Woher kommt die Initiative „4 Promille“ und was ist das Ziel?
von der französischen Regierung ausgearbeitet („4 per 1000“)
vorgestellt bei der Weltklimaverhandlung in Paris (2015)
Unterstützung durch EU-Institutionen (Europäischer Rat, EU-Kommission)
Leitidee: Klimaschutz + Ertragssicherheit durch mehr organischen C im Boden
Welcher Hintergrund wird zum globalen Kohlenstoffkreislauf genannt (2014)?
Emissionen ca. 9,8 Gt C/Jahr
Bindung ca. 5,5 Gt C/Jahr
Nettobilanz: +4,3 Gt C/Jahr
Bodenspeicher weltweit: 1500–2400 Gt C
davon ca. 860 Gt C in den obersten 40 cm
0,4% Zuwachs im Oberboden entspräche ca. 3,4 Gt C/Jahr (als Größenordnung)
Welche Böden/Flächen gelten als relevant für zusätzliche C-Speicherung?
860 Gt C (0–40 cm) beziehen sich auf alle Böden weltweit
Ackerland: ca. 12% der globalen eisfreien Landfläche
degradierte Böden: je nach Definition 1–6 Mrd. ha (≈ 7–44% der Landfläche)
geeignete Landoberfläche nur sehr ungenau abschätzbar
Fokus: landwirtschaftlich genutzte Böden
Welche landwirtschaftlichen Maßnahmen werden als Beispiele für C-Aufbau genannt?
Organische Düngung
Management von Ernteresten
Zwischenfruchtanbau
Fruchtfolge & tiefwurzelnde Pflanzen
Erhalt von Dauergrünland / Umwandlung Acker → Grünland
Vernässung & Schutz von Moorböden
Aufforstung & Agroforstwirtschaft
Was bedeutet „Humusäquivalent“ und wie hängt Humus mit Kohlenstoff zusammen?
Humusäquivalent = Vergleichsgröße für Humusumsatz
Humusäquivalent < 0: Humusabbau
Humusäquivalent > 0: Humusaufbau
Humus besteht zu ca. 58% aus Kohlenstoff
Abbildung zeigt: Kulturen unterscheiden sich stark im Beitrag zum Humusauf-/abbau
Welche Einschränkungen/Anmerkungen zur C-Sequestrierung werden genannt?
C-Sequestrierung ist begrenzt
standortabhängig
führt auch zur Anreicherung weiterer Elemente
Bedarf genauerer Analysen: theoretisch vs. technisch machbar vs. praktisch erreichbar
Umkehrbarkeit der Anreicherungsprozesse möglich
Was ist das Grundkonzept von Humuszertifikaten?
Humus = Gesamtheit abgestorbener organischer Substanz
Humusaufbau = C-Sequestrierung im Boden
Erfassung von C-Veränderungen in landwirtschaftlichen Böden über einen Zeitraum
bei nachgewiesener Mehrung: Ausstellung von Humuszertifikaten
Wie funktionieren Marktmechanismen rund um Humuszertifikate?
privatwirtschaftliche Initiativen/Unternehmen handeln Zertifikate
Landwirtschaft erhält Zertifikate bei nachgewiesener C-Zunahme
1 Zertifikat ≙ 1 t C ha⁻¹ a⁻¹ Speicherung im Boden
Unternehmen können Zertifikate zur CO₂-Kompensation kaufen
Preis ca. 30 € pro Zertifikat (genannter Richtwert)
Beispiele: BayWa AG, CarboCert GmbH, Klim GmbH
Unterschiede: Mindestlaufzeiten, Messmethoden, Auszahlungen
Welche Kritik-/Risikopunkte bei Humuszertifikaten werden genannt?
C-Sequestrierung ist begrenzt (abnehmende Effektivität über Zeit)
Fairness (Verteilung/Teilnahmebedingungen)
Umkehrbarkeit: aufgebauter C kann wieder verloren gehen
Klimaschutzleistung nur über Vertragslaufzeit gesichert
Leakage-Effekt (Verlagerung von Emissionen/Problemen)
Risiko: „echter“ Klimaschutz wird durch Zukauf ersetzt
Hinweis auf Positionspapier gegen Zertifizierung (WWF Deutschland, 2021)
Grafik: zeigt abnehmende Effektivität der Corg-Akkumulation Richtung Fließgleichgewicht
Welche Kernaussagen zum Humuserhalt/-aufbau werden im Fazit genannt?
Humuserhalt/-aufbau führt zur Festlegung von Kohlenstoff
ökologisch geführte Landwirtschaft: Ackerböden können C-Senken werden
sinnvoll sind langfristige Maßnahmen
wichtig: Berücksichtigung der gesamten Bodenfunktion
Humuszetifikate können einen positiven Anstoß geben
für Klimaschutzbeitrag müssen Kriterien eingehalten werden
Kritik: aktuelle Standards führen zu geringer Qualität der Zertifikate
Wie tragen organische Dünger zur Kohlenstoffspeicherung bei?
Beispiele: Gülle, Stallmist, Komposte, Klärschlamm
unterstützen Nährstoffversorgung und können Mineraldünger einsparen
Humusaufbau als Folge organischer Düngung
Effekt abhängig von Düngertyp und Bodeneigenschaften
in Deutschland: ca. 60% der Äcker werden organisch gedüngt
Zusammenhang mit räumlicher Trennung von Tierhaltung und Marktfruchtbetrieben
Was sind Erntereste und warum sind sie wichtig für Bodenkohlenstoff?
alle ober-/unterirdischen Pflanzenteile, die nicht als Frucht genutzt werden
Verbleib erhöht Bodenkohlenstoffvorräte
Wurzeln tragen überproportional zur Bodenkohlenstoffbildung bei
züchterischer Fortschritt: Menge an Ernteresten habe sich reduziert
Was ist Zwischenfruchtanbau und welche Effekte/Hindernisse gibt es?
zwischen Hauptfrüchten angebaut (nach Ernte oder als Untersaat)
sorgt für:
Nährstoffbindung
mehr organischer C-Zufuhr
weniger Nitratauswaschung und Erosion
Hindernisse:
früher Wintereinbruch
Wassermangel
Zusatzkosten für Saaten
Wie beeinflusst Fruchtfolge (und Tiefwurzelung) die C-Speicherung?
kurze/keine Brachezeiten begünstigen kontinuierlichen Input
C-mehrende Kulturen: z. B. Kleegras, Leguminosen
längere Standzeit mehrjähriger Kulturen → mehr Bodenkohlenstoff
Tiefwurzelung:
C-Eintrag in tiefere Schichten
Zugriff auf tieferes Wasser → besser bei Trockenheit
Schutzfunktionen (z. B. Stabilität)
Was bringt die mechanische Einbringung organischer Substanz in tiefere Bodenschichten?
Potenzial: C-Speicherung in tieferen Schichten
Beispiel Salzgitter: nach ~50 Jahren ca. 30% höhere Humusmenge als auf nicht tiefgepflügter Referenzfläche
Was ist Biokohle und welche Idee steckt dahinter?
Biokohle = durch Pyrolyse umgewandelte Biomasse, anschließend in Boden eingebracht
Idee angelehnt an Terra-Preta-ähnliche Schwarzerdeböden im Amazonasgebiet (langanhaltende Fruchtbarkeit)
wichtige Prüfpunkte: Eigenschaften/Herstellung (Energiebedarf, Emissionen, Koppelprodukte)
Warum sind Grünland und Moore wichtig für Kohlenstoffspeicherung – und was ist das Risiko?
Grünland speichert oft mehr C als Acker:
wurzelbürtige C-Einträge
weniger/keine Bodenbearbeitung
Umwandlung Dauergrünland → Acker: mittlere Abnahme des C-Vorrats um 36%
Zusatznutzen: Gewässer-/Erosionsschutz, Biodiversität
Moore: hoher org. Substanzgehalt (≈ 30%)
Entwässerung → Abbau organischer Substanz → hohe CO₂-Freisetzung
Was ist Agroforstwirtschaft und welche Wirkungen/Unsicherheiten werden genannt?
Kombination von Holzpflanzen mit Nutzpflanzen und/oder Nutztieren
Nutzen: Klima-, Wasser- und Bodenschutz, Biodiversität
Holz z. B. für Kurzumtriebsplantagen
Einschränkung: Untersuchungsdauer (~13 Jahre) sei zu kurz für objektive Einschätzungen
Zuletzt geändertvor 8 Tagen