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01_Geschichte und phil. Grundlagen der kognitiven Neuropsychologie

EB
von Emma B.

Was sind die zentralen Kritikpunkte an der kognitiven Neurowissenschaft?

1) Der Geist lässt ich studieren ohne das Hirn zu untersuchen (Infragestellen der Notwendigkeit einer kognitiven Neurowissenschaft)

Gegenargument:

  • Ja, es gibt nunmal mehrere Anlyseebenen derselben Sache, die sich in unterschiedlichen Ebenen manifestiert

  • Betrachtung von Verhalten und kognitiven Prozessen, von Neuronalen Systemen (durch funktionelle Bildgebung beispielsweise) oder auf molekularer Ebene (z.B. Einzelzellableitungen)

2) Funktionelle Bildgebungsmethoden sagen uns WO, aber nicht WIE (Funktionsweise) kognitive Prozesse stattfinden

Gegenargument 1:

  • Auch andere abhängige Maße wie RT oder Fehlerquote sagen uns nicht direkt wie kognitive Prozesse funktionieren

  • Nicht die Daten in denen sich ein Phänomen erklären das wie, sondern unsere Theorien

  • Funktionelle bildgebung ist somit eine weitere Möglichkeit unsere Theorien zu überprüfen

    Gegenargument 2:

  • Ziel der funktionellen Bildgebung ist nicht primär Lokalisation, sondern dynamische Interaktion von Hirnnetzwerken

  • Außerdem muss funktionelle Bildgebung in Theorie/ Paradigmen eingebettet sein

Gegenargument 3:

  • Experiment konnte zeigen, dass die Geschwindigkeit der semantische Verarbeitung von Worten von ihrer physischen Erscheinung unabhängig ist und es dazu ein neuronales Korrelat gibt (gleiches zeigt sich bei Hirnaktivität, erhoben anhand funktioneller Bildgebungsmethoden)

  • Neurowissenschaftliche Daten geben also sehr wohl Aufschluss über kognitive Verarbeitungsprozesse

3) Kognitive Neurowissenschaft als moderne Form der Phrenologie

  • Empirie zeigt, dass Menschen Scheinerklärungen für psychische Prozesse eher glauben, wenn diese gemeinsam mit Hirnscan präsentiert werden

  • Kognitive Neurowissenschaft zeigt methodische Probleme in der Replizierbarkeit

  • Es werden unzulässige Schlüsse getroffen wie Reverse Inference (Fehlerhafter Schluss von Aktivierung einer Hirnregion auf einen spezifischen mentalen Zustand)

4) Kognitive Neurowissenschaft entwertet Psychotherapie und fördert eine biologistische Sicht auf menschliches Verhalten und psychische Störungen

Gegenargument:

  • nur weil Phänomene neuronal Korrelate haben, heißt das nicht, dass

    • Verhalten angeboren ist

    • Verhalten nicht veränderbar ist

    • Verhalten nur pharmakologisch verändert werden kann

  • Die kognitive neurowissenschaftliche Forschung zeigt vielmehr Plastizität des Gehirns, welches sich durch Lernen verändert

  • Somit ist Psychotherapie ein Weg das Gehirn zu verändern und nutzt in diesem Sinn biologische Mechanismen

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Emma B.

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