Definition: Wassermanagement bezeichnet die geplante Bewirtschaftung aller Wasserressourcen. Es umfasst die Gesamtheit aller Einrichtungen und Maßnahmen, die sich auf die Gewinnung, Speicherung, Verteilung, Nutzung, Reinigung und den Schutz von Wasser beziehen.
Ziel ist es, die menschlichen Bedürfnisse (Trinkwasser, Industrie, Landwirtschaft) mit den ökologischen Erfordernissen (Naturschutz, Wasserkreislauf) in Einklang zu bringen.
Was sind die Herausforderungen für die Wasserwirtschaft ?
Sicherung der Grundbedürfnisse und Gesundheit
Ernährungssicherheit
Schutz der Ökosysteme
Befriedigung städtischer Bedürfnisse
Förderung einer sauberen Industrie
Entwicklung der Energieversorgung
Minderung von Risiken und Umgang mit Unsicherheiten
Zuweisung von Wasser über Grenzen hinweg
Den Wert von Wasser ermitteln
Wasser vernünftig verwalten
Die Aufgaben lassen sich grob in vier Hauptbereiche unterteilen:
1. Wasserversorgung (Bereitstellung)
Hier geht es darum, Wasser in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung zu stellen.
Wassergewinnung: Entnahme von Wasser aus dem Grundwasser (Brunnen), aus Oberflächengewässern (Talsperren, Seen, Flüsse) oder Quellen.
Wasseraufbereitung: Behandlung des Rohwassers in Wasserwerken (Filtern, Enteisenen, Entkeimen), damit es Trinkwasserqualität erreicht.
Wasserspeicherung: Vorhaltung von Wasser in Hochbehältern oder Wassertürmen, um Verbrauchsschwankungen auszugleichen.
Wasserverteilung: Transport durch ein Rohrleitungsnetz bis zum Endverbraucher (Haushalte, Industrie, Landwirtschaft).
2. Wasserentsorgung (Abwasserbeseitigung)
Nach der Nutzung muss das verschmutzte Wasser sicher abgeleitet und gereinigt werden.
Abwassersammlung: Ableitung von Schmutzwasser (aus Toiletten, Küchen) und oft auch Regenwasser durch die Kanalisation.
Abwasserreinigung: Behandlung in Kläranlagen durch mechanische, biologische und chemische Verfahren, bevor es wieder in die Umwelt (den "Vorfluter", z.B. einen Fluss) geleitet wird.
Klärschlammbehandlung: Entsorgung oder Verwertung (z.B. zur Energiegewinnung) der Reststoffe aus der Klärung.
3. Wasserbau & Schutz (Sicherheit)
Maßnahmen, um Gefahren durch Wasser abzuwehren und Gewässer zu pflegen.
Hochwasserschutz: Bau und Instandhaltung von Deichen, Dämmen, Rückhaltebecken und Talsperren, um Überflutungen zu verhindern.
Gewässerunterhaltung: Pflege von Flussbetten und Ufern, um den Abfluss zu sichern und Lebensräume zu erhalten.
Starkregenmanagement: Planung von städtischen Flächen so, dass sie große Wassermengen aufnehmen können (Schwammstadt-Prinzip).
4. Ressourcenmanagement & Planung
Die strategische Ebene des Managements.
Grundwasserschutz: Überwachung der Grundwasserpegel und Ausweisung von Schutzgebieten, um Verschmutzung zu verhindern.
Infrastruktur-Management: Wartung und Sanierung des oft riesigen und teuren Rohrleitungsnetzes (Leckageortung).
Zukunftsplanung: Anpassung an den Klimawandel (Dürreperioden vs. Starkregen) und Sicherstellung der Versorgungssicherheit für kommende Generationen.
5. Kühlwasser & Produktionswasser
Was ist nachhaltiges Wassermanagement?
Die Kunst des Umgangs mit dem Wasserschatz, seiner ungleichmäßigen örtlichen und zeitlichen Verteilung, seines Schutzes und seiner Nutzbarmachung für den Menschen, nennt sich die Wasserwirtschaft.
Die Entsprechung im angelsächsisch-internationalen Sprachraum ist der Begriff des "Wasserressourcen-Managements".
Vermeidet irreversible und quasi-reversible Schäden an der Ressource Wasser und den damit verbundenen natürlichen Ressourcen.
Bewahrt langfristig die Fähigkeit der Ressource Wasser, ihre (auch ökologischen) Leistungen zu erbringen.
Wenn wir die Wasserwirtschaft als ein Entscheidungsproblem betrachten, was müssen wir dann berücksichtigen?
Widersprüchliche Bedürfnisse
Mehrere Ziele
Viele Interessengruppen
Komplexes und nichtlineares System
Was ist die beste Lösung?
Hier wird Wasser im Kreislauf geführt, effizient genutzt und die Natur geschützt.
1. Singapur: Die "Vier Wasserhähne" Strategie
Der Ansatz: Singapur hat kaum eigene Quellen. Um sich unabhängig von Importen aus Malaysia zu machen, nutzt der Stadtstaat vier Säulen:
Import (soll reduziert werden).
Entsalzung von Meerwasser.
Auffangen jedes Regentropfens (riesige Sammelflächen).
NEWater: Hocheffizientes Recycling von Abwasser zu Trinkwasserqualität.
Das Ergebnis: Singapur schließt den Wasserkreislauf fast komplett. Das aufbereitete Wasser ist sauberer als der WHO-Standard.
Warum gutes Management? Maximale Effizienz und Versorgungssicherheit durch Technologie (Water Reuse).
2. Israel: Weltmeister der Wiederverwendung & Tröpfchenbewässerung
Der Ansatz: Da Israel extrem trocken ist, wurde die Tröpfchenbewässerung perfektioniert (Wasser direkt an die Wurzel statt Beregnung). Zudem bereitet Israel fast 90 % seines Abwassers so hochwertig auf, dass es erneut in der Landwirtschaft verwendet wird. Zum Vergleich: In Spanien sind es ca. 17 %, in Deutschland fast 0 % (da wir genug Regen haben).
Das Ergebnis: Wüsten können landwirtschaftlich genutzt werden, ohne die spärlichen Trinkwasserreserven aufzubrauchen.
Warum gutes Management? Anpassung an das Klima und hocheffiziente Nutzung der Ressource "Abwasser".
3. Kopenhagen (Dänemark): Der Wolkenbruch-Plan (Cloudburst Plan)
Der Ansatz: Nach massiven Überschwemmungen 2011 entschied die Stadt, nicht einfach größere Rohre unter die Erde zu legen. Stattdessen wurde die Stadt oberirdisch umgebaut (Schwammstadt). Parks wurden tiefergelegt, um bei Starkregen als temporäre Seen zu dienen. Straßen wurden so geneigt, dass Wasser gezielt in den Hafen abfließt.
Das Ergebnis: Die Stadt ist grüner, lebenswerter und gegen Starkregen geschützt.
Warum gutes Management? Multifunktionale Nutzung von Flächen: Bei Sonne ein Park, bei Regen ein Rückhaltebecken.
4. New York City (USA): Wasserschutz statt Klärwerk
Der Ansatz: Statt Milliarden in neue Filteranlagen zu investieren, kaufte die Stadt New York riesige Landflächen in den Catskill Mountains (dem Quellgebiet ihres Wassers) auf. Sie bezahlten Landwirte dort dafür, weniger zu düngen und den Wald zu schützen.
Das Ergebnis: Das Wasser, das in New York ankommt, ist so sauber, dass es kaum aufbereitet werden muss.
Warum gutes Management? Investition in die Natur ("Ökosystemdienstleistung") ist billiger und nachhaltiger als technische Lösungen (End-of-Pipe).
Hier wird die Ressource verschwendet, verschmutzt oder dauerhaft zerstört.
1. Der Aralsee (Zentralasien)
Was ist passiert? Um in der Wüste Baumwolle (eine sehr durstige Pflanze) anzubauen, leiteten die Sowjetunion und später die Anrainerstaaten die Zuflüsse des Sees (Amudarja und Syrdarja) fast vollständig auf die Felder um.
Die Folge: Der einst viertgrößte Binnensee der Erde ist fast vollständig ausgetrocknet. Das lokale Klima hat sich verändert (heißere Sommer, kältere Winter), Fischerei ist unmöglich, und giftige Salz-Staub-Stürme bedrohen die Gesundheit der Menschen.
Warum schlechtes Management? Kurzfristiger ökonomischer Gewinn wurde über die langfristige Existenz eines ganzen Ökosystems gestellt.
2. Marode Leitungsnetze (z. B. London oder viele Großstädte weltweit)
Was ist passiert? In vielen Städten ist die Infrastruktur (Rohre) über 100 Jahre alt und wurde nicht saniert. In London gingen zeitweise über 25 % des Trinkwassers durch Lecks verloren, bevor es überhaupt den Wasserhahn erreichte. In einigen Städten des globalen Südens liegt diese Quote ("Non-Revenue Water") sogar bei 50 %.
Die Folge: Energie und Chemie für die Wasseraufbereitung werden verschwendet, und dem Ökosystem wird unnötig viel Wasser entnommen.
Warum schlechtes Management? Mangelnde Investitionen in die Instandhaltung.
3. Grundwasser-Raubbau in Kalifornien (USA) und Spanien
Was ist passiert? Für den Anbau von Mandeln (Kalifornien) oder Erdbeeren (Südspanien) wird in trockenen Regionen massiv Grundwasser abgepumpt – schneller, als es sich durch Regen neubilden kann.
Die Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch. In Kalifornien sinkt dadurch sogar der Boden ab (Land Subsidence), was Straßen und Brücken beschädigt. Brunnen trocknen aus.
Warum schlechtes Management? Nicht-nachhaltige Landwirtschaft in ungeeigneten Klimazonen ohne strikte Regulierung.
Geben Sie eine Definition für nachhaltiges Wassermanagement.
Für erneuerbare Ressourcen
Die Nutzungsrate darf nicht höher sein als die Erneuerungsrate
Für nicht-erneuerbare Ressourcen
Die Nutzungsrate darf nicht höher sein als die Rate, mit der eine nicht-erneuerbare Ressource durch eine erneuerbare (und nachhaltig genutzte) Ressource ersetzt werden kann.
Für Schadstoffe und Materialbelastungen
Die Produktionsrate darf nicht größer sein als die Rate, mit der der Stoff recycelt, absorbiert oder in unschädliche Stoffe abgebaut werden kann.
Definition "Integriertes Wasserressourcen-Management" (IWRM)
IWRM ist ein Prozess, der eine koordinierte Entwicklung und Management von Wasser, Boden und den damit verbundenen Ressourcen unterstützt, mit der Aufgabe, das daraus resultierende wirtschaftliche und soziale Wohlergehen auf eine Gerechte Weise zu vergrößern, ohne Kompromisse bei der "Nachhaltigkeit der lebenswichtigen Ökosysteme einzugehen". (GWP 2000)
Was sind die fünf klassischen Managementfunktionen?
Antwort: Nach der klassischen Managementlehre (oft zitiert nach Koontz/O'Donnell) sind dies:
Planung (Ziele setzen, Strategien entwickeln)
Organisation (Strukturen schaffen, Aufgaben verteilen)
Personaleinsatz (Mitarbeiter auswählen und entwickeln)
Führung (Mitarbeiter anleiten und motivieren)
Kontrolle (Ergebnisse messen und korrigieren)
Zuletzt geändertvor 21 Tagen