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Emotionstheorien und Emotionsregulation

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von nils R.

Erläutern Sie die sogenannte James-Lange-Theorie. Was ist in diesem Zusammenhang damit gemeint, dass Menschen traurig sind, weil sie weinen, und was sind die Kritikpunkte am klassischen Ansatz von James und Lange?

Die James-Lange-Theorie besagt, dass Emotionen nicht die Ursache von körperlichen Reaktionen wie Weinen, Herzklopfen oder Schweißausbrüchen sind, sondern dass es sich genau anders herum verhält. Emotionen seien Folge der Wahrnehmung von körperlichen Reaktionen. Somit weine der Mensch nicht, weil er traurig ist, sondern er ist traurig, weil wer weint. Im Kern heißt dies, dass die bewusste Wahrnehmung körperlicher Reaktionen mit der Emotion identisch ist. Körperliche Veränderungen seien notwendige und hinreichende Voraussetzung für das Erleben von Emotionen. Gegen die Notwendigkeit von körperlichen Veränderungen für das Emotionserleben sprechen tierexperimentelle Untersuchungen, die ergeben haben, dass Tiere auch dann noch emotionale Reaktionen zeigen, wenn zum Beispiel Nervenbahnen zu den Eingeweiden getrennt wurden. Aus den Eingeweiden konnten also keine Informationen mehr an das Gehirn weitergleitet werden. Zum anderen konnte festgestellt werden, dass Eingeweide erstens vergleichsweise langsam reagieren und zweitens Informationen aus den Eingeweiden vergleichsweise lange benötigen, um das zentrale Nervensystem zu erreichen. Emotionen treten bereits auf, noch bevor die Eingeweide reagieren. Dass körperliche Veränderungen die Voraussetzung für Emotionen sind, schließt die Annahme mit ein, dass jeder spezifischen Emotion auch eine spezifische körperliche Reaktion beziehungsweise ein Reaktionsmuster zugeordnet werden kann. Eine solche Zuordnung ist bislang nicht gelungen.

Erläutern Sie den Kerngedanken der Zwei-Faktoren-Theorie der Emotionsentstehung und führen Sie mindestens zwei Kritikpunkte an.

Im Rahmen der Zwei-Faktoren-Theorie wird wie auch bei der James-Lange-Theorie angenommen, dass physiologische Erregung notwendige Bedingung für emotionale Reaktionen ist. Diese physiologische Erregung müsse aber noch bewertet werden, damit ein Emotionserleben erfolgt. Dabei wurde angenommen, dass es sich dabei um zwei Kognitionen handelt. Zunächst müsse eingeschätzt werden, wie relevant ein Reiz beziehungsweise eine Situation ist, ob der Reiz also bedrohlich oder erfreulich ist. Anschließend müsse die physiologische Erregung auch auf den Reiz beziehungsweise auf die Situation attribuiert werden. Diese zweite Kognition bestimmt demnach, ob die physiologische Erregung auch auf den potenziell emotionslauslösenden Reiz beziehungsweise die Situation zurückgeführt wird. Körperliche Veränderungen seien nur unspezifische Erregungsmuster, die für spezifisches Emotionserleben nicht verantwortlich sein können. Es wird also angenommen, dass ein spezifischer Reiz oder eine ganze Situation zu einem unspezifischen Erregungszustand führt, der dann einer Kognition bedarf, die aus der unspezifischen Erregung eine spezifische Emotion werden lässt. Emotionen umfassen demnach zwei Faktoren. Zum einen die physiologische Erregung und zum anderen die kognitive Interpretation der Erregung. Es hat sich gezeigt, dass die Annahme der Zwei-Faktoren-Theorie, dass durch künstlich herbeigeführte Erregung jede Emotion intensiviert werden könne, empirisch nicht zu halten ist, da die durch Adrenalin erzeugten Erregungen angstspezifisch sind. Die Grundannahme, dass Emotionen eine unspezifische Erregung zugrunde liegt, ist mit empirischen Befunden nicht vereinbar. Ebenso nicht vereinbar mit der Zwei-Faktoren-Theorie ist auch der Befund eines Experiments, bei dem Männern Fotos von Damen aus einem Herrenmagazin gezeigt wurden, um diese die Attraktivität der Damen einschätzen zu lassen. Den Probanden wurde erklärt, dass sie während der gesamten Bewertungsphase ihren eigenen Herzschlag hören werden. Dieser würde ihnen verstärkt über Lautsprecher eingespielt werden. In Wirklichkeit wurden die eingespielten Herztöne aktiv vom Versuchsleiter in ihrer Geschwindigkeit manipuliert. Es zeigte sich, dass diejenigen Damen als besonders attraktiv beurteilt wurden, bei denen der Versuchsleiter die Herzfrequenz als besonders hoch simulierte. Dieser Effekt ließ sich auch noch Wochen nach dem Experiment nachweisen und spricht deshalb gegen die Zwei-Faktoren-Theorie, weil gar keine echte physiologische Veränderung stattgefunden hat, sondern lediglich eine solche simuliert worden ist.

Emotionen können reguliert werden, indem diese neubewertet oder unterdrückt werden. Was sind die Folgen der beiden Strategien und welche der beiden Strategien ist wirksamer?

Neubewertung und Unterdrückung können unterschiedliche Folgen haben. Dabei zeigt sich insgesamt, dass Neubewertung effektiver ist als Unterdrückung, da Unterdrückung mit erheblichen Kosten auf affektiver, kognitiver und sozialer Ebene einhergeht. Neubewertung verringert die Intensität von Emotionen sowie ausdrucks- beziehungsweise verhaltensbezogene und physiologische Reaktionen. Unterdrückung wirkt sich dagegen lediglich auf den Ausdruck aus, nicht aber auf das emotionale Erleben, und geht zudem mit dem negativen Effekt einher, dass zusätzliche Kosten in Form erhöhter physiologischer Reaktionen entstehen, die eine aktive Beeinflussung des Emotionsauslösers eher zu behindern scheinen. Es konnte gezeigt werden, dass Neubewertung die kognitive Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt, während Unterdrückung diese beeinträchtigt. Die Unterdrückung von Emotionen geht mit erhöhten physiologischen Parametern und einer verringerten kognitiven Leistungsfähigkeit einher. Somit steht weniger Aufmerksamkeit für eine etwaige soziale Interaktion zur Verfügung. Da auch durch die Kontrolle der Mimik diese nicht mehr zur sozialen Interaktion zur Verfügung steht, besteht die Gefahr von Missverständnissen und Konflikten. Es lässt sich in experimentellen Anordnungen empirisch zeigen, dass Interaktionspartner von Personen, die ihre Emotionen unterdrücken, diese weniger mögen und ihnen weniger nah sein wollen, während gleichzeitig der Blutdruck dieser Interaktionspartner ansteigt. Damit zeigt sich, dass Menschen durchaus Gefühle, emotionalen Ausdruck und physiologische Reaktionen im Rahmen von Emotionen beeinflussen können, dabei aber die Neubewertung deutlich effektiver ist als die Unterdrückung. Die Reduktion negativer Gefühle gelingt am besten durch Neubewertung. Die Unterdrückung des emotionalen Ausdrucks bei negativen Emotionen hat praktisch keinen Effekt auf das Gefühl und die damit einhergehenden physiologischen Reaktionen. Die Konzentration auf die eigenen negativen Gefühle oder die Auslöser der Gefühle scheint einen negativen Effekt zu haben und die Emotionen zu intensivieren und nicht abzuschwächen.

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nils R.

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