Auf wen geht die Dreiteilung der Geschichte in Antike, Mittelalter und Neuzeit zurück?
Diese Dreiteilung der Geschichte geht auf den Leidener Kirchenhistoriker Georg Horn (1620-1670) und Hallenser Historiker Christoph Cellarius (1638-1707) zurück
Auf wen geht der Begriff “Mittelalter” zurück?
Schöpfer des Begriffes “Mittelalter” ist Petrarca, der schon 1373 als erster von medium tempus spricht
Wan begann das Mittelalter und wann endet es?
Die Antike soll mit dem Untergang Westroms (476) oder mit den ersten christlichen Kaisern zu Ende gegangen sein.
Als zeitliche Endpunkte des Mittelalters werden verschiedene historische Ereignisse diskutiert:
Untergang Ostroms (1453)
Entdeckung Amerikas (1492)
Reformation (1517)
Welche Probleme bringen zeitliche Typisierungen des Mittelalters mit sich?
Typisierungen des Mittealters sind besonders unbefriedigend
Nimmt man die ständische Gesellschaft als Kriterium => Ende des Mittelalters mit der franz. Revolution und der durchsetzenden bürgerlichen Gesellschaft
Nimmt man Denker wie Augustinus als Maßstab, so kann man ihn in gleicher Weise an das Ende der Alten Welt wie an den Beginn der Neuzeit stellen => Augustinus ist als Philosoph so modern wie Descartes, als Theologe so “reformatorisch” wie Luther
Wodurch zeichnet sich die Epoche des Mittelalters aus?
Es ist die Epoche, in der sich das imperium Romanum erneuert => durch die Kaiserkrönung Karl des Großen (800)
Es ist die Epoche, in welcher die Kultur der Antike immer wieder neu geboren wird => Burckhardt löste den Begriff “Renaissance” von seiner exklusiven Verbindung mit dem 16. Jh. und ihn auch auf das Mittelalter übertrug
byzantinische Renaissance
karolingische Renaissance
im 13. Jh. wird die Philosophie des Aristoteles wiedergeboren
im 11. Jh. wird das römische Recht stark rezipiert und übernommen
Welche Errungenschaften hat das Mittelalter hervorgebracht, die für die Neuzeit von großer Bedeutung waren?
Ohne das Mittelalter keine blühenden Städte und keine Frühformen moderner Staatlichkeit
ohne den Dualismus von regnum und sacerdotium keine neuzeitliche Freiheit
ohne Dualismus der Kirche und der Kaiserherrschaft kein Begriff der einen Menschheit
ohne die spezifische “Aufklärung des Mittelalters”(Flasch) und die Erfindung der Universitäten keine okzidentale Rationalität
viele der im Mittelalter entstandenen Verfahren und Konsensformen kehren in der Politik der Neuzeit zurück
Ist das Mittelalter nur die Vorwegnahme der Neuzeit?
Gerade am Ausgang der Epoche, bei Denkern wie Ockham, Marsilius oder den Konziliaristen ist die Versuchung groß, nur noch eine Vorwegnahme neuzeitlicher Politik entdecken zu wollen
ABER: wer das Mittelalter nur im Hinblick auf die Suche nach Modernismen liest, wird die spezifischen Voraussetzungen nicht verstehen unter denen man im Mittelalter Politik erfahren und reflektiert hat
Im Mittelalter werden Antikes und Christliches, Religion und Vernunft, Personengebundenes und Sachliches, Ständisches und Individualistisches auf eine eigentümliche Weise miteinander verschmolzen
=> bspw. gilt Armut als ein besonderer Weg zum Heil, Herrschaft wird als Dienst verstanden
Wie ist das Mittelalter als Epoche zu bewerten?
Man muss das Mittelalter nicht entschuldigen => wie jede andere Epoche hat auch sie das Recht aus ihren Eigentümlichkeiten verstanden zu werden
Das Mittelalter war weder der bloße Verfall der Antike noch ist es eine Epoche, die erst in der Neuzeit zu sich kommt
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