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Kapitel 1 - Sprache, Schrift, Kommunikation und Interaktion

HM
von Hanna M.

Typen von Öffentlichkeiten

Typen von Öffentlichkeiten


Beispiele:

  • Betriebsöffentlichkeiten

  • Branchenöffentlichkeiten

  • wissenschaftliche Öffentlichkeiten

  • künstlerische Öffentlichkeiten


Merkmale:

  • vielfältig miteinander verschränkt

  • wechselseitig aufeinander bezogen


Strukturen von Kommunikationsarenen

  • Kommunikationsarenen bilden empirische Rahmenbedingungen für Akteure.

    • = Wer sich öffentlich äußert, tut das nie im luftleeren Raum, sondern innerhalb bestimmter Regeln und Bedingungen, die schon da sind.

    • Beispiel:

      • In einer Talkshow kannst du anders reden als

      • in einer Betriebsversammlung oder

      • auf Twitter

      👉 Die Arena formt dein Handeln, nicht umgekehrt.


Jedes Handlungsfeld:

  • begrenzt das Themenspektrum

    • In der wissenschaftlichen Öffentlichkeit → Forschung, Theorien

    • In der Betriebsöffentlichkeit → Arbeitsabläufe, Ziele, Zahlen

    • In der gesellschaftspolitischen Öffentlichkeit → Gesetze, Wahlen, Krisen

    • Wenn du ein „unpassendes“ Thema einbringst, wird es:

      • ignoriert

      • abgelehnt

      • oder gar nicht zugelassen


  • weist spezifische Kommunikationsstrukturen auf

    • Jede Arena hat eigene Regeln, wie kommuniziert wird.

    Beispiele:

    Arena

    Kommunikationsstruktur

    Wissenschaft

    sachlich, belegt, langsam

    Social Media

    kurz, emotional, schnell

    Politik

    strategisch, öffentlichkeitsorientiert


  • ist durch bestimmte Akteurskonstellationen geprägt

    • In jeder Arena treten typische Akteure auf

Beispiele:

  • Medienöffentlichkeit → Journalist:innen, Politiker:innen

  • Unternehmensarena → Management, Mitarbeitende

  • Kunstöffentlichkeit → Künstler:innen, Kritiker:innen

👉 Wer keinen Platz in der Akteurskonstellation hat, kommt kaum zu Wort.


Die 3 Bestimmungsfaktoren:

  • raum-zeitliche Ausdehnung

    • Beispiele:

      • Gespräch auf der Straße → kurz & lokal

      • TV-Nachrichten → dauerhaft & überregional

  • potenzielle Mitgliederzahl

    • Wie viele Menschen können teilnehmen oder zuhören?

    • Beispiele:

      • Teammeeting → wenige

      • Medienöffentlichkeit → Millionen

  • Verfügbarkeit bestimmter Medien

    • Welche Medien stehen zur Verfügung?

    • Beispiele:

      • Interne Arena → Intranet, E-Mail

      • Gesellschaftspolitische Öffentlichkeit → TV, Presse, Social Media


➡️ Die gesellschaftspolitische Öffentlichkeit ist:

  • nur eine von vielen Öffentlichkeiten

  • aber die wichtigste hinsichtlich Reichweite, Themen und Medien (Zerfaß, 2004)


Öffentlichkeit als Netzwerk

  • Mit Franzisca Weder (2007):

    • Öffentlichkeit kann als Netzwerk verstanden werden, das andere Interaktionsfelder überlagert.

  • Es existiert ein:

    • Geflecht überlappender Kommunikationsarenen

    • mit unterschiedlichen Kristallisationspunkten (Beispiel: Ein Skandal = Kristallisationspunkt→ Medien, Politik, Social Media greifen ihn auf


Was heißt das konkret?

  • Öffentlichkeiten überlappen sich

  • Akteure bewegen sich zwischen Arenen

  • Themen wandern von einer Arena in die nächste

👉 Beispiel: Ein Thema beginnt:

  • privat → Encounter

  • wird Thema in einer Organisation

  • landet in den Medien


➡️ Gleichzeitig entstehen:

  • ein- und ausschließende Kommunikationsfelder

  • internes Öffentliches wird für Außenstehende zum Geheimnis (Zerfaß, 2004)


1.2 Medien und Öffentlichkeit

Medien als Voraussetzung von Kommunikation


  • Grundsätzlich gilt: Jede Form von Kommunikation ist auf Medien angewiesen.

    • Medien sind dabei nicht nur technische Hilfsmittel, sondern erfüllen mehrere, miteinander verbundene Funktionen.

Was sind „Medien“? (nach Ulrich Saxer)

Medien haben fünf zentrale Eigenschaften:


1. Medien als Kommunikationskanäle

Original: Medien transportieren Zeichensysteme mit unterschiedlicher Kapazität.

Einfach gesagt: Medien sind Kanäle, über die Zeichen (Sprache, Bilder, Töne) übertragen werden.

Beispiele:

  • Zeitung → Text + Bilder

  • Radio → Ton

  • Fernsehen → Bild + Ton

  • Social Media → Text, Bild, Video

👉 Medien ermöglichen Kommunikation über Distanz.


2. Medien als Organisationen

Original: Medien sind Organisationen, also zweckerfüllende Sozialsysteme.

Einfach gesagt: Medien sind nicht nur Technik, sondern auch Organisationen, z. B.:

  • Zeitungsverlage

  • Rundfunkanstalten

  • Medienunternehmen

👉 Ohne Organisationen würde Medientechnik nicht dauerhaft funktionieren.


3. Medien als komplexe Systeme

Original: Medienkommunikation ist das Resultat von Herstellung, Bereitstellung und Empfang.

Einfach gesagt: Medien bestehen aus mehreren aufeinander abgestimmten Prozessen:

  1. Inhalte werden produziert

  2. Inhalte werden verbreitet

  3. Inhalte werden rezeptiert (aufgenommen)

👉 Medien sind keine einfachen Werkzeuge, sondern komplexe Systeme.


4. Medien haben gesellschaftliche Wirkungen

Original: Medien wirken funktional wie dysfunktional in alle gesellschaftlichen Schichten hinein.

Einfach gesagt: Medien haben Auswirkungen auf die Gesellschaft – positive und negative.

Funktional (positiv):

  • Information

  • Orientierung

  • Integration

Dysfunktional (negativ):

  • Manipulation

  • Desinformation

  • Skandalisierung

👉 Medien verändern Gesellschaft, sie sind nicht neutral.


5. Medien sind institutionalisiert

Original: Medien sind Teil des gesellschaftlichen Regelungssystems.

Einfach gesagt: Weil Medien so mächtig sind, werden sie:

  • rechtlich geregelt

  • gesellschaftlich kontrolliert

  • institutionell eingebunden

Beispiele:

  • Pressefreiheit

  • Rundfunkgesetze

  • Pressekodex

👉 Medien sind fester Bestandteil gesellschaftlicher Ordnung.


Lernkontrollfragen

Aufgabe 1.1

Welche Bedeutung spielt Kommunikation bei der Persönlichkeitsgenese eines Menschen?

  • Die Persönlichkeitsgenese beschreibt den ontogenetischen Aspekt der Menschwerdung.

  • Es geht also um die Entwicklung vom Säugling zum selbstbestimmten Individuum.

  • Humanspezifische Kommunikationsfähigkeit beruht v.a. auf der Möglichkeit zur Bildung und Verwendung von speziellen Symbolen: Sprache!

  • Die Tatsache, dass der Mensch Zeichen als Träger und Vermittler von Bedeutung nicht nur bewusst und zielgerichtet ‚schafft‘, sondern darüber auch noch in ihrer Repräsentationsfunktion verwenden kann, ist Voraussetzung für jene spezifisch menschliche Qualität von Kommunikation, welche als ‘symbolisch vermittelte Interaktion‚ begriffen und dargestellt ist.

Aufgabe 1.2

Inwiefern kompensiert der Mensch als ‚Mängelwesen‘ mittels Sprache und Schrift seine fehlende Überlebensfähigkeit in der Natur?

  • Der Mensch wird auch als ‚Nestflüchter‘ bezeichnet, was so viel bedeutet, dass er aus eigener Kraft und eigenem Willen nach der Geburt nicht überlebensfähig ist.

  • Er ist auf andere angewiesen, die ihn nicht nur am Leben erhalten, sondern auch Lebensweisen beibringen.

  • Der Mensch verändert die natürliche Natur, indem er eine künstliche Natur, seine menschliche Welt, schafft.

  • Durch Sprache und Schrift kann er sich Erfahrungswissen akkumulieren bzw. ortsungebunden aneignen und somit in der Natur überleben.

Aufgabe 1.3

Wodurch unterscheidet sich die ‚Face-to-Face-Kommunikation‚ und die ‚Gruppen- und Organisationskommunikation‘?

  • Bei der Face-to-Face-Kommunikation handeln beide Kommunikanten intentional und kommunikativ, also mit der Absicht, sich wechselseitig über etwas zu verständigen.

  • Das ist bei der „Gruppen- und Organisationskommunikation“ im Grunde ebenso.

    • Es erhöht sich allerdings die Anzahl der an der Kommunikation beteiligten Menschen.

  • In diesen Fällen leistet Kommunikation einen konstitutiven Beitrag für soziale Gruppen und Organisationen.

  • Gruppen und Organisationen können als soziale Netzwerke verstanden werden, die aus formellen und informellen Kommunikationen bestehen


Aufgabe 1.4

Welche Ebenen von Öffentlichkeit bilden das „Arena-Modell”?

Neidhardt stellt drei verschiedene Ebenen von Öffentlichkeit vor, die man sich als geschichtete Pyramide vorstellen kann:

1. Encounter-Öffentlichkeit: öffentliche Kommunikation findet zum Teil spontan statt, z. B. auf der Straße oder am Arbeitsplatz

2. Themen oder Organisationsöffentlichkeit: öffentliche Kommunikation findet im Rahmen thematisch zentrierter Interaktions- oder Verhandlungssysteme statt, etwa auf Veranstaltungen oder innerhalb von Betrieben. Die Öffentlichkeit kann dabei sowohl spontan entstehen als auch einen hohen Organisationsgrad besitzen.

3. Medienöffentlichkeit: öffentliche Kommunikation findet dauerhaft über Medien vermittelt statt.

Diese Ebenen sind gleichzeitig als Selektionsstufen zu verstehen: von jeder Ebene gelangt nur ein Bruchteil an Themen auf die nächst höhere Ebene und wird dort verhandelt.


Aufgabe 1.5

Warum ist das Internet lt. Definition nach Maletzke kein Massenmedium?

  • Maletzke definiert Massenkommunikation als „jene Form von Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft) durch technische Verbreitungsmittel (Medien) indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zwischen Aussagendem und Aufnehmendem) an ein disperses Publikum vermittelt werden“.

  • Beim Internet treffen zwei Kriterien nicht zu: ‚indirekt‘ und ‚einseitig‘, da das Internet ja gerade die direkte und beidseitige Kommunikation ermöglicht.

  • Beim Kriterium ‚disperses Publikum‘ könnte man zudem bezweifeln, ob Internetangebote nicht zielgruppenspezifischer sind.


Author

Hanna M.

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