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OE0210: Strategieentwicklung

AB
von Andrea B.

Übungsaufgabe 16:

  1. Definieren Sie den Begriff Open Strategy. Erörtern Sie darauf aufbauend denkbare Wirkeffekte moderner Informations- und Kommunikationstechnologien für die Durchführung einer Open-Strategy-Initiative.


Open Strategy ist ein Ansatz, der untersucht, inwiefern Strategieprozesse für eine große Teilnehmerzahl geöffnet werden können. Der traditionelle Gedanke, Strategieentwicklung sei ausschließlich dem Topmanagement und dessen ausgewählten Beratern vorbehalten, wird damit zumindest in Teilen ad acta gelegt. Stattdessen treten zwei Faktoren in den Vordergrund, die das neue Verständnis von organisati-onaler Offenheit kennzeichnen: Transparenz und Inklusion. Als transparent versteht sich eine Strategieentwicklung vor allem dann, wenn Informationen bzw. Inhalte und Prozessabläufe der Strategiearbeit für Mitarbeiter sowie (im hiesigen Kontext auch) für Externe zugänglich sind. Der Faktor Inklusion zielt hingegen auf konkrete Möglichkeiten zur Partizipation an der betreffenden Strategieentwicklung ab.

Digitale Technologien können als ein wichtiger Faktor für die Öffnung von Strate-gieprozessen angesehen werden. Dies liegt vor allem daran, dass sie einen wesent-lich effizienteren Informationsaustausch zwischen den relevanten Akteuren ermög-lichen. Ein Beispiel dafür sind die sozialen Medien, die es ermöglichen, Informati-onen nahezu in Echtzeit an eine große Zahl von Personen zu senden und umgekehrt von diesen zu empfangen. Für die Strategieentwicklung hat dies den Vorteil, dass strategierelevante Informationen an eine große Zahl von Akteuren gesendet werden können, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit besteht, strategierelevanten Input von außen zu erhalten und so die „Intelligenz der Masse“ abzuschöpfen. Auch ge-ografisch verteilte Akteure können durch IKT wesentlich effizienter erreicht wer-den, sodass eine offene Strategieentwicklung im klassischen Sinne nicht unbedingt auf das lokale Umfeld beschränkt sein muss. Erwähnenswert sind auch die mögliche Überwindung von Sprachbarrieren – man denke hier an automatisierte Über-setzungstools (z. B. DeepL, eines der wenigen erfolgreichen, an digitalen Techno-logien ausgerichteten deutschen Start-ups) – und die IT-gestützte Verarbeitung von ein- und ausgehenden Informationen. Bei Letzterem kann man auf die teilautoma-tisierte Analyse großer Datenmengen verweisen, die gemeinhin unter dem populären Schlagwort „Big Data“ verstanden wird. Es sollte jedoch nicht übersehen wer-den, dass der Einsatz von IKT im Zuge der offenen Strategieentwicklung auch Her-ausforderungen mit sich bringen kann. In diesem Zusammenhang kann darauf ver-wiesen werden, dass im fraglichen Kontext nur diejenigen Personen teilnehmen konnten, die Zugang zu IKT und letztlich auch ausreichende Kenntnisse über deren Nutzung haben. Es ist möglich, dass zum Adressatenkreis auch Akteure gehören, die aus Datenschutzgründen nicht teilnehmen wollen. Allerdings ist zu beachten, dass die Teilnehmer z. B. bei Crowdsourcing-basierten offenen Strategieinitiativen ein Pseudonym anlegen und so ihre Ideen anonym einbringen können. Auf der or-ganisatorischen Seite hingegen ist nicht zu unterschätzen, dass die von außen zu-rückströmende Informationsmenge sozusagen zu einem „Information Overload“ führen kann. In diesem Fall wäre es notwendig, ausreichend personelle und/oder maschinelle Unterstützung zur Verfügung zu haben, um die strategierelevanten Informationen adäquat integrieren zu können. Schließlich verändern offene IT-ba-sierte Ansätze auch das grundsätzliche „Tempo“ des strategischen Diskurses. Ein Strategieprozess, der nach traditionellem Verständnis vom zwischenmenschlichen und vor allem direkten physischen Diskurs „lebt“, wird im Kontext der IKT zumindest teilweise über digitale, weit weniger persönliche Kanäle geführt.

Übungsaufgabe 18:

  1. In der Welt des Bankwesens gehen Erfolg und ethische Kultur nicht unbedingt Hand in Hand. Führungskräfte, die in ihren Unternehmen eine ethische Kultur anstreben, müssen sich dafür entscheiden, Ethik in die Definition von Erfolg im Unternehmen einzubauen, und zwar in einer Weise, die sich in ethischem Han-deln für Manager und Mitarbeiter niederschlägt. Vergleichen Sie zwei finanzielle Erfolgsgeschichten, Goldman Sachs und JP Morgan Chase & Company. Beide Megabanken gehören zu den Fortune 100 (den größten Unternehmen der USA, die nach ihrem Umsatz geordnet sind). Sie sind auch zwei der „World’s Most Admired Companies“ von Fortune, einer Liste, in der die umsatzstärksten Unter-nehmen nach neun Kriterien, einschließlich sozialer Verantwortung, eingestuft werden (eigene Übersetzung; Robbins, Judge 2022, 546). Reflektieren Sie die zwei Banken anhand ihrer ethischen Grundannahmen.


Obwohl es sich in beiden Fällen um umsatzstarke Unternehmen handelt, scheinen ihre Organisationskulturen sehr unterschiedlich zu sein. Goldman Sachs scheint sich schwer zu tun, eine ethische Kultur für seine Mitarbeiter und Kunden zu schaf-fen, während JP Morgan Chase eine Kultur des Mitgefühls auszustrahlen scheint. Betrachten Sie einige Schlagzeilen:

Zunächst ein illustrativer Einblick hinsichtlich eines ehemaligen Mitarbeiters von Goldman Sachs: „‚Verlassen Sie das Gebäude.‘ Mecevic verließ das Gebäude, wurde aber später trotzdem gefeuert. ‚Ich habe Tag und Nacht gearbeitet‘, sagte Mecevic. ‚Sie haben mein Leben für nichts zerstört. Für nichts.‘“

Als Kontrast sei an dieser Stelle auf Jamie Dimon, CEO von JP Morgan Chase & Company, verwiesen, der beispielsweise verkündet: „Die Menschen sind unser wichtigstes Kapital. Das langfristige Wachstum und der Erfolg von JP Morgan Chase hängen von unserer Fähigkeit ab, unsere Mitarbeiter anzuziehen und zu hal-ten. Die Aufrechterhaltung eines vielfältigen und integrativen Arbeitsplatzes, an dem sich jeder entfalten kann, ist nicht nur klug, sondern auch richtig.“ Die Kultur von JP Morgan Chase ist geprägt von Leistung und Verdienst, Partnerschaft und Einbeziehung sowie Direktheit. Es gibt Programme, die den Erfolg von Frauen und Minderheiten unterstützen.

Die Organisationskultur ist der Ort, an dem die ethischen Entscheidungen der Füh-rungskräfte ihre Erwartungen an die Entscheidungen anderer im gesamten Unter-nehmen zum Ausdruck bringen. Diese Beispiele zeigen, dass die beiden Kulturen sehr unterschiedliche ethische Entscheidungen treffen können (modifiziert im Rah-men einer Übersetzung von Robbins, Judge 2022, 546).

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Andrea B.

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