Grundverständnis: Kommunikationswissenschaft als empirische Disziplin
Die Kommunikationswissenschaft ist – wie die meisten Sozialwissenschaften – primär eine empirische Wissenschaft.
Nicht-empirische Methoden spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Das Methodenrepertoire der Kommunikationswissenschaft ist daher klar im Bereich der Empirie verortet.
Empirisch vorzugehen bedeutet nach Brosius et al. (2016), dass Erfahrungen über die Realität systematisch gesammelt, geordnet und auf den Gegenstandsbereich der Kommunikationswissenschaft angewandt werden.
Entscheidend ist dabei, dass das Vorgehen so dokumentiert wird, dass es intersubjektiv nachvollziehbar ist. Nur so kann Forschung prinzipiell von anderen wiederholt werden.
Ein klassisches Beispiel für empirisches Arbeiten ist die Befragung.
Besonders deutlich zeigt sich ihre Leistungsfähigkeit in der Wahlforschung: Bereits wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale können Wahlforscher mithilfe von Befragungen verlässliche Prognosen über Wahlausgänge erstellen.
Nicht-empirische Methoden
Nicht-empirische Methoden unterscheiden sich grundlegend vom empirischen Vorgehen. Hier sammelt der Forscher seine Informationen nicht systematisch anhand überprüfbarer Verfahren, sondern stützt sich auf:
vorhandene Literatur
eigenes Vorverständnis
persönliche Interpretation
Dabei kann zwar Bezug auf reale Erfahrungen genommen werden, diese erfolgen jedoch nicht nachvollziehbar oder standardisiert.
Deshalb ist es möglich, dass andere Forscher zu abweichenden Interpretationen gelangen.
Nicht-empirische Methoden beschäftigen sich häufig mit:
singulären Gegenständen
Phänomenen, die über oder neben der sozialen Realität stehen
Nach Brosius et al. (2016) bedeutet nicht-empirisches Vorgehen, einen einzelnen Sachverhalt auf Grundlage eigener Erfahrungen und allgemeinen theoretischen Wissens zu verstehen und systematisch einzuordnen.
Quantitative und qualitative empirische Verfahren
Empirische Methoden lassen sich in quantitative und qualitative Verfahren unterteilen.
Quantitative Methoden zielen darauf ab, komplexe Zusammenhänge zu reduzieren. Dazu werden wenige ausgewählte Merkmale:
systematisch beobachtet
mit Zahlenwerten belegt
auf einer zahlenmäßig breiten Basis erhoben
Ergebnisse werden meist dargestellt als:
Prozentwerte
Mittelwerte
relative Häufigkeiten
Qualitative Verfahren verfolgen einen anderen Zugang. Sie versuchen, ein Phänomen:
in seiner ganzen Breite
und in seiner inneren Struktur zu beschreiben.
Sie eignen sich besonders dazu:
Meinungen
Einstellungen
subjektive Bedeutungen von Menschen zu erfassen.
Beide Verfahren schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern können sinnvoll kombiniert werden.
Auswahl der Methode
Welche Methode eingesetzt wird, hängt in erster Linie von der wissenschaftlichen Fragestellung ab. Zusätzlich spielen aber auch praktische Faktoren eine Rolle:
Zeit
Budget
organisatorische Möglichkeiten
Innerhalb der empirischen Forschung unterscheidet man:
Untersuchungsanlage (Design)
Datenerhebung
Das Untersuchungsdesign kann sein:
experimentell
nicht-experimentell
Die Datenerhebung erfolgt u. a. durch:
Befragung
Inhaltsanalyse
Beobachtung
psychophysiologische Messungen
Tabelle 4 zeigt eine Systematik der Methoden der Kommunikationswissenschaft:
empirische vs. nicht-empirische Methoden
qualitative vs. quantitative Messung
experimentelle vs. nicht-experimentelle Untersuchungsanlagen
Abgrenzung zu nicht-empirischen Verfahren wie:
Hermeneutik
phänomenologischer Beschreibung
dialektischen Verfahren
Ziele empirischer Forschung
Empirische Forschung verfolgt zwei zentrale Ziele:
Deskriptive Forschung dient der systematischen Beschreibung kommunikationswissenschaftlicher Phänomene, häufig in Form von:
Prozentanteilen
Mittelwerten
relativen Häufigkeiten
Explanative Forschung geht darüber hinaus. Sie untersucht:
Wenn-dann-Beziehungen
Zusammenhänge zwischen zwei oder mehreren Variablen
Ziel ist es, Ursachen, Wirkungen und Folgen von Kommunikationsphänomenen zu erklären.
Gesellschaftliche Realität ist zu komplex, um vollständig erfasst zu werden. Wissenschaftliche Erkenntnis ist deshalb nur möglich, wenn:
bestimmte Aspekte gezielt ausgewählt
und andere ausgeblendet werden
Erst durch diese Reduktion wird soziale Realität:
erfassbar
analysierbar
wissenschaftlich bearbeitbar
Prozess wissenschaftlicher Problemlösung (Abbildung 8)
Abbildung 8 veranschaulicht diesen Prozess Schritt für Schritt:
Ausgangspunkt ist ein konkretes gesellschaftliches Problem in der sozialen Realität.
Dieses Problem wird in eine wissenschaftliche Fragestellung übersetzt.
Es werden Hypothesen formuliert.
Auf dieser Basis entwickelt die Wissenschaft:
eine möglichst allgemeingültige Theorie
unabhängig vom Einzelfall.
Ziel ist eine Annäherung von Theorie und Realität:
durch Überprüfung unter bestimmten Bedingungen
mithilfe empirischer Methoden
Dabei werden:
Unterhypothesen
Arbeitshypothesen entwickelt (Isomorphie / Homomorphie).
Die Reduktion komplexer Persönlichkeiten auf wenige relevante Merkmale ermöglicht eine systematische empirische Überprüfung.
Abschließend erlaubt die Forschung:
Rückschlüsse auf das Ausgangsproblem
und dessen wissenschaftliche Klärung.
Wissenschaft betrachtet dabei immer nur einen Ausschnitt der sozialen Realität – nicht die Realität in ihrer Gesamtheit.
Formulierung einer Fragestellung
Ein Ding, Ereignis, eine Handlung, ein Subjekt, eine Entwicklung oder eine Idee wird erst dann zu einem Forschungsgegenstand, wenn dazu eine interessante oder wesentliche Frage gestellt wird.
Der Untersuchungsgegenstand muss dabei keine neue Entdeckung sein.
Häufig entsteht wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn vielmehr dadurch, dass eine neue Frage gestellt wird, die andere Facetten eines bekannten Gegenstands sichtbar macht.
Die Fähigkeit, gute Fragen zu formulieren, ist eine zentrale wissenschaftliche Kompetenz.
Wie bei anderen wissenschaftlichen Fähigkeiten gibt es dafür kein festes Rezept. Dennoch lassen sich typische Fragewörter nach ihrer Funktion für wissenschaftliche Fragestellungen unterscheiden und systematisieren (vgl. Taylor, 2009).
Die folgende Systematik (vgl. Tabelle) zeigt, welche Erkenntnisinteressen mit unterschiedlichen Fragewörtern verbunden sind:
Zielt auf:
Definitionen
Begriffsklärungen
universelle Theorien
Kann auch eine Zuordnungsfrage sein, bei der eine Person mit einer Idee, Position oder Theorie verbunden wird.
Beispiel:
Was ist Neoliberalismus?
Was ist Keynes’ wirtschaftspolitische Grundposition?
Dient der Identifikation von Personen oder Personengruppen.
Bezieht sich u. a. auf:
Verantwortung
Relevanz für bestimmte Gruppen
Entscheidungen oder Theorien
Beispiele:
Wer war verantwortlich für die Einführung des Begriffs „Employer Brand“?
Welche Theorie ist plausibler?
Beziehen sich auf:
Ort
Zeitperiode
In komplexeren Fragestellungen helfen sie,:
Verteilungen
Ausmaß
Häufigkeit
Regelmäßigkeiten zu untersuchen.
Hat zwei zentrale Funktionen:
Beschreibung von Prozessen
z. B. Wie veränderte sich der Buddhismus auf dem Weg von Indien nach Japan?
Erklärung von Mechanismen, Motiven oder Absichten
z. B. Wie beeinflusst das soziale Umfeld das Verhalten von Gemeinschaften?
Häufig werden dabei mehrere miteinander verflochtene Beziehungen analysiert.
Ist funktional eng mit „Wie?“ verwandt.
Bezieht sich meist auf theoretische Erklärungen, z. B.:
kausal (Ursachen)
zielgerichtet (Absichten, Gründe)
funktional (Zweck)
strukturell (Gesetzmäßigkeiten)
deduktiv (Bedingungen, Voraussetzungen)
Warum setzen sich Utilitaristen gegen die Todesstrafe ein?
Diese Fragen zielen auf:
Bewertung
Urteil
Einschätzung
Evaluation
Wie stark steigt die Selbstmordrate in wirtschaftlich guten Zeiten im Vergleich zu Rezessionszeiten?
Thesen
Wissenschaftlich zu arbeiten bedeutet nicht nur, bestehende Arbeiten zu lesen, sondern sich kritisch mit Thesen auseinanderzusetzen. Dazu gehört:
Thesen anderer zu hinterfragen
eigene Thesen zu formulieren
diese zu prüfen und zu verteidigen
Thesen sind zunächst Behauptungen.
Sie können:
einen Sachverhalt beschreiben
Interpretationen oder Meinungen enthalten
Zusammenhänge zwischen Fakten herstellen
Wichtig ist, dass Thesen:
argumentativ begründet
und kritisch reflektiert werden
Zentrale Reflexionsfragen sind dabei:
Sind die Überlegungen logisch?
Was spricht für die These?
Was spricht dagegen?
Wie ist der bisherige Stand der Wissenschaft?
Lassen sich saubere Argumentationsketten aufbauen?
Thesen dürfen:
provozieren
bestehenden Meinungen widersprechen
Diskussionen anregen
Thesen:
geben theoretischen Überlegungen einen Fokus
geben Untersuchungen eine klare Richtung
Je präziser eine These formuliert ist,
desto geringer ist die Gefahr des „Verzettelns“.
Deshalb sollten Thesen:
in einem Satz
knapp und präzise formuliert werden.
Bei der Formulierung sollten folgende Punkte beachtet werden:
Es muss möglich sein, eine Gegenthese zu formulieren.
These und Begründung müssen klar voneinander getrennt sein.
Abzugrenzen sind:
Tatsachenbehauptungen (richtig oder falsch, leicht überprüfbar)
Allgemeinplätze (triviale, unumstrittene Aussagen)
Gute Thesen:
widersprechen Allgemeinplätzen
eröffnen wissenschaftliche Debatten (vgl. Brühl, 2011)
Ausgangspunkt ist die Annahme, dass ein Zusammenhang zwischen:
Ausdauersport
und der Leistung im Studium bestehen könnte.
Um den Aspekt „Leistung im Studium“ messbar zu machen, wird er auf den Notendurchschnitt reduziert.
„Das Betreiben von Ausdauersport beeinflusst den Notendurchschnitt im Studium.“
Diese These erscheint plausibel, da man argumentieren könnte, dass:
sportliche Aktivität Disziplin fördert,
Konzentrationsfähigkeit erhöht,
Stress reduziert.
Gleichzeitig sind gegenteilige Argumente ebenso plausibel:
weniger Zeit zum Lernen,
körperliche Erschöpfung nach dem Training.
Eine mögliche Gegenthese lautet:
„Zwischen Ausdauersport und dem Notendurchschnitt besteht kein Zusammenhang.“
Ob diese These tatsächlich zu kontroversen Debatten führt, ist an dieser Stelle noch zweitrangig.
Für weiterführende wissenschaftliche Untersuchungen ist jedoch eine Umformulierung in eine konkrete Forschungshypothese notwendig.
Hypothesen
Der Begriff Hypothese stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Unterstellung“ oder „Vermutung“ (nach Bortz & Döring).
Wissenschaftliche Hypothesen sind eine spezielle Unterform von Thesen.
Ihr Zweck besteht darin, eine Forschungsfrage in eine empirisch überprüfbare Form zu übersetzen. Sie machen also aus einer eher offenen, theoretischen Überlegung eine konkrete, testbare Aussage.
Charakteristisch ist, dass Hypothesen:
mindestens zwei Variablen enthalten
zwischen diesen Variablen eine bestimmte Wirkungsrichtung annehmen
häufig als Ursache-Wirkungs-Beziehung formuliert werden
Typische Formulierungen sind:
„Wenn – dann“-Aussagen
„Je – desto“-Aussagen
In der Hypothese steckt meist bereits eine vorläufige Antwort auf das Forschungsproblem, da sie einen positiven oder negativen Zusammenhang zwischen den Variablen ausdrückt.
Damit Hypothesen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, müssen sie mehrere Kriterien erfüllen:
Die Sachverhalte müssen empirisch überprüfbar sein → also verifizierbar (bestätigbar) oder falsifizierbar (widerlegbar).
Hypothesen sind allgemeingültig formuliert (sogenannte All-Sätze), d. h. sie beziehen sich nicht nur auf einen Einzelfall.
Sie müssen klar, spezifisch und präzise formuliert sein.
Sie dürfen keine Widersprüche enthalten.
Sie beschreiben:
Variablen
und/oder Zusammenhänge zwischen Variablen.
Jede Hypothese behandelt nur einen Sachverhalt.
Hypothesen werden wertfrei formuliert.
Hypothesen helfen dabei,
Zusammenhänge zwischen Variablen aufzuzeigen,
insbesondere sogenannte Korrelationen.
Durch ihre Formulierung legen sie fest:
welcher Faktor die Ursache ist (das „Wenn“),
und welcher Faktor die Wirkung darstellt (das „Dann“).
Aufgrund ihres unterschiedlichen Stellenwerts unterscheidet man:
unabhängige Variable
stellt die Ursache dar
wird im Forschungsprozess gezielt verändert
abhängige Variable
stellt die Wirkung dar
verändert sich in Abhängigkeit von der unabhängigen Variable
Veränderungen der abhängigen Variable hängen somit von Veränderungen der unabhängigen Variable ab.
In der empirischen Forschung wird die unabhängige Variable gezielt variiert, um ihre Auswirkungen zu beobachten.
Bezogen auf das Beispiel aus dem vorherigen Abschnitt bedeutet das:
Es wird nicht nur der Einfluss von Ausdauersport auf den Notendurchschnitt untersucht,
sondern ggf. auch:
Kraftsport
Meditation
andere Vergleichsbedingungen mithilfe von Vergleichsgruppen.
Die abhängige Variable wird nicht ausschließlich von der unabhängigen Variable beeinflusst. Zusätzlich können weitere Faktoren wirken:
Störfaktoren
können z. B.:
personengebunden
umweltbedingt
untersuchungsbedingt sein.
Moderatorvariablen
haben direkten Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung.
Mediatorvariablen
wirken indirekt
beeinflussen die abhängige Variable ggf. über eine dritte Variable.
Sind solche Variablen den Forschenden im Vorfeld bekannt, können sie gezielt als:
Kontrollvariablen in das Untersuchungsdesign eingebaut werden.
Werden sie hingegen:
nicht berücksichtigt
oder erst nach der Untersuchung erkannt, spricht man von Störvariablen.
Enthält eine Hypothese mehr als zwei Variablen, spricht man von einer komplexeren Hypothese. Zusätzliche Variablen können eingebaut werden durch:
Disjunktionen (Oder-Komponenten)
Konjunktionen (Und-Komponenten)
Dies hat zwei wichtige Konsequenzen:
Der Informationsgehalt der Hypothese steigt.
Gleichzeitig verändert sich ihre Falsifizierbarkeit, da komplexe Hypothesen schwieriger eindeutig zu widerlegen sind.
Die Methode der Befragung basiert darauf, aus einer Grundgesamtheit Aussagen von einigen ausgewählten Personen zu erheben.
Diese Teilmenge wird als Stichprobe bezeichnet.
Wie groß diese Stichprobe sein muss, damit die Ergebnisse valide und reliabel sind, hängt vom jeweiligen Forschungsdesign ab.
Befragungen können in unterschiedlichen Formen durchgeführt werden:
schriftlich
z. B. standardisiertes schriftliches Interview
Online-Befragung
mündlich
Telefoninterview
Face-to-Face-Befragung
Dabei ist es möglich,
Einzelpersonen individuell
oder Gruppen gleichzeitig zu befragen.
Die erhobenen Aussagen stellen Merkmalsausprägungen dar.
Diese beziehen sich auf bestimmte Merkmale, die wiederum Merkmalsträgern (z. B. Personen) zugeordnet werden.
Alle Aussagen werden nach bestimmten Skalenniveaus gemessen:
Nominalskala
Ordinalskala
Intervallskala
Skalenniveaus am Beispiel Haushaltseinkommen (Tabelle 5)
Tabelle 5 verdeutlicht die Unterschiede anhand des Merkmals Haushaltseinkommen:
Nominales Skalenniveau
reine Kategorien ohne Rangfolge
Beispiel: „reich“ oder „arm“
Ordinales Skalenniveau
geordnete Kategorien
Beispiel: Einkommensklassen (0–499 €, 500–749 €, 750–1499 € usw.)
exakte Messwerte mit gleichen Abständen
Beispiel: konkretes monatliches Nettoeinkommen in Euro
Zentrales Instrument der Befragung ist der Fragebogen.
Seine Konzeption entscheidet maßgeblich über die Qualität der Ergebnisse.
Eine Frage ist nicht per se richtig oder falsch, jedoch kann das Antwortverhalten stark variieren, obwohl zwei Fragen inhaltlich dasselbe Ziel verfolgen.
Besonders zu beachten sind:
die Formulierung der Fragen
die Reihenfolge der Fragen (Stichwort: Ausstrahlungseffekte)
die Rahmenbedingungen der Befragung
-> Ziel ist es, die soziale Realität der Befragten möglichst deckungsgleich abzubilden, während gleichzeitig ein Bezug zu wissenschaftlichen Theorien und Hypothesen gewahrt bleibt.
In der Kommunikationswissenschaft spielt die Befragung eine zentrale Rolle, insbesondere in:
Mediennutzungsforschung
Medienwirkungsforschung
Sie wird aber auch eingesetzt, wenn sich das Forschungsinteresse richtet auf:
die Struktur von Massenmedien
die Organisation von Medien
In solchen Fällen stehen häufig transdisziplinäre Themen im Fokus, z. B.:
Medienökonomie
Medienrecht
Nicht selten wird die Befragung mit einer weiteren Methode kombiniert, vor allem mit der Inhaltsanalyse.
Werden auch „W-Fragen“ genannt
Beginnen meist mit:
Was
Wie
Warum
Weshalb
Führen zu:
längeren Textantworten
höherem Interpretationsaufwand
Die Antworten können vor der Auswertung:
kategorisiert
und anschließend quantifiziert werden
Besonders geeignet für:
qualitative Auswertungen
Die Antwortmöglichkeiten sind vorgegeben
Die Meinungsäußerung der Befragten ist dadurch eingeschränkt
Vorteile:
schnellere Auswertung
keine nachträgliche Kategorisierung notwendig
besonders effizient bei großen Fallzahlen
Geschlossene Fragen ermöglichen:
eine stärkere inhaltliche Steuerung der Befragung
höhere Komplexität
Erfassung vieler Randbedingungen
Befragte nennen neue Aspekte, an die der Forscher nicht gedacht hat (besonders wichtig bei unerforschten Themen)
Nachteile:
hoher Aufwand bei der Auswertung
Zersplitterung der Antworten
mögliche Ergebnisverzerrung durch unterschiedliche Eloquenz der Befragten
Beiden Fragetypen ist gemeinsam, dass nicht die Frage allein, sondern vor allem die Antwortvorgaben entscheidend sind.
Ein zentrales Problem bei Befragungen ist das Phänomen der sozialen Erwünschtheit. Befragte neigen dazu,
sozial akzeptierte Meinungen zu äußern
und sozial unerwünschte Einstellungen zu verschweigen, um sich nicht von einer vermeintlichen Mehrheitsmeinung zu isolieren.
Ein wichtiger methodischer Punkt ist, dass:
die eigentlichen Forschungsfragen
und die konkret gestellten Interviewfragen nie identisch sind.
Nach Brosius et al. unterscheidet man:
Programmfragen → Fragen, auf die der Forscher eine Antwort sucht
Testfragen → die tatsächlich gestellten Interviewfragen
Beide unterscheiden sich fundamental.
Bei der Fragebogenkonzeption geht man schrittweise vor:
Definition eines theoretischen Konstrukts (z. B. Politikverdrossenheit)
Herausarbeitung der Dimensionen (z. B. Wahlverhalten, Mediennutzung)
Bildung konkreter Indikatoren (z. B. Parteimitgliedschaft)
Formulierung von Testfragen, z. B.:
„Sind Sie Mitglied einer politischen Partei?“
„An wie vielen Bundestagswahlen haben Sie teilgenommen?“
Die Methode der Befragung ist nur dann sinnvoll, wenn:
Befragte über stabile Meinungen und Einstellungen verfügen
diese Meinungen nicht erst im Interview entstehen
Es geht also um:
widerspruchsfreie und über längere Zeit stabile Auffassungen, die im Interview unverändert wiedergegeben werden können.
Andernfalls liefern Befragungen lediglich:
Momentaufnahmen
mit geringer Repräsentanz und Relevanz
und eingeschränkter Erklärungskraft für soziale Realität
Im Unterschied zur Befragung richtet sich die Inhaltsanalyse nicht auf Personen, sondern auf Medienprodukte. Untersucht werden können sowohl einzelne als auch umfangreiche mediale Einheiten.
Zu den möglichen Forschungsgegenständen zählen:
Printmedien:
einzelne Artikel oder Fotos
ganze Ausgaben von Zeitungen oder Zeitschriften
Elektronische Medien:
einzelne Sendebeiträge
ganze Sendungen
vollständige Programme
Werbliche Medienprodukte:
Werbespots
Anzeigen
Der Fokus liegt damit stets auf manifest vorliegenden Medieninhalten.
Nach Merten ist Inhaltsanalyse eine Methode zur Erhebung sozialer Wirklichkeit, bei der von Merkmalen eines manifesten Textes auf Merkmale eines nicht-manifesten Kontextes geschlossen wird.
Mit dem Begriff „Text“ sind dabei nicht nur geschriebene Texte, sondern auch andere journalistische und werbliche Darstellungsformen gemeint.
Ziel der Inhaltsanalyse ist es,
auf Grundlage vorliegender Medienprodukte (manifester Inhalt)
Rückschlüsse auf soziale Wirklichkeit zu ziehen, die nicht unmittelbar im Text sichtbar ist.
Manifest:
das unmittelbar Beobachtbare im Text
z. B. Themen, Begriffe, Bilder, formale Merkmale
Nicht-manifest:
Bedeutungen, Kontexte, Intentionen
soziale Wirklichkeit, die interpretiert werden muss
Geht man über den analysierten Text hinaus, sind Inferenzen notwendig, die zwangsläufig zu Interpretationen führen. Diese sind nicht mehr direkt aus dem Text ableitbar.
Im Idealfall sollten:
Kommunikator
Rezipient
Forscher ein ähnliches Textverständnis haben.
Berelson spricht in diesem Zusammenhang vom „common meeting-ground“.
Problematisch wird dies besonders,
wenn Texte aus weit zurückliegender Vergangenheit analysiert werden, da sich soziale Wirklichkeiten schwer rekonstruieren lassen.
Inhaltsanalyse steht immer vor zwei zentralen Herausforderungen:
Erfassung formaler und inhaltlicher Merkmale großer Textmengen
Interpretation der Texte
Je nach Forschungsfrage kann es sinnvoll sein,
ergänzend oder alternativ andere Disziplinen einzubeziehen, z. B.:
Literaturwissenschaft
Sprachwissenschaft
Hermeneutik als Lehre der Interpretation von Kommunikationselementen
Mithilfe der Inhaltsanalyse lassen sich Rückschlüsse ziehen auf:
a) den Kontext der Berichterstattung
z. B. Tendenz der Berichterstattung zu bestimmten Zeiträumen oder Ereignissen
b) Motive und Einstellungen der Kommunikatoren
z. B. Qualitätszeitung vs. Boulevardzeitung
c) mögliche Wirkungen auf Rezipienten
z. B. Einfluss auf politische Wahlbeteiligung
Im deutschsprachigen Raum gilt das Werk „Qualitative Inhaltsanalyse“ von Philipp Mayring als Standardwerk.
Der Ansatz von Mayring ist:
systematisch
intersubjektiv nachvollziehbar
für verschiedene Gegenstandsbereiche geeignet
Besonders wichtig:
Der Ansatz erlaubt sowohl
qualitative
als auch quantitative Auswertungsschritte
ohne diese von vornherein zu gewichten (vgl. Früh, 2016)
Tabelle 7 zeigt zentrale Unterschiede zwischen beiden Methoden:
Befragung:
Bevölkerung oder Teile davon
Inhaltsanalyse:
Berichterstattung der Massenmedien oder Teile davon
Personen
Texte, Spielfilme, Reden, Artikel oder Teile davon
Interview
Codierung
Fragen
Kategorien
reaktiv (Antworten können beeinflusst werden)
nicht-reaktiv
Gegenwart
Gegenwart und Vergangenheit
Untersuchung sozialer Wirklichkeiten der Vergangenheit möglich
beliebig reproduzierbar und damit auch modifizierbar
keine Beeinflussung durch:
Stimmung
Tageszeit
Ablenkung
deshalb spricht man von einem nicht-reaktiven Verfahren
Im Gegensatz dazu können Befragte ihre Antworten verändern, wenn sie mehrfach befragt werden.
Bei den bisher behandelten Methoden Befragung und Inhaltsanalyse zeigte sich, dass besonders die Befragung einen zentralen Nachteil hat: Sie erfasst geäußerte Meinungen, nicht zwingend das tatsächliche Verhalten von Personen.
Ein klassisches Beispiel ist die Zahlungsbereitschaft für Online-Angebote. In Befragungen geben viele Personen an, sie wären bereit zu zahlen.
In der Realität tun dies jedoch deutlich weniger.
Würde man sich ausschließlich auf Befragungsergebnisse stützen, könnten daraus erhebliche Fehlentscheidungen, etwa ökonomischer Art, entstehen.
Hier setzt die Beobachtung an. Sie dient dazu,
reales Verhalten von Merkmalsträgern zu erfassen
und Ergebnisse aus Befragungen abzusichern oder zu korrigieren.
Da Beobachtungen sehr aufwendig sind, werden meist kleinere Stichproben untersucht. Erst der Einsatz apparativer Verfahren erlaubt größere Fallzahlen.
Nach Gehrau ist wissenschaftliche Beobachtung:
die systematische Erfassung und Protokollierung von sinnlich oder apparativ wahrnehmbaren Aspekten menschlichen Handelns und Reaktionen, solange diese weder sprachlich vermittelt noch auf Dokumenten basieren.
Zentrale Merkmale dieser Definition:
Beobachtung ist systematisch
sie dient einem wissenschaftlichen Ziel
das Vorgehen wird transparent dokumentiert
relevante Aspekte werden offengelegt
Gehrau macht deutlich, dass wissenschaftliche Beobachtung nicht mit Alltagsbeobachtung gleichzusetzen ist.
Wesentliche Unterschiede:
systematische Codierung
Nutzung eines Beobachtungsschemas
Protokollierung nach festen Regeln
Beobachtbar ist dabei nur Verhalten, das:
sinnlich wahrnehmbar ist (sehen, hören, riechen usw.)
oder apparativ erfasst werden kann (z. B. Blickbewegungsmessung bei Fernsehzuschauern)
Gehraus Definition grenzt Beobachtung bewusst von:
Befragung (sprachlich vermittelt)
Inhaltsanalyse (dokumentenbasiert) ab.
In der Forschungspraxis zeigt sich jedoch:
menschliches Verhalten basiert häufig auf verbaler, nonverbaler und paraverbaler Kommunikation
z. B. Gestik, Lautstärke, Schreien im Straßenverkehr
Auch aufgezeichnetes Verhalten (Video, Trackingdaten) kann authentisches Verhalten abbilden. Die Definition ist daher weiter zu verstehen.
Erkenntispotenzial und Einsatzgebiet der Beobachtung
Beobachtung kann Erkenntnisse liefern, die mit anderen Methoden nicht zugänglich sind.
Nach Vicari kann Beobachtung:
Entwicklungen und Umbrüche erfassen,
bevor sie messbar oder explizit thematisiert werden,
z. B. strukturelle Veränderungen im Journalismus.
Typische Einsatzfelder sind:
Telemetrische Zuschauerforschung (Verweildauer, Einschaltquoten, Marktanteile)
Redaktionsforschung (Arbeitsroutinen, Entscheidungsprozesse)
Rezipientenforschung (Verhalten während Mediennutzung, Aufmerksamkeit)
Werbewirkungsforschung (Blickbewegungen)
Gewalt- und Drogenforschung (Nachahmungstendenzen)
Ein zentrales Beispiel liefert Vicari:
Beobachtung von Redaktionskonferenzen
Stichprobe: 16 Redaktionen
Spannweite: vom Fränkischen Tag bis zum Stern
Ergänzt durch:
Leitfadengespräche
Dokumentation redaktioneller Planungsmittel
Methode:
offene
nicht teilnehmende Beobachtung
durchgeführt von geschulten Studierenden
Systematisierung der Beobachtung
Die Beobachtung unterscheidet sich von Befragung und Inhaltsanalyse u. a. durch:
Datenerhebung: Codierung & Protokollierung
Erhebungsinstrument: Beobachtungsschema
Reaktivität: abhängig von der Form der Beobachtung
Realitätsbezug: Gegenwart (teilweise auch Vergangenheit)
Beobachtungen lassen sich anhand von drei Kriterien systematisieren:
interne vs. extern beauftragte Beobachter
Selbst- vs. Fremdbeobachtung
teilnehmend vs. nicht teilnehmend
Einkaufsverhalten → eher Selbstbeobachtung
Jogging → physiologische Aspekte nur selbst erfassbar
offen vs. verdeckt
wissentlich vs. unwissentlich
Feld- vs. Laborbeobachtung
mit vs. ohne Stimulus
Probleme:
mögliche Verhaltensverfälschung
Einfluss des Beobachters
eingeschränkte Validität bei unpassender Situation
standardisiert vs. nicht standardisiert
direkte vs. indirekte Beobachtung
unmittelbar vs. über Aufzeichnungen
manuell vs. automatisiert
Nicht standardisiert:
geeignet bei neuen Themen
hohe Validität
Standardisiert:
Kategorien & Ausprägungen
hohe Reliabilität
Vicari greift einen Satz von Manfred Rühl auf:
„Die politischen Redakteure verfügen selbst über keine Schreibmaschine“
Daran wird sichtbar, wie viele Stufen des Medienwandels beobachtbar wurden:
Diktatjournalismus
Schreibmaschine
Desktop-Computer
Smartphone-Journalismus
Beobachtung macht solche langfristigen Transformationsprozesse empirisch greifbar.
Die nachstehende Abbildung zeigt typische Einsatzgebiete der wissenschaftlichen Forschungsmethode ‚Beobachtung‘:
Beobachtung dient der systematischen Erfassung realen Verhaltens, ist aufwendig, aber besonders valide, nicht-reaktiv (je nach Form) und unverzichtbar zur Ergänzung von Befragungen.
Experiment
In der Kommunikationswissenschaft geht es häufig darum, soziale Wirklichkeiten zu erklären. Dafür sucht man nach kausalen Zusammenhängen, also nach Beziehungen von Ursache und Wirkung. Menschliches Verhalten ist jedoch hochkomplex, sodass es selten nur eine einzige Ursache gibt. Man spricht daher von:
Monokausalität (eine Ursache)
Multikausalität (mehrere Ursachen)
Das Experiment dient dazu, Wahrscheinlichkeiten für solche Zusammenhänge zu prüfen. Die Aussagen, die dabei getroffen werden, sind keine absoluten Wahrheiten, sondern probabilistische Aussagen.
Alltagsaussagen wie:
„Wer viel raucht, stirbt früher“
„Gestresste Menschen machen mehr Yoga“
„Wenn Leistungssportler dopen, tun das Amateursportler auch“
können plausibel klingen, sind aber keine wissenschaftlichen Beweise. Genau hier setzt die Methode des Experiments an.
Nach Brosius et al. (2016) sind wissenschaftliche Experimente:
Untersuchungsanordnungen, mit denen Kausalzusammenhänge überprüft werden.
Wichtig ist:
Das Experiment ist keine Methode der Datenerhebung
Es beschreibt eine Form der Untersuchungsanlage
Innerhalb eines Experiments können sehr wohl:
Befragungen
Inhaltsanalysen
Beobachtungen durchgeführt werden.
Der entscheidende Unterschied zu anderen Untersuchungsformen ist, dass ein Experiment immer einen Vergleichspunkt benötigt.
Ein Experiment untersucht den Einfluss einer:
unabhängigen Variable (UV) → vermutete Ursache
auf eine abhängige Variable (AV) → vermutete Wirkung
UV: Konsum von Spielfilmen mit Gewaltdarstellungen
AV: Aggressivitätsniveau von Jugendlichen
Um einen kausalen Zusammenhang herzustellen, benötigt man zwei Gruppen:
Experimentalgruppe → erhält den Reiz (Stimulus)
Kontrollgruppe → erhält keinen Reiz
Beide Gruppen müssen sich in allen anderen Merkmalen gleichen, außer in der unabhängigen Variable.
Ein klassisches Beispiel für ein Experiment ist der Placebo-Effekt:
Es wird ein scheinbares Medikament ohne Wirkstoff verabreicht.
Allein die Erwartung der Wirkung führt zu einer subjektiven Verbesserung.
Dieses Beispiel verdeutlicht:
wie wichtig Kontrollgruppen
und der Vergleich von Bedingungen sind.
In der Kommunikationswissenschaft werden Experimente besonders eingesetzt in:
Werbewirkungsforschung
Gewalt- und Drogenforschung
Persuasionsforschung (Schnittstelle zur Politikwissenschaft)
Beispiele aus der politischen Kommunikation:
Untersuchung der Wirkung politischer Talkshows
„Hart aber fair“
„Maischberger“
„Maybrit Illner“
Ein zentraler methodischer Punkt ist die Drittvariable. Sie macht deutlich, dass Kausalität nicht automatisch aus einem zeitlichen Zusammenhang folgt.
steigende Arbeitslosenzahlen
zunehmende Zahl von Flüchtlingen
Beide Entwicklungen können gleichzeitig auftreten, stehen aber nicht kausal miteinander in Beziehung. Solche falschen Kausalzusammenhänge werden jedoch häufig politisch instrumentalisiert.
Seriöse Experimente berücksichtigen deshalb:
Kovariationen
mögliche Drittvariablen
komplexe Erklärungsmodelle
Im Experiment kann die unabhängige Variable:
in ihrer Anzahl
oder in ihrer Ausprägung verändert werden.
Man spricht dann von systematischer Manipulation. Durch den Vergleich der resultierenden Effekte lassen sich präzisere Aussagen über Kausalitäten treffen.
Ein zentrales Merkmal von Experimenten ist:
Sie erlauben keine Allgemeinaussagen
Aussagen gelten nur für das konkrete Experiment
Experimente sind:
nicht repräsentativ
Ergebnisse können nicht generalisiert werden
Das unterscheidet sie deutlich z. B. von der Befragung.
Man unterscheidet zwei grundlegende Formen:
Durchführung in speziellen Räumlichkeiten
starke Manipulation der UV
hohe Kontrolle der Situation
hohe interne Validität
niedrige externe Validität
Versuchspersonen zeigen oft instruiertes Verhalten
Durchführung in natürlicher Umgebung
geringere Kontrollmöglichkeiten
natürliches Verhalten
Versuchspersonen wissen meist nicht, dass sie Teil eines Experiments sind
hohe externe Validität
niedrige interne Validität
Tabelle 12 fasst diese Unterschiede systematisch zusammen, u. a. hinsichtlich:
Ort der Untersuchung
Manipulation der unabhängigen Variable
Kontrolle der Situation
Verhalten der Versuchspersonen
interner und externer Validität
Tabelle 13 zeigt die Leistungsfähigkeit und primären Einsatzgebiete der vier Methoden:
erfasst Meinungen, Einstellungen, verbalisierte Verhaltensweisen
Einsatz: Kommunikator- und Rezipientenforschung
erfasst Form und Inhalt kommunikativer Aussagen
Einsatz: Kommunikator- und Medieninhaltsforschung
erfasst reales individuelles und soziales Verhalten
Einsatz: Kommunikator-, Mediennutzungs- und Rezeptionsforschung
ermöglicht Kausalaussagen
Einsatz: Rezeptions- und Wirkungsforschung
Experimente prüfen Kausalzusammenhänge durch systematische Manipulation der unabhängigen Variable, arbeiten mit Experimental- und Kontrollgruppen, liefern keine repräsentativen Ergebnisse, aber eine hohe Erklärungskraft für konkrete Wirkungszusammenhänge.
Lernkontrollfragen
Aufgabe 4.1
Unterscheiden Sie empirische von nicht empirischen Forschungsmethoden.
Empirisch vorzugehen heißt, Erfahrungen über die Realität zu sammeln, zu systematisieren und diese Systematik auf den Gegenstandsbereich der Kommunikationswissenschaft anzuwenden.
Dabei wird das Vorgehen so dokumentiert, dass es intersubjektiv nachvollziehbar ist und somit prinzipiell von anderen wiederholt werden kann.
Bei nicht-empirischen Methoden sammelt der Forscher auf der Grundlage der bereits vorliegenden Literatur und seines Vorverständnisses Informationen und verdichtet diese in seiner (persönlichen) Interpretation.
Aufgabe 4.2
Beschreiben Sie die Prozessphasen einer wissenschaftlichen Problemlösung.
Am Anfang steht das konkrete, gesellschaftliche Phänomen, die soziale Realität.
Die Kommunikationswissenschaft überträgt dieses Phänomen in eine wissenschaftliche Fragestellung und formuliert zu überprüfende Hypothesen.
In dieser Phase entwickelt die Wissenschaft unabhängig vom Einzelfall eine möglichst universelle, allgemeingültige Theorie über das spezielle soziale Problem.
Wissenschaft versucht dann eine Deckungsgleichheit zwischen Realität und Theorie herzustellen.
Es wird nach qualifizierenden Bedingungen gesucht, unter denen die Theorie einer Überprüfung standhält.
Man entwickelt Unterhypothesen, Arbeitshypothesen und tritt in die Phase der Empirie ein (Isomorphie und Homomorphie).
Man betrachtet also immer nur einen Ausschnitt aus der sozialen Realität und die gesamte Realität.
Die Forschung erlaubt dann Rückschlüsse der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf das Problem und dessen Klärung.
Aufgabe 4.3
Definieren Sie den Begriff ‚Hypothese‘ und grenzen Sie ihn vom Begriff ‚These‘ ab.
Wissenschaftliche Hypothesen sind eine Unterform von Thesen, die die Forschungsfrage in eine empirisch überprüfbare Form übersetzen.
Sie enthalten mindestens zwei Variablen, zwischen denen eine bestimmte Wirkungsrichtung vermutet wird.
Dies ist die sogenannte Ursache-Wirkungs-Beziehung, die sich auch entsprechend in Form von „Wenn-Dann“- oder „Je-Desto“-Aussagen formulieren lässt.
Dabei enthält die Formulierung der Hypothese meist schon eine vorläufige Antwort auf das Forschungsproblem, indem sie einen positiven oder negativen Zusammenhang zum Ausdruck bringt.
Thesen sind Behauptungen. Sie können sich auf einen reinen Sachverhalt beziehen, Interpretationen und Meinungen darüber enthalten oder auch Zusammenhänge zwischen Fakten herstellen.
Aufgabe 4.4
Welches wissenschaftliche Erkenntnisziel hat die ‚Befragung‘?
Bei der Methode ‚Befragung‘ geht es darum, dass aus einer Grundgesamtheit Aussagen von ‚einigen‘ Menschen erhoben werden.
Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer ‚Stichprobe‘.
Die gesammelten Aussagen sind Merkmalsausprägungen, die sich auf Merkmale beziehen, welche Merkmalsträgern zugeordnet werden.
Die Aussagen sind nach den Kriterien einer Nominal-, einer Ordinal- oder einer Intervallskala skaliert.
Aufgabe 4.5
Was versteht man bei der ‚Befragung‘ unter einer Nominal-, einer Ordinal-oder einer Intervallskala?
Es geht um die Skalendignität, mit der in der Empirie wichtige Eigenschaft von Merkmalen bzw. von Variablen beschrieben werden.
Die Nominalskala beschreibt das niedrigste Skalenniveau. Es geht um ‚Gleichheit‘ oder ‚Ungleichheit‘.
Bei der Ordinalskala bestehen Rangordnungen (z. B. größer, kleiner).
Bei Intervallskalen ist die Reihenfolge der Merkmalswerte festgelegt.
Aufgabe 4.6
Benennen Sie mindestens zwei Vor- und Nachteile von ‚offenen Fragen‘?
Offene Fragen werden auch ‚W-Fragen‘ genannt, weil sie in der Regel mit „Was“, „Wie“, „Warum“ oder „Weshalb“ beginnen.
Diese Fragen führen zu Antworten mit größeren Textmengen, die vor einer Auswertung durch Kategorisierung quantifiziert werden können.
Man nutzt diesen Fragetypus, wenn man eine qualitative Auswertung der Befragung erreichen möchte.
Zu den Vorteilen zählen: hohe Komplexität, Erfassung vieler Rahmenbedingungen, Befragte nennen neue Aspekte.
Zu den Nachteilen zählen:
zeitlicher Aufwand der Auswertung,
Zersplitterung der Antworten,
Ergebnisverzerrung durch unterschiedliche Ausdrucksstärke der Befragten.
Aufgabe 4.7
Welches wissenschaftliche Erkenntnisziel hat die ‚Inhaltsanalyse‘?
Der Untersuchungsgegenstand der Inhaltsanalyse sind nicht Personen wie bei der Befragung, sondern es sind in der Regel redaktionelle und werbliche Medienprodukte.
Es ist eine Methode zur Erhebung sozialer Wirklichkeit, bei der von Merkmalen eines manifesten Textes auf Merkmale eines nicht manifesten Kontextes geschlossen wird.
Aufgabe 4.8
Welche Merkmalsträger werden bei der ‚Inhaltsanalyse‘ berücksichtigt?
Während bei der Befragung Personen Merkmalsträger sind, sind es bei der Inhaltsanalyse Teile von Texten, Spielfilmen, Reden, Artikeln, also materiell verfügbaren Produkten.
Aufgabe 4.9
Welcher Realitätsbezug wird bei der ‚Inhaltsanalyse‘ berücksichtigt?
Im Gegensatz zur Befragung kann die Inhaltsanalyse sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit berücksichtigen
Aufgabe 4.10
Welches wissenschaftliche Erkenntnisziel hat die ‚Beobachtung‘?
Nach Gerhau ist die wissenschaftliche Beobachtung die systematische Erfassung und Protokollierung von sinnlich oder apparativ wahrnehmbaren Aspekten menschlicher Handlungen und Reaktionen, solange sie weder sprachlich vermittelt sind noch auf Dokumente basieren.
Aufgabe 4.11
Wer und in welcher Form kann ein ‚Beobachter‘ infrage kommen?
Es ist abzuwägen, ob der oder die Forscher selbst die Beobachter sind oder ob sie Beobachter beauftragen, die Beobachtung durchzuführen.
Der zweite Aspekt betrifft die Frage, ob es sich um eine Selbst- oder Fremdbeobachtung handelt.
Der dritte Aspekt betrifft die Frage der teilnehmenden oder nicht teilnehmenden Beobachtung.
Aufgabe 4.12
Welches wissenschaftliche Erkenntnisziel hat das ‚Experiment‘?
Menschliches Verhalten ist derart komplex, dass sich selten nur ein Grund für bestimmtes Handeln erkennen lässt.
Im Sinne der Beziehung von Ursache und Wirkung spricht man von Monokausalität oder Multikausalität.
Mithilfe des Experiments möchte man die Wahrscheinlichkeit eines Sachverhaltes hinterfragen. Es geht also um ‚probabilistische Aussagen‘.
Aufgabe 4.13
Benennen und erklären Sie Unterschiede von Labor- und Feldexperiment hinsichtlich der Versuchsplanung.
Laborexperimente zeichnen sich in erster Linie durch die Manipulation der unabhängigen Variablen und eine starke Kontrolle der Versuchssituation aus.
Dagegen zeichnen sich Feldexperimente durch eine hohe externe Validität aus, weil die Untersuchung in einer natürlichen Umgebung stattfindet.
Zu den Unterschieden zählen v.a.: der Ort der Untersuchung (Labor: spezielle Räumlichkeiten, Feld: natürliche Umgebung),
Kontrolle der Situation (Labor: möglich, Feld: nicht zu verhindern),
Verhalten der Versuchspersonen (Labor: instruiertes Verhalten, Feld: natürliches Verhalten).
Zuletzt geändertvor 14 Tagen