung des Angebotspreis des Emittenten.

    • Investmentbanken unterpreisen, um positive Informationen von Investoren zu erhalten.

    • Höheres Underpricing tritt auf, wenn der Angebotspreis nach oben korrigiert wird, basierend auf den positiven Informationen der Investoren.

  4. Signalling Hypothese:

    • Unternehmen unterpreisen ihre Aktien, um vor dem Markt ihre hohe Qualität zu signalisieren und zukünftige Kapitalerhöhungen zu höheren Preisen durchzuführen.

    • Nur von Unternehmen mit hoher Qualität kann erwartet werden, dass sie den Verlust wieder wettmachen kann.

Welche empirischen Belege für IPOs haben Sie in der Vorlesung gelernt? (Rolle des Underwriters, Einfluss von Risikokapital, Regulierung und institutionelles Umfeld, Offenlegung von Risikofaktoren)

Rolle des Underwriters:

  • Höhere Reputation des Underwriters führt zu höherem Underpricing, da diese eine bessere Analystenabdeckung bieten können.

  • Soziale Bindungen zwischen der Investmentbank und dem Unternehmen vor dem IPO spielen eine Rolle bei der endgültigen Platzierung und können zu höheren Entschädigungen für die Bank führen.

  • Vorbestehende Beziehungen zwischen dem Unternehmen und dem Underwriter (z.B. durch Kreditvergabe) reduzieren das Underpricing, was auf eine Verringerung der Informationsasymmetrie hinweist.

Einfluss von Risikokapital:

  • Risikokapital unterstützt durch R&D (Forschung und Entwicklung) führt zu geringeren Underpricing-Raten aufgrund der Reduzierung von Informationsasymmetrien und positiver Signaleffekte.

Regulierung und institutionelles Umfeld:

  • Der Sarbanes-Oxley Act von 2002 reduzierte das Underpricing, erhöhte jedoch die IPO-Kosten aufgrund gestiegener Transparenzanforderungen.

  • Länder mit stärkerem Schutz von externen Investoren zeigen höheres Underpricing, aber bessere Rechtsdurchsetzung und höhere Transparenz reduzieren es.

  • Staatliche Unternehmen haben oft höheres Underpricing als private Firmen.

Offenlegung von Risikofaktoren:

  • Die Offenlegung von Risikofaktoren hat einen Einfluss auf die Höhe der Unterbewertung → Sie enthält wesentliche Informationen zu zusätzlichen Unsicherheiten und Risiken im Zusammenhang mit dem Börsengang

  • Sie beeinflusst auch mögliche Rechtsstreitigkeiten in Bezug auf die Prospekthaftung → Die Unterbewertung dient der Absicherung des mit der Prospekthaftung verbundenen Prozessrisikos; Erweiterung der offen gelegten Risikofaktoren zur Minderung der Wahrscheinlichkeit wesentlicher Auslassung durch den Emittenten und den Underwriter

  • Risiken im Zusammenhang mit laufenden Gerichtsverfahren haben den größten positiven Einfluss auf die Höhe der Unterbewertung

  • Emittenten neigen dazu, alle möglichen Risikofaktoren in ihren Prospekten offen zu legen, um das Prozessrisiko zu minimieren

Modell von Großmann/Stiglitz:

a) Beschreiben Sie Ansatzpunkt und Aufbau des Modells von Grossman/Stiglitz zur Lösung und Überwindung des Informationsparadoxons.

b) Nennen Sie die aus der Vorlesung bekannten 7 Modellaussagen, die für das Modell bewiesen wurden. Unter welchen Voraussetzungen gelten diese?

a) Ansatzpunkt und Aufbau des Modells

Das Modell zeigt, dass in einem Markt mit Noise und Informationskosten die Marktteilnehmer Anreize haben, kostenpflichtige Informationen zu erwerben. Der Markt erreicht ein Gleichgewicht, in dem informierte und uninformierte Händler koexistieren.

Ansatzpunkte:

  • Information durch Noise verrauscht

  • Keine strenge Informationsinneffizienz

  • Durch Noise entsteht Anreiz, kostenpflichtige Informationen zu erwerben

  • Noisy rational expectations equilibrium - alle Marktteilnehmer handeln rational

Modellaufbau:

  • Kapitalmarkt mit nur zwei Arten von Wertpapieren:

    • Ein Papier mit sicherer Rückzahlung 𝑅

    • Ein Papier mit unsicherer Rückzahlung: 𝑢 = 𝜃 + 𝜀

  • 𝜃 kann jeder beobachten, wenn er dafür Kosten in Höhe von c aufwendet.

  • 𝜀 ist für niemanden beobachtbar.

  • 𝜃 ist eine Näherung für 𝑢, und 𝜀 ist der Fehler bei der Beobachtung.

  • Anteil 𝜆 der Marktteilnehmer erwirbt die Information über 𝜃

    → Informierte Marktteilnehmer

b) Sieben Modellaussagen

  1. Höherer Anteil informierter Händler steigert Informationsgehalt.

  2. Höherer Anteil informierter Händler senkt das Verhältnis von erwartetem Nutzen.

  3. Steigende Kosten reduzieren den Anteil informierter Händler.

  4. Höhere Qualität der Information erhöht die Preissensitivität.

  5. Größerer Noise reduziert Informationsgehalt.

  6. Ohne Noise herrscht Informationseffizienz.

  7. Märkte werden illiquider bei extremer Informiertheit.

Erwartungsnutzentheorie:

a) Was ist die Entscheidungsgrundlage der Erwartungsnutzentheorie?

b) Nennen Sie die drei zu Grunde liegenden Axiome und erklären Sie diese anhand eines Beispiels.

c) Skizzieren Sie die Nutzenfunktion für risikofreudige, risikoneutrale und risikoscheue Anleger und begründen Sie die Lage der Kurven mit Bezug auf das Risikopotential.

a) Entscheidungsgrundlage der Erwartungsnutzentheorie:

Entwicklung von Axiomensystemen zur Ableitung einer Präferenz.

Die Entscheidungsgrundlage der Erwartungsnutzentheorie ist die Maximierung des Erwartungsnutzens, basierend auf den Präferenzen des Entscheiders für riskante Alternativen.

Die Nutzenfunktion bildet den Erwartungsnutzen ab.

Jeder Konsequenz wird durch die Nutzenfunktion eine reelle Zahl zugeordnet, die sowohl Einstellung zum Wert der Konsequenz als auch das Risikoverhalten abbildet.

Das Erwartungsnutzenkriterium ist nicht willkürlich.

b) Drei Axiome der Erwartungsnutzentheorie

  • Vollständigkeit: Für jedes Lotteriepaar a und b gilt a>b oder b>a. Beispiel: Ein Anleger kann immer entscheiden, ob er Aktie A oder Aktie B bevorzugt.

  • Transitivität: Wenn a>b und b>c, dann gilt auch a>c. Beispiel: Bevorzugt ein Anleger Aktie A vor B und B vor C, dann bevorzugt er auch A vor C.

  • Stetigkeit: Wenn a>b>c, dann gibt es eine Wahrscheinlichkeit p, bei der b~pa+(1-p)*c

  • Unabhängigkeit: Wenn a>b, dann gilt auch p⋅a+(1−p)⋅c>p⋅b+(1−p)⋅c für alle c. Beispiel: Wenn ein Anleger eine sichere Auszahlung von 100 EUR einer Lotterie vorzieht, wird er dies auch dann tun, wenn beide Optionen um die gleiche unsichere Komponente erweitert werden.

c) Nutzenfunktionen für verschiedene Risikoeinstellungen

  • Risikoneutral: Linearer Verlauf, Nutzen steigt proportional mit der Auszahlung.

  • Risikofreudig: Konvexer Verlauf, Nutzen steigt überproportional mit der Auszahlung.

  • Risikoscheu: Konkaver Verlauf, Nutzen steigt unterproportional mit der Auszahlung.

Das Unternehmen XY fürchtet eine feindliche Übernahme, welche mit einer Wahrscheinlichkeit von 2% eintritt. Daher entwickelt es einen HTO-Indikator, der die Börsendaten analysiert und warnt, wenn ein feindlicher Übernahmeversuch bevorsteht. Allerdings erkennt der Indikator 8% der geplanten Übernahmen nicht und warnt in 5% der Fälle, in denen gar keine Übernahme geplant ist. Das Unternehmen möchte sich sicher sein, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 80% tatsächlich eine Übernahme bevorsteht, wenn der Indikator ein Warnsignal gibt. Erfüllt der entwickelte Indikator diese Bedingung?

Um festzustellen, ob der Indikator die Bedingung erfüllt, dass eine Übernahme mit mindestens 80% Wahrscheinlichkeit korrekt vorhergesagt wird, wenn der Indikator warnt, verwenden wir das Bayes-Theorem.

Gegeben:

  • Grundwahrscheinlichkeit einer feindlichen Übernahme (P(U)): 2% oder 0,02

  • Grundwahrscheinlichkeit keiner feindlichen Übernahme (P(¬U)): 98% oder 0,98

  • Wahrscheinlichkeit, dass der Indikator vor einer Übernahme warnt, wenn eine Übernahme bevorsteht (P(W∣U)): 92% oder 0,92

  • Wahrscheinlichkeit, dass der Indikator fälschlicherweise vor einer Übernahme warnt (P(W∣¬U)): 5% oder 0,05

Anwendung des Bayes-Theorems:

Das Bayes-Theorem lautet: P(U∣W)=P(W∣U)⋅ P(U)/P(W)

Berechnung von P(W):

P(W)=P(W∣U)⋅P(U)+P(W∣¬U)⋅P(¬U)

Berechnung von P(W):

P(W)=(0,92⋅0,02)+(0,05⋅0,98)

P(W)=(0,0184)+(0,049)

P(W)=0,0674

Berechnung von P(U∣W):

P(U∣W)=P(W∣U)⋅P(U)/P(W)

P(U∣W)=0,92⋅0,020,0674

P(U∣W)=0,01840,0674

P(U∣W)≈0,273

Ergebnis:

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Übernahme bevorsteht, wenn der Indikator warnt, beträgt etwa 27,3%. Diese Wahrscheinlichkeit ist deutlich niedriger als die geforderte Bedingung von 80%.

Fazit:

Der entwickelte Indikator erfüllt die Bedingung nicht, da er eine Übernahme nicht mit mindestens 80% Wahrscheinlichkeit korrekt vorhersagt, wenn er warnt.

Bennenen Sie die vier Arten von IPOs inkl. Definition, Zweck und Vorteile.

1. Carve-Outs

  • Definition: Art von Börsengang, bei dem ein Unternehmen einen Minderheitsanteil einer Tochtergesellschaft an die Öffentlichkeit verkauft, während es die Mehrheit der Anteile behält.

  • Zweck: Dies ermöglicht es dem Mutterunternehmen, Kapital zu beschaffen, während es weiterhin die Kontrolle über die Tochtergesellschaft behält.

  • Vorteile:

    • Das Mutterunternehmen kann von der Bewertung der Tochtergesellschaft profitieren, ohne die Kontrolle zu verlieren.

    • Die Tochtergesellschaft erhält direkten Zugang zu Kapitalmärkten und kann eigenständig wachsen.

    • Neues, unabhängiges, öffentlich gelistet Unternehmen aus der bereits existierenden Muttergesellschaft.

2. Spin-Offs

  • Definition: Transaktion, bei der ein Unternehmen eine Tochtergesellschaft abspaltet, indem es die Aktien der neuen, unabhängigen Gesellschaft kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr an die bestehenden Aktionäre verteilt.

  • Zweck: Dies geschieht oft, um den Wert der Tochtergesellschaft zu realisieren und die strategische Fokussierung zu verbessern.

  • Vorteile:

    • Ermöglicht es den Investoren, gezielter in spezialisierte Geschäftsbereiche zu investieren.

    • Das Management der Tochtergesellschaft kann sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

    • Neues, unabhängiges, öffentlich gelistet Unternehmen aus der bereits existierenden Muttergesellschaft.

    • Eigenständiger Teil ist oft profitabler.

3. Direct Listings

  • Definition: Bei einem „Direct Listing“ geht ein Unternehmen an die Börse, ohne neue Aktien auszugeben oder Underwriter zu engagieren. Stattdessen werden bestehende Aktien direkt an der Börse gehandelt.

  • Zweck: Dies ermöglicht es bestehenden Aktionären, ihre Anteile zu verkaufen, ohne dass das Unternehmen zusätzliche Mittel aufnimmt.

  • Vorteile:

    • Kosteneinsparungen durch den Verzicht auf Underwriting-Gebühren.

    • Keine Verwässerung des Aktienbestands, da keine neuen Aktien ausgegeben werden.

    • Keine Investmentbanken → Weniger Regulation, schneller Prozess

    • Keine neuen und somit limitierte Anzahl an Aktien.

4. SPACs (Special Purpose Acquisition Companies)

  • Definition: Ein SPAC ist ein Unternehmen, das gegründet wird, um durch einen Börsengang Kapital zu beschaffen und dann ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen.

  • Zweck: SPACs bieten eine alternative Methode für private Unternehmen, an die Börse zu gehen, ohne den traditionellen IPO-Prozess durchlaufen zu müssen.

  • Vorteile:

    • Schnellerer und potenziell sicherer Weg an die Börse für private Unternehmen.

    • Investoren in SPACs haben die Möglichkeit, in ein bereits identifiziertes Zielunternehmen zu investieren.

Nennen und erklären Sie Arten heuristisch bedingter Verzerrungen.

  • „Heuristisch“ bezieht sich auf den Prozess, durch den Entscheider selbst etwas herausfinden, meist durch „Trial & Error“.

    → Faustregel = Heuristik

Ziel:

  • Identifikation der Prinzipien, nach denen Faustregeln entwickelt werden.

  • Aufdecken systematischer Fehler, die mit solchen Faustregeln verbunden werden.

  • Verfügbarkeitsheuristik:

    • Regel der Verfügbarkeit: Das Ausmaß, in dem Informationen leicht zugänglich sind

  • Repräsentativitätsheuristik:

    • Führt dazu, dass Menschen Wahrscheinlichkeiten basierend auf der Ähnlichkeit eines Ereignisses zu bekannten Prototypen einschätzen.

    • Gamblers Fallacy (Spielerfehlschluss): Logischer Fehlschluss, dem die falsche Vorstellung zu Grunde liegt, ein zufälliges Ereignis werde wahrscheinlicher, wenn es längere Zeit nicht eingetreten ist oder unwahrscheinlicher, wenn es kürzlich oder gehäuft eingetreten ist.

    • Monte-Carlo-Effekt: Ein Trugschluss, dass in einer langen Sequenz von unabhängigen Ereignissen eine Art Ausgleich stattfinden muss

  • Overconfidence:

    • Overconfidence führt dazu, dass Individuen ihre Fähigkeiten überschätzen.

    • Diese Selbstüberschätzung kann zu suboptimal Entscheidungen führen.

    • Self-serving Bias: Überbewertung der eigenen Fähigkeiten

    • Kontrollillusion: Da auf unsicheren Finanzmärkten Kontrolle faktisch unmöglich ist, wird eine Kontrollillusion aufgebaut, um mentale Konflikte zu vermeiden.

Erkenntnisse:

  • Klare Akzeptanz für die Idee der Regression zum Durchschnitt.

  • Ein realistischer Schätzer für die zukünftige Rendite ist eine durchschnittliche.

  • Das eigentliche Problem in diesem Kontext ist die falsche Interpretation beim Gesetz des Durchschnitts (= Gesetz der großen Zahlen).

  • Viele Anleger denken, das Gesetz des Durchschnitts bezieht sich nicht nur auf große Stichproben, sondern auch auf kleine.

Author

Hannah K.

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