Was beinhaltet die Personensorge (Sorgerecht) an Aspekten und wie ist sie geregelt?
Rechtsgrundlage: § 1626 BGB
Umfasst:
Gesundheitssorge
Aufenthaltsbestimmungsrecht
Bildungsentscheidungen
Allgemeine Erziehung
Vermögenssorge
Regelung des Umgangs
Wie begründet sich die Personensorge bei Verheirateten und nicht Verheiratet und wo ist sie geregelt?
Verheiratete Eltern:
Automatisch gemeinsames Sorgerecht (§ 1626 BGB)
Nicht verheiratete Eltern:
Sorgerecht liegt zunächst allein bei der Mutter (§ 1626a BGB)
Vater kann gemeinsames Sorgerecht beantragen
Frühester Zeitpunkt: nach 6 Wochen (§ 155a FamFG)
Was beinhaltet das Umgangsrecht? Abgrenzung zum Sorgerecht
Rechtsgrundlage: §§ 1684, 1685 BGB
Inhalt:
Recht auf persönlichen Kontakt mit dem Kind
Reines Besuchsrecht, keine Entscheidungsbefugnis
Gilt auch für nahe Bezugspersonen (z. B. Großeltern)
Leitprinzip: Immer das Wohl des Kindes
Wie kann das Umgangsrecht im Streitfall durchgesetzt werden?
Gerichtliche Maßnahmen (§ 1684 IV BGB):
Gericht kann Maßnahmen zur Durchsetzung anordnen
Einbindung des Jugendamtes möglich, um das Umgangsrecht durchzusetzen
Anordnung von begleitetem Umgang
Beispiel:
Ein Elternteil verhindert Kontakt → Gericht greift ein
Was müssen Sorgeberechtigte gemeinsam entscheiden?
Gemeinsam zu entscheiden (wesentliche Angelegenheiten):
Schulwahl
Umzug
Religiöse Erziehung
Risikobehaftete Impfungen
Operationen
Allein entscheidbar (Alltagsangelegenheiten):
Ernährung
Schlafenszeiten
Taschengeld
Schulalltag
Normale Arztbesuche
Freundeskreis
Wann erfolgt die Übertragung einer Einzelentscheidung?
Wenn sich Eltern bei einer wesentlichen Frage nicht einigen
Gericht überträgt die konkrete Einzelentscheidung auf einen Elternteil
Kein vollständiger Entzug des Sorgerechts
Wann ist ein Teilentzug des Sorgerechts erforderlich?
Nur bei schweren Voraussetzungen:
Dauerhafte Konflikte
Kindeswohlgefährdung
Keine Kooperationsfähigkeit der Eltern
Grundsatz:
„So wenig Eingriff wie möglich, so viel wie nötig“
Sorgerecht Pizza
Was bedeutet „Sorgerecht-Pizza“?
👉 Das Sorgerecht wird wie eine Pizza dargestellt.
Die Pizza als Ganzes = elterliche Sorge
Die einzelnen Stücke = Teilbereiche der Personensorge
Klausurtauglicher Merksatz
Das Sorgerecht besteht aus mehreren Teilbereichen der Personensorge, die bildlich als „Sorgerecht-Pizza“ dargestellt werden. Einzelne Teilbereiche können getrennt geregelt oder entzogen werden, ohne dass das gesamte Sorgerecht betroffen ist.
So wird deutlich:
• Sorgerecht ist kein einheitlicher Block
• sondern besteht aus verschiedenen Rechten und Pflichten
• einzelne „Stücke“ können entzogen oder übertragen werden, ohne dass die ganze Pizza weg ist
Die „Stücke“ der Sorgerecht-Pizza
🍕 Aufenthaltsbestimmungsrecht
• Wo lebt das Kind?
• z. B. bei welchem Elternteil, Heim, Pflegefamilie
🍕 Gesundheitssorge
• Arztbesuche
• Operationen
• Therapien
🍕 Erziehungssorge
• schulische Entscheidungen
• Freizeitgestaltung
• religiöse Erziehung
🍕 Bildungsentscheidungen
🍕 Vermögenssorge
• Umgang mit Geld des Kindes
• Sparbücher, Erbschaften
🍕 Vertretung des Kindes
• rechtliche Entscheidungen
• Verträge
• Anträge bei Behörden
Warum ist die Sorgerecht-Pizza für die Soziale Arbeit wichtig?
1️⃣ Für Beratung
Sozialarbeitende können erklären:
„Ihnen wird nicht das ganze Sorgerecht entzogen – nur ein Teilbereich.“
Das wirkt deeskalierend und verständlicher.
2️⃣ Für Kinderschutz
Bei Gefährdung des Kindeswohls kann das Familiengericht:
• einzelne Pizzastücke entziehen
• z. B. nur das Aufenthaltsbestimmungsrecht
• statt sofort das gesamte Sorgerecht
➡️ Verhältnismäßigkeit in der Praxis.
3️⃣ Für die Klausur (sehr wichtig)
Mit der „Sorgerecht-Pizza“ kannst du zeigen:
• du kennst die Struktur des Sorgerechts
• du denkst praxisnah
• du kannst komplexes Recht verständlich erklären
➡️ Das bringt Punkte.
Abgrenzung (falls gefragt)
• Elterliche Sorge = ganze Pizza
• Personensorge = die meisten Stücke
• Teilentzug = einzelnes Stück
• vollständiger Entzug = ganze Pizza weg (sehr selten
Klausurklassiker:
Eltern streiten über Impfentscheidung
1 Was ist das rechtliche Problem?
👉 Uneinigkeit der Eltern über eine wichtige Entscheidung für das Kind.
Das ist kein Verwaltungsrecht,
keine Leistung,
kein SGB-Fall.
➡️ Das ist Familienrecht (BGB).
2 Welche Art von Entscheidung ist das?
Impfentscheidung = Gesundheitssorge
Teil der Personensorge
geregelt im BGB (§ 1631 BGB)
💡 Impfungen sind keine Alltagsentscheidung, sondern eine
Angelegenheit von erheblicher Bedeutung.
3 Was gilt bei gemeinsamer elterlicher Sorge?
Eltern müssen sich einvernehmlich einigen (§ 1627 BGB)
Wenn das nicht gelingt:
➡️ § 1628 BGB kommt ins Spiel
4 Was regelt § 1628 BGB? (Das ist der Kern!)
Wenn Eltern sich über eine Angelegenheit von erheblicher Bedeutung nicht einigen können, überträgt das Familiengericht die Entscheidungsbefugnis für diese konkrete Frage auf einen Elternteil.
⚠️ Wichtig:
Nur diese eine Entscheidung
Kein Entzug des gesamten Sorgerechts
🧠 Sorgerecht-Pizza:
👉 Nur ein Stück, nicht die ganze Pizza.
5 Wie entscheidet das Gericht?
Maßstab: Kindeswohl
Bei Impfentscheidungen orientieren sich Gerichte regelmäßig an:
medizinischem Standard
Empfehlungen der STIKO
❗ Das Gericht entscheidet nicht selbst medizinisch,
sondern überträgt die Entscheidungsbefugnis.
6 Wie sieht eine klausurtaugliche Antwort aus?
Musterantwort (kurz & sicher):
Die Impfentscheidung betrifft die Gesundheitssorge und stellt eine Angelegenheit von erheblicher Bedeutung dar. Bei gemeinsamer elterlicher Sorge müssen sich die Eltern hierüber einig sein. Kommt eine Einigung nicht zustande, entscheidet das Familiengericht nach § 1628 BGB und überträgt die Entscheidungsbefugnis für diese konkrete Frage auf einen Elternteil. Maßstab ist dabei das Kindeswohl.
➡️ Damit bist du im grünen Bereich.
7 Beratende Perspektive (sehr wichtig für Punkte)
Sozialarbeitende haben die Aufgabe, Eltern über ihre gemeinsame Verantwortung aufzuklären, vermittelnd tätig zu werden und – wenn keine Einigung möglich ist – auf die Möglichkeit einer familiengerichtlichen Klärung hinzuweisen.
Zuletzt geändertvor 20 Tagen