SMED – Single Minute Exchange of Die
📘 SMED – Single Minute Exchange of Die
1. Grundidee
Ziel: Rüstzeiten (Umrüstzeiten) in der Fertigung drastisch reduzieren, idealerweise auf unter 10 Minuten (daher "single minute").
Entwickelt von Shigeo Shingo im Umfeld des Toyota Production System.
Hintergrund: Häufige Umrüstungen ermöglichen kleinere Losgrößen → höhere Flexibilität, weniger Bestände, geringere Durchlaufzeiten.
2. Begriffe
Rüstzeit: Zeitspanne, in der eine Maschine von der Fertigung eines Produkts auf ein anderes umgestellt wird.
Interne Rüstvorgänge (IRV): Arbeiten, die nur bei Maschinenstillstand erfolgen können (z. B. Werkzeugwechsel im Inneren).
Externe Rüstvorgänge (ERV): Arbeiten, die bei laufender Maschine parallel erledigt werden können (z. B. Vorbereitung des Werkzeugs, Transport).
3. Vorgehensweise nach SMED
Analyse der aktuellen Rüstabläufe
Ablauf aufnehmen, Zeiten messen, interne/externe Vorgänge identifizieren.
Trennung von internen und externen Rüstvorgängen
Ziel: Möglichst viel Arbeit extern erledigen, bevor Maschine steht.
Umwandeln von internen in externe Rüstvorgänge
Beispiele: Werkzeuge vorkonditionieren, Vorrichtungen vorbereiten, Material bereitstellen.
Optimieren der internen Rüstvorgänge
Vereinfachen, standardisieren, Parallelisierung (mehrere Personen), bessere Vorrichtungen.
Optimieren der externen Rüstvorgänge
Wege minimieren, Materialbereitstellung verbessern, Checklisten nutzen.
4. Typische Methoden & Werkzeuge
Schnellspannsysteme statt Schraubverbindungen.
Positionierhilfen / Nullpunktspannsysteme für reproduzierbare Ausrichtung.
Checklisten für standardisierte Abläufe.
Parallelrüsten durch mehrere Mitarbeiter.
Vorrüstplätze neben der Maschine.
5. Vorteile von SMED
Kurze Rüstzeiten → höhere Anlagenverfügbarkeit.
Kleinere Losgrößen möglich → weniger Bestände, höhere Flexibilität.
Schneller auf Kundenwünsche reagieren.
Weniger Verschwendung (Stillstand, Überproduktion).
6. Grenzen / Herausforderungen
Hoher Initialaufwand (Analyse, Umstellung, Investitionen).
Wirtschaftlich nicht immer sinnvoll, wenn Produktwechsel selten ist.
Beteiligung der Mitarbeiter entscheidend (Akzeptanz, Schulung).
7. Merksatz
👉 SMED = systematische Reduzierung der Rüstzeit durch Trennen, Umwandeln und Optimieren von Rüstvorgängen.
ANDON
📘 ANDON
Andon = japanisch für „Lampe/Laterne“.
Ein visuelles Steuerungs- und Meldesystem im Rahmen des Toyota Production System.
Dient zur sofortigen Problemerkennung und -lösung in der Produktion.
2. Funktionsweise
Signalgeber (Knopf, Seil, Fußschalter, Sensor) → Mitarbeiter meldet Störung/Abweichung.
Signalarten:
Grün = Normalbetrieb.
Gelb = Warnung / Abweichung.
Rot = Störung → Produktion stoppt oder muss sofort geprüft werden.
Signal wird auf Andon-Tafel (Anzeigetafel, Display, Lichtsignal) sichtbar gemacht.
3. Ziel von Andon
Probleme transparent machen.
Sofortige Reaktion ermöglichen (Teamleiter, Instandhaltung).
Mitarbeiter sind ermächtigt, Probleme zu melden und im Zweifel die Anlage zu stoppen.
Fördert Qualität an der Quelle („Jidoka“ – keine fehlerhaften Teile weitergeben).
4. Typische Umsetzung
Andon-Boards mit farbigen Anzeigen (meist Linien- oder Hallenübersicht).
Akustische Signale zusätzlich.
Digitale Andon-Systeme zeigen Echtzeit-Status (Maschinenlaufzeiten, Störungen, Rückmeldungen).
5. Vorteile
Schnelle Problemerkennung (kein Verstecken von Fehlern).
Transparenz im gesamten Produktionsbereich.
Kürzere Stillstände, weil sofort reagiert wird.
Qualitätsverbesserung, da Fehler früh erkannt werden.
Mitarbeiterbeteiligung → Verantwortung & Motivation steigen.
Kann zu häufigen Unterbrechungen führen, wenn falsch angewendet.
Erfordert Kulturwandel: Fehler melden wird positiv gesehen.
Investitions- und Schulungsaufwand.
🔧 Beispiel: Andon bei der Probenherstellung
Ausgangssituation
Fertigung von Zugproben auf einer CNC-Drehmaschine.
Probleme:
Werkzeugverschleiß führt zu Maßabweichungen.
Späne verstopfen Spannzange → Probe sitzt schief.
Umsetzung mit Andon
Sensorik meldet, wenn Maß außerhalb Toleranz.
Andon-Lampe schaltet auf Gelb → Bediener sieht sofort, dass etwas nicht stimmt.
Bediener zieht Andon-Seil → Signal auf Andon-Tafel.
Teamleiter kommt sofort, entscheidet: Werkzeugwechsel + Spannmittel reinigen.
Nach kurzer Unterbrechung läuft Anlage weiter, Ausschuss wird vermieden.
Ergebnis
Früher: Fehler erst nach mehreren fehlerhaften Proben erkannt → Ausschuss hoch.
Mit Andon: Fehler sofort sichtbar, schneller Eingriff, höhere Qualität & weniger Ausschuss.
MUDA
📘 MUDA
Muda = japanisch für Verschwendung.
Stammt aus dem Toyota Production System (Lean Management).
Ziel: Alle Tätigkeiten, die keinen Wert für den Kunden schaffen, systematisch erkennen und eliminieren.
2. Arten von Tätigkeiten
Wertschöpfend (VA – Value Added): Kunde ist bereit, dafür zu zahlen (z. B. Zerspanung der Probe).
Nicht wertschöpfend, aber notwendig: Hilfsprozesse (z. B. Qualitätsprüfung, Transport).
Nicht wertschöpfend und vermeidbar = MUDA → eliminieren.
3. Die 7 (klassischen) Muda-Arten nach Toyota
Überproduktion – mehr produzieren, als gebraucht wird.
Wartezeiten – Menschen oder Maschinen sind untätig.
Transport – unnötige Wege von Material oder Proben.
Überbearbeitung / falsche Prozesse – mehr Aufwand, als nötig (z. B. doppelte Prüfungen).
Bestände – zu viele Lagerbestände, Zwischenpuffer.
Bewegungen – unnötige Bewegungen der Mitarbeiter.
Fehler / Ausschuss – Nacharbeit oder Ausschuss durch Qualitätsmängel.
👉 Später wurde oft ein 8. Muda ergänzt: ungenutztes Mitarbeiterpotenzial (z. B. Ideen nicht berücksichtigt).
4. Ziel von Muda-Analyse
Verschwendung sichtbar machen → Wertstromanalyse, Gemba Walk.
Eliminieren oder reduzieren, soweit möglich.
Fokus auf Kundennutzen: Alles, was der Kunde nicht bezahlt, ist Verschwendung.
🔧 Beispiel: Probenherstellung (Werkstoffprüfung)
Herstellung von Zugproben auf einer CNC-Maschine. Beobachtete Muda-Arten:
Wartezeit: Maschine steht, weil Rohmaterial fehlt.
Transport: Proben werden unnötig zwischen Lager und Prüfraum hin- und hergefahren.
Bewegung: Bediener läuft mehrmals zur Werkzeugausgabe, weil keine Checkliste existiert.
Überbearbeitung: Jede Probe wird doppelt vermessen, obwohl eine Messung genügt.
Ausschuss: Erste Probe oft unbrauchbar, da Nullpunkt erst angepasst wird.
Maßnahmen
Materialbereitstellung per Kanban → keine Stillstände.
Werkzeuge vorgerüstet am Arbeitsplatz → weniger Wege.
Prüfvorgaben standardisieren → keine Doppelprüfungen.
Nullpunkt über Spannsystem voreinstellen → weniger Ausschuss.
Weniger Stillstände, kürzere Durchlaufzeit, weniger Ausschuss → Produktivität steigt.
👉 Merksatz: Muda = Verschwendung. Alles, was der Kunde nicht bezahlt und keinen Wert schafft, muss reduziert oder eliminiert werden.
ABC-Analyse
📘 ABC-Analyse
Ein Ordnungs- und Priorisierungsverfahren für Material, Produkte oder Aufgaben.
Basierend auf dem Pareto-Prinzip (80/20-Regel):
Wenige Teile haben meist den größten Wertanteil.
Viele Teile haben nur einen kleinen Anteil am Gesamtwert.
👉 Ziel: Schwerpunkte erkennen und Ressourcen gezielt einsetzen.
2. Vorgehensweise
Bewertungskriterium festlegen (z. B. Jahresverbrauchswert = Preis × Verbrauchsmenge).
Objekte ordnen nach absteigendem Wert.
Kumulierte Anteile von Menge und Wert berechnen.
Klassifizierung in drei Gruppen:
A-Teile: hoher Wertanteil, kleiner Mengenanteil (ca. 70–80 % des Wertes, ~10–20 % der Teile).
B-Teile: mittlerer Wertanteil (ca. 15–25 % des Wertes, ~20–30 % der Teile).
C-Teile: niedriger Wertanteil, großer Mengenanteil (ca. 5 % des Wertes, ~50–70 % der Teile).
3. Typische Anwendung
Materialwirtschaft / Einkauf: A-Teile streng kontrollieren (z. B. Lieferantenmanagement), C-Teile mit vereinfachten Verfahren (z. B. Rahmenverträge).
Lagerhaltung: A-Teile geringe Bestände, genaue Planung; C-Teile höhere Bestände, weniger Aufwand.
Fertigungsorganisation: Fokus auf kritische Teile, die den größten Einfluss haben.
4. Vorteile
Einfach anzuwenden, gute Übersicht.
Unterstützt bei Priorisierung & Ressourcenzuteilung.
Hilft, Kosten im Blick zu behalten.
5. Grenzen
Nur ein Kriterium (meist Wert) wird berücksichtigt → andere Faktoren wie Lieferzeit, Kritikalität oder Qualität bleiben außen vor.
Deshalb oft kombiniert mit XYZ-Analyse (Verbrauchsverhalten).
Datenbasis (vereinfacht):
A-Teile: Probenrohmaterial (hochwertige Titanstäbe, teuer, geringer Verbrauch).
B-Teile: Normale Stahlstäbe (mittlerer Wert, mittlerer Verbrauch).
C-Teile: Hilfsmittel wie Schrauben, Etiketten, Verpackungsmaterial (sehr niedriger Wert, hoher Verbrauch).
Einteilung nach ABC:
A: ~15 % aller Teile, machen aber ~75 % des Materialwerts aus → strenge Planung, enge Lieferantenüberwachung.
B: ~25 % aller Teile, ~20 % des Werts → normale Kontrolle.
C: ~60 % aller Teile, nur ~5 % des Werts → günstige Sammelbestellungen, wenig Planungsaufwand.
Ergebnis:
Fokus auf A-Teile (z. B. Titanstäbe) → kein Engpass oder Fehlbestand erlaubt.
C-Teile möglichst automatisiert oder über Kanban steuern.
👉 Merksatz: ABC-Analyse = Einfache Priorisierungsmethode: Wenige A-Teile haben hohen Wert, viele C-Teile haben niedrigen Wert.
ABC-Analyse – Beispiel (neutral)
📘 ABC-Analyse – Beispiel (neutral)
Situation
Ein Handelsunternehmen möchte seine Lagerbestände analysieren.
Artikel
Jahresverbrauch (Stück)
Preis (€)
Jahresverbrauchswert (€)
Motor
100
500
50.000
Schraube
20.000
0,05
1.000
Pumpe
Dichtung
5.000
0,20
Sensor
200
40.000
Gesamtwert = 142.000 €
Schritt 1: Sortieren nach Wert
Motor (50.000 €)
Pumpe (50.000 €)
Sensor (40.000 €)
Schraube (1.000 €)
Dichtung (1.000 €)
Schritt 2: Kumulieren
Motor + Pumpe = 100.000 € → ~70 % vom Gesamtwert.
Sensor = 140.000 € → ~98 %.
Schraube + Dichtung = 142.000 € → 100 %.
Schritt 3: Einteilung
A-Teile: Motor, Pumpe (ca. 70 % vom Wert, nur 40 % der Teile).
B-Teile: Sensor (ca. 28 % vom Wert, 20 % der Teile).
C-Teile: Schraube, Dichtung (2 % vom Wert, 40 % der Teile).
Interpretation
A-Teile: Eng überwachen, geringe Lagerbestände, sorgfältige Lieferantenwahl.
B-Teile: ausgewogene Strategie.
C-Teile: unkritisch, über Vereinfachungen beschaffen (z. B. Sammelbestellungen, Kanban).
👉 Kernaussage: Mit der ABC-Analyse können Unternehmen ihren Fokus auf die wenigen wertintensiven Teile legen und die vielen geringwertigen Teile effizienter handhaben.
Break-Even-Analyse
📘 Break-Even-Analyse
Break-Even-Point (Gewinnschwelle) = Punkt, an dem Gesamtkosten = Gesamterlöse sind.
Ab hier macht das Unternehmen keinen Verlust mehr, sondern beginnt Gewinne zu erzielen.
👉 Frage: „Wie viel muss ich mindestens verkaufen, damit es sich lohnt?“
2. Wichtige Größen
Fixkosten (Kf): Kosten, die unabhängig von der Produktionsmenge anfallen (Miete, Gehälter, Maschinen).
Variable Kosten (kv): Kosten pro Stück, abhängig von der Produktionsmenge (Material, Fertigung).
Erlös (p): Verkaufspreis pro Stück.
3. Formel
Xbep = Kf/p-kv
p-kv = Deckungsbeitrag pro Stück.
Kf = Fixkosten.
Xbep = notwendige Stückzahl, um die Kosten zu decken.
4. Darstellung
Kosten- und Erlösdiagramm:
X-Achse = Menge.
Y-Achse = Kosten/Erlöse.
Break-Even = Schnittpunkt von Gesamtkosten- und Erlöskurve.
5. Beispiel (neutral)
Ein Unternehmen produziert Laptops:
Fixkosten: 200.000 € pro Jahr.
Variable Kosten: 400 € pro Stück.
Verkaufspreis: 600 € pro Stück.
Berechnung:
Xbep = 200.000/(600-400) = 200.000/200 = 1.000 Stück
👉 Das Unternehmen muss mindestens 1.000 Laptops verkaufen, um die Gewinnschwelle zu erreichen.
6. Interpretation
Unterhalb 1.000 Stück → Verlust.
Ab 1.001 Stück → Gewinn.
Je größer der Deckungsbeitrag pro Stück, desto niedriger die Break-Even-Menge.
Break-Even = Punkt, ab dem Erlöse die Kosten decken. Formel: Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag pro Stück.
FMEA – Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse
📘 FMEA – Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse
Systematische Methode zur Fehlervermeidung in Entwicklung, Konstruktion und Fertigung.
Statt Fehler im Nachhinein zu korrigieren → präventiv mögliche Fehlerquellen erkennen und bewerten.
Ziel: Risiken minimieren, Qualität verbessern, Kosten durch Nacharbeit oder Ausschuss vermeiden.
2. Arten von FMEA
Konstruktions-FMEA (Design-FMEA): Analyse möglicher Fehler in Bauteilen/Produkten.
Prozess-FMEA: Analyse möglicher Fehler in Fertigungs- oder Montageprozessen.
System-FMEA: Betrachtung ganzer Systeme (z. B. Fahrzeug, Maschine).
3. Vorgehensweise
Struktur analysieren → System, Baugruppen, Prozesse zerlegen.
Funktionen bestimmen → Was soll das Teil/der Prozess leisten?
Fehlermöglichkeiten identifizieren → Wie könnte es versagen?
Fehlerfolgen analysieren → Welche Auswirkungen hätte das?
Fehlerursachen analysieren → Warum könnte es passieren?
Bewertung mit drei Kriterien:
Bedeutung (B): Wie schwerwiegend ist die Folge? (1 = unbedeutend, 10 = katastrophal)
Auftreten (A): Wie wahrscheinlich ist die Ursache? (1 = selten, 10 = sehr häufig)
Entdeckung (E): Wie gut kann der Fehler entdeckt werden? (1 = sicher, 10 = kaum erkennbar)
Risikoprioritätszahl (RPZ) berechnen:
RPZ = B x A x E
Maßnahmen ableiten → Fehler vermeiden, Risiko verringern, Prüfmethoden verbessern.
Wirksamkeit bewerten → neue RPZ berechnen.
4. Beispiel (neutral) – Montageprozess einer Kaffeemaschine
Prozessschritt: Einsetzen der Heizspirale.
Möglicher Fehler: Heizspirale nicht korrekt befestigt.
Folge: Gerät funktioniert nicht, Überhitzung möglich.
Ursache: Mitarbeiter übersieht Befestigung, Werkzeugverschleiß.
Bewertung:
Bedeutung (B): 9 (hohe Gefahr für Funktion & Sicherheit).
Auftreten (A): 4 (gelegentlich).
Entdeckung (E): 6 (bei Endprüfung schwer erkennbar).
RPZ = 9 × 4 × 6 = 216 → hoch.
Maßnahmen:
Automatische Drehmomentkontrolle beim Befestigen.
Visuelle Kontrolle mit Sensor.
Neue Bewertung:
A = 2, E = 2 → RPZ = 36 → akzeptabel.
Frühzeitige Fehlererkennung.
Systematische Risikobewertung.
Vermeidung von teuren Rückrufen, Ausschuss oder Kundenreklamationen.
6. Grenzen
Hoher Aufwand (Daten sammeln, Teamsitzungen).
Subjektivität bei Bewertung (B, A, E).
Muss regelmäßig aktualisiert werden.
👉 FMEA = strukturierte Methode zur Risikobewertung: Fehler finden, Folgen bewerten, Maßnahmen ableiten.
Gefährdungsanalyse
📘 Gefährdungsanalyse
Gefährdungsanalyse = systematisches Verfahren, um Gefahren am Arbeitsplatz zu erkennen, zu bewerten und Schutzmaßnahmen festzulegen.
Gesetzliche Grundlage in Deutschland: ArbSchG (§5 Gefährdungsbeurteilung).
Ziel: Sicherheit & Gesundheit der Beschäftigten gewährleisten, Arbeitsunfälle & Berufskrankheiten vermeiden.
2. Ablauf einer Gefährdungsanalyse
Arbeitsbereich/Arbeitsplatz festlegen → z. B. CNC-Maschine, Montageplatz, Lager.
Gefährdungen ermitteln Typische Kategorien:
Mechanische Gefährdungen (Quetschen, Schneiden, Stoßen).
Elektrische Gefährdungen (Stromschlag).
Chemische Gefährdungen (Stäube, Dämpfe, Flüssigkeiten).
Physikalische Einwirkungen (Lärm, Vibration, Strahlung, Hitze/Kälte).
Ergonomische Gefährdungen (Fehlhaltungen, Lastenhandhabung).
Organisatorische Gefährdungen (Zeitdruck, Arbeitsabläufe, Schichtsystem).
Psychische Gefährdungen (Stress, Monotonie, Überlastung).
Risiken bewerten
Eintrittswahrscheinlichkeit (selten – häufig).
Schadensschwere (leicht – tödlich).
Kombination = Risikostufe.
Schutzmaßnahmen festlegen Nach dem TOP-Prinzip:
Technisch (z. B. Schutzhauben, Absaugung).
Organisatorisch (z. B. Arbeitsanweisungen, Schichtplanung).
Persönlich (PSA – Helm, Gehörschutz, Schutzbrille).
Wirksamkeit prüfen → regelmäßig kontrollieren, ob Maßnahmen greifen.
Dokumentation & Aktualisierung
Pflicht zur schriftlichen Dokumentation.
Aktualisieren bei Änderungen (z. B. neue Maschine, neuer Stoff, Unfall).
3. Beispiel (neutral, allgemein)
Arbeitsplatz: Schweißarbeitsplatz in der Fertigung.
Gefährdungen:
UV-/IR-Strahlung (Augenschäden).
Rauchgase (Atemwegsbelastung).
Funkenflug (Brandgefahr).
Stolperfallen durch Kabel.
Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel bis hoch.
Schadensschwere: hoch (Augenverletzung, Lungenschäden).
Maßnahmen (TOP):
Technisch: Absauganlage, automatische Schweißkabine.
Organisatorisch: Nur geschultes Personal, klare Zugangsregelung.
Persönlich: Schweißhelm, Schutzkleidung, Atemschutz.
Ergebnis: Risiko deutlich reduziert.
Erhöhung von Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz.
Pflichtkonformität (rechtliche Absicherung für Unternehmen).
Systematisches Vorgehen → keine Gefahren werden übersehen.
5. Merksatz
👉 Gefährdungsanalyse = Gefahren erkennen, Risiko bewerten, Schutzmaßnahmen nach TOP-Prinzip festlegen.
Ishikawa-Diagramm (Fischgräten-Diagramm)
📘 Ishikawa-Diagramm (Fischgräten-Diagramm)
Entwickelt von Kaoru Ishikawa (1960er).
Auch: Fischgräten- oder Ursache-Wirkungs-Diagramm.
Dient zur systematischen Analyse von Ursachen für ein Problem.
Ziel: Alle möglichen Einflussfaktoren sichtbar machen, bevor Maßnahmen ergriffen werden.
2. Aufbau
Rechte Seite (Kopf des Fisches): Problem / Wirkung (z. B. „Ausschussrate hoch“).
Linke Seite (Gräten): Hauptursachen-Kategorien, von denen Verzweigungen abgehen.
Typische 6-M-Kategorien (in der Produktion):
Mensch (Bedienung, Ausbildung, Aufmerksamkeit).
Maschine (Zustand, Wartung, Genauigkeit).
Material (Qualität, Eigenschaften, Lieferant).
Methode (Arbeitsablauf, Prüfverfahren).
Mitwelt/Umgebung (Licht, Temperatur, Lärm, Klima).
Management (Organisation, Führung, Planung).
👉 In der Dienstleistung oft angepasst (z. B. 4M: Mensch, Methode, Maschine, Material).
Problemdefinition (klar und präzise formulieren).
Hauptursachen-Kategorien wählen (6M oder angepasst).
Brainstorming im Team: Alle möglichen Ursachen eintragen.
Strukturieren: Ursachen in Teilursachen zerlegen.
Analyse: Wichtige/realistische Ursachen identifizieren.
Maßnahmen ableiten.
4. Beispiel (neutral)
Problem: „Hohe Ausschussrate in der Fertigung“
Mensch: unzureichende Schulung, Müdigkeit, Bedienfehler.
Maschine: Werkzeugverschleiß, falsche Justierung, Wartungsmängel.
Material: Schwankende Rohstoffqualität, falsche Spezifikation.
Methode: falsche Reihenfolge, keine Standardarbeitsanweisung.
Mitwelt: Staub, zu hohe Temperatur, schlechte Beleuchtung.
Management: Zeitdruck, schlechte Schichtplanung.
👉 Ergebnis: Ursachen können jetzt priorisiert werden (z. B. Hauptgrund = Werkzeugverschleiß + fehlende Wartung).
Visualisiert komplexe Ursachenketten.
Fördert Teamarbeit & Brainstorming.
Hilft, systematisch statt zufällig an Probleme heranzugehen.
Liefert nur mögliche Ursachen, keine Gewichtung oder statistische Absicherung.
Gefahr, sich zu verzetteln (zu viele Ursachen).
Muss mit weiteren Methoden (z. B. 5-Why, Pareto) kombiniert werden.
👉 Ishikawa = Fischgrätendiagramm zur systematischen Ursachenanalyse (6M).
Just-in-Time (JIT)
📘 Just-in-Time (JIT)
Produktions- und Logistikkonzept, entwickelt im Rahmen des Toyota Production System.
Richtige Teile – zur richtigen Zeit – in der richtigen Menge – am richtigen Ort.
Ziel: Bestände minimieren und Durchlaufzeiten verkürzen.
2. Kerngedanke
Statt große Lagerbestände zu halten → Materialien werden genau dann angeliefert/produziert, wenn sie benötigt werden.
Funktioniert nur mit exakter Planung und zuverlässigen Lieferanten.
3. Voraussetzungen
Hohe Prozessstabilität (wenig Störungen).
Zuverlässige Lieferanten (kurze Lieferzeiten, hohe Qualität).
Transparente Informationsflüsse (meist über Kanban oder IT-Systeme).
Standardisierte Prozesse.
Bestandskosten sinken (weniger Lagerhaltung).
Kapitalbindung reduziert.
Flexibilität steigt, da schneller auf Nachfrageänderungen reagiert werden kann.
Verschwendung (Muda) wird reduziert (Überproduktion, Lagerung).
5. Nachteile / Risiken
Hohe Abhängigkeit von Lieferanten.
Störanfällig: schon kleine Lieferverzögerungen können die Produktion stoppen.
Transportkosten können steigen (häufigere Lieferungen in kleinen Mengen).
Erfordert stabile Prozesse & Vertrauen in der gesamten Lieferkette.
6. Beispiel (neutral)
Automobilproduktion (klassisches Beispiel):
Ein Automobilhersteller benötigt Sitze für seine Montagelinie.
Anstatt 1.000 Sitze im Lager zu haben, werden die Sitze taktgenau vom Zulieferer angeliefert → z. B. alle 30 Minuten ein LKW mit genau der Menge, die für den nächsten Produktionsabschnitt gebraucht wird.
Vorteil: Keine teure Lagerfläche für Sitze nötig, Kapital nicht gebunden.
Risiko: Wenn der Zulieferer im Stau steckt oder die Produktion ausfällt → sofort Stillstand der Montagelinie.
👉 Just-in-Time = Produktion & Lieferung ohne Lagerbestände, bedarfs- und zeitgenau.
Kanban
📘 Kanban
Japanisch „Kanban“ = Karte / Schild.
Von Toyota entwickelt als Steuerungssystem der Produktion.
Funktion: Selbststeuerung des Materialflusses durch Verbrauchssignale (Pull-Prinzip).
Ziel:
Bestände reduzieren
Bedarfsgerechte Nachlieferung
Einfache visuelle Steuerung
2. Prinzip (Pull-System)
Verbrauch löst Nachschub aus.
Wenn eine Einheit verbraucht wird → eine Kanban-Karte (oder elektronisches Signal) wird zurückgemeldet → nächste Einheit wird produziert oder geliefert.
Gegensatz zum Push-Prinzip: Dort wird auf Prognosen hin produziert, nicht auf realen Verbrauch.
3. Elemente eines Kanban-Systems
Kanban-Karte: Enthält Infos über Teilnummer, Menge, Lagerort, Lieferant.
Behälter: Einheit, in der Material transportiert/gelagert wird.
Regeln:
Ohne Kanban keine Produktion.
Jede Karte gehört zu einem bestimmten Behälter.
Nur wenn ein Behälter leer ist, wird ein neuer gefüllt.
4. Arten von Kanban
Transport-Kanban → signalisiert Transportbedarf.
Produktions-Kanban → signalisiert Fertigungsbedarf.
Elektronisches Kanban (E-Kanban) → IT-basiert, z. B. mit Scannern.
Einfache Steuerung ohne komplexe EDV.
Bestände sinken (nur nach Verbrauch produziert).
Hohe Transparenz durch visuelle Signale.
Schnelle Reaktion auf Bedarfsänderungen.
6. Nachteile / Grenzen
Funktioniert nur bei gleichmäßigem, stabilem Bedarf.
Bei starken Schwankungen oder langen Lieferzeiten ungeeignet.
Störungen (z. B. Ausfall Lieferant) wirken sich direkt aus → keine Sicherheitsbestände.
7. Beispiel (neutral)
Elektronikfertigung (Montage von Leiterplatten):
Auf der Montagelinie werden Kondensatoren verbaut.
Jede Kiste mit 100 Kondensatoren hat eine Kanban-Karte.
Wenn eine Kiste leer ist → Karte wandert zurück an das Lager.
Lager füllt sofort eine neue Kiste mit 100 Kondensatoren und schickt sie an die Linie.
So ist immer nur ein kleiner Bestand an Kondensatoren im Umlauf, nie ein übervolles Lager.
8. Merksatz
👉 Kanban = visuelles Pull-System zur bedarfsgerechten Steuerung von Material- und Informationsflüssen.
Multi-Moment-Aufnahme (MMA)
📘 Multi-Moment-Aufnahme (MMA)
Beobachtungsverfahren, um den Zeitanteil von Tätigkeiten an einem Arbeitsplatz oder in einem Prozess zu ermitteln.
Statt Dauer jeder Tätigkeit exakt zu messen → Stichprobenartige Beobachtungen zu zufälligen Zeitpunkten.
Ziel: Prozentuale Anteile von Tätigkeiten (wertschöpfend, nicht wertschöpfend, Wartezeit usw.) ermitteln.
👉 Auch „Momentaufnahmeverfahren“ oder Work Sampling genannt.
2. Ablauf / Vorgehensweise
Untersuchungsziel festlegen → z. B. Anteil produktiver Tätigkeiten eines Maschinenbedieners.
Tätigkeitsarten definieren → z. B. Rüsten, Fertigen, Prüfen, Transport, Warten.
Beobachtungsplan erstellen
Anzahl der Beobachtungen (abhängig von gewünschter Genauigkeit).
Zufällige oder systematische Beobachtungszeitpunkte festlegen.
Beobachtungen durchführen
Beobachter notiert, welche Tätigkeit zum Beobachtungszeitpunkt ausgeführt wird.
Auswertung
Anteil jeder Tätigkeit = (Häufigkeit der Beobachtung der Tätigkeit ÷ Gesamtzahl der Beobachtungen) × 100 %.
Ergebnis liefert Zeitstruktur (z. B. 60 % Fertigen, 20 % Rüsten, 10 % Warten, 10 % Wege).
3. Vorteile
Einfaches Verfahren, keine aufwendige Messtechnik.
Eignet sich für längere Zeiträume und mehrere Mitarbeiter gleichzeitig.
Liefert gute Ergebnisse für Prozentanteile.
4. Nachteile / Grenzen
Keine exakten Zeiten einzelner Vorgänge (nur statistische Anteile).
Relativ viele Beobachtungen nötig für hohe Genauigkeit.
Kann zu Verhaltensänderungen führen (Mitarbeiter wissen, dass sie beobachtet werden).
Untersuchung: Ein Betrieb möchte wissen, wie ausgelastet die Maschinenbediener sind.
Tätigkeiten: Fertigen, Rüsten, Transport, Warten.
Über 200 zufällige Beobachtungen:
Fertigen = 120 → 60 %
Rüsten = 40 → 20 %
Transport = 20 → 10 %
Warten = 20 → 10 %
60 % der Zeit wertschöpfend (Fertigen).
40 % nicht wertschöpfend (Rüsten, Warten, Transport).
Ansatzpunkte für Verbesserungen: z. B. Rüstzeitoptimierung, Materialbereitstellung verbessern.
6. Merksatz
👉 MMA = stichprobenartige Beobachtung, um prozentuale Zeitanteile von Tätigkeiten zu bestimmen.
OEE – Overall Equipment Effectiveness
📘 OEE – Overall Equipment Effectiveness
Kennzahl zur Messung der Effektivität einer Produktionsanlage.
Beantwortet die Frage: „Wie gut wird eine Anlage im Vergleich zu ihrem theoretischen Optimum genutzt?“
Ziel: Verluste aufdecken und Verbesserungspotenziale sichtbar machen.
2. Formel
OEE = Verfügbarkeit x Leistung x Qualität
3. Bestandteile
🔹 Verfügbarkeit
Anteil der geplanten Produktionszeit, in der die Anlage tatsächlich läuft.
Verluste: Stillstände, Rüsten, Störungen.
Verfügbarkeit = Betriebszeit/geplante Produktionszeit
🔹 Leistung
Verhältnis von tatsächlich produzierter Menge zur theoretisch möglichen Menge bei Nennleistung.
Verluste: verringerte Geschwindigkeit, kleine Stopps.
Leistung = Ist-Ausbringung/Soll-Ausbringung bei Nennlesitung
🔹 Qualität
Anteil der gut produzierten Teile an der Gesamtproduktion.
Verluste: Ausschuss, Nacharbeit.
Qualität = Gutmenge/Gesamtmenge
4. Zielwerte
Weltklasse-OEE ≈ 85 % (Richtwert in Lean Production).
Verfügbarkeit ~ 90 %
Leistung ~ 95 %
Qualität ~ 99 %
👉 In der Praxis liegen viele Unternehmen deutlich darunter → Verbesserungspotenziale.
Eine Abfüllanlage hat:
Geplante Produktionszeit: 480 min (8 h)
Ausfälle (Rüsten, Störungen): 60 min → Betriebszeit = 420 min
Theoretische Leistung: 100 Flaschen/min → 42.000 Stück
Ist-Leistung: 38.000 Stück produziert
Ausschuss: 1.000 Stück → Gutmenge = 37.000
Verfügbarkeit = 420 / 480 = 0,875 (87,5 %)
Leistung = 38.000 / 42.000 = 0,905 (90,5 %)
Qualität = 37.000 / 38.000 = 0,974 (97,4 %)
👉 OEE = 0,875 × 0,905 × 0,974 = 0,772 = 77,2 %
Interpretation:
Anlage nutzt ihr Potenzial zu 77 %.
Hauptverluste könnten aus den 60 Minuten Ausfallzeit stammen → Ansatzpunkt: Rüstzeitoptimierung.
6. Vorteile
Klare, vergleichbare Kennzahl.
Zeigt wo Verluste entstehen (Stillstand, Geschwindigkeit, Qualität).
Grundlage für kontinuierliche Verbesserung (Kaizen, TPM).
👉 OEE = Verfügbarkeit × Leistung × Qualität → misst die Gesamteffektivität einer Anlage.
Poka Yoke
📘 Poka Yoke
Japanisch: „Poka“ = unbeabsichtigter Fehler, „Yokeru“ = vermeiden.
Entwickelt von Shigeo Shingo (Toyota).
Ziel: Fehlerquellen ausschalten, bevor sie zu fehlerhaften Produkten führen → Fehlervermeidung statt Fehlerkorrektur.
Prinzip: „Es soll gar nicht erst möglich sein, einen Fehler zu machen.“
2. Arten von Poka Yoke
Verhindernde Poka Yoke
Fehler wird unmöglich gemacht.
Beispiel: USB-C-Stecker passt nur in einer Position.
Entdeckende Poka Yoke
Fehler wird sofort erkannt, bevor er weitergegeben wird.
Beispiel: Montagevorrichtung meldet, wenn ein Bauteil fehlt.
3. Methoden / Beispiele
Mechanische Führung: Teile passen nur in richtiger Orientierung (Stecker, Bohrungen asymmetrisch).
Zählmethoden: Maschine läuft erst an, wenn alle Schrauben montiert sind.
Sensorik: Lichtschranke prüft Vollständigkeit.
Logik-Prüfungen: Software lässt nur korrekte Eingaben zu.
Checklisten / Farbmarkierungen: Verwechslungen verhindern.
Fehler werden direkt verhindert oder erkannt.
Qualität steigt, Nacharbeit & Ausschuss sinken.
Kostenreduktion durch weniger Nacharbeit, weniger Reklamationen.
Einfach, günstig, praxisnah – oft kleine Hilfsmittel statt teurer Prüfungen.
Nicht immer alle Fehler mit Poka Yoke lösbar.
Kann zu zusätzlicher Komplexität führen (z. B. zu viele Sensoren).
Muss gut in den Arbeitsprozess integriert werden.
Montage von Batterien in Elektrogeräten:
Gefahr: Batterie wird falsch herum eingelegt.
Poka Yoke: Gehäuse und Batterieanschlüsse so gestaltet, dass nur die richtige Polarität möglich ist.
Ergebnis: Bedienfehler wird mechanisch ausgeschlossen.
👉 Poka Yoke = einfache technische oder organisatorische Hilfsmittel, um Fehler zu verhindern oder sofort zu entdecken.
Visuelles Management
📘 Visuelles Management
Visuelles Management = Informationen so darstellen, dass sie auf einen Blick verständlich sind.
Ziel: Transparenz schaffen, Abweichungen sofort sichtbar machen und eigenständiges Handeln ermöglichen.
Motto: „Was man nicht sieht, kann man nicht managen.“
2. Merkmale
Informationen werden einfach, klar und direkt dargestellt.
Jeder Mitarbeiter kann sofort erkennen:
Ist alles im Soll-Zustand?
Gibt es Probleme/Abweichungen?
Was ist zu tun?
3. Typische Formen des visuellen Managements
Farbmarkierungen (z. B. Bodenmarkierungen, Ampelsysteme).
Andon-Tafeln / Andon-Lampen (Statusanzeigen von Maschinen).
Kanban-Karten / Boards (Materialsteuerung).
5S-Visualisierung (Markierungen für Werkzeuge, Schattenbretter).
Kennzahlen-Boards (Produktionsfortschritt, OEE, Qualität).
Piktogramme / Symbole (Sicherheitshinweise, Arbeitsanweisungen).
4. Ziele & Vorteile
Probleme sofort erkennbar → keine langen Analysen nötig.
Eigenständiges Handeln durch Mitarbeiter (Selbststeuerung).
Schnelle Kommunikation ohne viel Text.
Standardisierung (alle sehen denselben Status).
Unterstützt kontinuierliche Verbesserung (Kaizen).
5. Nachteile / Herausforderungen
Falsche oder unklare Visualisierung → Verwirrung statt Hilfe.
Erfordert Konsequenz in der Anwendung (z. B. 5S muss eingehalten werden).
Gefahr der Informationsüberflutung, wenn zu viel dargestellt wird.
Montagearbeitsplatz in einer Fertigung:
Auf einem Produktionsboard werden täglich Stückzahlen dokumentiert:
Soll = 500 Stück
Ist = 470 Stück → Board zeigt „Gelb“ (Abweichung).
Zusätzlich: Bodenmarkierungen für Materialflüsse (Grün = Transportweg, Rot = Sperrzone).
Werkzeugschatten an der Werkzeugwand → fehlendes Werkzeug sofort sichtbar.
👉 Ergebnis: Jeder Mitarbeiter sieht sofort, ob alles im Plan ist, ob Material fehlt oder ob ein Werkzeug gesucht wird.
👉 Visuelles Management = Probleme und Abweichungen sofort sichtbar machen, damit jeder eigenständig reagieren kann.
Wartung
📘 Wartung
Wartung = geplanter Teil der Instandhaltung.
Ziel: Funktionsfähigkeit und Lebensdauer von Maschinen, Anlagen oder Betriebsmitteln erhalten.
Bestandteil der TPM (Total Productive Maintenance)-Strategie im Lean Management.
2. Begriffsabgrenzung (DIN 31051 – Instandhaltung)
Instandhaltung = Gesamtheit aller Maßnahmen, um den Sollzustand zu bewahren oder wiederherzustellen. Sie umfasst:
Wartung → vorbeugende Maßnahmen (Schmieren, Reinigen, Nachstellen).
Inspektion → Feststellen des Ist-Zustands (Kontrollen, Messungen).
Instandsetzung (Reparatur) → Wiederherstellung nach Ausfall.
Verbesserung → Steigerung von Zuverlässigkeit/Sicherheit.
3. Arten von Wartung
Vorbeugende Wartung (präventiv):
Nach festen Intervallen oder Nutzungsdauer.
Beispiel: Ölwechsel alle 10.000 km.
Zustandsorientierte Wartung:
Nur bei Anzeichen von Verschleiß oder Abweichungen.
Beispiel: Werkzeugwechsel nach Schwingungs- oder Temperaturanalyse.
Reaktive Wartung (ausfallbedingt):
Erst eingreifen, wenn die Anlage ausgefallen ist → riskant, ungeplant.
4. Ziele der Wartung
Verfügbarkeit der Maschinen erhöhen.
Ausfallzeiten minimieren.
Lebensdauer verlängern.
Qualität sichern.
Kosten senken durch Vermeidung von Störungen und Notfallreparaturen.
5. Vorteile / Nachteile
Vorteile:
Planungssicherheit, weniger Stillstände.
Geringere Gesamtkosten (weniger Notfall-Einsätze).
Mehr Sicherheit für Mitarbeiter.
Nachteile:
Zusätzlicher Planungs- und Zeitaufwand.
Kosten für Ersatzteile und Service.
Zu häufige Wartung = unnötige Kosten.
Fertigungsbetrieb mit Spritzgussmaschinen:
Wartung: Regelmäßiges Schmieren der Führungsschienen, Reinigung der Kühlkreisläufe.
Inspektion: Kontrolle von Hydraulikdruck und Temperaturfühlern.
Instandsetzung: Austausch defekter Hydraulikpumpe.
Verbesserung: Einbau eines Sensorsystems, das Verschleiß frühzeitig meldet.
👉 Ergebnis: Weniger ungeplante Stillstände, höhere Anlagenverfügbarkeit, bessere Produktqualität.
👉 Wartung = vorbeugende Maßnahmen zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit einer Anlage. 👉 Instandhaltung = Wartung + Inspektion + Instandsetzung + Verbesserung.
Zuletzt geändertvor 19 Tagen