Definition
Lösungen sind meist flüssige Zubereitungen, die aus einer Flüssigkeit und einer oder mehrerer gelösten Komponenten bestehen. In der Regel stellt Wasser das
Lösungsmittel dar. Die gelösten Komponenten machen in der Regel den geringeren Anteil aus. Sie können zur innerlichen und äußerlichen Anwendung
bestimmt sein. Unterschieden werden echte Lösungen mit einer ionendispersen oder molekulardispersen Verteilung (< 1 nm) und kolloide Lösungen (Lyosole) mit einer
Partikelgröße zwischen 1 nm und 1 µm.
Einteilung nach Europäischen Arzneibuch
• Flüssige Zubereitungen zum Einnehmen
• Flüssige Zubereitungen zur kutanen Anwendung
• Parenteralia
• Wirkstoffhaltige Schäume
• Zubereitungen in Druckbehältnissen
• Zubereitungen zum Spülen
• Zubereitungen zur Anwendung am Auge
• Zubereitungen zur Anwendung am Ohr
• Zubereitungen zur Anwendung in der Mundhöhle
• Zubereitungen zur Inhalation
• Zubereitungen zur nasalen Anwendung
• Zubereitungen zur rektalen Anwendung
• Zubereitungen zur vaginalen Anwendung
• Zubereitungen aus pflanzlichen Drogen
• Homöopathische Zubereitungen
Auflösung
• Vorgang der molekulardispersen Verteilung von festen oder gasförmigen Stoffen in einem flüssigen Medium
• Eigenschaften der gelösten Stoffe gehen weitestgehend verloren → Systemeigenschaften werden vom Lösungsmittel bestimmt
• Eigenschaften der Lösung (kolligative Eigenschaften) verändern sich im Vergleich zum reinen Lösungsmittel
– Dampfdruckerniedrigung
– Siedepunkterhöhung
– Gefrierpunkterniedrigung
– Erhöhung des osmotischen Druckes
Löslichkeit
Verhältnis der Masse der gelösten Substanz zum Volumen des Lösungsmittels
beim Vorliegen der Sättigung und einer gegebenen Temperatur
Lösungsgeschwindigkeit
Lösungsgeschwindigkeit (Gesetz nach Nernst-Brunner)
• Maßnahmen zur Erhöhung der Lösungsgeschwindigkeit
– Rühren
– Erwärmen (nur bei endotherm löslichen Stoffen)
– Vergrößerung der Oberfläche (Zerkleinerung der Partikel)
– Erhöhung der Sättigungskonzentration
– Überführen in den amorphen Zustand
– Komplexbildung (z.B. Verwendung von Cyclodextrin) (s. Lösungsvermittlung)
Hydrophile Lösungsmittel Alkohole
Häufig verwendete Alkohole
– Ethanol 90 % (V/V)
– Ethanol 80 % (V/V)
– Ethanol 70 % (V/V)
– Isopropanol (häufig 70 % (V/V))
Hydrophile Lösungsmittel
Glycerol, Propylenglycol, Macrogole
Glycerol
– Hygroskopisch
– Süßlicher Geschmack
– Baustein in Triglyceriden
– Feuchthaltemittel
Propylenglycol
Macrogole (Polyethylenglykole)
Hydrophobe Lösungsmittel
Fette, fette Öle, Wachse, Mineralöle
Fette
Fette Öle
Wachse
Mineralöle
– Dickflüssiges Paraffin
• Molekulargewicht: 300-400 g/mol
• Viskosität (110-230 mPa∙s)
– Dünnflüssiges Paraffin
• Molekulargewicht: 250-300 g/mol
• Viskosität (25-80 mPa∙s)
Anforderungen an die Lösungsvermittler
– Pharmakologische Unbedenklichkeit
– Keine Unverträglichkeiten gegenüber der Wirkstoffe
Strategie der Lösungsvermittlung
– Komplexbildner
– Einschlussverbindungen
– Cosolventien
– Tenside
Komplexbildner
– Bildung eines löslichen Komplexes
– Verbindungen, die in Wechselwirkung mit Arzneistoffen treten
– Wechselwirkungen
• Wasserstoffbrücken
• Dipol-Dipol-Kräfte
• Hydrophobe Wechselwirkungen
Einschlussverbindungen
– Erzielung einer deutlich erhöhten Löslichkeit und Lösungsgeschwindigkeit
– Stabilität von Wirkstoffen lässt sich z.T. erhöhen
– Cyclodextrine → erhebliche Löslichkeitsverbesserung
Cosolventien
– Wassermischbare oder teilweise wassermischbare Lösungsmittel
– Ausbildung von Wasserstoffbrückenbindungen führt zu einer Verringerung der Wechselwirkungsmöglichkeiten zwischen den Wassermolekülen und des Arzneistoffes
– Beispiele
• Ethanol
• Propylenglykol
• Macrogol 400
• Glycerol
Tenside
– Oberflächenaktive Verbindungen, die wasserlösliche oder wasserunlösliche Arzneistoffe in Lösungen überführen können
– Schwer lösliche Stoffe werden in Mizellen inkorporiert
– Mizellare Lösungen von Wirkstoffen sind thermodynamisch stabile Systeme
Allgemeine Herstellanweisung
1. Zerkleinerung von kristallinen Substanzen
2. Feste Bestandteile abwiegen und nacheinander zugeben
3. Lösungsmittel hinzufügen
4. Beschleunigen des Lösens durch Rühren
5. Verpacken
6. Etikettierung
Anforderungen an die Primär- sowie Sekundärverpackung
– Inertheit
– Lichtschutz
– Dichtigkeit
Primärpackmittel
– Braunglasflaschen
– Kunststoffflaschen
Prüfung von Lösungen nach Ph. Eur.
• Dosierung und Gleichförmigkeit der Dosierung von Tropfen zum Einnehmen
• Entnehmbare Masse oder entnehmbares Volumen (Ph. Eur. 2.9.28)
• Teilchengröße
• Prüfung auf ausreichende Konservierung (Ph. Eur. 5.1.3)
• pH-Wert (Ph. Eur. 2.2.3 und 2.2.4)
• Relative Dichte (Ph. Eur. 2.2.5)
• Viskosität (Ph. Eur. 2.28)
• (Sterilität)
Konservierung
• Über gesamten Anwendungszeitraum muss
Zubereitung mikrobiologisch einwandfrei sein
• Mikrobiell anfällige Rezepturen wird ein adäquates
Konservierungsmittel zugesetzt (wenn vom Arzt
ausdrücklich kein Konservierungsmittel gewünscht
ist, muss er dies auf der Verordnung vermerken)
• Vor Zusatz von Konservierungsmittel prüfen, ob
die Zubereitung bereits durch Wirkstoff, Grundlage
oder sonstige Bestandteile ausreichend
konserviert ist
Für Oralia wichtige Konservierungsstoffe:
• Sorbinsäure 0,1% (als Kaliumsorbat 0,14%/
wasserfreie Citronensäure 0,07%)
• Benzoesäure 0,1%
• Methyl- und Propyl-4-hydroxybenzoat 0,1-0,2%
• Benzalkoniumchlorid
• Ethanol < 15% (m/m)
Für Dermatika wichtige Konservierungsstoffe:
• Sorbinsäure 0,1% (als Kaliumsorbat 0,14%/ wasserfreie
Citronensäure 0,07%)
• Benzoesäure 0,1% (als Natriumbenzoat 0,15%/
wasserfreie Citronensäure 0,075%)
• Benzylalkohol 1% (häufig in FAM)
• Propylenglycol 20%
• Benzalkoniumchlorid 0,05%-0,02%
• Polihexanid 0,001 %
Zuletzt geändertvor 19 Tagen