Erstarrungszeit reduzieren, wie?
höhere Abkühlgeschwindigkeit
dünnere Wanddicken
Formstoffe mit höherer Wärmeleitfähigkeit (z. B. Metallform)
niedrigere Gießtemperatur
Kühleisen einsetzen
größeres Oberflächen-/Volumen-Verhältnis
Erläutern Sie die grundsätzliche Wirkungsweise von Eisenguss-Werkstoffen
Die grundsätzliche Wirkungsweise der chemischen Elemente in Eisenguss-Werkstoffen lässt sich so erklären:
Grundelemente (Fe, C): bilden das Grundgefüge und bestimmen, ob Stahl oder Gusseisen entsteht.
Graphitbildende Elemente: fördern die stabile Erstarrung, Kohlenstoff scheidet sich als Graphit aus → Grauguss.
Karbidbildende Elemente: fördern die metastabile Erstarrung, Kohlenstoff bleibt als Zementit gebunden → Weißguss.
Begleit-/Spurenelemente: beeinflussen Keimbildung, Festigkeit und Gießbarkeit, oft schon in kleinen Mengen.
Legierungselemente steuern, ob Kohlenstoff als Graphit oder Zementit vorliegt und damit Gefüge und Eigenschaften.
Welche stabilen und megastabilen Phasen existieren im System Eisen- Kohlenstoff?
Kohlenstoff liegt als Graphit vor
Ferrit (α-Fe)
Austenit (γ-Fe)
Graphit (C)
Perlit (Ferrit + Graphit) – Gefügebestandteil
➡️ Ergebnis: Grauerstarrung, zäher, gut bearbeitbar
Kohlenstoff liegt gebunden als Zementit vor
Zementit (Fe₃C)
Perlit (Ferrit + Zementit)
Ledeburit (Austenit + Zementit)
➡️ Ergebnis: Weißerstarrung, hart und spröde
Erläutern Sie die Begriffe Graphitform und Graphitanordnung
Beschreibt die Gestalt einzelner Graphitpartikel.
Typische Graphitformen:
Lamellengraphit (flocken-/plattenförmig)
Kugelgraphit (sphäroidisch)
Vermikulärgraphit (wurmförmig)
Temperkohle (rosettenförmig)
➡️ Beeinflusst stark Festigkeit, Zähigkeit und Dehnung.
Beschreibt die räumliche Verteilung des Graphits im Gefüge.
Typische Anordnungen:
gleichmäßig verteilt
randständig
netzförmig
gerichtet
➡️ Beeinflusst Bauteilverhalten, Spannungen und Bruchverhalten.
Welche Graphitform haben Gusseisen mit Lamellengraphit, Gusseisen mit Vermiculargraphit und Gusseisen mit Kugelgraphit?
Gusseisen mit Lamellengraphit (GJL): → lamellenförmiger (plattenförmiger) Graphit
Gusseisen mit Vermiculargraphit (GJV): → vermikulärer (wurmförmiger) Graphit
Gusseisen mit Kugelgraphit (GJS): → kugelförmiger (sphäroidischer) Graphit
Was ist der Unterschied zwischen Graphitanordnung A und C?
gleichmäßig verteilte Graphitlamellen
feines, homogenes Gefüge
gute Festigkeit und gleichmäßige Eigenschaften
typisch für normalen Grauguss
grobe, ungleichmäßig verteilte Graphitlamellen
häufig primärer Graphit
entsteht bei hohem Kohlenstoffgehalt und langsamer Abkühlung
geringere Festigkeit
A = gleichmäßig & fein, C = grob & ungleichmäßig
Welchen Einfluss hat der Formstoff auf das entstehende Gefüge?
Der Formstoff beeinflusst das entstehende Gefüge von Gusseisen hauptsächlich über die Abkühlgeschwindigkeit:
hohe Wärmeleitfähigkeit des Formstoffs (z. B. Metallform)→ schnelle Abkühlung→ feines Gefüge, mehr Perlit, Gefahr von Weißerstarrung
geringe Wärmeleitfähigkeit (z. B. Sandform)→ langsame Abkühlung→ grobes Gefüge, mehr Ferrit, Graphitbildung
Der Formstoff steuert über die Abkühlung die Gefügefeinheit und die Art der Erstarrung.
Erläutern Sie im Zusammenhang mit Aluminiumguss die folgenden Begriffe:
Kornfeinung
Veredelung
Ziel: Verkleinerung der α-Aluminiumkörner
Einbringen von Kornfeinungsmitteln (z. B. Al-Ti-B)
Erhöht die Anzahl der Keime
Führt zu feinkörnigem, gleichmäßigem Gefüge
Wirkung:
höhere Festigkeit
bessere Zähigkeit
geringere Rissneigung
Ziel: Veränderung der Siliziumform im eutektischen Gefüge (Al-Si-Guss)
Zusatz von Veredelungselementen (z. B. Natrium, Strontium)
Wandelt nadelförmiges Si in feinfaseriges/abgerundetes Si um
bessere Dehnung
höhere Zähigkeit
verbesserte mechanische Eigenschaften
Kornfeinung verfeinert Aluminiumkörner, Veredelung verändert die Siliziumform.
Welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede gibt es bei
Gusseisen und Aluminiumguss
Gemeinsamkeiten:
Fremdstoffzugaben beeinflussen das Gefüge.
Ziel sind bessere mechanische Eigenschaften.
Wirkung über Keimbildung.
Unterschiede:
Aluminiumguss: Kornfeinung verkleinert Al-Körner, Veredelung verändert die Siliziumform.
Gusseisen: Impfen steuert Graphitform und Graphitverteilung.
Aluminium: ~700 °C
Gusseisen: ~1400 °C
Erläutern Sie den Begriff „Dendritenarmabstand“. und seine Eigenschaften
Der Dendritenarmabstand (DAS) beschreibt den mittleren Abstand zwischen den seitlichen Armen eines Dendriten, die bei der Erstarrung einer Metallschmelze entstehen.
Maß für die Gefügefeinheit
kleiner DAS → feines Gefüge → bessere Festigkeit
großer DAS → grobes Gefüge → geringere Festigkeit
Einfluss:
hohe Abkühlgeschwindigkeit → kleiner Dendritenarmabstand
langsame Abkühlung → großer Dendritenarmabstand
Der Dendritenarmabstand zeigt, wie fein oder grob ein Gussgefüge ist.
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