a) Warum ist der ökologische Zustand vieler Fließgewässer schlecht?
b) Welche zentralen Folgen haben diese Eingriffe?
a)
starke Verbauung (z. B. Häfen, Wasserkraft, Hochwasserschutz)
Begradigung → Verlust natürlicher Dynamik (Mäander)
Trockenlegung ufernaher Feuchtgebiete/Auen
Einträge (Verschmutzungen) + invasive Arten + Übernutzung
b)
Abnahme der Strukturvielfalt / Zerstörung von Auen
Unterbrechung von Wanderungen (v. a. Fische)
Verlust von Lebensräumen für Flora/Fauna
weniger/keine natürliche Dynamik → Biodiversitätsverlust
Was ist das Ziel der WRRL (Wasserrahmenrichtlinie)?
Erhalt und Verbesserung aquatischer Ökosysteme
Erreichen eines guten ökologischen und guten chemischen Zustands
Umsetzung über Schutz, Monitoring und Renaturierungsmaßnahmen
Wie wird der ökologische Zustand grundsätzlich bewertet?
Vergleich Ist-Zustand vs. Referenzzustand (ohne menschliche Störungen)
biologische Qualitätskomponenten als Kern
physikalisch-chemische und hydromorphologische Parameter als Unterstützung
Was umfasst „Wasserhaushalt“ als hydromorphologische Komponente?
Veränderungen/Nutzung im Einzugsgebiet
Wasserentnahmen und -einleitungen
Gewässerausbau/Bauwerke im Gewässer
Auenveränderungen
Was bedeutet „Durchgängigkeit“ (hydromorphologisch)?
Durchgängigkeit für Organismen
Durchgängigkeit für Sedimente (Geschiebe/Feinsediment)
Welche Teilaspekte gehören zur Morphologie eines Fließgewässers?
Laufentwicklung
Längsprofil
Sohlstruktur
Querprofil
Uferstruktur
Gewässerumfeld
Welche biologischen Parameter nennt das Skript zur Zustandsbewertung?
Artenzusammensetzung
Artenhäufigkeit
Biomasse Phytoplankton
Auftreten störungsempfindlicher MZB-Arten
Altersstruktur von Fischen
Wovon hängt die Fischfauna besonders ab?
Gewässerkontinuum (Vernetzung)
Gewässermorphologie
Sauerstoff
Wovon hängt das Makrozoobenthos (MZB) besonders ab?
Saprobie (organische Belastung)
Wovon hängen Phytobenthos & Phytoplankton besonders ab?
Nährstoffe
Licht/Beschattung
Aufenthaltszeit/Aufstau
Toxizität
Wovon hängen Makrophyten besonders ab?
Sedimentbewegung
Was sind die 4 Dimensionen ökologischer Durchgängigkeit?
Longitudinal: im Fluss + zu/zwischen Zuflüssen
Lateral: Flussbett ↔ Ufer/Überschwemmungsgebiete
Vertikal: Flussbett ↔ Interstitial/Grundwasser
Zeitlich: Hoch- und Niedrigwasser-Dynamik
Wie wirkt sich longitudinale Durchgängigkeit auf Fische aus?
größter Effekt bei Fischen
besonders relevant für diadrome Arten (z. B. Lachs, Aal) und potamodrome Arten (z. B. Nase)
relativ schnelle Verbesserung möglich
allein oft nicht ausreichend (Habitatqualität muss passen)
Wie wirkt sich longitudinale Durchgängigkeit auf MZB aus?
Verbesserung möglich, aber eher langfristig
Ausbreitung/Wanderung nur über wenige Meter → langsame Wiederbesiedlung
Wie wirkt sich Durchgängigkeit auf Flora aus?
eher geringer Effekt (im Vergleich zu Fischen)
Welche Chancen bietet Dammentfernung?
Wiederherstellung natürlicher Fließbedingungen/-geschwindigkeiten
„4D“-Durchgängigkeit für Sediment und Ökologie
erhöhter genetischer Austausch/ Diversität möglich
Welche kurzfristigen Folgen kann Dammentfernung haben (Fische & MZB)?
Rückgang strömungsarmer Arten (die Aufstau gewohnt sind)
Verstopfung des Kieslückensystems/ Sohleneinebnung flussabwärts möglich
Wasserqualität kann kurzfristig schlechter werden (v. a. für MZB)
Verschiebung der Ernährungstypen (z. B. mehr Weidegänger; weniger Zerkleinerer/Filtrierer – standortabhängig)
Welche langfristigen Folgen kann Dammentfernung haben?
höherer Anteil störungsempfindlicher Arten möglich
teilweise Homogenisierung von Arten/Häufigkeiten flussauf/-abwärts erwähnt
Makrophyten: kurzfristig Absterben durch Sedimentation; langfristig Renaturierung von Uferzonen möglich (aber Risiko invasiver Arten)
Phyto(benthos/plankton): kurzfristig Biomasse ↓ (Turbulenz/Licht/Sedimentstabilität), mittelfristig Biomasse ↑ (mehr Licht/Temperatur)
Was ist das „Fazit“ zur Dammentfernung im Skript?
gute Planung/Ausführung → geringe kurzfristige Schäden
Erholung/Verbesserung wahrscheinlich, aber:
bei schlechter Umsetzung kann Wiederherstellung Jahrzehnte dauern
Fauna erholt sich meist schneller als Flora
Was können Fischwanderhilfen leisten?
ermöglichen Fischmigration (lateral & longitudinal)
Salmoniden profitieren besonders
naturnahe FWH können auch Habitatfunktion haben
Welche Grenzen/Nachteile haben Fischwanderhilfen?
Verzögerung → Energieverlust
Beeinflussung natürlicher Selektion
Selektivität: „große Fische“ passieren eher; artspezifische Unterschiede
Passierwahrscheinlichkeit schwankt stark
Eingang oft schwer auffindbar
Austausch anderer Organismengruppen meist gering
Was passiert mit Sedimenten an Querbauwerken?
Ablagerung/ Kolmation vor dem Bauwerk
unterhalb oft zu wenig Geschiebe → Habitatverschlechterung
Was ist die Idee „anthropogene Sedimentzugabe“ und ihr Problem?
kann Kieslaichplätze schaffen
muss oft nach wenigen Jahren erneuert werden
nur bedingt nachhaltig
Unterschied: Revitalisierung vs. punktuelle Maßnahmen vs. Strukturmaßnahmen?
Revitalisierung: Funktionen wieder möglich machen (z. B. Wiederanbindung Altarme), aber ursprüngliche Dynamik nicht vollständig
Punktuell: z. B. Längsdurchgängigkeit / lokale Einbauten
Strukturmaßnahmen: innerhalb bestehender Breite, mehr Strukturelemente im vorhandenen Raum
Was unterscheidet „gewässerökologische Aufwertung“ von „Renaturierung“?
Aufwertung: morphologisch auch über Flussbett hinaus, Verzahnung Umland – aber Dynamik nicht komplett wie früher
Renaturierung: umfassende Wiederherstellung des ursprünglichen Lebensraums (v. a. Breite!)
Wirksamkeit: Breitenausdehnung > Längsausdehnung, Mindestmaß ca. ≥ 3× Gewässerrinne
Ziel: dynamische Entwicklung des Gewässers + Umland-Verzahnung
Nenne typische konkrete Struktur-/Renaturierungsmaßnahmen.
Neuanlage/Nebenarme (dynamisch)
Aufwertung im Gewässer (dynamisch)
dynamischer Uferrückbau / Umlandabsenkung
Struktureinheiten einbauen (z. B. Totholz)
Warum ist Totholz/umgestürzte Bäume ökologisch wichtig?
Schutzraum
Laichraum
Nahrungsraum
schafft Strömungs- und Substratvielfalt
Wie reagiert die Fischfauna typischerweise auf Struktur-Renaturierung?
reagiert relativ schnell auf hydromorphologische Veränderungen (v. a. Sedimenthaushalt)
Individuenzahl steigt oft signifikant (auch Jungfische)
Artenvielfalt steigt meist weniger stark als Abundanz
„Strahlwirkung“ möglich (positive Effekte über Abschnitt hinaus)
Wie reagiert Makrozoobenthos (MZB) typischerweise?
reagiert stark auf Sediment/Morphologie, aber Ergebnisse variieren stark je nach Maßnahme
Gewässerverbreiterung kann Artenvielfalt erhöhen
Meta-Analysen: Habitat verbessert, aber oft nur geringe/nicht signifikante positive Effekte auf Wirbellose
Wie reagieren Makrophyten typischerweise?
schnelle Reaktion: rasche Neuansiedlung
häufig deutlicherer Anstieg der Vielfalt als bei Fisch/MZB
kann Nahrung/Habitate/Schutz für andere Gruppen erhöhen
aber: In WRRL-Bewertung teils dennoch keine Verbesserungsklasse erreicht (je nach Studie/Abschnitt)
Gesamtbewertung: Erreichen Renaturierungen oft den „guten Zustand“ nach WRRL?
häufig keine Verbesserung bis zum „guten Zustand“ nach WRRL, v. a. bei MZB/Makrophyten
Fische zeigen teils Verbesserungen
insgesamt: deutliche morphologische Verbesserung, ökologische Effekte je nach Gruppe unterschiedlich
Was umfasst „Renaturierung des Wasserhaushalts“?
Abflussmenge
Abflussdynamik
Verbindung zu Grundwasserkörpern
Welche Maßnahmenkategorien werden genannt (Wasserhaushalt)?
gegen Belastungen im Einzugsgebiet
Landentwässerung & hydrologisch relevante Landnutzung
Auenrenaturierung
Reduktion von Wasserentnahme und -einleitung
Entfernung gewässerbaulicher Veränderungen
Wie hilft „Reduktion der Landentwässerung“ ökologisch?
Maßnahmen: Entsiegelung, Retentionsflächen, Wiedervernässung (Auen/Moore), Drainage-Entfernung
puffert Abflussdynamik (Dürre/Hochwasser abgefedert)
weniger „Katastrophensterblichkeit“ bei Fischen/MZB
Schutz vor Austrocknung
Warum ist Anpassung der Landnutzung für Gewässer wichtig?
extensive Landwirtschaft & Auenrenaturierung reduzieren Erosion
weniger Feinsediment → weniger Kolmation, weniger Nährstoffeinträge
Erhalt Kieslückensystem (Laich-/Lebensraum für Fische & MZB)
bessere trophische Bedingungen und Lichtverhältnisse für Flora
Auen als vielfältige Habitate (Schutz-/Laichgebiete)
Effekte von „Reduktion Wasserentnahme“?
mehr Abflussmenge (durch weniger Entnahme)
Mindestabfluss für Organismen wird gesichert
mehr Wasser → mehr Potenzial für Wasserorganismen
Effekte von „Vermeidung von Einleitungen“?
stabilere Temperatur
mehr gelöster Sauerstoff
Schutz temperaturosensibler Gruppen (MZB/Fische)
weniger Schadstoffe (v. a. für Fauna)
bessere trophische Bedingungen für natürliche Flora
Was bringt die Entfernung gewässerbaulicher Veränderungen (Buhnen, Ufersicherung, Begradigung etc.)?
weniger künstliche Störungen im Sedimenthaushalt (z. B. weniger Eintiefung/Kiesabtrag)
MZB und Fische werden weniger gestört
mehr Laichplätze + Lebensraum für benthische Flora/Fauna
Wiederherstellung hydraulischer Verbindung zum Grundwasser → hyporheisches Interstitial (Lebensraum, Filterfunktion, Stoffumsatz)
Was meint „Strahlwirkung“ bei Renaturierungen?
positive Effekte reichen über den restaurierten Abschnitt hinaus
abhängig von Vernetzung & Qualität angrenzender Habitate/Flächen
Praxisbeispiel Zschampert: Welche Synergien werden betont?
Rückverlegung in historischen Verlauf
Etablierung von Feuchtlandschaften/Staudenfluren/Weichholz
stabilere Wasserversorgung des Baches & angrenzender Aue (inkl. Überflutungen)
Profit für Gesamtökosystem → Stabilität → Bach profitiert (z. B. Selbstreinigung)
Welche großen Herausforderungen werden genannt?
Landnutzung im Einzugsgebiet: Nitrate, Feinsedimente/Erosion → Selbstreinigung reicht nicht immer
Flächenmangel: Breiten-Dynamik wichtig, aber oft fehlen Flächen beidseits
Maßnahmen häufig zu klein dimensioniert → großflächige Renaturierung inkl. Einzugsgebiet nötig
Planung/Umsetzung: fehlende dynamische Elemente, geringe Kompetenz/Lerneffekte, Finanzierung
Was ist das übergeordnete Fazit des Vortrags?
Effekte auf Organismen meist positiv, aber variabel und teils auch negativ möglich
aktuelle Maßnahmen reichen oft nicht, um WRRL-Ziele zu erreichen
Querbauwerke entfernen erhöht Durchgängigkeit (Fischwanderhilfen sind fehleranfällig)
Strukturmaßnahmen sollten natürliche Gewässer nachahmen + natürliche Dynamik zulassen
notwendig: großflächiger denken + anthropogene Nutzung reduzieren
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