Was sind Pestizide?
Wirkstoffe zur Abwehr, Regulation, Bekämpfung von „Schadorganismen“
Einsatz je nach Kontext als Pflanzenschutzmittel oder Biozidprodukte
Unterschied Pflanzenschutzmittel vs. Biozidprodukte? (Sinn & Einsatz)
Pflanzenschutzmittel: Anwendung an Pflanzen / in Anbausystemen
Biozidprodukte: Einsatz im Alltag-, Industrie- und Hygienekontext
Biozide: nicht für Anwendung an Pflanzen bestimmt
Wo werden Pestizide eingesetzt?
Landwirtschaft
Forstwirtschaft
öffentliche & private Grünflächen (z. B. Parks, Sportplätze, Gleisanlagen, Haus-/Kleingärten)
zusätzlich: Alltag/Industrie/Hygiene (Biozide)
Welche Grundfragen leiten die Pestizidentwicklung?
Welcher Zielorganismus?
Welches System im Zielorganismus wird angegriffen?
Wie verhält sich das Pestizid an der Nutzpflanze?
Wie wird es vom Zielorganismus aufgenommen?
Welche Faktoren beeinflussen die Wirkung?
Wie werden Pestizide nach biologischer Zielgruppe eingeteilt?
Insektizide → gegen Insekten
Herbizide → gegen (unerwünschte) Pflanzen
Fungizide → gegen Pilze
Molluskizide → gegen Schnecken
Akarizide → gegen Milben
Nematizide → gegen Fadenwürmer
Rodentizide → gegen Nagetiere
Bakterizide → gegen Bakterien
Was bedeutet selektiv vs. nicht selektiv?
Selektiv: möglichst zielgerichtet auf bestimmte Organismen
Nicht selektiv: wirkt breiter → höheres Risiko für Nicht-Zielorganismen
Welche Wirkweisen von Pestiziden werden genannt?
Störung Nervensystem → Lähmung/Krämpfe/Tod
Störung Hormonsystem → Wachstums-/Fortpflanzungsstörungen
Eingriff Zellstoffwechsel/Energie → Energiemangel/Zelltod
Beeinträchtigung Zellteilung/-wachstum → Entwicklungsstörungen/Tod
Hemmung Photosynthese → Wachstumshemmung/Absterben
Schädigung Zellmembranen → Kontrollverlust/Zelltod
Oxidativer Stress → Zell-/DNA-Schäden
Beeinträchtigung Fortpflanzung → Unfruchtbarkeit/weniger Nachkommen
Störung Sinnessysteme → Orientierungsverlust
Störung Muskelsystem → Bewegungsunfähigkeit/Tod
Welche Wirkstoff-Herkünfte werden unterschieden?
biologisch-natürlich: in Natur produziert/vorkommend; teils auch im Ökolandbau nutzbar
chemisch-synthetisch: künstlich entwickelt; oft umweltgefährlicher; typ. konventionell
Welche Ausbringungsformen werden genannt?
Spritzen
Granulat
präventive Saatgutbehandlung
Kontaktpestizid vs. systemisches Pestizid?
Kontaktpestizid
wirkt dort, wo aufgebracht
gezielt an befallenen Stellen
− abwaschbar (Regen), wirkt schlechter gegen „versteckt lebende“ Schädlinge
Systemisch
wird von Pflanze aufgenommen & verlagert
gleichmäßiger Schutz, nicht so leicht „wegwaschbar“
− Rückstände im Pflanzengewebe möglich
Woraus setzen sich Pestizide zusammen?
Wirkstoffe (chemisch oder biologisch)
Zusatzstoffe (Adjuvantien)
Welche Funktionen haben Zusatzstoffe?
Verbesserung der Wirksamkeit
z. B. Haftung/Verteilung auf Blatt
erleichtern Eindringen in Pflanze
Erhöhung der Sicherheit
z. B. beschleunigen Abbau in der Pflanze (als Beispiel genannt)
Welche Aufnahmewege werden genannt?
Fraßgifte → Aufnahme beim Fressen
Atemgifte → Aufnahme über Atmung
Kontaktgifte → Aufnahme über Oberfläche
Welche Faktoren beeinflussen die Pestizidwirkung auf Organismen?
Toxizität
Konzentration in der Umwelt
Expositionsdauer & -häufigkeit
Warum setzt man Pestizide in der Landwirtschaft ein?
Schutz vor Ernteverlusten (Schädlinge/Krankheiten/Unkraut)
Sicherung der Qualität von Erzeugnissen (u. a. Gesundheitsaspekt)
optisch ansprechendere Ware → Wirtschaftlichkeit
stabile Ernten → stabile Bereitstellung von Lebens-/Futtermitteln
Welche Ziele werden in der Forstwirtschaft genannt?
Schutz der Waldgesundheit
Sicherung der Holzproduktion → Wirtschaftlichkeit
Warum Pestizide auf öffentlichen/privaten Grünflächen?
Ästhetik
Funktionalität
Effizienz / praktischer Nutzen
Welche übergeordneten Vorteile werden zusammengefasst?
gleichbleibend hochwertige Erträge → wirtschaftlicher
weniger Ernteverluste → ggf. geringerer Flächenbedarf
Beitrag zu Versorgungssicherheit (Lebensmittel & Holz)
Welche Umweltkompartimente werden in der Wirkungskette genannt?
Ziel: Zielorganismus
Abdrift/Einträge in: Luft, Böden, Gewässer
Betroffen: Nicht-Zielorganismen
Was sagt die Krefelder Studie (Insektensterben)?
ca. 76,7 % weniger fliegende Insekten-Biomasse vs. Basisjahr
Ursache: als unklar dargestellt
mögliche Verbindung: Landwirtschaft? Pestizide?
Welche direkten Effekte auf (Nicht-Ziel-)Pflanzen werden genannt?
Hemmung Keimung
Wachstumsunterdrückung
Störung Photosynthese
Zellschäden
Welche direkten Effekte auf Insekten werden genannt?
Angriff auf Nervensystem
Beeinträchtigung von Wachstum, Fortpflanzung, Verhalten
Welche Effekte auf Wirbeltiere werden angesprochen?
Störung Hormon-/Enzymsystem
Beeinträchtigung Reproduktion
Schädigung Larvenstadien
Wachstumshemmung
Welche indirekten Effekte werden genannt?
Rückgang Artenvielfalt
Veränderung Artenzusammensetzung
Störung von Symbiosen
Verlust von Nahrung & Habitat
Nahrungsnetz-Kaskaden
Was bedeuten Bioakkumulation/Biomagnifikation im Kontext Schadstoffe?
Anreicherung von Schadstoffen
in Organismen und/oder entlang der Nahrungskette (mit höheren trophischen Stufen)
Über welche Wege können Menschen Pestizide aufnehmen?
über Nahrung
über Trinkwasser
über Luft
über Hautkontakt
Was sind akute Risiken bei direktem Kontakt?
Pestizidvergiftung
Symptome wirkstoffabhängig
Symptome auch abhängig vom Aufnahmeweg (oral/dermal)
Welche Gruppe wird als besonders vulnerabel genannt?
Kinder und Säuglinge (hohe Vulnerabilität)
Welche langfristigen Erkrankungen werden genannt?
Krebserkrankungen
neurologische Störungen
stoffwechsel- und hormonelle Störungen
Beeinträchtigung der Reproduktion
Welche Bodenprobleme werden genannt?
Beeinträchtigung von Bodenmechanik/Belüftung/Wasserspeicher
Erosion (als Risiko betont)
Störung von Nährstoffkreislauf & Kohlenstoffbindung
Hemmung von Bodenenzyme(n)
Persistenzen
Pestizid-Cocktail
Resistenzen
Welche Gewässerprobleme werden genannt?
Einfluss auf Abbau organischer Stoffe
Algenzunahme → Zusammenhang mit Sauerstoff (Sauerstoffzehrung/Probleme)
Unterbrechung der Nahrungskette → Kaskadeneffekte
Schädigung von Wirbeltieren
„Marines Sterben“ (als Punkt genannt)
Was zeigt die Abbildung zur Belastung von Grund-/Trinkwasser?
Eintrag von Pflanzenschutzmitteln & Abbauprodukten ins Grundwasser
Relevanz für Trinkwassergewinnung (schematische Darstellung)
Welche Institutionen/Ebenen der Regulierung werden genannt?
EU-Ebene (Wirkstoffprüfung):
EFSA (Pflanzenschutzmittel)
ECHA (Biozide)
Nationale Ebene (Produktzulassung):
BVL (Pflanzenschutzmittel)
BfC (Biozide)
UBA (Umweltrisiken)
Was ist mit „Pestizid-Cocktail“ gemeint und warum ist das eine Lücke?
Pestizide wirken in der Natur nicht isoliert
Mischungen können synergetische Effekte erzeugen
Gesamtwirkung kann giftiger sein als Summe der Einzelstoffe
Zulassung prüft i. d. R. Einzelstoffe
Welche indirekten Effekte werden als unzureichend berücksichtigt genannt?
Störung ökologischer Wechselbeziehungen
Verlust von Lebensraum & Ressourcen
mögliche Folge: Schädlingsausbrüche
Welche Monitoring-Probleme werden genannt?
fehlendes Post-Zulassungs-Monitoring
methodische Mängel bei Probenahme
Untererfassung von Spitzenbelastungen
räumliche Lücken
Was sind „Schutzgutlücken“ in der Regulierung?
nicht berücksichtigte Organismengruppen
Versagen des Stellvertreterprinzips
mangelnde Langzeit- und Subletalstudien
Was ist die Kernaussage der Zusammenfassung?
Pestizide bringen Nutzen (u. a. Versorgungssicherheit)
aber jeder Einsatz ist ein Eingriff ins Ökosystem
indirekte Effekte sind häufig/entscheidend
Hauptnachteile:
Belastung von Boden & Wasser
Biodiversitätsrückgang
Risiken für menschliche Gesundheit
Was zeigt die „Pflanzenschutzpyramide“ (IPS) im Kern?
ideal: zuerst vorbeugende Maßnahmen, dann mechanisch/biologisch
chemischer Pflanzenschutz als letzte Stufe
Folie zeigt auch: in der Praxis oft mehr Chemie als im Ideal
Welche systemischen Ansätze als Alternativen werden genannt?
Integrierter Pflanzenschutz
Agrarökologie
Ökolandbau
Welche Typen nicht-chemischer Maßnahmen werden in der Übersicht angedeutet?
ackerbauliche/strukturelle Elemente (z. B. Diversifizierung, Lebensräume)
biologische Maßnahmen (Nützlinge etc.)
physikalische/mechanische Maßnahmen
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