Behaviorismus (Skinner)
Grundgedanke
• Lernen wird als sichtbare und überprüfbare Veränderung von Verhalten
verstanden
• Sprachenlernen erfolgt durch Reiz-Reaktions-Verknüpfungen -> habit formation
• Erwünschtes Verhalten erfährt positive Verstärkung und wird dadurch gefestigt
• Mensch gilt zunächst als tabula rasa (ungeschriebenes Blatt) ohne angeborene sprachliche Strukturen
L1 Erwerb
• Sprachinput aus Umwelt fungiert als Stimulus
• Sprachenlernen (Kinder): sprachliche Muster werden durch Imitation von Vorbildern aus der Umwelt übernommen
• Häufiges Üben führt zur Automatisierung sprachlicher Strukturen
• Sprachenlernen gilt als erfolgreich, wenn eingeübte Strukturen fehlerfrei reproduziert werden
Nativismus (Chomsky)
Grundannahmen
• Sprachliche Kompetenz ist nicht erlernt, sondern angeboren
-> Universalgrammatik (UG) als Grundlage, die allen Menschen zur Verfügung steht
• Sprachlicher Input aus der Umwelt ist zu vielschichtig und komplex, als dass er zum Spracherwerb genutzt werden kann (vs. Behaviorismus)
-> poverty-of-the-stimulus Hypothese
• Spracherwerb erfolgt über spezielles Modul im Gehirn: Language Acquisition Device (LAD)
o angeborenes Wissen um Sprache und Grammatik im LAD verankert
• In allen Sprachen der Welt ähnlicher Ablauf
Das LAD
1. Sprachuniversalien (mögliche Eigenschaften von Sprachen)
• Formale Universalien: grammatischer Regelapparat
• Substantielle Universalien: z.B. Wissen, welche Kategorien Sprachen enthalten (z.B. Substantive und Verben)
➢ Ausgangsbasis für Spracherwerb
2. Hypothesenbildungsverfahren
• Aufgrund der Kenntnis von Sprachuniversalien und Sprachinput
-> Hypothesenbildung/Annahmen vom Kind darüber welche grammatischen Regeln gelten könnten
3. Hypothesenbewertungsverfahren
• Entscheidung zwischen mehreren möglichen Hypothesen
• Entscheiden für die, die am besten zum Input passt
➢ Ziel: Herausfiltern einer für die Umgebungssprache relevanten Grammatik
Prinzipien- und Parameter-Theorie
• Beschreibt, wie Universalgrammatik konkret funktioniert
• UG:
o Besteht aus Prinzipien (sehr abstrakt, universell, gelten für alle Sprachen)
o Und Parametern (begrenzte Auswahlmöglichkeiten innerhalb eines
Prinzips)
• Kind analysiert sprachlichen Input, erkennt welche Parameter für dessen Muttersprache zutreffen -> Kerngrammatik der jeweiligen Sprache
• Beispiel:
➢ “one tree, two trees, three trees” - Kind erkennt regelmäßige Pluralbildung durch Suffix -s
➢ “tooth - teeth” - Unregelmäßige Formen können nicht aus dem Prinzip abgeleitet werden, sie müssen separat gelernt werden
• Critical Period Hypothesis: besagt, dass Sprache nur bis zu einem bestimmten Alter unter vollem Einfluss der UG erworben werden kann
➢ LAD zu dieser Zeit optimal
Kognitivismus (Piaget)
• Lernen nicht als mechanischer Vorgang verstanden und nicht allein von der Umwelt gesteuert
• Aktiver Prozess der individuellen Wissenskonstruktion
• Zentrale Rolle spielen kognitive Reifungsprozesse des gesamten Gehirns
• Sprachliche Entwicklung eng mit allgemeiner kognitiver Entwicklung verbunden
Kognitive Entwicklungsstufen
• Sensomotorisch
• Präoperational
• Konkret operational
• Formal operational
Spracherwerb als kogn. Prozess
• Menschen verfügen über eine angeborene Lernfähigkeit
• Neuer Input wird verarbeitet durch:
o Assimilation: Einordnung neuer Inhalte in vorhandene Wissensstrukturen
(top-down)
o Akkommodation: vorhandene Wissensstrukturen passen sich an neue Inhalte an/ werden verändert (bottom-up)
➢ Spracherwerb ist Teil des allgemeinen Reifungsprozesses des Menschen
Konstruktivismus
• Spracherwerb durch aktiven Sprachgebrauch
• Kinder verfügen über die Fähigkeit, kommunikative Absichten anderer intuitiv zu erkennen
• Sprachlernen durch Beobachtung und Nutzung wiederkehrender Muster
Zugrunde liegende Fähigkeiten
• Kategorienbildung
• Erkennen kommunikativer Intentionen
• Analogiebildung
• Muster- und Schemaerkennung
• Generalisierung und Abstraktion
Mechanismen des Spracherwerbs
• Grammatik entsteht aus Gebrauch von Sprache
Entscheidend sind Häufigkeit, Regelmäßigkeit und Komplexität
• Speicherung häufig genutzter Strukturen (Entrenchment)
• Blockierung von nicht-zielsprachlichen Generalisierungen durch irreguläre
Formen (Pre-Emption)
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