Was bedeutet der Begriff „aktive Ortsbruststützung“ beim Schildvortrieb?
Von aktiver Ortsbruststützung spricht man, wenn die Stützung der Ortsbrust über Flüssigkeit oder Erdbrei realisiert wird.
Durch die „aktive Ortsbruststützung“ ist ein weitgehend setzungsfreier Vortrieb möglich.
Schildvortriebsarten (flüssigkeitsgestützt und erddruckgestützt) – unterscheiden hinsichtlich Stützung und Abtransport des abgebauten Bodens
EPB (Erddruckgestützt)
Stützung
durch Erdbrei (Boden —> konditioniert mit Wasser / Schaum / Polymeren)
—> dient als plastisches Stützmedium
Durch Schneidrad gelangt Boden in Abbaukammer
Druckregelung: Aktive Steuerung des Ortsbrustdrucks über Schneckendrehzahl (Austragsrate) und Vortriebsgeschwindigkeit.
Abtransport: Über die Schnecke wird der Boden dosiert aus der Druckkammer gefördert, anschließend über Förderband oder Muldenwagen abtransportiert.
Probleme: Grobe Blöcke, Findlinge oder trockene, nicht plastische Böden können den Fluss behindern.
Geeignete Böden:
bindige Böden (Ton, Schluff)
feinsandige Böden mit genügend Feinanteil
geringer bis mittlerer Grundwasserdruck (bis ca. 3–4 bar)
kf < 10⁻⁴ … 10⁻⁶
Flüssigkeitsgestützt (Slurry-/Mixshield-Verfahren)
Stützung:
Die Ortsbrust wird durch eine Stützflüssigkeit (Suspension, meist Bentonit) gestützt. Diese bildet im Boden einen Filterkuchen und leitet so den Wasser- und Erddruck aus.
Druckregelung:
Aktive Einstellung über Flüssigkeitssäule (hydrostatischer Druck) und Pumpen
Abtransport:
Abraum wird mit Suspension vermischt und über eine Spülleitung hydraulisch zur Separationsanlage gefördert; dort vom Bentonit getrennt und entsorgt/weitertransportiert.
Unterschiede Slurry / Mix:
Slurryshield: reine Suspension, kein Filterkuchenaufbau
Mixshield: Suspension + gezielter Filterkuchenaufbau für höhere Drücke, besonders bei großem Durchmesser und hohem Grundwasserdruck
Böden:
Slurryshield → nicht bindig, durchlässig (Sand, Kies) → kf ≈ 10⁻⁴
Mixshield → grobkörnig, sehr durchlässig (Kies, grober Sand, heterogener Boden), kf > 10⁻³
Slurry = reine Suspension, Druckluft nur für Sonderfälle (Wertung).
Mixshield = Suspension + Druckluftpolster → stabile Druckregelung + Filterkuchenbildung
Unterscheidung Slurryshield und Mixshield:
Steuerung des Stützdrucks erfolgt über Luftpolster
Abbaukammer mit Suspension gefüllt
Abtransport durch Förderpumpe
Stützsuspension und Abbaugut wird getrennt
danach wieder in Druckkammer
Steinbrecher zerkleinern Steine & Findlinge
Körnungslinie gegeben: Für welche Linie wählt man EPB und für welche Flüssigkeitsstützung?
Clay - Fine Sand
—> EPB-Schild
weicher Baugrund mit niedriger Wasserdurchlässigkeit, kf ≤ 10⁻⁶
Problem mit Stein & Findlingen
Fine Sand - Cobbles
—> Flüssigkeitsgestütztes Schild (Hydro-Schilde)
heterogener Baugrund mit hoher Wasserdurchlässigkeit kf > 10⁻⁶
Sand – Kies
8 km lange Vortriebsstrecke mit weitgehendem Trennflächengefüge und hochabrasiv. Welche Vortriebsart ist erforderlich?
Johannes:
TVM
NÖT
+ 8 km Länge
- 8 km Länge
- hoch abrasiv
+ hoch abrasiv
- Trennflächengefüge
Fazit:
beide Abbauarten möglich, abhängig von weiteren Merkmalen
Sprengungen möglich? → Bebauung beachten
Wasserdruck, Grundwasser?
Standzeit
Bodenbedingung/-art
Homogenität des Bodens
Nina:
Tunnelvortriebsmaschine – zu erwarten: Blöcke & Findlinge.
EPB oder Suspensionsschild?
Suspensionsschild:
eingebauter Steinbrecher zerkleinert Steine
EPB:
Steine & Findlinge können Schnecke blockieren → Abtransport kompliziert
Wie kann man der Gefahr von herausbrechendem Boden begegnen, bevor man mit dem nächsten Abschlag beginnt?
Rohrschirm → bei weichem und setzungsreichem Baugrund → Überlappungen bilden Dach
Anker/Sprieße → SN-Anker / IBO-Selbstbohranker
Vorpfändung → bei nicht bindigem Boden - große Erschütterungen
Ortsbrustsicherung → durch Spritzbeton, Anker, Bewehrung etc.
Was ist die freie Standzeit des Gebirges, und was bestimmt man mit ihr?
Freie Standzeit = tatsächliche Standzeit ohne Sicherung
Faktor zur Bestimmung von Sicherheitsmaßnahmen
—>Abschlagslänge
Einteilung in Gebirgsklassen
Vortriebsklassen
Zeichnen Sie den Verlauf der vertikalen Spannungen am Tunnelquerschnitt und erläutern Sie.
Spannungsumlagerung → größere Spannungen im Randbereich; Primärspannungen σᵥ,primär
Tragwölbe / Tragring des Gebirges bildet sich
Spannungstrajektorien, + Hauptspannungen umfließen Tunnel durch Hohlraum
(rechts oben skizziert: Setzungsmulde entlang der Geländeoberfläche)
Wie groß ist der benötigte Stützdruck?
a) in der Firste
b) in der Sohle
c) aus dem Luftdruckpolster
von Nina:
von Johannes:
Firste – pL = 125 kN/m² − 60 kN/m² = 65 kN/m²
Sohle – pL = 250 − 60 = 190 kN/m²
γsusp · h / 2 = 12 · 10 / 2 = 60 kN/m²
σᵥ,primär = 25 kN/m³ · 200 m = 5000 kN/m²
Gebirgskennlinie gegeben:
In welchem Fall ist der Gebirgsdruck höher?
Gebirgsdruck bei E = 1600 MN/m² höher, da gleiche Setzung bei größerer Steifigkeit
Fall I:
Es,I,Gebirge = 3000 kN/m²
σᵥ = 5000 kN/m²
sI = 20 mm
zugehöriges σr = 250 MN/m²
Fall II:
Es,II,Gebirge = 1000 MN/m²
sII = 70 mm
Setzungen in den Achsen A, B, C, D
mit sA = smax, sB = 0,75 · smax, sC = 0,25 · smax
sA = smax = 20 mm
sB = 0,75 · smax = 15 mm
sC = 0,25 · smax = 5 mm
sD = 0,00 · smax = 0 · 20 = 0 mm
α = tan(10/5000) = 3,49 · 10⁻⁵
zul. α = 1/500 = 2 · 10⁻³ ✓
Nenne Vortriebsarten, bei denen große nachfolgende Verformungen zu erwarten sind: Schildvortrieb oder Spritzbetonbauweise?
Allg.: Verformungen bei Schildvortrieb geringer
Tübbinge werden direkt nach Ausbruch eingebracht
dadurch minimale bis keine Verformungen
Bei NÖT zeitverzögerter Einbau möglich:
Verformungen können sich (im Original schwer leserlich)
größere Spannungen/Lasten durch Verformungen
auch bei Quelldruck möglich
nicht bei TVM möglich
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