Unternehmensziele
Die Unternehmensziele beziehen sich auf den Zustand des Unternehmens in der Zukunft, der verwirklicht werden soll.
angestrebte, zukünftige Zustände des Unternehemens
Weiteres Verständnis: Unternehmenszweck, Vision, Mission & Unternehmensziele im engeren Sinne unterscheiden, die auf der Ebene des normativen Managements festgelegt werden und den Rahmen für das strategische Management (Unternehmensstrategie und Geschäftsbereichsstrategie) und das operative Management (Funktionsbereiche) bilden
Unternehmenszweck (purpose)
Der Unternehmenszweck ist die oberste Unternehmens-zielsetzung, die langfristig gültig ist.
steuert und koordiniert Handlungen
Unterstützt Koordination im operativen Geschäft
legitimiert alle Unternehmensentscheidungen
Durch wen wird der Unternhemenszweck bestimmt ?
v.a. durch Eigentümer und weitere wesentliche Träger des Unternehmens z.B. Banken/Investoren
Welche Unternehmenszwecke lassen sich unterscheiden ?
Eigentümerbezogenen Unternehmenszweck (das Unternehmen als Einkommensquelle)
marktbezogenen Unternehmenszweck (das Unternehmen als Anbieter von Produkten auf Märkten)
erst Erfüllung marktbezogenen Unternehmenszwecks die Erreichung des eigentümerbezogenen Unternehmenszwecks ermöglicht
-> (Zweck-Mittel-Beziehung)
Formulierung des Unternehemenszwecks ?
vage
bei konkreter Formulierung zu häufig Änderung innerhalb und außerhalb des Unternehmens, was die handlungsleitende Funktion des Unternehmenszwecks beeinträchtigen würde
stufenweise Konkretisierung des Unternehmenszwecks findet über Vision, Mission und Unternehmensziele statt.
Vision ?
Die Konkretisierung des Unternehmenszwecks erfolgt durch die Vision, die gleichsam einen Leitstern für das Unternehmen darstell
konkretisiert Unternhemenszweck kurz & prägnant, indem Zukunftsbild des Unternehmens (Leitstern) entworfen wird
-> dieses muss realisierbar aber auch herausfordern
Durch Vision soll Entwicklung in eine Ricthung gelenkt werden
Identitätsfunktion, indem Einzigartigkeit & Unverwechsel-barkeit des Unternehmens dargestellt wird, Identifikationsfunktion, indem Sinn und Nutzen für Ma gestiftet werden, und eine Mobilisierungsfunktion, indem die Vision von den MA aktiv verfolgt wird. Um diese Funktionen erfüllen zu können, muss Vision richtungs-weisend, anspornend, plausibel und prägnant sein
Mission
Die Mission ist die schriftliche Ausarbeitung der Vision, in der das Kerngeschäft, die Kompetenzen und die Werte angegeben werden
Unternehmensleitbild
soll Orientierung geben
Vision konkretisieren
Verhalten der Unternehmensmitglieder legitimieren und motivieren
besteht aus 3 Bestandteilen
ausgewählte Tätigkeitsbereiche (Kerngeschäft), die Sachziel des Unternehmens angeben
besondere einzusetzende Fähigkeiten (Kompetenzen)
Werte des Unternehmens, die als Normen des Handelns gelten sollen
Unternehmenszweck, Vision und Mission vs Unternehmensziele
Unternehmenszweck, Vision & Mission -> geben an, was wie erreicht werden soll
Unternehmensziel -> deutlich konkreter, Unterteilung
Wie können Unternehmensziele unterteilt werden ?
Zielinhalt
-ausmaß
-dauer
Zielinhalt (Unternhemensziel)
Der Zielinhalt gibt an, was erreicht werden soll. In Unternehmen wird zwischen Sach-, Formal- und Sozialzielen differenziert.
Sach, Formal und Sozialziele
Sachziel/Leistungsziele -> geben an, welche Arten und Mengen von Sach- bzw. Dienstleistungen produziert und abgesetzt werden sollen
Formal/Wertziele: dienen dazu, finanziellen Ergebnisse der Unternehmenstätigkeit darzustellen. Dafür werden je nach Rechenwerk verschiedene Größen und Kennzahlen verwendet
Sozialziele-> Ziele von Interessengruppen des Unternehmens, zu denen Eigentümer, Manager, MA, Kunden, Lieferanten, der Staat, die Öffentlichkeit u. a. gehören. Sie stellen Ansprüche an ein Unternehmen, die es bei der Festlegung der Unternehmensziele zu berücksichtigen gilt. Häufig handelt es sich um qualitative Ziele, z. B. Zufriedenheit von Kunden und MA, die durch Auswahl geeigneter Indikatoren messbar gemacht werden müssen, um das Ausmaß der Zielerreichung bestimmen zu können. Damit werden aus ursprünglich qualitativen Zielen quantitative Ziele.
Sach und Formalziele ?
i. d. R. absolute bzw. relative Zielgrößen, die quantifizierbar sind.
Zielausmaß (Unternhemensziel)
Das Zielausmaß gibt an, in welcher Höhe das Ziel realisiert werden soll. Es gibt Extremierungs-, Satisfizierungs- und Fixierungsziele
Extremierungs-, Satisfizierungs- und Fixierungsziele
Extremierungsziele-> Gewinnmaximierung & Kostenminimierung
Satisfizierungsziele-> . Ober- & Untergrenzen von Zielen stellen Mindestanspruchsniveaus dar (z.B. Mindestrendite von 5 % pro Jahr erwirtschaftet werden oder die Kosten für das Personal sollen höchstens 45 % der Gesamtkosten betragen)
Fixierungsziele-> Zielgröße in bestimmter Höhe (z.B. Umsatz im Jahr 2022 genau 5 Mio. § betragen. „Punktlandung“ ist naturgemäß schwierig. Satisfizierungsziele haben in Praxis größte Bedeutung)
Zieldauer (Unternehmensziel)
Die Zieldauer gibt an, in welchem Zeitraum (kurz-, mittel- und langfristig) ein Ziel realisiert werden soll.
Kurz-> max 1 Jahr
Mittelfristig-> bis 5 Jahre
Langfristig-> >5 Jahre
genannten Zeiträume aufgrund zunehmenden Komplexität und Dynamik des Wirtschaftsgeschehens immer kürzer werden
Verfolgt ein Unternhemen ein oder mehr Ziele ?
Mehrzahl
Frage der Zielbeziehhungen untereinander
Zielbeziehung
Zu den Zielbeziehungen zählen Zielidentität, - indifferenz, -harmonie, - konflikt und -antinomie.
Verhalten zwischen den Zielen
Zwischen zwei Zielen 1 und 2 können folgende Zielbeziehungen bestehen:
Ziele sind trotz verschiedener Bezeichnungen identisch (Zielidentität), wie Umsatz & Erlöse. In der folgenden Abb. stellt die Winkelhalbierende diese Art der Zielbeziehung dar. In so einem Fall kann eines der beiden Ziele aus der Betrachtung entfernt werden, da keine wirkliche Mehrfachzielsetzung vorliegt
Verfolgung des einen Ziels hat keine Auswirkungen auf die Erreichung des anderen Ziels (Zielindifferenz o. Zielneu-tralität). In der Abb. wird dieser Fall durch eine waagerechte bzw. eine senkrechte Gerade dargestellt. Das Zielausmaß des einen Ziels ändert sich, aber nicht das Zielausmaß des anderen Ziels
Verfolgung von Ziel 1 fördert Erreichung des anderen Ziels 2 (Zielharmonie o. Zielkomplementarität). So führt Umsatz-erhöhung (Ziel 1) bei gleichen Kosten zu einer Gewinn-steigerung (Ziel 2). Dieser Fall wird durch steigende Gerade dargestellt. Fall ist relativ unproblematisch, da er gut zu handhaben ist. In Kennzahlenpyramiden wird dieser Zusammenhang als Zweck-Mittel-Beziehung benutzt. Die Erreichung untergeordneter Ziele (= Mittel) fördert die Erreichung übergeordneter Ziele (Zweck)
Verfolgung von Ziel 1 führt zu Verschlechterung der Erreichung des Ziels 2 (Zielkonflikt o. Zielkonkurrenz), z. B. Lohnerhöhungen (Ziel 1) & Gewinnsteigerung (Ziel 2). Ein Zielkonflikt wird durch fallende Gerade im Diagramm der Zielbeziehungen dargestellt. Zur Lösung von Zielkonflikten gibt es 2 grundlegende Mechanismen: Bei der Zielgewichtung werden Ziele mit Gewichtungsfaktoren, die die Bedeutung der Ziele repräsentieren, versehen. So kann Ziel 2 einen Gewichtungsfaktor von 3 erhalten, wenn es 3x so wichtig ist wie Ziel 1, das mit dem Gewichtungsfaktor 1 versehen wird. Die Zielgewichtung funktioniert nur, wenn alle Ziele gleiche Dimension aufweisen, z. B. Wertgrößen (Euro) o. Nutzenziffern. Bei der Zielrangordnung wird in Haupt- & Nebenziele unterschieden. Die Nebenziele sind als Nebenbedingungen zuerst zu erfüllen, danach kann das Hauptziel verfolgt werden. Damit sind Nebenziele nicht „Ziele zweiter Klasse“, denn sie trennen die Lösungs-möglichkeiten für ein Problem in zulässige und unzulässige Alternativen. Aus den zulässigen Alternativen wird dann mit dem Hauptziel die optimale Lösungsalternative bestimmt.
Ziele können auch widersprüchlich bzw. unvereinbar sein (Zielantinomie), sodass die Erreichung des einen Ziels die Erreichung des anderen Ziels unmöglich macht, z. B. lautet Ziel 1 „Absatz nur in Deutschland“ und Ziel 2 „Absatz nur nach Spanien“. Im Zieldiagramm ist dieser Fall durch Geraden auf den Diagrammachsen dargestellt. In solch einem Fall ist eines der beiden Ziele zu eliminieren, da eine falsche Zielsetzung vorliegt
Wie werden die Begriffe Zielidentität, der Zielharmonie und der Zielindifferenz zusammengefasst ?
Zielkompatibilität
Für die Praxis v.a. Zielharmonie & Zielkonflikt bedeutsam
Um keine Unklarheiten über das Ausmaß der Zielerreichung entstehen zu lassen, ist eine operationale Zieldefinition notwendig. Dazu sind folgende Angaben zu machen:
Zielinhalt: Welche Zielgröße wird verfolgt? (Sach-, Formal-, Sozialziele)
Zielvorschrift: Wie hoch ist das Ziel gesetzt? (Extremierung, Satisfizierung, Fixierung)
Zieldauer: Wie lange ist das Ziel gültig bzw. bis wann ist das Ziel zu erreichen? (kurzfristig, mittelfristig, langfristig)
Zielraum: Wo soll das Ziel gültig sein? (Unternehmen, Abteilung, Gruppe, Stelle, Region)
Zielträger: Wer ist für die Zielerreichung zuständig? (Einzelner, Gruppe)
operationale Zieldefinition
Um ein Ziel nachprüfbar zu definieren, sind Zielinhalt, -vorschrift, -dauer, - raum und -träger anzugeben
Überprüfbare Ziele erfüllen im Unternhemen mehrere Funktionen ?
Operationale Ziele dienen der Entscheidungsunterstützung, der Handlungssteuerung, der Lenkung von Entscheidungen und Handlungen sowie der Legitimierung von Handlungen und zur Konfliktlösung
Ziele dienen als Entscheidungskriterien, um zwischen mehreren Alternativen auszuwählen. Sie ermöglichen damit rationale, d. h. nachvollziehbare und begründete Entscheidungen (Entscheidungsunterstützung).
Durch Ziele werden aus menschlichem Verhalten Handlungen (= zielorientiertes Verhalten) (Handlungssteuerung)
Durch übergeordnete Ziele erfolgt eine Koordination der verschiedenen Entscheidungen und Handlungen in einem Unternehmen in eine gewünschte Richtung.
Ziele des Unternehmens dienen der Legitimierung von Handlungen und der Konfliktlösung.
Entstehung von Unternehmenszielen =
Durch formal legitimierte Unternehmensleitung erfolgt eine Zielsetzung als „echte Führungsentscheidung“
Zielsetzung kann auch eine Zielplanung vorangehen, in der die Ziele des Unternehmens durch einen Planungsprozess bestimmt werden
Da ein Unternehmen ein offenes System ist, welches mit Umwelt im Austausch steht, sind auch weitere Interessen bei der Bestimmung von Unternehmenszielen zu berücksichtigen, die zur Zielverhandlung führen
Alle 3 Möglichkeiten können in einem Unternehmen auf unterschiedlichen Ebenen in unterschiedlicher Mischung angewendet werden.
Koalitionstheorie
Die verhaltenswissenschaftliche Koalitionstheorie betrachtet ein Unternehmen als eine Koalition von Individuen und Gruppen, die für das Unternehmen solange Beiträge leisten, wie die vom Unternehmen gewährten Anreize mind den Beiträgen entsprechen.
Zielverhandlung steht im Mittelpunkt
Barnard (1938)
Es wird davon ausgegangen, dass ein Unternehmen an sich keine Ziele haben kann, sondern nur die Personen und Gruppen, die mit dem Unternehmen interagieren. Deren Ziele werden dann vom Management des Unternehmens unter bestimmten Bedingungen übernommen und in die Ziele des Unternehmens integriert.
Unternehmen als eine Koalition von Individuen bzw. Gruppen angesehen, deren Grenze fließend ist. Sie entscheiden sich zur Teilnahme und zur Erbringung von Beiträgen verschiedenster Art für das Unternehmen – z. B. Arbeitsleistungen, Schaffung eines Rechtsrahmens oder Kauf der Produkte – für die sie im Gegenzug Anreize materieller oder immaterieller Art (z. B. Vergütung, Steuern, Nutzen) erhalten.
Solange Gleichgewicht von empfangenen Anreizen und geleisteten Beiträgen vorliegt, wird Unternehmen durch Beiträge weiter unterstützt bzw. bleibt die Koalition und damit das Unternehmen erhalten. Sind die Anreize des Unternehmens geringer als die erbrachten Beiträge, wird das Unternehmen nicht mehr oder mit verminderten Beiträgen unterstützt – z. B. Kauf von Produkten der Mitbewerber, Leistungs-zurückhaltung oder Kündigung von MA – und sein Bestand wird gefährdet. Demzufolge muss Management eines Unternehmens die Ziele der Koalitionäre – ihre Ansprüche – bei der Erstellung des Zielsystems des Unternehmens berücksichtigen.
Interessengruppen
Zu den wichtigsten Interessengruppen eines Unternehmens gehören Eigentümer, Fremdkapitalgeber, Abnehmer, Lieferanten, Mitarbeiter, Staat und Gesellschaft
Individuen bzw. Gruppen mit gleichen Interessen oder Ansprüchen können zu folgenden Interessengruppen, deren Auflistung nicht vollständig ist, mit ihren jeweiligen Beiträgen und Ansprüchen zusammengefasst werden:
Eigentümer stellen dem Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung und erwarten eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals
Fremdkapitalgeber leihen dem Unternehmen Geld und verlangen dafür Zinsen und Tilgung
Kunden kaufen die Produkte des Unternehmens und bezahlen dafür einen Preis.
Lieferanten beliefern das Unternehmen mit Sach- & Dienstleistungen und verlangen dafür eine angemessene Bezahlung
MA erbringen Arbeitsleistungen für das Unternehmen und erhalten dafür eine Vergütung
Staat stellt für die Unternehmen einen Rechtsrahmen und Infrastruktur zur Verfügung und erwartet dafür Steuerzahlungen
Gesellschaft stellt kulturelle Grundlagen zur Verfügung und erwartet vom Unternehmen Gegenleistungen, z. B. in Form von Kultursponsoring.
Sind die Ziele der verschiedenen Interessengruppen identisch, harmonisch oder indifferent, können sie vom Management des Unternehmens als Ziele leicht berücksichtigt werden. Im Falle des schwierigeren Zielkonfliktes zwischen Interessengruppen kann zum einen eine Gewichtung der Ziele nach den Machtverhältnissen der Interessengruppen in den Verhandlungsprozessen erfolgen. Zum anderen kann Rang-folgebildung der Ziele in Haupt- und Nebenziele erfolgen, wobei die Nebenziele zuerst zu erfüllen sind und dann das oder die verbleibenden Hauptziele.
Stakeholder
Nach Freeman sind Stakeholder Individuen oder Gruppen, die die Erfüllung der Unternehmensziele beeinflussen oder dadurch (positiv oder negativ)
Koalitionstheorie hat in den 1980er-Jahren durch den Stakeholder-Ansatz von Freeman eine Renaissance erfahren
Individuen/ Gruppen die Erfüllung des UZwecks beeinflussen oder beeinflusst werden
Andere Begriffe: Bezugsgruppen, Interessengruppen und Anspruchsgruppen
Uinterne und externe Stakeholder
intern-> Eigentümer, Manager und MA
extern-> Lieferanten, Kunden, Fremdkapitalgeber, Konkurrenten, Staat, Gewerkschaften, Medien
Stakeholder-Ansatz
Der Stakeholder-Ansatz ist interessenpluralistisch und versucht, alle Interessengruppen in den Unternehmenszielen zu berücksichtigen
Interessen aller Stakeholder sind bei der Festlegung der Unternehmensziele gleichberechtigt zu berücksichtigen, weshalb Ansatz als interessenpluralistisch gilt. Dies geschieht durch Verhandlungsprozesse zwischen Management & Stakeholdern. Oberste Zielsetzung ist Maximierung des Stakeholder Value, der den Wert des Unternehmens aus Sicht aller Stakeholder angibt. Vereinfacht ausgedrückt entspricht der Stakeholder Value dem Barwert zukünftiger Nutzen-Kosten-Differenzen aller Stakeholder. Dahinter steckt die Zielgewichtung als Instrument zur Lösung von Zielkonflikten.
So elegant der Stakeholder Value theoretisch ist, so impraktikabel wäre die Ermittlung in der Praxis. Solange alle Stakeholder als gleichberechtigt angesehen werden, hat jedes Stakeholder-Interesse den Gewichtungsfaktor 1. Werden auch noch Unterschiede in der Wichtigkeit oder Macht der Stakeholder berücksichtigt, müssen unterschiedliche Gewichtungsfaktoren für jeden Stakeholder ermittelt werden, was methodisch schwierig ist. Ferner müssten die gegenwärtigen und zukünftigen Kosten und Nutzen jedes einzelnen Stakeholders ermittelt werden, es müssten interpersonelle Nutzenvergleiche zur Entscheidungsfindung durchgeführt werden und es müssten sich im Zeitablauf ändernde Interessen berücksichtigt werden, was insgesamt betrachtet die Informationsverarbeitungskapazitäten des Managements eines Unternehmens überfordern würde. Schließlich würde die Maximierung des Stakeholder Value nicht garantieren, dass die individuellen Interessen einzelner Stakeholder auch maximiert werden. Im Gegenteil könnte die Lage einzelner Stakeholder verschlechtert werden, um den Stakeholder Value insgesamt zu erhöhen. Ferner könnte das Management als Sachwalter aller Stakeholderinteressen nicht mehr für Entscheidungen verantwortlich gemacht werden und unter dem Deckmantel des Stakeholder Value Eigeninteressen verfolgen
Stakeholder- und Shareholder-Ansatz im Vergleich
Shareholder-Ansatz
Der Shareholder-Ansatz ist interessenmonistisch und berücksichtigt nur die Ziele der Eigentümer (= Shareholder)
Gegenentwurf Stakeholder
Shareholder -> Eigentümer/ Anteilseigner
Interesse: zukünftige Zahlungen des Unternehmens an sie, die den Marktwert des Unternehmens bestimmen. Im Falle des Verkaufs von Unternehmensanteilen oder des ganzen Unternehmens möchten sie einen hohen Marktwert realisieren
Wird den Interessen der Shareholder Priorität gegenüber anderen Interessen bei der Festlegung der Unternehmensziele eingeräumt, weshalb er auch als interessenmonistisch bezeichnet wird. Diese Vorgehens-weise wird zum einen durch das Eigentum am Unternehmen begründet und zum anderen durch den Umstand, dass die Eigentümer einen Gewinnanspruch haben, der unsicher ist. Deswegen werden sie auch Residualeinkommensbezieher genannt. Die anderen Stakeholder haben demgegenüber gesetzliche oder vertragliche Ansprüche ggü dem Unternehmen in fester Höhe, weswegen sie auch als Kontrakteinkommens-bezieher bezeichnet werden. Der Grundsatz des Shareholder-Ansatzes ist demgemäß folgender: Wer wie die Eigentümer das wirtschaftliche Risiko trägt, hat das Sagen im Unternehmen
Shareholder Value
Der Shareholder Value ist der Barwert zukünftig erwarteter Einzahlungsüberschüsse (Cashflows), die an die Eigentümer eines Unternehmens fließen.
ist das oberste Ziel des Shareholder Ansatz (Maximierung)
Rappaport (1986)
unternehmensinterne Planungsgröße -> die als Barwert zukünftiger Einzahlungsüberschüsse (Cashflows) ermittelt wird
Ermittelter Unternehmenswert - Fremdkapital = Wert des Eigenkapitals (Shareholder- Value)
Shareholder Value als unternehmensinterne Zielgröße (Innensicht) ist eine Prognose des (tatsächlichen) Marktwertes des Unternehmens (Außensicht), wie er sich z. B. an der Börse ergibt, indem der Aktienkurs mit der Anzahl der Aktien multipliziert wird. Beide Werte können allerdings aufgrund unterschiedlicher Bewertungsmethoden, Infostände und Zukunfts-erwartungen innerhalb und außerhalb des Unternehmens voneinander abweichen und eine „Wahrnehmungslücke“ ergeben. Durch Maßnahmen des strategischen Managements und durch die Kommunikation zwischen Unternehmen und Investoren (Investor Relations) kann eine hohe positive Korrelation zwischen Shareholder Value und Marktwert des Unternehmens angestrebt werden
Kritik Shareholder-Ansatz bzw Shareolder Value ?
Vernachlässigung anderer Stakeholderinteressen als der Eigentümerinteressen und zu einem kurzfristigen Management, was von Quartalszahlen bei börsennotierten Unternehmen getrieben wird, führt.
Dabei handelt es sich allerdings um fehlerhafte Umsetzungen des Konzeptes
Der Shareholder Value ist ein Beispiel für die Zielrangordnung zur Lösung von Zielkonflikten. Die Ansprüche der Kontrakteinkommensbezieher, v. a. MA, Lieferanten, Kunden, Staat, und anderer Stakeholder, die z. B. durch Demos höhere Investitionen in den Umweltschutz erzwingen, werden zuerst in den Auszahlungen berücksichtigt. Die Erfüllung der Ansprüche der Stakeholder durch das Unternehmen führt dann über die Erbringung von Arbeitsleistungen, Lieferungen von Material und Maschinen, Produktkäufe etc. zu Einzahlungen des Unternehmens. Ein Shareholder Value mehrt erst dann das Vermögen der Anteilseigner des Unternehmens, wenn die Ansprüche anderer Stakeholder befriedigt worden sind.
Zielrangordnung
Im Shareholder Value werden die Ansprüche der Kontraktein-kommensbezieher als Nebenziele zuerst erfüllt, dann wird die Vermögensmaximierung als Hauptziel für die Eigentümer verfolgt
Warum sollte sich ein Unternehmen beim Shareholder-Value-Ansatz nicht nur auf Eigentümer konzentrieren?
Unternehmen braucht Unterstützung von Stakeholdern (z. B. MA, Kunden, Lieferanten)
Nur Eigentümerinteressen zu verfolgen ist nicht realistisch
Ohne Stakeholder kein langfristiger Erfolg
Gegen wichtige Anspruchsgruppen kann ein Unternehmen auf Dauer nicht bestehen
Stakeholder Ansatz vs Shareholder-Ansatz ?
zwei verschiedene Ansätze zur Lösung von Zielkonflikten
Stakeholder-Ansatz -> basiert auf der Ziel(gleich)gewichtung
Shareholder-Ansatz -> basiert auf der Zielrang-ordnung (Ziel der Eigentümer als Hauptziel, Ziele der restlichen Stakeholder als Nebenziele, die zuerst zu erfüllen sind, bevor das Hauptziel Maximierung des Shareholder Value verfolgt werden kann)
Wie hängen Shareholder Value und Stakeholder Value zusammen?
Kein echter Widerspruch
Im Shareholder Value sind Stakeholderinteressen indirekt enthalten (über Ein- und Auszahlungen)
→ Beide Ansätze ergänzen sich (Komplementarität)
Merksatz: Shareholder Value enthält auch Stakeholder-Interessen.
Warum ist der Shareholder Value besonders wichtig?
Ist konkreter und besser messbar
Nur bei positivem Shareholder Value können Stakeholder-Ansprüche erfüllt werden
→ Gewinn sichert langfristig alle Interessen
Merksatz: Ohne Gewinn keine Stakeholder-Zufriedenheit.
Warum steigt der Druck zur Orientierung am Shareholder Value?
Globalisierung von Absatz- und Kapitalmärkten
Institutionelle Investoren (z. B. Fonds) fordern Rendite
Geringe Orientierung → Risiko einer Unternehmensübernahme (wenn Investoren das Unternehmen als unterbewertet sehen)
Merksatz: Globaler Wettbewerb erhöht den Shareholder-Druck.
Realtypen von Shareholder- und Stakeholder-Ansatz
Der Shareholder-Ansatz ist besonders in den USA und in Großbritannien wiederzufinden; der Stakeholder-Ansatz eher in Kontinentaleuropa, insb Deu (Mitbestimmungsgesetzen)y
Was regelt die Unternehmensverfassung (Corporate Governance)?
Regeln zur Einflussnahme auf Unternehmensentscheidungen
Beteiligte:
Eigentümer
Arbeitnehmer
(Haus-)Banken
weitere Stakeholder
Gesetzliche Mindeststandards:
Gesellschaftsrecht
Handelsrecht
Mitbestimmungsrecht
Zusätzlich möglich: freiwillige Regelungen (z. B. Beirat)
Merksatz: Corporate Governance = Regeln, wer im Unternehmen mitbestimmt.
Aus den Unternehmenszielen, die Ziele für das gesamte Unternehmen sind, müssen für die einzelnen Unternehmensbereiche (Geschäftsbereiche, Funktionsbereiche) bis hinunter zu den einzelnen Stellen Ziele abgeleitet werden. Welce sind hierbei besonders zu beachten ?
Strategisch relevante Ziele
Traditionelle Zielgrößen des strategischen Managements
Zu den traditionellen Zielgrößen des strategischen Managements gehören der Return on Investment und Marktanteilsziele.
Return on Investment = Quotient aus Gewinn & investiertem Kapital einer Periode. Dabei können eine Gesamt- + eine Eigenkapitalrentabilität unterschieden werden:
Die Rentabilität ist umso höher, je höher der Gewinn (und die Fremdkapitalzinsen) und/ oder je geringer der Kapitaleinsatz ist. Um die Rentabilität zu erhöhen, könnte es über einen verringerten Kapitaleinsatz zu Unterinvestitionen in die alten und neuen Erfolgspotenziale des Unternehmens kommen, die den zukünftigen Unternehmenserfolg gefährden können
Der Marktanteil kann auf der Grundlage von Absatzmengen oder Umsatzzahlen einer Periode ermittelt werden:
Neben totalen Marktanteilen, die die eigene Absatzmenge oder den eigenen Umsatz in Relation zur Gesamtabsatzmenge bzw. zum Gesamtumsatz aller Unternehmen eines Marktes setzen, werden auch relative Marktanteile ermittelt, indem nur die Absatzmengen oder Umsätze der bis zu drei größten Konkurrenten berücksichtigt werden. Bei Verfolgung des Marktanteilsziels allein kann es zu Überinvestitionen – z. B. Marktanteilserweiterung durch Akquisition eines Konkurrenten – kommen, da die Rentabilität der Investitionen nicht überprüft wird.
Die traditionellen Zielgrößen des strategischen Managements sind aufgrund ihres kurzen Zeithorizontes von … (Jahren und welches Management)
max 1 Geschäftsjahr
in ihrer Vergangenheitsorientierung eher operative Management geeignet
werden leider im strategischen benutzt sind aber eigentlich dem operativen zuzuordnen
Was wird also eher für das strategische Management benötigt ?
zukunftsgerichtete und längeren Zeithorizont abdeckende Zielgröße, die das Denken in Investitionen zum Erhalt alter Erfolgspotenziale und zum Aufbau neuer Erfolgspotenziale unterstützt.
-> Shareholder Value stellt so eine adäquate Zielgröße für das strategische Management da
Adäquate Zielgröße für das strategische Management
Der Shareholder Value ist eine adäquate Zielgröße für das strategische Management, da er zukunftsgerichtet ist und das Denken in Investitionen zum Erhalt und Aufbau von Erfolgspotenzialen fördert
Shareholder Value Vorteile nach Hungenberg & Wulf?
Es erfolge Orientierung an einer mittel- bis langfristigen Zielgröße, die mit Zeithorizont strategischer Entscheidungen korrespondiert. Durch Zukunftsgerichtetheit und Orientierung an Zahlungsgrößen erfüllt Shareholder Value eine Vorsteuerungsfunktion, insb im Hinblick auf die langfristige Liquidität
Durch Orientierung an Zahlungsgrößen statt Buchhaltungs-größen besteht wenig Spielraum für Manipulationen.
Der Shareholder Value orientiert sich am Ziel der Vermögens-maximierung der Anteilseigner. Ein positiver Shareholder Value bedeutet eine Steigerung des Wertes des Eigenkapitals für die Eigentümer
Bei börsennotierten Unternehmen erschwert ein hoher Shareholder Value eine (unfreundliche) Übernahme durch andere Unternehmen, sodass die Unabhängigkeit des Unternehmens geschützt wird
Bei börsennotierten Unternehmen verbessert ein Management nach dem Shareholder Value die Finanzierung mit Eigenkapital, denn je höher der Aktienkurs = Marktwert des Unternehmens ist, desto höher sind die Ausgabekurse bei Neuemissionen
Verteilung finanzieller Mittel in einem Unternehmen mit mehreren Geschäftsfeldern kann nach den Shareholder Values der einzelnen Geschäftsfelder erfolgen, wodurch Über- & Unterinvestitionen auf der Grundlage operativer Zielgrößen tendenziell verhindert werden. Ebenso wird eine Quersubventionierung zwischen Geschäftsfeldern wie nach dem traditionellen Portfoliomanagement erschwert, da alle Geschäftsfelder eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals erwirtschaften müssen. Geschäftsfelder, die den Mindestverzinsungsanspruch nicht erfüllen, werden abgestoßen. Unter der Annahme, dass die Geschäftsfelder „stand alone“ (wie eigenständige Unternehmen) geführt werden, kann neben den Shareholder Values der Geschäftsfelder auch der Shareholder Value der Unternehmenszentrale, also ihr Wertbeitrag für das Unternehmen, ermittelt werden.
Durch das Formalziel Shareholder Value wird verhindert, dass wechselnden Themen oder Moden des strategischen Managements unreflektiert gefolgt wird. Jede Strategie muss auf ihr Wertsteigerungspotenzial untersucht werden.
Welche Probleme hat der Shareholder Value als Zielgröße?
Beruht auf Prognosen zukünftiger Ein- und Auszahlungen
→ Prognosen sind unsicher
Methodische Probleme, z. B.:
Schwierige Bestimmung des Diskontierungszinssatzes
Ergebnis kann daher ungenau oder fehleranfällig sein
Merksatz: Shareholder Value klingt exakt – basiert aber auf unsicheren Annahmen.
Diskontierungszinssatz
Der Diskontierungszinssatz dient zur Abzinsung zukünftiger Zahlungen auf einen Betrachtungszeitpunkt.
ZUSAMMENFASSUNG
Unternehmensziele sind angestrebte, zukünftige Zustände des gesamten Unternehmens. Sie lassen sich in Unternehmenszweck, Vision, Mission und Unternehmensziele (im engeren Sinne) klassifizieren. Ferner sind Bereichsziele bis hin zu Stellenzielen vorhanden. Die vielen Ziele in einem Unternehmen können nach dem Zielinhalt in Sach-, Formal- und Sozialziele, nach dem Zielausmaß in Extremierungs-, Satisfizierungs- und Fixierungsziele und nach der Zieldauer in kurz-, mittel- und langfristige Ziele unterschieden werden. Für die Praxis sind vor allem Zielharmonie und Zielkonflikt als Zielbeziehungen von hoher Relevanz. Bei Zielharmonie werden Ziel-Mittel-Beziehungen zwischen Ober- und Unterzielen genutzt, um Kennzahlpyramiden zu erstellen. Zielkonflikte lassen sich zum einen durch Zielgewichtung und zum anderen durch Zielrangordnung lösen. Eine operationale, also nachprüfbare Zieldefinition umfasst Zielinhalt, - ausmaß, -dauer, -träger und -raum. Die Funktionen von Zielen sind: Entscheidungsunterstützung, Handlungssteuerung, Koordination, Legitimation und Konfliktlösung. Die Koalitionstheorie erklärt die Entstehung von Unternehmenszielen verhaltenswissenschaftlich. Individuen oder Gruppen unterstützen ein Unternehmen durch Beiträge verschiedenster Art und erhalten dafür Anreize. Solange ein Anreiz-Beitrag-Gleichgewicht existiert, wird ein Unternehmen von den Stakeholdern unterstützt. Bei einem Ungleichgewicht wird das Unternehmen nicht mehr – z. B. durch die Kündigung eines Mitarbeiters – oder in verringertem Maße – z. B. durch Leistungszurückhaltung eines Mitarbeiters – unterstützt. Aus diesem Grunde ist es für das Management eines Unternehmens wichtig, die Ansprüche der Individuen und Gruppen in das Zielsystem des Unternehmens zu integrieren, um das Unternehmen als Quelle von Anreizen am Leben zu erhalten. Stakeholder sind Individuen oder Gruppen, die die Unternehmenstätigkeit beeinflussen oder von ihr beeinflusst werden. Beim StakeholderAnsatz als Idealtyp werden alle Stakeholder als gleichberechtigt im Zielsystem des Unternehmens berücksichtigt. Beim Shareholder-Ansatz werden nur die Ziele der Eigentümer im Zielsystem erfasst. In der Realität dominiert der Shareholder-Ansatz, da er den Spielregeln der Marktwirtschaft am ehesten entspricht. Der Shareholder Value ist eine für das strategische Management adäquate Zielgröße aufgrund der Zukunftsgerichtetheit, der Mehrperiodigkeit und der Kapitalmarktorientierung
Die Festlegung der Mission gehört …
Zielharmonie ist ein anderes Wort für …
Die Koalitionstheorie erklärt die Entstehung von Zielen durch die …
Der Stakeholder-Ansatz ist …
Der Shareholder Value ist …
Zuletzt geändertvor 13 Tagen