(Folie 5) Warum erklärt Motivation laut Definition sowohl Richtung, Intensität als auch Ausdauer von Verhalten?
Motivation beschreibt die momentane Gerichtetheit auf ein Handlungsziel und erklärt damit:
Richtung: Warum eine bestimmte Handlung gewählt wird
Intensität: Wie viel Einsatz jemand zeigt, besonders bei Widerständen
Ausdauer: Wie lange eine Handlung aufrechterhalten wird
Details merken:
Definition nach Heckhausen (1989)
Ergänzung: Motivation erklärt Verhalten nach Nerdinger et al. (2011)
(Folie 6) Wodurch unterscheiden sich intrinsische und extrinsische Motivation grundlegend?
Der Unterschied liegt in der Quelle der Motivation:
Intrinsische Motivation
entsteht durch die Tätigkeit selbst
basiert auf Spaß an der Tätigkeit und Identifikation mit dem Handlungsziel
Extrinsische Motivation
entsteht durch Merkmale außerhalb der Tätigkeit
z. B. Belohnung, Anerkennung, Sicherheit
(Folie 7) Warum kann eine Belohnung die intrinsische Motivation verringern?
Durch den Korrumpierungseffekt:
Ein extrinsischer Anreiz wird zu einer ursprünglich intrinsisch motivierten Handlung hinzugefügt
Folge: Verringerung der intrinsischen Motivation
Grund:
Die Person erlebt sich nicht mehr als Ursprung der Handlung, sondern als reagierend auf Belohnung
(Folie 8) Warum wird extrinsische und intrinsische Motivation als Kontinuum dargestellt?
Weil sich Motivation in Stufen zunehmender Autonomie entwickelt:
External regulation: Verhalten wird durch externe Kontingenzen gesteuert
Introjected regulation: äußerer Druck wird internalisiert
Identified regulation: externe Werte werden akzeptiert
Integrated regulation: Werte werden Teil des eigenen Systems
➡️ Mit jeder Stufe steigt die Autonomie und Kontrolle über das eigene Verhalten.
(Folie 10) Warum unterscheiden sich Inhalts- und Prozesstheorien der Motivation grundlegend in ihrem Menschenbild?
Weil sie Motivation aus unterschiedlichen Perspektiven erklären:
Inhaltstheorien
fragen: Welche Motive bewegen Menschen zu Handlungen?
Fokus auf Bedürfnisse und Motive
Mensch als Objekt, das auf Bedürfnisse und Umweltreize reagiert
Prozesstheorien
fragen: Wie kommt es zur Entscheidung für eine Handlung?
Fokus auf kognitive Prozesse und Erwartungen
Mensch als handelndes Subjekt, das Entscheidungen trifft
(Folie 11) Welche drei zentralen Motive beschreibt McClelland und worauf richten sie sich?
McClelland unterscheidet drei grundlegende Motive:
Leistungsmotiv
Bedürfnis, Ziele zu erreichen
Schwierigkeiten überwinden, eigene Fähigkeiten zeigen
Machtmotiv
Bedürfnis, Einfluss auf andere zu nehmen
andere überzeugen, kontrollieren, Autorität sichern
Anschlussmotiv
Bedürfnis nach Zugehörigkeit
gute Beziehungen, Anerkennung durch andere
(Folie 13) Welche zentralen Annahmen macht die Maslowsche Bedürfnispyramide?
Die Theorie basiert auf drei Kerngedanken:
Defizit- vs. Wachstumsmotive
Defizitbedürfnisse werden bei Befriedigung gesättigt
Wachstumsmotive nicht
Präpotenz- / Satisfaktions-Progressions-Hypothese
Bedürfnisse höherer Ebenen werden erst relevant, wenn niedrigere Ebenen befriedigt sind
Frustrations-Regressions-Hypothese
Werden höhere Bedürfnisse nicht erfüllt, erfolgt ein Rückfall auf niedrigere Ebenen
(Folie 13) Warum gilt die Maslowsche Bedürfnispyramide empirisch als problematisch?
Die empirische Evidenz spricht gegen zentrale Annahmen:
Fünf Bedürfnisstufen wurden nicht bestätigt
Kein Zusammenhang zwischen
Nicht-Erfüllung eines Bedürfnisses und
dessen Wichtigkeit
Befriedigte Bedürfnisse werden nicht weniger wichtig
Das nächsthöhere Bedürfnis steigt nicht automatisch an Bedeutung
(Folie 14) Welche Arbeitsmerkmale führen laut Job-Characteristics-Modell zu hoher intrinsischer Motivation?
Fünf zentrale Aufgabenmerkmale:
Anforderungsvielfalt
Ganzheitlichkeit der Aufgabe
Bedeutsamkeit der Aufgabe
Autonomie
Rückmeldung aus der Aufgabenerfüllung
Diese Merkmale erzeugen:
erlebte Bedeutsamkeit der Arbeit
erlebte Verantwortung
Wissen über die Qualität der eigenen Arbeit
(Folie 15) Wie wird das Motivierungspotential einer Tätigkeit im Job-Characteristics-Modell berechnet?
Das Motivierungspotential der Arbeit ergibt sich aus:
(Anforderungsvielfalt + Ganzheitlichkeit + Bedeutung) × Autonomie × Rückmeldung
➡️ Alle Faktoren müssen vorhanden sein, da sie sich multiplizieren.
Moderatorvariable: Bedürfnis nach persönlicher Entfaltung
(Folie 18) Warum ist eine Person nach der Erwartungs-×-Wert-Theorie nur dann motiviert zu handeln?
Motivation entsteht nur, wenn alle drei Bedingungen erfüllt sind:
Valenz: Das Ziel oder Ergebnis wird als positiv und attraktiv erlebt
Instrumentalität: Gute Leistung führt wahrscheinlich zu gewünschten Folgen
Erwartung: Eigene Anstrengung führt wahrscheinlich zu guter Leistung
➡️ Fehlt ein Faktor, sinkt die Motivation deutlich.
(Folie 19) Warum wird Motivation in der VIE-Theorie als Produkt aus drei Faktoren dargestellt?
Weil Motivation definiert ist als:
Motivation = Σ (Valenz × Instrumentalität × Erwartung)
Das Produkt zeigt:
Wenn ein Faktor = 0, dann ist auch die Gesamtmotivation = 0
Alle drei Einschätzungen müssen gleichzeitig vorhanden sein
(Folie 20) An welchen drei Stellschrauben kann Motivation laut Vroom gezielt beeinflusst werden?
Motivation kann erhöht werden durch:
Valenz klären
persönlichen Wert erfolgreicher Arbeit mit der Person klären
Instrumentalität deutlich machen
klar definieren, wie Leistung und Belohnung/Ziel zusammenhängen
Erwartung objektivieren
klar benennen, was Erfolg bedeutet
nötige Ressourcen bereitstellen
Zwischenfeedback und Erfolgserlebnisse ermöglichen
(Folie 21) Welche zentralen Kritikpunkte gibt es an der Erwartungs-×-Wert-Theorie?
Die Theorie ist begrenzt, weil:
Menschen handeln nur beschränkt rational
nicht jede Handlung kalkuliert wird (Routinehandlungen)
häufig eine Lücke zwischen Handlungswunsch und tatsächlichem Handeln besteht
(Folie 24) Welche Phasen unterscheidet das Rubikonmodell der Handlungsregulation?
Das Modell beschreibt eine handlungspsychologische Phasenabfolge:
Motivation – prädezisional
Abwägen, Wählen
Volition – präaktional
Intentionsbildung
Volition – aktional
Intentionsrealisierung (Handeln)
Motivation – postaktional
Bewerten, Intentionsdesaktivierung
(Folie 24) Warum ist der „Rubikon“ im Modell ein entscheidender Wendepunkt?
Der Rubikon markiert:
den Übergang von Motivation zu Volition
vom Abwägen zum Handeln
ab diesem Punkt steht nicht mehr die Entscheidung, sondern die Umsetzung der Intention im Vordergrund
Begriffe auf der Folie: Fiat-Tendenz, Intentionsinitiierung, Fazit-Tendenz
(Folie 27) Welche Grundidee verfolgt die Zielsetzungstheorie nach Locke & Latham?
Die Zielsetzungstheorie geht davon aus, dass:
klar formulierte Ziele Verhalten steuern
Ziele die Anstrengung, Persistenz und Ausrichtung von Handlungen beeinflussen
Bezug auf Locke & Latham (2002)
Zielsetzung dient als Motivationsmechanismus
(Folie 28) Warum wirken SMART-Ziele im Rahmen von „Management by Objectives“ motivierend?
Weil Ziele gemeinsam festgelegt werden und:
Spezifisch formuliert sind
Messbar überprüfbar sind
Anfordernd sind
Relevant für die Person sind
einen klaren Time frame besitzen
➡️ Dadurch wird zielgerichtetes Handeln erleichtert.
(Folie 28) Wie unterscheiden sich Job Enlargement und Job Enrichment in ihrer motivationalen Wirkung?
Der Unterschied liegt im Inhalt der Arbeitsveränderung:
Job Enlargement
Erhöhung der Variabilität der Aufgaben
Job Enrichment
Erhöhung der Komplexität der Aufgaben
Ausbau von Kompetenzen
fördert besonders die intrinsische Motivation
(Folie 28) Welche motivationalen Ziele verfolgen Empowerment und Corporate Culture?
Empowerment / Intrapreneurship
Erweiterung der Mitspracherechte
Mitarbeitende werden zu Mitunternehmern
Corporate Culture
zielt auf die Anschlussmotivation
Förderung von Zugehörigkeit und Gemeinschaft
(Folie 30) Warum entsteht der Zustand „Flow“ laut Csikszentmihalyi?
Flow entsteht, wenn mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:
Klare Ziele
Überdurchschnittliche Anforderungen
Anforderungen sind an die eigenen Fähigkeiten angepasst
Eindeutige Rückmeldungen
➡️ Dadurch entsteht ein Zustand:
großer innerer Klarheit
logisch stimmigem, zielgerichtetem Bewusstsein
(Folie 30) Wodurch ist der Flow-Zustand subjektiv gekennzeichnet?
Im Flow:
geht die Person vollständig in der Aktivität auf
ist das Bewusstsein geordnet und fokussiert
richtet sich Aufmerksamkeit konsequent auf das Ziel
(Folie 32) Was versteht man unter Arbeitsengagement?
Arbeitsengagement ist ein:
positiver,
erfüllender,
arbeitsbezogener Zustand
gekennzeichnet durch drei Komponenten:
Vigor
Dedication
Absorption
(Folie 32) Welche drei Unterfacetten bilden das Konstrukt Arbeitsengagement?
Arbeitsengagement setzt sich zusammen aus:
Energie bei der Arbeit
Bereitschaft, Zeit und Aufwand zu investieren
Arbeit wird als sinngebend und bedeutsam erlebt
vollständiges Aufgehen in der Arbeit
hohe Konzentration
(Folie 33) Welche Rolle spielen Ressourcen im Zusammenhang mit Arbeitsengagement?
Das Modell beschreibt einen Zusammenhang:
Resources → Work Engagement → Organizational Performance
Zusätzliche Hinweise:
ausreichende Ressourcen durch das Unternehmen
eigene Ressourcen aktiv mobilisieren
(Folie 35) Was bezeichnet Job Crafting im Kern?
Job Crafting beschreibt einen:
Prozess, in dem Arbeitende ihre Arbeitsbedingungen selbst mitgestalten
mit dem Ziel, den Person–Job-Fit zu erhöhen
orientiert an den eigenen Bedürfnissen
(Folie 35) Welche drei grundlegenden Formen von Job Crafting werden unterschieden?
Es werden drei Typen beschrieben:
Task Crafting
Veränderung der Art oder Anzahl von Aufgaben
Cognitive Crafting
Veränderung der kognitiven Sichtweise auf die Arbeit
Relational Crafting
Veränderung der Art oder Häufigkeit sozialer Interaktionen
(Folie 36) Welche drei Formen von Job Crafting unterscheidet das JD-R-basierte Modell?
Nach dem JD-R-Modell gibt es:
Reducing (hindering) Demands
Reduktion belastender Anforderungen
Increasing Resources
Strukturelle Ressourcen
Soziale Ressourcen
Increasing Challenges
aktive Suche nach neuen Herausforderungen
(Folie 36) Wie zeigen sich die Job-Crafting-Formen konkret im Arbeitsverhalten?
Beispiele aus der Folie:
Reducing Demands
Arbeit emotional weniger intensiv gestalten
Kontakt mit unrealistischen Erwartungen minimieren
eigene Fähigkeiten weiterentwickeln
Inspiration durch Vorgesetzte oder Kolleg:innen suchen
sich proaktiv für neue Projekte melden
neue Entwicklungen früh aufgreifen und ausprobieren
(Folie 37) Warum wird Job Crafting als „Arbeitsgestaltung von unten“ bezeichnet?
Weil Job Crafting:
eine spontane, nicht top-down gesteuerte Arbeitsgestaltung ist
von Individuen oder Gruppen ausgehen kann
als partizipative Methode der Arbeitsgestaltung einsetzbar ist
(Folie 37) Welche vier Schritte umfasst der Job-Crafting-Prozess?
Der Ablauf besteht aus:
Analyse der eigenen Arbeitssituation
Formulierung eines Veränderungswunsches
Analyse der zu verändernden Arbeitssituation
Erstellung eines Handlungsplans
gezielte Veränderung von Belastungen und Ressourcen
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