Was sind psychotrope Substanzen?
natürliche, chemisch aufgearbeitete oder synthetische Substanzen, die direkt auf das zentrale Nervensystem wirken
Beeinflussung von Wahrnehmung, Denken, Fühlen und Verhalten
Kennzeichnend für einige dieser Substanzen: substantielles Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial
Wie wirken abhängigkeitserzeugende Substanzen?
Wie ist Missbrauch definiert?
wiederkehrender Gebrauch einer psychotropen Substanz, trotz des Wissens um durch Konsum verursachte soziale, berufliche, psychologische oder körperliche Probleme
Was ist die Definition der Abhängigkeit?
wiederkehrender, schädlicher, durch übermächtiges Konsumverlangen bedingter Substanzgebrauch
Erleben von Kontrollverlust bei etwaigen Abstinenzbemühungen
Auftreten körperlicher oder psychischer Entzugserscheinungen bei Abstinenz
Stetige Steigerung der Menge der konsumierten Substanz, um erwünschte Wirkung zu erzielen
Alltag dominiert von Konsum und Beschaffung der Substanz
Was gehört zu substanzinduzierten Störungen?
Substanzintoxikation
Substanzentzug
Substanzinduzierte
Delir
Demenz
Psychotische Störung
Affektive Störung
Angststörung
Schlafstörung
Welche Kriterien müssen erfüllt sein, um von einer Substanzabhängigkeit zu sprechen?
3 aus 7
Toleranzentwicklung
Verlangen nach ausgeprägter Dosissteigerung, um Intoxikationszustand oder erwünschten Effekt herbeizuführen
Deutlich verminderte Wirkung bei fortgesetzter Einnahme derselben Dosis
Entzugssymptome
Charakteristisches Entzugssyndrom der jeweiligen Substanz
Dieselbe Substanz wird eingenommen, um Entzugssymptome zu lindern
Substanz häufig in größeren Mengen oder länger als beabsichtigt
Anhaltender Wunsch / erfolglose Versuche, Substanzgebrauch zu verringern
Viel Zeit für Beschaffung der Substanz oder von der Wirkung zu erholen
Wichtige soziale, berufliche oder Freizeitaktivitäten werden aufgrund des Substanzmissbrauchs aufgegeben oder eingeschränkt
Fortgesetzter Substanzmissbrauch trotz Kenntnis eines anhaltenden / wiederkehrenden körperlichen oder psychischen Problems, das durch Substanzmissbrauch verursacht oder verstärkt wurde
Welches Kriterium zeigt eine körperliche Abhängigkeit?
Wozu führt der Substanzmissbrauch?
Versagen bei der Erfüllung wichtiger Verpflichtungen bei der Arbeit, in der Schule oder zu Hause
Wiederholter Substanzgebrauch in Situationen, in denen es aufgrund des Konsums zu einer körperlichen Gefährdung kommen kann
Wiederkehrende Probleme mit dem Gesetz
Fortgesetzter Substanzgebrauch trotz ständiger oder wiederholter sozialer / zwischenmenschlicher Probleme, die durch die Auswirkungen der psychotropen Substanz verursacht oder verstärkt werden
Wie ist Konsumverhalten zu klassifizieren?
1. Abstufung: risikoarmer Konsum
Konsum unterhalb einer statistisch definierten Harmlosigkeits- oder Gefährdungsgrenze
2. Abstufung: riskanter Konsum oder gefährlicher Gebrauch
Konsum oberhalb einer Gefährdungsgrenze, bei dem nach längerem Konsum nachweislich erhöhtes Risiko für Entwicklung einer substanzbezogenen Störung besteht
Was bestimmt das Risiko eines Konsums?
hochpotente Faktoren - Substanzbezogen; Toxizität
Körperliche Folgen / Reaktionen
Soziale Faktoren
Individuelle Faktoren
Genetische Prädisposition für Abhängigkeitserkrankungen oder psychische Erkrankungen
Wie äußern sich stoffungebundene Süchte?
in bestimmten Verhaltensweisen, die die Gesundheit schädigen oder schwerwiegende soziale Folgen haben
Normale, angenehme Tätigkeiten verwandeln sich in unangepasste, immer wiederkehrende Verhaltensweisen
Diese werden aufgrund eines unwiderstehlichen Verlangens, Anreizes oder Impulses häufig ausgeführt, obwohl das Verhalten in dieser Intensität der Person Schaden zufügt
Welche Verhaltenssüchte gibt es?
Spielsucht
Unkontrollierter Drang zum Glücksspiel, trotz des Wissens um finanzielle, soziale und gesundheitliche Schädlichkeit des Verhaltens
Kaufsucht
Erleben eines inneren Zwangs, “etwas kaufen zu müssen”, auch wenn finanziell nicht leistbar oder nicht benötigt
Arbeitssucht
Fortschreitende pathologische Fixierung auf Arbeit
Internet- und Computersucht
Zwanghafter Drang, sich regelmäßig und exzessiv mit Internet oder Computerspielen zu befassen
Sexsucht
Sexualverhalten mit starkem Verlangen nach sexueller Betätigung und Befriedigung
Sportsucht
Innerer Zwang sich bis zur Erschöpfung sportlich zu betätigen, ohne Hegen von Wettkampfambitionen
Pornographiesucht
Was ist das zentrale Merkmal bei stoffungebundenen Süchten?
Kontrollverlsut
Fortsetzung trotz negativer Konsequenzen
Was sind diagnostische Kriterien zur Gaming Disorder?
Beeinträchtigte Kontrolle über das Spielen
Priorisierung von Gaming gegenüber anderen Aktivitäten
Fortgesetztes Spielen trotz negativer Folgen
Dauer >= 12 Monate - klinisch relevante Beeinträchtigung
Was ist die Diagnostik der stoffgebundenen Süchte?
Laborparameter weisen Veränderungen in Leber und Blut nach
Addiction Severity Index
Erfragung des Ausmaßes an substanzbedingtem Behandlungsbedarf in sieben möglichen Problembereichen
Screeningverfahren
Alkoholkonsum zB AUDIT, SESA oder CAGE-Screening Fragebogen
Drogenabhängigkeit zB DAST oder BDA
Nikotinabhängigkeit
Wie sieht die Epidemiologie des Substanzkonsums aus?
Konsum in Bevölkerung weit verbreitet
Große Unterschiede zwischen einzelnen Substanzklassen
Wertschwankungen in Abhängigkeit von Befragungszeitraum und Lebensalter
Alkoholkonsum Erwachsene (90%), Jugendliche (49%)
Abhängigkeit / Missbrauch knapp 5% der Männer, 2% Frauen
Was sind die Hauptdiagnosen bei ambulanter Behandlung?
48% Alkohol
13% Opioide
18% Cannabinoide
Wie ist der Verlauf in eine Substanzabhängigkeit?
Beginn des Drogenkonsums in der Einstiegsphase
Regelmäßiger Konsum in der Gewöhnungsphase
Abhängigkeitsphase
wichtige Einflussfaktoren sind hierbei: Einstiegsalter, individuelle Faktoren und soziales Milieu
Was wirkt sich auf einen Gebrauch und Missbrauch einer Substanz aus?
Wie kann die Suchtentwicklung durch Konditionierungsprozesse entstehen?
Assoziierung neutraler Reize mit Drogeneinahme und -Wirkung (UCS) - wirken dann als konditionierte Reize, die das Drogenverlangen als konditionierte Reaktion auslösen
Aufrechterhaltung durch operable Konditionierung
Drogenkonsum wirkt positiv verstärkend durch erwartete angenehme Wirkung
Wegfall von unangenehmem Zustand durch Drogenkonsum - zusätzliche verstärkende Wirkung
Erläutere das Küfner-Modell
Was ist das mesolimbische Dopaminsystem?
Mesolimbisch ist eine Kombination aus Mesencephalon und limbischem System
Zentrum des Belohnungssystems im Säugetiergehirn
Vermittlung motivationalen und zielgerichteten Verhaltens, der Verstärkung von belohnungsassoziiertem Verhalten und Lernen
Nahezu alle Rauschdrogen entfalten ihre Wirkung durch chemische Manipulation dieses Systems
Zentrale Rolle bei Sucht
Insbesondere Wanting wird hierüber vermittelt
Medialer, präfrontaler Kortex und Striatum zeigen bei Abhängigen größerer Aktivität bei Geruch von Alkohol
Was sind Zielbereiche in der Therapie?
verhindern des Erstgebrauchs (Prävention)
Verhindern der Progression von einmal zu mehrmals zu regelmäßig (Frühintervention)
Unterstützung des Ausstiegs bei Abhängigen
Reduktion der negativen Auswirkungen abhängiger Substankonsums
Was sind die Grundsätze der Behandlung?
Wiederherstellung der körperlichen und psychosozialen Funktionsfähigkeit
Behandlung der körperlichen Komponente
Behandlung der psychischen Funktionsstörungen
Behandlung der Sozialisationsdefizite
Was sind Behandlungsziele bei Abhängigkeitserkrankungen?
Suchtverhalten
Sozialverhalten
Sexualität
Nutzung Hilfsangeboten
Tätigkeit
Seelische Gesundheit
Körperliche Gesundheit
Wie sieht die Behandlungskette aus?
Wie sehen Grundsätze der Behandlung in der ersten Phase aus?
1. Phase: Fehlendes Problembewusstsein
Keine Einsicht
Keine Veränderungsbereitschaft
Therapeutische Strategien
Geringe therapeutische Einflussmöglichkeit
Einfluss durch Umweltfaktoren und durch innere Faktoren
Wie sehen Grundsätze der Behandlung in der zweiten Phase aus?
2. Phase Aufbau des Problembewusstseins
Selbstbeobachtung
Abwägen der Vorteile und Nachteile des Drogenkonsums
Beobachtung der Reaktion von Dritten auf den eigenen Drogenkonsum
Förderung der Selbstbeobachtung
Betonung der negativen Konsequenzen des Konsums und der positiven Konsequenzen einer Veränderung
Förderung der Entscheidungsbilung
Aufbau einer therapeutischen Beziehung
Vereinbarung individueller Ziele
Wie sehen Grundsätze der Behandlung in der dritten Phase aus?
3. Phase Beginn einer Behandlung
Bereitschaft zur Veränderung
Vermittlung von Kompetenzen zur Führung eines Lebens ohne Abhängigkeit
Wie sehen Grundsätze der Behandlung in der vierten Phase aus?
4. Aufrechterhaltung der Behandlungsziele
Bereitschaft zur Aufrechterhaltung der Veränderungen
Zukunftsplanung (Lebensgestaltung, Zeitstruktur)
Wie sehen Grundsätze der Behandlung in der fünften Phase aus?
5. Rückfall
Längere Phasen erneuten Missbrauchs oder erneuter Abhängigkeit
Kompetenzen zur Verminderung des Rückfallrisikos
Kompetenzen zur Bewältigung von Ruckfällen
Wie hoch sind die Rückfallraten?
Rückfallraten liegen je nach Störung und Behandlungssetting zwischen 40% (Alkohol; kompetenter Behandlungsansatz) und 80% (bei harten Drogen) in professionellen Behandlungseinrichtungen
Wie sieht der Rückfallprozess aus?
Hochrisikosituation
Selbst-Beobachtung; Verhaltensanalyse
Fehlen von Coping Strategien
Entspannungsverfahren, Stressbewältigung
Urge Surfing
Verminderte Selbstwirksamkeit - Positive Resultatserwartung
Anfänglicher Gebrauch
Verhaltenskontrakte der konsumierten Menge und schriftliche Hinweise für Handlungskonsequenzen nach erstem Rückfall
Abstinenzverletzungseffekt
Kognitive Umstrukturierung
Erste Substanzeinnahme ist Fehler, aber keine Katastrophe
Rückfall
Was sind die Ziele von Sport- und Bewegungstherapie?
Wiederherstellung körperlicher Belastbarkeit
Förderung von Beziehungsfähigkeit
Affektregulation
Persönliches Wachstum und Reifung
Umgang mit Stress, Konflikten, aversiven Emotionen
Umgang mit Regeln, Normen
Schulung von Körper- und Selbstwahrnehmung
Erprobung von Möglichekiten der Freizeitgestaltung
Positive Effekte auf Craving
Was sind Herausforderungen der Bewegungstherapie?
Körperlich
Geringe Ausbelastungsfähigkeit
Infekte, Probleme des Respirationstraktes
Erhöhter Blutdruck
Orthopädische Beschwerden
Polyneuropathien, Tremor
Psychische
Gedächtnisschwäche
Schwächen in der Wahrnehmungsfähigkeit
Schwächen in Konzentrationsfähigkeit
Vermeidungsverhalten
Antriebsstörungen
Negatives Selbstkonzept
Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
langanhaltende tiefgreifende Muster des Denkens, der Wahrnehmung, der Reaktion und Bezugnahme, die dazu führen, dass die jeweilige Person stark darunter leidet und/oder ihr Lebensalltag beeinträchtigt wird
Heterogene Störungsgruppe
Was ist Persönlichkeit?
Betrifft trates
Wie ich in verschiedenen Situationen wahrnehme, denke, fühle
Zeitlich überdauernde Eigenschaften und Verhaltensweisen, die in ihrer jeweiligen Konstellation Reaktionen erklären und Vorhersagen auf künftiges Verhalten ermöglichen
Wie werden die Symptome einer Persönlichkeitsstörung wahrgenommen?
als Ich-Synton
Nur die negativen Folgen der Symptome werden als fremd / krankhaft empfunden
Was sind allgemeine Kriterien der Persönlichkeitsstörungen?
aus Abweichung resultierendes Verhalten ist in diversen persönlichen und sozialen Situationen unflexibel, unangepasst oder unzweckmäßig
Beschriebenes Verhalten führt zu persönlichem Leidensdruck und/oder nachteiligem Einfluss auf die soziale Umwelt
Abweichung ist stabil von langer Dauer und hat Beginn im späten Kindesalter oder in Adoleszenz
Abweichung ist nicht durch andere psychische Störung erklärbar
Abweichung resultiert nicht aus organischer Erkrankung, Verletzung oder deutlicher Funktionsstörung des Gehirns
In welche Cluster können Persönlichkeitsstörungen eingeteilt werden?
Cluster A - sonderbar, exzentrisch
Paranoid (großes Misstrauen)
Schizoid (Desinteresse an anderen)
Schizotypisch
Cluster B - dramatisch, emotional, launisch
Antisozial (Psychopathie)
Borderline
Histrionisch (Aufmerksamkeit)
Narzisstisch
Cluster C - ängstlich, furchtsam
Selbstunsicher (ich als minderwertig)
Abhängig (versorgt werden)
Zwanghaft (hohes Perfektionsstreben, Ordnung)
Was sind diagnostische Instrumente bei Persönlichkeitsstörungen?
(Strukturierte) Interviews
Selbstbeurteilungsfragebögen
SASB
BSL-23
Welche Merkmale von Persönlichkeitsstörungen gibt es?
paranoid
Schizoid
Antisozial
Histrionisch
Zwanghaft
Vermeidend-selbstunsicher
Dependent
Was sind Symptome der paranoiden, schizoiden und schizotypischen Persönlichkeitsstörung?
Misstrauen und Argwohn gegenüber anderen, so dass deren Motive als böswillig ausgelegt werden
Distanziertheit in sozialen Beziehungen und eine eingeschränkte Bandbreite des Gefühlsausdrucks
Unbehagen und mangelnde Fähigkeit zu engen Beziehungen, Verzerrungen der Wahrnehmung oder des Denkens und eigentümliches Verhalten
Was sind Symptome der antisozialen, Borderline, histrionischen und narzisstischen Persönlichkeitsstörung?
antisozial
Missachtung und Verletzung der Rechte anderer
Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie deutliche Impulsivität
Übermäßige Emotionalität und Streben nach Aufmerksamkeit
Muster von Großartigkeit, Bedürfnis nach Bewunderung und Mangel an Empathie
Was sind die Symptome von der zwanghaften, vermeidend-selbstunsicheren und dependenten Persönlichkeitsstörung?
zwanghaft
Starke Beschäftigung mit Ordnung, Perfektion und psychischer sowie zwischenmenschlicher Kontrolle auf Kosten von Flexibilität, Aufgeschlossenheit und Effizienz
Soziale Gehemmtheit, Insuffizienzgefühl und Überempfindlichkeit, gegenüber negativer Bewertung
Überstarkes Bedürfnis, versorgt zu werden, das zu unterwürfigem und anklammernden Verhalten und Trennungsängsten führt
Wie hoch ist die Prävalenz für das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung?
ca 12 %
Einzelne zwischen 1 und 2%
Wie ist die Geschlechterverteilung bei der Persönlichkeitsstörung?
Geschlechterverteilung gleich
Jedoch erhebliche Geschlechtsunterschiede bei spezifischen Persönlichkeitsstörungen
Tendenz zur Abnahme im Alter
Stadtbevölkerung und sozial schwächere schichten sind häufiger betroffen
Hohe Komorbiditäten der Persönlichkeitsstörungen untereinander und mit anderen psychisatrischen Störungen
Wie ist der Verlauf einer Persönlichkeitsstörung?
Auftreten von PS definitionsgemäß erstmals in Kindheit, Adoleszenz oder frühem Erwachsenenalter; kennzeichnend: stabiler zeitlicher Verlauf
Generell: sinkende Prävalenzraten von PS mit zunehmendem Alter
Kriterien für gesamtes Störungsbild nicht mehr vollständig erfüllt
Dennoch: Bestehenbleiben einiger Merkmale der PS (meist affektiver)
Ausprägungsgrad abhängig von Passung an aktuelle Lebensumstände
Wie sieht die Ätiologie der Persönlichkeitsstörung aus?
Was sind biologisch relevante Faktoren der Persönlichkeitsstörung?
Genotyp eines Individuums
Erblichkeitseinflüsse von bis zu 60%
Prä-, Peri- und postnatale Komplikationen
Temperament (ängstlich-vermeidend, impulsiv)
Erkrankungen des ZNS
Neurophysiologische Funktionsstörungen
Was sind psychosozial relevante Faktoren einer Persönlichkeitsstörung?
traumatische Lebensereignisse
Missbrauch (physischer, sexueller oder psychischer Art)
Vernachlässigung
Interpersonelle Stressoren
Erziehungsstil
Positive Familienanamnese bzgl Angststörungen, Depression und Suizidalität
Mangel an sozialer Unterstützung
Borderline - sexual abuse
Antisozial - physical abuse
Schizotypisch, Borderline, vermeidend, dependent - emotional abuse
Was zeigt das Diathese-Stress-Modell im Rahmen der Ätiologie von Persönlichkeitsstörungen?
Was sind Beispiele für maladaptive Schemata?
Verlassenheit / Instabilität
Überzeugung, dass wichtige Beziehungen nicht halten werden, verbunden mit der ständigen Angst, von anderen verlassen oder im Stich gelassen zu werden
Misstrauen / Missbrauch
Ständiges Auf der Hut sein, Befürchtung, von anderen absichtlich verletzt oder missbraucht zu werden
Abhängigkeit / Dependenz
Das Gefühl der Hilfslosigkeit sich nicht imstande sehen, ohne Hilfe anderer Entscheidungen zu treffen oder Dinge anzugehen
Wie werden Persönlichkeitsstörungen behandelt?
Psychotherapie als Behandlungsmethode der Wahl
Therapiedauer bei PS immer länger
Was ist die Epidemiologie der Borderline-PS?
Prävalenz in der Normalbevölkerung 1-2%
Häufiger bei Frauen
Hohe Komorbidität
Depression, Lebenszeitprävalenz
Alkohol- und Drogenkonsum
Essstörung
Wie sieht das Symptomcluster bei der Borderline Störung aus?
u.a
Störungen im körperlichen Bereich
Vermeidung Körperkontakt, psychosomatische Beschwerden, negatives Körperbild
Störungen der Identität
Emotionsregulation
Reizschwelle für Entstehung einer Emotion ist gering, Abklingen nur langsam
Spannungsmanagement
Schnell einschließende Anspannung, inadäquate Wahrnehmung körperlicher Anspannung
Kognitive Symptome
Welches Verhalten kann man bei BPS häufig im Zusammenhang mit dem Körper erkennen?
Hass, Ekel, Scham, Kontrollverlust
Ablehnung
Negative Körperemotionen
Körperwahrnehmungsstörungen
Angst vor körperlicher Nähe
Wie sieht das Modell zur Störung der Affektregulation aus?
Was zeigt das neurobehaviorale Störungsmodell?
Was sind zentrale Therapiebausteine bei der BPS?
Dialektisch behaviorale Therapie nach Linehan
Erwerb von Verhaltenskontrolle und Verbesserung der Emotionsregulation
Verbesserung soziale Kompetenzen und Bearbeitung traumaassoziierter Erfahrungen
Mentalization Based Treatment nach Bategate & Fonagy
Verbesserung von Fertigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich
Schematherapie nach Young
Dysfunktionale, automatisierte kognitiv-emotionale Erlebensmuster erkennen, hinterfragen, revidieren
Wie wirksam ist eine Medikation bei der BPS?
Beeinflussung der gesamten Symptomatik durch einzelne Medikation nicht möglich
Pharmakologische Therapie nur zur Besserung einzelner abgrenzbarer Symptome (Impulsivität, Erregbarkeit)
Atypische Neuroleptika
Reduktion von Angst, Wut und interpersoneller Sensitivität
SSRIs
Inkonsistente Befunde, Besserung der affektiven Symptomatik, inkonsistent bezüglich aggressiv-impulsiver Verhaltensweisen
Was sind körpertherapeutische Themen bei der BPS?
Achtsamkeit & Akzeptanz
Körperwahrnehmung
Umgang mit innerer Anspannung
Verbesserung des Körperkonzeptes-/bildes
Verbesserung der Affektregulation
Umgang mit Wut
Stärkung des Selbstwerts, der Selbstwirksamkeit
Realistische Selbsteinschätzung
Soziale Kompetenzen
Was ist die dialektisch behaviorale Therapie (DBT)?
Akzeptanz dessen, was gerade ist
Emotional
Validierung
Veränderung des Umgangs, mit dem, was gerade ist
Nichts an Gefühl selbst verändern
Wie sehen die Behandlungsstufen des DBT aus?
Vorbereitungsstufe
Motivationsaufbau, Klärung der Ziele, Behandlungsvertrag - Commitment
Stufe 1: Schwere Probleme auf Verhaltensebene (Umgang mit suizidalem Verhalten / Risikoverhalten)
Verbesserung der Überlebensstrategien
Verbesserung der Therapiecompliance
Komme zu spät zur Therapie, mache HA nicht
Verbesserung der Lebensqualität
Tagesstruktur etablieren
Verbesserung von Verhaltensfertigkeiten
Wie kann ich mit bestimmten Ausnahmesituationen umgehen; Berufs-/Schulprobleme lösen
Stufe 2: Probleme des emotionalen Erlebens
Verbesserung von dysfunktionalen erlernten und automatisierten emotionalen Reaktionsmustern
Stufe 3: Probleme der Lebensführung
Integration des Gelernten und Neuorientierung
Was sind Regeln für das Fertigkeitentraining?
Patienten, die das Training vernachlässigen, sind von dem Training ausgeschlossen
Jeder Patient muss sich in fortlaufender Einzeltherapie befinden
Patienten dürfen nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss an Sitzungen teilnehmen
Patienten dürfen außerhalb der Gruppe nicht mit anderen Teilnehmern über früheres oder aktuelles parasuizidales Verhalten sprechen
Patienten, die einander anrufen und um Hilfe bitten, müssen von der angerufenen Person die Hilfe auch annehmen
Was sind die Module im DBT-Skills Training?
Welche Reihenfolge ist am sinnvollsten?
Achtsamkeit
Zwischenmenschliche Fertigkeiten
Stress-Toleranz
8 Wochen pro Modul
Wie sieht das Spannungskurvenmodell bezogen auf die Module aus?
Wo erläuft eine Gruppensitzung ab?
Begrüßung mit Eröffnungsritualen
Berichte der Patienten über Versuche, gelernte Fertigkeiten zu üben, und über das Unterlassen von Übungen
Pause
Neue Fertigkeiten werden vorgestellt und eingeübt
Die letzten 15 Minuten Sitzung mit einer Übung ausklingen lassen - Wind down
Was steht hinter dem Modul der “Inneren Achtsamkeit”?
“Was”-Fertigkeiten
Was kann ich tun?
Wahrnehmen, Beschreiben, Teilnehmen
“Wie”-Fertigkeiten
Wie kann ich das tun?
Nicht bewertend, konzentriert, wirkungsvoll
Übungsbeispiele
Achtsames Sehen (Lücken sehen; 5 Dinge, die rot sind)
Gegenstände wahrnehmen, Steine fühlen, Bodenkontaktübungen
Was behandelt das Modul der “Zwischenmenschlichen Fähigkeiten”?
Wozu dienen zwischenmenschliche Fertigkeiten?
Ziele in einer Situation erreichen (Zieleffektivität)
Gute Beziehungen aufbauen und aufrechterhalten (Beziehungseffektivität)
Selbstachtung aufbauen und aufrechterhalten (Selbstachtungseffektivität)
Was beinhaltet das Modul der “Emotionsregulation”?
Achtsamkeit für gegenwärtige Gefühle steigern
Gefühle identifizieren und benennen
Hindernisse für das Verändern von Gefühlen identifizieren
Positive Ereignisse häufiger werden lassen
Den eigenen Gefühlen entgegen handeln
Emotionale Vulnerabilität reduzieren
Ausgewogene Ernährung
Ausreichender Schlaf, aber auch nicht zu viel
Körperliche Bewegung
Beispiel:
Umgang mit Ärger und Wut
Distanzierung, Ablenkung, Gedankenstopp, Körperübungen, Sport
Gefühle decodieren
Körperwahrnehmung, Gedanken, Mimik, Körperhaltung, Bedürfnisse
Was sind Inhalte des Moduls “Stresstoleranz”?
spielt besonders in Krisensituationen und bei einer sehr hohen Anspannung eine Rolle
Ziel: Anspannung senken, Gefühle und Gedankenkreise unterbrechen, um schädigenden Verhaltensweisen vorzubeugen und diese zu vermeiden
Krisenüberlebensstrategien
Sich ablenken
Sich beruhigen
Den Augenblick verändern und an das Pro & Contra denken
Ein radikales Annehmen der Realität im Moment
Handlungsbezogene Skills
Aktivitäten, Versuchen, Gefühle zu verändern durch zB schauen einer Komödie bei Angst
Körperbezogene Skills
Konzentration auf Atmung mit Atemanleitungen, Entspannungsübungen
Gedankenbezogene Skills
Sinnesbezogene Skills
Bewusstes Sehen, Schmecken etc
Aufmerksamkeit lenken mit starken, intensiven, aber nicht verletzenden Reizen
zB Chilischote kauen (Schmecken)
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