Auf einem Managementseminar sind Manager verschiedener Unternehmen zusammengekommen, um u. a. Vorträge von bekannten BWL-Profs zu den Erfolgsfaktoren der Unternehmensführung zu hören und zu diskutieren. Nach einigen Vorträgen sind sie ziemlich verwirrt, da sie teilweise widersprüchliche Aussagen gehört haben: Ein Prof sieht die Erfolgsfaktoren außerhalb des Unternehmens in der Marktposition. Ein anderer Prof betrachtet die Qualifikation und Motivation von MA und Managern als die Erfolgsfaktoren des Unternehmens. Ein dritter Prof stellt ihnen streng ökonomische Modelle vor, wie das Verhalten von Menschen am effizientesten in gewünschte Bahnen gelenkt werden kann. Ein vierter Prof fordert eine verhaltenswissenschaftlich orientierte Wissenschaft, da nur sie die Realität in Unternehmen erfassen könne. Am Abend treffen die Manager einen ehemaligen Spitzenmanager und klagen ihm ihre Unzufriedenheit über die Uneinigkeit der Wissenschaft. Er antwortet ihnen: „Die Profs haben alle Recht. Manchmal muss ein Manager ein Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten können, um eine umfassende Lösung zu finden.“
Market-based View
Der Market-based View sieht in der Attraktivität einer Branche die Hauptursache für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens
basiert auf Forschungsrichtung der vwl Industrieökonomik
warum es einigen Unternehmen in einer Branche besser gelingt als anderen, langfristig überaus erfolgreich zu sein?
Grundannahme ist, dass die Struktur der Branche, in der sich das betrachtete Unternehmen im Wettbewerb befindet, das (strategische) Verhalten des Unternehmens und damit schließlich den langfristigen und überdurchschnittlichen Erfolg des Unternehmens bestimmt
Nicht nur das Unternehmen selbst entscheidet über seinen Erfolg – sondern vor allem die Struktur der Branche, in der es tätig ist.
Was ist das Structure–Conduct–Performance-Paradigma (SCP)?
Das SCP-Paradigma ist ein industrie-ökonomisches Modell, das besagt: Die Struktur einer Branche beeinflusst das Verhalten der Unternehmen und bestimmt dadurch deren wirtschaftlichen Erfolg (Performance).
Kurzform: Struktur → Verhalten → Erfolg
❓ Was bedeutet SCP im Krankenhaus?
Stell dir vor, ein Krankenhaus ist in einer Stadt.
Wie sieht die Umgebung aus?
Gibt es viele andere Krankenhäuser in der Stadt?
Gibt es viele Patienten?
Wie sind die gesetzlichen Vorgaben?
Wie werden Leistungen bezahlt (z. B. DRG-System)?
👉 Beispiel: In einer Großstadt gibt es viele Krankenhäuser → starke Konkurrenz. In einer ländlichen Region gibt es nur eines → kaum Konkurrenz.
Wie verhält sich das Krankenhaus?
Bietet es Spezialbehandlungen an?
Investiert es in moderne Technik?
Wirbt es besonders um Patienten?
👉 In der Großstadt muss es sich spezialisieren oder besonders gut sein, um Patienten zu gewinnen.
Wie viel Gewinn / wie gute Auslastung hat das Krankenhaus?
Viele Patienten = wirtschaftlicher Erfolg
Wenige Patienten = finanzielle Probleme
Wie viele Krankenhäuser es gibt (Struktur), beeinflusst, wie sich ein Krankenhaus verhält – und das bestimmt, wie erfolgreich es ist.
Kurz: Umfeld → Verhalten → Erfolg
Was bedeutet die Outside-in-Perspektive im Structure–Conduct–Performance-Paradigma?
Zuerst werden Chancen und Risiken des Marktes analysiert, danach die Stärken und Schwächen des Unternehmens, um schließlich eine Wettbewerbsstrategie für Wettbewerbsvorteile festzulegen
Bekannteste Vertreter der Market-Base View ?
Michael Eugene Porter
Fünf-Wettbewerbskräfte-Analyse (Five Forces Model)
zur Bestimmung der Attraktivität einer Branche (Verhandlungsstärke der Abnehmer und Lieferanten, Bedrohung durch Ersatzprodukte und -dienste und neue Konkurrenten sowie Rivalität unter bestehenden Unternehmen),
Wertkettenanalyse zur Untersuchung von Stärken und Schwächen eines Unternehmens
Konzept der generischen Wettbewerbsstrategien (wie will Unternehmen gewinnen)
Five Forces Modell
Man schaut auf 5 Kräfte:
🛒 Kunden → Können sie Preise drücken?
🚚 Lieferanten → Können sie Preise erhöhen?
🔄 Ersatzprodukte → Gibt es Alternativen?
🚪 Neue Konkurrenten → Ist es leicht, in den Markt zu kommen?
⚔️ Bestehende Konkurrenz → Wie stark kämpfen die Unternehmen gegeneinander?
👉 Je stärker diese Kräfte, desto unattraktiver (weniger Gewinn möglich) ist die Branche.
Generische Wettbewerbsstrategien
Kritik Market Based View?
einseitige Orientierung an externen (Erfolgs-) Faktoren
reaktive Grundausrichtung (werden keine neuen Märkte geschaffen
Bei sehr volatilane Märkten stellt ein Management nach den Empfehlungen des Market-based View eine Gefahr für den langfristigen Bestand eines Unternehmens dar, da Marktver-änderungen und Anpassungen der Produkt-Markt-Kombinationen zu spät erkannt bzw. vorgenommen werden
siehe Automobilbranche
Tendenz zur Monopolbildung und zur Marktabschottung fördert, da der Monopolist keinen Wettbewerb fürchten muss
Die Anwendung von Empfehlungen des Market-based View führt schließlich dazu, dass Wettbewerbsunterschiede nivelliert werden, da alle Unternehmen die empfohlenen Strategiealternativen anwenden
Dennoch ist der Market-based View nach wie vor die dominante Theorie des strategischen Managements
Resource-based View
Im Resource-based View werden die unterschiedlichen Ressourcenausstattungen von Unternehmen und deren Fähigkeit zur Nutzung und Weiterentwicklung der Ressourcen als Grund für einen dauerhaften Unternehmenserfolg angesehen.
Mitte 1980er
Inside-Out Perspektive
Ressource- Conduct- Performance
Penrose ?
betrachtet Unternehmen nicht als administrative Einehiten, sondern als Ansammlung von Ressourcen
Was sind laut Wernerfeldt Ressourcen ?
Alles, was als Stärke oder Schwäche eines Unternnehmens angesehen werden kann
Durch welchen Ansatz gewann der Ressource Based View Popularittät
Konzept der Kernkompetenzen eines Unternehmens durch Prahalad und Hamel (1990).
Demnach sind Kernkompetenzen besondere Fähigkeiten eines Unternehmens, die zu Kernprodukten führen, die wiederum zentrale Bestandteile von wechselnden Endprodukten in den verschiedenen Geschäftsbereichen eines Unternehmens werden. Dieser Zusammenhang wird durch die Baum-Metapher verdeutlicht: Die Kernkompetenzen sind die Wurzeln des Baumes, die Kernprodukte der Stamm und die Endprodukte die Äste
Wie sind die Ressourcen eines UNternhemens aufgebaut `?
aufgrund von Marktunvollkommenheiten oder Infovorsprüngen heterogen sind, weist jedes Unternehmen ein einzigartiges Ressourcenprofil auf, welches historisch gewachsen ist. Der Wettbewerbsvorteil ergibt sich dann zum einen aus der Einzigartigkeit von Ressourcen und zum anderen aus der langwierigen Imitation eines erfolgreichen Ressourcenprofils eines Unternehmens durch Konkurrenten
„Ressourcen“ liegen demzufolge nur dann vor, wenn …
… sie werthaltig sind, d. h., dass Kunden letztlich bereit sind, dafür zu bezahlen.
… sie strategisch relevant sind, also einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können
… sie nachhaltig bzw. langfristig nutzbar sind
… sie nur begrenzt transferierbar sind, also nicht einfach gekauft werden können
… sie nicht oder kaum imitiert werden können
… sie nicht substituierbar sind, d. h., dass sie nicht durch andere Ressourcen ersetzt werden können
… sie u. U. mehrfach verwendbar sind
Insbesondere immaterielle Ressourcen, zu denen z. B. Know-how, Qualifikation des Personals oder die Unternehmenskultur gehören, können nachhaltige Wettbewerbsvorteile schaffen. Deren Management wird dadurch erschwert, dass diese Ressourcen intangibel sind und zudem als tacit knowledge selbst den Mitarbeitern mitunter nicht bewusst sind. Aber nicht nur die immateriellen und materiellen Ressourcen an sich, sondern auch die Fähigkeit des Managements, diese Ressourcen zu nutzen (organizational capabilities) sind notwendig, damit ein Unternehmen Kernkompetenzen entwickelt, um erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen, wie in der folgenden Abbildung dargestellt ist:
Im Rahmen der Kernkompetenzstrategie konzentriert sich das Unternehmen auf seine Kernkompetenzen. Diese ermöglichen dem Unternehmen (1) den Zugang zu einem breiten Marktspektrum, (2) von Kunden als wesentlich und deutlich besser als andere Unternehmen wahrgenommen zu werden sowie (3) von anderen Unternehmen nur schwer substituierbar und/oder imitierbar zu sein.
Kernkompetenzen
Ressourcen + Fähigkeit zu deren Nutzung= Kernkompetenzen
Wie lassen sich Kernkompetenzen (Ressourcen und Fähigkeiten) indetifizieren und bewerten ?
VRIO KOnzept (Barney)
VRIO steht für value (Werthaltigkeit), rarity (Seltenheit), imitability (Imitierbarkeit) und organization (Organisation) im Sinne von „Is a firm organized to exploit the full competitive potential of its resources and capabilities?“
Vrio Konzept
Das VRIO-Konzept dient zur Identifikation von Ressourcen in Unternehmen, indem deren Werthaltigkeit, Seltenheit, Nicht-Imitierbarkeit und Nutzung durch die Organisation überprüft werden.
Weiterentwicklungen des Resource-based View
Der Resource-based View bildet die Grundlage für den wissensbasierten Ansatz (Knowledge-based View) und für den fähigkeiten-orientierten Ansatz (Capabiity-based View) mit mehreren Spezialfällen.
Wissensbasierter Ansatz (Resource-based View)
Knowledge Based View
enger gefasst als Resource-based View
Unternehmenserfolg allein auf die Ressource (implizites und explizites) Wissen – das neben Arbeit, Kapital und Boden als vierter Produktionsfaktor gilt – zurückgeführt wird
Fähigkeitsorientierter Ansatz (Resource-based View)
Capability-based View
Fokussierung auf die besonderen Fähigkeiten eines Unternehmens (Organizational Capabilities) zum Einsatz und zur Kombination von Ressourcen, um Wert zu schaffen
dynamische Perspektive erhält der fähigkeitenorientierte Ansatz durch die Betrachtung von Pfaden der Ressourcenentwicklung im Zeitablauf (Dynamic Capabilities), durch die das Unternehmen sich ständig erneuert und an veränderte Märkte anpasst
💡 Einfach erklärt für Krankenhaus-Beispiel:
Wissensbasiert (Knowledge-Based-View): Krankenhaus nutzt spezielles medizinisches Wissen der Ärzte.
Fähigkeitenbasiert (Capability-Based-View): Krankenhaus kann Ärzte, Technik und Prozesse geschickt kombinieren, um bessere Behandlung und Innovationen zu bieten.
Zweiter wichtiger Eckpfeiler des strategischen Management s ?
Resource-based View + Weiterentwicklungen
Market-Base vs Resource-Base ?
Kritik Resource-Based View ?
unscharfe/tautologische Begriffe
problematische Wertbestimmung der Ressourcen
Vernachlässigung unternehmensexterner Erfolgsfaktoren
-> Blick des strategischen Managements auf die vom Market-based View stiefmütterlich behandelten unternehmensinternen Erfolgsfaktoren zu richten
Kombi Market-based View und Ressource-Based View ?
interne und externe Erfolgsfaktoren gleichermaßen berücksichtigt
komplementären Verhältnis
Gemeinsamkeit: Unternehmen aufgrund seiner einzigartigen Marktpositionierung und/oder Ressourcenausstattung gleichsam zu einem Monopolisten wird und sich so kürzer oder länger aus dem Wettbewerb herausnehmen kann.
Spieltheorie
quantitativer Ansatz des Managements
entstanden (2. Weltkrieg)
militärische Probleme (Logistik, optimale Bombendichte, optimale Verpflegungszusammenstellung für Fallschirmjäger etc.) mithilfe mathematischer Modelle zu lösen
Um Ansätze auf Unternehmen zu übertragen, hat man sich mit der Planung von optimalen Losgrößen, Durchlauf-zeiten, Produktionsprogrammen, Projekten mittels Netzplantechnik etc. beschäftigt.
Die Modelle wurden dabei immer komplexer, da auch Simulationen und dynamische Programmierung angewendet wurden
Ansätze werden unter den Begriffen Management Science, Unternehmens-forschung bzw. Operations Research zusammengefasst
Neumann & Morgenstern (1944)
Strategie eines Spielers ?
Die Strategie eines Spielers ist ein vollständiger Handlungsplan, der schon vor Spielbeginn auf alle Aktionen des Gegners entsprechende Gegenaktionen enthält.
d.h. -> er weiß schon zu Beginn des Spiels, wie er auf jeden Zug des Gegners optimal antworten kann. Auf das strategische Management ist dieses Strategieverständnis der Spieltheorie allerdings nur begrenzt übertragbar.
Was wird bei strategischen Spielen angestrebt
Gleichgewichtslösung
z.B. wird das sogenannte Nash-Gleichgewicht dann erreicht, wenn für jeden Spieler gilt, dass ein weiterer Spielzug zu einer Verringerung des individuellen Nettonutzens führen würde, sodass kein Spieler von seiner aktuellen Position abweicht
Beispiel spieltheoretische Überlegungen
Gefangenendilemma
bei dem 2 vollständig voneinander getrennte Gefangene beschuldigt werden, ein Verbrechen begangen zu haben. Sie können jeder die Tat leugnen und beide eine geringe Strafe erhalten, sie können jeder die Tat gestehen und eine hohe Strafe unterhalb der Höchststrafe erhalten oder nur einer gesteht die Tat und geht als Kronzeuge straffrei aus, während der andere Gefangene die Höchststrafe erhält.
Übertragung Gefangenedilemma bei Unternehmen ?
die z. B. eine strategische Allianz eingehen wollen und dazu Wissen transferieren müssen, obwohl sie nicht wissen können, ob der Partner ebenfalls sein Wissen offenlegt. Dazu seien 2 Unternehmen A & B betrachtet, die aufgrund komplementärer Ressourcen eine strategische Allianz zur Entwicklung neuer Produkte eingehen wollen. Eine kooperative Strategie würde einen gegenseitigen Wissenstransfer bedeuten, eine nichtkooperative Strategie eine einseitige Wissensabschöpfung bzw. gar keinen Wissenstransfer. Jedes Unternehmen versucht dabei, seinen eigenen ökonomischen Erfolg zu maximieren. Die Auszahlungsmatrix für den Fall des nichtkooperativen Verhaltens ist in der folgenden Abbildung wiedergegeben:
Die Auszahlungen sind als Nutzeneinheiten (NE) angegeben, die die Unternehmen erhalten, wenn sie ihre Handlungsalternativen Wissenstransfer oder kein Wissenstransfer miteinander kombinieren. Im Feld I sind beide Unternehmen zum Wissenstransfer bereit und erhalten jeweils 5 NE. Im Feld II ist nur Unternehmen B zum Wissenstransfer bereit, während Unternehmen A sein Wissen zurückhält und nur das Wissen von Unternehmen B abschöpfen will. Dies führt zu Auszahlungen an Unternehmen B in Höhe von 2 NE und an Unternehmen A in Höhe von 8 NE. Im Feld III ist es spiegelbildlich. In Feld IV verweigern sich beide Unternehmen der Kooperation und erzielen jeweils nur 3 NE. Auf den ersten Blick wäre die Kooperation für beide Unternehmen die beste Lösung, da sie jeweils 5 NE erhalten würden. Jedoch stellt Feld I keine stabile Lösung dar, da jedes Unternehmen durch (einseitig) nichtkooperatives Verhalten jeweils 8 NE statt 5 NE erzielen könnte. Beide Unternehmen würden also versuchen, das Wissen des anderen Unternehmens zu erlangen, ohne das eigene Wissen preiszugeben. So ein (egoistisches) Verhalten führt zu einem stabilen Gleichgewicht (Nash-Gleichgewicht) in Feld IV der Auszahlungsmatrix mit jeweils 3 NE als Auszahlung an die Unternehmen. Dieses individuell als rational anzusehende Verhalten führt allerdings in der Gesamtschau zu einem suboptimalen Ergebnis, da beide Unternehmen nur je 3 NE erzielen, statt 5 NE, wenn sie beide kooperieren würden. Das Dilemma löst sich auf, wenn ein Sanktionsmechanismus für nichtkooperatives Verhalten eingeführt wird. So könnte nichtkooperatives Verhalten zu einem Vertrauensverlust führen, der zukünftige Geschäfte platzen lässt, sodass sogenannte Opportunitätskosten (= Kosten aus entgangenen Gelegenheiten) entstehen. Oder es könnten Strafzahlungen bei nichtkooperativem Verhalten eingeführt werden. Werden diese Opportunitätskosten bzw. Strafzahlungen mit 4 NE angesetzt, ergibt sich folgende Auszahlungsmatrix:
Da die Sanktionszahlungen von jeweils 4 NE den Nutzen nichtkooperativen Verhaltens vermindern, spielt sich das Gleichgewicht in Feld I ein, wo beide Unternehmen jetzt 5 NE statt 3 NE als Auszahlung erhalten können. Eine Abkehr vom kooperativen Verhalten würde sie schlechterstellen, da sie dann nur 4 NE (= 8–4) in Feld II und in Feld III oder nur 3 NE in Feld IV erzielen würden.
Spieltheoretische Konzepte werden wofür im strategischen Management genutzt ?
Fragen des strategischen Managements:
wie Interaktion von Konkurrenten, als nützlich angesehen, da sie Verhaltensweisen mathematisch exakt abbilden können
basieren auf Modellen mit engen und wenig realistischen Annahmen, z. B. einer begrenzten Zahl an klar definierten und messbaren Ergebnissen
Insgesamt betrachtet wird daher den mathematischen Methoden nur eine begrenzte Anwendbarkeit attestiert. Sie eignen sich insb für strategische Planungs- & Kontrollprobleme, vernachlässigen aber z. B. die Implementierung von strategischen Plänen, wobei organisatorische und personelle Probleme zu berücksichtigen sind
Agency Theorie ?
Agentur Theorie/ Prinzipal-Agent-Theorue
gehört zu den Ansätzen der Institutionenökonomien
neben: Transaktionskostentheorie und Theorie der Verfügungsrechte
-> Neue Institutionenökonomie
Was sind Institutionen ?
formelle und informelle Regeln oder Normen unterschiedlichster Art, z. B. Gesetze, Verträge, organisatorische Regeln, „ungeschriebene Gesetze“, Moralvorstellungen („der ehrbare Kaufmann“) und Sitten, durch die das Verhalten von wirtschaftlichen Akteuren zielorientiert gesteuert werden soll.
Dabei wird untersucht, wie kostenminimale Institutionen zur Verhaltensüberwachung geschaffen werden können.
Neue Institutionenökonomie
Zur Neuen Institutionenökonomie gehören die Transaktionskostentheorie, die Theorie der Verfügungsrechte und die Prinzipal-Agent-Theorie.
Wovon wird in der Institutionsökonomie ausgegangebn ?
rational handelnden Personen, die sich opportunistisch verhalten
d.h. -> , dass sie Infovorsprünge (Informationsasymmetrien) immer zum eigenen Vorteil nutzen
(Diese Annahme soll es ermöglichen, dass im Rahmen der Theorie eindeutige Aussagen getroffen werden können. In der Praxis wird niemand gezwungen, sich so zu verhalten!).
Was steht im Mittelpunkt der Agency Theory
hierarchische (vertikale) Beziehung zwischen einem Prinzipal als Auftraggeber und einem Agenten als Auftragnehmer, der wiederum Auftraggeber für einen weiteren Agenten sein kann usw
Z.B. delegiert Eigentümer eines Unternehmens (Prinzipal) Entscheidungskompetenzen, die mit der Unternehmensleitung verbunden sind, an einen Manager (Agent), da dieser über eine bessere Qualifikation als der Prinzipal verfügt. Da der Agent eigene Ziele verfolgt, besteht ein prinzipieller Zielkonflikt mit den Zielen des Prinzipals. Ferner verfügt der Agent über bessere Infos als der Prinzipal (Informations-asymmetrie), die er zum eigenen Vorteil nutzt. Demzufolge muss mit „Leistungszurückhaltung, Betrug, Täuschung und einer eigeninteressierten Vertragsauslegung“ gerechnet werden
Prinzipal-Agent-Theorie
Im Rahmen der Prinzipal-Agent-Beziehung können folgende Probleme auftreten:
Der Prinzipal kann das Verhalten des Agenten mangels Fachkenntnissen nicht bewerten (hidden information) oder nicht permanent beobachten bzw. kontrollieren (hidden action). Ferner weiß er nicht, in welchem Umfang der Erfolg vom Verhalten des Agenten bestimmt ist, sodass der Agent den Erfolg für sich reklamieren kann (moral hazard)
Der Agent verbirgt nachteilige Eigenschaften seiner Person vor dem Vertragsabschluss (hidden characteristics). Daraus ergibt sich für den Prinzipal die Gefahr, dass er einen ungeeigneten Agenten einstellt (adverse Selektion)
Der Prinzipal kennt vor der Beauftragung oder Einstellung nicht die (wirklichen) Ziele des Agenten (hidden intention). Nach der Beauftragung oder der Einstellung gerät der Prinzipal in ein Abhängigkeitsverhältnis vom Agenten, wenn er den Agenten nicht zu einem Verhalten in seinem Sinne bewegen kann. Daraus ergibt sich die Gefahr eines Ausbeutungsrisikos (hold up).
Anreiz- und Kontrollmechanismen
Ein Anreizmechanismus der Agency Theory sind variable Vergütungsbestandteile für den Agenten, deren Höhe von der Erreichung der Ziele des Prinzipals abhängig ist. Die Kontroll-mechanismen umfassen Regeln, Infos und Sanktionen zur Verhaltenskontrolle des Agenten
verhindert opportunistisches Veralten des Agenten, keine eigene Zielverfolgung sondern das des Unternhemens
Was gehört zu den Anreizmechanismen?
z. B. variable Vergütungsbestandteile des Agenten, die vom Ausmaß der Erreichung der Ziele des Prinzipals abhängig sind
Was gehört zu den Kontrollmechanismen ? ud was ist das ?
Verhalten oder Handlungsergebnis des Agenten kontrollieren sollen
z. B. Regeln als Verhaltenssteuerungsinstrument, das Einholen von Infos über das Agentenverhalten (Rechenschaftspflicht) und Sanktionen bei Fehlverhalten. Beispiel für Regeln wären Betragsgrenzen für Investitionen, bis zu denen der Agent selbstständig entscheiden kann. Bei Überschreiten der Betragsgrenze ist die Zustimmung des Prinzipals einzuholen
Als kostengünstige Institution zur Lösung des Prinzipal-Agent-Problems gilt welcher Anreizmechanismus ?
variable Vergütutng für Agenten
Welche Kritik gibt es an der Institutionenökonomie bzw. Prinzipal-Agent-Theorie?
Zu stark formal und theoretisch
Geht immer von Opportunismus (eigennützigem Verhalten) aus
Konzentriert sich nur auf finanzielle Anreize (extrinsische Motivation)
Deshalb: wenig realitätsnah
Aber:
In Unternehmen gibt es auch uneigennütziges Verhalten
Intrinsische Motivation (z. B. interessante Aufgaben) spielt ebenfalls eine wichtige Rolle
Agency Theory wasist die Gefahr für die Praxis ?
Wenn man MA misstraut, verhalten sie sich irgendwann auch so → Selbsterfüllende Prophezeiung
Unternehmen wird zur Misstrauensorganisation
Die Prinzipal-Agent-Theorie sieht den Menschen zu negativ – das kann Misstrauen fördern.
Verhaltenswissenschaftliche Erweiterung der Prinzipal-Agent-Theorie
Stewardship-Theorie
Gemäß der Stewardship-Theorie handeln Manager als Treuhänder der Stakeholder-Interessen.
Manager als Treuhänder der Eigentümerinteressen nicht opportunistisch verhalten, sondern Bedürfnisbefriedigung aus der verantwortungsvollen Ausübung ihrer Aufgabe erhalten, also intrinsisch motiviert sind
Es ist naheliegend, dass die Prinzipal-Agent-Theorie für das strategische Management anwendbar ist, da die Beziehung zwischen Eigentümern (Shareholdern) und Top Management, das für das strategische Management zuständig ist, analysiert werden kann und Gestaltungsempfehlungen abgegeben werden können. Auch Verhältnis zwischen Top & Middle Management sowie zwischen Middle und Lower Management lässt sich so betrachten. Ferner lassen sich mit der Prinzipal-Agenten-Theorie Organisations- (u. a. Kooperationen mit anderen Unternehmen durch strategische Allianzen und Joint Ventures) und Personalprobleme (Personalauswahl, -entlohnung, -entwicklung) mit der Prinzipal-Agenten-Theorie erklären und gestalten
Veraltenswissenschaftliche Ansätze:
Hawthorne-Experimente (Hawthorne Effekt) (1920er)
Human-Relations-Bewegung (1930er)
Human-Ressourcen-Ansatz (1950er)
Koalitionstheorie (1930er)
Anreiz-Beitrags Theorie (1930er)
verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie
Hawthorne-Experimente
Durch die Hawthorne-Experimente wurde die wichtige Rolle zwischenmenschlicher Beziehungen in Unternehmen erkannt
Geburtststunde Verhaltenswissenschaftlicher Ansätze
1920er
im Werk Hawthorne der Western Electric Company
Wissenschaftler untersuchten in der Tradition des Scientific Management den Einfluss von Veränderungen der Arbeits-bedingungen (z. B. Beleuchtungsstärke, Pausenlänge, Entlohnung) auf die Arbeitsleistung in Fabriken, wobei sie zwischen Versuchs- und Kontrollgruppen unterschieden. Überraschenderweise stieg in beiden Gruppen (sogar bei einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen) die Leistung bzw. Produktivität. Der Leistungsanstieg wurde auf „emotionale Faktoren“, die Existenz von informellen Gruppennormen und von informellen Beziehungen zwischen den MA (auch verschiedener Arbeitsgruppen) zurückgeführt
Phänomen -> Hawthorne Effekt
Hawthorne-Effekt
Hawthorne-Effekt ist ein Mangel bei empirischen Studien, wenn die Anwesenheit von Wissenschaftlern das Beobachtungs-ergebnis verfälscht.
Human-Relations-Bewegung
Bei der Human-Relations-Bewegung geht es um die Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen zur Befriedigung sozialer Bedürfnisse in Unternehmen
zwischenmenschliche Beziehung in den Mittelpunkt
nach Instrumenten suchte, diese Beziehungen nach dem Motto „glückliche Arbeiter = gute Arbeiter“ zu stärken.
Dabei wurde von einer Harmonie der Ziele der MA und des Unternehmens ausgegangen.
Forschungsschwerpunkte:
individuelles Verhalten und Motivation
Gruppen- & Vorgesetztenverhalten in Organisationen.
Aufgrund des Fokus auf die Befriedigung von v.a. sozialen Bedürfnissen wurde allerdings die formale Organisations-struktur von Unternehmen vernachlässigt
1930er
Human-Ressourcen-Ansatz
Im Rahmen des Human-Ressourcen-Ansatzes wurden vor allem das Selbstverwirklichungsbedürfnis und die Entwicklungs-potenziale von MA bei der Organisationsgestaltung berücksichtigt.
1950er
verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse in die Gestaltung der formalen Organisationsstruktur einführen wollte
Selbstverwirklichungsbedürfnis der Beschäftigten zu befriedigen und ihre Potenziale in der Arbeitswelt besser zu nutzen
Organisationsstrukturen sollten zugleich effektiv und human sein.
Vordergrund: Gestaltung motivierender Einzelarbeitsplätze, z. B. durch die Erweiterung vom Tätigkeits-, Entschei-dungs- und Kontrollspielraum durch Arbeitsanreicherung (Job Enrichment), Gruppenkonzepte sowie die Themen Organisationsentwicklung und (geplanter) organisatorischer Wandel, wobei sich die letzteren gerade aus dem Beharrungsvermögen bürokratischer Organisationsstrukturen ggü Vorschlägen des Human-Ressourcen-Ansatzes ergaben.
Bekannt ist das Drei-Phasen-Modell des Wandels von Lewin (1947) mit den drei Phasen Unfreezing, Moving und Freezing, um Veränderungen in (Groß‑)Gruppen durchzuführen.
Koalitionstheorie/ Anreiz-Beitrags-theorie
betrachtet ein Unternehmen als eine Koalition von Individuen oder Gruppen, die solange Beiträge für das Unternehmen erbringen, wie die empfangenen Anreize diese Beiträge mindestens decken
zeigen, dass ein Unternehmen, welches als Koalition von Personen verstanden wird, auf Beiträge verschiedener Personen und Gruppen aus seinem Umfeld angewiesen ist, die wiederum Anreize vom Unternehmen erwarten. Solange ein Anreiz-Beitrags-Gleichgewicht existiert, ist der Fortbestand des Unternehmens gesichert
Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie stellt das Rationalitätspostulat der Managementlehre infrage.
Rationalitätspostulat der Managementlehre, den Homo oeconomicus, aufgrund von Beobachtungen des Entscheidungsverhaltens in der Realität infrage stellte, indem auf begrenzte Infoverarbeitungskapazitäten und begrenzte Rationalität der Entscheidungsträger infolge von unvollständigem Wissen über Ziele, Handlungsalternativen und Handlungsergebnisse hingewiesen wurde.
Entscheidungsträger begnügen sich oft mit befriedigenden statt optimalen Ergebnissen; sie senken oder erhöhen ihr Anspruchsniveau, wenn es nicht erfüllt bzw. erreicht worden ist; sie vereinfachen die Entscheidungssituation durch selektive Wahrnehmung und ihr Verhalten orientiert sich an in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen
(„Das haben wir schon immer so gemacht“)
Was erlauben Verhaltenswissenschaftliche Ansätze ?
realitätsnaherer Betrachtung von Unternehmen
primär für Managementfunktionen Organisation, Personal und Personalführung als hilfreich angesehen
ZUSAMMENFASSUNG
Aus der Vielzahl von Theorien des strategischen Managements sind einige hervorzuheben:
Market-based View sieht die Ursachen des Unternehmenserfolgs außerhalb des Unternehmens in der Branchenstruktur begründet.
Resource-based View sieht die Ursachen des Unternehmenserfolgs innerhalb des Unternehmens in seinen einzigartigen Ressourcen und Fähigkeiten begründet. Mittlerweile werden die beiden Theorien nicht als alternative Erklärungen, sondern als sich gegenseitig ergänzende (komplementäre) Theorien angesehen.
Spieltheorie versucht, wirtschaftliche Probleme mit mathematischen Modellen zu beschreiben und zu lösen. Einerseits können Probleme exakt mathematisch formuliert werden, andererseits sind realitätsferne Annahmen notwendig, die die Anwendbarkeit der Spieltheorie auf einige Gebiete des strategischen Managements begrenzen.
Agency Theory gehört zur Neuen Institutionenökonomie und sucht nach Lösungen, um das opportunistische Verhalten des Agenten (Auftragnehmer) ggü dem Prinzipal (Auftraggeber) zu minimieren. Die Lösung besteht in Anreiz- & Kontrollmechanismen. Kritisiert wird das pessimistische Menschenbild der Agency Theory.
Zu den verhaltenswissenschaftlichen Ansätzen gehören verschiedene Theorien, die im Zeitablauf entstanden sind.
Durch die Hawthorne-Experimente wurde von der Wissenschaft erkannt, dass in Unternehmen zwischenmenschliche Beziehungen eine große Rolle spielen. Zur Pflege dieser Beziehungen entstand die Human-Relations-Bewegung. Da dabei die formale Organisation von Unternehmen vernachlässigt wurde, entstand danach der Human-Ressourcen-Ansatz, der motivierende Organisationsstrukturen schaffen wollte. Mit der Koalitions- und der Anreiz-BeitragsTheorie wurde deutlich, dass Unternehmen soziale Gebilde sind, die auf die Beiträge verschiedener Bezugsgruppen angewiesen sind und diesen Gruppen wiederum Anreize gewähren, um Beiträge zu erhalten. Solange ein Anreiz-Beitrags-Gleichgewicht existiert, wird das Unternehmen von den Bezugsgruppen unterstützt. Die verhaltens-wissenschaftliche Entscheidungstheorie weist darauf hin, dass menschliches Entscheidungs-verhalten selten dem Rationalitätspostulat der Managementlehre entspricht, da die Inforkapazität eines Menschen und die Fähigkeit zu rationalen Entscheidungen begrenzt sind
Beispiel: Auf einer Station wird die Pflege beobachtet. Alle arbeiten plötzlich genauer und schneller – weil sie wissen, dass sie beobachtet werden.
Beispiel: Klinikleitung organisiert Team-Events für Pflegekräfte. Die Stimmung verbessert sich – und die Zusammenarbeit läuft besser.
Beispiel: Pflegekraft darf zusätzlich eigene Projekte (z. B. Wundmanagement) übernehmen. Sie fühlt sich wertgeschätzt und arbeitet motivierter.
Beispiel: Ein neues digitales Dokusystem wird eingeführt:
Unfreezing: MA werden informiert und geschult.
Moving: Das System wird eingeführt.
Freezing: Das neue System wird zur Routine.
Beispiel: Im Krankenhaus arbeiten Ärzte, Pflege, Verwaltung und Geschäftsführung zusammen. Alle bleiben nur engagiert, wenn sie genug Vorteile (z. B. Gehalt, Anerkennung) bekommen.
Beispiel: Pflegekräfte leisten gute Arbeit (Beitrag). Dafür erhalten sie Gehalt, Lob oder Fortbildungen (Anreiz). Wenn das fair ist → bleiben sie im Krankenhaus.
Beispiel: Die Klinikleitung entscheidet sich für ein bekanntes Softwareprogramm – nicht weil es das beste ist, sondern weil man es schon kennt („Das hatten wir immer so“).
Der Market-based View folgt der …
Der Resource-based View folgt dem …
Zur Lösung des Gefangenendilemmas muss ein …
Im Rahmen der Agency Theory hängen variable Vergütungsbestandteile des Agenten vom …
Der Hawthorne-Effekt besteht darin, …
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