Erkenntnisziel der Kommunikationswissenschaft
Ziel der Kommunikationswissenschaft ist die Erforschung von Kommunikationsprozessen zwischen Menschen.
Untersucht werden dabei:
Voraussetzungen
Rahmenbedingungen
Störungen
Folgen von Kommunikation
Diese Prozesse werden auf drei Ebenen analysiert:
Mikroebene: Dialog
Mesoebene: Organisation
Makroebene: Öffentlichkeit, Publizistik
Die Kommunikationswissenschaft arbeitet:
systematisch
theorie- und hypothesengeleitet
Sie nutzt:
Methoden der empirischen Sozialforschung
hermeneutisch-verstehende Verfahren
Theorienlage und Interdisziplinarität
Es existiert keine einheitliche, allgemein akzeptierte Theorie der Kommunikationswissenschaft.
Stattdessen gibt es:
empirisch geprüfte Theorien mittlerer Reichweite
zahlreiche Forschungs- und Theorieansätze (Approaches)
Diese Ansätze:
nehmen unterschiedliche Perspektiven ein (z. B. soziologisch, psychologisch)
formulieren und klären Forschungsfragen aus ihrer jeweiligen Sicht
Die Ausdifferenzierung des Gegenstandsbereichs und der Forschungsfragen führte zu:
einer Ausdifferenzierung in Teildisziplinen
mit interdisziplinären Bezügen zu Sozial- und Geisteswissenschaften (vgl. Beck, 2013)
Als zentrale Grundlagen gelten:
die „Fünf Axiome“ von Paul Watzlawick
das Sender-Empfänger-Modell nach Claude Shannon und Warren Weaver
das „Vier-Ohren-Modell“ nach Friedemann Schulz von Thun
das „Feldmodell der Massenkommunikation“ nach Gerhard Maletzke
besonders wichtig: die Lasswell-Formel von Harold D. Lasswell
Die Lasswell-Formel (1948)
Lasswell formulierte den publizistischen Prozess als:
„Who says what to whom in which channel with what effect?“
Ähnlich den journalistischen W-Fragen
Diente der jungen Kommunikationsforschung als Faustformel
Die einzelnen W-Fragen sind bis heute forschungsleitend
W-Frage
Forschungsfeld
Who
Kommunikatorforschung
Says what
Inhalts- und Aussagenforschung
In which channel
Medienforschung
To whom
Publikumsforschung
With what effect
Medienwirkungsforschung
➡️ Daraus ergibt sich eine Systematik, mit der sich spezifische Fragestellungen ableiten lassen.
Der Erklärungsversuch Lasswells ist:
in soziopolitische
ökonomische
kulturelle
technologische Bezüge eingebettet.
Das Lehr- und Forschungsfeld der Kommunikationswissenschaft ist daher:
sehr umfassend
und ständig im Wachstum
Abbildung 5 – Die Lasswell-Formel
Stellt den Kommunikationsprozess als lineare Abfolge dar:
Who – Kommunikator
Says what – Message
In which channel – Medium
To whom – Receiver
With what effect – Effect
Verdeutlicht:
die Struktur von Kommunikation
sowie die Zuordnung zentraler Forschungsfelder
Abbildung 6 – Lehr- und Forschungsfeld der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Im Zentrum: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Kommunikator-Forschung
Aussagen-Forschung
Medien(-Struktur-)Forschung
Rezipienten-/Wirkungs-Forschung
Umgeben von verschiedenen Aspektbereichen, die den trans- und interdisziplinären Charakter des Fachs zeigen.
Trans- und interdisziplinäre Perspektiven nach Heinz Pürer (2014)
Kommunikations- und Mediengeschichte
Berücksichtigung politischer, ökonomischer, sozialer, kultureller und technischer Bedingungen
Medien als Geschichtsquelle
kommunikationstheoretische Fragestellungen fachgeschichtlicher Art
Kommunikation als Grundvoraussetzung menschlicher Existenz
Bedeutung medienvermittelter Kommunikation für zwischenmenschliche Kommunikation
Ethik der sozialen Kommunikation
Bedeutung der Massenmedien für die Gesellschaft
Sozialisation durch Massenkommunikation
Medien als Vermittler von:
Werten
Normen
Rollen
Verhaltensweisen
Individual-, Gruppen- und Massenkommunikation
Kommunikation in sozialen Netzwerken
Kommunikations- und Medienwirkung auf:
Wissen
Denken
Fühlen
Handeln
Verhalten
Kommunikations- und Medienpsychologie
Kommunikations- und Medienpolitik
politische Grundlagen und Strukturen von Massenkommunikation
Politikvermittlung und Massenmedien
Medialisierung der Politik
demokratietheoretische Bedeutung der Massenmedien
Medien, Öffentlichkeit und öffentliche Meinung
politische Rhetorik
Medienökonomie und Medienwettbewerb
Konzentration und Monopolbildung
volkswirtschaftliche Bedeutung der Massenmedien
betriebswirtschaftliche Grundlagen von:
Presse
Funk
Fernsehen
Film
„neuen Medien“
Medieninhalte und -programme als wirtschaftliche Güter
Massenmedien als Lehr- und Lerngegenstand
Kinder und Medien
Vermittlung aktiver und passiver Medien- und Computerkompetenz
Medienanwendung, Medienverwendung, Unterrichtstechnologie
Sprache in Kommunikation, Massenkommunikation und computervermittelter Kommunikation
Sprachgebrauch und Sprachverhalten in Massenmedien
Verstehen und Verständlichkeit
Alltagssprache und Sprechtheorie
Sprache in Onlinemedien
nationales, internationales und supranationales Kommunikations- und Medienrecht
z. B. Presse- und Rundfunkgesetze, Telemedien- und Fernmelderecht, EU-Recht
Medien- und Kommunikationskontrolle
Telekommunikations- und Medientechnik
Satellitentechnik
Datenkompression, Digitalisierung, Konvergenz
Informatik
Usability-Forschung
3.1 Kommunikations- und Sozialwissenschaft
Die Sozialwissenschaften (auch Gesellschaftswissenschaften) untersuchen:
Phänomene des gesellschaftlichen Zusammenlebens der Menschen
entweder theoriegeleitet oder empirisch
Methodisch stehen sie:
teilweise den Naturwissenschaften
teilweise den Geisteswissenschaften nahe.
Deshalb ist ihre Abgrenzung schwierig:
Es existieren keine einheitlichen Regelungen
Begriffsverwendungen orientieren sich an institutionellen Traditionen
Häufig genannte Felder sind:
Demografie (Bevölkerungswissenschaft)
Kindheitsforschung (interdisziplinär)
Kunstwissenschaft, Kulturwissenschaft
Pädagogik, u. a.:
Schulpädagogik
Erwachsenenbildung
Sozialpädagogik
Sonderpädagogik
Medienpädagogik
Politikwissenschaft (Politologie)
früher: Staatswissenschaften (interdisziplinär)
Psychologie (interdisziplinär)
Bedürfnisforschung
Sozialökonomie
Sozialethik
Soziologie
Sozioökonomie
Sozialisation
Sozialisationsphasen sind:
nicht trennscharf voneinander abzugrenzen
durch fließende Übergänge gekennzeichnet
Dauer, Beginn und Ende:
unterscheiden sich individuell
verlaufen nicht bei allen Menschen gleich
1) Primäre Sozialisation
Beginnt mit der Mutter-Kind-Dyade
Erweitert sich auf:
beide Eltern
Geschwister
die Familie insgesamt
Zentrale Inhalte:
Ausbildung essenzieller Fähigkeiten:
Kognition
Sprache
Sozialkompetenz
Das Kind:
erobert und konstruiert den familiären Intim- und Nahbereich
2) Sekundäre Sozialisation
Findet statt in:
Kindergarten
Schule
später: Berufsausbildung oder Studium
Kennzeichen:
Vermittlung formeller und gesellschaftlicher Sozialisationsanforderungen
Ausbildung:
kognitiver und
sozialer Qualifikationen
3) Tertiäre Sozialisation
Betrifft Jugendliche in modernen Industriegesellschaften
Zentrale Prozesse:
Individualisierung
Identitätsfindung
begrenzte Ablösung vom Elternhaus und von der Schule
Auseinandersetzung mit:
gesellschaftlichen Maximen
eigenen Lebensentwürfen
Rolle der Medien in der Sozialisation
Nach Kübler wirken Massenmedien quer in Raum und Zeit als Sozialisationsagenten
Medien – insbesondere Massenmedien – sind:
Sozialisationsinstanzen
In einfachen Worten:
Medien sind wichtig für die Sozialisation, weil Menschen durch Medien lernen, wie die Welt ist, wie man sich verhält und wo man selbst dazugehört.
Medien zeigen reale oder erfundene Vorbilder (reale oder fiktive Muster der Realitätswahrnehmung), z. B.:
Berufsrollenbilder
Geschlechtsrollenbilder
Kauf- und Konsumgewohnheiten
Generationenbilder
Nationenbilder
-> So ist die Welt / So verhalten sich andere / So könnte oder sollte man sein.
Medien sind in allen Lebensbereichen präsent.
Bonfadelli bezeichnet Medien als „definers of social reality“. (Medien definieren soziale Realität.)
Zahlreiche Studien zeigen:
Menschen erwarten vom Medienkonsum konkreten Nutzen
Besonders häufig genannte Bedürfnisse:
persönliche Identität
Integration
soziale Interaktion
-> Medien helfen also dabei sich selbst zu verstehen und Teil der Gesellschaft zu sein.
Medien dienen unter anderem zur:
eigenen Werte zu bestätigen
Vorbilder für Verhalten zu finden
sich mit anderen zu identifizieren
Selbstfindung und Identitätsbildung
Entwicklung sozialer Empathie (sich in die Lebensumstände anderer hineinversetzen)
Aufbau eines Zugehörigkeitsgefühls
Gewinnung von Gesprächsgrundlagen für soziale Interaktion
soziale Rollen zu lernen
Aufrechterhaltung von Kontakten:
zur Familie
zu Freunden
zur Gesellschaft
3.2 Kommunikations- und Politikwissenschaft
Die wesentlichen Wesensmerkmale der Staatsform sind im Grundgesetz (Art. 20 GG) festgeschrieben:
Demokratie
Republik
Bundesstaat
Sozialstaat
Rechtsstaat
Art. 20 Abs. 2 GG:
„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“
Ausübung der Staatsgewalt erfolgt:
durch Wahlen und Abstimmungen
sowie durch besondere Organe:
Gesetzgebung
vollziehende Gewalt
Rechtsprechung
Unter politologischen Aspekten befasst sich die Kommunikationswissenschaft mit:
Kommunikationspolitik
politischer Kommunikation
In diesem Studienheft liegt der Fokus auf politischer Kommunikation, insbesondere auf:
ihrer Relevanz für Demokratien
den Akteuren politischer Kommunikation
dem Verhältnis von Politik und Medien
den politischen Medienwirkungen
Grundverständnis politischer Kommunikation
Politische Kommunikation beschreibt, wie politische Botschaften entstehen, verbreitet und aufgenommen werden und dann politisches Handeln beeinflussen.
Nach Pürer (2014) ist politische Kommunikation:
ein Kommunikationsprozess
vom Entstehen einer politischen Botschaft
bis zu ihrer Wahrnehmung durch andere
👉 Politisch wird dieser Prozess erst dann, wenn die Botschaft Auswirkungen auf Politik haben kann.
Politik bedeutet allgemein:
Entscheidungen vorzubereiten
sie durchzusetzen
und umzusetzen
Diese Entscheidungen sind:
kollektiv bindend
betreffen:
gesellschaftliche Ressourcen
Werte
Macht
👉 Kurz:
Politik regelt, was für alle gilt und wie gesellschaftliche Probleme gelöst werden.
In der Politik- und Kommunikationswissenschaft werden drei Begriffe unterschieden:
politische Prozesse
politische Auseinandersetzungen
politische Entscheidungsabläufe
👉 Der politische Prozess
politische Strukturen
Regeln
Institutionen
z. B. Parteien, Parlamente, Verfassungen
👉 Das politische System
politische Inhalte
Programme
konkrete Lösungsansätze für gesellschaftliche Probleme
👉 Die politischen Inhalte
Politische Kommunikation findet zwischen mehreren Akteuren statt, u. a.:
Politiker und Parteien
Parlamente
Bürger
organisierte Interessensgruppen
Journalisten und Medien
Akteure können handeln:
individuell (z. B. Politiker, Bürger)
kollektiv (z. B. Bürgerinitiative, Ausschuss)
korporativ (z. B. Verlag, Ministerium)
Verhältnis von Politik und Medien – theoretische Zugänge
In Deutschland gilt grundsätzlich:
Politik und Medien sind voneinander getrennt
Es gibt keine inhaltliche Zensur durch den Staat
Der Staat greift nicht in Inhalte ein, sondern:
achtet auf Macht- und Konzentrationsbegrenzung im Medienbereich
vor allem durch die KEK (Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich)
👉 Inhalte sind nur dort begrenzt, wo sie gegen Gesetze verstoßen, z. B.:
Gewaltverherrlichung
Pornografie
Zusätzlich kontrollieren sich Medien selbst, z. B. durch:
Deutschen Presserat
FSF (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF)
FSK ( Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft)
FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter)
Weil Medien frei arbeiten können, wird ihnen eine große gesellschaftliche Macht zugeschrieben:
Sie prägen, worüber gesprochen wird
und wie über Themen gedacht wird
Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer bezeichnet diese Entwicklung als Mediokratie (die Theorie ist umstritten, aber einflussreich).
Besonders an Bedeutung gewann sie durch:
die zunehmende Kommerzialisierung des Mediensystems
-> Medien sind immer stärker Wirtschaftsunternehmen
im Wettbewerb um:
Aufmerksamkeit
Reichweite
Werbeeinnahmen
Mit der Kommerzialisierung stellt sich die Frage:
Wie viel Unterhaltung darf Information enthalten?
Kritiker wie Neil Postman warnten provokant davor, dass Medien eher unterhalten als bilden.
Diskutiert wird u. a.:
Sind Infotainment- und Edutainmentformate problematisch?
Tragen sie zur Vereinfachung oder „Verdummung“ bei?
Lassen sich Information und Unterhaltung überhaupt noch trennen?
Gibt es Grenzen, z. B. bei Politik oder Religion?
Mediokratie nach Meyer – Kerngedanken
Mediokratie geht über Mediendemokratie hinaus.
Nach Meyer bedeutet sie:
Der Staatsbürger verliert an Einfluss (Entmachtung des Demos (des Volkes))
Er wird vom aktiven Mitgestalter zum passiven Zuschauer
Der Bürger:
verfolgt politische Debatten über Medien
greift aber nicht mehr aktiv ein
Stattdessen:
entscheiden Medien, welche Themen sichtbar werden
und welche Interessen artikuliert werden
Nach Meyer:
verlieren politische Parteien an Bedeutung
damit sinkt auch die aktive Rolle der Bürger
Ergebnis:
Demokratie wird zur Zuschauerdemokratie, nicht mehr zur Beteiligungsdemokratie.
Frühe Medien (Plakate, Zeitungen) waren:
staatlich kontrolliert
stark zensiert
-> Medien dienten damals der Machtausübung, nicht der freien Information.
Erst mit Aufklärung und Demokratie:
entstehen unabhängige Medien
Im 20. Jahrhundert:
werden Massenmedien allgegenwärtig
fast jeder hat Zugang zu ihnen
Parallel dazu entwickelt sich Marketing:
zuerst zur Beeinflussung von Konsumenten (-entscheidungen)
später auch für politische Kommunikation
Politik übernimmt Marketinglogiken:
Politiker werden inszeniert
Programme „vermarktet“
Wahlkämpfe strategisch geplant
👉 Medien werden zur zentralen Bühne politischer Kommunikation
Ziel:
Zustimmung gewinnen
Meinungen formen
Aufmerksamkeit erzeugen
-> Medien sind der zentrale Ort für Aufmerksamkeit und das wichtigste Mittel, um Botschaften zu verbreiten
Nach Meyer gibt es heute:
keine klare Trennung mehr zwischen Politik und Medien
Politik braucht Medien:
zur Legitimation
zur Darstellung von Prozessen und Ergebnissen
Medien folgen aber ihrer eigenen Logik:
Inszenierung
Vereinfachung
➡️ Politik passt sich der Medienlogik an, um sichtbar zu bleiben.
Klausurzusammenfassung:
Mediokratie bezeichnet nach Meyer die zunehmende Dominanz der Medien über politische Prozesse. Obwohl Politik und Medien in Deutschland formal getrennt sind, ist Politik zur Legitimation und öffentlichen Darstellung auf Massenmedien angewiesen. Medien folgen dabei einer eigenen Logik der Aufmerksamkeit, wodurch politische Inhalte zunehmend inszeniert werden. Der Staatsbürger wird dadurch vom aktiven Beteiligten zum passiven Zuschauer politischer Debatten. Medien entscheiden zunehmend über Sichtbarkeit und Gewicht politischer Themen, was nach Meyer zu einer Zuschauerdemokratie führt.
Medienlogiken nach Meyer
Grundidee:
Medien wollen vor allem Aufmerksamkeit erzeugen, Politik will verstanden, akzeptiert und legitimiert werden.
Daraus entsteht ein Konflikt.
Nach Thomas Meyer berichten Medien über Politik nicht neutral, sondern nach ihrer eigenen Medienlogik.
möglichst viel Aufmerksamkeit erreichen
Medien folgen dabei zwei Regeln:
🔹 Selektionslogik
Medien wählen nur bestimmte Ereignisse aus
Auswahl richtet sich nach Nachrichtenwerten, z. B.:
Prominenz
Konflikt
Überraschung
🔹 Präsentationslogik
Ausgewählte Ereignisse werden:
zugespitzt
vereinfacht
inszeniert
Beiträge möglichst attraktiv machen
-> Zusammen bilden sie die Medienlogik.
-> Meyer spricht von „Prä-Inszenierung“:
Nur was zur Medienlogik passt, bekommt überhaupt Zugang zur Öffentlichkeit.
Weil Politik ohne Medien nicht sichtbar ist:
passt sie sich den Regeln der Medien an
plant Politik ihr Handeln medientauglich
öffentliche Aufmerksamkeit
Zustimmung
Kontrolle über öffentliche Wahrnehmung
Konflikt zwischen Politik und Medien
Politik ist:
komplex
braucht Zeit
prozessorientiert
Politische Entscheidungen brauchen:
Zeit
Abstimmung
viele Beteiligte
Medien:
arbeiten unter Zeitdruck
wollen schnelle, klare Geschichten
bevorzugen:
Konflikte
prominente Personen
Überraschungen
Sie präsentieren Politik:
nach dem Prinzip der Neuigkeit
Politik braucht Zeit – Medien haben keine.
Deshalb gibt es einen Widerspruch zwischen politischer Prozesszeit und medialer Produktionszeit.
Kolonialisierung der Politik
Meyer sagt:
Medien dringen immer stärker in die politische Funktionsweise ein
Politik gibt ihre eigene Logik teilweise auf
Bürger formulieren Interessen
diese werden über:
Vereine
Verbände
Parteien
in Parlamente eingebracht
-> ein Prozess von unten nach oben
Medien interessieren sich kaum für diesen Prozess
sie zeigen:
Ergebnisse
Skandale
politische Meinungsbildung wird in die Medienlogik gezogen
➡️ Folge:
Medien werden als „vierte Gewalt“ bezeichnet (These ist umstritten)
Meyer kritisiert:
Teile der Journalisten können Meinungen beeinflussen und politische Karrieren verändern ohne demokratische Verantwortung zu tragen
Unterschied:
Politiker können abgewählt werden
Journalisten nicht
👉 Deshalb nennt Meyer manche Journalisten:
„Unbelangbare“
Zur Vertiefung werden genannt:
Spiegel-Affäre
Heidi Simonis
Christian Wulff
Karl-Theodor zu Guttenberg
Diese Fälle zeigen:
wie stark Medien politische Prozesse beeinflussen können
Medien berichten über Politik nach einer eigenen Logik, deren Ziel die Erzeugung möglichst großer Aufmerksamkeit ist.
Diese Medienlogik besteht aus der Auswahl nach Nachrichtenwerten und einer inszenierenden Darstellung.
Um öffentlich sichtbar zu bleiben, passt sich Politik diesen Regeln an, was Meyer als Selbstmediatisierung der Politik bezeichnet.
Zwischen politischer Prozesslogik und medialer Produktionslogik besteht dabei ein grundlegender Widerspruch, da Politik Zeit braucht, Medien jedoch unter Zeitdruck arbeiten.
Meyer spricht deshalb von einer Kolonialisierung der Politik durch die Medien, wodurch Bürger zu Zuschauern politischer Prozesse werden.
Medien übernehmen dabei eine machtvolle Rolle, ohne selbst demokratisch verantwortlich zu sein.
3.3 Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaft
Medien als Wirtschaftsgüter
Medien sind wirtschaftliche Güter, die besonders sind, weil sie:
Geld kosten und Erlöse bringen sollen,
aber gleichzeitig Information, Unterhaltung und Meinungsvielfalt für die Gesellschaft liefern.
Aus ökonomischer Sicht gelten Medien als Wirtschaftsgüter, weil sie:
hergestellt werden
dabei knappe Ressourcen verbrauchen (Zeit, Geld, Technik, Personal)
Teil eines Wertschöpfungsprozesses sind
Medien sind daher:
Produkte und/oder Dienstleistungen
nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip zu produzieren:
Vermeidung von Ressourcenverschwendung
in der Regel Gewinnerzielung
Die Bedürfnisbefriedigung (Information, Unterhaltung) bleibt wichtig,ist aber nicht das primäre wirtschaftliche Ziel.
Nutzung nur nach Bezahlung
Wer nicht zahlt, ist vom Konsum ausgeschlossen
Das Gut wird verbraucht
Konsumausschluss ist kaum möglich oder nicht gewollt
Inhalte können genutzt werden, ohne zu zahlen
z. B. Free-TV, Radio
→ Freerider-/Trittbrettfahrer-Verhalten
Medieninhalte werden nicht verbraucht
sie bleiben gleich, egal wie viele sie nutzen
Medien sind daher meist:
nicht rival im Konsum
👉 Beispiel:
Eine Fernsehsendung kann von einer Person oder von Millionen gesehen werden – ohne Qualitätsverlust.
Wertschöpfungskette im Medienbereich
Verkauf bzw. Verwertung des Medienprodukts auf dem Mediengütermarkt
1) Input
Beschaffung von:
Inhalten
fertigen Beiträgen
Werbebeiträgen
2) Produktion
Produktion der Beiträge:
Recherche
Schreiben
Filmen
Vertonen
Redigieren
Gestalten
Zusammenstellung der Inhalte:
Packaging
Layout
Technische Herstellung:
Druck
Bereitstellung der Sendetechnik
3) Distribution
Ausspielung der Inhalte über:
Austräger
Post
Kabel
terrestrische Verbreitung
Satellit
Internet
4) Konsum
Nutzung über:
Endgeräte der Informations- und Unterhaltungselektronik
Schon Karl Bücher erkannte:
Medien stehen zwischen gesellschaftlichem Auftrag und wirtschaftlichem Zwang.
informieren
Meinungsbildung ermöglichen
Meinungsvielfalt sichern
Kosten decken
effizient arbeiten
Geld verdienen (z. B. durch Werbung)
👉 Problem:
Was gesellschaftlich wichtig ist, ist nicht immer wirtschaftlich erfolgreich.
Was wirtschaftlich erfolgreich ist, ist nicht immer publizistisch hochwertig.
Die wirtschaftliche Betrachtung von Medien ist wichtiger geworden durch:
Medienkonzentration → wenige große Unternehmen besitzen viele Medien
technische Innovationen → Internet, Digitalisierung, neue Vertriebswege
Internationalisierung → globale Konkurrenz
Kommerzialisierung → stärkere Ausrichtung auf Markt und Erlöse
Klausurmerksatz:
Das Spannungsverhältnis zwischen publizistischem Auftrag und erwerbswirtschaftlicher Organisation beschreibt den Konflikt zwischen gesellschaftlicher Verantwortung der Medien und ihrer Notwendigkeit, wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Strukturen und Funktionen von Mediensystemen
Strukturen bezeichnen die dauerhaften Beziehungen zwischen den Elementen eines sozialen Systems.
Funktionen beziehen sich dagegen auf Prozesse, durch die ein System bestimmte Probleme lösen kann.
👉 Einfach gesagt:
Strukturen = das stabile Gefüge eines Systems
Funktionen = das, was das System leistet
Mit Funktionen sind nicht gemeint:
individuelle, psychologische Medienwirkungen
also keine Wirkungen auf einzelne Personen (Mikroebene)
Gemeint sind:
Leistungen, die Medien für andere soziale Systeme erbringen (z. B. Wirtschaft, Politik, Kultur → Mesoebene)
sowie Leistungen für die Gesellschaft insgesamt (→ Makroebene)
Jede Beschreibung von Funktionen setzt voraus, dass benannt wird, für welches Bezugssystem Medien funktional oder dysfunktional sind.
👉 Man kann also nicht allgemein sagen, was Medien leisten, sondern immer nur:
für wen oder für welches System.
In der Medienökonomie sind wirtschaftswissenschaftliche Ansätze notwendig, aber allein nicht ausreichend.
👉 Warum?
Weil Medien nicht nur Wirtschafts-, sondern auch gesellschaftliche Güter sind.
Neoklassische wirtschaftliche Ansätze betrachten Medien vor allem als wirtschaftliche Betriebe.
Dabei liegt der Fokus auf:
der effizienten Verteilung knapper Ressourcen (also: möglichst wenig Kosten, möglichst viel Ertrag)
👉 Diese Sichtweise reicht für Medien nicht aus.
Warum nicht?
Weil Medien:
nicht nur wirtschaftliche Güter sind,
sondern auch wichtige gesellschaftliche Aufgaben erfüllen (z. B. Information, Öffentlichkeit, Meinungsvielfalt).
Deshalb müssen neoklassische Ansätze:
durch institutionenökonomische Ansätze
und durch eine neue politische Ökonomie
ergänzt werden.
👉 Ziel dieser Ergänzung ist es, die besonderen gesellschaftlichen Funktionen öffentlicher Medienkommunikation angemessen zu berücksichtigen.
Medien als Leistungs- und Funktionsträger
Medien sind auf der Güterebene sowohl für Anbieter als auch für Nachfrager Leistungs- und Funktionsträger.
Das bedeutet:
Medien erfüllen gleichzeitig Leistungen für verschiedene Seiten
Medien transportieren Inhalte
diese Inhalte besitzen einen Gebrauchswert für die Empfänger
👉 z. B.:
Information
Unterhaltung
Aus Sicht der Produzenten besteht die Leistung der Medien darin, potenzielle Erlöse generieren zu können
👉 Medien sind also:
wirtschaftliche Träger von Einnahmen
Aus gesellschaftlicher Sicht besteht die Leistung der Medien darin, Meinungsvielfalt zu schaffen
👉 Das ist eine gesellschaftliche Funktion, keine rein ökonomische.
-> Warum Medien gleichzeitig Inhalte für das Publikum und Werbeflächen für Unternehmen liefern können.
-> (Die Begriffe Kuppelprodukt, Verbundprodukt, zwei Märkte und Bivalenz beschreiben genau denselben Sachverhalt – nur aus verschiedenen Blickwinkeln.)
„Technisch betrachtet sind Medien Kuppelprodukte“ heißt:
Medien werden in einem einzigen Produktionsprozess hergestellt
dabei entstehen automatisch mehrere verwertbare Ergebnisse
Konkret:
redaktionelle Inhalte
Werbeinhalte
👉 Wichtig:
Redaktion und Werbung werden nicht getrennt produziert
sie entstehen zusammen (z. B. in einer Zeitung oder TV-Sendung)
➡️ Ein Produktionsprozess → zwei nutzbare Bestandteile
„Inhaltlich gesehen sind Medien Verbundprodukte“ bedeutet:
Ein Medienprodukt besteht nicht aus nur einem Inhalt, sondern aus mehreren Bestandteilen, nämlich:
einem materiellen Teil (z. B. Zeitung, Sendesignal, Plattform)
redaktionellen Inhalten
Werbebotschaften
👉 Diese Bestandteile sind:
inhaltlich verschieden (Information ≠ Werbung)
aber fest miteinander verbunden
➡️ Man kann sie im fertigen Medienprodukt nicht voneinander trennen, ohne das Produkt zu verändern.
Weil diese zwei Inhaltsarten jeweils für unterschiedliche Gruppen bestimmt sind.
Wenn ein Medium:
und Werbung
enthält, dann wird es gleichzeitig auf zwei Märkten gehandelt:
richtet sich an:
Rezipienten
hier geht es um:
Werbetreibende
Aufmerksamkeit der Rezipienten
👉 Dasselbe Medium:
ist Inhalt für das Publikum
ist Werbeträger für Unternehmen
„Bivalent“ heißt:
Mediengüter haben zwei gleichwertige Dimensionen.
Dreiskämpfer spricht in diesem Zusammenhang von der Bivalenz der Güter.
Altmeppen und Karmasin bezeichnen dies als Janusgesichtigkeit der Medien.
👉 Damit ist gemeint:
Mediengüter besitzen
eine ökonomische Dimension (Erlöspotenzial- und Kostenträger)
eine publizistische Dimension (redaktionelle und werbliche Inhalte)
➡️ Beide Dimensionen sind untrennbar miteinander verbunden.
Ziel der Wertschöpfungskette ist der Absatz des Endproduktes auf dem Gütermarkt für Medien.
👉 Also:
Herstellung → Verbreitung → Nutzung → wirtschaftliche Verwertung
Nach Heinrich gehören zu den Gütern des Mediensektors:
Informationen
👉 Genau diese drei erklären:
Nutzung
Finanzierung
gesellschaftliche Relevanz von Medien
Klausurtaugliche Zusammenfassung:
Medien sind besondere Güter, da sie zugleich wirtschaftliche Produkte und publizistische Leistungen darstellen, auf zwei Märkten gehandelt werden und für Rezipienten, Produzenten und die Gesellschaft unterschiedliche Funktionen erfüllen.
Medien im Branchenkontext (Tabelle 3)
Die Medienbranche besteht aus zwei miteinander verbundenen Marktseiten.
Auf der einen Seite stehen die redaktionellen Inhalte, die sich an den Rezipientenmarkt richten.
Hier bieten Medien Information und Unterhaltung für das Publikum an.
Auf der anderen Seite stehen die werblichen Inhalte, die auf dem Werbemarkt gehandelt werden.
Die Nachfrage der Rezipienten erzeugt hier ein Erlöspotenzial, da ihre Aufmerksamkeit für Werbetreibende wirtschaftlich nutzbar ist.
Gleichzeitig trägt diese Nachfrage dazu bei, Meinungsvielfalt zu generieren, da Medienangebote genutzt und damit gesellschaftlich relevant werden.
Der Absatzraum für beide Marktseiten ist der Mediengütermarkt, auf dem Medienprodukte insgesamt verwertet werden.
Beide Marktseiten zusammen bilden den Gesamtrahmen der Medienbranche
Die mikroökonomische Sicht auf die Medienökonomie
Auch Heinrich betont, dass Medien eine gesellschaftliche Verantwortung tragen.
Gleichzeitig entwickelt er den betriebswirtschaftlichen Ansatz weiter und ordnet die Medienökonomie klar mikroökonomisch ein.
Nach Heinrich beschäftigt sich Medienökonomie mit der Frage:
wie die Güter Information, Unterhaltung und Verbreitung von Werbebotschaften in aktuell berichtenden Massenmedien produziert, verteilt und konsumiert werden.
Damit beschreibt Heinrich Medienökonomie als eine spezielle mikroökonomische Theorie der Massenmedien.
Massenmedien werden dabei verstanden als:
Medienorganisationen, die in die Gesellschaft eingebettet sind
sowie die von ihnen verbreitete öffentliche massenmediale Kommunikation
-> Im weitesten Sinne bezieht sich Heinrichs Medienökonomie damit auf die Ökonomie des Journalismus, also auf wirtschaftliche Fragen journalistischer Medienproduktion.
Einen breiteren Ansatz verfolgen Beyer und Carl.
Sie betrachten nicht nur den Journalismus, sondern:
die grundsätzlichen wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen Medienmärkten und Medienunternehmen
Medienökonomie wird hier verstanden als:
volks- und betriebswirtschaftliche Analyse des Mediensektors
Anwendung ökonomischer Theorien auf den Medienbereich
und gegebenenfalls Anpassung dieser Theorien an mediale Besonderheiten
In diesem erweiterten Verständnis ist Medienökonomie:
mehr als eine Journalismusökonomie
Der Untersuchungsgegenstand umfasst neben Massenmedien auch:
den Online-Sektor
die Musikindustrie
den Games-Sektor
-> Ergänzt um diese sektoralen Perspektiven wird Medienökonomie zur Industrieökonomik, also zur wirtschaftlichen Analyse einer gesamten Branche.
Ein zentraler Unterschied zur allgemeinen Mikroökonomie besteht darin, dass Haushalte nicht nur Konsumenten, sondern auch Produzenten sind.
Haushalte:
stellen aus indirekten Gütern (z. B. Medienangebote)
direkte Güter her (z. B. Nutzen, Information, Unterhaltung)
Dies geschieht mithilfe einer Haushaltsproduktionsfunktion unter Einsatz von:
Humankapital (Wissen, Bildung, Fähigkeiten usw.)
Sachkapital
weiterem Kapital
Dabei entstehen Opportunitätskosten (die Kosten der entgangenen Alternative -> Wenn du etwas tust, kannst du etwas anderes nicht tun)
In diesem Zusammenhang:
übernehmen Haushalte vorübergehend die Rolle von Unternehmern
sie „produzieren“ Nutzen aus Medien
und „verkaufen“ diesen Nutzen
gegen Opportunitätskosten an sich selbst
Haushalte sind gleichzeitig Produzenten und Konsumenten ihrer Mediennutzung.
Medienökonomie untersucht aus mikroökonomischer Perspektive die Produktion, Distribution und den Konsum von Information, Unterhaltung und Werbebotschaften in Massenmedien. Während Heinrich den Fokus vor allem auf die Ökonomie des Journalismus legt, erweitern Beyer und Carl den Blick auf den gesamten Mediensektor. Medienökonomie wird damit zu einer eigenständigen Disziplin, die auch andere mediale Branchen einbezieht. Ein wesentlicher Unterschied zur allgemeinen Mikroökonomie besteht darin, dass Haushalte Medien nutzen, um selbst Nutzen zu produzieren, und dabei vorübergehend die Rolle von Produzenten übernehmen.
Die managementorientierte Sicht auf die Medienökonomie
Die managementorientierte Sicht auf die Medienökonomie betrachtet Medien aus der Perspektive der Unternehmensführung.
Autor:innen wie Wirtz, Gläser sowie Karmasin und Winter beschäftigen sich daher mit der Frage,
wie Medienunternehmen geführt
und gesteuert werden.
Nach dieser Perspektive hat die Medienökonomie vor allem die Aufgabe,
die Besonderheiten von Medien
von Medienangeboten
und von Medienunternehmen
herauszuarbeiten.
Dabei betonen die Autor:innen – stärker als die allgemeine Managementtheorie – den besonderen Verantwortungscharakter von Medienunternehmen.
Der besondere Verantwortungscharakter ergibt sich daraus, dass:
Mediengüter nicht nur Wirtschaftsgüter,
sondern auch Kulturgüter sind.
👉 Medien haben daher:
wirtschaftliche Bedeutung,
aber auch kulturelle, gesellschaftliche und publizistische Relevanz.
Karmasin und Winter weisen ausdrücklich darauf hin, dass eine unproblematische Übertragung der klassischen Betriebswirtschaftslehre auf Medienunternehmen problematisch ist.
👉 Grund:
Eine rein ökonomische Betrachtung greift zu kurz,
weil sie den besonderen gesellschaftlichen Charakter der Medien nicht ausreichend berücksichtigt.
Diese Kritik führt zu einer erweiterten Sichtweise:
Medienökonomie ist zwar eine ökonomische Wissenschaft (sie nutzt also wirtschaftliche Instrumente),
verfolgt aber gleichzeitig ein politisch-publizistisches Erkenntnisinteresse
👉 Medienökonomie betrachtet Medien deshalb:
nicht nur als Unternehmen,
sondern auch als gesellschaftlich relevante Akteure.
Karmasin und Winter argumentieren, dass Medienproduktion nicht nur:
dem Kommerz
oder dem Gemeinwohl
zugeordnet werden sollte.
Stattdessen gilt:
Medienproduktion ist immer beides zugleich.
Daraus folgt:
Medienmanagement darf sich nicht nur auf:
Gewinnmaximierung
wirtschaftliche Effizienz beschränken
sondern muss auch:
die kommunikative Dimension
und die gesellschaftliche Verantwortung der Medien berücksichtigen.
Klausur-Zusammenfassung:
Die managementorientierte Sicht auf die Medienökonomie betrachtet Medien aus der Perspektive der Unternehmensführung. Sie betont die besonderen Eigenschaften von Medienunternehmen, da Mediengüter nicht nur Wirtschaftsgüter, sondern auch Kulturgüter sind. Deshalb reicht eine rein betriebswirtschaftliche Betrachtung nicht aus. Medienökonomie verbindet ökonomische Instrumente mit einem politisch-publizistischen Erkenntnisinteresse. Medienmanagement muss daher sowohl wirtschaftliche als auch kommunikative und gesellschaftliche Aspekte berücksichtigen.
Die kapitalkritische Sicht auf die Medienökonomie
Einen anderen Zugang vertreten u. a. Knoche und Kopper.
Knoche und Kopper betonen:
Medienökonomie ist zwar kommunikationswissenschaftlich fundiert,
das reicht jedoch nicht aus.
Vor dem Hintergrund von Privatisierung und Kommerzialisierung müssen medienökonomische Analysen durch kritische Kapitalismustheorien ergänzt werden.
👉 Medien sollen also nicht nur wirtschaftlich erklärt, sondern auch gesellschafts- und machtkritisch betrachtet werden.
Nach Knoche erfüllen Medien in einem vom Kapital dominierten Gesellschaftssystem:
zentrale ökonomische Funktionen
zentrale gesellschaftliche Funktionen
politisch-ideologische Funktionen
->Diese Funktionen sind unverzichtbar und dienen der Stabilisierung und Absicherung des kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems.
-> Medien tragen damit zur Herrschaftssicherung bei.
Die kapitalkritische Medienökonomie fordert, medienökonomische Analysen um kritische Kapitalismustheorien zu erweitern. Vor allem im Zuge von Privatisierung und Kommerzialisierung sollen Medien nicht nur wirtschaftlich, sondern auch machtkritisch betrachtet werden. Nach Knoche erfüllen Medien in kapitalistischen Gesellschaften zentrale ökonomische, gesellschaftliche und politisch-ideologische Funktionen zur Stabilisierung des Systems.
Ausgangspunkt: Reaktion auf kapitalkritische Einwände
Steiniger greift die marxistisch-kapitalkritische Perspektive auf und entwickelt daraus ein Verständnis einer politischen Medienökonomie.
Nach Steiniger stehen im Zentrum der Analyse:
Machtkonflikte
Zugangs- und Verteilungskonflikte
das Verhältnis zwischen
Staat und Politik
Ökonomie
Gesellschaft
Massenkommunikation
👉 Politische Medienökonomie fragt also:
Wer hat Macht über Medien, wer hat Zugang zu Medien, und wie werden Ressourcen und Einfluss verteilt?
Durch diesen Fokus erhält die Analyse des Verhältnisses zwischen:
Medienindustrie
und marktwirtschaftlicher bzw. kapitalistischer Gesellschaft
eine grundlegende Bedeutung.
👉 Medien werden nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil des gesamten Wirtschafts- und Gesellschaftssystems.
Politische Theorien zur Medienwirtschaft setzen ihren Schwerpunkt auf:
Eigentumsverhältnisse
Machtverhältnisse
Hier knüpft besonders das Interesse der Kommunikationswissenschaft an, da diese Verhältnisse direkten Einfluss auf Medieninhalte und Öffentlichkeit haben.
Wenn:
wirtschaftliche Macht
und politische Macht
als weitgehend deckungsgleich betrachtet werden, entsteht die Sorge, dass:
das publizistische System
zunehmend von der Ökonomie dominiert wird.
👉 Diese Entwicklung wird als Kolonialisierung des publizistischen Systems durch die Ökonomie verstanden.
Steiniger versteht politische Medienökonomie als eine Analyse von Macht-, Zugangs- und Verteilungskonflikten im Verhältnis von Staat, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Massenkommunikation. Ausgangspunkt sind dabei Eigentums- und Machtverhältnisse in der Medienindustrie. Medien werden als Teil einer kapitalistischen Gesellschaft betrachtet. Daraus ergibt sich die Sorge, dass wirtschaftliche Macht das publizistische System zunehmend dominiert.
Die deskriptive Medienökonomie
Die deskriptive Medienökonomie ist eine wirtschaftswissenschaftlich ausgerichtete Perspektive auf Medien.
Nach Dreiskämpfer untersucht sie wertfrei,
wie Mediengüter
beschafft,
produziert (bzw. prosumiert)
und verteilt werden.
Diese Analyse erfolgt:
unter gegebenen Rahmenbedingungen
mit dem Ziel,
funktionsfähige Medienmärkte zu beschreiben und nutzbar zu machen.
Dabei nutzt die deskriptive Medienökonomie:
neoklassische
und institutionenökonomische Modelle.
Sie beschreibt wie Medienmärkte funktionieren
nicht, wie sie funktionieren sollten
Damit grenzt sie sich klar von:
polit- oder kapitalkritischen (normativen) Perspektiven ab.
➡️ Die deskriptive Medienökonomie ist somit eine Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaften.
Die normative Medienökonomie
Die normative Medienökonomie verfolgt einen anderen Zugang.
Sie ist:
an verfassungs- und ordnungspolitischen Erkenntnissen orientiert
und untersucht die gesellschaftlichen Funktionen von Medienleistungen
Ziel ist es zu analysieren,
unter welchen Bedingungen
ökonomisch beeinflusste Massenkommunikation
die Herstellung von Öffentlichkeit
problematisch wird für:
Freiheit
Gleichheit
Chancengerechtigkeit
Diese Werte gelten dabei als vorgegebene Zielnormen.
👉 Die Rahmenbedingungen von Kommunikation werden dabei:
nicht als fest
sondern als veränderbar verstanden.
Obwohl sie „normativ“ heißt, ist die normative Medienökonomie methodisch deskriptiv.
Das Ist (die Realität) existiert bereits
Das Soll (Normen und Erwartungen) existiert ebenfalls bereits
z. B. durch gesellschaftliche Werte oder politische Ziele
👉 Aufgabe der normativen Medienökonomie ist nicht:
neue Normen zu erfinden
oder deren Gültigkeit zu begründen
Sondern:
bestehende Normen zu hinterfragen
ihren Realisierungsgrad zu analysieren
und Bewertungen sowie Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Die kapitalkritische Medienökonomie stellt dabei eine zugespitzte Sonderform dieser normativen Perspektive dar.
Ihre Bedeutung wächst,
je stärker Medien ökonomisiert werden.
Denn:
mit der Dominanz wirtschaftlichen Handelns
gerät die Funktion der Medien als
Konstrukteure gesellschaftlicher Wirklichkeit
und als Gedächtnis der Gesellschaft in den Hintergrund.
👉 In diesem Ansatz gelten alle Einflussfaktoren:
nicht als konstant,
sondern als aktive Bestandteile der Analyse.
Da:
Medienunternehmen überwiegend kommerziell organisiert sind,
Medienprodukte nach Markt- und Wettbewerbsprinzipien bereitgestellt werden,
und privaten Gewinn erzielen sollen,
sind deskriptive und normative Medienökonomie:
grundlegend für das Verständnis von Medien und Kommunikation
insbesondere für medienorientierte Studiengänge.
Die integrative Medienökonomie
Die integrative Medienökonomie reagiert auf die Tatsache, dass Medienwirtschaft heute:
mit fast allen gesellschaftlichen Bereichen eng vernetzt ist.
Eine medienökonomische Wissenschaft kann damit nur Schritt halten, wenn sie:
interdisziplinär arbeitet
auf disziplinäre Dominanzansprüche verzichtet
selbst zur Metatheorie wird.
Dieser Ansatz steht:
neben dem orthodox-ökonomischen
und dem politisch-kommunikationswissenschaftlichen Zugang.
Nach Dreiskämpfer ist die integrative Medienökonomie:
ein kritisches, aber auch affirmatives Forschungsprogramm, das untersucht, wie öffentliche Kommunikation unter ökonomischen Bedingungen entsteht.
Sie analysiert:
den Einfluss ökonomischer Strukturen, Leistungen und Funktionen
auf die Herstellung von Öffentlichkeit
durch individuelle, institutionelle und massenmediale Kommunikation.
Die Ergebnisse werden geprüft:
im Hinblick auf wirtschaftliche Effizienz
und auf soziale Verantwortung.
Dieser Ansatz ist:
sozial- und kulturwissenschaftlich geprägt
kommunikationswissenschaftlich ausgerichtet
und politisch anschlussfähig.
👉 Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass ein solcher interdisziplinärer Ansatz:
zu abstrakt bleibt
und nur schwer konkrete Ergebnisse liefert.
Lernkontrollfragen
Aufgabe 3.1
Benennen Sie mindestens vier Lehr- und Forschungsfelder der Publizistik-und Kommunikationswissenschaft.
Die Lehr- und Forschungsfelder suchen nach Erklärungen v.a. des publizistischen Prozesses in soziopolitische, -ökonomische, -kulturelle -psychologische, philosophisch-anthropologische und technologische Bezügen.
Sie zeigen auf, wie sehr die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft interdisziplinär und transdisziplinär in der Wissenschaft eingebunden ist.
Aufgabe 3.2
Warum kann man Medien, v. a. Massenmedien, als ‚Sozialisationsinstanzen‘ verstehen?
Die Medien vermittelt fiktiv oder real Muster für Realitätswahrnehmung, seien es Berufs- und Geschlechtsrollenbilder, seien es Kauf- und Konsumgewohnheiten, Generationen- oder Nationenbilder etc.
Medien sind in allen Lebensbereichen repräsentiert. Bonfadelli sieht Medien als „definers of social reality“.
Aufgabe 3.3
Wodurch unterscheiden sich die Begriffe ‚Kommunikationspolitik‘ und ‚Politische Kommunikation‘?
Die Kommunikationswissenschaft beschäftigt sich unter politologischen Aspekten mit ‚Kommunikationspolitik‘ und ‚politischer Kommunikation‘.
Dabei bezieht sich die ‚Kommunikationspolitik‘ auf die kommunikative Ausrichtung von Organisationen oder Unternehmen.
Sie ist Teil der Marketingaktivitäten, die man mit dem 4-P-Prinzip umschreibt.
Bei ‚politischer Kommunikation‘ geht es um Fragen zur Relevanz von politischer Kommunikation in Demokratien, um die Akteure politischer Kommunikation, um das Verhältnis von Politik und Medien und um politische Medienwirkungen.
Aufgabe 3.4
Was versteht Meyer unter dem Begriff ‚Mediokratie"?
Mediokratie bedeutet nach Meyer nicht nur didaktisch den Wegfall des Demos, des Volkes, und damit vor allem die Entmachtung des eigentlichen Souveräns, des Staatsbürgers.
Dieser beobachte nur noch die politische Debatte in den Medien, ohne selbst aktiv einzugreifen, zum Beispiel bei Talkshows.
So seien es die Medien, welche über Artikulation und Selektion ihrer Interessen entschieden.
Mit dem Bedeutungsverlust der Parteien schwinde die Bedeutung des Staatsbürgers.
Die eigentliche Form der Beteiligungsdemokratie, so Meyer, werde somit zu einer angeblichen Zuschauerdemokratie.
Medien beeinflussen politische Macht.
Aufgabe 3.5
In welchem Zusammenhang spricht man von der ‚Bivalenz der Güter‘?
Technisch betrachtet sind Medien Kuppelprodukte bzw. inhaltlich gesehen Verbundprodukte.
Sie bestehen in der Regel aus einem materiellen Teil sowie aus redaktionellen Inhalten und Werbebotschaften.
Sind beide Inhalte eingearbeitet, werden sie auf zwei unterschiedlichen Märkten gehandelt. Zum einen auf dem Inhaltemarkt und zum anderen auf dem Werbemarkt.
Dreiskämpfer spricht in diesem Zusammenhang von der ‚Bivalenz‘ der Güter, d. h., er verweist darauf, dass Mediengüter eine ökonomische Dimension (Erlöspotenzial- und Kostenträger) und eine publizistische Dimension (publizistische und werbliche Inhalteträger) besitzen.
Zuletzt geändertvor 8 Tagen