Was können alles psychotische Symptome sein?
Anhaltender kulturell unangemessener, bizarrer und völlig unrealistischer Wahn, wie der, das Wetter kontrollieren zu können oder mit Außerirdischen in Verbindung zu stehen
Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten, deutlich bezogen auf Körper- oder Gliedbewegungen oder bestimmte Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen; Wahnwahrnehmungen
Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung, Gedankenentzug, Gedankenausbreitung
-> Ich Störungen
Kommentierende oder dialogische Stimmen, die über das Verhalten des Patienten reden oder untereinander über ihn diskutieren, oder andere Stimmen, die aus bestimmten Körperteilen kommen.
Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität, täglich während mindestens eines Monats, begleitet von flüchtigen oder undeutlich ausgebildeten Wahngedanken ohne deutlichen affektiven Inhalt oder begleitet von langanhaltenden überwertigen Ideen
Neologismen, Gedankenabreissen oder Einschiebung in den Gedankenfluss, was zu Zerfahrenheit oder Danebenreden führt
Katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien oder wächserne Biegsamkeit, Negativismus, Mustismus und Stupor
„Negative“ Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachte oder inadäquate Affekte
Woraus setzt sich das Psychose-Spektrum zusammen? (Klausurfrage: Symptome aufgelistet und man soll sagen zu welcher Störung die gehören)
Substanzinduzierte Störung: kann erst nach Abstinenz sicher sein
Schizoaffektive Störung: Schizophrenie gleichzeitig oder zeitnah an (schweren) affektiven Episoden (Manie o. Depression), Störung, bei der sowohl schizophrene als auch manische Symptome vorliegen und deshalb weder die Diagnose einer Schizophrenie noch einer manischen Episode gerechtfertigt ist
Akute polymorphe psychotische Störung: schnelles Aufkommen/Wechseln/Verschwinden der Symptome, von Tag zu Tag oder sogar von Stunde zu Stunde
Schizotype Störung: Katatonie untypisch, Störung mit exzentrischem Verhalten und Anomalien des Denkens und der Stimmung, die schizophren wirken, obwohl nie eindeutige und charakteristische schizophrene Symptome aufgetreten sind. ein kalter Affekt, Anhedonie und seltsames und exzentrisches Verhalten, Tendenz zu sozialem Rückzug, paranoische oder bizarre Ideen, die aber nicht bis zu eigentlichen Wahnvorstellungen gehen, zwanghaftes Grübeln, Denk- und Wahrnehmungsstörungen, … meist ohne äußere Veranlassung. Es lässt sich kein klarer Beginn feststellen; Entwicklung und Verlauf entsprechen gewöhnlich einer Persönlichkeitsstörung.
Welche Vorurteile gibt es gegenüber Menschen mit Psychosen?
Welche zentralen Aspekte in der Psychotherapie gibt es bei der Behandlung von Menschen mit Psychosen?
Perspektivwechsel / Empathie / Theory of Mind (auch auf Therapeut*innenseite)
Möglichkeit für Patient*innen etwas zu teilen, verstanden zu werden, sich in Erleben abgeholt zu fühlen
-> Beschäftigung mit Psychoseerleben durch Therapeut*innen zentral
In welchem Verhältnis werden Pat mit Psychosen behandelt (im Vergleich zu anderen psychischen Erkrankungen)?
Psychotherapie Richtlinien bei psychotischen Störungen
/Was ist die Indikation für Psychotherapie bei Psychosen?
„D. Anwendungsbereiche
§27 Indikationen zur Anwendung von Psychotherapie
[…]
(2)Psychotherapie kann neben oder nach einer somatisch ärztlichen Behandlung von Krankheiten oder deren Auswirkungen angewandt werden, wenn psychische Faktoren einen wesentlichen pathogenetischen Anteil daran haben und sich ein Ansatz für die Anwendung von Psychotherapie bietet; Indikationen hierfür können nur sein:
4. Schizophrene und affektive psychotische Störungen“
Was beinhalten die S3-Leitlinien zur Schizophrenie?
Was beinhalten die NICE Guidelines?
Welchen integrativen Aspekt der Psychosenpsychotherapie gibt es?
Was ist die Indikation bei einer psychotischen Störung?
„Jedem Patienten mit einer psychotischen Störung sollte eine ambulante Psychotherapie empfohlen und angeboten werden (in Kombination mit medikamentöser Therapie).“
-> Psychopharmakotherapie muss man nicht machen, kann man aber
Ist Pharmakotherapie eine Voraussetzung für die Behandlung von Schizophrenie?
Wie ist die übliche Haltung gegenüber Pat mit Psychosen?
• Häufige Angst vor Begegnung mit Psychosepatient*innen
• Psychose als zugehörig zum grundlegenden Spektrum menschlicher Ausdruck- und Erlebensmöglichkeiten (als Ausdruck von Leid)
• Offenheit, Ehrlichkeit, Interesse und Akzeptanz
• Eigendynamik der Biochemie vs. tiefe seelische Krise eines unverwechselbaren Menschen?
1% der Menschen bekommen eine Psychose
Welche therapeutische Haltung ist im Umgang von Menschen mit Psychosen hilfreich?
Man sollte sich Grundlegende Frage stellen:
Was bedeutet es, in der Wahrnehmung der eigenen Person und Umgebnung zutiefst verunsichert zu sein?
-> versuchen im Unterschiedlichen das Gemeinsame zu entdecken
-> Brücken zwischen der eigenen Realität und der Realität der Patient:innenen bauen
Was brauchen wir…
… wenn unsere schützende psychische Haut durchlässig wird?
… wenn unsere persönlichen Grenzen verschwimmen?
… wenn gegenwärtige Wahrnehmungen und Gefühle, Spuren der Vergangenheit sowie in die Zukunft reichende Hoffnungen und Befürchtungen nicht mehr zu trennen sind?
… wenn die Orientierung in Zeit und Raum nicht mehr gelingt?
-> Sicherheit, sich vertrauen, menschlicher Umgang, sich einlassen …
Welche Vorteile kann das “zur Verfügung stellen eines Raumes haben”?
- Ruhe und Zeit
- Gemütlicher Raum
- Schützende Atmosphäre
- Therapeutischer Rückhalt
- Wohlwollende Menschen, die nicht zu nahe kommen, nicht zu viel tun
-> Gegenteil einer klassischen Aufnahmestation
-> Soteria Konzept
In was für einer potentiellen Situation könnte sich der Pat befinden?
und wie sollte sie Beziehungsgestalltung seitens des Therapeutens aussehen?
-> keine Dinge korrigieren, aber wenn jmd was fragt schon ehrlich antworten
-> Wahn bedeutet ja, dass man etwas anders wahrnimmt
Warum spielt Authentizität bei der Behandlung von Psychosepatienten eine besondere Rolle?
Welche Fragen zur Selbstreflektion sollte man sich stellen?
Wie reagiere ich grundsätzlich auf Menschen, die Erfahrungen beschreiben, die ich überhaupt nicht kenne?
Wie reagiere ich auf Menschen mit einem hohen Nähebedürfnis?
Wie reagiere ich auf Menschen, die mir deutliche Distanz vermitteln?
Was halte ich von Menschen, die ein Hilfeangebot von mir ablehnen oder es doch stark einschränken?
Welchen Annahmen über die Entstehung psychotischer Krisen habe ich?
Werte ich psychisch kranke Menschen hier und da ab?
Kenne ich eigene Empfindungen, die eine Nähe zur psychotischen Wahrnehmung haben könnten?
Glaube ich, dass mir das eigentlich nicht passieren kann?
Welche Aspekte sind beim ersten Kontakt bei Menschen mit Psychose zu beachten?
Wie wird mir erklärt, was eine Psychose ist? Wie erkläre ich wie es jetzt weitergeht?…
Psychose als Zustand gleichzeitiger Abkapselung und Reizoffenheit
Erstkontakt mit Hilfesystem spielt große Rolle
Gesprächsführung kann Prozess des Selbstverstehens öffnen oder verschließen
„Non-Compliance“ nicht nur Krankheitsmerkmal sondern auch Ergebnis misslungener Beziehung
Art des eigenen Blicks auf Psychosen hat großen Einfluss auf Verstehensprozess bei Patient*innen
Welche Rolle spielt Krankheitseinsicht?
bzw. ist sie notwendig für die Behandlung?
Welche grundsätzlichen Aspekte sind bei der Aufklärung über die Diagnose zu beachten?
Transparent und offen
Pat. gerechte Sprache
Individuelle Bezüge zur Symptomatik
Rückgriff auf Pat. broschüren
Welche konktreten Faktoren sind bei der Anamnese relevant
und was ist das Besondere an Psychosen?
• Erst einmal einen Tee anbieten
• Gespräche nach Bedürfnis und Situation variieren (beiläufig, systematisch verabredet, verbindlich oder unverbindlich..)
• Vertrauensperson einbeziehen
• Aktuelle Situation klären (Warum gerade jetzt?)
• Raum für subjektive Wahrnehmung (Wie haben Sie das erlebt? Wie bezeichnen Sie das? Was ist Ihre Erklärung?)
• Ressourcen erfragen
• Symptome nicht abfragen, sondern sich inhaltlich interessieren (nicht nur ob Stimmen sondern auch welche, wann wie..)
• Innere Grenzen wahren, nicht zu viel auf einmal, Scham beachten
Wer psychotisch wird, erscheint sonderlich, sondert sich ab, entwickelt Besonderheiten.
nicht nur als Störung zu verstehen.
Situation der Krise, symbolische Bedeutung der Symptome ernst nehmen.
Welche Rolle spielt “Sinn” bei der Behandlung?
Nenne grundlegende Therapiestrategien im Umgang mit Menschen mit Psychosen!
-> Psychoedukation und Normalisierung
Aufklärung über Dazugehörigkeit zum Spektrum menschlichen Erlebens
z.B. Prävalenzen in der Bevölkerung
z.B. Sinnestäuschungen
Dass sie sich nicht alleine fühlen
Wofür wie die “Insel der Klarheit” genutzt?
Orten, Vorsichtig betreten, festigen, erweitern
-> bei Dingen, die man versteht darauf eingehen
Welche Rolle spielt der Einbezug des sozialen Netztes?
• Wichtige Rolle des sozialen Netzes und der Familie
• Ggf. Strudel der Verunsicherung
• Unterstützung auch für soziales Netz, damit es weiter hilfreich sein kann
• Keine Schuldzuweisung!
• Angehörigengruppen, Trialog, Selbsthilfegruppen für Angehörige
Welche Folgen kann es haben, Rückfälle um jeden Preis vermeiden zu wollen?
Erneute Krisen sind nicht um jeden Preis zu vermeiden
Äußeres Auferlegen eines risikolosen und damit armen Lebens
„Noncompliance“
Isolation
Negativsymptomatik
Depression
• Andauerndes Abwägen
Was sind die Zentralen Faktoren der Selbst- und Fremdheilung?
• Polarisierung somatischer oder psychischer Ursachen überwinden
• Therapeutisch an Selbstheilungskräften ansetzen
• Verantwortung teilen und immer wieder im Dialog überprüfen
• Selbstwert und Selbstbild als zentrale Faktoren zur Genesung
• Ökologische Bedingungen wertschätzen (Zeit, Raum, Ruhe, Natur)
Wie sollte mit Wahnerleben umgegangen werden?
Keine Angst, Interesse, sich einlassen
Keine Validierung der konkreten Inhalte (i.d.R. fragen Patient*innen sowieso nicht danach)
Keine aktive Ausdifferenzierung der Inhalte von Therapeutenseite aber aktives Schildern und erklären lassen durch Patient:innen
Konkrete Nachfragen beantworten
Erkennen der emotionalen Notlage, diese verbalisieren und so teilen
Anteilnahme
Gemeinsam nach Möglichkeiten zur Entlastung suchen
Ggf. auch im Konzept der Patient:innen
Hinterfragen der Informationsquellen
Reflektion und Einordnung erst bei (beginnender) Distanzierungsfähigkeit
Wie sollte mit “Stimmen” umgegangen werden?
Akzeptanz als etwas zur Person gehöriges
Anregung von Experimentieren
Exploration des Bedeutungsgehalts
Wofür wird das Maastricht Interview verwendet; wie ist es aufgebaut?
Kann ich reflektieren, inwiefern ich mich in das Erleben von Menschen mit Psychoseerfahrung einfühlen kann?
Wie ist meine Haltung ggü. Menschen mit Psychose?
Was sind zentrale Elemente, die Menschen mit Psychoseerfahrung über das Erleben psychotischer Erfahrungen schildern?
Chatti:
Verändertes Welt- und Sinngefühl (Wahnatmosphäre, Bedeutungsüberschuss): Alltägliche Wahrnehmungen erhalten eine übersteigerte, nicht zufällige Bedeutung.
Erleben von Einheit statt Fragmentierung (Zentralerleben): Gefühl umfassender Verbundenheit und Sinnhaftigkeit aller Lebensbereiche.
Beziehungs- und Bedeutungsideen (Wahnhafte Bedeutungszuschreibung): Ereignisse und Symbole werden persönlich auf sich bezogen und als real erlebt.
Stimmenhören (Akustische Halluzinationen): Personalisierte, kommentierende und bedrohliche Stimmen mit hoher emotionaler Wirkung.
Starke affektive Belastung (Angst, Überforderung): Intensive Angst, Misstrauen und emotionale Überflutung bestimmen das Erleben.
Subjektive Stimmigkeit der Innenperspektive (Ich-Nähe, fehlende Krankheitseinsicht): Psychotisches Erleben wirkt für Betroffene innerlich normal und kohärent, trotz äußerer Irritation.
Studie
Wie viele Personen glauben, dass Menschen mit Schizophrenie Medikamente benötigen, um Symptome zu behandeln? (Alles mögliche Klausurfragen!)
Ca. 75%
Wie viele Personen glauben, dass Menschen mit Schizophrenie regelmäßiger Arbeit nachgehen können?
Ca. 50-55%
Wie viele Personen glauben, dass Menschen mit Schizophrenie durch Psychotherapie behandelt werden können?
Ca. 45%
Wie viele Personen glauben, dass Menschen mit Schizophrenie Gefährlich für die Öffentlichkeit sind?
Ca. 18-20%
Vorgestellte Beziehungssituation
Wie viele Personen würden niemanden heiraten, der Schizophrenie hat? (Alles mögliche Klausurfragen!)
Ca. 70-75%
Wie viele Personen würden sich durch einen Zimmergenossen gestört fühlen, der Schizophrenie hat?
Ca. 40-45%
Wie viele Personen würden eine Freundschaft mit jmd, der Schizophrenie hat, nicht fortführen?
Ca. 20-25%
Wie viele Personen würden sich durch einen Arbeitskollegen gestört fühlen, der Schizophrenie hat?
Ca 15%
Wie viele Personen hätten Angst davor mit jmd eine Unterhaltung zu führen, der Schizophrenie hat oder würden sich schämen, wenn die eigenen Familie betroffen wäre?
Ca 10%
Zu welchem Ergebnis kommt eine Inhaltsanalyse der FAZ , die sich die Verwendung des Begriffs “Schizophrenie” angeschaut hat?
Insgesamt 83 Beiträge.
In 6 Beiträgen wird das Thema inhaltlich thematisiert, in allen anderen lediglich erwähnt.
In 48 Beiträgen (58%) wird die Schizophrenie als Metapher verwendet.
„In den meisten Fällen steht er als Beschreibung für etwas, das dem Autor als nicht logisch erscheint. Es passen dann
Synonyme wie „widersprüchlich“, „unsinnig“, „absurd“, „unheimlich“ „potenziell gefährlich.“
Beispiel:
„1.6.95 Feuilleton: „Dass ausgerechnet MTV den Ausstieg aus allen medialen Mitmachzwängen feiert und damit besonders gute Einschaltquoten macht, gehört freilich zu den Schizophrenien des Genres.“
Wie wurde mit Psychosen in der NS-Diktatur umgegangen?
Dorothea Buck
Erstdiagnose paranoide Schizophrenie 1936
–> Zahlreiche Psychiatrieaufenhalte
Dauerbäder, Kaltwassergüsse zur „Disziplinierung“
„völlige Sprachlosigkeit“ Sprechverbot zwischen Patient*innen, kaum Gespräche zwischen Personal und Patient*innen Zwangssterilisierung
Ab 1937: Erlernen von Töpferhandwerk, ab 1943 Besuch einer Kunsthochschule
Bei weiteren Aufenthalten erleben wie Mitpatient*innen im Rahmen des Euthanasie-Programms ermordet wurden
Seit 1960: Engagement für eine Menschenwürdige Psychiatrie: Vorträge, Fachtexte, Theraterstück
1989: Gründung der Psychoseseminare (Trialog)
1992: Gründung des Bundesverbands der Psychiatrie-Erfahrenen
Biografie: Auf der Spur des Morgensterns – Psychose als
Selbstfindung
Zuletzt geändertvor 6 Tagen