Wie viele Arten gibt es (Deutschland, grob)?
ca. 64.350 Arten in Deutschland nachgewiesen
grobe Gruppen:
Tiere: ca. 47.987
Pflanzen: ca. 11.065
Pilze: ca. 5.369
Welche Pflanzengruppen tragen in Deutschland stark zur Artenzahl bei?
„Blütenpflanzen & Farne“ als großer Anteil
weitere Gruppen (Beispiele):
Moose (≈ 1.121)
Flechten (≈ 1.691)
Kieselalgen (≈ 3.000)
Zieralgen (≈ 1.500)
Welche Tiergruppe ist in Deutschland besonders artenreich?
Arthropoda (Gliederfüßer) = artenreichster Stamm
Untergruppen (Beispiele):
Chelicerata
Crustacea
Myriapoda
Hexapoda (größter Anteil)
Was zeigt die Verteilung der Hexapoda-Arten auf Ordnungen?
Arten verteilen sich auf viele Insektenordnungen
einige Ordnungen dominieren (v. a. artenreiche Insektenordnungen)
„weitere Ordnungen“ = viele kleinere Anteile
Warum ist ein Großteil der Arten noch nicht beschrieben?
viele Taxa extrem artenreich (v. a. Insekten, Tausendfüßer)
„benannte Arten“ << „geschätzte unbenannte Arten“
Taxonomie/Erfassung hinkt der realen Vielfalt hinterher
Was ist die Kernaussage zum Artenrückgang (Dilemma)?
großer Teil der Artenvielfalt noch nicht erfasst
gleichzeitig: zunehmender Verlust/Bedrohung von Arten
„wir zählen, während die Bibliothek brennt“ (sinngemäß)
Was sagt die IUCN Red List (Stand Jan 2026) allgemein?
zunehmende Anzahl von Arten in Gefährdungskategorien
Gefährdungsanteile unterscheiden sich stark zwischen Taxa
einige Gruppen mit besonders hohem Anteil bedroht
Was zeigen „Recorded Extinctions“ (Dirzo & Raven)?
dokumentierte Aussterben betreffen:
Wirbellose
Wirbeltiere
Pflanzen
Aussterben findet real statt (nicht nur „Rückgang“)
Was sind „Treiber der Biodiversität“ im Überblick?
lokale Artengemeinschaft hängt ab von:
regionalem Artenpool
physiologischen Zwängen
Evolutions-/Historie
Community assembly = Prozess der Bildung lokaler Artengemeinschaften
Was bedeutet „physiologische Zwänge“ als Treiber?
Klima begrenzt, welche Arten wo vorkommen können
Artenreichtum/Verbreitung hängt u. a. an:
Niederschlag
Temperatur
frostfreier Periode / Höhenlage (Beispiele in Grafiken)
Was erklären die „Biome nach Whittaker“?
Vegetationstypen werden durch Klima beschrieben:
Achsen: Temperatur und Niederschlag
verschiedene Biome (z. B. Taiga, Tundra, Wüsten, tropische Wälder)
Klima → Vegetationstyp → Lebensraumangebot für Arten
Welche Rolle spielt „Historie“ (Erdgeschichte) für Biodiversität?
klimatische + tektonische Dynamik prägen Verbreitung/Artenpools
Beispiel Eiszeiten:
Arten mussten nach Süden ausweichen („wandern“)
Europa: Alpen als West–Ost-Barriere erschweren Ausbreitung
Nordamerika: Rocky Mountains eher Nord–Süd → andere Wanderungsmöglichkeiten
Was ist das hierarchische Filterkonzept (Community assembly)?
lokale Artengemeinschaft entsteht aus regionalem Artenpool durch Filter:
Dispersal filter (Ausbreitung)
Environmental filter (Habitat/Umwelt)
Interaction filter (biotische Interaktionen)
Dispersal filter: Was wird hier „gefiltert“ (Hierarchisches Filterkonzept)?
welche Arten einen Ort überhaupt erreichen können
Barrieren/Distanz/Dispersionsfähigkeit entscheidend
Environmental filter: Was wird hier „gefiltert“ (Hierarchisches Filterkonzept)?
welche Arten mit lokalen Bedingungen zurechtkommen
Beispiele für Bedingungen:
Mikroklima
Licht
pH, Nährstoffe, Bodenfeuchte
Interaction filter: Was wird hier „gefiltert“ (Hierarchisches Filterkonzept)?
welche Arten durch Interaktionen ausgeschlossen/ermöglicht werden
Beispiele:
Konkurrenz
Räuber–Beute
Parasitismus
Mutualismus
Warum ist „Art fehlt am Standort X“ oft ein Multi-Skalen-Problem?
kann durch Prozesse auf unterschiedlichen Skalen entstehen:
Ausbreitungs-Limitation
Umweltgradienten/Standortfilter
Konkurrenz/Verdrängung
beobachtetes Muster ≠ eine einzige Ursache
Environmental filter im Wald: Was steuert Mikroklima & Licht?
Überschirmung (canopy cover)
unter Schirm vs. Lichtung:
Licht: gering ↔ hoch
UV: gering ↔ hoch
Temperaturschwankungen: gering ↔ hoch
Bodenfeuchte: hoch ↔ gering
Welche Konsequenz hat Überschirmung für Artengemeinschaften?
Überschirmung bestimmt Zusammensetzung von Artengemeinschaften
viele Artengruppen artenreicher in lichten Wäldern
canopy openness als wichtiger Gradient
Was sagt die Folie zu Mikroklimapräferenzen (Extreme vs. Halbschatten)?
Arten bevorzugen häufig Extreme (sehr offen / sehr geschlossen)
kaum Spezialisten für Halbschatten
starke Kontraste nötig, um Biodiversität zu erhalten
Totholz als Habitatfaktor: obligat vs. fakultativ xylobiont?
obligat xylobiont:
Totholz zwingend nötig
Funktion: Lebensraum + Ressource
fakultativ xylobiont:
profitieren von Totholz, können auch ohne
Funktion: Struktur, Schutz, Mikroklima, Nahrung
Was ist die zentrale Zahl zur Gefährdung von Totholzkäfern?
ca. 28% der > 1000 Totholzkäferarten in Deutschland auf Roter Liste
Beispiele für ökologische Gruppen/Arten (Folie): Tiefland-, Starkholz-, Laubholz-, sonnenliebende Arten
Welche Arten von biotischen Interaktionen werden unterschieden?
innerartlich:
Konkurrenz um Nahrung, Partner, Raum innerhalb einer Art
zwischenartlich:
Konkurrenz zwischen Arten
Räuber–Beute, Parasitierung etc.
Welche Interaktionstypen + Vorzeichen gibt es?
Konkurrenz: - / -
Mutualismus: + / +
Kommensalismus: + / 0
Herbivorie: + / -
Prädation: + / -
Parasitierung: + / -
Konkurrenz: Worum konkurrieren Arten/Individuen typischerweise?
Ressourcen:
Nährstoffe
Wasser
Lebensraum/Strukturen:
z. B. Bruthöhlen
Fortpflanzungspartner
Kosten:
Energie für Kämpfe/Revier/Brunft
Trade-offs (Wachstum statt Reproduktion)
Competitive exclusion principle (Connell): Kernaussage?
überlappen fundamentale Nischen stark:
Verdrängung im Überlappungsbereich
schwächerer Konkurrent wird ausgeschlossen
Ergebnis:
realisierte Nische (kleiner als fundamentale)
Mutualismus als „Ausbreitungs-Mutualismus“: Was bedeutet das?
Art 1 verbreitet Pollen/Samen von Art 2
Gegenleistung:
Nahrung/Belohnung
Bestäubung
Samenverbreitung
Trophische Interaktionen: Was ist gemeint mit bottom-up vs. top-down?
bottom-up:
Ressourcen/Produzenten steuern höhere Trophiestufen
top-down:
Konsumenten/Prädatoren steuern niedrigere Ebenen
wichtige Prozesse:
Herbivorie
Prädation & Parasitismus
Herbivorie: Warum „grundlegend“ in Nahrungsnetzen?
zentraler Prozess in Nahrungsnetzen
sehr viele Taxa beteiligt
Effekte in beide Richtungen möglich:
top-down
bottom-up
Beispiel top-down cascade: Yellowstone (Kernaussage)
Wiedereinführung von Prädatoren (Folie: Yellowstone)
Folge:
Rückgang/Verhaltensänderung großer Herbivoren (Bestände, Raumnutzung)
weniger Verbiss
Zunahme von Vegetation/Regeneration (Kaskade)
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