Definition Epilepsie
Gruppe heterogener Erkrankungen des Gehirns mit einer Übererregbarkeit von Neuronen (insb. der Hirnrinde). Folge ist eine anhaltende Prädisposition für anfallsartige, exzessive oder synchronisierte Aktivitäten von Nervenzellverbänden, die sich als epileptische Anfälle äußern
Kriterien der Epilepsie
Mind. 1 der folgenden Faktore
≥2 nicht provozierte Anfälle, zwischen denen mehr als 24 h liegen
1 nicht provozierter Anfall/Reflexanfallund erhöhtes Risiko für weitere Anfälle
Allgemein mögliche Ursachen der Epilepsie
Genetisch
idiopathisch
Strukturell morphologisch
symptomatisch
Kryptogen
Provoziert
Erworbene Ursachen der Altersgruppe <10 J.
Fieber,
Infektionen
Frühkindlicher Hirnschaden
Traumata
Erworbene Ursachen der Altersgruppe 10-25 J.
Erworbene Ursachen der Altersgruppe 25-60 J.
Hirntumore
zerebrale Entzündungen
chronischer Alkoholabusus
Erworbene Ursachen der Altersgruppe >60 J.
Zerebrovaskuläre Störungen
Hirnmetastasen, -tumore
Welche Anfallsformen (in kürze) gibt es?
fokal
generalisiert
mit unklarem Beginn
Bewusstsein bei der fokalen Anfallsform
mit erhaltenem Bewusstsein
mit eingeschränktem Bewusstsein
Wie kann der Beginn bei der fokalen Anfallsform sein?
Beginn mit motorischen Symptomen:
Automatismen,
atonisch,
klonisch,
epileptische Spasmen,
hyperkinetisch,
myoklonisch,
tonisch
Beginn mit nicht motorischen Symptomen:
autonome Symptome,
Verhaltensarrest,
kognitiv,
emotional,
sensorisch (häufig als „Aura“ bezeichnet)
Wie kann sich die fokale Anfallsform entwicklen?
fokal zu bilateral tonisch-klonisch
Welche motorischen Symptome hat die generalisierte Anfallsform?
tonisch-klonisch,
tonisch,
myoklonisch-tonisch-klonisch,
myoklonisch atonisch,
epileptische Spasmen
Welche nicht-motorischen Symptome hat die generalisierte Anfallsform?
es handelt sich also um Absencen
typisch,
atypisch,
Augenlidmyoklonien
Welche motorischen und nicht-motorischen Symptome hat die Anfallsform mit unklarem Beginn?
motorisch:
nicht motorisch: Verhaltensarrest
nicht klassifizierbar
Wonach teilt man die Art der Epilepsie ein?
kombiniert fokal und generalisiert
nicht klassifizierbar.
Was passiert bei dem Jackson-Anfall?
motorische Phänomene breiten sich innerhalb kurzer Zeit aus
Was passiert bei der Todd’schen Lähmung?
postiktal vorübergehende Lähmung des betroffenen Muskels, evtl. auch als Aphasie
Was passiert beim sensiblen Jackson-Anfall?
fokale Sensibilitätsstörungen
Wie können sich fokale Anfälle mit erhaltendem Bewusstsein zeigen?
lokal begrenzte klonische (= rhythmische) oder myoklonische (arrhythmische) Muskelzuckungen
Jackson-Anfall
Todd'sche Lähmung
sensibler Jackson-Anfall
visuelle, akustische, olfaktorische oder gustatorische Phänomene (z.B. Lichtblitze, Flimmern, Farbeindrücke), die teilweise auch als „Aura“ bezeichnet werden
Blickwendung beider Augen zur Gegenseite bei vom Frontallappen ausgehendem Anfall („déviation conjuguée“)
vegetative Phänomene (z.B. anfallsartige Phänomene wie Tachykardie und Schweißausbruch)
Wie zeigen sich fokale Anfälle mit eingeschränktem Bewusstsein?
häufig mit einer sog. Aura
Bewusstseinsstörung
stereotype Bewegungen, starrer Blick und lange Reorientierungsphase
der Patient kann wach wirken, er hat jedoch meist eine Amnesie für das Ereignis.
Welche Aura-Formen gibt es?
Veränderungen des Sprechens
gustatorische Aura
olfaktorische Aura
akustische Aura
apigastrische Aura
somatosensible Aura
visuelle Aura
motorische Aura
Wie zeigen sich generalisierte tonisch-klonische Anfälle?
Generalisierte (bilaterale) tonisch-klonische Anfälle (ohne fokales Anfangsstadium).
plötzlicher Bewusstseinsverlust (häufig mit Sturz -> Frakturen, Luxationen)
Begleitet von bis zu 2 Minuten andauernden, generalisierten (synchronen), erst tonischen, dann klonischen Bewegungen
Pupillen sind im Anfall weit und lichtstarr, evtl. subkonjunktivale Einblutung
die Atmung ist vertieft, teilweise kann auch eine Apnoe vorliegen.
Zungenbiss und/oder Wangenbiss
Einnässen und ggf. Stuhlabgang
Postiktal typischerweise schläfrig (sog. „Terminalschlaf“) oder verwirrt und brauchen einige Zeit, um sich wieder orientieren zu können.
Muskelschmerzen (CK ↑)
Amnesie
Was versteht man unter der kindlichen Absence Epilepsie?
Plötzliche, kurzzeitige (wenige Sekunden) Bewusstseinsstörung, die sich häufig wiederholt. Die Kinder unterbrechen ihre Tätigkeiten kurzzeitig und nehmen sie nach dem Anfall wieder auf. In der Schule zeigen die Kinder häufige Phasen von Unaufmerksamkeit und geistiger Abwesenheit, welche auf die Anfälle zurückzuführen sind („Träumer“).
Typische Merkmale der kindlichen Absence Epilepsie
plötzliche Bewusstseinsstörung mit einer Dauer von 4–20 Sekunden (meist 10 Sekunden)
abrupter Beginn und abruptes Ende
überwiegend vormittags und bei Müdigkeit
gehäuft im Tagesverlauf mit bis zu > 100 Anfällen pro Tag
durch Hyperventilation auslösbar
Kinder meist normal entwickelt.
Was sind systematische Auswirkungen eines Status epilepticus?
exzessive Muskelarbeit/-anspannung
Ventilationsstörung
massive Katecholaminausschüttung
Capillary leak und disseminierte intravasale Gerinnung
Was sind Folgen der exzessiven Muskelarbeit/-anspannung?
Frakturen,
Gelenkluxation,
metabolische Azidose,
Laktatazidose,
Hyperthermie,
CK-Anstieg,
evtl. Rhabdomyolyse.
Dadurch kann es zur akuten Niereninsuffizienz und/oder Elektrolytstörungen (Hyperkaliämie, Hyponatriämie) kommen
Was sind Folgen der Ventilationsstörung?
respiratorische Azidose,
Hypoxie
Was sind Folgen der massiven Katecholaminausschüttung?
hypertensive Entgleisung,
akute Herzinsuffizienz bis akutes Herzversagen,
Herzrhythmusstörungen,
pulmonaler Hypertonus,
neurogenes Lungenödem
Was sind Folgen des Capillary leak und der disseminierten intravasale Gerinnung?
Multiorganversagen
Was sollte man im Allgemeinen zur Therapie der Epilepsie wissen?
Die meisten Anfälle sind nach 3–5 min selbstlimitierend.
Eine medikamentöse Soforttherapie ist nur indiziert, wenn ein Anfall länger anhält oder ein weiterer Anfall zwingend verhindert werden muss (z.B. bei schweren Verletzungen im Rahmen des ersten Anfalls).
Anfallsprophylaxe
fokale Anfälle:
Lamotrigin (v.a. für ältere Pat.)
Levetiracetam
Lacosamid
generalisierte Anfälle:
Valproinsäure,
Lamotrigin,
Levetiracetam (off label)
Abcensen:
Ethosuximid
Basismaßnahmen in der Stufentherapie des Status epilepticus
Atemwege freihalten
Intubationsbereitschaft sicherstellen
O2-Insufflation
i.v. Zugang
Blutentnahme
BZ und BGA
Stufe 1 in der Stufentherapie des Status epilepticus
5 Minuten nach Anfallsbeginn: Benzodiazepin Bolusgabe;
nur ein Wirkstoff, Unterdosierung vermeiden
vorzugsweise i.v. Gabe
Medikamente der Stude eins in der Stufentherapie des Status epilepticus (bei i.v. Zugang)
Lorazepam 0,1mg/kgKG oder
Clonazepam 0,015mg/kgKG oder
Midazolam 0,2mg/kgKG oder
Diazepam 0,15-0,2mg/kgKG
Medikamente der Stufe 1 in der Stufentherapie des Status epilepticus (bei fehlendem i.v. Zugang)
Midazolam i.m. 10mg/Bolus oder
Diazepam rektal (einmalig!) 0,2-0,5mg/kgKG oder
Midazolam bukkal 5.10mg/Bolus
Allgemeine Dinge, die man sich zu der Stufe 2 in der Stufentherapie des Status epilepticus merken sollte
bei Benzodiazepin-refraktärem SE
Antikonvulsiva-Aufsättigung i.v.
max. 30 Min. nach Therapiebeginn
Mehrere Wirkstoffe nacheinander einsetzbar
Was sind Medis der 1. Wahl bei Stufe 2 in der Stufentherapie des Status epilepticus?
Levetiracetam 60mg/kgKG über >10Min.
Valporat 40mg/kgKG >10Min.
Fosphenytoin 20mg/kgKg >10Min.
Was sind Medis der 2. Wahl bei Stufe 2 in der Stufentherapie des Status epilepticus?
Phenytoin 20mg/kgKG (über seperaten Zugang!)
Phenobarbital 15-20mg/kgKG
Lacosamid 5mg/kgKG über 15-30Min.
Allgemeine Dinge, die man sich zu der Stufe 3 in der Stufentherapie des Status epilepticus merken sollte
bei refraktärem SE: Intubationsnarkose auf ITS
max. 60 Min. nach Therapiebeginn
unter kontinuierlichem EEG-Monitoring (Ziel: Burst-Suppression-Muster)
Medis, die in Stufe 3 in der Stufentherapie des Status epilepticus genutzt werden
Propofol 2mg/kgKG Bolus
Stufe 4 der Therapie eines Status
Nur nach individueller intensivmedizinischer Therapieentscheidung
Ketamin i.v.
Hochdosierte Barbiturattherapie, i.d.R. Thiopental i.v
Inhalationsnarkotika, z.B. Isofluran
Enterale Antiepileptika-Applikation, z.B. Perampanel oder Topiramat
Epilepsiechirurgie
Elektrokonvulsionstherapie
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